Es ist vorbei (Wettbewerb Der Tod)

KurzgeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P12
Leonora "Leo" Largareta
01.03.2014
01.03.2014
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Wettbewerb: "Der Tod" von Thorinstocher http://forum.fanfiktion.de/t/24235/1
Fandom: Allein gegen die Zeit
Hauptperson: Leo

Es ist vorbei

Dumpf pochte es in meinem Hinterkopf, als ich mühsam die Augen aufschlug. Meine Lider waren schwer und es kostete mich einige Anstrengung, sie nicht gleich wieder herunterfallen zu lassen. Der Schmerz, der meinem Kopf kaum die Möglichkeit ließ, klar zu denken, machte es nicht besser.
Um mich herum war es stockfinster, es gab keine Farben mehr. Ich versuchte meine Umgebung in der Dunkelheit zu erkennen, doch es war unmöglich. Kein einziger Lichtstrahl bahnte sich den Weg zu mir. Alles was ich sah, war eine undurchdringliche schwarze Wand. Wo war ich? Was war passiert?
Mit aller Kraft bemühte ich mich, die Kontrolle über meinen Körper zu erlangen. Nach und nach bewegte ich meine Finger, meine Hände und meine Arme. Diese fühlten sich an, als bestünden sie nur noch aus Blei, so schwer hangen sie an meinen Schultern herab. Dann bewegte ich meine Zehen, jede einzelne reagierte auf meine Signale, doch als ich meine Füße heben und meine Beine an meinen Körper ziehen wollte, gelang es mir nicht. Etwas hinderte meine Bewegung.
Schlagartig kehrten die Erinnerungen zurück. Ben, der einfach von mir gerissen wurde. Seine panischen Schreie, die mich aufforderten wegzurennen. Ich, die durch den Schock nicht reagierte, sondern stocksteif stehen blieb. Die Gangster, die mich brutal packten und in einen Transporter warfen. Die Angst, die sich in mir ausbreitete. Die Ungewissheit, was mit mir geschehen würde. Und dann die tiefe Schwärze, die mir die Sicht und den Verstand nahm.
Ich war gefangen, lag gefesselt auf dem kühlen Boden. Wie viel Zeit war wohl schon vergangen? Ich wusste es nicht, hatte ich das Gefühl dafür doch schon ganz verloren.
Warum hatte man mich entführt? Was hatte man mit mir vor? Ich fand den Sinn an der ganzen Aktion nicht. Meine Familie war nicht reich, bei uns gab es nichts zu holen. Ich war mir nicht sicher, ob sie etwas unternehmen würden, wenn die Gangster drohten mich umzubringen.
Hatte einer meiner Freunde damit zu tun? Bei Jonas und Özzi sah ich da keinen Grund und auch Sophies Familie  war nicht reich genug, um ein Erpressungsziel zu sein. Blieb also nur noch Ben. Hatte Professor Brehmer vielleicht wieder etwas erfunden, was uns in Gefahr brachte? Oder war einer der Männer, die den Söldnerstaat gründen wollten, aus dem Gefängnis heraus gekommen und wollte nun Rache an uns ausüben?
Nach und nach wurde mir klar, dass wir uns schon zu vielen Verbrechern in den Weg gestellt hatten, sodass es schon fast sicher war, dass einer von diesen auf Rache aus war.
Aber warum ich? Wie waren eine Gruppe, alleine schwach, doch gemeinsam stark. Warum entführte man dann nur mich. Als wir überrumpelt wurden, hatte sich keiner geschert, was Ben tat, wohin er floh. Nein, alles was zählte war, ihn von mir loszubekommen.
Wem wollte man mit meiner Entführung schaden? Wen wollte man leiden sehen? War es ich selbst? Gab es hier irgendwo eine Kamera, die mitschnitt, wie ich zu Grunde ging?
Was wollten sie erreichen? Wollten sich mich wirklich sterben sehen?
Ich bekam richtig Panik, als ich darüber nachdachte. Wenn nicht bald jemand kam und mich hier herausholte, dann würde ich verdursten, verhungern oder gar erfrieren. Denn warm war es hier nicht gerade. Wie würde es sich anfühlen zu sterben?
Jetzt schon sehnte ich mich nach einem Bissen eines saftigen Apfels. Mein Magen grummelte schon bei dem Gedanken daran so laut, dass es sich anfühlte, als ob sich alle meine Eingeweide zusammenziehen und auflösen würden. Doch besonders meine trockene Kehle machte mir zu schaffen. Ich versuchte sie mit Spucke zu befeuchten, aber schon bald hatte ich auch davon nicht mehr genug.    
Es war so schrecklich. Wie lange konnte ich das noch aushalten? Ich war schon fast am durchdrehen. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte hier raus, jetzt sofort! Warum kam denn keiner, der mich rettete? Machte sich keiner Sorgen um mich? Wo waren sie alle?
Ich wollte nicht sterben, noch nicht jetzt. Ich hatte doch noch so viel vor mir! In den Sommerferien hatte ich vor mit Ben in den Urlaub zu fahren und eine schöne Zeit zu genießen. Das konnte ich wohl vergessen.
Wie würden die anderen auf meinen Tod reagieren? Würden sie es überhaupt erfahren? Was würde man mit mir anstellen, wenn ich schlussendlich gestorben war? Was würden sie mit meiner Leiche anstellen? Ich wollte gar nicht darüber nachdenken. Diejenigen, die mich hier eingesperrt hatten, waren eindeutig krank im Kopf.
„Ich will hier raus!“, schrie ich verzweifelt. Irgendjemand musste mich doch hören! So ausweglos konnte die Situation doch gar nicht sein, oder? Es musste doch eine Chance geben! Doch, es regte sich nichts, keiner reagierte auf meinen Hilferuf.
Also war es scheinbar beschlossene Sache. Ich würde hier unten sterben, einsam und alleine. Es kam keiner mehr, der mich rettete. Es war vorbei. Ich gab auf. Erschöpft lehnte ich mich an die Wand und schloss die Augen. Ich wollte nicht mehr weiter leben.