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Abtrünnig

von Taia
GeschichteSci-Fi, Tragödie / P18 / Gen
Commander Shepard
28.02.2014
18.06.2015
15
25.280
1
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
28.02.2014 1.815
 
Hallo meine Lieben!

Zuerst einmal deute ich hier explizit darauf hin, dass diese Geschichte erst ab 18 geeignet ist.
Es gibt hier jede Menge Gewalt und noch mehr Blut, also für alle die so etwas nicht lesen wollen, sollte hier Schluss sein.^^


Es geht hier um Zoe Shepard mit der Vergangenheit Mindoir, hier nochmal nachzulesen:
http://www.fanfiktion.de/s/5308b7ab00030ad828094c57/1/Mindoir

Für alle die sich fragen, warum zum Geier ich Mindoir als One-Shot eingestellt habe und diese Geschichte extra poste: Ich wollte eigentlich an einem Foren-Projekt damit teilnehmen und da hätte Mindoir nicht reingepasst, aber weder meine Muse noch meine Kreativität wollten sich auch nur annähernd darauf einlassen.^^ Da aber Mindoir, wie diese Geschichte auch fabelhaft für sich allein stehen können, lasse ich es so.

Was das Pairing anbelangt, ich weiß jetzt schon, dass ihr mich für völlig irre haltet, das ich es gerade mit diesen beiden wage, aber naja, Zoe ist auch etwas wahnsinnig, da passt es ganz gut.

Ich wünsche euch viel Spaß beim ersten Kapitel.
_________________________________









Ich bin meine eigene Hölle, mein eigenes Paradies.
Ein gefallener Engel, der sich selbst in den Abgrund stieß.





Angst.
Alles was Shepard nach Mindoir empfinden konnte war panische Angst. Sie zuckte bei dem kleinsten Geräusch zusammen, warf am laufenden Band einen Blick über ihre Schulter und konnte Nachts kaum ein Auge zu machen vor Panik wieder auf Mindoir aufzuwachen und in der nächsten Minute ihre Eltern sterben zu sehen.
Wenn sie einschlief schrak sie beinahe stündlich aus einem Albtraum auf, der selbst im wachen Zustand nicht enden wollte.
Sie durchlebte diese Zeit auf Mindoir immer wieder und ständig fragte sie sich die endlosen, aber vor allem ergebnislosen Was-wäre-wenn´s.
Hätte sie ihre Mutter retten können? Ihren Vater? Ihre Kolonie?
Was wäre wenn sie sich nicht in dieser Häuserspalte versteckt hätte und ihrer Mutter geholfen hätte, wenn sie nicht einfach stehengeblieben und zugesehen hätte wie ihr Vater gestoben war?
Was wäre wenn sie versucht hätte sie zu retten?
Sie hätte irgendetwas machen müssen, oder?
Sie verzweifelte daran, obwohl sie wusste, dass nichts in der Welt diese Verluste und diesen Schmerz hätte Rückgängen machen können.
Rein gar nichts.
Shepard fragte sich, wieso sie dort in dieser Kolonie nicht einfach gestorben war.  Es wäre doch ein leichtes gewesen einfach stehen zu bleiben, den Kugel nicht auszuweichen  und einfach die Augen zu schließen.
Sie hätte sterben sollen, denn jetzt wollte sie nichts sehnlicher als das.
Ihr Leben war nichts wert, es war ein billiger Abklatsch einer blassen Andeutung eines Lebens, das nie wieder annähernd so sein konnte wie zuvor.
Sie hatte alles auf Mindoir verloren, jeden der ihr nur annähernd wichtig gewesen war und sie wollte nichts sehnlicher als dorthin zurück zu kommen.
Zurück in diese Kolonie, mit ihren Eltern, dort arbeiten, dort leben, dort alt werden und Mindoir niemals wieder verlassen.
Mit einem Mal war dieser Gedanke ihr größter Wunsch, der zugleich niemals in ihrem Leben erfüllt werden konnte.
Erst Wochen später hatte sie realisiert, dass die Allianz zweiundzwanzig Kolonisten hatte retten können, neun davon waren noch bevor sie die Erde erreicht hatten auf dem Schiff an ihren schweren Verletzungen gestorben.
In den Nachrichten sprach man von da an von nur dreizehn Überlebende von einer ehemaligen Kolonie auf der tausende von Menschen gelebt hatten.
Von einem Schlag auf den anderen war Shepards Leben ein Fluch für sie geworden, den sie nicht mehr loswerden konnte.
Die Allianz schickte sie zu ihrer Großtante mütterlicherseits, die Zoe selbst nur zweimal gesehen hatte. Eine ältere Frau, die im Herzen von London in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebte, mit drei Katzen und den üblichen Spitzendeckchen auf den Schränken.
Die Allianz sorgte dafür, dass Shepard psychologische Hilfe bekam, die sie kaum wahr nahm.
Sie wollte alles vergessen, nicht darüber reden, nicht immer wieder vor ihrem inneren Auge damit konfrontiert werden was auf Mindoir passiert war und versuchte verzweifelt einen Weg zu finden, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen.
Sie flüchtete in Alkohol und roten Sand, die einzigen beiden Dinge die ihr wirklich Erleichterung verschafften, sie aus diesem Albtraum herausrissen und in eine Welt warfen, in der nichts mehr so schlimm war, wie es den Anschein hatte.
Ihrer Großtante stahl sie das benötigte Geld dafür und schmiss die Schule nach nicht einmal einem Schultag hin, bis ihre Tante das Jugendamt einschaltete, da sie mit ihr heillos überfordert war.
Zoe packte sich einige Sachen ein, die ihr als nützlich erschienen, wichtig war jedenfalls nichts darunter, denn alles was ihr einmal gehört hatte war auf Mindoir verbrannt, wie ihre Seele.
Shepard fühlte sich wie ein hohles Gefäß das bis zum Rand mit Schmerz gefüllt war und sie tat alles damit er endlich aufhörte.
Ihr Leben war ihr egal, sie wollte es sowieso nicht, sie hätte auf Mindoir sterben sollen, dann wäre alles leichter und nicht nur eine einzige Quälerei.
Unmengen roter Sand war ihre Erlösung, obwohl er teuer war, aber Zoe tat alles, um es sich leisten zu können und zwar wirklich alles.
Was mit ihr passierte, war ihr egal, alles war egal, und ihr Ziel nur der nächste Trip.
Sie empfand nichts dabei, ihr Körper fühlte sich gänzlich taub an und somit empfand sie weder Ekel noch Abneigung gegen diejenigen denen sie eine halbe Stunde ihrer Zeit schenkte um an die bitter benötigten Credits zu kommen.
Allein das Ziel zählte, nämlich eine weitere Prise roten Sand, der ihre geschundene Seele aus ihrem Körper zu lösen vermochte und in den Himmel einer Traumwelt ziehen würde, aus der sie am aller liebsten nie wieder aufgewacht wäre.
Die wenigen Stunden die sie weder high noch betrunken war konnte sie nur mit Mühe aushalten und überbrückte sie mit einer anderen Art von Ablenkung.
Sie empfand eine abartige Zufriedenheit darin sich eine Klinge langsam in die Haut an ihrem Unterarm zu stechen und durch das weiches Fleisch zu ziehen.
Jedes Mal war sie aufs neue fasziniert davon, wie das hellrote Blut aus der dünnen Schnittwunde heraus quoll, über ihre Haut floss und in ihrer Hose versickerte, die schon längst von eingetrockneten Blutflecken nur so strotzte.
Sie beobachtete die kleinen roten Tröpfchen, verteilte sie auf dem Boden oder auf ihrer Haut, zerrieb sie zwischen Zeigefinger und Daumen oder ließ sich einige davon auf der Zunge zergehen.
Es schmeckte nach Eisen und Salz.
Sie versuchte immer öfter tiefer einzuschneiden, setzte die Klinge oft auf der Innenseite ihres Handgelenks an und fragte sich wie lange es dauern würde, bis sie verblutet wäre.
Sekunden?
Minuten?
Stunden?
Würde es weh tun oder wäre es wie einschlafen?
Sie wollte es wissen, sie wollte es versuchen, aber anscheinend hielt sie ein winziger Rest Lebenswille jedes Mal davon ab.
Irgendwann wäre die Zeit dafür gekommen und bis dahin kämpfte sie sich durch jede einzelne Stunde eines jeden Tages, die mit Einsamkeit, Angst und einer nicht enden wollenden Qual angefüllt waren.
Eines Tages wäre sie erlöst.

Es vergingen mehr als zwei Jahre, sie vergaß selbst ihren achtzehnten Geburtstag komplett, denn wichtig war der schon längst nicht mehr, noch gab es jemanden mit dem sie ihn hätte feiern wollen.
Ihr müder, vernebelter Blick wanderte durch die schäbige, kleine Wohnung, blieb kurz an dem anderen Menschen hängen, der immer noch in dem ganzen Bettengewirr schlief und griff schließlich zur Fernbedienung für den Fernseher.
Sie hatte seinen Namen vergessen, oder hatte er ihn ihr überhaupt genannt? Es war auch egal, beschloss sie und schaltete den Bildschirm vor sich an, bevor sie den Ton auf leise stellte.
Nicht, dass es nötig gewesen wäre.
Das Hochhaus in dem die Wohnung war, stand direkt neben einem der zentralen Bahnhöfe, also herrschte ein anhaltendes Rauschen der Hochgeschwindigkeitszüge, die die Stadt verließen oder gerade dabei waren ihr Ziel zu erreichen.
Das stetige Vibrieren war deutlich auf dem Boden zu spüren, auf dem sie hockte und mit einem leisen Seufzer lehnte sie sich ans Bettende.
Abwesend beobachtete sie die aufflackernden Bilder vor sich und blinzelte die mit tränenden Augen einige Male, damit sie deutlicher sehen konnte.
Ihre Lippen waren aufgesprungen, wie etliche Stellen an ihrem Körper, dazu die unzähligen Schnittwunden, die sich in den verschiedensten Stadien der Heilung befanden.
Ein deutliches Zeichen für ihren übermäßigen Konsum an rotem Sand waren ihre Fingernägel, die einen deutlichen roten Schimmer hatten, wie ihre Augen. Zumindest stellte sie es jedes Mal fest, wenn sie in einen Spiegel starrte und sich selbst nicht mehr erkannte.
Wo war nur das naive, junge Mädchen hin verschwunden, dass sie noch vor zwei Jahren gewesen war?
Es war tot, auf diese Antwort kam sie schließlich bevor sie sich angewidert davon abwendete und beschloss nie wieder einen Blick in eine reflektierende Oberfläche zu wagen.
Sie war wirklich kein Mensch mehr, jedenfalls fühlte sie sich nicht danach. Vielleicht war sie mehr ein Tier als alles andere und vielleicht hatten die Batarianer doch recht gehabt sie so zu nennen, denn ein Mensch steckte in dieser verbrauchten Hülle schon lange nicht mehr.
Vielleicht war sie nutzlos wie ein Tier, vielleicht sogar noch nutzloser. Was tat sie schon viel außer zu versuchen sich langsam umzubringen?
Es könnte um so vieles schneller gehen, oder nicht?
Aber dafür fehlte ihr der Mut, somit schloss sie daraus, dass sie dazu noch feige war.
Tief in Gedanken griff sie nach einer herumliegenden Zigarettenschachtel und erhaschte die Letzte, zündete sie sich an und starrte wieder abwesend auf den Bildschirm.
Es liefen Nachrichten und die waren ihr viel zu nüchtern, als das sie sie sehen wollte, also versuchte sie umzuschalten, was nicht funktionierte.
Vielleicht war der Akku leer oder sie war einfach zu dämlich den richtigen Knopf zu drückten und frustriert warf sie die Fernbedienung gegen den Bildschirm. Sie landete mit einem dumpfen Ton an der Plastikscheibe und schließlich auf dem verdreckten Teppich davor.
Ihre Augen folgten der flachen Bedienung und sprangen schließlich wieder nach oben. Schlagartig versteifte sie sich und hielt den Atem an um nur jede Kleinigkeit der Nachrichtensprecherin deutlich vernehmen zu können.
„…vor genau zwei Tagen wurde eine menschliche Kolonie in den Terminus-Systemen überfallen. Es handelte sich offenbar um batarianische Söldner. Welche Organisation dafür verantwortlich war, wird derzeit noch durch die Allianz ermittelt…“
Bei dem Wort ´batarianisch´ biss Shepard die Zähne aufeinander und überwand schließlich auf allen Vieren den Abstand zwischen sich und dem Bildschirm.
Sie kauerte davor und die Bilder darauf vermischten sich mit ihren eigenen. Alles in ihrem Kopf drehte sich, verzerrte und flutete ihr Inneres damit.
Sie hatten es wieder getan?
Wieder!
WIEDER!
Das Wort hallte ohrenbetäubend in ihrem Kopf und schlagartig änderte sich etwas in ihr.
Die Verzweiflung und die Angst kippten und wandelten sich zu Hass.
Schier unbändiger Hass und ein überwältigendes Gefühl Rache zu wollen.
Rache für ihre Eltern, für ihre Kolonie, für ihr erbärmliches Leben.
Eine Waffe in die Hand zu nehmen und auf ein anderes Lebewesen zu richten, schien ihr bis dahin undenkbar, aber während diesem Gedankengang Rache für all das zu bekommen, was sie ihr angetan hatte, erschien es ihr als die einzige sinnvolle Möglichkeit.
Sie würde sie umbringen.
ALLE!
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