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Nemesis

von Nathaira
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jane Foster Loki Odin Thor
27.02.2014
30.04.2014
4
17.878
1
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
27.02.2014 3.560
 
Hallo meine Lieben :)

Es ist wirklich unglaublich, welche Inspiration mich im Thor-Fandom heimsucht.
Fast jeden Tag eine neue Idee und so wenig Zeit, sie alle gebührend auszuschlachten... nun, auch diesmal piesackt mich ein solcher berüchtigter Einfall und jetzt droht er sogar zu einer ausgewachsenen FF heranzureifen -

Diese FF hier ist nämlich eine Art Äquivalent zu meinem anderen Werk October & April.

Denn während dieses vorrangig die Vergangenheit der beiden Brüder schildert, widme ich mich hier dem Geschehen, das nach dem Ende von Thor 2/ Thor - The Dark World stattfinden könnte.
Es ist demnach meine eigene Version von Thor 3 und somit eine mögliche Zukunft.

Nichtsdestotrotz spielt diese Story hier losgelöst von den Entwicklungen und Ereignissen, die in October & April (wer an dieser interessiert ist, hier der Link :http://www.fanfiktion.de/s/528a81e900023ba73580adf7/1/October-amp-April) vorkommen.
Grob gesagt besitzen beide Geschichten in sich abgeschlossene Erzählstränge und symbolisieren doch zwei Hälften ein und derselben Medaille.

Auch möchte ich hier vorab warnen, dass es in dieser Geschichte auf langer Sicht nicht friedlich zugehen wird. Fluff wird wohl kaum vorkommen.
Melancholie, Blut, Krieg, Zerstörung, Chaos, Rippenbrechende Liebe - Aber Hallo!

Sonst wünsche ich euch nun viel Spaß beim Lesen des Prologs und hoffe, er gefällt euch zumindest ein bisschen.

Zuletzt ein riesiges Dankeschön an meine liebe Beta Asia Rose, die die lästigen Fehlerchen aus meinen Texten tilgt :3


---



Prolog


Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.
Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst eine Niederlage erleiden.
Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.


- Sun Tsu. Die Kunst des Krieges.-




Mein Name ist Loki. Ich bin weder Jötunn noch Ase.

Man hat mich in meiner mehr oder minder ruhmvollen Laufbahn mit vielen Titeln gesegnet.
Silberzunge. Ränkeschmieder. Plagenmeister. Giftmischer. Lügenkönig. Eisenbrut. Sogar Ausgeburt des Wahnsinns ward ich einmal genannt. Und ich habe demjenigen gedankt und ihm mein Kompliment für seinen Einfallsreichtum ausgesprochen.

Aber was bin ich nun? Was bin ich wirklich? Ein einziges Bewusstsein reicht nicht aus, um all diese Identitäten in sich zu vereinen.
Täte es das, würde ich wohl an einer Zersplitterung des Geistes leiden. Schizophrenie heißt es bei den Menschen, wenn ich mich recht entsinne. Aber ich bin, seit ich denken kann, hoffnungslos besitzergreifend. Ich gehöre nur mir selbst. Doch wodurch sich dieses Selbst mittlerweile definiert, ist mir bei näherer Betrachtung schleierhaft geworden.

Selbst mein Spiegel ist unfähig. Er reflektiert bloß eine Hülle, die mein Äußeres kleidet. Eine Porzellan-Maske umspannt meinen Kiefer. Das sagt gar nichts. Meine Gestalt kann ich ändern, wie es mir beliebt und sobald mich ein Eisriese auch nur zufällig streift, tritt das Erbe in Erscheinung, das ich bis in die Tiefen meiner rabenschwarzen Natur verabscheue.
Dann bin ich wahrhaft hässlich.
Demnach ist die Antwort nicht in der Farbe meines Fleisches oder der Beschaffenheit meiner Knochen zu finden. Ich muss in mich gehen. Und stehe vor einer Mauer aus Frostkristallen. Wie oft habe ich mir die Nägel abgebrochen, indem ich an ihr zu kratzen versuchte? Mir ist das Zählen längst vergangen.

Die durchscheinende Fläche gibt nicht nach.

Sie ist so unverrückbar wie die Schuld, die ich auf mich geladen habe.
Wenn Messers Brust an meinem Hals schabt, fließt Rot aus meinen Adern und ich frage mich, wie tief ich schneiden muss, dass das daruntergemischte Pech aus meinen Adern tritt. Ich habe häufig gegraben. Lange gegraben. Mein Körper ist ein verschütteter Sarkophag. Ich habe die Ränder gesäubert, doch der Deckel ließ sich nie öffnen. Warum, das weiß ich nicht.
Da. Was ist da drin in mir? Was zeichnet mich jenseits des Rufes aus, den mir das Universum auf den Leib geschneidert hat?

Sind es etwa Gefühle, die mich geprägt haben? Emotionen?

Nein.
Taten.
Taten erklimmen den Zahn der Zeit. Aber sind es nicht jene Gefühle, aus denen solche Taten erwachsen?
Ist ein Krieg nicht das Ergebnis eines schändlichen Verrats, gefördert durch Neid und Eifersucht? Ist ein Tod nicht das Resultat eines gebrochenen Herzens, skizziert durch Hass und Enttäuschung? Ist nicht die Liebe Wurzel und Quell aller verfügbarer Leiden, die das langsame Faulen namens Leben bietet?

Ja. Ja, das muss es wohl sein. Emotionen sind der Grund aller Übel. Warum sollte ich nicht das größte unter ihnen sein?

Aber ich bin stärker als sie. Muss stärker sein. Bezwinger des Unbezwingbaren. Bezwinger des Bezwingers. Bezwinger meiner selbst.
Ich muss diese Gefühle abstreifen wie Kleidung, die mir die Luftzufuhr abschnürt. Muss sie nach Helheim bannen, hinter das Gitter, an Garms triefenden Lefzen vorbei. Denn erst, wenn ich eine hohle Hülle bin, stumpf geschliffen, aufpoliert und kühl und frisch wie der erste Morgentau, erst dann habe ich mich gefunden. Erst dann bin und bleibe ich unverwundbar.
Und nur wenn ich unverwundbar bin, wenn du mir nichts mehr anhaben kannst mit deinen Worten, deiner Stimme, deinem Körper, deinen Händen...(Gott, deine Hände!) Nur dann kann ich dich besiegen. Einen endgültigen Sieg erringen.

Aber will ich das überhaupt? Es macht Freude, mit dir zu spielen, die Grenzen zu überschreiten. Etwas anderes kenne ich nicht. Und falls ich es je kannte, habe ich es vergessen.
Aber das kümmert dich nicht wirklich, wie? Du liebst mich. Du liebst mich, du liebst mich.

Warum, Bruder? Warum du? Warum ich? Warum sie?
Wie du es auch drehst und wendest, das Schicksal betrügt dich auf beiden Seiten, egal welcher du dich zum Schluss zuwendest. Midgard schenkt dir ein Ende mit Schrecken. Ich garantiere dir einen Schrecken ohne Ende.
Die Wahl ist schwer für denjenigen, dessen Lebensspanne fast ewig hält. Und glaube mir. Ich werde es dir so unangenehm wie möglich gestalten.
Damit du ganz sicher sein darfst, das Richtige getan zu haben.

Du hegst doch eine solche Leidenschaft für die Tugend, oder?
Ich werde sie dir ins Fleisch ätzen, bis du daran krepierst. Du wirst es lieben, Bruder.

Lieben.


---


Es ist Nacht und Ragnaröks Ruf schallt in stummem Schrei über das Land.

Bis jetzt ist es nur ein Echo, das man tröstlich ignorieren kann.

Doch für wie lange? Für wie lange... Ich weiß es nicht.

Und wenn ich ehrlich bin, ist es mir diesmal egal was morgen sein wird. Oder Übermorgen. Gar nächste Woche - Falls wir bis dahin noch leben. Du bist hier. Das ist alles, was zählt.

Das Mondlicht trinkt von den Schatten, die scheu an den Wänden des Zimmers kauern und sich kaum aus ihren Nischen getrauen. Es amüsiert fast, wie geduldig es sich durch die Vorhänge hangelt, verzweifelt an der Bettdecke festkrallt. Ein paar Strahlen kriechen blind zu mir, brechen sich wispernd auf meiner Haut. Die Kälte des Weltalls geistert durch meine Fingerspitzen. Ich lege sie an meine Lippen und lecke ab. Sternenstaub paart sich mit dem Silber meiner Zunge.
Bedächtig sehe ich zu, wie das Mondlicht seine ziellose Reise fortsetzt, verzerrte Bahnen über meinen Körper malt. Zärtlich tanzt es mit seinem glühenden Schemen sanfte Reigen über mein blasses Fleisch, vollführt aufreizend schimmernde Pirouetten darüber. Es ist ein Spiel. Unschuld entspringt aus Unwissen. Es kennt mein Gift nicht. Und die Sterne sind es längst müde geworden, den Mond zu unterhalten. Mich stört das nicht. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten neige ich mich willig aus dem schützenden Mantel der Finsternis und heiße den fahlen Schein willkommen. Er birgt keinen Platz für Täuschungen, jeder Zentimeter meines nackten Leibes liegt bar ausgebreitet auf dem Bett und mischt sich übergreifend mit dem blütenweißen Laken unter meinen Schenkeln.
Es ist, als ob ich in Tuch gewobenem Schnee bade wie einst der Säugling, den man im ewigen Eis Jötunheims zum Sterben niedersetzte. Aber das ist vergangen. All die Fehler, die Versäumnisse und die Taten, die wir damals begangen, sind nun nicht mehr als ein kümmerliches Trugbild unserer schamlosen Erinnerungen.

Nur was im Hier und Jetzt geschieht, ist von Belang. Was am heutigen Tage passiert. Oder in der heutigen Nacht...

Betont langsam drehe ich den Kopf auf die Seite, fokussiere meine Augen auf dich, der du seit gefühlten Ewigkeiten vor der Bettstatt stehst und unentschlossen haderst, ob du zu mir kommen sollst oder nicht. Der schwache Hauch eines höhnischen Lächelns schneidet in meinen rechten Mundwinkel, zieht ihn einem Anker gleich Millimeter nach oben.
Eine Narbe im Marmor meiner Wange. Du ballst die Fäuste, bist im Begriff einen Schritt zurückzutreten. Mein Lächeln mutiert zu einem spöttischen Grinsen und du bleibst stehen. Narr. Nur ein Feigling verdrängt seine Triebe.
Du schaust von meinen gekräuselten Lippen auf und Hass perlt wie weinender Regen auf mein Gesicht. Oh, dein Hass, dein Hass ist von Stürmen gebeutelt und Windböen getragen. In der Ferne verklingt ein Donnergrollen. Ein Schauer überläuft mich. Deine Wut ist reichlich wie der Hagel, der weitab von unserem Standort unbarmherzig auf schuldlose Äcker prasselt und die Erde zu schmatzendem Schlamm stampft. Dein Blick ruht auf mir wie der lauernde Jäger auf seiner Beute.
Instinktiv hebe ich mein Becken an. Eine Herausforderung. Du liebst Herausforderungen. Es gefällt dir. Leugne es nicht. Der Hunger, der in deinem sturmumwölkten Blau blitzt, ist unverkennbar. Du begehrst, was du siehst. Ich kann es in deinen Augen lesen.

Deine Augen sind überhaupt das Beste an dir. Waren es immer.
Nicht deine muskulösen Arme, die ganze Gebirge stemmen. Nicht deine breiten Hände, rau und ungehobelt, Präsente des Schlachtfeldes und des geübten Waffengebrauchs. Nicht deine sonnengeglättete, wirre Mähne, die jedem Löwen Ehre gemacht hätte. Nicht dein halbharter Schwanz, der blutgefüllt aus deinem Schoß ragt und vor schwerlich unterdrücktem Verlangen hitzig pulsiert. Die Stofflage deiner Beinkleider ist zu dürftig, um mir diese Sicht zu verwehren.

Aber nein. Deine Augen.

Es gibt nichts Besseres als deine Augen. Sie fressen mich bei lebendigem Leibe. Aber die Regeln, die dich die Gesellschaft lehrte, haben dich scheu werden lassen.
Du atmest, isst, trinkst und kämpfst aber sag mir, wann fängst du endlich an zu leben?
Es ist ein jämmerliches Dasein, das du dir selbst innerhalb der Jahre erschaffen hast. Weder der goldene, noch der unterirdische Kerker vermochten mich zu halten. Du dagegen hast beide seit jeher als Schutzwall verstanden und vermummst dich darin wie ein zitterndes Kind in seiner Decke. Schutz versprichst du dir von all den Institutionen und Gesetzen und Regeln, die deine Ahnen vor Äonen auf aufgestellt haben. Sie zeichnen deinen Weg, erschöpfen dein Urteil. Über die Welten. Über mich. Über dich selbst. Du willst es nicht hören aber ich werde nie müde werden, dir deinen Starrsinn vorzuwerfen. Du bist ein Prinz, ein verdammter Gott. Aber du gebärdest dich nicht selten wie ein Ackergaul, dem man Scheuklappen an die Schläfen geheftet hat und der von fremder Peitsche getrieben gehorsam voranprescht. Das ist erbärmlich. Ich weiß, du hasst die Wahrheit und du hasst sie noch mehr, wenn sie aus meinen Worten blättert, weil es dir widersinnig erscheint.

Ohne Warnung spitze ich die Lippen und spreize selbstvergessen die Beine, sodass sich das Licht gierig um meine bloßgelegte Mitte drängt. Ein süßliches Seufzen entweicht meiner Kehle. Der Klang ist fürchterlich leise, kaum mehr ein Wispern. Und doch durchfährt er dich vom Scheitel bis zur Sohle.
Ich fühle es.
Die Luft knistert in statischen Ladungen, elektrische Impulse, die dein Wesen formen. Oh, du kannst zügellos sein, mein Lieber. Ich bin der Letzte, der dir Fesseln anlegen wird. Das habe ich bei dir nie gebraucht. Deinen Blick durchzuckt Erkenntnis, eine aufbegehrende Erinnerung. Ja. Du kennst mich.
Ab und zu durchschaust du mich sogar. Ich vermag in dir wie in einem offenen Buch zu lesen, aber du begnügst dich damit, an meinem Einband zu reißen. Jahr für Jahr für Jahr. Und das Jahr darauf. Du willst mein Innerstes ersteigen. Wie jetzt. Und manchmal gelingt es dir für einen hoffnungsvollen Moment. Vielleicht gelingt es dir auch in diesem. Aber es wird dir dennoch nicht helfen. Nicht hier. In dieser Nacht bin ich es, der in deine Wunden fasst. Und du wirst um mehr flehen.

Sekunden vergehen. Wimpernschläge. Herzschläge. Dann bist du neben mir. Auf mir. Überall. Beugst dich über mich.

Deine Hände setzen sich zu beiden Seiten meines Kopfes in die Matratze, sinken leicht in die weiche Federung ein. Das Goldhaar fällt an deinen Schläfen hinab, vereinzelte Strähnen berühren meine Wange, meinen Hals. Es kitzelt ein wenig. Ich verziehe keine Miene. Der Ausdruck in deinen Augen birgt ein interessantes Bouquet, das an den Rändern von Rage, Zweifel, Lust und Furcht schwankt. Ein Strudel aus Leid, der mich in sein Zentrum nimmt und bis zum bitteren Eklat nicht loslässt. Exquisit, wirklich. Ich bin offiziell der Mittelpunkt deiner Welt. Und ich bin im Recht. Es gibt nichts Besseres als deine Augen.

¨Du bist eine ruchlose Kreatur¨, zischst du zwischen zusammengebissenen Zähnen und dein Bass ersäuft schier in seiner brodelnden Qual. Du quälst dich, du quälst dich. Du quälst dich wegen mir, wie schön. Mit unverhohlener Faszination verfolge ich, wie die Muskeln unter deiner Rüstung beben. Mein armer Bruder.
Du bist es leid, dich kontrollieren zu müssen. Das ist fein. Ich werde dich davon befreien, ob du mich lässt oder nicht. Es ist keine Erlaubnis nötig.
¨Und du liebst du mich immer noch¨, antworte ich und mein samtener Bariton streicht Balsam auf deinen geschundenen Geist, ¨Wer ist hier ruchlos? ¨

Du schweigst, was einem Geständnis gleicht. Gut. Das spart uns Zeit für die wichtigeren Dinge. Ich hebe mein Haupt leicht an, bin dir bald so nahe, dass sich unsere Nasenspitzen treffen und der Atem des anderen auf unsere Haut bläst. Nur wenige Zentimeter bin ich von deinem Gesicht entfernt. Fünf Zentimeter. Vier Zentimeter. Drei. Zwei -

Der restliche Abstand wird von dir selbst überbrückt. Herrlich einfältig. Und so berechenbar.

Ein Kuss.

Ein zarter Kontakt zweier Lippenpaare. Beinahe unschuldig. Es währt zu kurz, viel zu kurz.
Du löst dich, entsetzt über dein eigenes Begehren. Aber es nützt dir nichts. Es gibt kein Entkommen. Deine Schuld.

Wie eine Kobra hasche ich ruckartig nach dir und fange dich mit meinen Zähnen, treibe mit der Zunge mein Gift in deinen vage geöffneten Mund. Köstlich, nicht? Dir schmeckt, was geboten wird. Ansonsten wäre deine harsche Erwiderung ein Akt von purem, unverfälschtem Masochismus.
Doch da ist mehr als das. Soviel mehr, was ich will. Allein du kannst es mir geben.
Ich will, dass du dich über mich legst, deinen bulligen, unhandlichen Körper gegen den meinen presst, in meinen Armen schmilzt.
Ich will, dass du mich mit Zähnen und Klauen genießt, jede Sehne, jeden Muskel kostest und an meinen Knochen nagst. Ich will, dass du meinen Brustkorb mit bloßen Händen aufbrichst und das heiß dampfende Steinherz zwischen deinen Fingern birgst. Daran leckst, daran saugst, es hinunterschlingst und das Blut von deinen klatschmohnroten Lippen rinnt.

Vielleicht bin ich dann sogar ein bisschen glücklich.

Was danach geschieht, ist einstudiertes Stückwerk. Haut reibt Haut, Finger wandern, packen, kämpfen.
Ein Turnier des Fleisches und der Knochen. Metallplatten stürzen mit einem blechernen Scheppern zu Boden, das Kettenhemd verabschiedet sich mit einem Rasseln. Da ist Hitze in meinen Lenden und ein Mund aus Lava an meiner Brustwarze. Er umschließt sie, saugt daran als tropfe Honig heraus. Speichel glänzt in trägen Fäden auf meinem Fleisch, vereint mit Schweißtropfen und heiserem Stöhnen.

Entweichen diese Geräusche wirklich mir? Seltsam, es hört sich so befremdlich an...

Deine Hände, ständig in Bewegung, lassen mich keine Sekunde zur Ruhe kommen. Ahne ich sie an meiner Taille, streichen sie längst über meinen Rücken, mein Haar, dann an meinem - Unvermittelt keuche ich auf.
Du packst mich wie eine Natter, hart und herzlos reiben deine Finger an meinem Glied. Seufzend stemme ich mich dagegen. Ich bin eine Hure. Deine Hure. Freue dich über dieses Privileg, denn es erhält kein anderer.
Schließlich habe ich genug von meiner Tortur. Mit einem hämischen Grinsen schubse ich dich aufs Bett zurück, throne über dir. Ich bin dran.

Meine Bewegungen sind schnell.
Noch ehe du mich zu hindern vermagst, hängt mein Mund über deinem Schoß. Bedächtig fährt meine Zunge an deiner Erregung entlang, umspielt die leckende Spitze, aus der die Zeichen erster Lust quellen. Bald gesellen sich Lippen und Atem an die Eichel.

Lass mich deine Banshee sein. Ich sauge dir mit Vergnügen das Leben aus.

Ohrenbetäubender Donner brandet oberhalb der Wolkendecke und Blitze zerschneiden den Himmel im Minutentakt.
Du bist so leicht aus der Fassung zu bringen. Immer schon. War es je anders?
Eigentlich scheint es sinnlos, etwas zu markieren, das mir längst gehört. Aber dein Zucken, deine schweißglänzende Brust, dein knurrender Bass, sind mir jeden Biss wert, der sich in ein dunkles Mal an deiner prekärsten Stelle umfärbt.
Sieh mich ruhig an, während ich mich an dir vergehe.
Präge dir jede Einzelheit als Standbild ein, denn es wird so wenig ewig währen wie du und ich. Deine Finger legen sich an meinen Hinterkopf. Zögerlich.
Lachhaft für einen Donnergott. Aber typisch.

Trau dich, treib mich weiter. Lass mich die Nägel in deinem Becken versenken. Spiel mein Spiel.
Du willst es. Und ich kenne keine Scham.

Und doch zerrst du meinen Mund von dir fort, nur, um ihn erneut gegen deinen zu drängen. Dein Geschmack raucht auf meiner Zunge. Es sendet dir Schauer hinab. Es ist nichts dabei, wenn du dominieren willst. Solange ich es bin, der deine Zügel in der Hand behält. Es macht Spaß, dir die Sporen zu geben.
Plötzlich sind da nasse Finger an meinem Anus, die sich ohne Rücksicht durch den Muskelring bahnen und sich in meiner Enge verfangen. Der Cocktail aus Wehmut und Wonne, der meine Laute kürt, wird von deinen Lippen zum Schweigen gebracht. Auf und ab. Rein raus. Immer wieder. Und wieder und wieder.
Hör auf und du stirbst in diesen Laken.

Meine Sicht verschwimmt allmählich. Tränen in meinen Augenwinkeln? Nein. Ein Blinzeln. Es hat sie nie gegeben.

Bruder, hasst du mich eigentlich? Tief, ganz tief in der Arche, die du dein Herz nennst? Trotz all der Liebe, die du mir zu offerieren gedenkst?

Es mag sentimental anmuten, aber ich würde es gerne wissen, bevor Ragnarök uns unserer Stimmen beraubt und wir tot in der Asche schlafen. Ich kann es hören. Die Schreie der gefallenen Krieger röhren in meinen unbelebten Träumen und der Zusammenbruch der Welten besitzt das Geräusch zerspringenden Glases.
Wir alle sind bloß Scherben aus den Scherben ihrer Scherben.

Mein Name ist Loki. Ich bin weder Jötunn noch Ase.
Ein Monster, das sich am Unheil nährt und nach Chaos giert.

Aber du? Was bist du?

Du bist weder mein Feind noch mein Freund.
Du bist weder mein Rivale noch mein Verbündeter.
Du bist weder mein Geliebter noch mein Bruder.

Du bist meine Nemesis.

Ohne dich erfährt meine Existenz keinen tieferen Sinn.
Und ohne mich ist dein Sieg fade, sind deine Lippen wertlos. Sie könnten dir genauso gut mit einem Faden vernäht und ewig zum Schweigen gebracht werden. Wie mir einst, als ich noch lernen musste, wann es sich schickte ehrlich zu sein und wann sich eine Lüge gütiger anbot...

Ein weiterer Kuss von dir und jeder weitere Gedanke tilgt sich in prickelndem Feuer, das meine ölgetränkte Seele bis zur Grundfeste verbrennt und meinen Biss auf deine Lippen graviert. Du dringst in meine Enge, pfählst mich. Und es ist das Köstlichste, das ich je erfahren habe.

Ich sehe das Weltall. Kometen, die vor meinen Augen explodieren. Fallende Gezeiten.
Nichts wird von uns übrig bleiben, wenn die letzte Schlacht die Berge zittern macht und Wälder vom Boden pflückt. Nichts. Wir scheiden dahin, Mund an Mund. Gegürtet in den Ketten, die wir uns selbst durch eisernen Willen schmiedeten.
Vereint in der Sünde nach Verbotenem zu streben. Das Blut wird uns zur Decke, die flirrenden Feuerfunken in der Dämmerung sind unsere Sterne.

Deine Stöße werden schneller. Reißender.
Die Kontrolle ist dahin. Sie hat dich verloren. Ich habe dich gewonnen.
Du bist ein fleischgewordener Orkan und ich vergehe in deinem Sog. Du bist der einzige Kerker, der mir gefällt.
Nimm mich.
Nimm mich, bis ich tot bin und taub und wund, so wund, dass ich nicht einen einzigen Muskel rühren kann, ohne dich noch nach Tagen in mir zu spüren. Verlinke unseren Blick und schau mich an, wenn du kommst. Wenn ich komme.

Tu es!

Du wendest dich ab, starrst über meine Schulter hinweg. Absichtlich. Rebellisch. Nutzlos.
Schwungvoll klammere ich meine Hände in dein Haar und zwinge dein Gesicht in meine Richtung. Oh, dieser delikat geweitete Schmerz in deinen Pupillen.
Was ist süßer? Die Lust oder die Pein, die in ihnen schwelgt? Ich kann mich nicht entscheiden.

Ein letztes, quälendes Mal treibst du dich in mein Innerstes und lässt uns beide schreien. Mag sein, dass ich lauter bin als du, aber wen kümmert das?

Sperma gießt sich auf deinen Bauch und wenige Momente später in mich.
Erschöpft brichst du zusammen. Dein Gewicht lastet schwer auf meinem Körper. Instinktiv winde ich die Arme um deinen schweißnassen Nacken und halte dich.
Es ist in Ordnung. Du bist gefallen. Du bist mir gleich.

...Ja.

Ich freue mich darauf. Auf den Untergang. Du wirst bei mir sein, wenn es zu Ende geht. Ihr alle werdet Ragnarök erleben und mit mir sterben.
Denn ich bin ein Gott.
Wir sind Götter.

Ich bin glücklich.

---

Hey^^

Da bin ich wieder :)

Wollte nur noch rasch Bescheid sagen, dass die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Loki  und Thor geschildert wird.
Dabei wird Lokis Sicht stets aus der Ich-Perspektive und im Präsens erfolgen, dafür wird Thors Sicht aus der Er-Perspektive und dem Präteritum erzählt.
Eine bunte Mischung demnach. Hoffe, sie wird euch gefallen^^

Über Kommentare, Meinungen, etc. würde ich mich sehr freuen (gerne auch in Form einer PM, falls jemand aus welchen Gründen auch immer nicht öffentlich seine Meinung kundtun möchte ^^)

Liebe Grüße,

Nathaira <3
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