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Das Wispern der Zellentrakte...

von -bamboo
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Balin Bilbo Beutlin Legolas Thorin Eichenschild Thranduil
24.02.2014
24.02.2014
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8.726
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24.02.2014 8.726
 
Ich grüße dieses Fandom =3
Joa, viel gibt es hier auch nicht mehr zu sagen, ich würde mich sehr über ehrliche Kritik freuen, ich beiße nicht, und knallharte Kritik kann ich verkraften.

By the way, die Geschichte hängt sehr am Film, dem zweiten Teil, Spoiler sollten aber nicht vorhanden sein, da sie ja unglaublich abgeändert ist :)

Die Geschichte habe ich etwas früher verlegt, so dass der Tag, an dem die Zwerge spätestens am Erebor ankommen müssten, etwas weiter entfernt ist. Die Kompanie kann sich also noch Zeit lassen.
Sow, dann viel Spaß mit meiner "Was wäre, wenn...?" Geschichte :D


„Bilbo!“
Helle, blaue Augen suchten durch das Gestrüpp und die vielen, umher liegenden Spinnenleichen, die teilweise von Pfeilen gespickt waren und denen teilweise auch die Beine fehlten.
Ein Gemetzel, und ein unangenehmer Geruch in der Luft. Alles war still, nur der Wind raschelte in den Bäumen.
„Bilbo!!“
Die eisigen Augen, die dem Wasser an den Polen von der Farbe her ähnelten, wenn die Sonne hineinscheint, waren trüb vor Sorge.
„Wo ist der Halbling?“
Die Rufe der tiefen Stimme klangen mehr als nur verzweifelt. Sie waren sehnsuchtsvoll und von Schmerz verzerrt.
Und da, unter einer dicken Spinne, ein halb eingewebter, kleiner Körper, der sich schwach bewegte. Schwere Schritte, knackende Äste. Ein Schatten fiel auf den Körper, der Kadaver der Spinne wurde weggezerrt.
Starke Arme umfassten den Körper, der soeben erschlafft war. Der Hobbit schwebte in der dunklen Welt der Bewusstlosigkeit, während der König unter dem Berge ihn mit einem erleichterten, ja fast schon liebevollen Blick musterte.





Was wäre, wenn...
...Bilbo mit den Zwergen zusammen in den Kerker der Waldelben geworfen worden wäre und Bilbo plötzlich Gefühle für jemanden entwickelt?


„Thranduil! Hier ist der Halbling, nach dem du verlangt hast!“
Die schlanken, aber kräftigen Hände stießen den Hobbit nach vorne und fast prallte der leicht verwirrte Halbling gegen den schwarzhaarigen Zwerg, wäre dieser nicht einen Schritt zur Seite getreten. Seltsam, denn immerhin wurde der Zwerg von zwei starken Elben an den Schultern festgehalten, die eigentlich keine Bewegung zuließen. Im dem Falle dann wohl doch.
Bilbo blickte zu den beiden hinauf. Der Zwergenkönig sah sehr aufgebracht aus, und auch der Elbenkönig konnte sein schönes Gesicht nicht glätten, und so sah Bilbo die Aufgebrachtheit in den ebenmäßigen Zügen des Elben.

„Und du bist also dieser mysteriöse Halbling, der mit den Zwergen durch das Gebirge bis hin zu unserem Wald gezogen ist? Wie kommt es, das ein Hobbit mit einem Haufen wilder, männlicher Zwerge umherzieht, sein Unwesen treibt und sein sicheres Zuhause zurücklässt?“, rief der hellblonde König, seine Stimme hallte durch die riesige Halle, und der Hobbit zuckte zusammen. Seine Ohren waren zu lange an die unheilvolle Stille des Waldes ausgeliefert gewesen, und selbst der Krach der Spinnen war nicht mit der Lautstärke in der Halle vergleichbar.
Die blauen Augen bohrten sich in tief in die von braunen Augen von Bilbo, und der verhältnismäßig junge Hobbit zuckte leicht zusammen. Eine leichte Röte zierte seine Wangen plötzlich, und man konnte sie unter der Schmutzschicht auch, erstaunlicherweise, erkennen. Erstaunlich schnell verarbeitete der Kopf des Hobbits die Andeutungen des Elben. Und irgendetwas an dem Ton des Elben versetzte den Hobbit in Verlegenheit.

„Was willst du von meinem Halbling?“, knurrte Thorin und wollte sich schützend vor den Lockenkopf stellen, doch die Wachen hielten ihn fest. Grummelnd bäumte sich der Zwerg auf, was ihm in Endeffekt nicht mehr als einen Schlag auf den Hinterkopf einbrachte.
Bei den Worten von Thorin brannten Bilbos Wangen förmlich. Verstand dieser Zwerg eigentlich nicht, auf was Thranduil mit seinem schnippischen Kommentar gedeutet hatte? Am liebsten hätte er dem Zwerg ins Gesicht geschrien, dass Thranduil ihm gerade unterstellt hatte, auf Männer zu stehen!

Aber war das überhaupt schlimm?
Seine Mutter meinte immer, es sei egal, wen man liebe. Hauptsache man liebte ehrlich und war glücklich mit dieser Liebe.
Also sollte er sich keine Gedanken darüber machen. Auch wenn er daran zweifelte, auf Männer zu stehen.

Wobei das seit kurzem gar nicht mehr so abwegig erschien. Er genoss es immer, in der Nähe von Thorin zu sein. Er fühlte sich sicher bei ihm, auch wenn der Zwerg eine harte Schale hatte und immerzu abweisend und kühl schien, auf dem Carrock hatte er dann aber mit der Umarmung seinen weichen Kern gezeigt.
Die Umarmung hatte in ihm mehrere Gefühle ausgelöst. Unwohl hatte er sich gefühlt, da die starken Arme ihn sehr fest an die breite Brust gedrückt hatten. Sicher hatte er sich gefühlt, wie immer in der Anwesenheit des Königs. Aber dann war da dieser zarte Schmetterling in seinem Bauch gewesen, der sanft mit seinen dünnen Flügeln geschlagen hatte, als Bilbo die Wärme, nein, die Hitze des Zwerges gespürt hatte.

Zitternd schaute er zu dem Elben auf, der ihn ausdruckslos musterte, und als er sich dann kurz erlaubte, zu Thorin rüber zu schielen, flatterte der Schmetterling wild durch seinen Bauch, da eisige, blaue Augen ihn besorgt musterten, seine Kopfwunde genauer betrachtete, über seinen von Ästen gepeitschten Oberkörper wanderten und schließlich an seiner zerrissenen Hose hängen blieb. Alles starrte vor Dreck und von getrockneten Blut.
Die Augen wanderten wieder nach oben, verhakten sich mit den Braunen des Hobbits, und dem Hobbit schoss wieder eine gewisse Röte ins Gesicht, die eigentlich vergangen war, als er nachgedacht hatte.

Die braunen Augen wanderten zurück zu dem Elben, in dessen Augen etwas undefinierbares funkelte, und Angst fuhr durch seinen Körper, versetzte in eine kurze Starre, bevor das Adrenalin ausgeschüttet wurde und sein Mut, den er seit neustem besaß, durch seinen Körper sickerte und er seine Brust weit herausstreckte. Sollte der Elbenkönig doch denken was er denken wollte, nur hatte er sich dadurch das Ansehen bei dem Hobbit zunichte gemacht.
„Ich bin Bilbo Beutlin aus Beutelsend, eure Hoheit!“, schnappte er bissig und beugte kurz den Kopf, die Locken fielen in seine Augen. Etwas Respekt und Anstand wollte er vor diesem Elben auch zeigen, schließlich war es ein König, der ihm auf die Locken schaute.

Er bemerkte die Augen des Zwerges, dem er offenkundig hoffnungslos verfallen war, auf sich, und ein Seitenblick zeigte Bilbo, dass der Zwerg zwischen Anerkennung und Entsetzen schwankte. So kannte er den Halbling noch gar nicht, und würde Thorin sich nicht so gut beherrschen, wäre ihm sicher der Mund aufgeklappt. Bei der Vorstellung musste Bilbo schmunzeln, was nur Thorin sehen konnte, da sein Kopf noch immer gebeugt war.
„Bilbo Beutlin, warum wanderst du denn mit diesen Zwergen durch mein Reich, ohne das ihr euch angekündigt habt? Ich hätte mich auf die Ankunft des König unter dem Berge vorbereiten müssen!“, meinte Thranduil mit vor Ironie triefender Stimme und schnalzte dann (wahrlich unangebracht für einen König) mit der Zunge.

„Das sehe ich genauso, ihre Hallen sehen wahrhaft schrecklich und unangenehm aus, nicht angebracht für einen Zwerg seiner Macht!“, schnaubte der Hobbit und schaute ohne Furcht zu dem Elbenkönig auf. Ohne Furcht und ziemlich grimmig.
Was auch immer in ihn gefahren war, es hing mit Thorin zusammen. Wollte er dem Zwerg zeigen, was noch in ihm steckte? Wollte er sein freches Gegenstück sein, scharfe Zunge, frecher Blick und keine Angst vor der dadurch kommenden Gefahr?

„Siehst du das so, Bilbo?“
Wann hatte der Halbling dem Elben erlaubt, ihn zu duzen?
„Dann ist dein Geschmack für Komfort schon lange verdorben, denn meine Hallen gelten als die sichersten und wohligsten Hallen in ganz Grünwald!“, rief der weißblonde Elb und Bilbo klingelte es in den Ohren. Es war verdammt laut hier, zumindest für Hobbitohren!
„Sicher mag es hier sein, aber geschützt vor Idioten ist man trotzdem nicht!“, grummelte der Hobbit und Schock fuhr durch ihn, hatten die Worte wirklich seinen Mund verlassen? Doch die Reaktion von Thorin war es ihm wieder wert, dass die Worte seinen Mund unfreiwillig verlassen hatten. Der Zwerg grinste breit, was dem Elbenkönig nicht zu gefallen schien. Anscheinend hatte er die Worte des Hobbits nur halbwegs verstanden.

„Was hast du gerade gesagt, Halbling?“, knurrte der Elb und sein glattes, ebenmäßiges Gesicht begann sich zu verändern. Missgunst und Wut breitete sich auf den Zügen aus und raubte dem König einen Teil seiner Schönheit.
Man konnte sein Aussehen mit einer ruhigen Wasserfläche vergleichen. Glatt und ruhig, ebenmäßig und schön. Kommt aber ein Tropfen, kräuselte sich die Oberfläche und schlug Wellen. Eine gekräuselte Wasserfläche hatte zwar auch ihren Reiz, reizte aber nicht so sehr wie eine glatte, sanfte Oberfläche, die alles reflektierte, was in sie schaute.

Und so wiederholte der Hobbit auf die Bitte des Elbenkönigs hin betont langsam und scharf das, was er vorhin zu sich gemurmelt hatte.

„Ich habe gesagt, dass es hier zwar sicher sein mag, aber man nicht vor den Idioten geschützt ist!“


*


Balin legte seine Hände um das Gitter und streckte seinen Kopf den Neuankömmlingen entgegen. Als seine alten Augen sahen, dass Thorin mit einem belustigten Funkeln in den Augen in seine Zelle trat und Bilbo brav hinter ihm her trabte, das Gesicht geziert von einem frechen Grinsen, gab er seinen letzten Funken Hoffnung auch auf. Böse Vorahnungen beschlichen ihn.

Er beschloss für sich selber, dass es in Zukunft besser für die Gruppe wäre, wenn er mit Thorin gehen würde und ihn zurechtweisen würde, damit nicht alles in einem Desaster enden würde.
Er dachte eigentlich, das Bilbo sehr vernünftig wäre, aber irgendwas hat den Hobbit verändert. Seit
dem Ereignis auf dem Carrock hatte er eine Veränderung in dem Hobbit wahrgenommen, er schien mutiger, sicherer und frecher gegenüber den Anderen zu sein. Nicht selten hatte er mit Kíli und Fíli den Zwergen einen Streich gespielt, vor allem Thorin war den Streichen zu Opfer gefallen, und meistens wurde danach herzhaft gelacht, sogar die Betroffenen mussten lachen. Es waren auch meist verbale Streiche, mit Worten ausgetragen, nicht Streiche, die ziemlich fies sein konnten, wie über Nacht rohes Ei in den Stiefel des Zwerges zu schütten. Seine Gedanken schweiften zu jenem Ereignis zurück, das er zu dem kuriosesten Ereignis der ganzen Reise ernannt hatte.

Thorin hatte sich am nächsten Morgen gewundert, wieso er denn ohne Stiefel aufwachte, immerhin mussten alle Zwerge immer auf der Hut sein und so mit all ihren Waffen und restlichen, auch nervigen Kleidungsstücken schlafen gehen. Als er dann seinen Fuß in den Stiefel steckte, quiekte er so laut und schrill auf, dass auch die restlichen Zwerge vollständig aufwachten.
Fíli, Kíli und Bilbo erstickten fast am Lachen, bis Thorin mit dem betroffenem Stiefel ankam und die beiden Prinzen quiekend aufsprangen und flohen. Bilbo verging das Lachen, denn er hatte keine Ahnung, was ihm jetzt schwante, er schaute fragend und ängstlich zu dem Zwerg auf, kam sich jämmerlich klein vor, da er auch noch auf dem Boden saß und noch kleiner war als sonst.
Thorins blaue Augen hatten ihn fixiert und die Prinzen, die sich hinter die dichten Äste eines Busches geworfen hatten und nun erwartungsvoll zuschauten, ahnten das schlimmste. Bei Streichen hatte ihr Onkel noch nie Gnade walten lassen, nicht einmal wenn seine Schwester Dís mit ihren Söhnen Streiche gespielt hatte. Dís hatte meistens einen Klaps bekommen oder Thorin hatte ihr das Essen entzogen, meist noch harmlos, doch bei seinen Neffen hatte er einmal das Schwert gezogen und ihnen eine Lektion erteilt. Körperliche Verletzungen gab es nie. Innerliche vielleicht schon, und verletzter Stolz war nicht selten gewesen, wenn einem der Haferbrei über den Kopf geschüttet wurde oder das gefärbte Wasser, was Bier darstellen sollte, auf den Kleidern landete. Junge Zwerge konnten sich schon abstrakte Dinge ausdenken.

Als nun aber ein Lächeln Thorins Gesicht zierte und er den Stiefel an einen der anderen Zwerge reichte, der eifrig der Aufgabe nachging, das rohe Ei aus dem Stiefel zu waschen, blinzelten Fíli und Kíli nur ungläubig und verloren fast ihren Halt in dem Gebüsch, welches an einem kleinen Abhang stand und hätten sie nicht ihre Kontrolle wiedererlangt, wären sie den Hügel herunter gerollt.
Eine Bestrafung für den Halbling gab es nicht, und auch die Prinzen wurden verschont.

Balin war zu sehr in seinen Gedanken oder auch den Erinnerungen versunken, und als Bilbo in der Zelle nebenan plötzlich los gackerte, zuckte der alte Zwerg zusammen. War der Hobbit mit Thorin zusammen in eine Zelle gegangen? Wieso wurden diese beiden frechen Gesellen zusammen in eine Zelle gesteckt? Was hatte Thranduil sich dabei gedacht?
Wobei, Thranduil hatte immer einen gewissen Gedanken hinter seinen Aktionen. Neugierig streckte er wieder seine Nase durch die Gitterstäbe und schielte hinüber zu den Gitterstäben der benachbarten Zelle.

„Hat Thranduil angewiesen, euch zusammen in eine Zelle zu stecken?“, fragte Balin und als seine Stimme durch den großen Raum hallte, steckten fast alle anderen Zwerge ihre Nasen durch die Stäbe, insgesamt 12 Nasen schauten nun hinaus aus den Zellen.
Der Wachmann, eigentlich ein ernster Kerl, musste bei dem Anblick schmunzeln. Es sah einfach zu komisch aus, wenn die Zwerge ihre Nasen so aus den Zellen streckten und ihr Gesicht an die Gitterstäbe drückten.
„Ja, das hat er!“, grummelte Thorin, seine gute Laune von vorhin ungewöhnlich schnell verflogen.

„Mit den Worten: Werft die beiden hier zusammen in eine Zelle. Ich will sehen, wie sich ihre Beziehung entwickelt!“, zischte Bilbo abfällig und umklammerte die Stäbe mit seinen kleinen Händen. Bei den prüfenden Blicken von Dwalin und Balin sackte er zusammen, bei den funkelnden, neckischen und wissenden Augen von Kíli und Fíli färbten sich seine Wangen rot.
Und Balin ahnte etwas, das eigentlich schön war. Aber wer weiß, wie sich so etwas entwickeln kann.
Und dann wollte er ungern in der Zelle neben den beiden bleiben.

~

• Tag 1 •
- Bilbo -

So ungemütlich und klein die Zellen von außen aussahen, so komfortabel waren sie doch von innen. Zumindest für Zellen. Bilbo hatte schon Erzählungen über viel schlimmere Zellen gehört.
Es gab eine Pritsche mit einer einigermaßen sauberen Decke, die zwar schrecklich kratzte und nicht sonderlich wärmte, aber ein wohliges Gefühl gab sie trotzdem. Und notfalls könnte man sie als Kissen benutzen.
Eine Art 'Stilles Örtchen' gab es in einer Nische ganz hinten in der Zelle, ein einfaches Loch im hoch gelegenen Boden, das tief hinunter reichte bis in den Waldfluss. Dicke Blätter, die den ganzen Weg hinunter aus den mit Moos bedeckten Wänden gewachsen waren, dämpften die Töne, die bei einem Geschäft entstehen könnten, und so hallten die Geräusche auch nicht durch den ganzen Zellentrakt.
Die Wände waren aus Holz, es schien wie eine riesige Höhle in einem Baum. Keine Wand war glatt, nicht einmal der Boden war ebenmäßig. Das Holz sog Feuchtigkeit in sich auf und Moos wuchs an unzähligen Stellen, was den Gemütlichkeitsfaktor verringerte, denn es gab nur eine Pritsche, und einer der beiden musste auf dem Boden schlafen, der immerzu feucht und unangenehm war.

Thorin hatte die Pritsche zu seinem Platz auserkoren, und Bilbo ließ das auch liebend gern zu, denn der Hobbit hatte erstens großen Respekt vor dem König und zweitens redete sich der Halbling ein, dass der Zwerg sich noch von dem Kampf mit Azog erholen müsse und es so auf der Pritsche gemütlicher für ihn wäre als auf dem unebenen Boden.
Eigentlich wusste er es aber besser, denn der Zwerg war schon fast wieder ganz gesund, und der arme Halbling hätte es nötiger, auf der Pritsche zu schlafen, denn sein Rücken war sehr in Mitleidenschaft durch den Fall durch die Bäume gezogen worden, immerhin war er aus großer Höhe auf einen dicken Ast gekracht, und für einen kurzen Moment war ihm schwarz vor Augen geworden, und als er dann irgendwann auf dem Boden landete, zwang ihn nur der Verlust von seinem Ring auf die schmerzenden Beine, und das Adrenalin, das durch den Kampf mit der widerlichen kleine Spinne ausgeschüttet wurde, hatte seine Schmerzen kurzfristig unwichtig gemacht.

Doch auf dem Boden war es schrecklich für seinen Rücken, und in der Nacht konnte er nicht einschlafen.
Als er einmal aufjaulte vor Schmerzen, streckte Balin seine Nase durch die Gitterstäbe und schielte besorgt zu der Zelle hinüber.

Die Elben ignorierten den wimmernden Hobbit. Was sollten sie auch tun? Thranduil hatte ihnen verboten, Kontakt zu den Gefangenen aufzunehmen.
Einzig und allein Tauriel, die rothaarige Elbin, widersetzte sich dem Befehl ihres Königs und hockte bis spät in die Nacht an der Zelle von Kíli und lauschte seinen Erzählungen.

• Tag 2 •
- Bilbo -

„Wie kann man nur so lange schlafen?“, brummte eine tiefe Stimme. Das war das Erste, was die Spitzohren des Halblings wahrnahmen. Als nächstes hörte er die schweren Schritte eines Zwerges, und dann nahmen ihn die Schmerzen in seinem Rücken vollständig ein. Auch sein Brustkorb schmerzte bei jedem Atemzug, anscheinend hatte er sich bei dem Sturz eine Rippe gebrochen. Oder mehrere. Dementsprechend ging sein Atem sehr flach und vorsichtig, doch er achtete darauf, nicht zu wenig zu atmen, um nicht zu wenig Sauerstoff aufzunehmen.
Zu sehr schonen wollte er sich aber auch nicht. Er hoffte einfach, das er nur physische Schmerzen hatte und es sich nicht wirklich um Rippenbrüche handelte.

„Versuch du doch mal auf so einem Boden zu schlafen!“, japste der Hobbit und eine Gänsehaut bildete sich auf seiner Haut. Seine Klamotten hatten die Feuchtigkeit aufgesogen und nun klebten sie kalt an seinem Rücken. Zitternd richtete er sich auf, stöhnte bei den Schmerzen in seinem Rücken und versuchte den Zwerg schräg anzulächeln. Es endete eher in einer gepeinigten Grimasse als einem Lächeln.
Über das Gesicht des Zwerges huschte ein Ausdruck der Unsicherheit, und mit einer schnellen, eleganten Bewegung griff er nach dem Arm des Hobbits, zog ihn hoch und hob ihn kurzerhand auf die Pritsche. Quietschend protestierte der Lockenkopf, blickte den Zwerg danach ausdruckslos an und lehnte sich einfach an die Wand. Dann hieß es warten.

- Thorin -

Es schien Ewigkeiten zu dauern bis etwas geschah, seine Gedanken waren schon längst in die Vergangenheit abgeschweift, an kleine Fílis und Kílis, seine Schwester Dís und die Zeit bevor Smaug kam und den Berg einnahm. Wundervolle Zeiten waren das noch gewesen.
Dann sackte etwas gegen seine Schulter und riss ihn aus den wundervollen Gedanken, die er sich nach langer, anstrengender Zeit endlich mal wieder gönnen durfte.
Weiche Locken strichen über seinen Hals und die Wärme des Hobbits, der augenscheinlich döste. So wie der Halbling sich an ihn schmiegte, kam sich Thorin eher wie ein Kuscheltier vor als ein Zwerg. Bei dem Gedanken musste er leicht schmunzeln, immerhin war er auch noch ein Erbe Durins, ein königliches Geschlecht, und jetzt war er ein Kuscheltier geworden. In den Zellen des Waldelbenreiches.

Gefühlte Stunden verharrten sie so, der Zwerg döste hin und wieder auch ein paar Minuten, die meiste Zeit aber hielt er den Hobbit auf Abstand, denn er wollte nicht kuscheln.
Er mochte den Hobbit, ja, sehr sogar, aber trotzdem wollte er nicht kuscheln und eng aneinander gedrückt seine Körperwärme mit jemand anderem teilen.

Er fühlte sich bei dem Hobbit wohl, hatte sein Misstrauen ihm gegenüber abgelegt, konnte endlich den wahren Charakter erkennen. Mutig, hin und wieder ziemlich frech, aber auch manchmal sehr schüchtern und stur, eigenwillig. Ein sehr lebensfroher Hobbit, mit wechselnden Emotionen, die sehr interessant zu beobachten waren.
Aber nur weil er ihn mochte (vielleicht auch mehr als nur 'mochte', er konnte seine Gefühle nicht richtig deuten), musste das nicht heißen, dass er direkt kuscheln musste. Oder doch? Wie soll er dem Hobbit denn überhaupt seine Zuneigung zeigen?
Welche Zuneigung überhaupt? Wie kam er denn nun auf diesen Gedanken?!
Frustriert vergrub er seinen Kopf in den Händen.

Sie redeten wenig miteinander. Thorin beobachtete den Hobbit, wie er mit sich selber rang, irgendetwas anzusprechen, doch irgendwie kam es zu keinem wirklichen Gespräch zwischen den beiden. Hin und wieder wechselten sie ein Wort miteinander, doch mehr war auch nicht drin.
Der König lief ständig nervös auf und ab, ballte die Fäuste und starrte an die Decke. Wüsste er nicht ganz genau, wie empfindlich der Hobbit auf laute Geräusche reagierte, hätte er wütend aufgeschrien. Wütend und frustriert. Die Lage war kompliziert.

• Tag 3 •
- Bilbo -

Er hatte sich ja an das reduzierte Essen gewöhnt, als sie gewandert waren, aber jetzt musste er doch das Hungergefühl stark unterdrücken. Grummelnd strich er sich über das dreckige Gesicht und zog angewidert die Hände wieder zurück. Seit fast drei Tagen klebte dieser Dreck nun an ihm und langsam störte es. Gegen ein Bad hätte er nichts. Aber was dachte er überhaupt an ein Bad? Auf der Reise gab es eine Schüssel mit Flusswasser für jeden und das wurde Reinigung genannt. Er sehnte sich seit Bruchtal nach einer richtigen Säuberung seines kleinen Körpers, aber anscheinend konnte er das hier nicht erwarten.
Aber ein Lebenszeichen von den Spitzohren wäre nach fast 3 Tagen doch sehr angebracht. Und als hätten die Elben seine Gedanken gelesen, wurden die Zellen aufgeschlossen und mehrere Elben packten sie mehr oder weniger freundlich an den Schultern und bugsierten sie aus den Zellen raus.
Der Weg rauschte an ihm vorbei, einzig und allein konnte er sich an Kíli und Fíli erinnern, die ihn grinsend gegrüßt hatten, als die Elben sie zu einem Raum führten, in dem es nach warmen Wasser roch. Unsanft stießen die hochgewachsenen Spitzohren sie in den Raum und schlossen die Tür hinter ihnen.

Eine Wolke Wasserdampf schlug ihm entgegen und sofort sog seine Kleidung die Feuchtigkeit freudig ein. Knurrend zupfte er an seinen Kleidungsstücken, betrachtete den Raum anschließend kurz und ihm stockte der Atem. Wasser.
Das Wasser brodelte. Es gluckerte und dampfte, verströmte eine angenehme Wärme. Ohne sich weiter Gedanken über die Entstehung solch eines Schauspiels zu machen, schaute er aufgeregt zu den Zwergen und es verschlug ihm direkt den Atem. Thorin zog sich just in dem Moment das Oberteil über den Kopf, als er herschaute. Die entblößte, breite Brust glänzte von der Luftfeuchtigkeit und die Brusthaare kräuselten sich in der schwül-warmen Luft.
Bilbo wollte nicht starren, also schielte er zu den anderen Zwergen und sah, dass sie dieselbe Prozedur des Entkleidens durchzogen wie ihr Anführer.
Ohne Scheu zog sich auch Bilbo das Oberteil über den Kopf und zuckte zusammen, als er an sich hinunter schaute. Dutzende blaue Flecken zierten seinen Oberkörper, mehrere Kratzer und Striemen verkrusteten Blutes verschönerten das Bild seines geschundenen Körpers. Als Balin völlig entkleidet an ihm vorbei ging und ihn erblickte, schnappte der alte Zwerg erst einmal entsetzt nach Luft.

„B-bilbo! Wie siehst du denn aus?“, murmelte der erfahrene Zwerg und warf ihm einen mitleidigen Blick aus seinen treuen Knopfaugen zu.
Der Halbling machte sich erst weiter keine Gedanken um seine Verletzungen oder die nackten Zwerge, deren Hinteransicht er erst einmal genießen durfte, da er nah an der Tür stand, schlüpfte auch aus seiner Hose und dem restlichen Stück Stoff an ihm und hüpfte vorsichtig in das Wasser.

Das Wasser umspülte ihn kräftig und warm, warf ihn hin und her, und als er einen Schritt weiter ging, fanden seine Füße keinen Halt und erschrocken nach Luft schnappend ging er unter. Dieses Becken war verdammt tief! Aber zum Glück hatte er in seiner Kindheit schwimmen gelernt, was ihm gegenüber von anderen Hobbits deutliche Vorteile einbrachte. Er war immer ein kleiner Abenteurer gewesen, und als er einmal auf seinen Expeditionen in einen kleinen See gewatet ist und dieser tiefer war als gedacht, hatte er sein persönliches Kindheitstrauma erlitten. Andere hatten Angst vor den großen, böse Wargen im Wald, da ihre Eltern ihnen gruselige Geschichten erzählt hatten, aber Bilbo hatte Angst vor Gewässern, die ihm bis über die Hüfte reichten.
Erst als seine Mutter ihn an einem sehr heißen Sommertag zu einem See gebracht hatte, ihn unter Gejaule und Gezeter in das Wasser gezerrt hatte und ihm da die Grundlagen des Schwimmens beigebracht hatte, war sein Trauma überwunden. So teilweise.

Doch jetzt verlor er seinen Mut und seine Augen weiteten sich entsetzt, beobachteten die Luftblasen, die seinem Mund entwichen, als er erschrocken den Mund öffnete. Sein Körper versagte und erfüllte seine Dienste nicht mehr.
Erst die Wärme des Wassers und die Strömung zerrten wieder an seinem Verstand und mit einem unangenehmen Ruck krachte er zurück in die Realität.
Doch bevor er irgendwelche Anstalten von Paddeln zur Oberfläche machen konnte, packten ihn kräftige Hände an den Hüften und zogen ihn hilfsbereit hoch. Sein Kopf stieß durch die Wasseroberfläche und seine Lungen grüßten die Luft dankbar. Die Hände an seinen Hüften zogen ihn nicht ganz hoch, sondern blieben unter der Wasseroberfläche, damit diverse Teile des Körpers nicht zu sehen waren. Japsend und prustend schaute er seinen 'Retter' an, wollte gerade zu einem gekrächzten 'Danke' ansetzten, doch seine Nase stieß gegen die des Zwergenkönigs.

Der Schmetterling in seinem Bauch drehte sofort durch. Er schickte ein Kribbeln durch seinen ganzen Körper. Und dann kam der Schock. Er zuckte zusammen und wand sich, wenn auch in einer seltsamen Art und Weise ungewollt, aus den Händen des Zwerges hinaus und glitt zurück ins Wasser. Und damit er nicht an irgendwelche...Stellen von Thorin stieß, ruderte er zurück und tauchte dann unter, rubbelte sich über das gerötete Gesicht und wusch sich erst einmal. Dann atmete er die Luft aus und tauchte vorsichtig auf. Tief einatmend schaute er sich um, bewegte seine Arme und Beine so, dass er nicht wieder untertauchte.
Vorerst hatte er wieder Kontrolle über seinen Körper und er konnte einigermaßen gut mit dem Kopf über Wasser bleiben, solange sich nicht irgendein bestimmter Zwerg in der Nähe befand und seine Gefühle irritierte, was sogleich auch seinen gesamten Körper verwirrte.

Die Wärme des Wassers löste seine Verspannungen und ließ ihn für den Moment seine Schmerzen vergessen, solange er keine allzu weit ausholenden Bewegungen machte. Er genoss es ziemlich, einen Moment alleine zu haben, abseits von den Zwergen, die plaudernd an einer höher gelegenen Stelle saßen und sich schon längst gewaschen hatten, gerade damit beschäftigt waren, sich die Bärte neu zu flechten.
Er wollte tief einatmen, doch ein stechender Schmerz im Brustkorb hinderte ihn direkt daran. Ihm wurde schwindelig, und geistesabwesend suchte er sich eine Stelle, wo er stehen konnte und atmete flach, aber kontrolliert, bis der Schwindelanfall vorbei war.

Keuchend senkte er den Blick, strich sich vorsichtig über die Rippen und seufzte. Aus dem physischen Schmerz war wohl nichts geworden. Er hatte also einen oder mehrere Rippenbrüche einkassiert.
Ein lautes Lachen riss ihn aus seinen Gedanken, und sein Blick schweifte zu zwei Zwergen, die am Rand des Becken saßen und in seine Richtung schauten. Dann setzten sie sich plötzlich in Bewegung.

Nichts ahnend blickte er den beiden jungen Prinzen entgegen, die mit einem Schwamm ins Wasser gewatet kamen und ihn angrinsten.
„Muss da jemand gesäubert werden?“, rief Fíli ihm zu und verwirrt blickte er die beiden an, bis zwei Hände ihn an den Schultern packten und in seichteres Wasser zogen. Erst dann verstand er, und Gegenwehr war jetzt zu spät.
Der Schwamm fuhr vorsichtig über seinen Rücken, über seine Brust, säuberte die weiche Haut und löste mit der ungeahnten Sanftheit die restlichen Verspannungen. Bei den Rippen wurde der Schwamm besonders sanft geführt, anscheinend hatten die Prinzen ihn beobachtet und sich zusammengereimt, dass er Schmerzen im Brustkorb hatte und es auf Rippenbrüche geschoben. So kindisch sie manchmal wirkten, so intelligent und schlau waren diese Zwerge doch.
Während Fíli den Schwamm führte, kämmte Kíli durch Bilbos nasse Haare und wusch so Blut und Dreck raus. Währenddessen musste Bilbo sich unter Kontrolle halten, um nicht wohlig zu seufzen, denn irgendwie fand er das seltsam, von zwei männlichen Zwergen gewaschen zu werden und das er es genoss. Wenn Thorin der Zwerg wäre, der ihn waschen würde....

Quiekend schüttelte er sich, glitt tiefer ins Wasser und erntete sich verwirrte Blicke von den beiden Prinzen. Die Bilder in seinem Kopf wollten nicht verschwinden, und geschockt von sich selbst wollte er am liebsten im Boden verschwinden.
Nur hatte sein kleiner Ausbruch die Aufmerksamkeit aller Zwerge auf ihn gelenkt, und Dwalin, der zusammen mit Thorin und Balin auf einer Kante in der Nähe saß, fing an zu grinsen. Was ging nur in seinem Kopf vor?
„Bilbo? Haben wir dir wehgetan?“, fragte Kíli vorsichtig und strich über die nackte Schulter des Hobbits. Fíli zog ihn wieder hoch und strich ihm über den Rücken, was ihn wieder leicht verwirrte. So viel Zärtlichkeit hätte er nie erwartet von den Zwergen...

„Äh...ja, ihr habt mir ein wenig zu fest auf den Rücken und den Kopf gedrückt...“, murmelte er als Ausrede und blinzelte langsam. Aus dem Augenwinkel nahm er eine Bewegung wahr, und bevor er sich klein machen konnte, auf irgendeine Art und Weise reagieren konnte, brummte eine tiefe Stimme:
„Was habt ihr gemacht?“
Bilbo schaute auf und suchte blitzschnell die hellblauen Augen des Zwerges, um nicht den Körper zu mustern und möglicherweise zu starren. Eine Gänsehaut zierte seine weiche Haut plötzlich, und die Luft um ihn herum erhitzte sich noch mehr.
„Wir hatten ein wenig Spaß miteinander!“, meinte Kíli todernst und sein Bruder nickte zustimmend. Protestierend holte der Hobbit Luft, wollte sich aus Gewohnheit hinstellen um seine geringe Größe zu nutzen, um wütend zu den anderen aufzuschauen, bis er wieder realisierte, dass er zwischen zwei Zwergen saß. Zwei Zwerge, die sich gerade ziemlich seltsam verhielten. Seltsam...aufdringlich.

„Lasst den Hobbit in Ruhe, wenn er das nicht will!“, knurrte Thorin und musterte den Hobbit ziemlich genau, was dem Hobbit gar nicht gefiel, immerhin war er nackt!
Blaue Augen tasteten ihren Weg über die Wunde an seinem Kopf, suchten sich ihren Weg an seiner Brust herunter, fixierten jeden einzelnen blauen Fleck und jeden Kratzer, jede kleinste Wunde wurde einer genauen Beobachtung unterzogen. Thorin zog seine Augenbrauen zusammen und kniete sich vor den Hobbit, was einen kurzen Schauer über den zierlich gebauten Körper des Halblings jagte. Zwei jüngere Zwerge bemerkten das und fingen mädchenhaft an zu kichern. Vor Thranduil war er in Anwesenheit Thorins mutig und frech gewesen, doch allein mit ihm oder unter den anderen Zwergen war er kleinlaut und schüchtern. Schrecklich kompliziert.
Der Hobbit kratzte sein letztes bisschen Fassung zusammen und rümpfte die Nase, hob den Kopf. Seine Augen waren auf Höhe von Thorins Schlüsselbein, und vorsichtig hob er den Blick zu den Augen, wo ihn zwei blaue Seelenspiegel unerwartet warm fixierten. Nervös öffnete er den Mund ein wenig, versuchte den Blick zu deuten. So viele Deutungen schwirrten in seinem vernebelten Kopf herum.
'Hab keine Angst vor mir, ich will dir nichts tun' schien noch die logischste zu sein.
'Du armer, kleiner Hobbit' wäre auch noch einigermaßen sinnvoll, immerhin musste der Hobbit ziemlich schwach und verletzt aussehen, so wie ihn alle behandelten.
'Komm her, ich bin ein Kuscheltier, dein Kuscheltier' schien dann schon etwas seltsam.

Die anderen Deutungen drifteten extrem ab von dem, was man noch normal nennen könnte.
Während der Hobbit sich in Deutungen und Gedanken vergrub, streckte Thorin vorsichtig seine Hand aus und strich über die Rippen des Hobbits. Erst bemerkte dieser nichts, hatte nur seine Augen geschlossen und atmete weiterhin kontrolliert, um nicht in Atemnot zu geraten. Nicht wegen einem gewissen Zwerg vor ihm, sondern wegen den Schmerzen in seinem Brustkorb, die ihm normales Atmen verhinderten und er flach atmen musste.
Als seine Gedanken aber erneut zu seinem Brustkorb und Rippenbrüchen wanderten, riss ihn irgendwas aus seinen Gedanken und er spürte die Hand an seinen Rippen, die sanft darüber tastete. Sofort versteifte sich sein gesamter Körper, er spürte nur noch die Berührungen, und er wollte hier weg. Weg von Thorin, weg von den Prinzen, zurück in die Zelle, in die hinterste Ecke der Zelle, möglichst weit weg von Thorin.
Doch so sehr er es sich wünschte, die Berührungen hörten nicht auf. Raue Fingerkuppen strichen weiter über die Rippen und drückten hier und da ein wenig, was leichte Schmerzen verursachte.
„T-thorin...“, krächzte er, jedoch versagte seine Stimme vollständig und er krallte sich verzweifelt an dem nächstbesten Objekt fest, was zu greifen war. Und das war der Oberschenkel von Fíli, der überrascht aufjaulte und nach der Hand griff, um sie sanft zu entfernen und beruhigend über die Knöchel zu streichen.

„Thorin! Siehst du denn nicht, dass es Bilbo wehtut, was du da gerade machst?“, rief Balin entsetzt durch den gesamten Raum und Bilbo warf den Kopf zur Seite, um ihn an Fílis Schulter zu legen, damit er nicht auch noch die ganzen Blicke der Zwerge sehen musste, die er jetzt schon auf sich spürte.
„Ich habe ihm wehgetan, ich weiß, aber ich musste überprüfen, wo genau der Bruch in seinen Rippen ist!“, fauchte Thorin aufgebracht und zog den Hobbit einfach hoch, ohne ihn vorzuwarnen oder ihn zu fragen.
„Ich wette, du kannst einen Bruch in dem Rippenbereich nicht einmal erfühlen, du wolltest nur einen Grund haben, den Hobbit zu berühren!“, rief Óin von dem Rand des Beckens aus, wo auch er wie die Restlichen saß und seinen Bart neu flocht. Bilbo taumelte, blinzelte und starrte entsetzt zu Óin und Glóin, die sich vor Lachen fast nicht mehr halten konnten, und auch die beiden jungen Zwerge hinter Thorin und Bilbo prusteten los.
Und selbst Dwalin musste lachen. Auch Balin schmunzelte, und anhand der Tatsache, das anscheinend alle dachten, Thorin wollte etwas von dem Hobbit, wollte Bilbo am liebsten im Boden versinken.

„Wir hoffen, das ihr nun fertig seit, denn eure Zellen sind bereit!“, rief eine helle Stimme und alle Köpfe drehten sich zur Quelle der Stimme. Mehrere hübsche Elben waren in den Raum getreten, dessen Wasserdampf im übrigen verflogen war, anscheinend war irgendeine Luke in der Decke geöffnet worden. Diese Elben trugen Klamotten, Handtücher und etwas, das Verbandszeug ziemlich nah kam. Vorsichtig legten die Waldelben die Sachen auf einen niedrigen Tisch, als wäre es etwas sehr wertvolles, und verließen den Raum wieder ohne ein Wort.
Verwirrt legte Bilbo den Kopf schief und fragte sich, ob dieser Auftritt der Elben wirklich nötig gewesen sein musste, immerhin hat es ihnen im Endeffekt nichts gebracht als verwirrte Gefangene.
Sie fragten, ob sie fertig wären und deuteten an, dass sie zu den Zellen geleitet werden, doch dann legten sie Sachen zum Fertigmachen ab und verließen den Raum wieder.
„Was hat Beorn gesagt? Die Waldelben wären weniger klug als die Elben, die wir aus Bruchtal kennen? Merk ich schon.“, grummelte Bilbo, vielleicht etwas zu laut, denn jeder schien es zu hören und plötzlich prusteten alle los. Thorin schmunzelte und der Schmetterling in Bilbos Bauch meldete sich zurück. Irgendwie machte ihn dieses Lächeln...glücklich.

~

Etwa 10 Minuten später trottete die Gruppe aus dem Raum. Die hellen Klamotten, die man ihnen zur Verfügung gestellt hatte, waren alle ziemlich groß und spannten an den breiten Brustkröben und den Schultern der Zwerge. Es sah sogar ziemlich lässig und gewollt aus, wie die Zwerge mit den hochgekrempelten Ärmeln herumstolzierten. Die Hosen waren an einigen Stellen verdammt eng, immerhin waren Zwerge nicht so schlank wie Elben, und von daher waren die Hosen auch nicht angenehm für die breit gebauten Zwerge.
Bilbo selbst konnte das Hemd, welches das Kleinste von den Kleidern gewesen war, schon fast als Kleid bezeichnen. Es war viel zu lang und er würde durchgehend zittern, da es nicht wärmte, denn es lag nicht auf seiner Haut. Zum Glück hatte Óin ihm einen Verband um den gesamten Oberkörper angelegt, um die Rippen und den Rücken ein wenig zu stützen. So fror er wenigstens nicht. Trotzdem wollte er seine dreckigen Hobbit-Sachen zurück. Unzufrieden stopfte er das Hemd in die Hose und krempelte die Hosenbeine erneut auf. Dann verließ auch er den Raum, als letzter.
Und natürlich lief Thorin vor Bilbo und was machte Thorin? Etwas, das Bilbo die Selbstbeherrschung nahm, seine Knie weichwerden ließ und sein Bauch anfing zu kribbeln.
Der Zwergenkönig warf die Haare über seine Schulter und drehte sich um, schaute mit seinen hypnotisierend blauen Augen auf Bilbo herab und grinste.
„Willst du mir gleich vielleicht meine Haare flechten?“, brummte er leise, sodass die anderen Zwerge vor ihnen nichts hörten, und der Hobbit starrte ihn kurz an, leicht verwirrt setzte sein Herz einen Moment aus, und dann schnappte er entsetzt nach Luft, was wiederum einen Schmerz durch seinen Brustkorb schickte.

„Äh, ja, eigentlich gerne, aber....ich würde mich gerne ausruhen...“, stotterte er und gestikulierte wild, woraus ein ruhiger Kopf schließen könnte, das sein Körper schmerzte und er sich deshalb erst einmal ausruhen wollte.
Und Thorin besaß so einen ruhigen Kopf, zumindest momentan, und verständnisvoll lächelte der Zwerg den kleineren Hobbit an. Ein warmes Lächeln, voller Vertrauen und Sanftheit.
Der Schmetterling in dem Bäuchlein des Halblings flatterte genauso sanft wie das Lächeln schien mit seinen Flügeln, schickte aber ein angenehmes Kribbeln durch den gesamten Körper des Hobbits.
Unsicher lächelte Bilbo zurück und ein Gedanke schoss durch seinen Kopf.
„Wie wäre es mit morgen?“, flüsterte er unsicherer als je zuvor und schaute schüchtern zu dem Zwerg auf. Das einfache Grinsen und zufriedene Nicken seitens ermutigte ihn auf irgendeine Art und Weise, und er stupste dem Zwerg in die Seite. Ein freundliches, leichtes Stupsen.

Thorin schaute ihn leicht empört an, aber das war natürlich nur gestellt. Das schelmische Funkeln, dass er schon von Fíli und Kíli kannte, trat in die blauen Augen des Königs, und erschrocken erinnerte sich Bilbo, dass Thorin wusste, dass er überaus kitzelig war.

Alle Zwerge drehten sich erstaunt um, als das Quieken des Hobbits im gesamten Gang widerhallte. Und die meisten mussten schmunzeln, als Bilbo japsend und mit hochroten Kopf Schutz hinter ihnen suchte.

• Tag 4 •
♦ spät abends ♦
- Bilbo -

Er wusste nicht, wie spät es war, es war, als alle Zwerge wieder in die Zellen gegangen waren, ziemlich spät in der Nacht gewesen, aber er wusste, dass er noch döste und in der Lage war, hier auf der Stelle wieder einzuschlafen. Zufrieden seufzte er und drehte sich auf die andere Seite, die Pritsche knarrte bedrohlich und das war es dann mit dem Schlaf. Er war sofort hellwach. Dachte er.
Hektisch wollte er von der Pritsche aufspringen, da ihm das Knarzen der Pritsche gerade in dem Moment wirklich sehr bedrohlich vorkam, und dabei fiel er hin anstatt schnell aufzustehen. Mit einem lauten Krachen landete er schließlich auf dem Boden, aber glücklicherweise landete er auf dem Rand der Matratze, die die Elben gestern in ihre Zelle gebracht hatten. Vielleicht nicht mehr die neueste Matratze, aber komfortabel genug, um darauf schlafen zu können.
Nach Bilbos Geschmack war die Matratze viel zu nah an der Pritsche gewesen, doch Thorin hatte darauf bestanden, und nun dankte der Hobbit dem Zwerg schon irgendwie.

In der müden Glaubhaftigkeit, dass Thorin am anderen Ende der Zelle saß, also wach war und sich anderweitig beschäftigte, kuschelte er sich einfach in die Matratze und schloss die Augen.
Müdigkeit und Erschöpfung schwappten über ihn wie Wellen, die an den Strand brandeten.
Sein flacher, kontrollierter Atem wurde ruhiger. Er entspannte sich vollkommen. Der Körper ging in den Schlafmodus über, alles wurde gemütlich dunkel und mit einem Seufzen suchte er den restlichen Weg zum Schlaf...doch kurz vor dem Tore zum Schlaf wurde er zurückgehalten.  

Etwas tastete über seine Hüfte, verweilte dort. Fragend öffnete er die Augen, blinzelte sich den so sehr und doch nicht erhaltenen Schlaf aus den Augen und brummte leicht genervt. Was störte ihn daran, zu schlafen?
Dieses...'Etwas' an seiner Hüfte schob sich weiter vor, auf seinen Bauch, und ehe er sich versah, wurde er an eine breite, muskulöse Brust gezogen. Überrumpelt wehrte er sich nicht und versteifte sich auch nicht, als sich die Arme um seinen Körper legten und ein zufriedenes Brummen in der Brust des Zwerges anschwoll. Verwirrt und überrascht lag nun also der kleine Hobbit in den starken Armen des Zwerges und wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte.
Einerseits wollte er ganz schnell weg aus den Armen, jedoch wollte er den Zwerg nicht wecken. Er bezweifelte auch, dass er sich aus den Armen befreien könnte.
Andererseits genoss er die Körperwärme des Königs und erfreute sich an dem wilden Kribbeln, was seinen gesamten Körper durchschoss. Es war einfach mal was neues, in den Armen eines größeren Wesens zu liegen. Und dann war es auch noch der Zwerg, dem er verfallen war, zumindest sah es so der Schmetterling in seinem Bauch, sein Kopf weigerte sich immer noch, eben dies zu akzeptieren. Aber aus ihm sprach gerade nur der Bauch, denn sein Kopf war von dem dicken Nebel der Müdigkeit verhüllt.

Er überwand den letzten Abstand zwischen Thorin und sich selbst und kuschelte sich in die Arme und an die Brust. Sofort dämmerte er weg, so müde war er gewesen, wenn auch nur unterbewusst.

• Tag 5 •
♦ früher Morgen ♦
- Thorin -

Irgendwas war faul, das bemerkte er sofort, als er nach einer ruhigen Nacht aufwachte. Seine zwergischen Instinkte warnten ihn, dass etwas anders war als sonst. Das trieb ihn sozusagen an, schneller wach zu werden.
Erst bemerkte er im Halbschlaf nicht, dass er einen Hobbit im Arm hielt. Als er dann aber immer mehr aus dem Schlaf erwachte und dementsprechend aufmerksamer wurde, fiel ihm die ungewöhnliche Wärme auf, die an seiner Brust ihren Ursprung zu haben schien. Diese...Wärmequelle hatte er in die Arme geschlossen, und er kuschelte mit ihr. Oder kuschelte sich diese Wärme an ihn?
Dann verstand er, was er dort im Arm hielt. Erschrocken wollte er seine Arme von dem zierlichen Körper lösen, doch er wollte den Hobbit auch nicht wecken!
Trotzdem:
Erst vor ein paar Tagen, zumindest schien es ihm so lange, hatte er nicht als Kuscheltier enden wollen. Aber jetzt genoss er es sogar, so eine kleine Kreatur an sich geschmiegt zu haben. Und er schien auch endlich verstanden zu haben, was für Gefühle er dort entwickelt hatte.

Es war kein Verlangen, sondern ein zärtliches Mehr-als-nur-sehr-gern-haben. Es war Liebe, dem war er sich jetzt sicher.
Als er den entstellten Körper des Halblings gesehen hatte, als sie baden waren, hatte er das Verlangen herunter schlucken müssen, den Hobbit schützend in die Arme zu schließen und einfach nur seine Lippen auf die Stirn des Lockenkopfes legen zu können.
Ganz hatte er das Gefühl, ihn berühren zu müssen, nicht unterdrücken können, was vielleicht einige bemerkt hatten, als er sanft mit seinen Fingern über die Rippenbögen strich.
Und natürlich hatte er gesehen, wie verkrampft Bilbo seine Augen in seinen eigenen blauen Augen verhakt hatte, um nicht an seinem Körper herabzuschauen. Und wie schwer es ihm gefallen sein muss, anscheinend hatte er aber eine bessere Beherrschung als Thorin selbst, denn Thorin hat dem Verlangen nachgegeben und ihn berührt. Bilbo hat jedoch seinen Blick auf Thorins Gesicht gehalten, beherrscht und doch verkrampft. Armer, kleiner Hobbit.

Ein Klappern riss ihn aus seinen Gedanken. Der Zwerg schloss verbittert seine Augen. Hätten die Elben sich nicht einen anderen Moment aussuchen können, in dem sie die Zellen stürmten?
Das metallische Quietschen, das von ungeölten Scharnieren zeugte und von dem Gang, an dem die Zellen lagen, kam, riss selbst den am tiefsten schlafenden Hobbit aus dem Schlaf, besonders wenn dieser tief schlafende Hobbit empfindliche Ohren hatte. Bilbo wachte auf.
Die dunklen Augen des Hobbits wurden von seinen Augenlidern enthüllt, trüb starrten sie an die Wand, und bevor sich die Augen in erschrockener Realisation weiteten, musste der Halbling mehr als nur einmal blinzeln.
„Pssht, die Elben sind hier!“, brummte Thorin in das spitz zulaufende Ohr des Hobbits, und er genoss die Reaktion des Kleinen darauf, nämlich die sanfte Röte, die in seine Wangen stieg. Doch das Lächeln, was sich auf seine Lippen gelegt hatte, verging ihm, als er die Stimme wahrnahm, die ruhig und gelassen und vor allem hochnäsig verkündete:
„Nächste Zelle ist bitte die des Königs und des Halblings, ich würde gerne wissen, was die beiden so veranstalten an solch einer frühen Stunde!“

- Bilbo -

Er wusste nicht, wie schnell Thorin in einem richtigen Ernstfall reagieren würde. Aber er vermutete mal, dass er gerade erst einmal auf die Füße gekommen wäre, da hätte Thorin sich schon seine Waffen geschnappt und auf die Bedrohung eingehauen.
Thorin hatte sich schnell auf die Pritsche gesetzt, den Kopf lässig an die Wand gelegt. Die Augen waren geschlossen, und er erweckte tatsächlich den Anschein, dass er schlief oder auch nur döste. Bilbo selbst hatte sich weg von den warmen Augen gedreht, die ihn sanft angeschaut hatten. Sollten sie jetzt seinen Rücken betrachten, es war ihm gerade ziemlich egal. Das einzige, was ihn beschäftigte, war die Tatsache, das Thorin ihn die gesamte Nacht über festgehalten hatte, sie im Prinzip miteinander gekuschelt hatten!

Als die Elben in den Raum traten, mit ihnen ein breit gebauter, hellblonder Elb mit unglaublich blauen Augen und natürlich Thranduil, der Grund, weswegen Thorin so aufgeschreckt ist, schaute Bilbo einfach stur geradeaus gegen die Wand und schien sich in Gedanken ertränken zu wollen.
Letztens erst wollte Thorin nicht, das Bilbo sich verschlafen und dösend an ihn lehnte, ja, Bilbo war wach gewesen und hatte die abwehrende Haltung des Zwerges mitbekommen.
Was war jetzt passiert, dass der Zwerg plötzlich akzeptiert hatte, das Bilbo sich in der Nacht im Halbschlaf an ihn geschmiegt hatte? Was hatte Bilbo gemacht? Oder hatte er überhaupt was gemacht, und war Thorin einfach nur allein über seinen adeligen Schatten gesprungen?
Verwirrt schloss er die Augen und als er sie nach ein paar schnellen Herzschlägen wieder öffnete, sah er die Stiefel des robusten, blauäugigen Elben und er zuckte zusammen.

„Legolas, dies ist Bilbo Beutlin, der Halbling, der mir gegenüber großen Mut und wenig Respekt gezeigt hat!“, dröhnte die Stimme des Elbenkönigs durch die Zelle, und als Bilbo gelangweilt aufschaute, blickte er in ein vergnügtes Augenpaar.
„Bilbo Beutlin, es freut mich, dich kennenzulernen!“, grüßte Legolas ungewohnt freundlich und wieder einmal fragte sich der Hobbit, wann er den Elben erlaubt hatte, ihn zu duzen.
„Wir haben gehört, ihr habt Hunger, und Herr Halbling hat einige Verletzungen durch die Spinnen erhalten?“, brummte Thranduil und lächelte, kein warmes Lächeln, aber es schien doch freundlicher, als Bilbo angenommen hatte. Wahrscheinlich begann er Sympathie gegenüber ihnen aufzubauen, weil sie seine Gefangenen waren und nicht mehr seine Eindringlinge.
„Das mag-“, fing Bilbo an, doch der Schlaf sprach aus seiner Stimme und er räusperte sich, bevor er wieder anfing zu sprechen.

„Das mag sein, Verletzungen trage ich seit neustem aber mit Stolz und nicht mehr mit Leid!“, zischte er und grinste schief zu den beiden Elben hinauf.
„Wir wollen unsere Gefangenen nicht verkümmern und leiden lassen, also geben wir euch Essen und bieten euch Heilung an. Und das könnt ihr nicht ausschlagen!“, drohte Thranduil und warf majestätisch seine Haare zurück. Gut, auf Bilbo wirkte es eher lächerlich statt majestätisch, er war majestätisches Verhalten von Thorin gewöhnt, und zwischen Zwerg und Elb lag dann doch ein großer Unterschied.

Legolas kniete sich vor Bilbo, zog ihn mit ungewöhnlich schlanken Händen hoch und fing an, das Hemd aufzuknöpfen. Thorin zischte bedrohlich, und daraufhin fing er sich eine hochgezogene Augenbraue von Thranduil ein, was den Zwerg aber nicht weiter kümmerte.
Geschickt löste Legolas den stützenden Verband um die Rippen des Halblings, und protestierend wollte Bilbo auf die Hände schlagen, doch Legolas grinste nur ein makelloses, weißes Grinsen und entblößte die weiche Haut des Hobbits.
Bilbo wimmerte, als die verhältnismäßig kalte Luft an seine Haut kam, und eine Gänsehaut zog sich über seinen Oberkörper. Eine unangenehme Gänsehaut, keine angenehme, wie sie ihm immer über den Körper glitt, wenn Thorin etwas tat.

Mit einem leicht...ja, provozierenden Blick auf Thorin kniete sich auch der König des Düsterwaldes vor den Hobbit und strich mit seinen schlanken, mit Ringen besetzten Fingern über die Rippen, so wie es erst Thorin vor einem Tag getan hat. Es schien so lange her zu sein, dass Bilbo die Finger des Zwerges gespürt hatte, mit den rauen Fingerspitzen, die aber so sanft drückten, und geschickt so über die Rippen strichen, dass es nicht weh tat.
„Was tut ihr da?“, knurrte der schwarzhaarige Zwerg und seine Nasenflügel zuckten leicht, ein Zeichen, dass er ziemlich wütend und unkontrolliert über sich selbst war.
„Lass sie.“, schnaubte der Hobbit leise und der entsetzte Blick des Zwerges traf ihn mitten ins Herz. Natürlich hatte der Zwerg es falsch verstanden. Hastig legte er sich eine Antwort zurecht und atmete tief ein. Der Schmerz, der ihm durch den Brustkorb schoss, ignorierte er gekonnt.
„Sie wollen mir doch nur gutes!“, murmelte er beschwichtigend und lächelte den Zwerg sanft an. Das schien den Zwerg zu besänftigen, und er lächelte genauso sanft zurück. Glücklich funkelten die Augen des Hobbits, er schaute glückselig zu dem Zwergenkönig auf, der Körper nicht mehr zusammengesunken und aufrecht. Aus ihm sprach förmlich die Zuversicht, dass er sich nun mehr als nur sicher war, das Thorin für ihn mehr als nur Freundschaft empfand. Oder..?
Aber Thorin schien nicht mehr so verschlossen wie sonst immer, er schien sogar fast schon offen und hilfsbereit!
Verschmitzt wechselte er die Gedanken und zwinkerte Thorin einmal zu.

Ein freches Funkeln legte sich auf seine matten Augen, als er wieder zu den beiden blonden Elben schaute, und er öffnete den Mund, bevor er überhaupt über die frechen Wörter nachdenken konnte.
„Sicher, das eure Heilkraft besser heilt als die Aufmerksamkeit einer gewissen Person, die ich genießen könnte, wäret ihr nicht hier?“, fragte er unschuldig, die Augen ähnelten denen eines Hundewelpen, oder den regungslosen Augen eines Teddybären, in den sich die kleinen Hobbits immer verliebten.
Legolas reagierte nur mit einem leichten Schulterzucken darauf, doch Thranduil schien dies sehr amüsiert aufzunehmen, wie sich Bilbos Gesichtszüge einfach nicht veränderten, die braunen Augen aufrichtig unschuldig, und die Frage schien er ernst gemeint zu haben. Auch das klatschte Legolas nur mit einem Zucken seiner breiten Schultern ab, doch der Elbenkönig schien sich eine ernsthafte Antwort darauf überlegen zu wollen.

Die geschwungenen Lippen des Königs öffneten sich, fasziniert beobachtete Bilbo, wie die Luft eingesogen wurde, und er die weißen Zähne der oberen Reihe erblicken konnte. Die breite Brust des Elben hob sich, und man sah ihm deutlich an, dass er zum sprechen ansetzte, doch das laute Jaulen des Hobbits unterbrach ihn.
Legolas hatte auf eine sehr empfindliche Stelle seines verletzten Körpers gedrückt, und der Hobbit, der darauf nicht vorbereitet war, krümmte sich jetzt vor Schmerzen.
Und genau darauf schien Thorin gewartet zu haben.

Zischend warf sich der Zwerg auf die beiden vor Bilbo hockenden Elben, stieß sie weg von ihm, doch bevor er irgendwelche weitere Gewalt ausüben konnte, zückte Legolas einen Dolch und hielt ihn Thorin vor die Nase. Die scharfen Kanten blitzten in dem dämmerigen Licht der Zelle auf, und die Spitze kratzte an Thorins scharfer Nase.
„Thorin...“, keuchte der Halbling, schlang seine tauben Arme um die Brust des aufgebrachten Zwerges und zog ihn so nah an die nackte Brust, das es fast schon wieder wehtat. Und natürlich tat es weh, und der Hobbit sog scharf die Luft ein. Das lenkte die Aufmerksamkeit des Zwerges wieder auf 'seinen' Hobbit, und vorsichtig strichen die Hände des sonst so harten Zwerges über den nackten Körper.
„Anscheinend lässt er nur Thorin an sich, dann soll der Zwerg das doch machen!“, spottete Legolas und warf eine streng riechende Salbe in Richtung des Zwerges. Geistesgegenwärtig fing Thorin die Schüssel mit der dickflüssigen Creme auf, während sich seine Augen aber in die des Halblings bohrten. Der sanfte Blick wiegte den Hobbit in einen leichten Schlaf, und die beiden Elben verließen den Raum, sie wussten, dass es jetzt nur gut gehen konnte.

Und so kam es, dass die sanften Hände des Zwergs über den Oberkörper des dösenden, kleinen Mannes strichen und die Salbe großzügig verteilte.

• Tag 6 •
- Bilbo -

Nichts. Den gesamten Tag verschlafen.

- Thorin -

Auch der Zwerg gönnte sich eine Mütze Schlaf, doch er döste trotzdem nur die meiste Zeit und beobachtete in seiner wachen Zeit den Hobbit mit Argusaugen.

• Tag 7 •
- Bilbo -

Eine Woche in dieser verdammten Zelle, und er wusste sich nicht mehr Recht zu helfen. Wenigstens brachte man ihnen heute eine große Portion Essen, nicht immer nur festes Brot und eine Schüssel mit dünner Milch, die wie Wasser schmeckte, dieses Zellenessen bekamen sie seit dem Tag, an dem sie baden waren.
Die sogenannten Lembas, zwei für jeden, füllten den Magen unerwartet schnell, und der Hobbit, der zu viel Essen noch nicht vertrug, hob sich genug Lembareste für 4 Tage auf.
Doch den Rest des Tages verbrachte er schweigend und nachdenklich, die Decke schien plötzlich sehr interessant.

Erst als Thorin seine Hand nahm, blickte er auf.
Die langen Finger strichen über seine Knöchel, sendeten ein Kribbeln durch seinen gesamten Körper, und glücklich schaute er den bärtigen Mann an.
Den Ruck an seinem Arm und die damit verbundenen Schmerzen bemerkte er gar nicht mehr, den die aneinander reibenden Nasen und die sich treffenden Lippen nahmen seinen ganzen Kopf ein.

Nur das war wichtig. Endlich hatten sie sich gefunden. Und das hatte nicht mal Worte benötigt. Es hatte nur Körpersprache benötigt.

Flucht und Smaug waren in den Hintergrund gerückt.

Der Kuss der beiden ungleichen Männer schien ewig zu dauern. Aber er drückte Liebe aus.

„Ich liebe dich, Thorin Eichenschild.“

„Men lananubukhs menu, Bilbo Beutlin.“




-




Ich hatte an eine Fortsetzung gedacht, vielleicht wie sie befreit werden.
Ist euch eigentlich aufgefallen, dass Bilbo kein einziges Mal seinen Ring vermisst hat? Mmh? Absichtlich so.
Was ist wohl mit seinem Ring? Wünscht ihr eine Fortsetzung? Dann würdet ihr es erfahren! =D

Fortsetzung "Auch Liebe wird öde": http://www.fanfiktion.de/s/53177cf000035f8735c8f71c/1/Auch-Liebe-wird-oede
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