Du und ich: Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen.

GeschichteRomanze / P18
Draco Malfoy Hermine Granger
24.02.2014
18.05.2014
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Dieses Kapitel
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Wow, ich bin überwältigt :) Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Geschichte so schnell den Weg in einige Favoritenlisten findet. Deshalb hab ich beschlossen, euch das zweite Kapitel noch obendrauf zu geben. Ich war echt geplättet. Ihr seid ja Mega! :) Danke schon mal dafür! In diesem Kapitel erfahren wir, was nun mit Harry los ist. Und bald schon werden sich Hermine und Draco gegenüber stehen; aber noch nicht in diesem Kapitel ;) Ich bin furchtbar fies, ja :> Aber die Kapitel werden auch jetzt etwas länger ;)

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- 2.Kapitel -

Hermine öffnete träge die Augen. Einen schrecklichen Traum hatte sie gehabt. Voldemort hatte in ihrem Traum Hogwarts angegriffen und... Sie nahm die weiße Decke über ihr schemenhaft wahr!

Nein!

Das hier war nicht ihr Schlafsaal. Sie war nicht auf Schloss Hogwarts und eine Gestalt saß neben ihr, deren Konturen immer deutlicher wurden, nachdem sie mehrmals blinzelte.

„Misses Weasley?“, krächzte sie. Ihre Stimme klang furchtbar, so, als ob sie schon tagelang nicht gesprochen hatte. Mühsam versuchte sie ihre Glieder zu bewegen.

„Bei Merlin, Hermine. Du bist wach!“, sprach Molly, erhob sich sofort aus ihrem Stuhl und ließ achtlos ihr Strickzeug fallen. „Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht. Arthur ebenfalls, bei Merlin. Hermine, ich bin froh, dass du wach bist.“ Molly strich ihr zärtlich die Haare aus der Stirn.

„Wo ist Harry? Wo sind Ron und Ginny?“ Hermine fehlte die ausschlaggebende Kraft, um sich auf ihrem Bett abzustoßen und einfach aufzustehen.  

Molly umarmte Hermine herzlich und hob, nach Hermines Frage, ihren Kopf. Hermine ahnte schlimmes, als sie die roten und feuchten Augen von Molly Weasley erkannte.

„Hermine, du -“

„Nein!“, sagte sie entschieden. Sie würde sich bestimmt nicht beruhigen oder ausruhen, denn darauf würde es hinaus laufen, wenn sie Molly ausreden lassen würde. Wie sollte sie sich überhaupt beruhigen, wenn sie doch wusste, dass etwas mit Harry war. Schlagartig kehrte die vorherige, verwehrte Kraft zurück. „Was ist passiert?“, wollte Hermine energisch wissen und setzte sich aufrechter, in ihrem Bett, hin. Sie war wohl im St. Mungo. „Misses Weasley?“, fragte sie erneut.

„Harry...“ Molly schluchzte heftig und ihre Stimme versagte. Sie schnäuzte in ein gestreiftes Taschentuch. Dass Harry Molly am Herzen lag, wusste Hermine. Molly liebte Harry und sie wie ihre eigenen Kinder, aber Hermine wollte Antworten, auch, wenn sie mehr als gerührt war von Mollys Emotionen. Wie sie da saß und auf Hermine aufpasste, wie sich sie um Harry und um sie sorgte, obwohl sie selbst einen schlimmen Verlust, hervorgerufen durch Freds Tod, durchleben musste. „Harry... er..er liegt...im Koma“, endete Molly weiterhin schluchzend.

„Ron...und Ginny.. sie sind beide...bei ihm.“ Molly schien sich zu beruhigen; etwas. Auch Mollys Stimme wurde wieder fester, als sie noch einmal in ihr Taschentuch schnäuzte. Hermine wollte aufstehen. Sie musste zu Harry! Zu Ron und Ginny auch. Hermine musste sich selbst überzeugen, dass Harry hier war und das es Ron und Ginny gut ging, aber Molly drückte sie entschieden in die Kissen zurück. Sie schien Hermines Handlungsstrang erkannt zu haben. Na toll..

Fein! Ihr Gehirn schlug ihr Diplomatie vor.

„Misses Weasley“, Hermine atmete durch, „wie..wie lange liege ich hier schon?“

„Seit drei Tagen.“ Molly betrachtete sie voller Herzlichkeit. Sie legte alle Herzlichkeit, die sie hatte, in den Blick, um Hermine klar zu machen, dass das okay sei, dass sie so lange geschlafen hatte, denn ihr Körper brauchte diese Ruhe.

Seit.. Drei Tagen? Was war nur passiert? Sie entdeckte einen Tagespropheten auf ihrem Nachttisch. Mit fahrigen Fingern griff sie zur Zeitung. Tatsächlich, sie schien drei Tage abwesend gewesen zu sein, denn auf der Zeitung war der 5.Mai.1998 abgedruckt.

Sie blickte zurück zu Molly und ihr Herz zersprang in tausend Teile. Vor ihr saß eine gebrochene Frau, eine trauernde Mutter, denn sie erinnerte sich. Fred war im Krieg gestorben. Die Bilder, wie Molly über Fred gebeugt lag, bohrten sich an die Oberfläche von Hermines Gedankenwelt. Und doch saß Molly hier bei ihr und sorgte sich ehrlich um Hermine. Sie sah hinab auf Mollys Hände, die sie fest knetete und Hermine setzte sich auf ihre Bettkante um Molly zu umarmen, um ihr Trost zu spenden. Molly nahm diese Geste dankend an und erzählte Hermine, unter erneuten Tränen, von allem. Von Fred, der gestorben war, von Harrys Zustand, wie man Hermine ins Krankenhaus brachte und Hermine war dankbar, endlich an Informationen zu kommen.

XxX


„Mr. Malfoy?“

Draco hatte den Namen des Ministeriumsbeamten vergessen, der vor ihm saß. Er schaute einige Sekunden aus dem Fenster, ehe er zu dem Beamten zurückblickte. Ob es taktlos war, den Beamten sekundenlang warten zu lassen? Ja, aber störte das Draco? Nein.

„Ahm..da Sie jetzt, nach dem Tod Ihres Vaters, der alleinige Erbe des Malfoy-Vermögens sind, haben Sie ab sofort Zutritt zu Ihren Verließen, Sir!“, fuhr der Beamte fort und schaute Draco verlegen an.

Der Beamte gebrauchte auch nicht den Lordtitel, der nun auf Draco übergegangen war. Aber das waren Kleinigkeiten über die er nicht nachdenken wollte. Diesen dämlich Titel fand er ohnehin sinnlos. Was brachte ihm dieser Titel? Gar nichts, außer das er die Menschen von oben herab behandeln konnte. Früher, als er ein naiver, infantiler Junge war, hätte ihm das gefallen, das alle Leute vor ihm zurückschreckten. Das bewunderte er früher an seinem Vater, aber heute? Heute zeigte ihm dieses Verhalten, das die Menschen ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, einen Fluch auf den Hals jagen würden, um an seinen Reichtum zu gelangen; dieses raffgierige und materialistische Volk.

Draco hätte kotzen können. Diese gespielte Höflichkeit des Beamten zerrte erheblich an seinem Nervenkostüm. Natürlich spürte er die Unsicherheit des Beamten. Draco sah jedoch, soweit es seine Verfassung zuließ, harmlos aus. Doch jeder kannte Lucius und jeder wusste, wie mächtig sein Vater war und Draco schien diese furchteinflössende Ausstrahlung von Lucius perfekt zu beherrschen. Hoffte dieser Mann auf Spendengelder? War er deshalb so distinguiert und höflich? Offensichtlich. Weshalb sollte der Beamte sonst so förmlich und geduldig sein? Er kräuselte die Lippen, als der Beamte weitere Pergamente aufrollte. Er hätte sie diesem Bastard am liebsten um die Ohren geschlagen.

„Sie müssten mir noch bestätigen, dass ich Sie darüber in Kenntnis gesetzt habe, dass Sie der Erbe von 500 Milliarden Galleonen sind!“, pochte der Beamte, faltete eine weitere Pergamentrolle vor ihm glatt und hielt ihm eine Feder entgegen.

Natürlich. Anscheinend betonte er die Summe extra laut, nur damit der Beamte sicher war, dass er sich nicht versehen hatte. 500 Milliarden Galleonen waren ja auch eine beträchtliche Summe. Was ein Heuchler, dieser Beamte! Draco wusste, wie viel er erben würde. Lucius ließ nie etwas unbeendet zurück; genau so wie Draco. Lucius hatte ihm schon vor langer Zeit erklärt, was auf ihn zukam, wenn Lucius das Zeitliche segnen würde. Draco glaubte sich zu erinnern, als Voldemort zurück gekehrt war, dass sein Vater immer wieder mit ihm darüber gesprochen hatte. Mittlerweile kamen ihm diese Gespräche vor, als lägen sie schon unendlich viele Jahre zurück. Und sicher brauchte er die Unterschrift von Draco! Dieses Pergament würde einen Betrüger sofort erkennen.

Er nahm die Feder lässig in seine linke Hand und unterzeichnete das Dokument.

Lord Draco Lucius Malfoy stand nun in filigraner und fein säuberlicher Schrift auf dem Pergament und seine Unterschrift leuchtete blau auf, um dem Beamten zu symbolisieren, dass der rechtmäßige Erbe das Dokument unterzeichnet hatte.

„Ausgezeichnet!“, erwiderte der Beamte. „Glückwunsch, Sie sind nun -“

Draco erhob sich wütend. Wollte dieser Penner etwa witzig sein? Seine Hände ballten sich zu Fäusten und seine Augen wurden immer dunkler. In Dracos Augen tobte ein Sturm aus silbernem Stahl, das im stahlblauen Meer versinken wollte.

„Ich denke, Sie gehen nun besser!“, sagte Draco scharf. Er wollte keine Glückwünsche. Er brauchte Draco auch nicht sein Beileid auszusprechen, denn sonst würde Draco ihm sein falsches Mitleid heraus prügeln. Denn das war es; falsches Mitleid. Etwas, das der Beamte wohl bei jedem Testament sagte. Für ihn schien das schon Routine zu sein, so leicht, wie die Worte nämlich seine Lippen verlassen wollten.

Auch der Beamte erhob sich schnell. Er schien zu spüren, dass er Grenzen überschritten hatte.

„Natürlich, Sir“, sagte der Beamte mit gesenktem Blick und verließ fast fluchtartig Malfoy Manor.

Draco griff neben sich und goss sich aus der Kristallkaraffe Whiskey in sein Glas. Er spürte nicht das übliche Brennen in seiner Kehle, wenn er für gewöhnlich Whiskey trank. Er war dankbar, denn die goldene Flüssigkeit befeuchtete seinen trockenen Mund. Hätte der Whiskey, wie üblich, gebrannt, hätte er ihn wohl stehen gelassen und mit keinem einzigen Blick mehr beachtet.

Draco war nun ein reicher Mann!

'Du warst schon immer reich. Außerdem hast du verzogen vergessen', zischte seine innere Stimme.

Vielleicht sollte er nach seiner Mutter sehen? Sie hegte, bis der Beamte auftauchte, die Hoffnung, dass Lucius in Askaban saß und nun? Nun waren ihre Hoffnungen zerplatzt, wie eine Seifenblase, denn Lucius war auf Hogwarts - wie viele andere - gefallen. Nein. Er würde nicht nach seiner Mutter sehen. Draco musste erst selbst mit seiner 'Trauer' - soweit man dieses Wort benutzen konnte - fertig werden.

Gott ja, er hasste Lucius, aber er war auch sein Vater gewesen. Nun hatte er das Sagen, er war der rechtmäßige Erbe von Malfoy Manor, des Malfoy-Vermögens und hatte die alleinige Entscheidungsmacht. Wie Narzissa sich wohl dabei fühlte? Draco wusste es nicht, aber sicher dachte sie nun, dass der nächste Tyrann - nach Lucius – nun einen bösen Einfluss auf sie haben würde. Sein Name ermöglichte ihm alles, dafür hatte Lucius immer gesorgt, denn, auch wenn Draco seinen Vater hasste, in einem konnte man Lucius nicht toppen und das gipfelte sich in Lucius' Geschäftssinn. Mit Geld erreichte man alles und da er über diese Mittel verfügte, hatte er eine enorme Macht. Arbeiten brauchte er nie! Er musste nur das Vermögen verwalten, Spenden hier und da zukommen lassen. Oh ja. Er besaß einzigartige Macht und man konnte Lucius nie nachweisen, dass er zu den Todessern gehörte, denn offiziell hieß es, dass Lucius nur auf Hogwarts war, um seinen Sohn zu retten. Aus diesem Grund wurde das Vermögen auch, nach seinem Tod, nicht eingefroren, sonst hätte Draco wirklich blöd da gestanden.

„Auf deinen perfekten Geschäftssinn, Lucius!“ Draco hob sein Glas erneut an und trank missmutig einen großen Schluck.

Wie geschickt sich Lucius doch aus allem heraus winden konnte und nun entwischte er schon wieder und musste dafür mit seinem Leben bezahlen. Um seinen Sohn zu retten. Zu einem gewissen Grad stimmte das, zumindest redete Draco sich das ein, denn Lucius war schon lange kein loyaler Todesser mehr.

Er würde seiner Mutter später vorschlagen, in Urlaub zu fahren. Vielleicht nach Sizilien. Da hatten sie ein Ferienhaus.

Draco füllte sein Glas erneut mit Whiskey und schaute wieder aus dem Fenster, wo er der untergehenden Sonne zusehen konnte, wie sie hinter dem Horizont verschwand.

XxX


Vorsichtig klopfte es an ihrer Tür. Der Beamte hatte wahrlich keinen einfachen Tag. Malfoy war ein anstrengender Bengel. Er hoffte, dass Miss Granger nicht so unhöflich war. Er bezweifelte dies, denn wer war noch wohl gesonnen, wenn man jemandem schlechte gar schreckliche Nachrichten übermittelte? Der Beamte hasste diesen Aufgabenbereich wirklich an seinem Beruf. Zudem war er nicht sehr einfühlsam, was solche Nachrichten betraf.

„Herein“, vernahm er eine süße, nette Stimme. Er umfing die Türklinke und drückte sie hinunter. Sie war eine nette Erscheinung und eine schöne Frau, aber für ihn viel zu jung, dachte er.

„Guten Abend, Miss Granger“, sagte er freundlich und schritt mit einem schwarzen Lederkoffer auf sie zu, den er auf ihrem Nachttisch abstellte.

„Guten Tag, Mr. ...?!“ Sie kannte den Mann nicht, doch er lächelte sie an. Woher kannte er ihren Namen und woher - bei Merlin - wusste er, wo sie zu finden war? Danach ohrfeigte sie sich in ihren Gedanken selbst. Als Harry eingeliefert wurde, war im Ministerium sicher die Hölle los und man dokumentierte alles ganz genau. Somit mussten sie auch wissen, dass Hermine hier war.

Sie war wirklich netter als dieser Malfoy. „Lukas... Lukas Kent. Ich komme vom Ministerium, Miss!“ Lächelnd hielt er ihr seine Hand hin, doch nach kurzem schon bemerkte er in ihren Augen die Diskrepanz zwischen ihnen und zog seine Hand - zaghaft lächelnd - zurück.

„Tatsächlich? Was verschafft mir die Ehre, Mr. Kent?“, fragte sie lauernd. Sie war gegen die Handlungen des Ministeriums und sie wollte nicht bösartig klingen. Es war nichts persönliches gegen den Mann, der vor ihr stand. Es lag wohl an den Erfahrungen, die sie mit dem Ministerium gemacht hatte. Damals, als Harry...

Gott, Harry! Sie durfte nicht aufstehen. Sie sollte sich ausruhen und man hatte ihr untersagt, Harry zu besuchen. Dieser blöde Beamte. Nur durch ihn kamen die Gedanken an Harry hoch. Das Ministerium brachte über alles sein Übel. Nicht nur, dass sie dadurch an Harry dachte, nein, sondern auch an die schlimmen Erfahrungen, die sie in diesem Gebäude erlebt hatten. In ihrem fünften Schuljahr hatte Harry seine Verhandlung dort, wegen unerlaubter Zauberei und Sirius hatten sie am Ende des Schuljahres darin verloren. Im siebten Jahr hatte das Ministerium sogar nach ihnen gefahndet. Sie entkamen nur knapp, als sie sich mit Hilfe von Vielsafttrank ins Ministerium schleusten.

„Miss? Ist alles in Ordnung?“, fragte der Beamte besorgt. Anscheinend mochte sie das Ministerium nicht. Wen wunderte es, wenn man daran dachte, was Harry Potter und diesem Mädchen im Ministerium widerfahren war. Natürlich kannte er die Vorkommnisse aus ihrem fünften und siebten Schuljahr. Gott und diesem hilflosen und angeschlagenem Mädchen sollte er nun mitteilen, dass ihre Mutter im Krieg gefallen war? Hermine Granger stand hinter Harry Potter auf Platz zwei der Todesserliste. Natürlich waren ihre Eltern gefährdet, denn sie waren Muggel!

Hermine ruckte mit ihrem Kopf zurück und sah den Mann an. „Na..natürlich, Sir.“

'Beruhige dich, Hermine! Du wirst Harry sehen - lebend', sagte ihre innere Stimme.

„Weswegen sind Sie hier?“

Es gab kein zurück. Er musste es ihr sagen.

„Miss.“ Er unterbrach sich selbst. Gerne hätte er gesagt sie solle sich setzen, nur um seine Stimme zu beruhigen, doch das Mädchen saß bereits auf ihrem Bett. „Es geht um Ihre Mutter!“ Er sollte seine Sätze beenden und er sah, wie ihr Mund sich öffnete. Er räusperte sich. „Ihre Eltern wurden angegriffen - ein paar Tage vor der Schlacht auf Hogwarts.“ Er sah, wie sie zum Protest ansetzen wollte, aber das würde er nicht dulden. „Ihr Vater liegt in einem Muggelkrankenhaus in London und“, er seufzte, „Ihre Mutter hat den Angriff nicht überlebt.“

Hermines Augen waren weit aufgerissen. „Nein!“, entgegnete sie entschieden und erhob sich aus ihrem Bett. Dass sie in einem Nachthemd vor einem Beamten des Ministeriums stand, war ihr in dem Moment egal. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie dachte nicht daran, die Tränen aufzuhalten.

„Miss, bitte. Beruhigen Sie sich“, erwiderte er besänftigend und wollte sie in die Kissen zurück drücken, entschied sich aber dagegen, da dies zu intim wäre. Er ließ sich nie von Gefühlen - während seiner Arbeit - beeinflussen, aber dieses Mädchen brach sämtliche Schutzschichten, die er sich angeeignet hatte. Sie so zerbrechlich zu sehen, brach ihm sein Herz. Gerne würde er aufmunternde Worte sagen.

„Sie irren sich!“, versuchte sie kläglich zu sagen, aber ihr Verstand wusste, der Beamte irrte sich nicht.

Gerne hätte er sich geirrt, aber es bestand kein Zweifel, dass es sich um Jane und David Granger handelten, die angegriffen wurden. Er verstand ihren Gemütszustand. Er selbst hätte genauso reagiert!

„Das dunkle Mal wurde uns gemeldet und es besteht keinerlei Zweifel. Wir haben es mehrmals überprüft, Miss!“

Das musste ein Traum sein. Wieso hatten sie ihre Eltern angegriffen? Die Todesser hatten ihr nichts zukommen lassen, dass man in Erwägung zog, ihre Eltern anzugreifen, denn so hätten die Todesser eher an sie heran kommen können, aber nichts dergleichen! Ob die Todesser das Ganze aus reiner Willkür und Spaß am morden getan hatten? Vermutlich. Es wäre doch klüger gewesen, ihre Eltern als Druckmittel einzusetzen, oder? Hatten ihre Eltern sich stattdessen gewehrt, um ihre Tochter zu schützen? Nur so konnte Hermine sich diesen Angriff erklären. Ihr Gehirn arbeitete auf Hochtouren und die weiteren Tränen, die sich alle aus ihren Tränensäcken befreien wollten, die sie aber mit aller Kraft versucht hatte zurück zu halten, bahnten sich ihren Weg über ihr Gesicht. Sie hielt sich ihre Hände vor ihr Gesicht und fing bitterlich an zu weinen. Ihre Mutter war gefallen, in einem Krieg, für den sie nichts konnte und in einer Welt in der sie kaum involviert war. Ihr Vater lag in einem Muggelkrankenhaus. Dahin musste sie - augenblicklich. Harry lag im Koma und niemand wusste, wann und ob er je aufwachen würde. Für Hermine brach eine Welt zusammen.

Ein älterer Heiler betrat Hermines Zimmer und war erschrocken, als er die junge Frau zerrüttet vorfand.

„Sir, Sie sollten gehen!“, sagte der Heiler gereizt. „Miss Granger braucht dringend Ruhe!“ Der Heiler griff sanft nach Hermines Schulter und führte sie zu ihrem Bett.

Verständlich, dass ihn jeder weg haben wollte. Niemand wollte schlimme Nachrichten empfangen und auch das Krankenhaus verließ er fluchtartig.

Hermine brauchte keine Ruhe. Sie musste zu Harry und zu ihrem Vater!

„Sir, ich werde mich selbst entlassen!“, begann Hermine entschlossen und marschierte zu dem Schrank, in dem sie ihre Kleider vermutete.

„Bitte? Unmöglich, Miss! Ihre Werte sind - erstaunlicherweise - stabil, aber ich rate Ihnen davon ab. Sie sollten noch hier bleiben.“

Kein Heiler der Welt würde ihre Meinung ändern. Sie würde sich selbst entlassen!

XxX


Sie stand an Harrys Bett, ihre Kleidung stand daneben, gepackt in einen Koffer. Natürlich hatte sie sich entlassen. Mit Ginny und Ron hatte sie ebenfalls gesprochen. Begeistert waren sie nicht. Oh Nein, aber sie verstanden, wieso sie das um jeden Preis getan hatte. Sie hatte wirklich die besten Freunde. Hermine strich Harrys zerwuselte Haare aus seiner Stirn und wieder bildeten sich Tränen.

„Wieso wachst du nicht einfach auf, Harry?“

Es sah aus, als ob er friedlich schlummern würde. Harrys Kopfwunde konnte man magisch heilen, aber er wachte einfach nicht auf. Wieso nicht? Wieder einmal wurde ihr Herz zerrissen, als sie Harry in seinem Bett liegen sah. Er hatte keine Schläuche an seinem Körper, wie es in Muggelkrankenhäuser üblich war. Sie erzählte Harry, wie es ihr erging, das sie nämlich ebenfalls ins St. Mungo eingeliefert wurde, weil sie in Rons Armen zusammen gebrochen war. Auch erzählte sie ihm, dass ihr Vater im Krankenhaus lag. Das ihre Mutter und Fred Weasley gestorben waren. Dass diese von Todessern ermordet wurden, würde sie ihm nicht erzählen, denn sie wusste nicht, wie sich solche Ereignisse auf einen Komapatienten auswirken konnten. Denn auf sie wirkten sich sich schon katastrophal aus und sie wollte nichts riskieren. Nichts, was Harrys Gesundheit gefährden konnte. Wie würde Harry reagieren, wenn er von Lupins, Tonks' und Colins Tod, sowie von den anderen, erfahren würde, die gestorben waren?

Schweren Herzens verabschiedete sie sich von ihrem besten Freund. Ron und Ginny kümmerten sich bestimmt um regelmäßige Besuche, aber sie musste zu ihrem Vater.

Hermine apparierte in eine Seitenstraße und zauberte ihren Koffer klein, den sie in ihre Manteltasche steckte. Wie praktisch doch das Leben als Hexe war.

Vor ihr tauchte der riesige Komplex des Krankenhauses auf. Sie durfte keine Zeit verlieren. Zielstrebig steuerte sie auf das Gebäude zu und eilte zum Empfang.

Die Dame hielt es wohl nicht für nötig, überhaupt Notiz von ihr zu nehmen, denn sie kaute gelangweilt ihren Kaugummi und hielt den Telefonhörer an ihr Ohr. Die Dame führte offenbar ein privates Gespräch, denn sie kicherte verhalten in den Hörer. Hermine wurde sauer und knallte ihre Hand schnaubend auf den Tresen.

„So ungern ich Ihr - anscheinend - wichtiges Telefonat unterbreche, aber ich wüsste gerne -“

Die Dame unterbrach Hermine, in dem sie ihren Zeigefinger hob und sich demonstrativ von Hermine wegdrehte.

„Entschuldigen Sie mal!“, sagte Hermine gepresst. Sie beugte sich über den Tresen, griff nach dem Hörer und legte auf. Die Dame schaute mit bösem Blick hinauf zu Hermine. „Wo liegt David Granger?“

Die arrogante Frau tippte auf die Tastatur ihres Computers. „Dritter Stock, Zimmer 206!“

Hermine bedankte sich nicht, bemerkte auch nicht den wütenden Blick der Frau und eilte in den dritten Stock. Ihre Hände waren schwitzig, als sie nach dem Türgriff fasste und langsam die Tür öffnete. Ihr Vater saß auf dem Bett, anscheinend durfte er heute auch nach Hause, aber er wurde wohl von den Ärzten selbst entlassen; im Gegensatz zu ihr.

„Hermine!“, erwiderte ihr Vater erfreut, stand auf und nahm seine Tochter in seine Arme. Er schien überglücklich zu sein, seine Tochter halbwegs unversehrt vor ihm stehen zu sehen. Niemand schien ihn informiert zu haben, was Hermine wütend werden ließ.

„Dad!“, schniefte sie.

„Gott, Kind. Ich bin so froh, dass es dir gut zu gehen scheint. Ich bekam nur eine Eule von deinem Freund Ronald, dass du noch im Krankenhaus wärst.“ Wenigstens auf Ron schien Verlass zu sein, auch wenn es nur eine Eule war, die er ihrem Vater geschickt hatte. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sein Tochter auf die Stirn und zusammen verließen sie das Krankenhaus.

XxX


Hermine war am Tag des Begräbnis ein nervliches Wrack. Ihr ging es überhaupt nicht gut. Ron und Ginny waren eine wahre Stütze und sie würde ihnen ewig dankbar sein, dafür, dass sie immer zu ihr standen. Niemals würden sie sie hängen lassen. Harry fehlte ihr unheimlich. Auch wenn Ron ihr bester Freund war. Harry war in vielen Hinsichten anders. Er war einfühlsamer, als Ron.

„Du solltest Urlaub machen, Dad!“, begann Hermine ernst und eine Träne floss wieder ihre Wange hinab. Es waren die ersten Worte, nachdem ihre Mutter beerdigt war. Sie ertrug die Trauer ihres Vaters nicht. Sie wollte für ihren Vater stark sein und keine Emotionen hochkochen lassen, aber als sie ihren Vater abends, mit einer Flasche Whiskey, gefunden hatte, musste sie handeln. Sie war stark, aber sie konnte nicht verantworten, dass ihr Vater noch in eine Alkoholsucht hinab glitt. Hermine setzte sich neben ihren Vater, auf die Couch, und stellte den Whiskey weg.

„Fahr doch ein paar Tage zu Tante Mila, nach Wiltshire. Das wird dir gut tun und dich auf andere Gedanken bringen“, sagte sie und legte ihre Hand auf die Schulter ihres Vaters. Tante Mila war die Schwester ihres Vaters.

„Ich...kann“, hickste ihr Vater, „ich kann.. dich nicht al..alleine lassen, Spatz! Wir hätten auf..dich...hören sollen!“

„Was meinst du?“ Bitte lass ihn nicht das sagen, was sie vermutete.

„Wir hätten nach Australien.. gehen sollen, als.. du..das vorgeschlagen.. hast!“ David Granger hielt sich an der Sofalehne fest und starrte auf den Boden.

Ihr Vater machte sich Vorwürfe. Das motivierte Hermine umso mehr, ihren Vater zu ihrer Tante zu schicken, denn Vorwürfe dürfte er sich keine machen. Es war nicht seine Schuld! Das durfte ihr Vater nicht denken.

„Kann dich nicht alleine..lassen!“, sprach ihr Vater weiter und durchfuhr mit seinen Händen sein dunkelblondes Haar, welches zu allen Seiten stand.

Nein? Sie war siebzehn, volljährig in der Zaubererwelt. „Doch, kannst du! Du wärst nicht..alleine. Bitte, Dad!“ Sie erhoffte sich, dass ihm der Urlaub gut tat und Tante Mila aufpassen würde, denn ja, sie war siebzehn und wollte eine Ausbildung in Gringotts beginnen, sobald sich alles gelegt hatte und sie mit ihrer eigenen Trauer umgehen konnte. Wiltshire war eine schöne Grafschaft im Südwesten Englands. Dort würde ihr Vater sich auch wohl fühlen und lernen, mit dem Verlust umzugehen.  

Ganz bestimmt würde ihm das helfen!


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Achje, arme Hermine. Ihr armer Vater und dann noch armer Malfoy? Naja, ob Malfoy so arm ist wage ich zu bezweifeln... Wir werden die Tage sehen, was noch alles passieren wird.
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