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„Es tut mir Leid!“

von MonaLilly
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Leigh Rosalia
23.02.2014
23.02.2014
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Die Nacht um das Auto herum ist dunkel und unsere Blicke reichen nur so weit, wie die Scheinwerfer leuchten. Trotzdem blickt er stur in die Ferne, als könnten seine Augen etwas anderes erspähen als meine. Und irgendwie tröstet mich der Gedanke. Er würde rechtzeitig reagieren können, sollte uns Wild vors Auto laufen. Er würde mich beschützen, egal welche Vorwürfe ich ihm machen würde oder ihm gemacht habe. Vorwürfe; ich machte ihm andauernd welche. Mal sagte ich, dass er mir nicht genug zeigen würde, dass er mich liebt, ein anderes mal sage ich, er verbringt zu viel Zeit im Geschäft. Und das führte fast immer zu einem Streit. Einen Streit, wie wir ihn gerade gehabt haben. Was genau ich ihn vorgeworfen habe, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich irgendwann lauter geworden bin und irgendwann angefangen habe zu kreischen. Zuerst hat er es ertragen, ohne etwas zu sagen und wäre ich aufmerksamer gewesen, hätte ich gemerkt, dass sein Gesicht sich verhärtete, aber ich bin so damit beschäftigt gewesen, ihn zu beschimpfen, dass ich überrascht zusammengezuckt bin, als auch er schrie. So kenne ich ihn gar nicht. Im Nachhinein weiß ich, dass ich zu weit gegangen bin, aber anstatt das zu erkennen, habe ich gekontert. Irgendwann warfen wir uns die Beleidigungen nur noch so an den Kopf.
Und Plötzlich – Stille. Keiner von uns beiden sagt mehr etwas. Selbst die Leise Musik aus dem Radio schafft es nicht diese Stille zu überbrücken. Sie ist einfach zu drückend, zu unangenehm.
„Leigh...“ setze ich an, stoppe aber sofort wieder. Ich weiß nicht, wie ich fortfahren soll. Ein einfaches „Es tut mir Leid“ wird nicht ausreichen. Also schweige ich.
Inzwischen ist die Stille schon greifbar. Ich bin in Versuchung die Hand auszustrecken und zuzupacken, habe aber Angst dadurch auch das dünne Gespinst des Vertrauens zu zerstören, welches im Moment nur noch zwischen ihm und mir besteht.
Ich weiß nicht, wo wir sind oder wie spät es ist, obwohl ich mehrmals auf die Uhr schaue. Ich vergesse die Zeit einfach immer wieder. Es ist, als wolle mich mein Gehirn quälen. Als wolle es mir jegliche Ablenkung nehmen. Als wolle mich in jeder endlos scheinenden Sekunde dieser Fahrt an meinen Fehler erinnern. Als wolle es mir mitteilen, dass ich jetzt alles vermasselt habe.
Ich sehe ihn aus den Augenwinkeln an. Er scheint es nicht zu bemerken, dass ich ihn beobachte. Mit der Hand wische ich mir durchs Gesicht und merke, dass sie nass ist. Ich habe unbewusst angefangen zu weinen.
Warum mache ich ihm auch andauernd Vorwürfe? Warum bin ich bloß so blöd? Ich liebe ihn doch. Er ist mir so wichtig, dass ich es noch nicht mal ertragen kann, wenn wir uns nur einen Tag nicht sehen.
Der Wagen hält und endlich nehmen ich meine Umgebung richtig wahr. Wir sind bei ihm zu Hause. Obwohl wir ausgemacht hatten, dass ich heute Nacht bei ihm schlafe, habe ich gedacht, er würde mich zu mir nach Hause fahren und mich wortlos aus den Auto steigen lassen.
Die Fahrertür geht auf und er steigt aus, ohne mich anzusehen. In meinem Herzen verspüre ich einen seltsamen Stich. Er wird sicherlich gleich mit mir Schluss machen und mich in der Dunkelheit Heim schicken. Diesmal bin ich sicher zu weit gegangen.
Ich weigere mich aus dem Auto zu steigen. Seltsamerweise bietet es mir Trost. Es ist, als könnte dieses Nichtstun vor der unschönen Wahrheit beschützen. Als er die Beifahrertür aufmacht, zerstört er diese Illusion. All meine Hoffnungen platzen in diesem Moment.
Er hält mir seine Hand hin. Wie in Trance ergreife ich sie und lasse mir von ihm aus den Auto helfen. Kaum berühren meine Füße den Asphalt, zieht er mich in eine unerwartete  Umarmung. Vor Schreck weiß ich nicht, wie ich reagieren soll. Schließlich lege ich mein Gesicht an seine Schulter, meine Hände auf seinen Rücken und krallte mich mit meinen Fingern in seine Jacke fest. Meine Tränen fließen wieder über meine Wangen.
„Es tut mir Leid. Es tut mir so schrecklich Leid.“ flüstere ich kraftlos. Ich will ihm noch so viel mehr sagen. Will ihm sagen, dass ich ab jetzt damit aufhören werde, dass er mir wichtig ist, dass ich ihn nie verlieren möchte, dass ich möchte, dass er mir verzeiht. Seine Umarmung wird fester, aber nicht drückender, eher tröstlicher. Ich kann seine Wärme, seinen Herzschlag spüren. Als er anfängt zu sprechen spüre ich auch die Vibration seiner Stimme. „Ich weiß. Ich weiß. Reden wir bei einer heißen Tasse Tee darüber.“
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