Whitebeards Zeichen

von Arzani92
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Marco der Phoenix Puma D. Ace / Gol D. Ace Whitebeard alias Edward Newgate
20.02.2014
20.02.2014
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Fluchend drang die genervte Stimme an sein Ohr, während sich seine Flammen, die urplötzlich an seinem Rücken aufgetaucht waren, wieder in seinen Körper zurück zogen.
„Verdammt Ace, kannst du dich nicht unter Kontrolle halten?“
Der Schiffsarzt der Moby Dick klatschte dem schwarzhaarigen Piraten, der auf einem harten Krankenbett lag, seine Hand an den Kopf. Entschuldigend grummelte der neuste Zugang der Piratenbande unter Edward Newgate etwas in sein Kissen, auf dem sein Kopf lag. Richtig verstehen konnte man die gemurmelten Worte nicht, denn Ace sah nicht ein, warum er sich für etwas entschuldigen sollte, wofür er nicht wirklich etwas konnte. Es lag nun Mal in der Natur des Teufelsfruchtnutzers, seine Feuerkräfte zu aktivieren, wenn sich eine Waffe seiner Haut näherte. Das abzuschalten war nicht so einfach, auch wenn eine Nadel sicherlich nicht unter die Kategorie Waffe fiel.
Der Beschuldigte wollte sich grade aufsetzen, um zu sehen, was der Arzt machte, als er von diesem wieder in die Laken zurück gedrückt wurde. Kurz stöhnte die Feuerfaust auf, bevor er sich wieder ergeben in eine bequeme Position begab. Immerhin würde er hier noch eine Weile liegen.
„Die Farbe hast du mir auch weggebrannt. Jetzt darf ich dir sogar das komplette Zeichen nochmal aufmalen.“
Ace hörte, wie ein schmatzendes Geräusch seinen Weg durch den leeren Raum fand, dann fühlte er eine kalte Flüssigkeit auf seinem Rücken. Der Pinsel wurde geschickt von der ruhigen Hand geführt und malte nun zum zweiten Mal das Zeichen eines der vier Kaisers auf den nackten Rücken des jungen Piraten. Großflächig füllte sich die leere Haut mit einem Muster, dass auf dem Schiff der Moby Dick und den Weltmeeren jedem Menschen bekannt war. Es war das Zeichen Whitebeards.
Nach einigen Minuten, in denen keiner der beiden Anwesenden etwas gesagt hatte, verschwand das sanfte Gefühl des Pinsels von Ace Rücken und hinterließ ein gewisses Gefühl von Leere bei dem Liegenden. Jetzt würde der harte Teil beginnen.
„Wehe du benutzt deine Feuerkräfte nochmal. Sonst verlange ich von Pops die Seesteinfesseln.“
Genervt verdrehte der Angesprochene die Augen, zwang sich aber seine Teufelskräfte nicht wieder zu nutzen als eine feine Nadel seine Haut pikste. Diesmal war er auf den sanften Schmerz vorbereitet.

Seit einer Woche war Ace nun Teil der Whitebeardpiraten. Dass es so weit gekommen war erstaunte den jungen Mann immer noch. Hatte er Whitebeard vor ein paar Monaten noch umbringen wollen, so konnte er sich jetzt, in diesem Moment, fast nicht mehr vorstellen, was ihn dazu getrieben hatte, so gegen seinen Kapitän vorzugehen. Trotzdem erinnerte sich Ace zu gut an die vielen kleinen Mordversuche, die er irgendwann nur noch aus reinem Trotz durchgezogen hatte. Er hatte nicht aufgeben wollen, sein Stolz hatte ihn daran gehindert zu akzeptieren, dass Whitebeard kein Mann der Grausamkeiten war. Viel zu lange hatte Ace ihn mit dem Bild des Mannes, der sich sein Erzeuger schimpfte, verglichen. Immer hatte er gedacht, wenn Whitebeard in der Lage war ein Par mit Gol D. Roger zu landen, müsse er auch dessen Grausamkeit in sich haben. Denn nur Monster konnten Monster in Schach halten und das sein Erzeuger ein Monster gewesen war, daran gab es keine Zweifel. Wäre er denn sonst ein Teufelskind?
Wütend verscheuchte Ace die Gedanken an seinen Erzeuger wieder. Er wollte nicht daran denken und schaffte es erstaunlicherweise auch, seine Wut beiseite zu schieben. Er lag nicht hier um wütend auf seinen leiblichen Vater zu sein. Er lag hier, weil er sich das Zeichen seines neuen Vaters stechen ließ. Das Zeichen eines Mannes, der ihn so akzeptierte wie er war und der ihn, obwohl er ihn über hundert Mal versucht hatte umzubringen, trotzdem in seiner Piratencrew aufnahm.
Während die Nadel weiter Farbe unter seine Haut stach und langsam aber sicher ein Zeichen formte, dass Ace auf ewig tragen würde, trugen seine Gedanken ihn zurück zu dem Tag, als Marco ihn vor eine Entscheidung gestellt hatte. So lange war es noch gar nicht her, sieben Tage waren seitdem vergangen, aber für den Mann mit den Sommersprossen fühlte es sich an, als wäre es ein anderes Leben, dass er da betrachtete.

Hat er die Hundert jetzt vollgemacht?“
„Ich glaube schon.“
„Er ist wirklich ein Sturkopf.“
Flüchtig hörte Ace die Worte, während er sich geknickt an die Reling lehnte und seinen Kopf unter seinen Händen vergrub. Gekränkt zog er die Knie an sein Gesicht und verbarg es darin. Leise kullerte eine Träne seine Wangen herunter und er war froh, dass keiner sie sah. Warum schaffte er es auch nicht Whitebeard zu verletzten? Inzwischen wollte Ace den alten Mann nicht mehr umbringen, das wäre auch lächerlich gewesen. Wenn er wirklich hundert Mal versucht hatte gegen den Kapitän der Whitebeardpiraten anzukommen und hundertmal gescheitert war, wie konnte er da noch annehmen diesen starken Menschen zu töten?
Auch wollte er das gar nicht mehr. Er sah, wie sich seine Spadepiraten auf der Moby Dick einlebten, er merkte wie er sich einlebte. Die Whitebeard-Mitglieder waren freundlich zu ihm, alle die Edward Newgate folgten behandelten ihn wie einen Freund, nicht wie einen Gefangenen. Sie behandelten ihn, als wäre er einer von ihnen, doch das war er nicht. Immerhin versuchte er weiter trotzig jeden Tag den Käpt’n des Schiffes umzubringen. Es verwunderte ihn, dass man ihn nicht einsperrte oder zumindest Fesseln anlegte. Aber auf die Idee war keiner gekommen. Stattdessen wurde ihm nur Güte und Freundlichkeit entgegengebracht. Es war ein Gefühl, dass Ace nicht kannte.

Sicher, seine eigenen Kameraden sahen ihn auch so an, aber sie hatten ihn immer mit zu viel Respekt betrachtet, waren immer zu beeindruckt von seiner Stärke und sahen in ihn mehr den Kapitän ihrer Crew, als einen Freund. Sie waren trotzdem seine Kameraden, aber sie waren distanziert, als hätten sie eine gewisse Furcht vor ihm und das zermürbte den jungen Piraten. Er wollte nicht, dass seine Crew sich vor ihm fürchtete, doch sie waren einen Mensch mit Teufelskräften nicht gewohnt, obwohl sie schon so lange unter der Spadeflagge segelten.
So waren sie zwar seine Freunde und er vertraute ihnen, doch manchmal schien es Ace, als wären sie Fremde, die nur eine Zwischenstation waren, auf einem Weg, der noch nicht zu Ende war. Er vermisste Ruffy, der in ihm immer nur seinen Bruder gesehen hatte und ihn liebte und akzeptierte, ohne den leisesten Hauch von Furcht oder Reue. Doch Ruffy würde seine eigene Crew finden, in der Ace nichts zu suchen hatte. Auch glaubte der junge Mann mit den Sommersprossen, dass es die Spadepiraten nicht mehr lange geben würde. Sie würden Whitebeard folgen, sie warteten eigentlich nur noch auf ihn, ihren Käpt’n den sie niemals verraten würden, auch wenn er so unnahbar war. Was machte er nur falsch, was andere so leicht richtig zu machen schienen? Trocken schluchzte der eingeknickte Pirat auf.
Ganz anders dagegen verhielten sich die Whitebeardpiraten gegenüber ihrem Kapitän. Dort schien keiner Angst vor dem eindrucksvollen Mann zu haben. Selbst der unterste Kabinenjunge schien ein Lächeln auf den Lippen zu haben, wenn er mit Whitebeard redete. Keiner zeigte Angst oder gar Furcht in Gegenwart des Mannes, der ja auch eine Teufelsfrucht gegessen hatte und über enorme Kraft verfügte. Der Mann, der als der Stärkste der Grandline galt. Sie nannten ihn sogar Vater. Etwas, dass Ace nicht verstand.
Auf einmal merkte er wie jemand eine Schale mit heißer Suppe neben ihn stellte. Er kannte diese starke und dennoch ruhige Präsenz, hatte er doch inzwischen viel mit den Mitgliedern auf der Moby Dick zu tun gehabt. Es war Marco.
Ohne sein Gesicht zu heben sprach er die Frage aus, die ihm auf der Zunge lag. Er wusste nicht, ob er eine Antwort erhalten würde. Er konnte sich nicht vorstellen, dass er es verstehen würde, aber er wollte nicht mehr ziellos einen Menschen jagen, der es nicht verdient hatte – und Whitebeard hatte es nicht verdient.

„Warum nennt ihr ihn alle Pops?“
Kurz herrschte eine summende Stille, dann drang die klare Stimme an sein Ohr. Freundlich und mit einem Lächeln auf dem Gesicht, das konnte Ace aus der Stimmlage heraushören, sprach der Phönix zu ihm.
„Weil er uns Söhne nennt … die Welt hasst uns für das, was wir sind, wie du weißt. Aber das macht uns glücklich, auch wenn es nur ein Wort ist.“
Schmerzvoll verzog sich Ace Gesicht. Wieder stahlen sich Tränen in seine Augen. Gab es das wirklich auf der Welt? Waren sie Whitebeards Söhne? Konnte er der Sohn von jemanden sein und nicht nur ein Teufelskind? Wenn er wirklich jemanden auf dieser Welt Vater nennen wollte, dann war Whitebeard sicher um einiges besser als sein Erzeuger, ein Mann, der sich nie um ihn gekümmert hatte und der so nutzlos gewesen war, dass er sich sogar von der Marine fangen ließ, obwohl seine Frau schwanger war. Whitebeard würde sich nie von der Marine gefangen nehmen lassen, da war Ace sich sicher.
Sollte er wirklich seinem Stolz nachgeben und weiterhin den Mann jagen, den hier alle Vater nannten? Eigentlich wollte er nicht aufgeben, denn aufgeben hieß schwach sein, aber immer mehr erkannte Ace, dass es keinen Grund dafür gab, gegen Newgate zu wüten. Wie als hätte Marco seine Gedanken gelesen, kam er auf seine kleinen Mordversuche zu sprechen.
„Ich hoffe du planst nicht, diesen Unsinn für immer fortzuführen. Es ist Zeit, dass du eine Entscheidung fällst. Du kommst, so wie du grade bist, nicht an unseren alten Pops heran. Also solltest du entweder dieses Schiff verlassen … oder bleiben und Whitebeards Zeichen tragen.“
Scharf brannten sich die Worte in Ace Kopf und alles Gefühl wich aus seinen Gliedern. Wäre er nicht schon gesessen, er wäre zusammen gebrochen. Denn die Erkenntnis, dass Marco Recht hatte, traf ihn wie einen Schlag.

Was tat er hier auch? Viel zu lange hatte er die Freundlichkeit Whitebeards schon mit Füßen getreten und das wollte er nicht mehr. Es machte keinen Sinn, weiter einem Phantom nachzujagen. Whitebeard war nicht sein Erzeuger, er trug keine Schuld daran, dass Ace diesen Hass mit sich trug. Stattdessen hatte er ihm einen Platz angeboten, an dem er bleiben konnte, ohne das er seine Freiheit aufgeben musste. Was waren seine Worte gewesen?
>Wenn du immer noch kämpfen willst, dann trage meinen Namen auf deinem Rücken und wüte über die Meere, wie dein Herz es dir befiehlt … werde mein Sohn.<
Der Sohn von jemandem sein? Was hieß das denn genau? Ace wusste nicht, was er mit diesem Angebot machen sollte, jetzt wo er zum ersten Mal ernsthaft darüber nachdachte. Seine Glieder fühlten sich schwer an, die kleinen Blessuren die seinen Körper zierten schmerzten und Taubheit hatte ihn erfasst. Konnte er den noch Whitebeards Sohn werden, nach allem was er getan hatte?
„Marco?“
Leise wehte seine Stimme zu dem Kommandanten der ersten Division herüber und dieser ließ sich lautlos neben den zermürbten Mann nieder. Die Wärme, die von dem Mann mit den blonden Haaren ausging, beruhigte Ace und langsam hob er seinen Kopf, um in die wachen Augen seines Nebenan zu schauen.
„Darf ich denn überhaupt noch die Einladung von Pops annehmen?“
Lange herrschte Stille zwischen den beiden Männern, die einfach nur nebeneinander saßen. Eine leichte Brise strich über die ebenholzschwarzen Haare, doch Ace bemerkte es nicht. Immer schwerer wog die Last auf den zerrütteten Mann, der sich sicher war, dass Marco mit einem „Nein“ antworten würde. Es konnte gar nicht anders sein, immerhin hatte er sich zu lange wie ein Feind benommen.
Sein Herz fühlte sich an, wie ein Sack voller Steine. Wie schweres Blei zog ihn das Gewicht in die Tiefe und wieder kam dem Sohn des Piratenkönigs in den Sinn, was für ein verdorbener Mensch er sein musste. Immerhin benahm er sich auch so, griff unschuldig einen Mann an, der ihn nur gut behandelt hatte. Ohne dass er es wollte, liefen ihm Tränen über die Wange und tropften auf sein Hemd und die kalten, schmutzigen Planken.
Erst als eine Hand sachte durch seine Haare wuschelte stoppte sein Tränenfluss. Irritiert schaute er in die freundlichen Augen des Phönixes, der ihn anlächelte.
„Natürlich darfst du. Diese Tränen sollten Antwort genug sein. Außerdem Ace … du hast ihn eben Pops genannt. Ist dir das eigentlich aufgefallen, Brüderchen?“
Verwirrt und mit offenen Mund blieb Ace zurück als sich sein Nebenmann lachend erhob, ihn frech angrinste und schließlich die Hand hinstreckte.
„Nun steh endlich auf!“

Immer weiter pikste sich die Nadel in seine Haut und brachte nach und nach das Zeichen Whitebeards zum Vorschein. Inzwischen war seine Haut gereizt, jeder Stich tat weh und Ace musste seine Teufelskräfte mit Anstrengung in Schach halten. Die Flammen wollten aus der Haut ausbrechen und die unbekannte Farbe, die sich unter seine Haut bohrte, ausbrennen. Doch er erlaubte es ihnen nicht. Denn jeder Stich, jeder Schmerz brachte den jungen Mann ein Stück weiter weg von seinem alten Leben. Der Schmerz, der tiefe Schmerz, gehasst zu werden, für einen Vater den er nie hatte und der ihn trotz allem verfolgte, wurde von einem anderem überdeckt.
Das waren keine Schmerzen der Qual, die er hier durchlitt, es waren Schmerzen, die bewiesen, dass er seine Vergangenheit - die Vergangenheit Gol D. Rogers - nicht zu seiner machen sollte und musste.
Dieses Tattoo verbrannte sein Ketten und ersetzte sie mit einem Zeichen, dass aller Welt beweisen sollte, wessen Sohn er war. Er war ein Sohn Whitebeards und die Farbe unter seiner Haut war ein Ausruf an alle Menschen der Meere. Es sprach eine unmissverständliche Sprache. Dieses Tattoo sollte der Menschheit beweisen, dass er nicht mehr Gol D. Ace, Sohn des Piratenkönigs war, sondern Portgas D. Ace, ein Sohn Whitebeards, den einzigen Mann, den er je als Vater akzeptieren würde.
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