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The Robber

GeschichteThriller / P16 / Gen
19.02.2014
03.04.2014
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3.474
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19.02.2014 1.885
 
Es herrschte das pure Chaos, als der Sheriff den Saloon betrat. Sämtliche Möbel lagen zertrümmert im großen Raum herum, zweifellos gab es hier eine ordentliche Schießerei. Wahrscheinlich hatte einer der Pokerspieler betrogen und war dann von seinen Mitspielern erschossen wurden. Die große Frage dabei war nur, warum alle der Spieler tot und zerfetzt hinter dem umgekippten Pokertisch lagen.

Sheriff Walerey war ein kluger Kopf, war nicht bekannt für seine Brutalität, sondern für seine Fairness. Er sorgte für Ruhe in dem kleinen Ort namens Rynch, die Leute liebten ihn und die Banditen hassten ihn. Schon viele hatten ihr Ende am örtlichen Galgen gefunden.

Für ihn war der zerstörte Saloon ein skurriles Bild. Er hatte schon beim ersten Blick begriffen, dass kein Pokerspieler betrogen hatte, denn die Menschen, die dort, begraben von ihrem eigenen Geld, lagen, waren die ehrlichsten Männer, die er jemals kennen gelernt hatte. Als er vor zwei Stunden hier schon einmal einen Blick hinein geworfen hatte, war alles friedlich zugegangen, die hübschen Geschwister hatten in ihrer üblichen Ecke gestanden und Wein getrunken, ein Alkoholiker hatte den Wirt um ein Bier angebettelt und die Spieler hatten seine Anwesenheit als erstes gar nicht gespürt, erst als er zu ihnen getreten war und sich kurz mit einem Freund unterhalten hatte.

Allein als er sich an dieses Bild erinnerte, merkte er, dass jemand fehlte. Er wurde unruhig. Er hatte die Geschwister noch gar nicht gesehen.

Jennifer und Amanda waren die Töchter der reichsten Familie in Rynch. Beide konnte man allein an ihrer Schönheit erkennen und wenn ihnen jetzt etwas passiert sein sollte, dann sollte er weit weg sein. In New York oder so.

Er ließ seinen Blick durch den zerstörten Saloon gleiten, fast sogar verzweifelt suchte er alles ab, doch er fand nichts. Als er zurück zum Ausgang trat, wusste er, dass er fliehen musste. So bald wie möglich und so schnell wie möglich. Doch dann fiel sein Blick auf einen umgekippten Stuhl, an den jemand gefesselt war.

Schnell trat Walerey zu der Person und erkannte sie als Jennifer. Sein bis gerade noch laut klopfendes Herz beruhigte sich ein bisschen, doch als er den Zustand von ihr erfasst hatte, wurde er ganz bleich im Gesicht.

Als sie mit dem Stuhl umgekippt war, war ihr Kopf auf die Tischkante geknallt und hatte ihren Hinterkopf zum Bluten gebracht. Es war nicht schlimm, trotzdem machte sich der Sheriff Sorgen.

Er hievte den Stuhl auf, so dass sie gerade vor ihm saß und er ihren Hinterkopf untersuchen konnte. Tatsächlich, man sah noch die Stelle, an der der Tisch sie verletzt hatte, doch es war nicht so schlimm, wie er es befürchtet hatte. Sie lebte noch, war durch den Aufprall nur in eine Ohnmächtigkeit versunken.

Als er ihr hübsches Gesicht betrachtete, bemerkte er, dass der Täter sie entblößt hatte. Er schaute sich suchend nach einer Decke um, um ihr diese Peinlichkeit zu ersparen, doch fand keine, legte ihr also seine eigene Jacke um. Vorsichtig, um sie nicht zu verletzen, schnitt er ihr die Fesseln auf, weckte sie aber auch nicht auf. Er wollte sie nicht erschrecken und wollte Mr Burns auch keinen Grund geben, ihn als Vergewaltiger zu bezeichnen und ihn dem Gericht vorzuführen.

Die beiden Männer, die er mitgebracht hatte, waren schon auf einen Schluss gekommen. Als sie zu ihm traten, trugen sie das Schrotgewehr des Barmanns und legten es auf den letzten, noch stehenden Tisch.

„Der Täter hat sich vermutlich maximal fünf Minuten hier aufgehalten und  hat in dieser Zeit genau elf Morde begangen. Die ersten Opfer waren der Barmann und Jack, der Alkoholiker. Den Rest hat er teilweise mit diesem Gewehr und mit seinen eigenen Waffen ausgeschaltet. Was er mit Amanda gemacht hat, wissen wir nicht, auf jeden Fall ist sie nicht auffindbar.“

Walerey schauderte es. Er konnte sich niemanden vorstellen, der in fünf Minuten fast ein dutzend Menschen umbringen konnte, ohne auch mit der Wimper zu zucken. Dann auch noch eine junge, unschuldige Dame zu entblößen war unfassbar.

Er warf den beiden Männern einen fragenden Blick zu und musste bei ihrem Anblick, wie er es immer tat, lächeln. Fred war ein hochge-wachsener Mann und überragte seinen kleinen Partner Harrison mit mindestens zwei Köpfen. Wie sie so nebeneinander standen, gaben sie ein witziges Bild ab.

„Hat er oder sie irgendetwas zurück gelassen? Irgendwelche Indizien?“, fragte er die beiden.

Doch die Antwort war nicht zufrieden stellend: „Die Kugeln in den Körpern von den Erschossenen. Hinter dem Tresen einen Fetzen Stoff und ein bisschen Blut. Aber ich glaube nicht, dass wir damit etwas anfangen können, oder?“

Warren Walerey schüttelte betrübt den Kopf: „Er könnte schon längst seine Kleidung gewechselt haben, die Patronen sind zu oberflächlich und mit dem Blut können wir auch nichts anfangen. Aber wenn unsere Zeugin hier wieder aufgewacht ist, wird sie uns sicher ein paar Fragen be-antworten können.“

Er legte Jennifer eine Hand auf den Kopf, fast gleichzeitig entdeckte er die Kleider der beiden Damen, die fast sogar ordentlich vor dem Tresen lagen.

„Bringt mir mal eines der Kleider, damit wir sie nicht in Verlegenheit bringen, wenn sie aufwacht.“

Fred folgte seinen Anweisungen sofort und brachte eines der prächtigen Kleider zu ihm herüber. Warren zog seine Jacke wieder an und zog ihr das Kleid wieder notdürftig an. Er persönlich fand es eine Schande, jemanden so zuzusetzen und zu misshandeln.

Mit einem letzten Blick auf den zerstörten Saloon wies Warren Harrison an, Wache zu halten, bis er und Fred wiederkommen würden. Sie schwangen sich auf ihre Pferde und ritten an das andere Ende von Rynch.

Das dauerte eine Viertelstunde.

In der Zeit waren schon viele neugierige aufgetaucht, die versuchten, einen Blick hinter den Rücken von Harrison zu werfen, was keine besondere Kunst war. Als die wenigen, denen es gelungen war, den Zustand des Saloons zu begutachten traten sie schockiert einige Schritte zurück, brauchten einige Minuten um sich zu fassen und bombardierten Harrison mit Fragen; ob sie schon einen Verdacht hätten, wie das passiert war und warum Jennifer im Saloon sei.

Der Ansturm war so groß, dass Harrison ihn nur mühsam zurückhalten konnte, nebenbei noch versuchte die Fragen zu beantworten und vor allem Ausschau nach Warren und Fred zu halten.

Schließlich stoppte eine Kutsche vor dem Saloon, der Sheriff sprang vom Kutschbock und drängte sich durch die schnatternde Menge, fast fünfzig junge Leute, die sich vor dem Tatort angesammelt hatten. Als Warren von allen gesehen werden konnte, erhob er seine Stimme und rief über den Aufruhr hinweg: „Meine Damen und Herren! Ich weiß ihre Neugierde zu schätzen, aber wir können ihnen erst mitteilen, was hier passiert ist, wenn sie nach Hause gehen und sich dort mit dem Thema auseinander setzen! Wir können unsere Arbeit nicht erledigen, wenn uns so viele Menschen über die Schulter schauen!“

Es war ruhiger geworden, alle hingen an den Lippen des Sheriffs.
„Bitte gehen sie nach Hause! Sie werden früher oder später noch alles erfahren, das verspreche ich ihnen. Es würde sogar noch schneller gehen, wenn sie sich nicht weiter aufregen!“

Ein Murren ging durch die Reihen der Bürger von Rynch, doch wider-strebend verließen sie den kleinen Platz vor dem Saloon. Als der Platz so gut wie leer war, verließ Fred die Kutsche und kam zum Sheriff, der sich gerade eine der Leichen auf die Schulter hievte.

„Räum unsere toten Freunde bitte in die Kutsche, genauer untersuchen können wir ihn bei mir. Tragt bitte auch Jennifer in die Kutsche.“

Die beiden gehorchten und begannen, sich die Leichen auf die Schultern zu laden und trugen sie vorsichtig bis zur Kutsche, wo sie die Männer ablegten. Jennifer setzten sie zwischen den Haufen Toten, hofften währenddessen darauf, dass sie sich nicht anstecken würde. Es dauerte seine Zeit, bis schließlich alle Opfer des Massakers friedlich am Boden der Kutsche lagen. Diese Zeit wurde zum Glück von keinen merkwürdigen Vorkommnissen unterbrochen.

Warren schwang sich wieder auf den Kutschbock, seine Gehilfen setzten sich neben ihn. Der Sheriff trieb die Tiere wieder durch die ganze Stadt, bis sie schließlich vor dem kleinen Revier stoppten.

Fast erleichtert, dass es so schnell ging, ließen sich die Gesetzeshüter vom Kutschbock herab gleiten und wollten gerade die Kutschtür öffnen, als ein Mann auf sie zutrat, dem sie noch nie begegnet waren.

Er sah zu seinem Unglück nicht gerade sehr Vertrauen erweckend aus.
Er war etwas größer geraten als Warren, trug schwarze Kleidung und einen ebenso schwarzen Hut mit breiter Krempe. Die Augen stachen wie Eis aus dem hart geschnittenen Gesicht hervor, seine rechte Wange war aufgerissen durch eine große Narbe und sein Blick war entschlossen, ja, fast wild.

Hinter ihm bauten sich fünf weitere, sehr muskulös gebaute Männer auf, ebenfalls in schwarzer Kleidung, gut ausgestatteter Revolvergürteln und Gewehren. Warren blieb argwöhnisch stehen, warf einen Blick in die Augen des Unbekannten, schaute jedoch schnell wieder weg, als er den Blick erkannte. Es war blanke Abscheu und Warren hatte schon eine Ahnung, wer sich nur so aufführen konnte.

„Guten Tag, ich bin Sheriff Walerey. Kann ich helfen?“, fast bewusst setzte er in seine Stimme einen leicht drohenden Unterton ein.

Die eiskalten blauen Augen reagierten nicht: „Sie sind kaum in der Position, mir zu drohen Sheriff. Ich frage mich nur, was Sie in dieser Kutsche transportieren.“

„Und Sie sind auch nicht in der Position, mir irgendetwas vorzuschreiben. Bevor Sie sich nicht vorstellen, beantworte ich keine Fragen.“

Walerey musterte den Mann misstrauisch. Er hatte eindeutig zu viel Selbstvertrauen, war zu arrogant.

Der Mann löste etwas von seinem Gürtel und wies sich aus.

„Marshall Pickard aus Yerk. Ich habe sehr wohl das Recht, Ihnen Fragen zu stellen. Also, Sheriff, was transportieren Sie in Ihrer Kutsche?“

Warren öffnete die Kutschentür: „Wir transportieren Leichen. Vor gut anderthalb Stunden gab es eine Schießerei und die Opfer liegen jetzt hier drin.“

Der Marshall trat mit ausdruckslosem Gesicht an den Kutschenschlag und musterte die toten Männer: „Wo wurde geschossen? Haben Sie schon den Täter?“

Warren war es inzwischen schon Leid, die Fragen zu beantworten, verdrehte kurz die Augen und gab dem Gesetzeshüter Auskunft.

„Aber was ist mit der Frau? Sie lebt doch noch?“, fragte der Marshall erneut.

„Ja, sie ist die einzige Zeugin in dieser Angelegenheit. Momentan liegt sie in Ohnmacht, wir wollen sie befragen, wenn sie wieder wach ist.“

Der Marshall schüttelte kurz den Kopf und murmelte vor sich hin: „Wir sind schon zu spät.“

Er erhob seine Stimme: „Männer, es geht weiter!“

Warren war nun neugierig geworden: „Warum sind Sie zu spät?“

Pickard antwortete nur widerwillig: „Wir verfolgen seit zwei Tagen einen kriminellen Mann, der in jedem Ort, in dem er hält, Chaos anrichtet. Bis jetzt ist noch niemand gestorben, er hat nur gestohlen oder Menschen verprügelt, doch wie es nun aussieht, ist er eskaliert.“

Walerey kratzte sich am Kopf: „Haben Sie einen Steckbrief?“

Der Marshall zögerte, reichte letztendlich dem Sheriff trotzdem einen Steckbrief: „Er nennt sich selbst einfach nur „The Robber“, heißt aber bürgerlich Langdon Reeves. Halten Sie die Augen offen, die Prämie ist gerade erheblich gestiegen.“

Warren musterte den Mann auf dem Plakat, schien den Mann sogar zu erkennen. Er hatte etwas Vertrautes an sich.

Er warf dem Marshall, der gerade seinem Pferd die Sporen gab, noch einen letzten Blick zu: „Viel Glück.“

Der Marshall lachte hässlich auf: „Glück werden wir brauchen. Und wie gesagt, halten Sie die Augen offen.“

Dann jagte der Mann mit seinen Männern davon, wirbelte dabei noch eine Wolke Staub auf und ließ den Sheriff stehen. Dieser wusste jedoch nicht, was er davon halten sollte.
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