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Ewig

von Lexion
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Königin Ravenna
19.02.2014
19.02.2014
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420
 
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Das stetige Rauschen des Regens erfüllte die Umgebung. Nichts anderes war zu hören als das endlos scheinende Weinen des Himmels. Diese Stille war es, welche die junge Königin in ihrem Bann hielt. Sie schien gar nicht zu bemerken, dass ihre Kleider durchnässt waren und ihr helles Haar schwer durch die Nässe auf ihren Schultern ruhte. Ravennas Blick lag auf dem Baum in der Mitte des Innenhofes, in welchem sie stand. Gedankenverloren sah sie zu wie einzelne Regentropfen über die Rinde des Baumes rannen.

Weinte der Baum?
Das Land?
Der Himmel?

Die Königin streckte ihre flache Hand aus und berührte die dunkle Rinde vor ihr. Sie spürte Kälte und Leblosigkeit unter ihren Fingerspitzen. Ganz so als lägen ihre Finger auf ihrer eigenen Haut. Dieselbe Kälte, dasselbe Gefühl von Leblosigkeit. Es war Jahre her, dass sich Ravenna wirklich als ein lebender Mensch gefühlt hatte. Sie wusste, dass dieses Gefühl nie wieder zurückkehren würde.

Die Menschlichkeit als Opfer, für die Ewigkeit. Ein gerade zu lächerliches Opfer, dass jeder bereit wäre zu geben. Und sie hatte es gegeben. Doch hätte sie es auch getan, wenn sie gewusst hätte in welchen endlosen Tanz sie sich damit begab? Wäre sie wirklich dazu bereit gewesen?

Ravenna suchte nicht nach Liebe, Zuneigung oder Respekt ihrer Mitmenschen. Sie war nicht wie diese einfältigen Menschen, die nur Böses taten um am Ende ihre leeren Herzen zu füllen. Ihr Herz war nicht leer, es war schwarz. Gefüllt mit der Dunkelheit. Sie begehrte nichts mehr als dies, nichts mehr als sich selbst. Denn sie war die Dunkelheit. Ravenna bedauerte dies nicht. Wozu etwas bedauern was man genoss? Wozu nach sollte sie versuchen ihr Herz mit nutzlosen Gefühlen zu füllen?

Die Frage nach ihrer Jugend und Schönheit, die ihr Macht gab, war viel bedeutsamer als das Bedauern eines schwarzen Herzens. Bedeutsamer als die ungezählten Leben, die sie genommen hatte. Bedeutsamer als jedes erbärmliche Leben in diesem Königreich.

Was kümmerte es sie also wenn das Land, der Himmel und dieser nutzlose Baum Tränen vergossen? Sollten sie das Leid der Welt doch beweinen. Ändern würde es nichts. Mit Tränen erreichte man in dieser Welt nichts. Sie waren eine Eigenschaft der Schwachen. Ravenna war nicht schwach.

Sie hatte Macht.
Sie hatte Stärke.
Sie würde diese grausame Welt überdauern.

Ewig wäre sie bereit sich wie in einem Tanz im Kreis zu drehen. Leben zu nehmen. Um den Erhalt ihrer Macht und Kraft kämpfen. Leid unter die Menschen zu bringen.
Ewig.
Bis diese Welt zu Grunde gerichtet sein würde und nur noch die Schwärze ihres Herzens regierte.
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