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Where The Road Leads

von - Leela -
GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Annie Sloan Jerry Steiner Mikey Randall Nick Comstock Parker Lewis Shelly Lewis
17.02.2014
17.02.2014
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17.02.2014 2.258
 
Wenn der Wind dreht

Parker und Mikey schlenderten über den Campus der Santo Domingo High School. Beide waren still, viel stiller als gewohnt; betrübt in die eigenen Gedanken versunken.
      „Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, daß dort, wo unser Diner steht, bald ein Einkaufszentrum hinkommt…“ bemerkte Mikey leise und riß damit die Wunden wieder auf, die sie alle zur Zeit noch zu verdrängen versuchten.
      Parker schwieg noch einen Moment in sich gekehrt. Sein Blick haftete auf dem Boden. „Ich auch nicht…“ gab er leise zurück, und die Stimme brach ihm leicht weg.
      Ohne ein Wort setzten sie ihren Weg fort.
      Währenddessen gesellte Jerry sich spontan zu ihnen. „Ich habe gerade die Ergebnisse der Football-Wettkämpfe erhalten. Ich denke, sie werden Sie interessieren! Mister Kubiac hat den Sieg gegen El Corrado für uns errungen!  Wollen wir rüber in’s Diner gehen, und…? – Argh…“ Parker und Mikey warfen ihm böse Blicke zu, doch da war ihm bereits sein eigener, dummer Fehler aufgegangen, und bestürzt fügte er an: „Entschuldigung…“
      Parker winkte ab. „Schon gut. Es geht uns allen nicht besser.“
      Inzwischen kamen sie zu dem Gebäude, welches dem Abriß geweiht war. Wie in stiller Absprache blieben sie stehen. Es herrschte reger Betrieb auf dem Platz, aber nicht so, wie sie es gewohnt waren. Bautafeln wurden aufgestellt, und es schien so etwas wie eine Ortsbegehung stattzufinden. Das Diner war sogar offen und diente augenscheinlich, um die Pläne des zukünftigen Einkaufszentrums durchzusprechen.
      Mikey besah sich die Szenerie mit finsterem Blick. „Die haben auch vor nichts Respekt!“
      Langsam gingen sie näher. Im Schatten einiger Sträucher verbargen sie sich bei einem Fenster. Die Sicht war nicht besonders gut. Sie konnten nur Schemen erhaschen, und die auf einem der Tische breit ausgefalteten Papiere vermuteten sie lediglich als die Baupläne.
      Einer der Bauleute machte gerade eine wegwischende Geste, die Parker, Mikey und Jerry richtig deuteten als: Diese Fläche wird erst einmal dem Erdboden gleichgemacht!
      Mikey konnte es sich nicht länger mit ansehen. Er drehte sich um und ließ sich mit dem Rücken an die Wand auf die Erde sinken. Mutlos starrte er vor sich hin.
      Parker sah noch immer deprimiert auf das Szenario im Inneren. Er beobachtete den Ausschuß, der diskutierte und gestikulierte; und der etwas Ältere, der unablässig auf und ab lief und am vehementesten gestikulierte - da war Parker sich sicher - mußte Coach Kohlers Vater sein. Sein Mut sank ebenfalls und er ließ sich zu Mikey sinken.
      Jerry hielt während dessen weiter seinen Beobachtungsposten, doch ausnahmsweise war ihm nicht danach zumute, einen regelmäßigen Lagebericht abzugeben.
      Parker und Mikey war das nur Recht. Im Augenblick war ihnen nach gar nichts anderem zumute, als ihrer Niedergeschlagenheit zu frönen.
      „Ich sag’ es ja nicht gerne; und es wird wahrscheinlich das einzige Mal sein, daß du das von mir zu hören kriegst.“ begann Mikey, und seine Stimme sank zu einer Tonlage herab, die einem kalte Schauer über den Rücken laufen ließ, als er fortfuhr: „Ich könnte heulen!“
      „Das geht mir auch so.“ erwiderte Parker ruhig, und er war sich nicht ganz sicher, ob er es eher zu Mikey oder sich selbst sagte. Er sah auf und spähte mutlos erneut durch das Fenster.
      Der Ausschuß diskutierte noch immer über den Ablauf des geplanten Abrisses, und den Bau des Einkaufszentrums; und ein zufriedenes Lächeln schien die Lippen des Bauherren zu umspielen.
      „Kannst du etwas hören?“ fragte Mikey, ohne den Anschein zu erwecken, sich wirklich dafür zu interessieren.
      „M-m“. erwiderte Parker nur.
      „Ist bestimmt auch besser so.“ bemerkte Mikey.
      Parker sah durch das Fenster; und eigentlich eher durch das Szenario hindurch, als es zu beobachten. „Wir können es sowieso nicht ändern.“ stellte er schließlich fest. Er atmete ruhig durch, und dann sagte er das, was den drei Freunden die eiserne Schlinge um das Herz noch enger zusammenziehen ließ: „Kommt, laßt uns gehen.“
      Gerade wollten sie aufstehen. In dem Moment schien es, als wehe eine frische Brise von der anderen Seite des Platzes herüber.
      Ein Impuls, von dem Parker nicht wußte, woher er kam, ließ ihn seinen Blick in die entsprechende Richtung, der entgegengesetzten Seite des Diners zuwenden. Er hielt in der Bewegung inne und ihm stockte der Atem. Auch Jerry und Mikey blieb der Mund offen vor Erstarrung stehen, als sie sich ebenfalls in die Richtung umsahen.
      Jemand kam gerade den Weg zum Diner herauf. Der Mann ging zielstrebig über den Platz, auf die offene Tür des Diner zu. In seinen Zügen zeigte sich eine Entschlossenheit, wie Parker sie selten gesehen hatte; eine Entschlossenheit, die sein Herz ergriff und wild schlagen ließ.
      Gemeinsam drängten sie sich wieder in’s Gebüsch, um unbemerkt zu bleiben. Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit widmete sich nun jedoch dem Mann, der jetzt an ihnen vorüberging; und ihnen kein Unbekannter war: Nick Comstock. Ein Silberstreif am Horizont…?
      „Autsch…“ ließ sich Mikey vernehmen, als sich die drei noch weiter zurückdrängten, und spürte sofort die Hand von Parker auf seinem Mund; doch Nick war bereits im Inneren des Diners verschwunden, so daß auch er nicht von ihnen Notiz hatte nehmen können.
      Mehr noch als zuvor bedauerte Parker in diesem Augenblick, daß er von den Gesprächen im Inneren des Diners nichts hören konnte; und so gab er Mikey und Jerry einen Wink.
      So unauffällig wie möglich huschten sie näher zur Tür; gebannt, die Hoffnung im Herzen und doch voller furchtsamer Verzweiflung, daß alle zarte Hoffnung, die in diesem Moment in ihnen aufkeimte, umsonst wäre. Sie wußten ja nicht einmal, was Nick dazu bewogen hatte, noch einmal hier herzukommen. Vielleicht war es nur etwas, was er bei seinem Aufbruch vor rund einem Jahr vergessen hatte…
      Sie drängten sich immer dichter an den Ausgang, um mehr mitzubekommen; ohne sich zu verraten. Sie bekamen nur Bruchstücke der Unterhaltung mit, doch aus ihrer neuen Position konnten sie wesentlich besser verfolgen, was drinnen besprochen wurde; und sie hatten noch nichts verpaßt.
      „Jerry…!“ zischte Parker.
      Er brauchte seine Anweisung nicht zu Ende zu führen, als der jüngere schon ein unauffälliges Mikrophon an dem Türrahmen befestigt hatte mit einem Lächeln antwortete. „Verstärker ist zugeschaltet, Sir. Wir dürften jetzt ohne Probleme das Gespräch verfolgen können!“
      Parkers Lächeln sagte: ‚Phantastisch!’ Und so drängten sich die Freunde näher an den kleinen Lautsprecher, den Jerry in der Hand hielt.

Als Nick das Diner betrat, verstummten die Unterhaltungen und Fachgespräche, und die Blicke aller Anwesenden wandten sich ihm zu, als würde er sie mit einer stillen Aura auf sich ziehen. Er ging wortlos weiter bis zum Tresen, und erzielte damit genau die gewünschte Wirkung: Alle Anwesenden fragten sich, aus welchem Grund er hier war. „Mister Kohler?“ fragte er schließlich.
      Ein älterer Mann stand auf, und bestätigte so die Annahme der drei Freunde von einem Augenblick zuvor. „Hier! Was wollen Sie?“
      „Man hat mir in Ihrem Büro gesagt, ich könne Sie hier finden.“ begann Nick wie nebensächlich.
      „Ja. Sie haben mich gefunden! Also, was wollen Sie?“ wiederholte Kohler.
      Nick hielt den Blick des Mannes wortlos. Er legte ein Stück Papier auf den Tisch, von dem Parker und seine Freunde aus ihrer Position nicht sehen konnten, was es war.
      Offenbar war Mister Kohler ebenso ahnungslos, denn er starrte Nick nur verwirrt an.
      Nick hatte seine Hand auf das Stück Papier gelegt, so daß selbst die Anwesenden im Diner nur schwer ausmachen konnten, worum es sich dabei handelte. „Ich möchte Ihnen lediglich nahelegen, für Ihre Pläne einen anderen Ort zu suchen, wenn Sie sie verwirklichen wollen.“
      Kohler wirkte einen Moment irritiert. „Darf ich bitte erfahren, was dieser Unsinn soll?“
      Nicks Lippen umspielte ein kaum wahrnehmbares Lächeln. „Nennen Sie es, wie Sie wollen. Fakt ist: Das Diner bleibt stehen!“
      Kohler sah ihn einen Moment stumm vor Erstaunen an. Dann lachte er. Es war ein amüsiertes, dunkles, beinahe schadenfrohes Lachen. Nach einem Moment schüttelte er mit einem Grinsen den Kopf. „Ich werde Sie enttäuschen müssen, Mister…?“ Er wartete vergeblich auf eine Antwort. „Hier…“ Er vollführte eine Geste, die das gesamte Gelände des Diners einschloß. „… entsteht in Kürze unter meiner Leitung ein neues, supermodernes Kaufhaus! Das werden Sie nicht verhindern können!“
      „Haben Sie das vertraglich?“ fragte Nick lediglich.
      „Noch nicht!“ erwiderte Kohler. „Aber ich werde noch heute abend den Eigentümer des Grundstücks treffen. Der Vertrag ist so gut wie unterschrieben.“
      „Das wage ich zu bezweifeln. Wenn Sie Interesse an dem Grundstück haben, müssen Sie ab sofort mit mir verhandeln! Den Eigentümer haben Sie nämlich bereits vor sich stehen!“ Er schickte Kohler einen vielsagenden Blick. „Und ich verkaufe nicht!“
      Kohler hielt inne. „Das ist ein guter Witz.“ kommentierte er mit leicht amüsierter Unsicherheit.
      Nick hatte nicht reagiert; kein Lächeln, kein Wort. Er hatte nur das Stück Papier entfaltet und hielt es Kohler lediglich entgegen.
      „Ein Vertrag!“ entfuhr es Mikey und schlug sich daraufhin auf den Mund in der Angst, so laut gesprochen zu haben, um sich zu verraten.
      „Was steht in dem Vertrag, Sir?“ fragte Jerry aufgeregt.
      Parker winkte ab, zum einen als Antwort, daß er das nicht sehen konnte, zum anderen als Hinweis dafür, daß ihn im Moment weniger der Inhalt des Vertrages interessierte, als mehr, was Nick mit diesem Vertrag ausrichten konnte.
      Kohler hatte noch immer gelacht, doch als sein Blick auf das Dokument fiel, das Nick ihm jetzt unter die Nase hielt, blieb ihm einfach der Mund offen stehen. Er starrte Nick ungläubig an.
      Der hielt noch immer seinen Blick, fragend – fordernd! „Der Eigentümer hat sich anders entschieden. Das Diner und das dazugehörige Grundstück gehören jetzt mir. Tut mir leid, Sie waren leider nicht schnell genug. – Also: Schaffen Sie Ihre Leute, Ihren Fuhrpark und Ihre Pläne von meinem Grundstück fort! – Wenn Sie in naher Zukunft mal etwas essen möchten, sind Sie natürlich herzlich eingeladen.“ Nick zeigte jetzt seinerseits ein kurzes, schadenfrohes Lächeln. „Oh, das ist im übrigen eine Kopie des Vertrages. Die dürfen Sie gerne behalten!“

Bevor jemand die drei Freunde bemerken konnte, machten sich Mikey, Parker und Jerry unauffällig aus dem Staub. Sie konnten noch immer nicht fassen, was gerade passiert war.
      „Souverän abgeschmettert!“ begeisterte sich Mikey, als sie über den Schulcampus zurückgingen und grinste dabei wie ein Irrer.
      „Ganz in seiner typischen Art! – Mann, ich hätte nie gedacht, daß wir Nick noch einmal wiedersehen.“ Auch aus Parkers Stimme sprachen Erleichterung, Bewunderung und eine unverhohlene Freude.
      „Ich möchte zu gerne wissen, woher Mister Comstock das Geld hat, um das ganze Diner zu kaufen.“ bemerkte Jerry nachdenklich.
      Parker und Mikey stockten kurz.
      „Das ist doch jetzt erst mal egal, Hauptsache, es gehört ihm!“ warf Mikey ein.
      Parker nickte beipflichtend, doch Jerrys Frage löste einen kurzen Moment Unbehagen in ihm aus; ein Unbehagen, welches Jerry mit seiner nächsten Bemerkung bestätigte.
      „Wenn er deswegen einen Kredit aufgenommen hat, ist das nicht ganz egal, Sir! Dann gehört ihm das Diner noch nicht; und es besteht noch immer die Chance, daß er es wieder verliert.“
      Mikey hielt etwas aus der Bahn geworfen inne. „Aber es muß ja nicht so sein!“ warf er dann ein.
      „Genau!“ pflichtete Parker ihm bei. „Nick könnte eine Erbschaft gemacht haben!“
      „Oder er hat im Lotto gewonnen!“ ergänzte Mikey.
      „Das sind alles Optionen, Sir! Ich sage ja nur, daß wir die Möglichkeit nicht ganz außer acht lassen sollten. Immerhin ist das die naheliegendste Vermutung, die zutreffen könnte, und dann ist die Sache eventuell noch nicht ausgestanden.“ erklärte Jerry in seiner ruhigen, sachlichen Art, mit der er bei seinen Freunden, wie auch schon einige Male zuvor, unbewußt ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend auslöste.
      Mikey schwieg einen Moment betroffen. Nach einer Weile meinte er unsicher: „Aber zumindest sind die Baupläne erst einmal vereitelt. Und bis dahin fällt uns bestimmt etwas ein…“
      „Leute, nun macht mal nicht die Pferde scheu!“ unterbrach Parker ihn. „Nick weiß, was er tut! Oder hat das schon mal jemand von euch anders erlebt?“ Jerry zückte eine Liste aus seinem Mantel und wollte gerade loslegen, als Parker die Hand hob. „Laß gut sein, Jerry!“
      „Parker hat recht!“ lenkte Mikey nun ein. „Nick wird das Diner nicht gekauft haben, nur um damit über Kopf zu gehen. Er wird schon wissen, was er tut. Wir brauchen uns gar keine Sorgen zu machen.“ Es klang, wie Mikey sich fühlte: Er hoffte, daß es so war.
      „Und Mikey hat auch recht!“ brachte Parker es auf den Punkt. „Erst einmal ist wichtig, daß das Diner noch steht. Alles weitere bringen wir später in Erfahrung.“
      Jerry atmete durch und nickte. „Gut, hoffen wir das beste!“
      In einer seltsamen Stimmung aus Euphorie, unverhoffter Freude und einer unbändigen Neugierde, und einem Hauch Sorge machten sich die Freunde auf den Heimweg.
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