Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Tief unter dem Seelenspiegel

von -Liv-
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Christopher "Chris" D'Amico / Red Mist / The Mother Focker Dave Lizewski / Kick-Ass Frank D'Amico
15.02.2014
15.02.2014
1
1.284
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
15.02.2014 1.284
 
Hallo Leute! :) 
Also zuerst muss ich sagen, dass ich auch nicht weiß, was mich beim schreiben dieser kleinen Geschichte (na ja, eigentlich ist sie ja fast schon ein innerer Monolog) getrieben hat. Aber ich denke, ich bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Ich hoffe, das seid ihr auch.
Ich hatte jetzt schon länger vor, hier mal wieder etwas zu posten, und Kick Ass ist einer der letzten Filme, die ich in den letzten Tagen gesehen hab, also dachte ich mir, ich könnte ja mal was in dieser Richtung ausprobieren.
Ich hatte zwischenzeitlich auch schon mit dem Gedanken gespielt, eine richtige Geschichte daraus zu machen, aber mal sehen...
Die Kurzgeschichte befasst sich im Wesentlichen mit dem Showdown des ersten Kick Ass Films.
Auf jeden Fall wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Lesen! :)



                                                     *


Ich hatte mir nicht viel dabei gedacht, diese Beziehung einzugehen, mein fünfzehnjähriges Ich hatte bei Weitem keine Gefahr darin gesehen. Das einzige, was ich dachte, war, das sich all meine kleinen Probleme in rosa leuchtende Schäfchenwolken verwandeln würden, die sich schließlich in Luft auflösen.
Aber ich irrte mich. Ich irrte mich gewaltig.
Denn die Schäfchenwolken waren nicht aus Glück und Puderzucker, sondern bestanden beim genaueren Hinsehen eines realistischen Beobachters von Anfang an aus pechschwarzer Asche, die langsam auf mich herunterrieselte.
Ich liebte Chris von der ersten Sekunde an, ich wusste sofort, dass er der Richtige für mich war, mit seinen hübschen braunen Augen, die mich immer wieder so glanzvoll ansahen. Mit seiner Stimme, die mich bat, ihn niemals wieder zu verlassen, und die mir immer wieder sagte, ich wäre der wunderbarste Mensch der Welt…
…vielleicht war ich auch diese hübsche, unberührte Person mit schneeweißer, unschuldiger Seele. Vielleicht war ich das…aber wenn ich nun in den Spiegel sehe, weiß ich wirklich nicht, was von diesem unbeschwerten Mädchen übrig geblieben ist.
Nennt man das Erwachsenwerden?
Oder ist es der erste Schritt in Richtung Hölle?
Dabei versprach Chris Kuss mir immer den Himmel…
…was soll also dieses ewige Versteckspiel des Gut und Böse?
Und wo ist die Grenze?
Macht es mich schlecht und verdorben, das Böse zu lieben und es beschützen zu wollen?
Es zum Leben zu brauchen, weil man sonst der einzige Mensch auf Erden wäre?
Weil das Leben sonst bedeutungslos wäre?
Aber Bedeutung…was sagt dieses kleine Wort eigentlich aus?
Und wenn mich das alles nicht verdirbt, warum tut es dann so weh?
Wo fängt das Böse an? Und wann wird aus dem Guten das Böse?
Ab wann wird aus einem rosaroten Märchen tiefster, dunkelster Horror?
Wenn dein bester Freund, der einzige Grund, warum du die High-School überlebt hast, plötzlich in deinem Flur steht, aber nicht als er selbst, sondern als „Superheld“.
Als Kick Ass.
Wenn er mit einer Bazooka in der Hand auf deinen zukünftigen Schwiegervater Frank zielt, der gerade im Begriff war, ein kleines, elfjähriges Mädchen umzubringen?
Wenn all deine Kindheitserinnerungen plötzlich nicht mehr existieren, weil in diesem Moment deine ganze Geschichte neu geschrieben wird?
Und du stehst einen kleinen Moment lang, eine winzige Gnadensekunde nur noch da, und fragst dich, ob du überhaupt existierst, weil das hier irgendwie nicht real sein kann, und du dann nach vorne stürzt, leise, wie eine Katze, die Bazooka unschädlich machst und dem besten Freund, den du je hattest den kleinen Revolver, den du niemals benutzen wolltest, an den Kopf setzt.
Wenn dir die Realität so sehr entgleitet, das da plötzlich nicht mehr du selbst stehst, sondern du spürst, wie eine ganz dünne Eisschicht dein Herz ummantelt, um dich nicht vor Schmerzen aufschreien zu lassen.
Du spürst, wie Engel und Teufel in deinem Kopf miteinander kämpfen, während sich deine Augen zu grausamen Schlitzen des Hasses und der Enttäuschung verengen.
Dave sagt etwas, aber du hörst ihn nicht. Du hörst gar nichts mehr, nur noch das Pochen deines eigenen Herzens unter dem Eis.
Und du hättest wirklich Lust, auf den Abzug zu drücken, während all die Momente deiner Kindheit vor deinen Augen vorbeiziehen.

Frühling…

Sommer…

Herbst…

Winter…

Dein Zeigefinger bewegt sich ein Stückchen…
Aber du erinnerst dich langsam wieder daran, wer du sein willst. Wie du sein willst.
Deine Hand, die tapfer durchgehalten hatte, beginnt leicht zu zittern.
Ein Schuss…
…der durch die Wände geht.
Nur durch die Wände.
Und der dich irgendwie ein mikroskopisch kleines Stück befreit.
Ein erleichtertes Aufatmen.
Ein Flüstern.
„Dave, warum tust du mir das an?“
Keine Antwort.
Weil es keine Worte gäbe, die das hier wieder gutmachen könnten… für niemanden…
Was auch immer das hier eigentlich ist.
Franks Blick gräbt sich von hinten in deinen Rücken.
Und du weißt, dass diese Situation ein Ende finden muss.
„Dave, verschwinde. Nimm das Mädchen mit und verschwinde. Und trete mir bitte nie wieder unter die Augen.“
Deine Stimme hört sich nicht wie deine Stimme an.
Sie trägt etwas bedrohliches, etwas fremdes in sich.
Er tut es. Geht. Und deine Seele geht gleich mit ihm.
Du fühlst dich leer, einfach nur leer.
Und mit jeder Träne, die du weinst, wird das Gefühl schlimmer, es steigert sich ins Unerträgliche.
Weil du dich irgendwie schuldig fühlst…
Und nicht verstehst, warum.
Eigentlich verstehst du gar nichts mehr.
Du fängst an zu zittern, was durch eine komplett unerwartete, aber doch ehrliche Umarmung von Frank nicht gebessert werden kann, durch einen sanften, traurigen, aber auch leicht verzweifelten Kuss von einem die Tränen zurückhaltenden Chris nur verschlimmert wird.
Worte verstehst du noch immer nicht.
Es ist, als hättest du deine Fähigkeit zu hören, verloren.
Vor allem, weil du einen Blick auf den Boden geworfen hast, und dort nur einen See aus Blut findest.

Es ist überall.

An den Wänden…

Auf dem Teppich…

An deinen Schuhen…

Und wenn du dann auch noch die Wahrheit erfährst, brauchst du mehr als nur einen Besen, um die Scherben deines Lebens wieder zusammenzukehren.
Denn plötzlich heißt der Böse dieser Geschichte überhaupt nicht mehr Dave.
Nicht, dass das deine Wut und bodenlose Enttäuschung in irgendeiner Weise bremsen könnte.
Obwohl du eigentlich ja schon immer gewusst hattest, worauf du dich einlässt.
Mit sechzehn hattest du erfahren, welches Spiel hier eigentlich gespielt wurde, aber du warst einfach schon zu tief drin.
Du schätztest diese Menschen einfach zu sehr, um sie zu verlassen.
Und nun, mit siebzehn wusstest du von dieser Red Mist – Sache.
Von Anfang an.
Du hast sogar bei der Planung geholfen.
Und du hattest nie ein einziges Wort dagegen verloren…
So wurde nun, während dein Leben sich auflöst, dafür ein anderes Puzzle beendet.
Zwar nicht in Perfektion, aber gut genug, um dich in ein kleines, schwarzes Loch zu stürzen.
Wenigstens jetzt hättest du gehen sollen.
Aber du tust es nicht, Engel oder Teufel lässt dich bleiben.
Oder war es Chris, dessen Augen immer noch genauso wunderschön waren, wie im ersten Moment, in dem du tief in ihnen versunken warst?
War es Treibsand, der dich nun für alle Zeiten hier gefangen hält, in einem goldenen Käfig mit den Leuten, die dich lieben, und die du liebst?
Und ist das nun nur ein grausamer Fluch, oder auch Segen?
Oder eine Warnung?
Und wirst du die Antwort überhaupt irgendwann erkennen können?

Ich weiß nur, dass ich Chris D`Amico so sehr brauche, wie die Erde die Sonne.
Ohne ihn gäbe es in meinem kleinen Leben keinen einzigen Lichtstrahl mehr.
Und damit muss ich mich abfinden, solange ich die ewige Dunkelheit nicht akzeptieren will.
Auch, wenn ich dafür Opfer bringen muss, die mich tief unter dem Seelenspiegel für immer traumatisieren werden.
Ich brauche ihn…
Er braucht mich…
Das ist unsere Welt.
Und alles, was in ihr passiert, ist ein kleiner Teil von mir.
Auch, wenn wir keinen Einfluss auf das haben, was noch zwischen Himmel und Erde passieren wird…
Und so, wie die Welt sich dreht und verändert, so verändern auch wir uns.




Und ja, ich will.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast