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Der Fluch

GeschichteLiebesgeschichte / P12
Lindsay Donner Professor Connor Doyle
15.02.2014
15.02.2014
1
6.056
 
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15.02.2014 6.056
 
Titel: Der Fluch
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Sue Thomas F.B.Eye
Pairing: Connor/ Lindsay, Jack/ Sue
Rating: 12
Kategorie: AU, Romance, Humor
Inhalt: Lindsay ist fest davon überzeugt, verflucht zu sein…
Anmerkungen:  Hoffe, ihr hattet einen schönen Valentinstag und obwohl diese Geschichte für den Valentinstag gedacht war, ist sie doch etwas weihnachtlich angehaucht…


Der Fluch

Wie so oft traf Lindsay ihren älteren Halbbruder in ihrem Lieblingscafé. Es war Februar und in Toronto lag noch immer Schnee und es war manchmal klirrend kalt. Der Valentinstag war nahe und weil seine jüngere Halbschwester schon lange keine Verabredung mehr hatte, hatte Jack Hudson beschlossen, ihr ein wenig zu helfen.
„Bei mir im Büro findet nächsten Freitag eine Party statt. Möchtest du mitkommen?“, fragte Jack, nachdem er sich zu ihr an den Tisch gesetzt und einen Kaffee bestellt hatte. Die Kellnerin brachte ihnen Kuchen und ein Sandwich, wie immer. Beinahe wöchentlich kamen sie in dieses Café und besprachen die neuesten Neuigkeiten über ihre Jobs, ihren Eltern und andere Dingen.
„Und deine Kollegen kennen lernen?“, Lindsay legte die Stirn in Falten, „Nein, was sollen die denn von mir denken?“
Jack verstand nicht, worauf sie hinauswollte.
„Zwischen all den Anzugträgern bin ich völlig fehl am Platz. Ich meine, sieh mich an: Ich schreibe Kriminalromane… Und die verkaufen sich noch nicht einmal gut.“
„Ist das wirklich dein Problem?“
„Du hast neulich erzählt, dass Greg Johnson auch in deinem Büro arbeitet… Und wir haben die gleiche Schule besucht. Er kennt mich, weil er immer auf mir rumgehakt hat… Es ist mir peinlich, dass ich nur zweitklassige Krimis schreibe.“
„Sag das nie wieder, okay? Viele Menschen mögen deine Bücher… Und aus einer zuverlässigen Quelle weiß ich, dass Greg Johnson mittlerweile hoch verschuldet ist.“
„Ich komme nicht mit, weil ich nicht der gleiche Loser wie früher sein möchte.“
„Ist das etwa der Grund, warum du dir neulich eine Handtasche für 600 Dollar gekauft hast?“
„Woher weißt du das?!“, Lindsay erhob sich von ihrem Sitzplatz, aber dann setze sie sich wieder. Draußen rauste ein Fahrradfahrer auf dem schneebedeckten Bürgersteig entlang.
„Ich weiß es einfach…“, fuhr Jack mit ruhiger Stimme fort, „Du bist kein Loser, Lindsay. Andere Leute in deinem Alter…“
„Andere Leute in meinem Alter, haben ein Haus, eine Familie und einen gutbezahlten Job.“
Jack wusste genau, was ihr Problem war. Seine Halbschwester schämte sich dafür, dass sie im Leben nicht mehr erreicht hatte, als eine kleine Wohnung, in der sie alleine mit ihrem Hund lebte.
Jack legte einen zwanzig Dollarschein auf den Tisch und stand auf. „Wenn du es dir anders überlegen solltest, kannst du mir bis Mittwoch Bescheid geben“, sagte er zu seiner Schwester bevor er das Café verließ.

Am Abend lud Lindsay ihre beste Freundin Sue zu sich ein. Wie immer brachte Sue ihren Hund Levi mit. Es schneite erneut, als die beiden sich in Lindsays Wohnung auf die Couch setzten und den heutigen Tag besprachen. „Würdest du mir einen Gefallen tun?“, fing Lindsay an, nachdem sie Sue eine Tasse Tee gereicht hatte.
„Immer.“
„Begleitest du mich und meinen Bruder zu einer Party in seinem Büro?“
Sue brauchte einen Moment, bis sie verstanden hatte. „Reden wir über deinen Bruder Jack?“
„Ja“, Lindsay rollte mit den Augen, „Ich habe nur einen Bruder.“
Sue lachte, aber dann wurde sie ernst: „Nein, das soll wohl ein Scherz sein.“
„Wieso nicht? Ein kleines Vögelchen hat mit gezwitschert, dass du ihn sehr gerne magst…“
Sue fühlte sich ertappt. Sie strich nervös eine Strähne ihrer blonden Haare aus ihrem Gesicht. Dass sie Lindsays Bruder mochte, entsprach der Wahrheit: Sie hatte ihn in diesem Jahr auf Lindsays Geburtstagsparty kennen gelernt und sie hatten sich den ganzen Abend lang gut unterhalten. Er schien Levi zu mögen und als sie ihm davon erzählte, dass sie auf Levis Hilfe angewiesen war, weil sie nicht hören konnte, beunruhigte ihn dies nicht. Stattdessen stellte er neugierig allerhand Fragen, wie sie den Alltag meisterte. Nach der Party hatte er sie sogar von dem Restaurant nach Hause gefahren, damit sie kein Taxi nehmen musste. Sie hatten sich vor ihrer Haustür anständig verabschiedet: Es war nichts weiter zwischen ihnen passiert. Lindsay wusste jedoch von Jack, dass die beiden sich das eine oder andere Mal wieder gesehen hatten: Einmal trafen sie sich zufällig im Park, als Sue mit Levi spazieren war. Eine Woche später trafen sie sich zufällig in einer Bäckerei wieder.
„Du kannst mich nicht alleine lassen…“, sagte Lindsay nun, „Alle werden mich für einen Loser halten…“
„Ist das der Grund, warum du dir eine Louis Vuitton Handtasche gekauft hast?“, fragte Sue.
„Bin ich etwa so leicht zu durchschauen?“
„Es war offensichtlich, dass du mit der Tasche nur angeben willst…“
„Bitte komm mit mir… Ich brauche außerdem deine Hilfe: Du musst mit die Männer vom Hals halten.“
Jetzt wurde Sue neugierig. „Oh mein Gott!“, rief sie, „Ist es etwa immer noch wegen diesem mysteriösen Mann aus dem Fahrstuhl?“, fragte sie und Lindsay nickte. Vor einer Woche hatte Lindsay einen Termin mit ihrem Verleger gehabt und danach war sie mit dem Aufzug wieder ins Erdgeschoss des Gebäudes gefahren. Sie wusste nicht mehr, in welchem Stockwerk es genau war, aber irgendwann war ein gutaussehender Mann in den Aufzug eingestiegen. Im sechsten Stock blieb der Aufzug stecken. Sie konnte sich daran noch genau erinnern, weil der Aufzug plötzlich ruckelte und die Notbeleuchtung aktiviert wurde. Der Aufzug ruckelte noch einmal. Diesmal so stark, dass sie und der Mann das Gleichgewicht verloren. Sie wurden gegen die Wand geschleudert, Lindsay landete in seinen Armen. Normalerweise gehörte sich nicht zu den Frauen, die sich einem Mann sofort an den Hals warfen. Und sie wusste auch nicht, ob es die Magie des Moments war oder die Angst, gleich in den Tod zu stürzen… Ehe sie sich versah, küssten sie sich. Sie war kein bisschen erschrocken darüber, dass der Mann sie zurückküsste. Er schlang die Arme um sie und in diesem Moment fuhr der Aufzug weiter. Sie trennten sich voneinander und in der nächsten Minute entschuldigte Lindsay sich und versuchte, sich irgendwie zu erklären. „Das macht nichts“, sagte der Mann und grinste. Der Aufzug erreichte das Erdgeschoss und die Türen öffneten sich. „Ich bin übrigens Connor.“ Er verließ den Lift, drehte sich aber noch einmal zu ihr um. Als Lindsay an diesem Abend in ihrer Wohnung ankam, erzählte sie Sue sofort am Telefon davon. Diese Begegnung war unglaublich und sie gab zu, dass es sie aus der Bahn geworfen hatte. Aber sie beschlich ein schlechtes Gefühl, als Sue am Telefon fragte, ob Lindsay noch etwas anderes über den attraktiven Unbekannten wusste, außer seinen Vornamen. Weil Lindsay verneinte, beschloss sie am nächsten Tag wieder in das Gebäude zu gehen, in dem auch ihr Verlag untergebracht war. Sie fragte an der Rezeption, ob in diesem Hochhaus jemand namens Connor arbeitete, aber die Rezeptionsdame wusste das nicht. Also wartete Lindsay. Den ganzen Tag. Aber Connor tauchte nicht auf. Sie wusste, dass sie ihn wiedersehen musste. Aber wie? Sue hatte sogar vorgeschlagen, dass sie in der Zeitung eine Anzeige aufgeben konnten, aber das war Lindsay peinlich, also musste sie weiterhin Augen und Ohren offen halten.
„Ja“, bestätigte Lindsay, „Es ist wegen dem mysteriösen Mann aus dem Fahrstuhl. Ich würde ihn gerne wiedersehen.“
„Weißt du, wie viele Menschen in Toronto leben?“, fragte Sue.
„Natürlich weiß ich das.“
„Vielleicht war er nur für einen Geschäftstermin in der Stadt und du siehst ihn nie wieder…“
„Ich weiß, was du sagen willst…“, innerlich musste Lindsay zugeben, dass sie es nicht gerne hörte. Sie atmete dennoch tief durch. „Also gut. Ich höre auf, nach dem mysteriösen Fahrstuhl- Mann Ausschau zu halten, wenn du mich zur Party meines Bruders begleitest.“
„Deal.“

Sue hielt sich an die Verabredung und so kam es, dass sie sich mit Lindsay in Jacks Büro an dem besagten Freitagabend einfand. Sie ließ Levi zuhause. Wenn Lindsay bei ihr war, war es kein Problem sich zurecht zu finden.
Die Party war keine Motto- Party. Dennoch hatten sie sich sehr fein gemacht: Lindsay trug ein schwarzes, schulterfreies Kleid, welches ihre blonden Haare zum Strahlen brachte. Sie wartete alleine an dem Tisch, an dem sie saßen.
„Sieh uns an“, begann Sue, als sie Lindsay ein Getränk reichte, welches sie geholt hatte. Dann setzte sie sich, „Wir beide stechen aus der Menge wie ein bunter Hund.“ Sie waren die einzigen Frauen auf der Party, die Kleider trugen. Alle anderen Frauen arbeiteten offensichtlich in diesem Büro und waren nach der Arbeit hergekommen, weil sie Hosenanzüge trugen.
„Ich kann nicht fassen, dass wir wirklich hergekommen sind.“
„Und ich kann nicht fassen, dass dein Bruder dich einmal wieder dazu überredet hat…“, murmelte Sue, „Wo ist Jack überhaupt?“ Sie waren nicht gemeinsam hergekommen, sondern hatten verabredet, sich hier zu treffen.
Ein Lächeln huschte über Lindsays Gesicht. „Nervös?“
„Nein, warum sollte ich?“, fragte Sue zurück, dann hellte sich ihr Gesicht auf. „Da ist er ja!“, sie streckte sich ein wenig und winkte. Jack sprach mit einem anderen Mann, offenbar ein Kollege. Er winkte zurück, dann lud er seinen Kollegen ebenfalls dazu ein, mit an den Tisch zu kommen.
„Hey, ihr beiden“, begrüßte er sie, dann griff er nach Sues Hand, „Das sind Sue und Lindsay“, stellte er sie seinem Kollegen vor. Aber Lindsay war wenig begeistert. Sie würdigte dem Kollegen ihres Bruders nicht einen Blickes.
„Das ist mein Kollege Connor“, sagte Jack und für eine Sekunde setzte Lindsays Herz einen Schlag aus.
„Ich denke, wir kennen uns bereits“, erklärte die Stimme. Lindsay erkannte sie eindeutig wieder und sie brachte nicht mehr als ein „Hallo“ heraus. Jack setzte sich nun neben Sue. Also musste Connor den freien Stuhl neben Lindsay nehmen. Die Männer bestellten Getränke und redeten über unterschiedliche Dinge. Sue erzählte, dass sie einen Hund namens Levi besaß und Connor erklärte, dass er ebenfalls Hundebesitzer war. „Lindsay hat auch einen Hund, nicht wahr?“, fügte Sue hinzu und sah ihre Freundin erwartungsvoll an. Ihr war nicht entgangen, dass Lindsay während des ganzen Abends kein Wort sagte und sich kaum traute, Connor in die Augen zu sehen.
„Ja, eine Hündin“, stimmte sie zu, dann griff sie nach der Handtasche, die vor ihr auf dem Tisch lag. Sie entschuldigte sich für einen Moment, um zur Damentoilette zu gehen. Sue nutzte die Gunst der Stunde und folgte ihr. „Was ist los mit dir?“, wollte Sue wissen, sobald sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte.
„Das ist er“, Panik ergriff Lindsays Stimme, „Der mysteriöse Fahrstuhl- Mann.“
„Was? Connor?“
„Ja. Mein Gott, er muss denken, dass ich… Dass ich so etwas öfter mache…“
Sue rollte mit den Augen. „Bisher hat er noch gar nichts dazu gesagt.“
„Was ist, wenn er mich nicht erkennt?“, fragte Lindsay, „Immerhin war das Licht im Fahrstuhl aus…“
Das war ein dummes Argument, denn das Licht war nicht die ganze Zeit über aus.
„Denk an das, was du mir in diesen Situationen immer empfiehlst“, meinte Sue, „Die Flucht nach vorne.“
„Was?!“
„Sprich ihn darauf an.“ Mit diesen Worten verließ Sue die Damentoilette. Lindsay blieb noch zwei Minuten, um sich ein wenig zu beruhigen. Dann folgte sie ihrer besten Freundin an den Tisch zurück. Lindsay sah, dass Jack seine Hand auf die von Sue legte und Sue schien nichts dagegen zu haben. Der Abend war also dabei, sich zu etwas unangenehmen zu entwickeln. Lindsay hasste Pärchen- Abende weil man sich als Single dann immer wie das fünfte Rad am Wagen fühlte. Besonders schlimm war es immer an Silvester um Mitternacht. Meist blieb Lindsay an Silvester zuhause und aß alleine Sushi.
Lindsay war beinahe froh, als Jack vorschlug, die Party zu verlassen. Sie verabschiedeten sich auf dem Weg nach draußen noch von einigen weiteren Kollegen und holten an der Garderobe ihre Mäntel.
Es war eine frostige, aber sternenklare Nacht, als sie das Bürogebäude verließen. „Darf ich dich nach Hause fahren?“, schlug Jack Sue vor, „Mein Wagen steht noch in der Tiefgarage. Du musst also nicht mit dem Taxi fahren…“
„Oh, ich weiß nicht. Ich bin mit Lindsay hergefahren.“
„Das ist schon in Ordnung“, beruhigte Lindsay sie, Sue umarmte sie und flüsterte ihr ein leises „Danke“ ins Ohr, dann machten sie und Jack sich auf den Weg zu besagter Tiefgarage.
Connor und Lindsay blieben alleine auf dem Bürgersteig zurück. „Tja, das ist dann wohl der Moment der peinlichen Stille, was?“, fragte er schließlich und lachte. Lindsay war froh, dass er etwas sagte.
„Was ist mit dir? Steht dein Auto auch in der Tiefgarage?“
„Nein. Meine Mitfahrgelegenheit hat mich vor einer Minute versetzt.“
Lindsay verstand. Auch Connor und Jack waren in einem Auto hergefahren.
„Ich kann dich nach Hause fahren, wenn du möchtest…“, bot Lindsay ihm an.
„Ich kann ein Taxi nehmen, danke.“
„Nein, ich fahre dich nach Hause. Ich würde das wirklich sehr gerne tun…“
Connor beschloss, nachzugeben. Also liefen sie im gemäßigten Tempo zur Tiefgarage. Auf dem Weg dorthin schien die Temperatur weiter zu fallen.
„Hör zu, das, was im Aufzug passiert ist…“, begann Lindsay nervös.
„Nein, du musst dich nicht nochmal entschuldigen. Das hast du schon getan, nachdem der Lift weitergefahren ist.“
„Ja, aber ich wollte, dass du weißt, dass ich so etwas nicht immer mache. Das war das erste Mal, dass ich einen Wildfremden geküsst habe.“
„Ja, ging mir genauso. Du hast mir nicht gesagt, wie du heißt. Das hat die Suche nach dir erschwert.“
„Du hast nach mir gesucht?“, sie war tatsächlich überrascht, „Ich wollte dich auch gerne wiedersehen“, gestand sie, „Ich habe auch nach dir gesucht. Am nächsten Tag bin ich noch einmal in das Gebäude gegangen und habe an der Rezeption nach dir gefragt, aber die kannten niemanden, der Connor heißt. Dann habe ich gewartet. Den ganzen Tag lang bis Ladenschluss. Du bist nicht aufgetaucht... Ich wusste nicht, dass du ein Kollege meines Bruders bist.“
„Ich glaube, so etwas hat noch nie jemand für mich getan.“
„Da ist noch etwas, was du über mich wissen solltest… Und deshalb glaube ich, dass es besser ist, wenn wir nur befreundet sind: Du solltest besser Abstand von mir halten weil ich verflucht bin.“
„Was?“, Connor schmunzelte.
„Jack hat dir kein Wort gesagt, habe ich Recht?“
„Was soll er mir denn gesagt haben?“
„Ich bin verflucht. Immer, wenn ich jemanden kennen lerne, passiert etwas Schreckliches.“
„Soll das heißen, du wolltest mich wiedersehen nur um mir zu sagen, dass ich die Finger von dir lassen soll, weil du glaubst, verflucht zu sein?“, Connor war nicht sicher, ob das ihr Ernst war.
Lindsay konnte sehen, dass Connor jetzt gespannt war. „Gib mir ein Beispiel.“
„Mein erster Verlobter hat mich zwei Wochen vor der Hochzeit verlassen…“
„So etwas kann passieren“, unterbrach Connor sie.
„Am gleichen Tag ist das Schiff, mit dem er abhauen wollte, gesunken und er hat es nicht überlebt. Wir wollten an den Niagarafällen heiraten… Mein zweiter Verlobter kam drei Monate vor der Hochzeit ums Leben. Ein Autounfall im Winter. Er hat die Kontrolle über den Wagen verloren.“
„Das ist tragisch, das gebe ich zu.“
„Deshalb wäre es gut, wenn wir Freunde bleiben können. Ich möchte so etwas nicht noch einmal durchmachen müssen… Aber ich wollte dich wirklich gerne wiedersehen.“ Sie erreichten die Tiefgarage und damit Lindsays Auto. Sie fuhr Connor nach Hause. Wie sie feststellte, wohnte er in einem Hochhaus mit Portier.
„Was hältst du von Pizza und Pasta?“, wollte er wissen, während er durch das heruntergekurbelte Beifahrerfenster mit ihr sprach.
„Sehr viel“, antwortete sie.
„Gut, dann führe ich dich morgen zum Essen aus… Als kleines Dankeschön, weil du mich heute nach Hause gefahren hast.“
„Das ist keine gute Idee….“
„Wir sind doch nur Freunde, schon vergessen? Und Freunde dürfen doch gemeinsam essen gehen, oder ist das auch verboten?“

Natürlich war es das nicht und aus diesem Grunde versuchte Lindsay Sue zu erreichen, sobald sie in ihrer Wohnung angekommen war. Sue brauchte länger als gewöhnlich, um ans Telefon zu kommen.
„Wo bist du gewesen?“, wollte Lindsay wissen.
„Dein Bruder hat mich nach Hause gefahren“, antwortete ihre Freundin, „Was ist mit dir und Connor?“
„Er hat mich für morgen zum Essen eingeladen.“
„Und? Das ist doch sicherlich das, was du wollest.“
Das stimmte, dachte Lindsay. Doch Sue hatte den Fluch vergessen. Sue war ihre beste Freundin und als solche war sie natürlich bei all den gescheiterten Hochzeiten anwesend um sie danach zu trösten.
Und Lindsay hatte nicht vorgehabt, diese noch einmal in Anspruch nehmen zu müssen.

Der nächste Tag war wie eine Katastrophe für Lindsay: Während sie versuchte, sich einzureden, dass sie und Connor nur Freunde waren, wurde sie doch immer aufgeregter, je näher ihr Treffen rückte. Sie war so nervös, dass sie am Computer keinen anständigen Satz zu Stande brachte, obwohl die Deadline ihres neuen Buches immer näher rückte.
Am Abend ertappte sie sich dabei, wie sie ratlos vor ihrem Kleiderschrank stand und nach dem perfekten Outfit für ihre Verabredung suchte. Dann redete sie sich ein, dass es keine richtige Verabredung war, sondern nur ein Essen unter Freunden und dass sie deshalb auf ihre Kleidung keinen besonderen Wert legen musste. Also entschied sie sich für eine Jeans und eine rote Bluse.
Connor holte sie pünktlich zuhause ab und machte ihr ein Kompliment, wie schön sie heute Abend aussah. Lindsay wäre es lieber gewesen, wenn er das nicht getan hätte.
Wie verabreden aßen sie beim Italiener zu Abend, danach führte Connor sie zum Park. Dort gab es im Winter eine Eislaufbahn, die jetzt in der Dunkelheit von vielen Lichterketten erhellt war. „Was hast du vor?“, fragte sie skeptisch.
„Wir leihen uns Schlittschuhe“, Connor war schon dabei, bei dem Mann am Counter zwei Paar Schlittschuhe auszuleihen, „Du kannst doch eislaufen, oder?“
„Denkst du etwa, nur weil wir alle Kanadier sind, sind wir Weltmeister im Schlittschuhlaufen?“, Lindsay beobachtete, wie er nickte, dann rollte sie mit den Augen, „Natürlich kann ich das.“
Sie zogen die Schlittschuhe an und begaben sich aufs Eis. Weil Lindsay schon lange nicht mehr gefahren war, war sie doch etwas wackelig auf den Beinen und so musste sie nach seiner Hand greifen. Sie legten eine Runde nach der anderen zurück, bis sie sich irgendwann völlig außer Atem am Rail festhielten und die anderen Menschen beobachteten, die ihre Runden auf der Eisbahn zogen. Sie tranken noch einen warmen Kaffee in Lindsays Lieblingscafé, danach fuhr Connor sie zu ihrer Wohnung zurück.
„Das war ein sehr schöner Abend“, sagte er, als er seinen Wagen vor dem Mietshaus zum Stehen brachte, „Was machst du nächstes Wochenende?“
„Meine Eltern haben die Familie zum Skifahren in die Berge eingeladen. Warum fragst du?“
„Ich dachte mir, wir könnten gemeinsam etwas unternehmen.“
„Das haben wir doch geklärt“, erinnerte Lindsay ihn, „Ich bin verflucht. Du sollest dich von mir fernhalten.“
„Ich bin bereit dazu, diesmal nicht an den Fluch zu glauben“, antwortete Connor und lehnte sich zu ihr um sie zu küssen. Der Kiss war magisch. Fast genauso, wie in dem Fahrstuhl. Lindsay genoss den Moment und eigentlich sie ihn von sich schieben, aber sie musste. Wenn sie zuließ, dass aus dem hier mehr wurde, dann waren sie beide dem Untergang geweiht. Connor vielleicht mehr als sie selbst. Und es würde sie umbringen, ihn zu verlieren, weil sie ihn sehr mochte.
„Ich kann das nicht…!“, meinte sie und stieg aus, „Ich glaube, es ist besser, wenn wir uns nicht wiedersehen.“ Sie schlug die Autotür hinter sich zu und lief ohne sich noch einmal umzudrehen, zu dem Haus, welches ihre Wohnung beherbergte.

Say something, I'm giving up on you.
I'll be the one, if you want me to.
Anywhere, I would've followed you.
Say something, I'm giving up on you.

And I am feeling so small.
It was over my head
I know nothing at all.
And I will stumble and fall.
I'm still learning to love
Just starting to crawl.

Say something, I'm giving up on you.
I'm sorry that I couldn't get to you.
Anywhere, I would've followed you.
Say something, I'm giving up on you.          (“Say Something” by A great big world)

Die Woche verging quälend langsam und noch immer hatte Lindsay keine gute Idee für ihren nächsten Kriminalroman. Schließlich war es Zeit, für das Ski- Wochenende mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater zu packen. Wie jedes Jahr im Februar hatten die beiden ein großes Ferienhaus in den Bergen gemietet. Soweit Lindsay wusste, waren ihre Eltern bereits im Haus und auch ihr Bruder war gestern Abend losgefahren. Weil Lindsay gestern Abend jedoch noch einen Termin mit ihrem Verleger hatte, konnte sie erst heute nachkommen. Die Fahrt dauerte lange und hier oben in den Bergen waren die Straßen noch verschneiter als in der Stadt.
Das Ferienhaus war sehr schön. Seit Jahren mieteten ihre Eltern für ihr Ski- Wochenende das gleiche Haus. Das Holzhaus hatte zwei Stockwerke und Lindsay fand, es war die perfekte Kulisse für einen romantischen Film. Das Problem war jedoch, dass die Weihnachtsdekoration noch immer nicht entfernt worden war: An der Haustür hing ein Tannenkranz, über der Türschwelle zum Wohnzimmer ein Mistelzweig und auch die Fenster waren noch festlich dekoriert. Lindsay war froh, dass zumindest der Weihnachtsbaum entfernt worden war und den Weg in dem Kamin gefunden hatte.
Lindsay traf ihren Bruder im Erdgeschoss des Hauses. „Hallo, Schwesterlein“, begrüßte er sie. Er hatte sie seit einer Woche nicht mehr gesehen. Lindsay war nicht einmal zu ihrem wöchentlichen Treffen in ihrem Lieblingscafé erschienen. Und Jack hatte eine Ahnung, was der Grund dafür war: Sein Kollege Connor war normalerweise nicht der Typ, der sein Privatleben an die große Glocke hängte, aber er erzählte ihm in Kurzfassung, was bei ihrer letzten Verabredung passiert war.
„Es war ganz schön mies, wie du den armen Connor abserviert hast“, murmelte Jack und Lindsay reagierte entsetzt, weil er davon überhaupt wusste. „Ich weiß alles“, flüsterte ihr Bruder, „Ich bin wie der Weihnachtsmann.“
Sie hörten nun eine Stimme und dann einen bellenden Hund. Lindsay kannte die Stimme.
„Ist das Sue?“, wollte sie von Jack wissen.
„Ich habe sie eingeladen. Ist das ein Problem für dich?“
„Nein“, Lindsay schüttelte den Kopf, „Sie ist meine beste Freundin, das weißt du doch.“ Aber dann kam sie nicht umhin, ihm einen wichtigen Hinweis zu geben: „Tu ihr nicht weh, hörst du? Ich mag sie wirklich sehr und sie verdient es nicht, dass man ihr das Herz bricht.“
„Das hatte ich auch nicht vor“, antwortete Jack, „Aber du verdienst das auch nicht. Ein gebrochenes Herz, meine ich… Deshalb habe ich Connor ebenfalls eingeladen.“
Lindsay war entsetzt. „Du hast was?!“
„Ich habe Connor eingeladen“, Jack ließ seine Schwester vor der breiten Treppe ins Obergeschoss einfach stehen, „Er packt soeben seine Sachen aus.“

Sie fand Connor im Obergeschoss des Hauses, wo er im Gästezimmer seinen Koffer auspackte. Lindsay blieb in der Tür stehen und beobachtete ihn eine Weile. Schließlich begrüßte sie ihn mit einem schlichten „Hallo“. Connor drehte sich zu ihr um und erwiderte den Gruß.
„Was machst du hier?“
„Dein Bruder hat mich eingeladen, aber ich will auch mit dir reden, was sonst?“ Connor griff nach einem Pullover, welcher in seinem Koffer lag. (Natürlich hatte Connor auch eine Mütze, dicke Handschuhe, Schneestiefel und einen Schal dabei. Aber Jack hatte zu ihm gesagt, dass sie nur in die Berge Kanadas fahren würden- und nicht an den Nordpol.)
„Ich bin sicher, Jack hat mich nur aus Mitleid eingeladen.“
Lindsay wusste sofort, worauf er hinaus wollte. „Hör zu, es war nicht meine Absicht…“
„Verstehe schon“, unterbrach Connor sie.
„Ich versuche doch nur, dich zu beschützen vor… Naja, also ich denke du weißt, was meinen anderen beiden Verlobten passiert ist.“
Sue rief zu ihnen herauf, ob sie nicht mit zum Skifahren kommen wollten. Schließlich war das der Grund, weshalb sie eigentlich hergekommen waren.

Die Skipiste war etwa eine Meile von dem Haus entfernt und sie benutzen das Snowmobil ihres Vaters um dorthin zu gelangen. Lindsay fand, sie sollten lieber mit dem Auto fahren, da sie zu viele Personen waren, aber ihr Dad hatte eine Überraschung für sie und so öffnete er stolz das Garagentor. „Das sind zwei Snowmobile“, bemerkte sie.
„Ja, das hast du gut erkannt“, lachte Chad Hudson, „Ich habe mir das zweite im vergangenen Jahr zur Weihnachten gekauft.“ Mit den beiden Snowmobilen fuhren sie zu viert zur Skipiste. Jacks und Lindsays Eltern hatten beschlossen, bei Levi in dem Ferienhaus zu bleiben.
Am Lift zeigten sie die Skipässe vor, die ihr Vater im Voraus für die ganze Gruppe besorgt hatte, dann fuhren sie mit dem Lift auf den Gipfel des Berges. Weil Sue und Jack gemeinsam in einem Lift fahren wollten, mussten sich Connor und Lindsay eine andere Gondel teilen. Während der Fahrt sprachen die beiden kein Wort miteinander. „Du hättest auch mit jemand anderen fahren können“, bemerkte Connor irgendwann.
„Das hätte ich vielleicht tun sollen.“ Und dann herrschte wieder Schweigen.
Die Fahrt zum Gipfel hatte noch nie so lange gedauert, obwohl Lindsay schon seit Jahren an diesen Ort kam und sich die Strecke, welche der Lift zurücklegen musste, nicht geändert hatte. Sie stiegen oben aus und beobachteten, wie Sue und Jack wieder gemeinsam auf ihren Ski den Berg hinunterfuhren.
Lindsay beneidete ihre Freundin fast ein wenig. Sie hatte jemanden gefunden, den sie wirklich mochte. In diesem Moment wünschte Lindsay sich nichts mehr, als dass sie diesen Fluch loswerden konnte.

Am Abend schmerzten Lindsays Beine vom Skifahren. Obwohl sie es während ihres Aufenthaltes auf der Skipiste nur zweimal geschafft hatte, den Berg hinunterzufahren, war es eine große Anstrengung gewesen. Ihre Mutter hatte ein Essen vorbereitet, als sie am Abend die Schneemobile wieder in der Garage abstellten. Lindsays Mutter kochte das Essen selbst. Ihr Stiefvater Chad war zwar wohlhabend, aber Lindsays Mom bestand darauf, dass sie keine Köchin brauchte.
„Das sieht wirklich sehr gut aus, Mom“, versicherte Jack seiner Mutter, als sie im Wohnzimmer an dem großen Esstisch Platz nahmen. Seine Mutter hatte Hähnchen mit allerlei Gemüse und Beilagen gekocht.
Sue saß neben Jack und Levi lag auf dem Boden hinter ihnen. Sie unterhielten sich während des Essens über ihren Tag auf der Skipiste. Aber irgendwann wollte Chad Hudson von seiner Stieftochter wissen, ob etwas nicht in Ordnung war. Da sie nebeneinander saßen, musste Chad diese Frage nicht laut stellen. Und in der Unterhaltung der anderen ging ihr Flüstern ohnehin unter. „Es ist alles okay, Dad“, versprach sie ihm.
„Gut, ich fange nämlich an, mir Sorgen zu machen. Du hast heute noch nicht viel gesagt.“
„Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?“, fragte sie und lehnte sich ein wenig näher zu ihrem Vater, „Es liegt an Connor.“
„Verstehe“, Chad nickte vielsagend. Er glaubte begriffen zu haben, was ihr Problem war. Also schlug er vor, dass sie nach dem Essen noch ein Glas Rotwein trinken könnten. Jack war begeistert und schlug vor, dass er Sue den kleinen Weinkeller unter dem Haus zeigen könnte. Auch Sue war einverstanden und so machten sie sich gemeinsam auf den Weg.
„Ich helfe dir, Mom“, Lindsay war schon dabei, ihre Mutter beim Einsammeln des benutzten Geschirrs auf dem Esstisch zu helfen. Sie trug soeben einen Stapel Teller in die Küche, als sie sah, dass Jack und Sue auf der Schwelle zum Wohnzimmer stehen geblieben waren und sich unter dem Mistelzweig küssten. Lindsay schüttelte den Kopf. „Mom, wir müssen irgendwann die Weihnachtsdekoration aufräumen.“
„Nein, es passt momentan noch so schön zu dem Schnee“, widersprach ihre Mutter. Sie waren so lange beschäftigt, bis Jack und Sue mit einer Flasche Rotwein aus dem Keller kamen. Lindsay entging nicht, wie glücklich ihre Freundin aussah, als Chad die Flasche Wein öffnete und jedem daraus einschenkte. „Entschuldigt mich bitte“, bat Lindsay, sobald sie ihr Weinglas in Händen hielt, „Ich gehe etwas frische Luft schnappen.“ Sie holte die blaue Daunenjacke, die sie heute bereits beim Skifahren getragen hatte und ging nach draußen.
Hinter dem Haus gab es eine sehr schöne Terrasse und sie setzte sich dort auf eines der Gartenmöbel, welches nicht vom Schnee bedeckt war. Die Nacht war sternenklar und klirrend kalt. Sie fragte sich, wie lange sie wohl auf der Terrasse bleiben konnte, bis ihr Wein gefroren war. Sie möchte diese Nächte in den Bergen von Kanada, wenn es so still war, dass sie selbst hören konnte, wie der Schnee vom Himmel fiel.
Es dauerte etwa zehn Minuten, bis sie hörte, wie sich die Terrassentür erneut öffnete. Schritte näherten sich. Sie brachten den Schnee zum knirschen. Dann fühlte sie, wie sich jemand neben sie auf das Möbelstück setzte. „Ich hatte erwartet, dass es nicht so lange dauert, bis du kommst“, sagte sie zu Connor. Er trug ebenfalls seine Daunenjacke und hielt noch immer sein Weinglas in der Hand.
„Willst du gelten, mach dich selten“, antwortete er.
„Hast du etwa noch mehr so tolle Sprüche auf Lager?“
„Die ganze Welt ist eine Bühne und alle  Frauen und Männer nur die Spieler.“
„Du hast Shakespeare gelesen. Ich bin beeindruckt.“
„Zum Glück“, er lachte ein wenig, „Als ich es gelesen habe, hielten mich meine Mitschüler für einen Loser.“
„Dann sind wir schon zu zweit“, gab sie zu, „Ich war während der Schulzeit auch nicht beliebt. Einer meiner ehemaligen Mitschüler arbeitet sogar bei euch. Das war der Grund, warum ich eigentlich nicht zu der Party in eurem Büro kommen wollte.“
Sie schwiegen eine Weile und Lindsay sah, wie Connor das Weinglas in seinen Händen drehte. „Dein Bruder sagte mir, du schreibst Krimis und ich glaube ich habe sogar schon einmal das eine oder andere Werk von dir gelesen... Lindsay Donner, die große Starautorin.“
„Du machst dich über mich lustig.“
„Nein“, Connor beobachtete, wie eine Sternschnuppe am Himmel vorbeizog, „Ich finde deine Bücher richtig gut.“
Lindsay überlegte eine Weile, was sie davon halten sollte. Dann beschloss sie, das Kompliment ernst zu nehmen und bedankte sich sogar. „Wenn das so ist, dann hast du Glück mit deinem Zimmer. Es ist auch das Lieblingszimmer meiner Mutter“, erklärte sie, „In deinem Zimmer gibt es ein Bücherregal, in dem stehen alle Bücher, die ich bisher veröffentlicht habe.“
„Ich dachte, das Haus ist nur gemietet…“, Connor fand es seltsam.
„Nein, ist es nicht. Das erzählt mein Stiefvater nur gerne, damit er seine Freunde und Arbeitskollegen nicht mit hierher bringen muss. Er erzählt ihnen auch, das Haus habe nur ein Schlafzimmer und ein winziges Bad.“
„Verstehe… Wir sollten noch einmal über den Fluch sprechen“
Lindsay rollte mit den Augen, als sie dies hörte.
„Hast du je daran gedacht, dass du den Fluch umgehen könntest?“, fragte er und ließ ihr nicht einmal die Möglichkeit, zu antworten, „Offenbar schlägt der Fluch- sollte es ihn tatsächlich geben- nur dann zu, wenn du heiraten möchtest. Die Lösung ist, dass du nicht heiratest sondern die Liebe deines Lebens findest und mit ihm ohne Trauschein zusammenbleibst.“
„Ich weiß nicht, ob ich einen Testversuch riskieren möchte“, murmelte Lindsay ehrlich.
Connor bemerkte, dass der Wein in Lindsays Glas bereits eine dünne Eisschicht gebildet hatte. „Lass uns reingehen“, schlug er vor, „Du hast keine Handschuhe an und ich auch nicht. Außerdem ist es im Haus viel wärmen als hier draußen.“ Er war froh, als sie einverstanden war.
Nachdem sie das Haus betraten hatten, stellten sie fest, dass das Wohnzimmer menschenleer war. In der Küche brannte noch Licht und sie hörte Stimmen. Ihre Mutter erzählte Sue, dass die Familie früher Weihnachten immer in diesem Haus verbracht hatte. Sue lachte.
Nur ein Feuer im Kamin erhellte das Wohnzimmer. Connor nahm Lindsay das Weinglas ab und stellte es auf den Tisch. Dann half er ihr aus ihrer Jacke.
„Wir sollten auch in die Küche gehen“, schlug sie vor. Sie fühlte Connors Hand an ihrer Taille, als sie das Wohnzimmer verlassen wollten und dann an ihrem Arm. Er hielt sie für einen Moment zurück, zog sie an sich und küsste sie auf der Türschwelle unter dem Mistelzweig. Lindsay hatte vorgehabt, ihn von sich zu schieben, aber sie war nicht in der Lage dazu. Stattdessen vertiefte sie den Kuss noch und schlang die Arme um seinen Hals. Sie küssten sich, bis sie keine Luft mehr bekamen. „Ich bin sicher, meine Eltern haben uns nicht gesehen“, meinte sie atemlos, „Du musst nämlich noch eine Menge Überzeugungsarbeit leisten.“
Connor lächelte. „In Ordnung.“ Er griff nach ihren Händen und beide schlichen so leise es ihnen möglich war, die Treppe hinauf.

Lindsay war am nächsten Morgen im Bett geblieben, während Connor duschte. Sie hatte in den vergangenen Minuten noch einmal über diese Testphase nachgedacht, von der er gestern gesprochen hatte. Natürlich war es schön, von ihm zu hören, dass er sie liebte und dass er ohne sie nicht leben konnte, aber sie hatten nur eine Nacht überlebt und sie mochte ihn zu sehr, als dass sie riskieren könnte, ihn zu verlieren.
Also stand sie auf, suchte auf dem Boden nach ihrer Kleidung, zog sich an und schrieb für Connor eine Notiz. Dann ging sie in ihr eigenes Zimmer zurück, packte in Windeseile ihre Sachen und machte sich auf den Weg zu ihrem Auto. Sie hatte soeben die Reisetasche in den Kofferraum geworfen, als eine Stimme nach ihr rief.
Es war Connor. Lindsay wusste, es war kindisch, aber sie beeilte sich, hinter das Lenkrad zu kommen und loszufahren. Aber er war schneller und noch bevor sie einsteigen konnte, nahm er ihr den Autoschlüssel weg.  „Wo willst du hin?“, fragte er.
„Ich… Ich.. Ich habe heute noch einen Termin in der Stadt und…“
„Heute ist Sonntag. Niemand hat heute Termine.“ Er hatte sie durchschaut, aber es war nicht seine Art sie zu etwas zu zwingen, was sie vielleicht nicht wollte. „Steig ein, ich fahre dich“, schlug er vor. Lindsay setzte sich auf den Beifahrersitz.
Der Wagen mit Connor am Steuersetzte sich in Bewegung. „Es tut mir leid“, entschuldigte sie sich, „Aber ich liebe dich zu sehr, als dass ich ausprobieren möchte, ob du auch ohne Hochzeit mit mir überlebst…. Ich hoffe, du verstehst es.“
Daraufhin sagte Connor nichts. Zwei Sekunden später brach das Heck des Autos nach links aus. Plötzlich verlor Connor die Kontrolle über das Fahrzeug und der schwarze Jepp geriet gefährlich ins Schleudern. Lindsay schrie und klammerte sich an der Tür fest. Die verschneite Landschaft zog an ihnen vorbei. Doch dann hatten die Reifen Bodenhaftung, das Auto blieb stehen und Connor stellte den Motor ab. „Gott sei Dank, wir leben noch.“
Das Haus ihrer Eltern war noch immer in Sichtweite. Genauso wie die Mauer mit der sie fast kollidiert wären. Lindsay strich eine Strähne ihres Haares aus ihrem Gesicht und stieg aus. Sie wollte sehen, ob der Wagen beschädigt war. Noch während sie ausstieg, hörte sie die besorgten Stimmen ihrer Eltern und von Sue und Jack. Levi bellte sogar.
Schließlich hatten ihre Eltern das gestrandete Fahrzeug erreicht. „Ist alles in Ordnung?“, wollte Lindsays Mom wissen.
„Ja, uns geht es gut. Es ist nur… Für eine Sekunde dachte ich, der Fluch schlägt wieder zu“, erklärte sie. Nach ihrer zweiten missglückten Hochzeit hatte sie ihren Eltern von der Theorie, sie sei verflucht, erklärt. Beide hatten aufmerksam zugehört, obwohl Lindsay eher erwartet hatte, dass sie lachen würden.
Tränen standen jetzt in Lindsays Augen. „Es ist, weil….“
„Wir wissen, dass du Connor liebst“, sagte ihre Mutter und umarmte Lindsay fest, „Nach zwei schiefgelaufenen Hochzeiten habe ich ein Radar dafür.“ Ann Hudson sah ihren Mann an, „Und jetzt müssen dein Vater und ich dir etwas sagen.“ Ann schob ihre Tochter von sich. Sie überließ es Connor, einen Arm um Lindsay zu legen.
„Chad ist bereits mein dritter Ehemann…“
„Aber…“, sie schniefte unter Tränen, „Ich dachte, nachdem Dad gestorben ist, ist er erst dein zweiter Mann.“
„Mein erster Verlobter hat mich zwanzig Minuten vor der Hochzeit verlassen und auf dem Weg zu seinem Auto wurde er von einem anderen Auto überfahren. Dein Vater, mein zweiter Mann, ist an einem Schlaganfall verstorben nachdem wir zwei wunderschöne Jahre lang verheiratet waren und ein wunderschönes Baby bekommen haben: Dich“, erklärte Ann und natürlich wusste Lindsay das, „Aber Chad und ich, wir sind schon seit 30 Jahren glücklich. Du weißt, was das heißt.“
Tatsächlich hatten Anns Worte Lindsay dazu bewogen, nachzudenken.
„Gib Connor eine Chance.“
Lindsay nickte vorsichtig. Sie sah zu Connor, „Wenn du das denn noch immer willst.“
„Ja.“

My heart would break without you
Might not awake without you
Been hurting low, from living high for so long
I'm sorry, and I love you
Stay with me, "Bell Bottom Blue"
I'll keep on searching for an answer cause I need you more than dope
I need you more than dope
Need you more than dope          (“Dope” by Lady Gaga)

30 Jahre später erklärten Connor und Lindsay ihrer Tochter, nachdem deren zweite Hochzeit geplatzt war, dass sie die Liebe ihres Lebens erst im dritten Anlauf finden würde…

Fin
 
 
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