Shadow Falls. Die Geschichte von Rose

GeschichteFantasy / P12
14.02.2014
09.08.2019
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Hallo erstmal :)
Das hier ist meine erste Fanfic und ich hoffe, sie gefällt euch. Seid mir bitte nicht böse, wenn irgendwas nicht ganz so perfekt läuft, ich übe noch :D
Na dann, viel Spaß beim Lesen, über Reviews würde ich mich sehr freuen :))
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"Bitte was?! Wo wollt ihr uns hinschicken?!" Vollkommen entsetzt starrten mein Zwillingsbruder Jasper und ich unsere Eltern an.
Wir hatten gerade erfahren, dass wir für ein Sommercamp angemeldet wurden, in dem wir unsere ganzen Ferien verbringen mussten.
"Es ist nur zu eurem besten. Wir sind mit euch einfach überfordert. Dort werdet ihr es besser haben, Shadow Falls ist wunderschön", versuchte Mum uns zu überzeugen.
"Und nur, weil wir manchmal ein paar Probleme verursachen, schickt ihr uns gleich in ein Camp für Schwererziehbare?!" Ich konnte es echt nicht fassen.
'Ein paar Probleme' war sogar übertrieben. Jasper wollte mich nur beschützen. Er spielte die Rolle als 'Beschützerbruder' perfekt, auch wenn er nur zwei Minuten älter ist. Das machte gar nichts, ich fühlte mich ihm total verbunden, obwohl wir im Prinzip komplett verschieden sind. Er kommt nach Mum, ich nach Dad. Zudem würden wir in manchen Situationen grundlegend anders reagieren.
Nun aber einmal kurz zurück zum 6. Juni diesen Jahres. Ben Brown konnte mich noch nie leiden. Als ich ihn dann am besagten Tag auf dem Schulflur ausversehen, ja, es war wirklich unbeabsichtigt, angerempelt hatte, ist er vollkommen ausgetickt. Er ging auf mich los, packte mich am Kragen und drückte mich gegen die Wand aus Schließfächern. Wie ein Wunder kam Jasper gerade in diesem Moment um die Ecke gelaufen. Er sah mich und nunja, wie soll ich sagen, dann hat er Ben eben eine runtergehauen. Natürlich ist Ben einer dieser Jungs mit reichen Eltern. Als sein Vater daraufhin Mum und Dad mit einer Klage drohte, war bei ihnen das Fass übergelaufen, womit wir bei heute, 20. Juni, genau zwei Wochen später, angekommen sind.
Wütend schlug Jasper mit seiner Faust auf unseren Küchentisch. "Und was ist mit unseren Freunden?! Und den ganzen Plänen für den Sommer?!"
Dad antwortete: "Die werden es überleben. Zudem geht das Camp ja nur drei Monate." Er stoppte, dann fügte er hinzu: "Übrigens: Morgen früh geht's schon los, ihr solltet also besser anfangen, eure Koffer zu packen."
"Einen Scheiß werd ich tun! Ihr versaut unser ganzes Leben!" Mit diesen Worten rannte ich hoch in mein Zimmer.
Ich hörte nur noch, wie meine Mutter "Rosalie Joana Gomez!" rief.
Jetzt wandte sie schon die Nummer mit dem vollen Namen an.
Konnte sie mich nicht einfach nur Rose nennen? So wie alle es taten? Das war doch nicht schwer!
Ich ließ mich auf's Bett plumpsen. Dann lauschte ich. Unten war es wieder ruhig. Anscheinend hatten sich alle etwas abgeregt.
Krampfhaft fing ich an zu überlegen, wie ich die Fahrt ins Camp verhindern konnte, doch unglücklicherweise fiel mir keine brauchbare Möglichkeit ein.
Da klopfte es an meiner Tür.
"Ich bin nicht da!", schrie ich genervt.
Trotzdem öffnete sich die Tür und Jasper trat ein.
"Ich bin's", flüsterte er.
Kurzerhand ging mein Zwilligsbruder zu meinem Schrank und holte meinen Koffer raus.
"Was machst du da?" Ich sah ihn an.
Er beantwortete meine Frage nach kurzem Zögern: "Du musst deinen Koffer packen. Wir können Mum's und Dad's Entscheidung nicht mehr ändern. Und sei ehrlich: Besser, wir gehen für drei Monate in dieses Camp, als dass wir verklagt werden."
Wie war das? Was hatte mein Bruder denn jetzt plötzlich?
"Willst du mich verarschen?" Ich konnte meinen Schock nicht verbergen.
"Rose. Du bist 16. Denk bitte mal etwas mehr an die anderen."
"Jetzt stempel mich hier nicht als egoistisch ab!", erwiderte ich sauer.
Daraufhin verließ er ohne ein weiteres Wort das Zimmer und ließ mich verdutzt zurück.
Hatte er womöglich recht? Ich wollte doch auch nicht, dass unsere Eltern wegen uns Ärger bekamen, aber noch weniger wollte ich meinen Sommer in einem Camp voller Kleinverbrecher verbringen.
Ich seufzte und blickte auf mein Handy. 20 Uhr. Langsam stand ich auf und holte aus allen Ecken irgendwelche Dinge, die wichtig sein könnten, um in einem Camp voller Schwererziehbarer zu überleben, und warf diese ohne jegliche Ordnung in meinen Koffer.
Kurze Zeit später war ich fertig. Insgeheim hatte ich gehofft, Mum würde nochmal reinschauen, doch sie tat es nicht. Dafür blickte Dad um halb 10 einmal rein. Ich stellte mich schlafend.
Doch wie immer konnte ich Dad damit nicht täuschen, weil er sagte: "Um 11 Uhr morgens fährt der Bus. Da wir erst noch ca. 40 Minuten zum Abfahrtsplatz fahren müssen, wird Mum dich morgen um 9 Uhr wecken. Gute Nacht."
Mir war es egal. Mir war einfach alles egal.
Mit diesem Gedanken schlummerte ich ein. Ich träumte von Ben Brown, von seinem hämischen Grinsen, wenn er mich 'Klein-Gomez' nannte, von engen Gefängniszellen und von Massen an muskulösen Männern, die Jasper in einen Streit verwickelten und ihn blau und blutig schlugen.


"Rose aufstehen." Ich reagierte nicht.
"Rose, stehst du jetzt bitte auf?" Nein, ich wollte nicht aufstehen.
Im nächsten Moment wurde ich unter der Masse des Körpers meines Bruders fast zerquetscht.
Lachend schubste ich ihn von mir runter.
Ach Jasper. Durch ihn bekam ich einfach immer gute Laune.
"Geht doch." Zufrieden nickte er.
Ich zog mich an, wie in Zeitlupe, obwohl ich wusste, dass ich an Mum's und Dad's Entscheidung nichts mehr ändern konnte. Wenn ich dafür sorgen sollte, dass wir den Bus verpassen, würde Dad uns eigenhändig ins Camp bringen und als Strafe einen ultrapeinlichen Auftritt hinlegen. Das wollte ich keinem der Beteiligten antun.
Um möglichst unscheinbar zu wirken, wählte ich eine kurze Jeans, sowie ein verwaschenes, hellgrünes T-shirt. Natürlich hätte ich mich besonders hübsch machen können. Tat ich aber nicht. Etwas Mascara und ein bisschen Lipgloss mussten für unseren Trip in die Hölle reichen.
Missmutig stopfte ich dann das Frühstück in mich rein, das Mum liebevoll zubereitet hatte.
Jasper war noch oben. Ich warf Mum und Dad die ganze Zeit über giftige Blicke zu. Aber entweder, sie bemerkten sie nicht, oder sie ignorierten sie, denn ansehen konnte man ihnen absolut gar nichts.
"Wer von euch beiden fährt uns gleich zum Abfahrtsplatz?" Jasper kam die Treppe runtergeschlendert.
"Euer Dad", antwortete unsere Mutter anstelle unseres Vaters.
"Genau. Gut, dass du das ansprichst. Wir sollten nämlich jetzt langsam auch mal los. Ich warte draußen." Dad nahm unsere Koffer mit aus dem Haus raus.
Mum drückte jeden von uns einzeln und gab uns einen Kuss auf die Stirn. Weil das der letzte Kuss für eine längere Zeit sein würde, wollte sie uns schon gar nicht mehr loslassen.
Komisch, mit der Abfahrt konnte es ihr nichts schnell genug gehen.
Jasper legte einen Arm um meine Schultern. "Wir gehen."
So traten wir aus dem Haus, setzten uns ins Auto und schwiegen. Keiner sagte ein Wort, als Mum uns mit Tränen in den Augen von der Haustür aus zum Abschied zuwinkte.


Auf dem Abfahrtsplatz standen viele Busse startbereit, die alle in unterschiedliche Camps fahren würden. Um die Busse verteilt, sah man Mädchen und Jungen, mit und ohne Eltern, in Gruppen und allein.
Dad warf uns zuletzt ein schroffes "Tschüss!" zu, dann fuhr er ohne Umarmung oder derartiges davon.
Es versetzte mir einen Stich in meinem Herzen, dass er einfach so gegangen war.
Nun standen wir da, allein, kein Plan von nichts.
Konnten wir nicht einfach in einen anderen Bus steigen? Würde das auffallen?
Einige der anderen Leute hatten unsere Ankuft jetzt auch realisiert, denn sie starrten uns ganz unverhohlen an. Manche zuckten fast unmerklich mit den Augenbrauen. Daraufhin sah man Freude oder Ärger in ihren Gesichtern und sie drehten sich wieder weg.
Irritiert blickte ich Jasper an.
"Tut mir leid, ich hab auch keine Ahnung, was das gerade war", meinte er schulterzuckend, sodass mich ein mulmiges Gefühl beschlich.
Plötzlich trat eine kleine Frau mit einem Schild neben einen Bus. Wie nicht anders zu erwarten, stand auf dem Schild 'Shadow Falls Camp'.
Monoton fing sie an, Namen vorzulesen.
Ich bemerkte, wie ein paar Personen sich von ihrer Gruppe lösten und im Bus verschwanden.
"Amber Armstrong, Nikolette Dombay, Jasper William Gomez, Rosalie Joana Gomez, ..." Na toll. Wie klar, dass wir gleich mit unseren vollen Namen aufgerufen werden.
Langsam und in der Hoffnung, Mum und Dad würden wie Superhelden angesaust kommen und uns davor bewahren, in dieses Camp zu fahren, trottete ich meinem Zwilligsbruder hinterher.
Bereits beim ersten Betreten des Busses hatte ich mir gedacht: "Ach du Scheiße- Mum? Dad? Wo habt ihr uns hier nur untergebracht?!"
Denn es saßen schon sieben andere Jugendliche im Bus ... und mehr als die Hälfte waren Goth! Einige hatten Piercings. Nase, Lippe, Augenbraue. Alles war durchlöchert.
Ich wusste nicht, ob ich angeekelt oder fasziniert sein sollte, also ging ich einfach langsam weiter.
Auf einmal stellte sich mir ein Mädchen in den Weg. "Hi."
Es musterte mich. "Dich habe ich hier noch nie gesehen. Ist das dein erstes Jahr? Oh, dann bist du ja ein Neuling! Ich liiiebe Neulinge! Komm, ich weih dich in alle Geheimnisse von Shadow Falls ein!", sprudelte es nur so aus ihr hervor.
Das Mädchen war normalgroß und hatte strahlend grüne Augen. Dagegen sahen meine Augen aus, wie mein T-shirt. Verwaschen. Zudem hatte es relativ lange, glatte, schwarze Haare.
"Tut mir leid, ich sitze dahinten", brachte ich schließlich hervor und zeigte auf Jasper, der sich einen Zweisitzer geangelt hatte.
"Dein Freund?"
"Nein, mein Bruder."
Ohne mich zu bedanken oder zu verabschieden, wanderte ich schnurstracks zu Jasper und ließ mich erschöpft in den Sitz fallen.
Ich konnte nicht anders, als mich für mein Verhalten zu hassen. Normalerweise urteilte ich nicht direkt über die Leute und war definitiv nicht so unfreundlich, doch ich konnte es gerade nicht verhindern.
Als würde er meine innere Wut bemerken, legte Jasper mir behutsam eine Hand auf den Oberschenkel. Ich wusste diese Geste zu schätzen, weil mir klar war, dass er mich beruhigen wollte.
"Jasper?"
"Ja?"
"Ich hab Angst", murmelte ich leise.
"Du musst keine Angst haben. Shadow Falls ist nicht so schlimm, wie du's erwartest." Das Mädchen von vorhin saß plötzlich vor mir.
Wo kam die denn jetzt auf einmal her?
Ich blickte zu dem Platz, auf dem sie vorher gesessen hatte, doch dieser war leer.
"Ich bin übrigens Grace."
"Rose", erwiderte ich knapp.
"Hab ich irgendwas getan, das dich verärgert hat?" Verwirrt sah Grace mich an.
"Lass mich mal kurz überlegen. Unsere Eltern schicken uns in ein Camp für Schwererziehbare. Jetzt sitzen wir mit Freaks in einem Bus. Und anstatt, dass ich in Ruhe Zeit habe, mich auf meinen Untergang vorzubereiten, zwingt mir irgendeine Fremde mit den unnormalsten grünen Augen, die ich jemals gesehen habe, ihre Hilfe auf." Böser als beabsichtigt starrte ich sie an.
Warte mal. Ich musste zwei mal gucken.
Ihre Augen waren nicht mehr grün, sondern blau! Wie ging das denn?!
Da lachte Grace amüsiert. "Schwererziehbar? Meinst du die da hinten?"
Sie nickte einer Kleingruppe Goth zu. "Glaub mir, mit denen hast du mehr gemeinsam, als du denkst. Glaub nicht immer, dass alles, was man dir so erzählt, die Wahrheit ist. Es gibt genug Dinge, die anders sind, und nicht so, wie man erwartet."
Dann zuckte sie mit den Augenbrauen und lächelte noch breiter.
Hä? Was hatte die denn jetzt?
Ein Junge löste sich aus der kleinen Goth-Gruppe und setzte sich neben Grace.
"Sie hat recht", sagte er, während auch er mit den Augenbrauen zuckte.
"Hi, ich bin Chris." Freundlich streckte er mir die Hand aus.
Noch von seinem Aussehen geblendet, ergriff ich sie.
Geschockt ließ ich die Hand allerdings sofort wieder los.
Sie war kalt, sehr kalt.
Jasper, der bis jetzt geschwiegen hatte, legte beschützend den Arm um mich. Er blickte Chris voller Hass an.
Sofort spürte ich die Spannung zwischen den beiden und wusste, dass sie definitiv niemals beste Freunde werden würden.
"Jetzt hört doch mal auf!", fuhr ich sie sauer an.
Warum machte mich ihre Reaktion so wütend? Das hatte mich doch sonst nie so extrem aufgeregt..
Widerwillig drehte Chris sich um und ging zurück zu seinem Platz.
Den Rest der Fahrt starrte ich aus dem Fenster und sah meine Freiheit an mir vorbeiziehen, bis wir um eine Ecke bogen und der Bus hielt.

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So, hier unten bin ich nochmal. :)
Wie hat euch das Kapitel gefallen? Lasst es mich bitte wissen.
Und eine Frage: Habt ihr schon einen Lieblingscharakter? :9
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