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Wie Hund und Katze

von KateRod
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Kat Miller Lilly Rush Nick Vera Scotty Valens Will Jeffries
05.02.2014
05.02.2014
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„Sag mal, Lilly.“
Kat Miller tauchte vor ihrem Schreibtisch auf, als sei sie mitsamt dem Drehstuhl, auf dem sie saß, aus dem Boden des Großraumbüros gewachsen. Lässig schob sie einen Stift, der einige Zentimeter neben der Ablage auf dem ansonsten makellos aufgeräumten Schreibtisch lag, beiseite, plazierte ihre Ellenbogen darauf und stützte ihr Kinn in die Hände.
„Hmmm...“
Die blonde Frau am Schreibtisch vor ihr sah kaum auf.
Stattdessen fuhr sie konzentriert fort, zwei Photos, welche nebeneinander auf dem Bildschirm ihres PCs abgebildet waren, miteinander zu vergleichen.
„Warum starrst du immernoch auf die Bilder?“
Kat schüttelte den Kopf. Ihre braunen Locken flogen.
„Irgendwann bist du blind und dann nützt du uns gar nichts mehr.“
„Hmmm...“
Wieder reagierte die Frau vor ihr nur mit einem unverbindlichen Geräusch, also beschloss sie, deutlicher auf sich aufmerksam zu machen. Kat Miller ignorierte man nicht.
„Lilly Rush!“

Lilly Rush blickte ungehalten hoch, als eine flache Hand auf ihren Schreibtisch knallte. Auf ihrem Gesicht stand deutlich ein Ausdruck, den Kat mittlerweile kannte: zwei Jahre in der Mordkommission, gemeinsam mit Lilly Rush, hätten jedem Menschen beigebracht, dass man sie besser nicht störte, wollte man den „Wenn-es-nichts-Wichtiges-ist-dann-bist-du-besser-schneller-als-ich“-Blick nicht zu sehen bekommen. Den „Ich-bin-ziemlich-genervt-schalte-um-auf-Eisprinzessin“-Blick. Noch besser: man vermied jegliche Situation, in der dieser Blick auf einen selbst zurückfallen würde. Aber das interessierte Kat nicht.
„Was ist denn?“
Kat grinste und zuckte die Schultern. Sie freute sich auf Lils Ausdruck...
„Ich dachte nur... Was denkst du, wenn du Scotty siehst?“

„Häh?“
Vor Überraschung fiel Lil der Füller aus der Hand, den sie fest umklammert hatte.
„Wie kommst du denn jetzt darauf?“
Beinahe hätte sie sich umgesehen, sich davon überzeugt, dass niemand in der Nähe war, der sie hören konnte. Kat sah es an der Art, wie sie ihre Schultern und ihr Kinn verteidigend hob. Sie konnte es sich sparen, das wusste sie, und Lilly wusste genauso gut, dass sie allein waren.
Locker zuckte Kat erneut mit den Schultern und genoss ihren kleinen Triumph.
Lilly Rush verwirrt.
„Hat keinen besonderen Grund – ich wollte dich nur immer mal danach fragen. Ich meine – gut, du arbeitest mit ihm zusammen, nicht ich, deshalb stört es mich nicht weiter – aber ich muss jedes Mal an einen Malteser denken, wenn ich ihn sehe. Ob das an seinem Namen liegt?“

Jetzt starrte Lil sie unverhohlen irritiert an.
Kat feixte. Das war doch mal was Neues! Lilly Rush – irritiert. Die Sensation – 5 Dollar Eintritt!

„Wie – du vergleichst Scotty mit einem kleinen, weißen Terrier?“
„Nja – ein Malteser halt. Klein, weiß, gelenkig und mit einem hohen Bellen...“
„Das ist nicht dein Ernst!“
„Was – wäre dir ein Schäferhund lieber? Groß, gutaussehend und hoffnungslos überzüchtet? Na ja, ich kann sehen, was daran reizvoll währe...“
Sie lachte Lil über den Schreibtisch hinweg an. Die blonde Frau ihr gegenüber liess sich langsam rückwärts in ihren Schreibtischsessel sinken.
„Kat – du vergleichst Scotty mit einem Malteser, weil du einen Malteser Scotty nennen würdest. Vorausgesetzt, du hättest einen.“
Lilsche Logik. Damit hatte sie gerechnet.
„Das kannst du so nicht sagen“, widersprach sie. „Vielleicht würde ich einen Malteser ja auch Scotty nennen, weil ich bei ihm automatisch an Scotty denke?“

Lil runzelte ungehalten die Stirn.
„Ha, ha. Kannst du mir jetzt verraten, was das soll?“
„Was siehst du in Scotty?“
„Ganz sicher keinen Malteser!“

Kat pustete sich ihr Pony aus der Stirn.

„Bist du jetzt sauer?“
„Wieso sollte ich!“
„Du wirkst aber so.“

Graublaue Augen blitzten sie an. Lil entwickelte Elan – wenn es um Scotty ging, immer. Oder erschien ihr das nur so?

„Himmel! Entschuldige bitte, dass ich wütend bin, weil du meinen Partner mit einem Malteser vergleichst! Aber nein, ich bin nicht sauer. Ich muss arbeiten.“

„Und du bist eine Katze.“
Kat liess sich nicht aus dem Konzept bringen – das zog sie jetzt durch.
„Einzelgängerisch und kratzbürstig.“
„Vielen Dank“, knurrte Lil.
Kat legte den Kopf in den Nacken und lachte leise.
„Lilly und Scotty. Scotty und Lilly. Süß, nicht?“
Entsetzt blickte ihre Freundin von dem Papier auf, welches sie verzweifelt zu lesen versuchte.
„Wie bitte?“
„Ist dir das noch nicht aufgefallen? Scotty und Lilly. Lilly und Scotty. Sogar eure Namen sind gleich! Katze und Hund arbeiten zusammen... Irgendwie kann ja nichts aus euch beiden werden!“

„Kat“, quetschte Lil zwischen zusammengequetschten Zähnen hervor.
„Jetzt reichts!“

Kat dachte nicht dran, aufzuhören. Sie war in ihrem Element.
„Deshalb ist also noch nie etwas zwischen euch beiden passiert – obwohl ihr so viele Gelegenheiten hattet. Unterwegs wart ihr schließlich oft genug zusammen. Obwohl ich dir da nicht ganz traue, muss ich es wohl glauben, wenn du sagst, ihr hättet nie etwas miteinander gehabt... Schade - dabei passt ihr so gut zusammen!“

Ruckartig stand Lil auf, packte ihre Kaffeetasse, die auf dem Tisch wartete, und verliess mit großen Schritten das Büro in Richtung Pausenraum. Kat rollte langsam mit dem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ich wusste es“, frohlockte sie zufrieden. „Ich wusste es!“
„Sie passen heute besser auf, Miller“, riet Will Jeffries, der an ihr vorbeiging. „Manche Leute sollte man sich besser nicht zum Feind machen.“
„Was wussten Sie?“, fragte Nick Vera.
„Ich wusste, dass da was zwischen Rush und Valens ist“, sagte sie fröhlich, stieß sich vom Schreibtisch ab und rollte durch das Büro.
„Was?“ Nick schüttelte den Kopf. „Nein. Rush und Valens? Niemals.“
„Glauben Sie, was Sie wollen“, konterte sie. „Frauen haben einen Riecher dafür. Warten Sie es einfach mal ab. Und im Übrigen wissen es alle in diesem Präsidium, nur die Beiden nicht.“
Ein Seitenblick traf Nick.
„Und Sie, wie es ausschaut.“
„Na hören Sie mal“, setzte Nick an und stockte. „Egal. Ich halte dagegen. Wenn zwischen Rush und Valens etwas ist, dann lade ich Sie zum Abendessen ein.“
„Super. Nächsten Samstag hätte ich Zeit. Und das Alfredos ist spitze.“
„Ha-ha. Sehr lustig.“
Will schüttelte ob der Plänkelei seiner Kollegen besorgt den Kopf.
„Manchmal ist es nicht gut, sich in solche Dinge einzumischen.“
„Kommen Sie, Will. Man kann es ja nicht mitansehen, wie die um einander herumschleichen. Wäre es nicht besser, jemand gibt ihnen einen Schubs in die richtige Richtung? Abgesehen davon, dass es durchaus langsam mal an der Zeit wäre, dass etwas passiert, würde es uns die Zusammenarbeit mit ihnen gewaltig vereinfachen.“
Der große Mann presste die Lippen zusammen.
„Oder deutlich verkomplizieren. Bitte, Miller. Tun Sie es nicht. Lassen Sie es einfach wie bisher weiter laufen, okay?“
Für eine Weile starrte Kat in die schwarzen Augen des Kollegen. Dann nickte sie ruckartig.
„Gut – ich lasse es auf sich beruhen.“
Erleichterung streifte sein Gesicht.
„Danke.“
„Aber!“ Der Schalk war zurückgekehrt. „Aber ärgern darf ich sie weiterhin, oder?“
Will seufzte, Nick grinste.
„Treiben Sie es nur nicht zu weit.“

„Ihr kann halt niemand entkommen“, merkte Scott Valens an, nachdem er eine Weile beobachtet hatte, wie seine Partnerin Kat Miller mit bösen Blicken traktierte. Lil seufzte.
„Und Ideen hat sie“, sagte sie, mehr zu sich selbst.
„Bitte?“
„Nichts.“
Jetzt war es an Scotty, Kat genauer zu mustern. Die störte sich nicht weiter daran und warf ihm einen fröhlichen Blick zu.
„Schön, dass Sie wieder da sind, Scotty. Lilly hat Sie schon vermisst!“
Die stöhnte auf.
„Hören Sie nicht hin“, bat sie ihn. Verwundert sah er erst sie von der Seite an, dann die dunkelhäutige Kollegin. Als er aber Kats gemeines Grinsen sah, ging ihm ein Licht auf. Er grinste ebenfalls.
„Ich freue mich auch, Sie zu sehen, Katty!“

Lilly Rush brach in lautloses Gelächter aus.

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Das war er dann auch mal wieder von mir :)
Ich hoffe ihr hattet spaß beim lesen und lässt mir paar reviews da :)
Lg KateRod
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