Ruhestörung

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P16 Slash
Charles Pic Jenson Button Max Chilton
04.02.2014
18.02.2014
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Part II – Was am nächsten Morgen geschah


Jules fühlte sich unwohl. Doch nicht etwa auf eine halbwegs normale Art und Weise oder so, wie man sich eben fühlte, wenn eine ordentliche Erkältung im Anzug war. Nein, er wurde nicht krank und zum ersten Mal, seit er denken konnte, bedauerte er das von ganzem Herzen. Es wäre auch zu schön gewesen, wenn er sich einfach in seinem Hotelzimmer hätte verkriechen und den ganzen Tag dort bleiben können. Er wollte Max nicht unter die Augen treten. Nicht heute, nicht so! Nicht nach gestern Abend! Und dabei konnte sein jüngerer Teamkollege gar nicht wissen, was sich bei ihm noch abgespielt hatte. Dafür war er bestimmt viel zu sehr mit Jenson beschäftigt gewesen.

Mit klammen Fingern zog er die Zimmertür hinter sich zu, nachdem er auf den Flur hinausgetreten war. Es ließ sich nicht noch länger aufschieben, beim Frühstück zu erscheinen, sonst würde Andrea ihn noch suchen kommen und das war etwas, worauf der junge Franzose gut und gerne verzichten konnte. Denn sollte es so weit kommen, würde er eine Menge Fragen beantworten müssen, über die er nicht einmal nachdenken wollte. Dafür steckte ihm der Abend noch zu sehr in den Knochen.

Dabei war eigentlich nichts passiert. Eigentlich!

Uneigentlich hatte er Charles geküsst und das war ganz sicher nicht nichts! Das war gegen alle Regeln und wurde auch nicht besser dadurch, dass Charles damit angefangen, ihn zuerst geküsst hatte.

Er ging zu den Fahrstühlen am anderen Ende des Flurs, drückte dort den passenden Knopf und musste erst einmal warten. Zwar hätte er auch einfach die Treppe nach unten nehmen können, das wäre wohl schneller gegangen, doch ihm war nicht danach. So wirr, wie es sich in seinem Kopf im Moment anfühlte, würde er auf den glatten Stufen womöglich noch ausrutschen oder gar über seine eigenen Füße fallen – beides kein Ereignis, auf das er sonderlich erpicht war.

„Guten Morgen“, erklang es plötzlich heiter und unverkennbar neben ihm, „Gut geschlafen?“

Er bedachte Max mit einem finsteren Blick. „Frag nicht.“

Es schien den Engländer nicht zu beeindrucken. „Oh, oh, so schlecht?“

„Ja“, murrte er und hoffte, ihn mit der einsilbigen Antwort abschrecken zu können. Nur hatte er diese Rechnung leider ohne den Jüngeren gemacht:

„Schlecht geträumt?“

„Nein.“

„Konntest du nicht einschlafen?“

„Nein.“

„Hätte mich auch gewundert“, fuhr Max gut gelaunt im Plauderton fort, „Ist doch super, wenn man sich ’nen Abend Zeit nehmen kann, um was mit ’nem Landsmann zu machen. Beugt Heimweh und sowas vor, wenn du mich fragst.“

Jules warf ihm erneut einen finsteren Blick zu, wieder ohne jeglichen Erfolg, denn Max fuhr einfach fort:

„Oder war Charles gestern nicht mehr bei dir? Ich dachte, ihr wolltet zusammen ’nen Film schauen.“

„Haben wir auch gemacht“, knurrte er ungehalten, musste unfreiwillig auch daran denken, dass sie das Ende desselben nicht mehr miterlebt hatten. Dass sie mit sich selbst zu beschäftigt gewesen waren. Es war nicht bei dem einen Kuss zum Ausprobieren geblieben. Der erste hatte sie nur noch skeptischer gemacht, es sie erneut versuchen lassen und dann noch mal und noch mal und noch mal und immer weiter, schließlich auch mit Zunge und dann nicht mehr nur auf den Mund. So lange, bis Charles plötzlich hörbar keuchend von ihm abgerückt war, sich regelrecht von ihm losgerissen hatte. Und erst da war ihm aufgefallen, wo seine Hand gerade noch gewesen war. Dass sie sich zwischen Charles’ Beine geschlichen hatte. Und das war es dann gewesen, sie hatten beide peinlich berührt geschwiegen, sich immer wieder verstohlene Blicke zugeworfen, waren unruhig auf dem Bett hin und her gerutscht, bis Charles unsicher gestammelt hatte, es wäre Zeit für ihn, zu gehen. Und das hatte er dann auch getan. Er war gegangen, regelrecht geflüchtet, hatte sogar die mitgebrachten DVDs liegen lassen.

„Und trotzdem bist du schlecht drauf? Habt ihr euch gestritten?“

„Geht dich das was an?“, wollte Jules harsch wissen.

Max zuckte die Achseln. „Ich frag ja nur.“

Die Fahrstuhltüren öffneten sich beinahe lautlos und sie betraten die glücklicherweise leere Kabine. Jules drückte den Knopf fürs Erdgeschoss.

„Und wie war’s mit Jenson?“ Die Frage war ihm entschlüpft, obwohl er sie nicht hatte stellen wollen. Schließlich war nicht zu überhören gewesen, wie die beiden Engländer ihren gemeinsamen Abend verbracht hatten!

Max grinste: „Ach, wie immer. Nichts außergewöhnliches. Du weißt schon, was man eben so an einem Mittwochabend vor einem Rennwochenende machen kann, wenn man den Film nicht bekommt, den man eigentlich schauen wollte und sonst im Fernsehen nichts Gutes läuft.“

Schlagartig war ihm nach Schreien zumute. Wie um alles in der Welt konnte Max das nur so salopp sagen, wenn er doch genau wissen musste, dass man die Geräusche ihrer Aktivität in den angrenzenden Zimmern gehört haben würde? Es war doch kein Geheimnis, dass die Wände in Hotels nicht die dicksten waren!
Entsprechend froh und erleichtert war er, als die Fahrtstuhltüren sich zum zweiten Mal öffneten und er der Enge der Kabine und vor allem auch Max’ Nähe entkommen konnte, bevor ihm wirklich der Schweiß ausbrach. Er musste unbedingt weg von hier, weg von Max und das so weit wie irgend möglich! Hastig murmelte er eine fadenscheinige Entschuldigung in Max’ Richtung und nahm den nächsten Fahrstuhl zurück zu der Etage, auf der ihre Zimmer lagen. Würde er seinen Teamkollegen jetzt auch noch während des Frühstücks ertragen müssen, würden ihm wohl endgültig die Nerven durchgehen.

Was er so jedoch nicht sah, war, wie Max grinsend sein Smartphone zückte, eine Nachricht tippte, sie abschickte und anschließend sehr beschwingt den Speisesaal betrat, um sich zu Sam, seinem Physio, zu setzen.



***

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