Ruhestörung

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P16 Slash
Charles Pic Jenson Button Max Chilton
04.02.2014
18.02.2014
3
3262
4
Alle Kapitel
25 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Disclaimer: Ich kenne keinen der vorkommenden Prominenten persönlich, habe keinerlei Rechte an ihnen oder an sonst irgendwas, das mit ihnen zusammenhängt, und selbstverständlich verdiene ich mit dieser Geschichte kein Geld. Was es hier zu lesen gibt, ist Fiktion und basiert demzufolge auch nicht auf irgendwelchen realen Ereignissen.

English Version: I do not own anyone, this is purely fictional. If you got here by googling yourself please I urge you go back now!

A/N: Mir war danach, ein wenig mit orangen Zitrusfrüchten zu schmeißen...






Ruhestörung



Part I – Was in Zimmer 513 geschah


„Du hast gar nicht erzählt, dass du das Zimmer neben Jenson hast“, ließ Charles hörbar pikiert verlauten, als er die Tür zu Jules’ Zimmer hinter sich schloss.

Sein Landsmann legte die DVDs, die er mitgebracht hatte, auf den Tisch und drehte sich zu ihm um, bevor er erwiderte: „Hab ich ja auch nicht! Auf der einen Seite ist Max’ Zimmer und auf der anderen Andreas.“

„Aber ich hab genau gesehen, wie Jenson nebenan ins Zimmer gegangen ist!“, beharrte er. Er würde ja wohl noch einen der anderen Fahrer in einem vorbildlich beleuchteten Hotelflur erkennen, wenn er ihn sah!

Jules zuckte die Schultern. „Vielleicht besucht er ja Max.“

„Warum sollte er?“

„Warum denn nicht? Weißt du, was Engländer so für Kram haben, den sie nur unter sich besprechen können?“

Er seufzte. Das wusste er selbstverständlich nicht und es interessierte ihn als Franzosen eigentlich auch kein Stück. Vielleicht war es besser, das Thema einfach fallen zu lassen und zu dem zurückzukommen, was sie geplant hatten:

„Schon für ’nen Film entschieden?“

„Klar – bei deiner Auswahl nicht weiter schwer.“

„Was soll das denn heißen?!“ Es war sicher nicht seine Schuld, wenn die Vorgaben blöd und Zeit und Möglichkeit, etwas zu besorgen, zu wenig vorhanden gewesen waren. Da hatte er seiner Meinung nach noch Glück gehabt, Bienvenue chez les Ch’tis, Astérix et Obélix contre César und Astérix aux Jeux Olympiques ergattern zu können, obwohl das auch nicht gerade seine Lieblingsfilme waren. Doch darum ging’s nicht. Nur darum, ein wenig Ruhe und Abstand zum ganzen Trubel eines Rennwochenende zu haben und wenn nebenbei ein Film lief, war es kein großes Problem, wenn sie mal für eine Weile schwiegen.

„Mann, Charles, stell dich nicht so an. Ist doch klar, dass wir Astérix aux Jeux Olympiques anschauen – der ist mit Michael Schumacher und Jean Todt.“ Jules lachte und schob die beiden unrühmlich aussortierten Filme zur Seite.

Sie hatten es sich auf Jules’ Bett gemütlich gemacht, weil die Couch zwar hervorragend zur Einrichtung des Zimmers passte, sich jedoch nicht im Geringsten zum Sitzen eignete mit ihrer steinharten Sitzfläche und der watteweichen Rückenlehne. Da hatte derjenige, der das Zimmer eingerichtet hatte, bei der Auswahl besagten Möbelstücks gewaltig ins Klo gegriffen. Allerdings waren Probleme ja bekanntlich Lösungen in Arbeitskleidung und das Bett als Couchersatz prädestiniert, weil man den Fernseher auch von dort aus hervorragend sehen konnte.

„Also ohne Brutus wäre der Film nur halb so gut, glaube ich“, stellte Charles nach dem ersten gezeigten und gescheiterten Mordversuch an Cäsar fest.

„Weil er ein Trottel ist?“

„Ja, genau und -“

Ein Knacken und Knirschen unterbrach ihn abrupt, ließ ihn sich halb umdrehen und die Wand hinter sich irritiert ansehen.

„Was war das denn?“, wollte er dann wissen.

„Keine Ahnung“, murmelte Jules und warf nun seinerseits einen Blick über die Schulter. Nur Sekunden später war ein etwas verhaltenes Stöhnen zu hören, das sie beide schwer schlucken ließ. Konnte es etwas sein, dass... Ein zweites Stöhnen folgte, etwas lauter diesmal.

„Wollen wir den Fernseher mal lauter stellen?“, erkundigte Charles sich mit verlegenheitsroten Wangen und nickte in die Richtung des Elektrogerätes. „Ich möchte nämlich echt nicht hören, was die beiden da drüben treiben.“

„Bitte was?!“, schnappte Jules nach Luft, „Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass die da -Nein! Das ist doch Unfug!“

Erneutes Knacken und Stöhnen ließ sie beide zusammenzucken.

Charles verzog leicht das Gesicht. „Sicher?“

Doch statt zu antworten griff Jules nach der Fernbedienung und machte den Fernseher lauter. Eine erfolglose Maßnahme, denn auch das nächste Stöhnen, Keuchen, Krachen des Bettes im angrenzenden Zimmer gegen die Wand wurde davon weder leiser noch übertönt.

„Glaubst du immer noch, dass es Unfug ist?“, wollte Charles nach weiteren fünf Minuten wissen, in denen die mehr als verdächtigen Geräusche nebenan mal lauter, mal leiser waren, aber in keinem Fall zu überhören. Er hielt den Blick starr auf den Fernseher gerichtet, als wolle er die Röte in seinen Wangen dadurch vertuschen.

Jules’ Antwort klang peinlich berührt: „Nein, also... nein, aber...“

„Was aber?“

„Aber das ist... Mann, Charles, Jenson ist alt!“

„Hä? Was hat das damit zu tun, dass er und Max -“

„Würdest du mit ’nem Kerl ins Bett gehen, der zehn Jahre älter ist als du?“, präzisierte Jules sein eigenes Gestammel und brachte Charles damit noch ein wenig mehr zum Erröten:

„Ich weiß nicht mal, ob ich was mit ’nem Kerl haben wollen würde, der genauso alt ist wie ich. Das kratzt doch total beim Küssen und... und...“

„Ja, genau“, pflichtete Jules ihm bei, „Was findet man daran?“

„Frag mich was leichteres.“

Sie verfielen wieder in Schweigen. So lange, bis nebenan endlich Ruhe eingekehrt war. Erst dann wagte Charles, sich leise zu räuspern:

„Aber wir könnten’s rausfinden.“

„Wie jetzt?“

„Na, wie eklig und kratzig das beim Küssen wirklich ist“, erklärte sich der Jüngere, doch Jules verzog zweifelnd das Gesicht:

„Meinst du?“

„Ist doch ’ne gute Idee. Wir probieren das aus, sind hinterher schlauer und niemand wird je was davon erfahren. Wenn hier heute jemand noch irgendwas Doppeldeutiges hört, dann wird er’s garantiert auf Max schieben. Wir wären in jedem Fall aus dem Schneider.“

„Ja, das ist was dran...“ Der Marussia-Pilot legte den Kopf ein wenig schief. „Aber zu niemandem ein Wort darüber. Bei Ferrari würden sie mich bestimmt gnadenlos vom Hocker stoßen, wenn’s jemand erfährt.“

„Versprochen“, lenkte Charles sofort ein, „Mir würde’s doch auch nicht anders gehen. Also Hand drauf?“

„Hand drauf“, bestätigte Jules, doch es führte nur dazu, dass sie nach dem Handschlag nebeneinander saßen, sich immer wieder verstohlene Blicke zuwarfen und beide nicht wussten, wie und ob sie den Anfang machen sollten. Erst als der Film zum großen Wagenrennen kam, räusperte Charles sich erneut:

„Wollen wir’s hinter uns bringen?“

„Ja. Je schneller, desto besser.“ Jules drehte sich zu seinem Landsmann um. „Aber ohne Zunge, klar?“

„Glasklar“, erwiderte Charles, beugte sich vor und küsste Jules.

Aber es war nicht so unangenehm, eklig und kratzig, wie sie es sich beide ausgemalt hatten.



***

Meinungen, Kommentare, Anregungen?
Review schreiben