This one, perfect kiss

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
Alexander Cassander Hephaestion
03.02.2014
03.02.2014
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Eine Kleiningkeit, inspiriert durch den Song "Kiss" von KoRn :-)






~~This one, perfect kiss


„...hast du doch, oder?“
Die eilige Lippen Bewegung stoppt, zwei tiefblaue starren mich auffordernd, erwartungsvoll, wie auch glasig an. Du hast deinen Kopf leicht schräg gelegt, sodass eine Strähne sich aus deinen braunen Haaren löst und dir sanft ins Gesicht fällt. Wieder wird mir klar, wie atemberaubend schön du doch bist, Hephaistion. Wie deine liebevolle Stimme selbst zwischen dem ganzen Gebrüll der anderen Männer und Frauen, die sich gleich neben uns ununterbrochen unterhalten und betrinken, nicht verliert.  Es schien eher, als wären wir beide von allem abgeschirmt, sobald sich deine vollen Lippen in wieder Bewegung setzten und du sprichst. Nur zu mir sprichst, weil du nur Augen für mich hast.
„Hörst du mir zu?“
Du verlagerst dein Gewicht auf meinem Schoß und beugst dich nach vorne, sodass unsere Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt sind. Sofort steigt mir dein unvergleichbar süßer Duft in die Nase. Ein Duft, süßer als jeder Honig, als jeder Wein den ich je gekostet habe. Es ist mir nicht möglich es in Worte zu fassen. Es ist schwer eine Person wie dich in Worte zu fassen, denn keine der mir bekannten Worte sind deiner Erscheinung würdig. Aber mir bleibt keine Zeit deinen Duft  zu genießen, zu sehr lenken mich wieder die vollen Lippen ab, die vor meinen Augen hin und her schwanken. Hephaistion: du schwankst. Wir haben beide viel Wein getrunken und genau das wird mir gerade wieder bewusst.
Wie selbstverständlich wandern meine Hände an deine schmalen Hüften, stützen dich, halten dich fest an Ort und Stelle. Ich halte dich so nahe wie möglich bei mir. Ich gebe dir halt. Du legst deinen Kopf schräg und suchst Blickkontakt zu mir.
Gerade, als ich zu einer Antwort ansetzen will, erscheint Alexander in meinem Blickfeld. Ich sehe ihn über deine Schulter hinweg, habe ihn sofort bemerkt. Ich würde ihn immer und überall bemerken.
Alexander steht da, ein wenig verloren, und starrt zu uns rüber. Er ist eifersüchtig. Er ist unglaublich eifersüchtig. Denn er begehrt was seit Jahren mein ist. Augenblicklich ziehe ich dich näher an mich und kann mir auch ein Grinsen nicht verkneifen, als ich nun ganz deutlich den Hass in Alexanders Gesichtszügen erkenne. In meinen Augen ist er armselig. Niemals würdest du, mein wertvollster Schatz, ihn auch nur eines Blickes würdigen: nur einen noch so banalen Gedanken an jemanden wie ihn verschwenden. Alexander hasst mich, wie ich ihn hasse: Denn ich habe, was er nicht hat, niemals haben wird: ich habe das, nach dem es ihm am meisten verlangt. Du kicherst und ich konzentriere mich wieder nur auf dich. Denn du, Hephaistion, bist mein.
Die Lippen, die sich nun weich und anschmiegsam auf meine legen, sind mein. Aphrodite selbst wäre vor Neid erblasst, wäre ihr diese weiche Haut bekannt: wüsste sie um die Existenz dieses einen perfekten Wesens.
Dieser eine, Perfekte Kuss.


Unruhig wälze ich mich in meinem Bett, bevor mir die Sonne direkt ins Gesicht scheint und ich endgültig erwache. Mein Kopf dröhnt und ausgeschlafen bin ich definitiv auch nicht. Viel zu viel Wein. Viel zu viel Wut und Hass. Ich seufze: Wieder so ein Traum. Vorsichtig öffne ich die Augen und hebe gleichzeitig meine Hand um mich ein wenig von dem Sonnenlicht abzuschirmen. Murrend drehe ich mich um, weg von dem grellen Licht, in der Hoffnung noch einmal einzuschlafen zu können. Doch ich stocke. Plötzlich bin ich hellwach, mein Kopf denkt unglaublich klar und ich starre noch verschlafen auf den braunen Haarschopf, der neben mir aus der Decke schaut. Schönes. Weiches Braunes Haar. Geradezu seidige Locken. Ich brauche einige Sekunden, bevor mich alle Erinnerungen von gestern ereilen und ich mich versichernd im Raum umsehe. Großes Bett,viele verschiedene Fell, hier und da Gold... Das große Mosaik meines Vaters. Der, der ja stolz auf mich sein sollte. Der mir Vorbild sein sollte. Zweifelsohne meine Gemächer. Genervt stütze ich mich auf meine Ellenbogen und setze ich mich ganz auf. Ich bin es leid.
Es war alles kein Traum gewesen.
Es ist einfach immer wieder das Gleiche.
Es ist immer wieder die selbe Illusion, der ich mich im Weinrausch hingebe.
„Raus hier! Sofort!“
Der dünne, makellose Körper neben mir kam erst langsam in Bewegung, dann jedoch schien der Junge seine Lage zu erkennen. Der Jüngling, der auf dem Fest Wein verteilt hatte, der, mit den Kinnlangen braunen Haaren, stand auf, zog seinen Chiton über und verbeugte sich vor ihm.
„Ich danke Euch. Verzeiht bitte.“
Ich gehe nicht auf seine Worte ein. Sie interessieren mich nicht. Haben keine Bedeutung für mich. Er hat keine Bedeutung für mich. Hat er mir seinen Namen genannt?
Wütend reiße ich die Decke von meinem Körper. Es ist schon Mittag. Ich taumle voran bis in das nächste Zimmer. Der starke Wein vernebelt noch immer leicht meine Sinne. Sinne. Mir wird klar wie sinnlos diese Nacht wieder war. Genau wie die davor. Und die davor.
Nun noch wütender trete ich eine Vase um. Es klirrt und sie zerspringt in tausend Scherben.

Es ist immer das Gleiche! Jedes verdammte Mal! Es war kein Traum gewesen. Auf dem Fest ist gestern alles genauso geschehen: mit einem Unterschied.
Mit diesem einen, gravierenden Unterschied, der immer da ist! Immer und immer wieder!!
Jedes mal!!
Ich betrete den Raum: nicht Alexander. Ich bin eifersüchtig: nicht Alexander. Aber es ist Alexander, es ist dieser verdammte Alexander, der grinst, weil er weiß, dass du sein ist! Dass ich dich begehre wie nichts anderes auf dieser Welt. Dass ich daran langsam kaputt gehe.

Dieser eine, perfekte Kuss. Warum war er nicht real?


Mittlerweile bin ich angezogen, einen schlichten Chiton. Ich muss aus diesem Zimmer raus. Weg aus diesem Palast der nicht meiner ist. Der seiner ist. Wie alles seines ist.
Es würde mich nicht wundern, wenn sogar mein Vater der seine wäre: Warum sollte ich etwas haben wenn er es doch bekommen könnte? Warum sollten die Götter einem Gestraften wie mir etwas gönnen? Mein Vater sah mich kaum als seinen Sohn an. Zu oft hat er mir gesagt, wie unfähig ich sei. Gefragt, warum ich nicht mehr wie Alexander war. Alexander, der das Maß meines Lebens war.
Der Steinboden unter meinen nackten Füßen ist kalt, und bei jedem Schritt klatscht es auf dem Stein und hallt durch die langen Gänge.
Ich will niemanden sehen, gehe zu dem Ort, der mir seid meiner Kindheit der liebste ist. Vielleicht finde ich dort Ruhe. Der kleine, versteckte See.
Dort ist alles anders. Es hat dort begonnen und es war dort geendet. Dieser Ort ist Segen und Fluch zugleich.
Hephaistion kam als kleiner Junge zu uns nach Pella: Er konnte kein Wort Makedonisch, er war magar, schüchtern und alleine.
Er war wie ich. Das wusste ich. Niemand hat ihm Beachtung geschenkt: sie hielten ihn für Hochnäsig und langweilig: manche sogar einfach für dumm. Denn er sprach nicht. Wie auch? Ohne eine Wort Makedonisch zu können?
Aber ich dachte nicht so: ich erkannte sein Schönheit, die Anmut seines Wesens. Aber auch ich war schüchtern. Wusste ihm nichts zu sagen. Mein Griechisch war so schlecht, er hätte sich wohl beleidigt gefühlt.
Also brachte ich ihn zum See. Zu meinem See.
„Danke.“
Das war das erste Wort, das ich von dir hörte. Ich werde es nie vergessen: wie überrascht ich war, von deiner Stimme. Von dem Schüchternen, aber freundlichen Lächeln, dass du in diesem Moment nur mir schenktest.
Vier Jahre später sagtest du mir an dem selben Ort, dass du nichts mehr mit mir zu tun haben wollest. Es war eine Lüge. Alexander wollte das. Alexander hatte dich dazu gedrängt! NUR Alexander.
Und du warst ihm hörig.

Ich hatte meine Schritte beschleunigt. Es war nicht mehr weit bis zum See. Ich hatte dich hier nie wieder getroffen. Aber nun wollte ich zur Ruhe kommen. Es war mein Zufluchtsort.
Genervt schiebe ich die vielen Äste der Büsche beiseite, die meinen See vor neugieren Blicken schützten. Die ihn Geheim hielten. Meinen kleinen See.
Doch dann musste ich das sehen, was ich immer gefürchtet hatte. Mein Zufluchtsort war zerstört. Nein. Er war entweiht. Er war da. ER, Alexander. Mit dir.
Ihr liegt im Gras, du auf Alexander, und der redete. Er kann nicht viel mehr als reden. Er redet den ganzen Tag und du klebst an seinen Lippen, als wären sie aus purem Gold.
Es war mein Ort gewesen. Vielleicht auch unserer: Meiner und Deiner. Doch jetzt war es seiner. Wieder war es seines!! Alexander machte vor nichts halt. Er war eine Bedrohung gegen die ich Machtlos war. Der Sohn des Königs. Er konnte haben was er wollte. Sich nehmen was er wollte. Sich zu eigen machen was meines war. Was mir zustand. Nur mir.
Er verhindert diesen einen, perfekten Kuss.

Ich war weggerannt. Ertrug diesen Anblick nicht mehr.
Ich hab den Rest des Tages in meinem Zimmer verbracht. Wein getrunken. Eine Amphore nach der andern geleert.
Was hatte ich schon zu tun?
Außer es zu Verleugnen. Versuchen zu vergessen , dass ich weiß, dass ich verlieren werde. Nicht gegen Alexander ankomme kann.
Oder zu Suchen. Nach Dingen zu Suchen, die niemals so geschehen werden.
Ich fühle mich wie ein Dummkopf. Als wüssten sie alle, dass ich verlieren werde: gegen ihn. Als wüssten sie es und als würden sie mir dabei zusehen. Meinen Niedergang besehen.
Alle Orte, zu denen ich in meinem Leben rannte, sind verschwunden. Jeder Ort der mir eine Zuflucht war, jeder Ort an dem ich sicher war.
Und das alles verdanke ich dir.
Ich fühle mich, also ob ich untergehe. Mit jeder Sekunde rutsche ich weiter. Immer weiter.
Und nichts ist da, um mich aufzufangen, mich am Atmen zu halten. Nichts dass meine Fall stoppen könnte, wenn der Boden in mein Sichtfeld gelangt.
Was muss ich tun?
Warum kann der Schmerz nicht aufhören?  Warum kannst du mir so wehtun? Und warum ist er da? Er, der an allem Schuld ist. Der mein Leben zerstört. Der mich überflüssig macht und so weit in den dunklen, kalten Schatten stellt dass ich untergehe.
Ich steuere direkt drauf zu! Ich spüre es selbst.
Irgendetwas sagt mir, dass ich versagen werde. Es sagt es mir immer wieder. Und ich glaube es.
Warum kann dieser Kuss nicht echt sein?
Warum wirst du mich nicht durchlassen?
Ich verstehe nicht, warum du mich immer ablehnst.

Der Wein hat mich raus getrieben. Es ist dunkel und ich gehe zu den Ställen,
Weil mir kalt ist.
Nein.
Weil ich weiß, dass du immer da bist. Nicht ich traue mich: der Wein traut sich.
Die letzte Sache die ich machen möchte bevor du weggehst, bevor ich Abschied von dir nehme, was mich so verletzt, ist neben dir zu weinen!
Er nimmt dich mit. Raus, nach Persien. Und mich lässt er hier. Zurück in Pella, in Makedonien. Er will die ganze Welt, obwohl er meine schon hat. Und ich werde dich nie wieder sehen.
Das weiß ich. Er weiß es. Aber ob es dich überhaupt interessiert weiß ich nicht.
Ich will dich einmal weinen sehen: du sollst weinen, weil wir beide kein glückliches Ende bekommen werden. Ich verliere dich und du wirst unter seiner Sehnsucht nach immer mehr vergehen. Du wirst eingehen. Er vergiftet dich.
Jetzt sehe ich dich. Du stehst bei deinem Pferd. Ist es von ihm? Du verschwimmst vor meinem Auge.
Ich möchte mit dir weinen.Weinen und über die guten, alten Tage sprechen, und wo sie hingegangen sind.
Und jetzt... wie sehr ich dich hasse! Denn es ist so nicht fair. Das war es nie.
Was muss ich tun?
Warum kann der Schmerz nicht aufhören?
Ich steuere direkt auf dich zu!
Irgendetwas sagt mir, dass ich versagen werde. Auch dieses Mal.
„Warum kann dieser Kuss nicht echt sein?
Warum wirst du mich nicht durchlassen?
Ich verstehe nicht, warum du mich immer ablehnst!“
Ich versuche nach dir zu greifen, dich zur Rede zu stellen, packe dich an den Schultern und sehe dich an. Deine blauen Augen sind weit aufgerissen. Du hast Panik.
Ich fühle, wie das Blut von meinem Körper abperlt, während es auf den Boden fällt.
Du schlägst um dich, hast mich getroffen und ich lasse dich los.
„Was bin ich jetzt?“
Du Antwortest nicht. Du fliehst vor mir. Als hättest du mich zu fürchten. Mich. Dabei steht das wahre Monster längst an deiner Seite.
„Was muss ich tun?“
Ich verstehe nicht, warum du mich immer ablehnst!
„Warum lehnst du mich immer ab?!“


Ich habe dich nie wieder gesehen. Du bist gestorben. Alleine in diesem fremden Land. Er dich zu Grunde gerichtet.
Aber er hat dafür bezahlt. Ich habe ihn zu Grunde gerichtet.
Aber es ändert nichts. Gar nichts.

Dieser eine, perfekte Kuss. Warum war er nicht real?
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