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Protect your SOLDIER honor!

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
Cloud Strife Zack Fair
03.02.2014
09.01.2019
39
82.774
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09.10.2018 3.585
 
Zack

         „Wenn jemand nach uns fragt, sagen sie bitte wir sind nicht da, okay? Noch besser, sagen Sie bitte niemandem dass wir zurzeit hier wohnen!“, bat Zack und setzte seinen unschuldigsten Welpenblick auf.
         Die Wirtsfrau nickte und sah ihm mit misstrauischem Blick nach.
         Er konnte es ihr nicht verübeln.
         Sie waren am Vorabend mit der Tür in ihr Haus gefallen. Es hatte in Strömen geregnet und die Nacht war schon hereingebrochen. Im Nachhinein kam es ihm wie ein Wunder vor, dass sie sie nicht hochkant rausgeworfen hat. Wahrscheinlich hatte sie Mitleid mit dem Kleinen gehabt, der völlig durchnässt und erschöpft gewesen war. Er selbst schien ihr jedoch nicht ganz geheuer zu sein. Den Blick, mit dem sie sein Schwert begutachtete, wollte er lieber nicht kommentieren.
         Innerlich verfluchte er das schlechte Wetter, das ihnen außer heftigem Regen auch noch schweren Gegenwind beschert hatte. Durch diese Verspätung hätten sie um ein Haar ihr Treffen mit Kunzel verpasst. Eigentlich hatte er vorgehabt, wenigstens 1 Tag zuvor die Stadt zu erkunden, um sich nach Fluchtwegen umzusehen, sollten sie schnell verschwinden müssen. Das war nun leider nicht mehr möglich. Wie es aussah, musste er sich darauf verlassen, dass ihm das Glück weiterhin hold war.
         Zumindest glaubte er Cloud in Sicherheit. Das Viertel in dem das Gasthaus lag, gehörte zu den angeseheneren Gegenden der Stadt und war vollgestopft mit Läden. So nah am Zentrum würde sie niemand vermuten. Als er im Vorbeigehen die Passanten musterte, stellte er erleichtert fest, dass man ihn gar nicht weiter beachtete. Einige neugierige Blicke streiften ihn kurz, ruhten aber nicht lange auf seiner Wenigkeit. Hierzulande war man an die Anwesenheit von Abgesandten des Militärs gewöhnt, weswegen er nicht weiter auffiel.
         Sein Blick glitt an frisch renovierten Häuserfassaden entlang, an den Schaufenstern verschiedenster Geschäfte und an einer Vielzahl von Balkonen, die beinahe völlig von Blumenkästen verdeckt wurden. Fort Condor lag etwas höher über dem Meeresspiegel, weswegen die Flora im Umland nicht allzu üppig ausfiel. Es schien beinahe, als wöllten die Einwohner diesen Umstand durch ihre Liebe zur Gärtnerei wettmachen. Als hätten Topfpflanzen eine Invasion gestartet und jede noch so kleine Nische besetzt! Seiner Mutter hätte es hier sicherlich gefallen. Sie hatte schon immer einen grünen Daumen gehabt und wäre sicher entzückt von den zahlreichen kleinen Parkanlagen.
         Was sie wohl gerade dachte? Ob sie ihn vermisste? Oder glaubte sie wirklich, dass er nie mehr nach Hause kommen würde? Er konnte nur spekulieren, was ihn im Moment nicht wirklich weiterbrachte. Etwa hundert Meter voraus entdeckte er das Aushängeschild der Kneipe, wo er Kunzel treffen sollte. Ein Blick auf die Turmuhr sagte ihm, dass er noch rechtzeitig dort sein würde. Unwillkürlich beschleunigte er seine Schritte. Sorge hin oder her, wenn er herausfand, dass Kunzel doch insgeheim mit Shinra zusammenarbeitete, würde er nicht mehr lange genug leben um Bericht zu erstatten. Aber Zack wollte so gerne wieder mit jemandem reden. Mit einem Freund reden.
         Vor den Schwingtüren der Kneipe angekommen, atmete er einmal tief durch und betrat dann den rauchvernebelten Raum. Hektisch ließ er seine Augen im Dämmerlicht umherschweifen, bis er in einer dunklen Ecke eine verhüllte Gestalt ausmachte, die offensichtlich zu ihm herüberstarrte. Langsam setze er sich in Bewegung, wobei er nach anderen vertrauten Gesichtern, nach Anzügen oder Waffen Ausschau hielt. Paranoid blieb er in einiger Entfernung zu dem ominösen Gast stehen und musterte ihn skeptisch, als dieser sich erhob und sich die Kapuze vom Kopf zog. Darunter kam Kunzels blasses Gesicht zum Vorschein, welches ein schiefes Grinsen zierte.
         „….Du siehst echt…..beschissen aus, weißt du das?“, fragte der Ältere, worauf Zack rasch die verbleibende Entfernung zu ihm überbrückte und ihn stürmisch umarmte.
         „Boah!“, keuchte Kunzel, dem Zacks Begrüßung fast die Rippen brach. „Ist ja gut! Ist ja gut!“
         „Mann, bin ich froh dich zu sehen!“, grinste der Schwarzhaarige, als er sich von seinem nach Luft schnappenden Freund löste.
         „Freu` mich auch – Stachelschwein!“
         „Hey, du bist zum First-Class aufgestiegen!“, rief Zack erstaunt, als er die First Uniform an seinem Kumpel entdeckte, welcher stolz posierte.
         „Frisch befördert!“, gab der andere an, bevor sie sich beide lachend setzten.
         „Aaahhh – tut mal wieder gut zu lachen…..Du musst entschuldigen – ich habe leider nicht viel Zeit.“, meinte der Jüngere, womit er die Aufmerksamkeit wieder auf den eigentlichen Grund ihres Treffens lenkte.
         „Schon gut – ich weiß.. Lass uns bereden was es zu bereden gibt, damit du dich schnell wieder auf die Socken machen kannst!“, raunte Kunzel, ein wenig leiser als zuvor, und langte unter den Tisch, von wo er einen kleinen Rucksack zu Tage förderte, in dem es gläsern klimperte.
         „Danke dir!“, seufzte Zack erleichtert und nahm das Gepäckstück entgegen, indem sich acht De-Serum-Flaschen befanden und schwaches grünes Licht verströmten.
         „Aber sag mal“, hob Kunzel an, „du siehst gar nicht so aus als hättest du ´ne Vergiftung.“
Betreten senkte der Schwarzhaarige den Kopf.
         „Nein,….die sind nicht für mich.“, gab er zu, als ihm einfiel, dass er gar nicht erwähnt hatte dass er nicht allein unterwegs war „Die sind für Cloud…“, sagte er leise, worauf sich Kunzels braune Augen entsetzt weiteten.
         „Der Chocobo ist bei dir? Er war mit dir zusammen in Nibelheim? Und er hat sich eine Mako-Vergiftung zugezogen?! Ach Kacke!“, fluchte der Ältere und raufte sich die Haare, während sie in unangenehmes Schweigen verfielen.
„Wie geht es ihm?“, erkundigte sich der frischgebackene First, was zur Folge hatte, dass sich Zacks Gesichtsausdruck noch verfinsterte.
         „Er liegt…..seit über sechs Monaten in einer Art Koma.“, presste Zack mühsam beherrscht hervor – seine Wut auf den Konzern war ihm deutlich anzusehen. Aber dafür konnte Kunzel ja nichts. Dieser fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, als sein Handy piepste. Sofort verkrampfte sich der Jüngere und musterte gebannt seinen Freund, als dieser einen Blick auf das blendend helle Display seines Flachmanns warf.
         „Ich muss gehen – die Suche nach euch beiden geht weiter. Ich werde versuchen sie auf eine falsche Spur zu bringen. In welche Richtung werdet ihr weiterziehen?“, fragte er.
         „Richtung Midgard.“, gab die Schwarzhaarige Auskunft.
         „WAS?! Das ist als würdest du direkt in die Höhle des Löwen spazieren! Bist du des Wahnsinns?“, ereiferte Kunzel sich besorgt, aber Zack schüttelte nur mit dem Kopf.
         „Ich habe Aerith versprochen ich würde zu ihr zurückkommen. Sie wartet bestimmt auf mich. Und außerdem, können wir dort viel leichter untertauchen als in irgendeiner Kleinstadt. Ich werde ein paar schnelle Jobs machen, uns mit Materia und neuen Waffen eindecken und dann mit den beiden auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Mach dir keine Sorgen um uns – wir schaffen das schon!“, versuchte er Kunzel zu beruhigen.
         Dieser schien zwar nicht wirklich überzeugt zu sein, seufzte aber ergeben. Zack war viel zu dickschädlich, um sich irgendetwas ausreden zu lassen, nachdem er es sich einmal in den Kopf gesetzt hatte. Kunzel konnte nur hoffen, dass man ihn nicht erwischte. Oder noch schlimmer – dass ER derjenige war, der ihn erwischte. Ein paar Minuten später stand er auf und nahm Abschied. Vor dem Ausgang drehte er sich noch ein letztes Mal nach dem Jüngeren um, bevor er auf die Gasse hinaustrat und in der Masse verschwand, die sich wie ein zähflüssiger Strom vor der Kneipe vorbeischob.
         Zack selbst wartete fast eine halbe Stunde, bis er sich auf den Weg zurück zum Gasthaus machte, in das er sie beide eingemietet hatte. Der Vermieterin zu nickend huschte er die Treppe hinauf und stapfte in den vierten Stock, in dem ihr Appartement lag. Cloud schlief noch immer tief und fest, als er sich zu ihm ans Bett setzte und ihn nachdenklich betrachtete. Vorsichtig stellte er den kleinen Rucksack neben seinem Nachtschrank ab und griff ins oberste Schubfach, wo er ihre letzte alte Ampulle De-Serum verstaut hatte. Nachdem er sie dem Kleinen verabreicht hatte stand er auf und ging ins Bad, wobei er sich im Gehen seine Sachen auszog. In Gedanken versunken stieg er in die Dusche, drehte das heiße Wasser auf und ließ es auf seinen Rücken niederprasseln, bis sich die Anspannung darin löste. Durch den Spalt des angekippten Fensters hörte er eine tiefe Männerstimme Befehle bellen, gefolgt vom Trampeln schwerer Stiefel.
         „Durchsucht alle Straßen! Wenn sie entkommen, seid ihr alle gefeuert!“
Zack ballte die Hand, mit der er sich an den kalten Fließen abstützte, zur Faust.
         ´Wir schaffen das! ´



Cloud

         Zack war diese Nacht besonders unruhig, das spürte er. Selbst mit seinen abgestumpften Sinnen konnte Cloud die bellenden Befehle der Offiziere hören, welche die Soldaten der Infanterie durch die Gassen der Stadt scheuchten. Die Suche nach ihnen war offenbar noch intensiviert worden, seit sie Fort Condor erreicht hatten. Sein Freund tat schon seit Stunden kein Auge zu und tigerte durch ihre viel zu kleine Unterkunft. Wenn er endlich mal stillstand, dann nur um sich schnaufend über seine Karte zu beugen und ihre Route zum tausendsten Mal durchzugehen.
         „Keine Sorge, Cloud“, hörte der Blonde ihn immer wieder murmeln. „Die finden uns hier nie!“
Cloud hatte den Eindruck, dass Zack eher versuchte sich selbst zu beruhigen. Gern hätte er ihm versichert, dass er sich keine Sorgen machte. Doch seine gelähmten Glieder erinnerten ihn immer wieder an das Gefängnis, dem er nicht entkommen konnte. Manchmal hatte Cloud das Gefühl, es einfach nicht mehr auszuhalten. In seinem eigenen Körper gefangen zu ersticken. Selbst im Wachkoma beschleunigte sich dann seine Atmung, als bekäme er keine Luft. Oftmals meinte er zu schreien, bis ihm der Hals brannte. Doch er wusste, dass er sich das nur einbildete.
         Es war weit nach Mitternacht, als Zack endlich das Licht löschte und sich schwer seufzend unter seiner Decke zusammenrollte. Schon bald verrieten seine tiefen, gleichmäßigen Atemzüge, dass er eingeschlafen war.
Cloud hingegen war hellwach.
         Wenn er sich nicht irrte, hatten sie bereits über die Hälfte der Strecke geschafft. Das Straßennetz auf diesem Teil des Kontinents war merklich besser als im Westen, sodass sie hoffen konnten, nun wesentlich schneller voranzukommen. Das hieß, solange sie es schafften vom Radar zu verschwinden. Die Armee würde nicht lockerlassen, ehe sie sie gefunden hatten.
So gesehen war es schon beinahe Selbstmord, sich zuerst bis nach Midgar durchschlagen zu wollen. Doch Zack hatte es seiner Freundin versprochen. Cloud wusste, dass sein Freund immer Wort hielt. Selbst, wenn es ihm das Leben kostete.
         ´Das Stachelschwein muss echt schwer in sie verknallt sein´, dachte er bei sich und hätte sicherlich albern gekichert, wenn er gekonnt hätte. Er fragte sich, was sie wohl für ein Mensch war, wenn sie seinem besten Kumpel so den Kopf verdrehen konnte. Er hätte sie gern kennengelernt. Vielleicht, nur vielleicht, würde er die Gelegenheit dazu bekommen.
         Obwohl er wusste, dass er sich nicht allzu viele Hoffnungen machen sollte, gab ihm der Gedanke es womöglich doch zu schaffen, dem Militär zu entkommen, neuen Mut. Er malte sich aus, wie es wohl sein würde. Insgeheim freute er sich, wenn Zack ihm immer wieder erzählte, was für Pläne er für die Zukunft hatte. Es zeigte, wie sehr er daran glaubte, dass sie es heil aus dieser ganzen Sache herausschaffen würden.
         Zack wollte mit ihm und seiner Freundin ein neues Leben anfangen. Weit weg von Midgard, weit außerhalb von Shinras Reichweite. Zwar schmerzte es Cloud noch immer sehr, dass er seine Mutter nie mehr wiedersehen würde, doch er wusste, wie glücklich sie wäre, wenn sie von der Familienzusammenführung in Gongaga wüsste.
         Zack würde es mit seiner Mutter ähnlich gehen. Auch wenn er Lennie und Ben in Sicherheit wusste - er würde sie nicht besuchen können. Das Risiko, sie auch noch in Gefahr zu bringen, war einfach viel zu hoch. Wenigstens hatten sie einander, dachte Cloud und versuchte, die negativen Gedanken beiseite zu schieben. Ob er es Zack erzählen sollte? Würde er sich freuen?
         ´Vielleicht, wenn alles vorbei ist´, dachte er bei sich. ´Wenn ich dann in der Lage sein sollte, ihm überhaupt IRGENDETWAS zu sagen…´



Zack

         Sie hatten das Militär gestern ein ganzes Stück hinter sich gelassen, weil er sie mithilfe der verzweigten Bergpässe in dieser Gegend austricksen konnte. Zum ersten Mal seit zwei Tagen fühlte er sich in einem Versteck - das, das er für den heutigen Tag ausgesucht hatte - sicher genug, um die Augen für eine Weile zu schließen und in einen richtigen Schlaf hinüber zu gleiten. Die Sonne würde in wenigen Stunden aufgehen. Vielleicht schon in zwei, wer weiß?
         Das Motorrad stand gut zehn Meter von ihnen entfernt, getarnt unter einer Schicht belaubter Äste, die Zack darüber verteilt hatte. Sie lagen, verborgen vor neugierigen Augen, unter dem weit gefächerten Wurzelwerk eines Baumes, der nicht weit vom Ufer des Baches stand, der hier durch den Wald floss. Die ersten Vögel begonnen ihr fröhliches Lied und kündigten den Morgen an. Zack kam es vor wie ein trauriges Schlaflied. Seiner war traumlos und nicht besonders tief. Besser so, als angefüllt mit Albträumen.
         Die Sonne warf ihre warmen Strahlen durch den morgendlichen Nebel, erreichte aber nicht das Versteck der Jungen, während sie immer höher stieg und die Dunstschleier verscheuchte. Die Vögel begannen ihr morgendliches Lied und begrüßten so den neuen Tag. Ein neugieriger Fuchs schlich vorbei und schnüffelte neugierig am Eingang ihres Nahtlagers, ehe er sich trollte. Ein Geräusch, nicht weit entfernt von Zacks Kopf weckte ihn. Neben ihm hatte Cloud gerade einen schlimmen Hustenanfall, der seinen schmächtigen Körper erbeben ließ. Schnell richtete der schwarzhaarige Soldier sich auf und stützte seinen Freund in eine aufrechte Position.
         Im Halbdunkel ihres Unterschlupfes konnte er sehen, dass der grünliche Film auf den Augen des Jüngeren ein ganzes Stück durchsichtiger aussah, als zu Beginn ihrer Flucht. Durfte er das als ein gutes Zeichen auffassen? Clouds Röcheln unterbrach seine Spekulationen. Er schien an irgendetwas zu würgen, bewegte sich sein Hals doch in ungewöhnlichen Schluckbewegungen.
         Verunsichert warf Zack einen näheren Blick darauf und langte nur einen Sekundenbruchteil später mit zwei Fingern in den Mund des Wingmates. Mit einem verstörten Gesichtsausdruck förderte er einen blau-grünen Schleimbatzen zu Tage, der scheinbar die Luftröhre blockiert hatte und den er sofort im nächsten Gebüsch verschwinden ließ. Aber wenigstens konnte Cloud wieder atmen. Als Zack zurück in die Augen seines Schützlings blickte, sah er zu seiner Überraschung etwas, von dem er jeden Tag befürchtete es dort nie wieder finden zu können. Ein Fünkchen Leben, Bewusstsein.
         „Cloud?“, fragte er zögerlich. Und tatsächlich, bewegten die makogetränkten Augen sich ein wenig, um ihn direkt anzusehen, bevor er ganz schwach die Präsenz des Kleinen zu spüren glaubte.
         „Zack, ich...“, hallte es in seinem Kopf.
         Ein paar Augenblicke später verfiel der Blick wieder in komatöses Starren, das Gefühl von Clouds Anwesenheit verflüchtigte sich und nach einem kurzen Zittern erschlaffte das Bündel wieder zu einem leblosen Haufen. Sein Name hatte nicht lauter geklungen als das leise Rascheln von trockenem Laub, ihn aber unbeschreiblich glücklich gemacht. Sein Freund war noch da, irgendwo da drin!
         „Alles wird wieder gut Kleiner, das verspreche ich dir!“, flüsterte er - entschlossen, dieses Versprechen wahr zu machen, und nahm Cloud fest in den Arm, bevor er ihn behutsam wieder ablegte. Vorsichtig schloss er ihm die Augen, damit er etwas schlafen konnte, worauf auch er sich wieder schlafen legte. Etwas Zeit blieb ihnen noch.
         Er war froh, dass sie unter dem großen Wurzelwerk halbwegs vor der hochsommerlichen Hitze geschützt waren. Hochsommer – die letzten sieben Monate waren wie im Flug vergangen. Cloud hatte inzwischen Geburtstag gehabt. Er selbst wäre in wenigen Wochen dran. Wie alt waren sie eigentlich inzwischen? Er hatte bis jetzt gar nicht groß darüber nachgedacht, weswegen er kurz rechnen musste. Zwanzig und Zweiundzwanzig, war das Ergebnis. Er fühlte sich noch gar nicht so alt. In seinem Kopf war er noch der achtzehnjährige Welpe, der immer nur Blödsinn im Kopf hatte. Aber die Realität sah anscheinend anders aus.        



Cloud

         Er zwängte seine ganze Willenskraft in diesen einen Gedanken und kämpfte mit dem, was ihm die Kontrolle über seinen Körper streitig machte. Sein kleiner Finger zuckte. Ein Gesichtsmuskel. Noch einer – das Lied.
         ´Komm schon, komm schon, komm schon!´ , schrie er sich selber innerlich an. Wie schwere Vorhänge schoben sich seine Augenlieder einen Spalt weit auseinander. Ein vereinzelter Stern leuchtete ihm schwach entgegen, als wolle er ihn begrüßen. Seit seinem letzten - erfolglosen - Versuch, gegen die Vergiftung anzukämpfen, war inzwischen schon fast eine Woche vergangen.
         Nach dem zu schlussfolgern, was Zack ihm erzählt hatte, schien Kunzels Versuch, das Militär in die Irre zu führen, ausgezeichnet zu funktionieren. Sie hatten keine einzige Uniform mehr gesehen, seit sie die Stadt verlassen hatten. Seitdem war es mit seinem Zustand stetig besser geworden. Er war fast immer bei Bewusstsein und bekam viel mehr von seiner Umwelt mit als zu Beginn ihrer Flucht. Die schmerzhaften Anfälle waren viel seltener geworden und allmählich klärte sich seine Sicht wieder. Allerdings hatte sich nach außen hin nicht viel geändert. Cloud konnte nicht einmal sagen, ob Zack die Veränderungen überhaupt bemerkt hatte.
         Er konnte sich immer noch nicht bewegen, oder eine neurale Verbindung zu seinem Freund aufnehmen. Nun, zumindest NOCH nicht. An diesem Morgen ging es ihm so gut wie noch nie, seit sie aus dem Labor entkommen waren. Heute hatte er zum ersten Mal wieder das Gefühl, dass er selbst Herr über seinen Körper sein konnte, wenn er es nur angestrengt genug versuchte.
         „Ngh...“
         Er wollte, MUSSTE sich bewegen, fragte sich, wie lange er wohl brauchte um lediglich seine Augen nach rechts zu bewegen. Zack lag neben ihm und schlief. Sollte er versuchen ihn zu wecken? Wer weiß, wie lange er es schaffen würde wach zu bleiben, wenn er sich so verausgabte.
         „Ds...!“
         Der dunkle Schemen zuckte. Der Schwarzhaarige war in den letzten Monaten so angespannt gewesen - war es immer noch -, dass jedes noch so kleine Geräusch ihn aufschrecken ließ. Wäre es anders, wären sie schon längst tot. Leise drehte der First sich zu ihm um.
         Jetzt! Zeig ihm dass du wach bist! Los! Er konnte geradeso erkennen, wie das funkelnde Augenpaar ihn im Dunkeln aufmerksam musterte und nahm noch einmal seine ganze Kraft zusammen.
         „Kch!“ Seine rechte Hand zuckte und er blinzelte einmal. Schimmerndes Mako blitzte blau neben ihm auf.
         „Cloud?“, wisperte Zack. Zittrig zog Angesprochener die Luft ein.
         ´Sag irgendwas! ´, beschwor er sich selbst.
         „Ihhmm...bi.....ngh“ (Sollte eigentlich ein „Ich bin wach“ werden.)
         Sofort richtete Zack sich auf und beugte sich über ihn. Seine Makoaugen durchdrangen die Finsternis in Sekundenschnelle und trafen auf ein Paar halb geschlossener Lieder. Cloud konnte nur erahnen wo sich die Augen seines Freundes befanden und blickte suchend über sein in den Schatten verborgenes Gesicht, wobei er ein paar Mal kurz blinzelte.
         „Z......za......“, nuschelte er verkrampft, als etwas Nasses auf sein Kinn, seine Wange und sein Ohr tropfte.
         „Minerva, Cloud – du bist wach!“, schniefte Zack und befühlte die – immer noch heiße – Stirn des Blonden.
         „...hi......“, krächzte der Blonde und rang erschöpft nach Luft. Selbst ein einziges Wort strengte ihn so sehr an, dass er sich am liebsten zusammengerollt hätte und eingeschlafen wäre.
         Der Schwarzhaarige lachte kurz leise auf.
         „Hey Spikey!“, sagte er und schob Cloud mehrere verschwitzte Haarsträhnen aus dem Gesicht, um ihn besser betrachten zu können. Erneut nahm er den Lappen zur Hand und wischte damit das blasse Gesicht trocken.
         „Wie geht`s dir?“, fragte er besorgt und wischte sich verstohlen die nassen Spuren auf seinem Gesicht weg. Aber Cloud konnte einfach noch nicht anständig sprechen, egal wie sehr er es gewollt hätte. Also beließ er es bei einem strife`schen „Hmmmm.“
Der Soldier schnaubte belustigt.
         „Na DANN ist ja alles in Ordnung!“, lachte Zack, den die gewohnte, einsilbige Antwort zu beruhigen schien.
         Cloud hätte ihn wirklich gerne gefragt, ob nun alles wieder gut werden würde. Aber er war einfach viel zu müde. Es dauerte keine zehn Minuten, dann war er auch schon wieder eingeschlafen.



         Zack war, mit ihm auf dem Arm, in den See gewatet, bis das Wasser ihm bis zur Bauchmitte reichte. Dann hatte er den Chocobo hineingleiten lassen. Badetag. Cloud trieb ganz von alleine an der Oberfläche. Trotzdem war Zack vorsichtig und passte auf, dass sein Kopf nicht aus Versehen unter Wasser geriet. Als Erstes badete der First sich selbst, weil das wesentlich schneller ging. Danach kümmerte er sich um seinen Wingmate. Ihre Anziehsachen hatte er bereits gewaschen, bevor sie ins Wasser gegangen waren, und sie auf den Ufersteinen zum Trocknen ausgebreitet.
         Zack war überglücklich, dass Cloud tatsächlich bei Bewusstsein geblieben war. Er wollte den Tag zwar nicht vor dem Abend loben, glaubte aber nicht, dass der Kleine nochmal zurück in seinen komatösen Zustand fallen würde. Zum ersten Mal seit Monaten, schien ihre Chance auf ein Entkommen gestiegen zu sein. Im Moment wanderten die Augen des Blonden ruhelos umher und erkundeten die Umgebung. Er konnte immer noch nicht richtig sprechen, dafür war er einfach noch zu geschwächt.
         Der Schwarzhaarige fragte sich, an wie viel der Chocobo sich noch erinnern konnte. Aber fürs Erste würde er ihn auch nicht darauf ansprechen. Das Wichtigste war, dass sie wohlbehalten nach Midgard gelangten, bevor das Militär sie erwischte. Hier, in der Nähe des Ufers, schützte hohes Schilfgras sie vor neugierigen Blicken. Trotzdem unterbrach Zack sich immer wieder, um einen wachsamen Blick ins Unterholz zu werfen.   Vorsichtig hielt er mit der Linken Clouds Kopf über Wasser, während er mit der Rechten die Haare nass machte, die nicht unter Wasser lagen.
         „Alles okay?“, fragte er bestimmt schon zum tausendsten Mal nach.
         Cloud nickte leicht und sah zu ihm auf. Die Sonne schien ihm direkt ins Gesicht, als er sich den Hals nach seinem Freund verdrehte, der sich hinter seinem Kopf positioniert hatte. Dann weiteten seine Augen sich überrascht, nur damit er sie im nächsten Moment zusammenkneifen konnte. Zack wollte sich gerade versichern dass wirklich alles stimmte, als der schmächtige Körper mit einem halblauten „Hatschuuu!“ zusammen zuckte.
         „Huch – Gesundheit!“, lachte der Schwarzhaarige, machte die Strubbelfrisur endgültig nass und begann kräftig hindurch zu schrubben. Cloud grummelte nur, verärgert und belustigt zugleich.
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