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Hard to say I´m sorry (One Shot)

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12
03.02.2014
03.02.2014
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Hard to say I´m sorry



Autor: Starlight1983
Fandom: Die kleinen Superstars
Lenght: One Shot
Genre: Romanze
Rating: P12
Pairing: Hikari x Natsukawa
Warnings:  -

Disclaimer: Die Figuren dieser FF gehören nicht mir, sondern Izumi Aso.
Claimer: Die Handlung dieser FF ist meiner Fantasie entsprungen.

Inspiration:
Song: Aquagen – Hard to say I´m sorry


Es war schon ein komisches Gefühl, als ich die letzten Kleidungsstücke in meinen Koffer packte. Das erste Mal in meinem Leben würde ich nun meine Heimat Japan verlassen. Zwar war ich während der Landesmeisterschaften schon oft quer durchs Land gereist, doch dieses Mal ging es auf einen anderen Kontinent. Um genau zu sein in die USA, wo dieses Jahr die Weltmeisterschaften in der rhythmischen Sportgymnastik stattfanden.

In Gedanken ging ich nochmals alles durch, was unbedingt in den Koffer musste und stellte dann zufrieden fest, dass ich wohl an alles gedacht hatte. Wenn ich ehrlich war, hatte ich schon ein wenig Angst so ganz alleine in einem fremden Land. Innerlich hatte ich gehofft, dass Natsukawa mich eventuell begleiten würde, doch seit ein paar Wochen war mehr oder weniger Funkstille zwischen uns. Ich öffnete die gläserne Schiebetür, die auf meinen Balkon führte und trat hinaus, um die kühle Luft des späten Abends tief in meine Lungen zu ziehen. Dieses Ritual half ungemein dabei, den Kopf freizubekommen und letzteres musste ich für die Meisterschaft unbedingt gewährleisten.

Natürlich glitt mein erster Blick wie immer hinüber zum Nachbarhaus in dessen oberster Etage mein langjähriger Freund wohnte, den ich bereits seit dem Sandkastenalter kannte. Ich sah seine Silhouette durch die nicht ganz dichten Vorhänge scheinen, da in seinem Wohnzimmer Licht brannte. Wenn mich nicht alles täuschte, hatte er seine Gitarre auf dem Schoß, was wiederum darauf hindeutete, dass er beim Komponieren war. Gern hätte ich mich von ihm verabschiedet und war geneigt seinen Namen zu rufen, doch ich traute mich nicht. Seit jenem schicksalshaften Ereignis vor knapp zwei Monaten war alles anders.


FLASHBACK

Es war der Tag unserer Schulabschlussfeier und meine Gefühlswelt spielte an diesem Ereignis ein wenig verrückt. Einerseits war ich froh, dass ich nun nicht mehr in den Unterricht musste und mich voll und ganz auf meinen Sport konzentrieren konnte. Anderseits war es natürlich Tatsache, dass ich nun auch meine Freunde nicht mehr ständig automatisch um mich haben würde, was mich wiederrum traurig stimmte. Dennoch versuchte ich mir dieses freudige Ereignis nicht vermiesen zu lassen und schlüpfte in ein hübsches, rosafarbendes Kleid, welches schulterfrei war und mir bis kurz über die Knie reichte. Dazu kombinierte ich weiße Sandalen mit kleinem Absatz und eine weiße Handtasche, welche ich an einer goldenen Kette über der Schulter tragen konnte.

Da es schon seit Tagen extrem warm war und die Luft auch gen Abend keine Anstalten machte sich abzukühlen, ließ ich die zum Outfit passende Strickjacke daheim und machte mich gemeinsam mit einer Freundin auf zum Schulball. Als wir ankamen herrschte bereits eine ausgelassene Stimmung, da unsere Schulband mit ihrem Frontmann Natsukawa spielte. Mittlerweile hatte die Band nicht nur Auftritte in der Stadt, sondern bereits quer durch Japan, was sie Großteils der Plattenfirma, bei denen sie seit etwa drei Monaten unter Vertrag waren, zu verdanken hatten. Ich gönnte ihnen von ganzem Herzen, dass sie irgendwann den großen Durchbruch hatten und mit der Musik ihren Lebensunterhalt verdienen konnten. Die Jungs waren allesamt total nett, auch wenn Sie aussahen wie Rebellen. Auch heute, wo jeder in feiner Robe gekleidet war, standen sie in zerrissenen Jeans und T-Shirt auf der Bühne.

Es versprach ein absolut herrlicher, nahezu perfekter Abend zu werden. Ich unterhielt mich prächtig mit meinen Klassenkameraden, aß eine Kleinigkeit und genoss ein Glas Sekt mit Orangensaft. Als die Band eine Pause machte, gesellte sich Natsukawa zu mir und forderte mich sogar zu einem Tanz auf, was mir eine leichte Röte auf die Wangen trieb, hatte ich mit solcherlei Aktionen doch keineswegs gerechnet. Der Sänger und ich kannten uns nun schon beinahe ewig und dennoch überraschte er mich immer wieder. Er war meistens sehr höflich und zuvorkommend in meiner Gegenwart, doch es gab auch Tage an denen er schlechte Laune hatte und dann konnte man diese auch mal zu spüren bekommen, was mich aber nicht weiter störte. Ich kannte es ja nicht anders.

Doch heute war er irgendwie seltsam, fast handzahm, wenn man das so nennen konnte. Ich genoss die Zeit mit ihm, war sie doch seit der steigenden Berühmtheit der Band um einiges weniger geworden. Aus einem Tanz wurden insgesamt drei und ich hätte ewig so weitermachen können, doch Natsukawa erklärte mir, dass er nun wieder auf die Bühne musste, aber in der nächsten Pause, in der dann erneut die Musik aus dem CD-Player laufen würde,  wieder mit mir tanzen wolle. Die Aussage unterstrich er mit einem liebevollen Lächeln, was mich leicht beschämt zu Boden schauen ließ. Insgeheim freute ich mich darauf, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass es dazu nicht mehr kommen sollte.

Als Band nach einer Stunde Spielzeit erneut pausierte, lief ich zum Bühnenaufgang, um Natsukawa dort in Empfang zu nehmen. Ich wurde Zeuge eines heftigen Streits zwischen dem Sänger und einem Mann im Anzug, der scheinbar zur Plattenfirma gehörte. Der Lilahaarige warf dem älteren Herrn an den Kopf, dass er tanze mit wem er wolle und dass diesen das Garnichts anginge. Zur Antwort bekam er, dass er sich gefälligst an den Vertrag und dessen Statuten zu halten hätte. Ich blickte entsetzt zwischen den Beiden hin und her und konnte meinem langjährigen Freund anmerken, dass er kurz davor war auszurasten. Als dieser dem Boss schließlich an den Kopf warf, dass er sich seinen Vertrag in die Haare schmieren konnte, entschloss ich zu handeln.

Kurzerhand stellte ich mich zwischen die beiden Streithähne und wollte schlichten, als ich auch schon einen Schlag abbekam. Etwas überrascht taumelte ich nach hinten, wo ich von meiner Freundin Midori aufgefangen wurde. Vor meinen Augen entwickelte sich eine handfeste Prügelei. Ich wollte mich erneut einmischen, da ich mir um Natsukawa Sorgen machte, doch Midori hielt mich zurück. Gerade als ich zum Protestieren ansetzte, bekam ich ein Taschentuch an die Schläfe gedrückt, an dessen weißem Stoff Blut klebte, als Midori es wieder wegnahm. Ein paar Lehrer mischten sich ein, was mich ein wenig beruhigte und so hatte ich auch nichts dagegen, als meine Freundin mich nach Hause bringen wollte.

Breitwillig ließ ich mich mitführen und war doch mehr als froh, als ich mich daheim in meinen Sessel fallen lassen konnte. Die Wunde hatte derweil aufgehört zu bluten, dafür schmerzte sie jetzt, ein Schmerz der sich in meinem ganzen Kopf ausbreitete und ein dumpfes Hämmern an der Schläfe zurückließ. Midori fragte, ob sie noch etwas bleiben sollte, doch ich winkte ab. Ich beschloss mich ins Bett legen und morgen würde der Tag schon wieder ganz anders aussehen. Meine Eltern waren mal wieder auf einer Geschäftsreise, konnten mir also auch nicht helfen, also hieß es wohl „selbst ist die Frau“.

Nachdem ich mich umgezogen und in der Küche das Teewasser aufgesetzt hatte, klingelte es plötzlich an der Haustür. Ich zuckte erschrocken zusammen. Es war bereits weit nach 22 Uhr und dunkel. Wer bitte wollte jetzt noch etwas von mir? Vorsichtig und auch etwas ängstlich öffnete ich die Verriegelung  und lugte durch einen kleinen Spalt nach draußen. Als ich erkannte, wer dort stand, riss ich die Tür komplett auf und zwar so heftig, dass sie bald aus den Angeln flog. „Natsukawa“, rief ich entsetzt als ich erkannte, dass er im Gesicht blutverschmiert war. „Komm rein und setzt dich“, meinte ich kurz und knapp als ich ihn auch schon am Arm gefasst hatte und im Wohnzimmer in den Sessel schubste.

Aus dem Bad beschaffte ich ein paar sterile Tücher, befreite diese aus ihrer Verpackung und feuchtete sie an, bevor ich vorsichtig damit begann seine Wunden zu säubern. Die Prozedur dauerte eine Weile, in der er wortlos alles über sich ergehen ließ. Als ich fertig war, sah ich ihn nochmals genau an, ob ich auch wirklich nichts vergessen hatte. Natsukawa erwiderte meinen Blick, bevor er seine Hand hob und mit dem Zeigefinger leicht über meine Wunde an der Schläfe strich. „Das ist wohl meine Schuld, bitte verzeih mir… aber warum wirfst du dich auch bei einer Schlägerei dazwischen?“ Verwundert nahm ich seine Frage zur Kenntnis, wobei die Antwort für mich mehr als sonnenklar war. „Weil ich mir Sorgen um dich gemacht habe.“

Erschrocken sah der Sänger mich an und schüttelte dann leicht den Kopf. „Hikari, manchmal bist du ein dummes Mädchen.“ Gekonnt ignorierte ich seine Aussage. „Was war denn überhaupt los?“ Zwar wusste ich nicht, ob es mich etwas anging, aber ich musste zugeben, dass ich schon ein wenig neugierig war. „Der Plattenboss war der Meinung, dass es für unser Image nicht gut sei, wenn ich mich mit einem Mädchen in der Öffentlichkeit zeigen würde.“ Erstaunt und zugleich traurig zog ich die Augenbrauen hoch, bevor ich den Kopf hängen ließ. „Es war also meine Schuld…“

Ich zuckte als Natsukawa mich sachte an den Oberarmen packte. „Nein, es war nicht deine Schuld. Ich lasse mir nicht verbieten mit wem ich tanze oder meine Freizeit verbringe. Wir sind Freunde seit ich denken kann und das werde ich wegen diesem Heini bestimmt nicht aufgeben.“ Seine Worte zauberten mir ein Lächeln auf die Lippen. Auch wenn er manchmal etwas ruppig war oder auf manche sogar arrogant wirkte, so war der Sänger doch ein netter Kerl.

„Was ich dich noch fragen wollte, Hikari…“ Er stoppte, was mich dazu veranlasste ihn erwartungsvoll anzusehen, gespannt auf das, was er mir zu sagen hatte. „Übermorgen findet eine Preisverleihung statt, wo wir eingeladen sind. Würdest du mich dorthin begleiten?“ Kurz dachte ich darüber nach, dass es wohl der Plattenfirma wieder überhaupt nicht in den Kram passen würde, aber wenn es für Natsukawa in Ordnung war, so war es das für mich auch. „Ja, sehr gerne“, bejahte ich seine Frage daraufhin.

Scheinbar zufrieden lächelte er, als er aufstand und sich zum Gehen umwandte. Ich brachte ihn zur Tür, wo er mir noch einmal leicht die Haare zerzauste. „Es ist schon spät. Ich geh besser heim. Wir sehen uns dann spätestens übermorgen, ich hole dich um 18:00 Uhr ab.“ Um ihm mein Einverständnis zu signalisieren, nickte ich kurz und schloss dann die Tür hinter ihm…

Die nächsten beiden Tage war ich mehr als aufgekratzt. Wenn ich an die Veranstaltung dachte, bekam ich Muffensausen. Schon am Morgen hatte ich mir ein passendes Outfit in Form eines pastellblauen, enganliegenden Kleides herausgelegt, damit am Nachmittag auch garnichts mehr schiefgehen konnte. Viel zu früh war ich bereits  geduscht, hatte anschließend meine Haare geföhnt und diese zu einer Hochsteckfrisur drapiert. Kurz darauf legte ich ein zartes Make up auf, um ein wenig glamouröser zu wirken und mich meinem Outfit besser anzupassen.

Es war erst kurz nach 16 Uhr als es an der Tür klingelte. Ich öffnete und bat Natsukawa herein. Er trug eine schwarze Hose und ein ebenso schwarzes Hemd mit einer weißen Krawatte. Für mich war dieser Anblick doch etwas ungewöhnlich, hatte ich ihn doch noch nie in so pickfeinen Klamotten gesehen. „Setz dich ruhig ins Wohnzimmer, ich brauche noch einen Moment.“ Er nickte kurz und rief mir hinterher, dass er ja eh auch viel zu früh dran sei, während ich die Treppe hocheilte.

Erneut betrat ich das Bad und schlüpfte dort in das zurechtgelegte Kleid. Mit einem letzten Blick in den Spiegel prüfte ich, ob alles zu meiner Zufriedenheit war. Zwar war ich bemüht, so schnell wie möglich wieder nach unten zu kommen, dennoch konnte ich die Treppe nur sehr langsam passieren, was zum Einen daran lag, dass ich das bodenlange Kleid vorne hochhalten musste und zum Anderen, dass ich lange nicht mehr auf Absatzschuhen gelaufen war.

Deutlich spürte ich Natsukawas Blick auf mir, was mir mehr als unangenehm war und meine Wangen glühen ließ. „Hikari, du siehst umwerfend aus“, hörte ich ihn sagen und blickte verlegen zu Boden. Auch wenn ich ihn schon ewig kannte, so war es mir doch unangenehm, wenn er mir Komplimente machte. Als ich an den letzten paar Stufen angekommen war, hielt er mir seine Hand hin, die ich auch sofort ergriff und mich wie eine feine Lady hinunterführen ließ.

Mit einem kurz zuvor gerufenen Taxi fuhren wir gemeinsam zu der Preisverleihung, welche in einem riesigen Saal stattfinden sollte. Natsukawa hatte mich bereits vorgewarnt, dass wir über einen roten Teppich laufen mussten, um zum Eingang zu gelangen. Ich fühlte mich unsicher, da ich nicht genau wusste wie ich mich zu verhalten hatte. Aus diesem Grund war ich heilfroh, als er nach meiner Hand fasste. „Lächele einfach freundlich“, flüsterte er mir zu, als auch schon dutzende Fotografen auf die Auslöser ihrer Kameras drückten und mich mit ihren Blitzlichtern blendeten. Ich kam mir vor wie eine berühmte Persönlichkeit, dabei war ich doch nur ein ganz normales Mädchen. Ok, einige wenige mochten mich hier in meiner Heimat vielleicht kennen, da ich schon einige Erfolge in der Rhythmischen Sportgymnastik verbuchen konnte, aber wie ein Star fühlte ich mich keineswegs.

Nachdem wir endlich in den Saal verschwunden waren, nahmen wir unsere Plätze an einem der vielen Tische ein. Der Rest der Band, die allerdings ohne Begleitung waren, saß ebenfalls bei uns. Einige Preise räumten Natsukawa und seine Jungs ab und wenn ich ehrlich sein sollte, war ich mächtig stolz auf ihn. Auf der anschließenden After-Show-Party nahmen wir einen der Stehtische in Beschlag. Die Kellner, die die ganze Zeit sehr organisiert durch die Reihen der Gäste lieferten, versorgten uns mit Getränken. Gerade nippte ich an meinem zweiten Glas Sekt als plötzlich ein Reporter auf meinem Begleiter und mich zukam. Er baute sich vor Natsukawa auf und fragte nach einem Interview, welches der Sänger ihm natürlich breitwillig gab. Ich stand daneben und blickte durch die Menschenmenge, die auf dieser Veranstaltung anwesend war, als ich die Frage vernahm, ob ich Natsukawas Frau sei. Mein Kopf schnellte sofort nach vorne, als ich auch schon seinen Arm um meine Taille spürte. „Wer weiß, wer weiß, aber das müssen sie schon selbst herausfinden. In anderer Leute Leben herumschnüffeln ist doch Ihr Job.“

Der Reporter zog mehr oder weniger begeistert von dannen, was meinen Begleiter lächeln ließ. Ich hingegen war völlig verwirrt. Warum hatte er dem Mann so eine zweideutige Antwort gegeben? Natsukawa und ich waren kein Paar – sondern nur Freunde. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Aus dem Interview hatte ich mich rausgehalten, da es mich nichts anging, aber jetzt entschied ich mich dafür, meinen Begleiter zur Rede zu stellen. Ich fragte nach seinen Beweggründen für die Antwort, die er gegeben hatte, woraufhin er mit den Schultern zuckte. „Eigentlich wollte ich ihn ja nur ein wenig verarschen.“

Ok, das hatte gesessen. Ich ließ meine Hand, in der ich das Sektglas hielt, auf den Tisch sausen, so dass es scheppernd darauf aufkam. „Aha, um andere Leute zu verarschen bin ich also gut genug“, warf ich ihm an den Kopf, drehte mich auf dem Absatz herum und lief davon. „Hikari…“ hörte ich Natsukawa meinen Namen rufen, hatte aber absolut keine Lust, darauf zu reagieren. Zum Glück erwischte ich draußen sofort ein Taxi, welches mich nach Hause brachte.

Voller Wut riss ich, nachdem ich die Haustür hinter mir geschlossen hatte, meine Frisur auseinander. Das Kleid flog achtlos in die Ecke und ich schlüpfte Augenblicklich in meinen gemütlichen Schlafanzug. Der Abend hatte so wundervoll begonnen und hätte auch perfekt enden könnten. Doch Natsukawa hatte alles kaputtgemacht. Nie hätte ich gedacht, dass er mich dazu benutzen würde, um irgendwelchen Reportern einen Bären aufzubinden. Es hatte auf mich eher den Eindruck erweckt, dass er vielleicht doch etwas mehr als Freundschaft für mich empfand. Wie hatte ich so etwas nur denken können? Manchmal war ich wirklich ein dummes, naives Mädchen. Schon vor einiger Zeit hatte ich bemerkt, dass mein Herz immer wild klopfte, wenn Natsukawa in meiner Nähe war. Anfangs hatte ich nicht verstanden, was dies zu bedeuten hatte, doch letztendlich fing ich an zu akzeptieren, dass ich ihn wohl liebte.

Verdient hatte er es nach dieser Aktion mit Sicherheit nicht mehr. Dennoch suchte ich die Schuld wie immer bei mir. Hätte ich ihm sagen müssen, was ich für ihn empfand oder hätte ich mich vielleicht einfach nicht in ihn verlieben dürfen? Wie konnte ich nur so dumm sein und glauben so ein Kerl wie Natsukawa könne etwas für mich empfinden. Er konnte weiß Gott hübschere Frauen haben, was sollte er da schon mit mir? Ich warf mich in den Sessel und zog die Knie eng an meinen Körper, bevor ich anfing zu weinen. Warum musste immer mir so etwas passieren?

Erschrocken zuckte ich zusammen als es an der Tür klopfte und ich Natsukawas Stimme vernahm. „Hikari, mach bitte auf. Ich weiß, dass  du da bist.“ Ich rührte mich kein Stück und sagte auch nichts. Immer wieder hämmerte er gegen die massive Haustür und rief dabei meinen Namen. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass seine Stimme klang wie ein Flehen, aber ich war viel zu verletzt um aufzustehen und ihm zu öffnen. Außerdem wollte ich nicht, dass er mich so sah.

Irgendwann verstummten das Klopfen und auch die Rufe.


FLASHBACK ENDE


Ich seufzte. Wir hatten kein Wort mehr gewechselt seit diesem Vorfall und ich spürte mit jedem Tag deutlicher, dass ich Natsukawa vermisste. Noch eine ganze Weile beobachte ich seinen Schatten, den ich durch die Vorhänge scheinen sah. Da es aber schon spät war, entschied ich mich dazu, wieder nach Drinnen zu gehen. Es tat mir zwar leid, dass ich mich nicht von Natsukawa verabschieden konnte, aber irgendwann musste ich ja ins Bett.

Die Nacht wurde leider auch viel zu kurz. Ich hatte eine ganze Weile gebraucht, bis ich einschlafen konnte, da ich immer wieder an den Sänger denken musste, der mir so sehr fehlte. Nachdem ich dann endlich eingeschlafen war, klingelte bereits um 04:00 Uhr wieder der Wecker, der mir signalisierte, dass ich meinen Flug um 06:00 Uhr bekommen musste. Dies wiederum stellte kein Problem dar, da ich bereits alles gepackt hatte und somit um 04.30 Uhr schon im Taxi Richtung Flughafen saß. Die Abfertigung dort ging auch recht zügig und schon wenig später hob die Maschine ab Richtung New York. Ich versuchte ein wenig Schlaf zu finden, was mir nach mehreren Versuchen auch gelang.

Doch als ich nach der Landung in dieser fremden Stadt stand, fühlte ich mich einsam. Mir war kalt und ich hätte gerne meinen langjährigen Freund bei mir gehabt. Vielleicht sollte ich nach meiner Rückkehr doch noch einen Versuch starten mit ihm zu Reden und ihm eventuell sogar erklären, warum ich so gehandelt hatte. Aber daran durfte ich jetzt nicht denken. Bereits am Nachmittag würde ich meine erste Kür vorführen müssen und genau deshalb war nun Konzentration und vor allem aber Eile geboten.

Ich checkte im Hotel ein und bewaffnete mich sofort mit meinem MP3 Player, um mir immer wieder die Musik zu den Küren anzuhören. Heute würde ich eine Kür mit dem Seil und - falls ich in die nächste Runde kam - eine mit den Keulen turnen. Das waren eigentlich meine zwei schlechtesten Disziplinen, aber ich hatte mich dafür entschieden, mit diesen anzufangen, um dann Runde für Runde immer mehr auftrumpfen zu können. Am besten war ich eindeutig mit dem Band und dies hob ich mir für das Finale auf, falls ich es jemals erreichen würde.

Irgendwie überstand ich die ersten beiden Runden ohne große Schwierigkeiten und war einfach nur froh als ich abends wieder im Hotel war. Es war eindeutig aufregender und anstrengender vor so einem riesigen Publikum zu turnen als nur vor ein paar Zuschauern in Japan. Außerdem ging es hier das erste Mal auch um richtig was.

Die Empfangsdame hielt mich kurz zurück als ich die Lobby betrat und drückte mir einen Umschlag  in die Hand. „Der ist für Sie abgegeben worden“, erklärte sie mir und verschwand wieder hinter ihrem Tresen.  Skeptisch begutachtete ich das braune Papier, auf welchem vorne mein Name stand. Die Schrift kam mir bekannt vor, dennoch konnte ich sie im ersten Moment nicht zuordnen. In meinem Zimmer angekommen, warf ich den Umschlag zunächst achtlos auf mein Bett. Eine warme Dusche für meine verspannten Muskeln hatte jetzt zunächst Vorrang.

Mit einem Handtuch umwickelt trat ich eine halbe Stunde später wieder aus dem Bad. Ich schlüpfte in meinen Pyjama und widmete mich dann wieder dem braunen Umschlag. Nachdem ich diesen geöffnet hatte viel mir ein USB-Stick, ein Tape und ein kurzer Brief entgegen.

„Liebe Hikari,

ich weiß, dieses Tape kommt sehr spät und du wirst sicherlich schon die Musik für deine finale Kür ausgewählt haben … aber ich habe die ganze Zeit, während wir uns nicht gesehen haben, daran geschrieben. Ich wollte dir damit zeigen, dass du mir sehr viel bedeutest und mich gleichzeitig dafür entschuldigen für den Mist, den ich gebaut habe.

Ich drücke dir die Daumen für die Meisterschaft und bin mir sicher, dass du diese auch gewinnst…

Liebe Grüße.

Natsukawa“



Noch einmal blickte ich auf den Namen, der in großer Schrift unter den Zeilen stand. Wenn dieser Umschlag mit diesem Brief hier abgegeben worden war, dann bedeutete dies doch, dass…

Wie ein aufgescheuchtes Huhn rannte ich in meinem Schlafanzug runter zur Rezeption, wo ich völlig außer Puste ankam. Die Dame schaute mich an, als wolle sie fragen, ob irgendetwas passiert sei, doch ich hielt ihr nur den Umschlag unter die Nase. Es dauerte noch einige Sekunden bis ich wieder bei Atem war und die Dame endlich fragen konnte, ob derjenige, der den Umschlag für mich abgegeben hatte, auch in diesem Hotel eingecheckt hätte. „Nein, junge Dame. Tut mir leid. Aber der Herr hat bei uns kein Zimmer gebucht.“

Etwas enttäuscht ließ ich den Kopf hängen und ging wieder auf mein Zimmer. Ich schnappte mir mein Handy und wählte die Nummer an, die ich bis vor ein paar Wochen so oft getippt hatte. Das Freizeichen kam, bevor kurz darauf die Mailbox ansprang. Seufzend warf ich das Handy auf die Bettdecke und schnappte mir den USB-Stick, den ich mit meinem Laptop verband, um anschließend die darauf enthaltene MP3-Datei auf meinen IPod zu ziehen. Die Kopfhörer verschwanden in meinem Ohr, bevor ich den Song startete.

Etwa drei Minuten später merkte ich erst, dass mir während ich den Tönen lauschte, Tränen über die Wangen gelaufen waren. Das Stück war wirklich wunderschön und er hatte es nur für mich geschrieben. Mit einem Mal beschloss ich alles über den Haufen zu werfen. Ich musste morgen zu diesem Stück im Finale turnen, das war ich Natsukawa schuldig. Außerdem konnte ich ihm so zeigen, dass ich seine Entschuldigung annahm. Ob er nun live da war oder einfach nur am TV hockte, ich hoffte, er würde es sehen.

Am nächsten Morgen machte ich mich voller Elan auf an den Austragungsort der WM. Heute würde sich alles entscheiden. Die Herren vom Ausschuss schauten mich wirklich mehr als entsetzt an, als ich ihnen das Tape überreichte und sie bat, diesen Song zu meiner finalen Kür zu spielen, falls ich das Finale erreichen würde. Nach einer kurzen Diskussion, gewährten sie mir den Wunsch. Einer der Herren, der einen grauen Schnauzbart trug, sah mich nochmals eindringlich an. „Junge Dame, das gibt es heute das erste Mal, dass jemand am Final-Tag seine Musik ändert. Sind Sie sich wirklich sicher? Das könnte Ihnen den Sieg kosten.“

Ich schüttelte den Kopf. „Der Sieg ist unwichtig. Es steckt etwas viel wichtigeres dahinter.“ Mit einem Zwinkern lief ich in die Umkleide und machte mich fertig für das Viertelfinale. Die Kür mit dem Reifen verlief sehr gut, so dass ich kurz darauf schon zum Halbfinale antreten konnte. Auch die Kür mit dem Ball bekam ich spitzenmäßig hin. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mir heute alles in den Schoß fiel.

Wenn das Finale nur halb so gut klappte wie der Rest, dann hatte ich gute Hoffnung, die WM zu gewinnen. Ich hatte mir das Band extra für meinen letzten Auftritt aufgehoben. Es war das Gerät mit dem ich am besten umgehen konnte. Auch wenn der Sieg mir an dieser Stelle nichts bedeutete, so war ich doch mehr als nervös als ich aufgerufen wurde und an den Rand der großen Turnfläche trat. Ich hob meinen Arm um der Jury zu signalisieren, dass ich bereit war. Dann nahm ich meine Ausgangsposition ein und wartete. Natsukawas Song erklang und ich begann mit meiner Kür. Während ich mein Band schwang und meine Figuren turnte, vergaß ich alles um mich herum. Den Streit mit meinem langjährigen Kumpel, die Tatsache, dass ich gerade um die WM turnte – einfach alles. Ich lauschte nur der Musik und der heimlichen Entschuldigung, die ich glaubte in der Melodie zu hören. Erst als der Applaus des Publikums ertönte, kehrte ich in meine reale Welt zurück. Scheinbar war meine Kür nicht allzu schlecht gewesen, denn auch die Jury tuschelte bereits. Und tatsächlich wurde wenige Augenblicke später verkündet, dass ich die WM gewonnen hatte.

Ich freute mich wie ein kleines Kind, jetzt war ich endlich in der Weltspitze angekommen und konnte mit dem Sport, den ich liebte, mein Geld verdienen. Mir war klar, dass dieser Sieg nicht allein mein Verdienst war, sondern auch Natsukawas, der mir diesen tollen Song geschrieben hatte. Gerne hätte ich mich bei ihm bedankt, doch ich wusste nicht, wo ich ihn finden konnte. Dann musste das Ganze wohl Zeit haben bis ich wieder zurück in Japan war.

Als sich die Halle bereits langsam leerte, trat ich aus der Umkleide und schwang meine Sporttasche über die Schulter. Der Weg zurück ins Hotel war lang und wie jeden Tag würde ich ihn auch heute zu Fuß zurücklegen. „Du bist aber auch ein klein wenig wahnsinnig am letzten Tag den Song zu deiner finalen Kür zu ändern.“ Die mir allzu bekannte Stimme ließ mich herumschnellen. Die Augen weit aufgerissen, erblickte ich Natsukawa, der an dem Brückengeländer lehnte, welches das Flussufer von der Promenade trennte.

In diesem Moment gingen wohl die Pferde mit mir durch, als ich meine Sporttasche fallen ließ und dem Sänger in die Arme rannte. Irgendetwas zwischen „Danke“ und „es tut mir leid“ murmelte ich in sein Oberteil als meine Umarmung – für mich doch etwas überraschend – erwidert wurde. „Mir tut es leid, ich hab die Scheiße gebaut“, flüsterte er zurück und strich mir über das hellbraune Haar. Mein Kopf ruhte an seiner Schulter, während ich ihn fragte, was er überhaupt hier mache. Ich hörte ein leises Lachen. „Glaubst du wirklich, ich hätte dich an einem der wichtigsten Tage in deinem Leben allein gelassen?“

Langsam hob ich meinen Kopf und sah zu ihm auf. „Danke, für den wunderschönen Song.“ Seine Augen musterten mich und ich musste kräftig schlucken. Fest hatte ich mir vorgenommen ihm zu erklären, warum ich so reagiert hatte. Ich senkte den Blick, während ich nach den richtigen Worten suchte.  „Natsukawa… wegen der Sache auf der Veranstaltung… ich habe so komisch reagiert … weil… weil ich…“. Abrupt stockte ich, als ich seine Hand an meiner Wange spürte, die mein Gesicht sanft in seine Richtung drehte. Mir blieb keine Zeit um auf irgendeine Weise zu protestieren, denn im nächsten Moment spürte ich seine Lippen auf meinen.

Meine Wangen begangen zu glühen. Wusste er es die ganze Zeit? War es so offensichtlich gewesen? In dem Moment war mir eigentlich alles egal. Wir hatten uns versöhnt und das auf die wahrscheinlich schönste Weise überhaupt. Ich hatte lange gebraucht, um meine Gefühle für diesen Mann zu verstehen, doch jetzt war ich mir mehr als sicher. Er löste sich kurz von mir und sah mich wieder mit diesem durchdringenden Blick an. „Auch wenn es nicht immer danach aussah und auch wenn ich eine Zeit gebraucht habe, um es zu verstehen … ich liebe dich, Hikari.“ Seine warmen Worte waren Samt für meine Seele. Ich hatte heute nicht nur die Weltmeisterschaft gewonnen, sondern auch den Mann bekommen, den ich immer wollte. „Ich liebe dich auch, Natsukawa“, erwiderte ich leise, bevor ich mich auf die Zehenspitzen stellte und ihn erneut küsste.



Kommentar der Autorin
Nach langer Zeit endlich mal wieder ein kleiner One-Shot von mir. Leider komme ich immer seltener dazu mich wirklich intensiv mit der Schreiberei zu beschäftigen, was mir sehr Leid tut. Aber es gibt leider Dinge, die wichtiger sind.

Warum habe ich mich gerade für "Die kleinen Superstars" entschieden? Das ist eigentlich ganz einfach. Ich mochte den Anime schon immer super gerne, was mich dazu veranlasste über einen One-Shot nachzudenken, da ich eben dieses Pairing gerne gesehen hätte.

Der OS war schon seit langem geplant und liegt auch schon mind. 4 Monate fertig auf meiner Festplatte - muss ich zu meiner Schande gestehen. Aber ich dachte, ich lad ihn jetzt mal hoch. Hoffe er gefällt euch. Über Kommis würde ich mich wie immer freuen.

Bis bald.

Starlight
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