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Wyvern D. Cate  - Der Weg nach Raftel

von FairyDe
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Marco der Phoenix Monkey D. Dragon OC (Own Character) Puma D. Ace / Gol D. Ace Thatch Whitebeard alias Edward Newgate
02.02.2014
14.10.2021
71
212.268
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14.10.2021 4.424
 
Nachkriegs-Arc - Teil 1


Damon schritt den dunklen Gang entlang.
In seinen Händen hielt er eine Schüssel mit dampfender Gemüsesuppe, in der anderen einen heißen Becher Kräutertee.
Er stoppte erst, als er einen jungen Mann vor der Tür seiner Tochter stehen sah. „Snipe.“
Der Scharfschütze zuckte zusammen und wandte den Kopf zu dem Schwarzhaarigen. Seine sonst so lebensfrohen Augen waren trüb. Generell wirkte der Junge erschöpft. „Hallo.“
„Solltest du nicht schon im Bett sein? Ihr hattet eine anstrengende Reise.“
Snipe schwieg, als hätte er seine Worte nicht gehört. Stattdessen kaute er ununterbrochen auf seinen Lippen.
Damon musterte seine Gestalt. Snipes Blick war in die Ferne gerichtet. Die Fäuste geballt und die Arme fest an den Körper gepresst. Er wirkte verloren und in sich zusammengekrümmt.
„Was ist los, Snipe?“
Der Blonde zog die Schultern hoch. „Kommandant … Ich mache mir Sorgen um Cate“, antwortete er schließlich. Seine Worte waren kaum mehr als ein Flüstern.
Besorgt wanderten Damons blaue Augen auf und ab, anschließend blickte er zur geschlossenen Tür. „Ich weiß was du meinst. Wie waren die letzten Wochen?“
Der Blondhaarige seufzte und trat einige Schritte von der Tür weg. „Schrecklich. Den ersten Tag hat sie nur geweint und sich in ihrem Zimmer eingeschlossen.“ Er wurde blass bei dem Gedanken. „Ich habe noch nie jemanden so sehr vor Trauer schreien gehört … Es war schrecklich.“
Damon zog besorgt die Stirn kraus.
„Am nächsten Tag hat sie versucht alles zu verdrängen. Sie hat begonnen Abstand zu nehmen und hat sich in die Berichte gestürzt, die sie Dragon geben wollte. Dann hat sie geputzt.“
„Geputzt?“
„Wie eine Irre. Das ganze Marineschiff hat geglänzt“, so lustig es auch klang, in seiner Stimme schwang nichts als Bitterkeit mit. „Sie war generell kühl und distanziert. In der Nacht hatte sie schreckliche Alpträume, ich hab sie Weinen gehört. Als wir versuchten mit ihr darüber zu sprechen hat sie … so untypisch reagiert.“
„Was meinst du?“
„Sie hat uns angeschrien, dass wir nicht unsere Nasen in ihre Angelegenheiten stecken sollen und hat uns zu Strafarbeiten verdonnert.“ Snipe lachte freudlos. „Ich denke, sie hatte dann ein schlechtes Gewissen oder fühlte sich … nutzlos, denn sie hat die Arbeiten schließlich selbst erledigt.“
„Wie bitte?“ Damons Augenbrauen zuckern nach oben. „Hat sie überhaupt richtig geschlafen?“
„Nein, nicht viel. Sie hat oft an Deck gestanden, völlig erschöpft, irgendwie rastlos, und hat die Sterne beobachtet.“ Seine Stimme war nur mehr ein Wispern. „Vor einer Woche ist sie zusammengebrochen und hatte hohes Fieber. Der Arzt sagte, es sei eine Stressreaktion. Sie hat kaum geschlafen, sehr wenig gegessen und hat ohne Unterbrechung gearbeitet. Wenn das Schiff sauber war, hat sie die Berichte kontrolliert. Wenn das erledigt war, hat sie die Route besprochen, dann gab es einen Sturm oder ein Angriff. Bis das Schiff schließlich wieder staubig war und sie von vorne angefangen hat.“
Nun starrte Damon angespannt auf Cates Zimmertür. „Dieser Sturschädel ist immer gleich. Bei ihrer Mutter hat sie damals ähnlich reagiert.“
Snipe zuckte ratlos mit den Schultern. Ein müdes Seufzen entkam ihm „Sie lässt uns nicht an sich heran. Vielleicht kannst du ihr helfen oder Sabo, die beiden sind schließlich schon so lange befreundet.“
Damon dachte kurz an den blonden Mann, der vor wenigen Wochen aufgrund eines Anfalls im Krankenbett gelandet war. „Er wird mit ihr morgen sicher sprechen wollen. Danke, Snipe. Ruh dich jetzt aus!“
Der Mann nickte lediglich und schlurfte davon.

Damon schüttelte den Kopf. Was dieser lästige Krieg alles verursacht hat.
Er klopfte etwas an der Tür.
„Snipe, ich sag es dir zum dritten Mal: Hau ab!“ Die letzten Wochen klangen wie ein Fauchen.
Der Schwarzhaarige schnaubte und öffnete ohne Zögern die Tür.
„Snipe—“ Cate stoppte in ihrem Zorn, als sie ihren Vater erblickte. Augenblicklich blieben ihr die Worte im Hals stecken. „Papa. Was willst du?“
Die Frau saß, noch voll bekleidet, auf ihrem Schreibtisch. Vor ihr lag ein Logbuch.
Ohne Worte stellte er die Schüssel und den Tee vor ihr ab. „Iss. Das wird dir gut tun.“
Trotzig funkelte sie ihn an. „Ich habe keinen Hunger.“
„Iss!“, sagte ihr Vater nun etwas schärfer.
Cate erhob sich erbost. „Einen Scheiß werd ich tun!“ Wütend funkelte sie ihn an.
Etwas überrascht über ihre Gegenwehr, starrte er sie an. Es war selten, dass sie ihm gegenüber laut wurde. Jeder andere Vater hätte seine Tochter wahrscheinlich ausgeschimpft, würde sie in diesem Ton mit ihm reden. Sein eigener Vater hätte ihn ganz sicher grün und blau geschlagen.
Damon stattdessen setzte sich auf die Tischkante und blickte sie ruhig an. Seine blauen Augen lagen auf ihr, er wartete.
Aus Erfahrung wusste er, dass man mit Zorn und Frust nicht gegen seine Tochter ankam. Sie würde nur auf stur schalten und jegliche weitere Gespräche ablehnen.
Der Schwarzhaarige legte den Kopf schief, als sie unter seinem Blick unruhig wurde.
Cates fester Blick wurde unsicher. Ihre Finger waren ineinander umschlungen, nervös kneteten sie einander.

Cate wandte den Kopf zur Seite und wollte sich am liebsten unter dem Bett verstecken. Sie kannte diesen Blick.
Sie war sich nicht sicher, ob ihr Vater sich seiner Ausstrahlung bewusst war, doch diese blauen Augen starrten ihr tief in die Seele.
Es war ihr egal, wenn man sie anschrie oder zu schlagen versuchte. Doch der ruhige, wartende Blick ihres Vaters ließ sie schlottern.
„Entschuldige“, sagte sie schließlich. „Ich wollte dich nicht anschreien.“ Ihr Atem zitterte.
Damon sagte eine Weile nichts. Er blickte sie weiterhin an, bis sie schließlich wie ein kleines Kind geduckt vor ihm stand.
„Gut“, erwiderte er. „Setz dich zu mir.“
Die Rothaarige nickte langsam und ließ sich auf dem Stuhl nieder. Vor ihr stand der unberührte Teller mit der Suppe, der Tee kühlte stetig ab. Überrascht zuckte sie zusammen, als sich die kühle Hand ihres Vaters auf ihre Stirn legt.
„Du hast leichtes Fieber“, stellte er stirnrunzelnd fest. „Ich dachte, du wärst wieder gesund?“
Cate biss sich auf die Lippen. Missmutig dachte sie an die letzten Tage zurück, in denen sie mit Fieber im Bett gelegen hatte. Sie war nie krank, verdammt! Wieso jetzt?! Sie wollte nicht schwach wirken, sie konnte die mitleidigen Blicke nicht ertragen.
Der Mann seufzte. „Weißt du, ich weiß wie du dich fühlst. Als deine Mutter damals mitgenommen wurde, war ich der festen Überzeugung, sie sei tot. Es hat mich innerlich aufgefressen. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte und ich habe sie dennoch auf diese Insel gehen lassen, wo sie direkt in eine Falle gelaufen war.“ Er blickte seine Tochter an. Diese presste die zitternden Lippen zusammen, während ihre Augen glasig wurden. „Ich kenne dich. Du machst dir Vorwürfe. Du wünschtest dir, du hättest dich selbst dazwischen geworfen oder ihn generell davon abgehalten sich gegen Akainu zu stellen.“
Cate holte zitternd Luft.
„Aber wie ich diesen Piraten kennengelernt habe…“, Damon wiegte den Kopf hin und her. „Er war ein Sturkopf. Jemand, der sich nicht von seiner Entscheidung abbringen ließ.“ Der Schwarzhaarige dachte nach. „Er ähnelte seinem Vater mehr als gedacht. Roger war auch—“
„Whitebeard ist sein Vater!“, rief Cate laut und schlug mit den Händen auf den Tisch, sodass die Suppe überschwappte. Sie hob den Kopf und zum ersten Mal seit vielen Tagen tropften Tränen aus ihren Augen.
Ihr Vater sah sie mit geweiteten Augen an.
„Das ist das Problem, siehst du es nicht?!“, fuhr sie fort. Schluchzend ballte sie die Fäuste und blickte zu Boden. „Er hat sich so angestrengt. Er wollte frei sein, sein eigenes Leben leben. Er wollte, dass die Welt ihn sah wie er war - als Feuerfaust Ace. Als Pirat, der sich seine Stärke, seinen Ruhm und seinen Namen selber erarbeitet hatte. Und jetzt?! Jetzt … wird er für immer Sohn des Piratenkönigs sein. Er wird für alle Ewigkeit für seine Herkunft verteufelt und all das, was ihn eigentlich ausgemacht hat…“, sie holte tief Luft, Schluckauf hatte sich in ihre Worte gemischt. Die Tränen rannen wie ein Wasserfall über ihre roten Wangen. „Alles was er war wird in Vergessenheit geraten. Bereits heute schreiben sie in der Zeitung „Gold Ace“ oder „Ace, der Sohn des Piratenkönigs“. Es kotzt mich an.“
Damon nahm sie Zeitung, die Cate gerade hasserfüllt anblickte. Sie hatte recht, Ace wurde vom Ruhm seines Vaters überschattet. Er musterte den Namen „Gold Ace“ - selbst hier sorgte die Regierung für Zensur. Rogers Name war Gol D. Roger und Gold Roger - aber das wussten die wenigsten.
„Ich verstehe dich, aber dafür kannst du nichts, Cate. Dein Verhalten treibt dich nur in einen dunklen Strudel aus Hass und Rachegelüsten.“
„Wie kommst—“
„Verleugne es nicht. Ich kenne dich. Wie lange ist deine Mordliste? Wer steht alles drauf? Der Admiral Akainu? Teach? Chad?“
Cate knurrte enttäuscht. „Ich werde sie eines Tages umbringen und du kannst mich nicht davon abhalten.“
Damon seufzte. „Ich weiß - Akainu war auch an der Festnahme deiner Mutter beteiligt, ich verstehe deinen Hass nur zu gut.“ Sanft legte er ihr eine Hand auf die Schultern. „Sieh mich an.“
Langsam hob sie den Blick. Grüne Augen blickten in eisblaue. „Du darfst dich nicht in diesen Gefühlen verlieren. Du bist nicht alleine, meine Kleine. Du hast mich, Dragon, seine Mannschaft, Sabo. Du hast hier viele Freunde und alle lieben dich wie du bist. Wir helfen dir, aber dafür darfst du dich selbst nicht aufgeben.“
Cates Augen weiteten sich, während ihr erneut Tränen in die Augen traten. Schluchzend nickte sie. „Ich weiß … Ich weiß … Aber es ist so schwer … Es tut so weh …“
Damon zog sie an sich, während sie weinend in seinen Armen lag. Er zog die Augen zusammen und wünschte sich, dass er ihr diese Gefühle hätte ersparen können.
„O Gott…“, hauchte sie dann. „Sabo …“
„Was ist?“
„Sie waren Brüder, Papa“, presste sie hervor. Sie dachte an Ace, wie er ihr voller Begeisterung eine Geschichte aus seiner Kindheit erzählte. Liebevoll hatte er von seinen Brüdern erzählt. Dann dachte sie an Sabo, der nicht die geringste Ahnung hatte, wer er eigentlich gewesen ist. „Sabo war Ace‘ Bruder … Ace … Ace wollte … ihn treffen. Er wollte wissen, ob es wirklich … sein Sabo war.“ Sie schlug die Hände vor dem Mund, um die Schluchzer zu unterdrücken. „O Gott … o Gott …“
Der Schwarzhaarige strich ihr langsam über den Rücken. „Ich weiß, aber daran können wir jetzt nichts mehr ändern.“


WÄHRENDDESSEN AUF DER KRANKENSTATION

Skyla blickte den Mann vor ihr tief in die Augen. Ihre Finger strichen über seine Wangen und über das Tattoo, welches sein Gesicht noch markanter wirken ließen.
„Du siehst gut aus“, lachte sie breit.
Dragons Augen weiteten sich kurz, ehe er seufzte. „Du bist keine fünf Minuten wieder da und schon fängst du damit an?“
Skyla lachte. „Hihihi - ich habe dich vierzehn Jahre nicht ärgern können, ich muss jetzt alles nachholen.“ Ihre großen Augen blinzelten ihn an. „Es sei denn …“ Nervös trat sie von einem Bein auf das andere. „Es sei denn, du hast eine andere Frau gefunden … Ich meine, ich würde es verstehen. Ich war lange weg und—“ Ein Schnipsen gegen ihre Stirn ließ sie innehalten. „Aua, das tat weh!“ Sie hielt sich die schmerzende Stelle.
„Geschieht dir recht, was redest du für einen Mist?“, fragte der Mann brummend und sah sie verärgert an. „Dich könnte niemand ersetzen.“
Skylas Mund klappte auf. Augenblicklich kamen ihr die Tränen. „Bist du süß.“
Dragon spannte sich an, augenblicklich wurde ihm warm. Er konnte es nicht fassen, sie hatte sich überhaupt nicht verändert.
Die Frau lachte leise und ließ sich auf dem Bett nieder. Jegliche Verspieltheit war aus ihrem Gesicht gewichen und machten einer bitteren Miene Platz. Dragon zog die Stirn kraus und setzte sich auf einen Stuhl ihr gegenüber.
„Tut mir leid, Dragon“, sagte sie schließlich. „Ich konnte nicht anders. Weißt du, von diesem Tag habe ich all die Jahre geträumt. Zu Beginn war ich der festen Überzeugung, dass ich bald wieder frei sein würde, dass du mich retten würdest.“
Dragon biss die Zähne zusammen, Schuldgefühle kamen in ihm hoch. „Skyla—“
Sie winkte ab. „Schon gut … Nach einigen Wochen war mir klar, dass das nur ein Wunschdenken war, das mich am Leben gehalten hat. Ich wurde oft gefoltert, damit ich etwas ausplaudere. Die Hoffnung ließ mich durchhalten … Irgendwann, haben sie mich in meiner Zelle versauern lassen.“ Sie lachte freudlos. „Das war dann ziemlich langweilig, bei ihren dämlichen Folterungen hatte ich wenigstens Abwechslung.“
„Skyla …“
„Ich weiß, ich weiß …“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht mal mehr darüber weinen, es ist schon so lange her. Als Daphne kam, war ich glücklich.“ Sie grinste. „Wir waren einige Jahre Knastkollegen.“
„Du warst wenigstens nicht mehr alleine.“
„Hm, nein. So leid sie mir auch tat, so froh war ich, dass ich mir ihre Geschichten anhören konnte. Sie hat mir von dir erzählt und was für tolle Dinge du die letzten Jahre geleistet hast. Und dann war da Garp.“
Dragon starrte sie finster an. „Mit dem alten Mann habe ich auch noch ein Hühnchen zu rupfen.“
Skyla seufzte. „Lass es bleiben. Wenn er nicht gewesen wäre, wäre ich schon längst hingerichtet worden.“
Dragon beäugte sie voller Zweifel. „Trotzdem, das letzte Wort ist noch nicht gesagt. Er wird noch von mir hören.“
„Nimmst du mich dann mit?“
„Was?“
Skyla lächelte. „Ich will ihn wiedersehen, frei von all den Ketten und weg von all den Zellen. Er ist mein Schwiegervater. Ich nehme ihm nicht übel, dass er so gehandelt hat. Schließlich gehört er zur Marine, wir sind Verbrecher. Er hat sowieso schon viel zu oft ein Auge zugedrückt.“
„Wir werden sehen. Zuerst erholst du dich.“
„Klar doch!“, sie hob den Daumen.
Die angenehme Stimmung wurde von einem lauten „Hallihallo!“ unterbrochen. Die beiden blickten zur Tür.
„Ivan!“, Skylas Miene hellte sich auf, als das gigantische Gesicht der Transenkönigin in der Tür erschien.
„Ivan“, stellte Dragon fest.
„Dragon, lange nicht mehr gesehen!“, Ivan stolzierte als Frau in das Zimmer. Sie grinste breit. „Ich wollte euch Zuckerpuppen nicht unterbrechen. Eigentlich wollten wir Skyla ihr Zimmer zeigen.“ Hinter Ivan lugten einige Männer und Frauen in den Raum.
„Oh, natürlich“, sagte Skyla. „Es ist schon spät.“
„Du brauchst ihr kein Zimmer zeigen. Sie schläft bei mir“, sagte Dragon bestimmte.
Alle Anwesenden starrten ihn mit großen Augen an. Der Revolutionär seufzte. „Seht mich nicht so an. Jetzt wissen sowieso alle Bescheid, also ist es egal, wenn sie von Anfang an bei mir ist.“ Er sah Skyla an. „Außer es stört dich?“
Geschwind schüttelte sie den Kopf. „Nein!“
Dragon huschte ein leichtes Lächeln über den Lippen. „Gut, dann gehen wir.“
Ivan nickte nur, ein nachdenkliches Lächeln auf den Lippen. „In Ordnung. Ich werde dir morgen alles erzählen, Dragon.“
Der Schwarzhaarige nickte. „Gut, um sieben Uhr im Besprechungsraum.“
„So früh?“, maulte Ivan. Er lugte zu Skyla. „Bist du sicher, dass du so früh aus dem Bett kommen wirst?“ Skyla starrte ihn entgeistert an.
Dragon drehte den Kopf zu seinem langjährigen Kameraden. „Übertreibe es nicht, Emporio Ivankov.“
Ivan lachte und verwandelte sich zurück in einen Mann. „Bis morgen!“

„Ich fasse nicht, dass er das gesagt“, murmelte Skyla, als sie den dunklen Gang entlang gingen. „Wir haben unsere Beziehung früher im Geheimen geführt. Ich bin das garnicht gewohnt, dass das jetzt alle wissen.“
Dragon lugte zu ihr hinab. „Das können wir jetzt auch nicht ändern. Wir müssen uns daran gewöhnen.“
Sie lächelte ihn an. „Hm, ich denke, dass das in Ordnung sein wird.“ Sie blickte aus dem Fenster. Bartigo war von Wolken umgeben - generell war es eine düstere Nacht. „Ich hab Ruffy getroffen.“
Nun grinste Dragon. „Und? Was sagst du?“
Sie grinste. „Er ist unglaublich. Seine Teufelskräfte sind der Wahnsinn. Er besitzt Gummi-Kräfte und kann das hier und das da.“ Sie boxte mit den Armen in die Luft, nur um aufgrund der Wunden zusammen zu zucken.
Dragon musste sich ein Augenrollen verkneifen. Sie war ein Tollpatsch und würde es auch immer bleiben.
„Er hat mir von seinen Freunden erzählt“, keuchte sie schließlich und versuchte die Schmerzen zu verdrängen. „Er hat gute Leute unter sich. Er ist glücklich und das ist was zählt.“
„Ja, ich habe ihn das letzte Jahr über stets im Auge behalten. Er macht sich gut, auch wenn er noch einen langen Weg vor sich hat.“
„Piratenkönig, hm?“ Die Blondine lächelte leicht, als sie an Roger dachte. „Hm, eines Sache wäre da noch.“ Skyla wandte den Blick und sah den Mann finster an. „Dass du ihn an Garp abgestreift hast, finde ich nicht okay.“
Dragon brummte. Er hatte nur auf die Standpauke gewartet. Augen zu und durch.
„Er kennt dich nicht einmal, Dragon! Ich weiß, dass du ihn schützen wolltest, aber war es das wert?“
„Ich wollte nicht riskieren, dass ihm auch etwas passiert“, antwortete er nach einer Weile. „Außerdem sollte er selber entscheiden, welchen Weg er gehen will. Pirat, Revolutionär, Marinesoldat? Es ist sein Leben.“
Skyla wurde nachdenklich. „Das hast du gemacht, weil dein Vater dir keine Wahl gelassen hat, richtig? Du wolltest nie zur Marine und dennoch hat Garp dich dazu gedrängt.“
„Du wolltest auch nie zur Marine und bist dennoch mitgekommen“, brummte Dragon als er seine Zimmertür öffnete.
Skyla kicherte und blickte ihren Mann liebevoll an. „Ich konnte dich ja nicht alleine lassen.“


Cate blickte verwirrt auf das Meer.
Es war warm - die Sonne versank gerade im Meer. Eine sanfte Brise wehte ihr den weißen Sand über die nackten Zehnen.
Hinter ihr lag ein Inselparadies. Viele Hotels und Lokale türmten sich hinter ihr auf. Pärchen und Familien schlenderten entspannt die Strandpromenade entlang.
Cate wanderte weiter. Ihr kam die Insel sehr bekannt vor - war sie schon einmal hier gewesen?
„Mann, Cate, hast du die Smoothies?“, Cate zuckte zusammen, als sie jemand von der Seite ansprach. Sie trat zurück und starrte auf eine Liege hinab.
Aster lag ausgebreitet an der Sonne, er sah sie mit peitschendem Schweif an. „Bitte sag mir, du hast nicht darauf vergessen?“
Cate sank auf die Knie und zog das Tier an sich. „Aster! Dir geht es gut.“
„Natürlich geht es mir gut“, brummte der Kater. „Was ist denn los mit dir?“
Sie schüttelte den Kopf. „Alles okay. Ich denke, ich hatte einen schlechten Traum.“
Aster schlürfte an seinem Milch-Smoothie. „Was hast du geträumt?“
Cate lachte. „Ich hab geträumt, dass du getötet worden bist und dann hab ich aus Ace verloren.“ Sie schüttelte sich. „Mann, das war so real. Ich will gar nicht daran zurückdenken.“
„Hm.“ Aster setzte sich auf. Zusammen blickten sie auf den Sonnenuntergang.
„Ich hab dich gerne, Aster.“
„Ich dich auch, Cate.“ Der Kater drückte den Kopf gegen ihren Arm. „Vergiss nicht, dass war immer bei dir sind.“
„Huh?“ Sie blinzelte ihn verwirrt an. Plötzlich legte sich eine Hand auf ihre Schulter. Cate drehte sich geschwind um, nur um in Ace‘ grinsendes Gesicht zu blicken.
„Das sieht lecker aus, was habt ihr da?“
„Smoothies“, rief Aster. „Finger weg, das ist meins!“ Er holte mit der Pfote aus, als Ace nach ihm fischte.
„Hey“, schmollte der Pirat.
Cate starrte zwischen den beiden hin und her. Irgendetwas war seltsam. Sie wusste nicht was, aber ein ungutes Gefühl in ihrer Magengegend wies sie darauf hin.
Ace setzte sich neben Cate in den Sand und blickte auf das Meer hinaus. „Ein schöner Anblick, nicht wahr?“
Cate starrte ihn sprachlos an. Er wirkte so friedlich und glücklich, wie er auf das Meer starrte. Der Oberkörper von der Sonne gebräunt und mit etwas Sand bedeckt.
Dann blitzschnell änderte sich das Bild und sah ein Schlachtfeld, Blut, so viele Tote - nur um im nächsten Moment wieder am Strand zu sitzen. „Was zum …?“, panisch sprang sie auf und ließ den Smoothie fallen.
Erneut flackerte das Bild. Aster war tot. Ace war tot. Alle weinten, schrien. Es herrschte das absolute Chaos.
„Cate?“
Sie stand wieder am Sandstrand und blickte ihn Ace‘ braune Augen. Er sah sie besorgt an. Sanft zog er sie auf den Boden zurück. Seine Hände verschränkten sich mit ihren.
„Ace …?“, wimmerte Cate, während ihr Tränen aus den Augenwinkel tropften. „Du bist nicht wirklich hier“, flüsterte sie, als sie die Erkenntnis traf. Träumte sie?
Vorsichtig strich sie über seine Wange, sie konnte seine Wärme nicht spüren. „Und Aster auch nicht.“
Der Pirat lächelte traurig. „Du bist nicht alleine. Es ist vielleicht schwer, aber wir lassen dich nicht alleine.“ Er zog sie in eine Umarmung. „Wir lieben dich.“
„Was soll ich Sabo sagen?“, flüsterte sie.
„Die Wahrheit. Er wird sie verstehen.“


Cate riss die Augen auf.
Ihr Zimmer war still, langsam tauchten die ersten Sonnenstrahlen auf. Langsam setzte sie sich auf. Frische Tränen tropften auf die Bettdecke.
„Ein Traum“, flüsterte sie. Rasch fuhr sie sich mit den Fingern über das Gesicht.
Kopfschüttelnd erhob sie sich. „Ich muss mich bewegen.“
Ihr Weg führte sie auf das Trainingsfeld. Es war ein kahler, eingezäunter Fleck. Am Rande waren überdachte Bänke, bei denen man sich ausruhen konnte.
Es war gerade mal sechs Uhr morgens. Der Wind war kühl, perfekt für eine ruhige Trainingsrunde.
Cate beschwörte ihr Schwert Kiyoshi und begann auf imaginäre Gegner einzuschlagen. Dabei stellte sie sich vor wie sie Teach, Akainu und Chad unzählige Male den Kopf abschlug. Was für eine Genugtuung.
Es vergingen keine zwanzig Minuten, bis ihr Schwert unerwartet gegen einen Eisenstab krachte.
Cate schreckte aus ihren Gedanken hoch und starrte in die ernsten Augen ihres besten Freundes. „Sabo.“
Der Blondhaarige drückte gegen ihr Schwert. Cate stolperte zurück. „Du bist nicht bei der Sache“, stellte er fest, während er seinen Stab kreisen ließ.
Sie musterte ihn. Bis auf eine schwarze Hose und ein einfaches Hemd trug er nichts. Er musste er vor kurzem aufgestanden sein.
Cate musterte ihn finster und umfasste das Schwert fester. „Du hast recht. Komm her!“
Sabo ließ sich das nicht zweimal sagen und ein flotter Schlagabtausch begann. Es dauerte nicht lange, ehe Cate bittend den Arm hob und keuchend auf die Knie ging. Ihr Kopf war hochrot, sie war schweißgebadet.
Sabo musterte sie besorgt und setzte sich zu ihr. „Du hast Fieber“, rief er besorgt. „Wieso liegst du nicht im Bett!“
„Sei still“, zischte sie ihm entgegen. „Ich weiß sehr wohl, was ich tue. Hört auf mich alle zu bemuttern.“
Sabo lehnte sich seufzend zurück. Gemeinsam blickten sie zu dem Sonnenaufgang.
Cate fühlte sich erschreckend an ihren Traum erinnert. Dort hatte sie den Sonnenuntergang beobachtet. Jetzt war es genau das Gegenteil - neben ihr saß auch kein Toter.
Sie zuckte zusammen - der Gedanke ließ sie unwohl werden.
„Ich wurde befördert“, sagte Sabo, um die Stille zu brechen.
„Tatsächlich“, Cate sah ihn überrascht an. „Welche Position?“
Sabo lächelte. „Ich bin jetzt der Stabschef.“
„WAS?!“ Cate packte den Mann an den Schultern. „Ausgerechnet du?! DU CHAOT?!“
Sabo lachte über ihre Reaktion. „Koala hat genauso reagiert.“
„Zurecht!“ Cate schmollte. „Mann, jetzt stehst du nicht mehr unter mir.“
„Ganz genau. Jetzt kannst du mir keine Befehle mehr erteilen“, grinste der Mann.
Cate rollte mit den Augen. „Ach, halt die Klappe. Du hast sowieso immer dein eigenes Süppchen gekocht.“
Kurz herrschte Stille. In der Ferne riefen sich die ersten Leute etwas zu - langsam aber sicher erwachte die Insel.
„Cate“, sagte Sabo schließlich. Sein Gesicht war ernst und … irgendwie schmerzerfüllt. „Ich muss dir etwas sagen.“
„Hm, was denn?“ Sie ließ ihre Finger durch den staubigen Boden gleiten.
„Ich … erinnere mich wieder. An meine Vergangenheit, meine ich.“
Cate fühlte sich, als hätte sie der Blitz getroffen. Sie starrte in die Ferne. Nein, sie fühlte sich, als würde sie gerade ihren Körper verlassen. Fassungslos schwebte sie davon und wusste nicht, was sie sagen sollte.
„Ace …“ Sabo sah Cate nervös an. „Glaub es mir oder nicht. Ace ist mein Bruder.“ Die Rothaarige reagierte zuerst nicht. „Cate … Hast du mich gehört?“
Sie drehte ihren Kopf zu Sabo. Der Mann zuckte zurück, als er ihre Tränen sah. „Ja“, brachte sie hervor. „Ich weiß.“
„Du … Du weiß es?“ Sprachlos starrte er sie an. „Was … Aber… Wieso hast du mir nichts gesagt?“ Er schüttelte den Kopf. Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass sie aus allen Wolken fallen würde.
Cate lächelte bitter. „Ich hab Ace mal von dir erzählt … Er war der festen Überzeugung, dass du sein Bruder Sabo warst … Er hat oft von dir und Ruffy gesprochen. O Gott, er hat euch so sehr geliebt.“ Sie senkte den Blick.
Sabo zitterte. Ihm war plötzlich eiskalt. „Er wusste es …?“
Die Frau nickte. „Er wollte …“ Sie schluckte. „Er wollte dich treffen … Er wollte dich so sehr wiedersehen. Es tut mir leid, Sabo“, weinte sie. „Es tut mir so leid, dass das nicht mehr möglich ist.“
Der blonde Mann schluckte, als ihm selbst die Tränen in die Augen stiegen und zog die Frau an sich. „Schon gut … Wir haben beide einen geliebten Menschen verloren. Du musst dich für gar nichts entschuldigen.“
„Nein … Ich war dort. Ich hätte etwas unternehmen müssen. Es ist allgemeine bekannt, dass Akainus Haki nahezu perfekt ist. Nicht mal Marco hatte eine Chance gegen ihn.“ Sie schüttelte den Kopf. „Es war so schrecklich, Sabo … Das hat er nicht verdient … Er war so ein fröhlicher und guter Mann. Er hat so viel mehr verdient.“
Sabo senkte die Augen und dachte an längst vergangene Kindheitstage zurück. „Ja, das dachte ich damals auch schon. Ich hoffe, dass er sein Leben so gelebt hat, wie er es wollte.“
Cate zog die Mundwinkel hinab. Sie wusste nicht, ob er kurz vor seinem … Tod mit sich im reinen war. Sie wünschte sich, dass ihm noch hundert Jahre vergönnt gewesen wären.


IRGENDWO IN DER NEUEN WELT

Daphne stand an der Reling eines geklauten Marineschiffs. Hinter ihr befanden eine der übrigen Whitebeard-Piraten. Es war still, denn die Sonne war erst vor Kurzem aufgegangen.
Mit geschlossenen Augen lauschte sie dem Meeresrauschen. Es war so beruhigend. Genau was sie nach diesen stressigen Wochen brauchte.
„Du kannst jetzt reingehen, Daphne“, sagte Thatch hinter ihr.
Sie drehte sich um und blickte dem Tollenträger in die Augen. „Wie geht es Marco?“
„Schon besser. Die letzten Wochen haben viel abverlangt“, der Pirat lächelte. „Aber er hat nicht aufgegeben.“
Sie nickte. „Gut. Ich gehe dann mal.“
Zielsicher schritt sie unter Deck und machte sie auf in die Krankenstation. Es kam ihr niemand entgegen, generell war es heute gespenstisch ruhig.
Vorsichtig öffnete sie die Tür und lugte in den Raum. „Hallo, Marco. Geht es dir schon besser.“ Sie blickte den völlig erschöpften Mann an. Ihm wurde gerade eine Infusion verabreicht.
Marco saß auf einem Stuhl und blickte sie müde an. „Klar. Wenn ich das Ergebnis meiner Arbeit ansehe, dann kann es mir nur besser gehen.“
Daphne lächelte und trat zu ihm. Beide blickten auf ein belegtes Krankenbett. Der Patient war an unzähligen Schläuchen gehängt. Zufrieden sah Daphne auf den Monitor, der einen schwachen, aber stetigen Herzschlag zeugte.
„Ich fasse es nicht, dass alle geklappt hat“, seufzte sie. „Du bist unglaublich, Marco.“
Der Mann schüttelte träge den Kopf. „Nein, ich muss dir danken.“
„Wie lange bis ich zu der Revolutionsarmee zurückkehren kann?“
Marco runzelte die Stirn. „Mit dem was du vorhast? Zwei oder drei Monate, wenn nicht sogar länger.“
„Verstehe.“ Daphne lächelte traurig und drückte dem Patienten die Hand. „Letztendlich habe ich Rogers Wunsch erfüllt.“
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