Getrennt durch eine Scheibe...

GeschichteDrama, Romanze / P12
01.02.2014
19.10.2014
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๑⊱☆⊰๑


Wir schreiben das Jahr 2012!
Die Welt hat sich seit 1930 sehr verändert und doch nicht so sehr das sie unverkennbar geworden wäre. Es gab vieles das globalisiert wurde und viele Nationen haben gelernt friedlich miteinander zu leben. Die Autos sind viel moderner, schneller und windschnittiger geworden, weshalb die Autoindustrie sich großer Beliebtheit erfreute.
Es war jedoch nicht selbstverständlich das jeder das Geld aufbringen konnte sich ein Auto zu kaufen, zu mal man vorher eine Fahrerlaubnis brauchte. Selbst diese Fahrerlaubnis kostete heutzutage bereits ein kleines Vermögen. Damit war sowohl das eine wie auch das andere nicht besonders leicht zu erschwingen.
Die Mode hatte sich vollständig verändert und in der kurzen Zeit von 82 Jahren hatte sich auch die Gesellschaft extrem verändert. In den 30gern, 40gern und 50gern waren die Menschen noch sehr intolerant den Farbigen und generell den Andersaussehenden gegenüber. So auch der Homosexualität und dem Zeigen von zu viel Haut. Das änderte sich als im Jahre 1970 bis 1979 die Hippiebewegung sehr freizügig lebte, von freier Liebe sprach und das jeder von dieser profitieren sollte.
Ab den 80gern begannen sich die ersten Homosexuellen zu outen und ihre Liebe auszuleben, als gutes Beispiel ging Freddy Mercury voran. Der Rassismus nahm ab und die Welt wandelte sich zu einem Ort wo jeder jeden bemüht war zu akzeptieren und wo Farbige, Frauen und Männer vor dem Gesetz gleich waren, zumindest war dies in den meisten Staaten so.
Im Jahre 2012 galt Sex, Lust und Leidenschaft als schön und dennoch war zu viel davon untragbar für die meisten Menschen gewesen. In Ordnung war das Leben trotz der ganzen positiven Veränderungen absolut nicht, da jede positive Veränderung auch ihre Schattenseite hatte.
So gab es auch im Jahre 2012 viele negative Veränderungen, die das Leben der Menschen nicht leichter machte.
Die Menschen hatten eine weitläufige Esskultur entwickelt in der das Fast Food für viele das Hauptnahrungsmittel geworden war, weswegen das Übergewicht vielen Menschen zu schaffen machte. Potenzielle Arbeitsplätze wurden wegrationalisiert, da Maschinen immer mehr und mehr den Menschen ersetzten. Wichtige EU-Länder gingen pleite, weil sie nicht richtig geführt wurden oder man Schwindel im großen Stil betrieben hatte.
Die Armut wurde immer mehr ein Thema in den Medien und beinahe hätte die Menschheit eine neue Wirtschaftskrise mit schlimmen Folgen bezahlen müssen. Das Verbrechen war viel stärker geworden und wurde schon längst nicht mehr, wie früher, nur in organisierten Banden ausgeübt.
Mittlerweile galt jeder als potenzieller Mörder der auch nur in der Lage war ein Messer zu halten. Zum Glück gab es jedoch immer noch genug gute Menschen auf der Welt, die diesen Planeten zu einem herrlichen und friedlichen Ort machten.

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In der deutschen Hauptstadt - Berlin - war für eine junge Frau von 23 Jahren die Welt beinahe in Ordnung gewesen. Sie war eher von kleiner Statur und relativ schlank gebaut, obwohl ein paar Fettpölsterchen an einigen Stellen vertreten waren. Ihr glattes und schulterlanges Haar war von einem dunklen Braun, während ihre warmen und großen Augen nicht ganz so dunkelbraun waren wie ihr Schopf. Ihre Gesichtsform war recht oval und eine etwas größere sowie längliche Nase zierte ihr Gesicht, welchem sie den nötigen Charakter verlieh.

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Auch wenn sie vermutlich gute Chancen auf einen potenziellen Partner gehabt hätte, auf Grund ihrer Statur und dem relativ ansehnlichen Gesicht, so empfand sie sich selbst als vollkommen durchschnittlich und war der Überzeugung genauso stark ins Gewicht zu fallen, wie jeder andere Mensch auch. Welcher nicht in den Medien vertreten war.
Außerdem war sie sehr stark davon überzeugt einen unglaublichen Schuss zu haben und in keinster Weise kompatibel mit auch nur einem einzigen Mann auf der ganzen Welt zu sein.
Moment, nein das war so nicht ganz richtig.
Einen Mann gab es für den sie definitiv gestorben wäre und sie bedauerte es jeden Tag aufs Neue das er so fiktiv war wie das Märchen vom Froschkönig. Ihr Herz gehörte seit dem sie sechs Jahre alt war der Schöpfung des belgischen Comiczeichners Hergé - Tintin oder wie er im Deutschen hieß; Tim.
Sie erinnerte sich noch gut an den Tag an dem er ihr das erste Mal begegnete und sie ihn und seinen Hund sofort ins Herz geschlossen hatte. Es war ein wunderschöner und sonniger Frühjahrstag gewesen und eigentlich hätte sie Draußen mit ihren wenigen Freunden spielen sollen, doch die Windpocken hatten sie befallen und fesselten sie ans Bett. Sie hatte im Wohnzimmer bei ihren Eltern auf dem Sofa gelegen und durfte fern sehen. Sie sah sich Cartoons an und an diesem Tag fiel ihr das erste Mal die Serie 'Tim und Struppi' auf. Sofort erlag sie der weichen Stimme des Synchronsprechers von Tim, verfolgte voller Spannung und Faszination die Episode und verlor im Laufe dieser ihr Herz an den rothaarigen Reporter.
Er war seither der Mann ihrer Träume gewesen und mit ihm zusammen hatte sie in ihrer Traumwelt viele Abenteuer bestanden, hatte ihm stets genauso treu wie Struppi, Haddock, die Schulzens und Bienlein zur Seite gestanden. Doch in ihrer Traumwelt hatte sie nicht nur unzählige Abenteuer mit ihm erlebt, sondern ihn als Geliebten haben dürfen. In dieser Welt war sie seine treue Freundin gewesen, die sein Ruhepol, seine große Liebe, sein Leben, sein Ein und Alles und seine Seelenverwandte war.
Sie lebte mit ihm in dieser Welt nun schon seit siebzehn Jahren und für eine lange Zeit hatte sie Tim versucht gehen zu lassen. Sie wollte fort von ihm und in ihrer wirklichen Realität leben, da sie sich bereits zu sehr in ihrer Traumwelt verloren hatte, zumindest war es das was ihr ihre Familie eingeredet hatte.
Viele schmerzvolle Jahre gingen ins Land und Tim war für einige Zeit kein Thema mehr gewesen, auch wenn er ihr an so mancher Ecke in ihrem Leben wieder begegnete und ihr sanft lächelnd die Hand entgegen gestreckt hatte. Nur zu gerne hätte sie jedes Mal seine Hand ergriffen und wäre mit ihm zurück in ihre Traumwelt gegangen, doch die Realität zerrte sie immer wieder von ihm fort. Jedes Mal hob diese mahnend den Finger und erinnerte sie daran das Tim gänzlich eine Fiktion war und sie Beide nie zusammen sein könnten. Doch nicht nur die Realität wollte sie von ihn wegholen, sondern auch ihre Familie und Freunde, was für sie das Schlimmste an der ganzen Situation war.
In der Tat! Er war rein fiktiv! Er würde sie niemals in den Armen halten können und ihr zuflüstern wie sehr er sie liebte.
Doch alles was gewesen war vergas sie und die Realität wurde in den Hintergrund gedrängt, als Steven Spielberg zu 'Tim und Struppi' einen animierten Film, mit Jamie Bell als Tims Darsteller und Andy Serkis als Kapitän Haddock, raus brachte. Mit einem Schlag waren alle Mahnungen der Realität und die Versuche ihrer Familie und Freunde vergessen. Als sie den Trailer das erste Mal gesehen hatte, wurde ihr klar dass Tim für sie so real war wie jeder andere Mensch und das es Niemanden gab oder geben würde der sie von ihm wegholen konnte.
Sie hatte sich sogar Vorwürfe gemacht über die Jahre hinweg versucht zu haben auf die ganzen Mahnungen zu hören und ihn fort zuschicken, doch nun konnte sie wieder mit ihm vereint sein! Sie schwebte fröhlich auf Wolke sieben, träumte sich erneut in seine starken Arme und genoss das Leben erneut mit ihm an ihrer Seite.
Es gab für sie nichts Schöneres in ihrem Leben, als sich in ihre Traumwelt zu träumen und dort mit Hergés berühmten Figuren Tim, Struppi, Haddock, den Schulzens und Prof. Bienlein Abenteuer zu bestehen. Außerdem war sie mittlerweile alt genug gewesen, um in ihrer Fantasie mehr mit Tim aus zu tauschen als Umarmungen, verliebte Blicke und kleine Küsschen. Oft hatte sie ihn in ihrer Traumwelt geheiratet und ihm Kinder geschenkt. Einen Jungen und ein Mädchen, wobei der Junge aussah wie sie und das Mädchen wie er. Tim und sie waren die glücklichsten Eltern der Welt.  
In ihrer Fantasie war Kapitän Haddock ihr Vater gewesen, der sich so unglaublich liebevoll um sie gekümmert hatte, da sie sich vorstellte sein einziges Kind zu sein.
In der Realität hatte ihr Vater sie bereits mit zehn Jahren im Stich gelassen, da er sich von heute auf Morgen von ihrer Mutter getrennt hatte, weshalb sie nur  noch diese hatte. Aber auch mit dieser lief es nach kurzer Zeit, nachdem ihr Vater gegangen war, gar nicht gut. Diese wollte ihre Tochter in Wege drängen, in die sie partout nicht wollte. Sie war eben in keinster Weise wie die ganzen anderen Mädchen da Draußen in der Welt.
Dummer Weise wurde sie in die falsche Zeit und Welt hineingeboren, um mit Tim zusammen sein zu können. Unerhört würde ihre unsterbliche Liebe für den rothaarigen Reporter bleiben bis sie alt, schrumpelig, senil und das Zeitliche segnen würde. Einerseits war Tim ihr Glück und auf der anderen Seite war er ihr Fluch gewesen. Er hielt sie im Arm und tröstete sie über jede Tragödie ihres Lebens hinweg, wobei er ihre Seele mit liebevollen Worten streichelte und die Wunden so heilte.
Auf der anderen Seite war er wie ein dunkler Schatten der sich durch ihr Leben zog und sie deswegen jeden Mann mit ihm verglich. Aus dem Grund war sie noch immer ungeküsst und Jungfrau. Immerhin maß sie jeden Mann, der ihr auch nur Ansatzweise fast so gut gefiel wie ihr ewiger Traummann, an ihm. Nicht nur das war sein Fluch, sondern auch die Gewissheit das er sie nie berühren, dass sie nie neben ihm aufwachen würde und das sie ihm niemals ins Gesicht sagen könnte wie sehr sie ihn liebte.
Christin war verdammt dazu für immer an diesen fiktiven Mann gebunden zu sein.

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