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Sherlock Castle

GeschichteLiebesgeschichte / P12
31.01.2014
31.01.2014
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31.01.2014 5.961
 
Titel: Sherlock Castle
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Sue Thomas F.B.Eye/ Castle
Pairing: Connor/ Lindsay, Jack/ Sue, Rick/ Kate
Rating: 12
Kategorie: AU, Romance, Humor
Inhalt: In London findet eine Hochzeit statt. Die Braut hat Zweifel....
Anmerkungen:  Bis zum Valentinstag ist es noch eine Weile hin. Ich wünsche euch trotzdem eine tolle Zeit.


Sherlock Castle

Kate war noch nie in London gewesen und einmal mehr hatte Rick Castle sie zu diesem Ausflug überredet. Sie hatte ihm gesagt, dass sie auf London verzichten konnte, weil Manhattan großartig war und Rick hatte darauf fast beleidigt reagiert. Er hatte sie gefragt, ob sie schon einmal in der Stadt war, aber eigentlich war die Frage nicht notwendig, denn sie hatte sie ohnehin bereits beantwortet. Aber sie liebte ihn und aus diesem Grunde ließ sie sich von ihm nach London einladen.
Während des Fluges hatte Kate im Reiseführer gelesen. „London wurde von der EU schon zweimal ermahnt, weil die Feinstaubwerte so schlecht waren. Also, was findest du an dieser Stadt?“, wollte Kate wissen.
„Alleine diese Frage ist eine Beleidigung“, Castle klang sehr theatralisch, „London ist toll: Es ist ein gigantischer Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen. Es gibt gutes Essen, viele Sehenswürdigkeiten, historische Bauwerke…“
„Du klingst wie ein Reisekatalog“, sagte Kate zu ihm, „Du solltest Reisekataloge schreiben, anstelle von Kriminalromanen.“ Rick schüttelte mit dem Kopf. „Entspann dich ein bisschen, ja?“, fragte Rick, „Du hast es mir versprochen.“
Sie holten am Flughafen ihre Koffer vom Band und fuhren anschließend mit Taxis zum Hotel. Als sie ausstieg, dachte Kate, dass Rick wirklich nichts dem Zufall überlies: Er hatte sie in einem schicken Hotel im Stadtbezirk Kensington einquartiert. Falls sich ihr Zimmer in einem der höheren Stockwerke befand, hätten sie vielleicht sogar Ausblick auf den Kensington Palace…
Sie checkten an der Rezeption ein und erhielten ihren Zimmerschlüssel.
„Das ist genial“, lächelte Rick, „Unser Zimmer hat die Nummer 007.“
„Oh Gott“, murmelte Kate, „Castle, würdest du bitte… Also, benimm dich, in Ordnung?“
„In Ordnung“, wiederholte er schließlich furchtbar ernst.
„Das ist ein Junggesellenabschied“, erinnerte sie ihn.
„Das heißt aber nicht, dass wir keinen Spaß haben  dürfen“, verbesserte nun eine Stimme und sie drehten sich um. Connor, Lindsay, Sue und Jack standen vor ihnen. Wie immer hatte Sue ihren Hund Levi bei sich. Sie waren mit einer anderen Maschine angekommen.
Kate umarmte ihre beiden Freundinnen und sagte ihnen, dass sie sich über ihr Kommen sehr freute.
„Genau. Und deshalb habe ich eine Idee“, Rick hatte sich mittlerweile eine Broschüre geschnappt, „Wie wäre es mit einem Ausflug zum Stonehenge?“
„Wir dachten eher an die Tower Bridge und Big Ben“, korrigierte Sue und lächelte. Sie checkten ebenfalls in das Hotel ein und brachten anschließend ihre Koffer auf die Zimmer. Danach trafen sie sich im Flur des Hotels wieder. „Was wollen wir jetzt machen?“, fragte Rick. Er war aufgeregt wie ein kleines Kind und seine Freunde konnten ihn gar nicht verstehen. Wie gewöhnlich war es seine Idee gewesen, ihren heimischen vier Wänden zu entfliehen und sich diese Stadt anzusehen. Und Rick hatte diesen Trip im Voraus geplant. Er hatte Ihnen sogar Tickets für die U- Bahn besorgt.
Sie einigten sich, dass sie sich auf den Weg zu einer der berühmtesten Touristenattraktionen der Stadt machen wollten.
Sue hatte gehört, dass der Plan der U- Bahn so übersichtlich war, dass er schon alle möglichen Designpreise gewonnen hatte. Mit der U- Bahn waren sie mit der Central Line bis zur Haltestelle Bond  Street gefahren, dort waren sie auf die Bahnlinie Jubilee Line umgestiegen und bis zur Baker Street gefahren. Als sie die U-Bahn verließen, trafen sie auf ein großes Sherlock Holmes- Denkmal. Rick schoss ein Foto davon und von der Gedenkplakette. „Meine Güte, das ist großartig…!“, rief er, „Ich bin ein großer Sherlock Holmes Fan.“
Sue rollte mit den Augen und lächelte. „Wer hätte das gedacht?“
„Aber er hat nie wirklich gelebt. Soweit ich weiß, ist er eine Romanfigur.“
„Geschaffen von dem Schotten Sir Arthur Conan Doyle“, stimmte Rick Lindsay nun zu und wandte sich anschließend an Connor, „Ist er mit dir verwandt?“
„Nicht, dass ich wüsste“, Connor zuckte ein wenig hilflos mit den Schultern.
„Eigentlich ist Sherlock Holmes nicht so ein attraktiver Mann gewesen, wie es die Filme mit Robert Downey Junior vermittelten: In den Romanen wurde Holmes als hager und hochgewachsen mit einer markanten Nase beschrieben. Dieses Denkmal verdeutlicht das… Er hatte einen Hang zur Wissenschaft, während er mit zwischenmenschlichen Beziehungen nicht gut umgehen konnte. Von Frauen beispielsweise hielt Holmes nicht viel. Dies wird klar, als sich Doktor Watson am Ende des Romans „Das Zeichen der Vier“ verloben möchte.“
„Wie interessant…“, murmelte einer von Ricks Freunden.
„…Jedenfalls können wir nicht nach London reisen, ohne das Sherlock Holmes Museum zu besuchen…“
„Wir besuchen es, nachdem wir bei Madame Tussauds waren“, sie hatten abgemacht, das berühmte Wachsfigurenkabinett zu besuchen und sie standen nun in der kurzen Warteschlage des VIP- Eingangs.
„…Aber Madame Tussauds ist langweilig“, versuchte Rick es weiter, „Die haben dort drin nur die Royals, Martin Luther King und Rihanna…“
„Klingt, als warst du schon mal dort…“, stellte Kate fest.
„Vor einem Jahr. Alexis hat eine Klassenfahrt nach London gemacht und sie brauchten noch Eltern, die bei der Beaufsichtigung halfen. Und damals war ich auch bei Madame Tussauds.“
„Wir würden uns Madame Tussauds gerne ansehen“, beendete Jack ihre Diskussion, „Ich wette, ich weiß, was das Problem ist: Rick mag Madame Tussauds nicht, weil es dort keine Wachsfigur von ihm gibt.“ Jack hörte, wie Lindsay, Sue und Kate leise lachten.
„Hey…!“, er klang beleidigt und Jack ging davon aus, dass er ins Schwarze getroffen hatte.
Rick zeigte am VIP- Eingang das Ticket und sie durften eintreten.
„Wir sollten nicht allzu lange bleiben“, schlug Sue vor, während sie im Eingangsbereich ein Foto eins Londoner Bobby knipsten, „Wir haben heute noch einen Termin“, sagte Sue, „Wir müssen noch ein Hochzeitskleid kaufen und der Rest von uns ist für die Hochzeit ebenfalls noch nicht eingekleidet.“
Rick hatte zwar diesen Trip nach London vorgeschlagen, aber seine Freunde hatten die Idee, dass die Stadt ein idealer, wenn auch etwas ungewöhnlicher Ort für eine Hochzeit war. Also beschlossen sie, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Sie kehrten an diesem Abend spät ins Hotel zurück, weil sie nach dem Besuch bei Madame Tussauds noch eine Busrundfahrt durch die Stadt machten und dann das Sherlock Holmes- Museum besuchten weil Castle sich das gewünscht hatte. Kate und Lindsay erkundigten sich nach dem Abendessen an der Rezeption nach einem guten Brautläden und die Rezeptionsdame Angie war sehr neugierig.
„Wer von Ihnen wird heiraten?“, wollte die Angie wissen. Lindsay war soeben dabei, ihr zu antworten, als Castle sie unterbrach. „Ich habe eine Idee!“, rief er, „Wir sollten…“
„Castle, nicht jetzt“, sagte Kate, „Wir waren eben dabei, nach einem guten Brautladen zu fragen.“ Sie wandte sich dann wieder an Angie. „Können Sie uns helfen?“
„In Waterloo soll es einige gute Brautläden geben“, sagte Angie, die hinter dem Tresen saß, „Ein Geschäft befindet sich in der Lambeth Road, aber ich weiß die genaue Adresse nicht… Sie können die Computer benutzen, um die Adresse herauszufinden.“
Kate und Lindsay bedankten sich, dann machten sie sich auf den Weg zu dem Computern, die im Eingangsbereich des Hotels standen. „Also, Castle. Was wolltest du sagen?“, fragte Kate ihn jetzt.
„Ich habe den ultimativen Ort für eine Hochzeit gefunden“, sagte er.
„Ich dachte, das hätten wir alles von zuhause aus organisiert“, erinnerte Lindsay ihn und Castle rollte mit den Augen. Währenddessen fand Kate die Internetseite des Brautladens, den die Rezeptionsdame beschrieben hatte. Sie notierte die Adresse. „Wir könnten mit der U- Bahn fahren. Die Bakerloo Line hält in der Nähe“, schlug Lindsay vor.
Angie´s Schicht war nun zu Ende. Sie kam nun in ihrer Freizeitkleidung an ihnen vorbei. „Haben Sie die Adresse des Ladens herausgefunden?“, fragte sie.
„Ja, vielen Dank für Ihre Hilfe.“
„Wer von Ihnen wird denn nun heiraten?“

Sie verbrachten den nächsten sonnigen Tag am London Eye und nachdem sie am Pier eine Kleinigkeit gegessen hatten, stellten sie sich selbst in die Schlange um mit dem Riesenrad zu fahren. Die Schlange ging zuging voran und während Robin Thickes „Blurred Lines“ über das Pier schallte, erreichten sie den Ticketschalter und durften dann in eine der 32 Kapseln am London Eye einsteigen. Die Stadt London hatte 32 Bezirke und aus diesem Grund hatte das große Riesenrad auch 32 Kapseln.
Ihre Kapsel fuhr nach oben und sie bewunderten die schöne Aussicht. Es war ein sonniger Tag und das Wasser der Themse glitzerte (das Wasser war braun aufgrund des Schiffsverkehrs).
Sue beobachtete, wie ihre Freunde in der Kapsel die Stadt beobachteten. Sie erschrak, als Jack plötzlich seine Arme um ihre Schultern schlang und auf einen Punkt in der Ferne zeigte. Sie fühlte, dass er etwas sagte, weil er seine Wange gegen ihre lehnte und sie die Bewegungen spürte. Aber Sue hatte keine Ahnung, was genau er sagte. Dann schlang er den Arm wieder um sie und küsste ihre Schläfe.
Noch mehr Zweifel nagten an Sue: Sie liebte Jack. Natürlich. Und sie wusste, dass er sie auch liebte, aber sie fragte sich, ob sie ihn überhaupt verdient hatte. Eine seiner Ex- Freundinnen war der Auslöser für Ihre Zweifel: Sie hatten Jenny bei Bobbys Geburtstagsparty vor einer Woche getroffen und Jack hatte Sue als seine Verlobte vorgestellt (was Sue auch war, denn Jack hatte sie vier Wochen zuvor bei einem romantischen Abendessen gefragt, ob sie ihn heiraten wollte). Jenny und Sue hatten sich über diese Begegnung gefreut. Jenny erzählte, dass sie nun verheiratet und im dritten Monat schwanger war. Sie sah glücklich aus, fand Sue. Dann kam Jennys Mann zu ihnen und sie unterhielten sich weiter. Plötzlich fragte Jenny, als Jack für sie Getränke holen war, warum Sue ihren Hund mitgebracht hatte. Sue war es unangenehm, ihr erklären zu müssen, dass Levi kein gewöhnlicher Hund war. So ein Gefühl hatte Sue noch nie zuvor empfunden. Vielleicht lag es nur daran, dass Jenny eine von Jacks Ex- Freundinnen war, aber… Zum Glück rettete Jennys Mann die Situation und entschuldigte sich nachher bei ihr. Als Jack und Sue an diesem Abend wieder zuhause waren und schlafen gingen, dachte Sue noch lange über die Begegnung mit Jenny nach. Sie dachte an das entsetzte Gesicht der Frau, als sie ihr erklärte, sie sei taub. Sue hatte diesen Blick schon oft gesehen. In Worte gefasst bedeutete dieser Blick so viel wie: „Ich kann nicht glauben, dass Jack ausgerechnet sie ausgesucht hat.“ Letztendlich kam Sue zu dem  Schluss dass Jack vielleicht nur aus Mitleid mit ihr zusammen war, auch, wenn er sagte, dass er sie liebte. Und auch, wenn ihre Freunde zu ihr sagten, sie hatten Jack noch nie so verliebt gesehen.
Sue war erleichtert, als die Fahrt mit dem London Eye endlich vorüber war und sie sich nicht mehr mit ihren Gedanken beschäftigen musste.

Nach der Fahrt mit dem Riesenrad überquerten sie die Westminster Bridge und liefen dann auf dem Queen´s Walk an der Themse entlang, bis sie zu einer Bootsanlegestelle kamen. Als Jack ein Segelboot betrat, fragte Sue, was er vorhatte. „Ich habe dir im London Eye davon erzählt“, sagte er, „Auch wenn Rick diesen Trip für uns alle ausführlich gebucht hat“, Jack wandte sich nun an Rick und verneigte sich, „Wofür wir dir übrigens sehr dankbar sind, Rick… Habe ich mir erlaubt, euch zu einem Segeltrip auf der Themse einzuladen. Das ist unser Boot.“
Connor und Lindsay waren die ersten, die an Bord kamen. Lindsay fand, dass dieses Segelschiff kein Boot war, wie Jack es nannte. „Ich dachte, man braucht einen Segelschein dafür“, murmelte Connor, als er an Jack vorbeiging.
„Keine Sorge, für eure Sicherheit ist bestens gesorgt“, erklärte Jack. Sue und Levi waren die letzten, die das Schiff betraten und er ließ die Zugangsplanke einholen, „Es gibt Schwimmwesten für alle.“
„Wie beruhigend“, murmelte Kate. Sie nahmen an Deck Platz und beobachteten, wie Jack sich alleine um den Mast kümmerte und das Segelschiff gekonnt von der Anlegestelle wegsteuerte. Connor und Lindsay hofften, dass es Jack nichts ausmachte, wenn sie trotz seines augenscheinlichen Talents zu Schwimmwesten griffen.
Sie waren schon mitten auf der Themse, als an backbord ein Personenschiff an ihnen vorbei steuerte.
„Wir sind ziemlich langsam“, stellte Sue fest, „Egal, wohin Jack mit uns segeln möchte: Mit dieser Geschwindigkeit kommen wir niemals dort an.“
„Kein Problem, auch dafür ist gesorgt“, sagte Jack, dann bat er Rick, das Steuer zu übernehmen. Rick tat ihm den Gefallen gerne und so beobachteten sie, wie Jack zum Heck des kleinen Segelschiffes rannte und dort einen Motor ins Wasser ließ. Er zog einmal an der Anlassschnurr und dann noch einmal.
„Shit!“, rief Jack.
„Was soll das heißen?“, wollte Lindsay beunruhigt wissen. Sie drehten sich nach Jack um und Lindsay informierte Sue, was soeben geschehen war.
„Der Motor hat die Anlassschnur gefressen“, antwortete Jack. Er wusste selbst, dass es unheimliches Pech war, das ihnen so etwas ausgerechnet mitten auf der Themse passierte. Wie an jedem Tag war der Schiffsverkehr auf dem Fluss heute reichlich und es war gefährlich, manövrierunfähig auf dem Wasser zu treiben. Jack wandte sich dann an seine Besatzung, „Connor, gib mir mal den Anker.“
„Welchen Anker?“, wollte Connor wissen. Er schaute sich an Deck um und konnte nichts entdecken, was einem Anker auch nur glich. Als Lindsay und Kate protestieren wollten, beruhigte Jack sie damit, dass er sein Handy bei sich habe und den Bootsbesitzer anrufen konnte.
Der Besitzer des Segelschiffes kam eine halbe Stunde später mit einem kleinen Motorboot und zuerst half er ihnen, den Anker aus einer Metallkiste zu holen. Nachdem das Segelschiff  geankert hatte, musste Jack dem Besitzer zu Hand  gehen, als dieser den Motor komplett auseinanderbaute um  die Anlassschnur zu retten. Damit war ihr Tag zu Ende, denn es dauerte bis zum Abend, bis sie den Motor repariert hatten und dann zur Anlegestelle zurückkehren mussten, weil das Schiff in der Dunkelheit nicht fahren sollte. Auf dem Weg zur Anlegestelle entschuldigte Jack sich fast tausend Mal bei ihnen. Als sie im Hotel ankamen, froren sie und waren durchnässt, weil am Abend noch ein Regenschauer eingesetzt hatte. Jack versuchte noch einmal, sich für diesen vermasselten Tag bei seinen Freunden zu entschuldigen, aber Kate war so eingeschnappt, dass sie es nicht hören wollte. Sie hoffte nur, dass sie sich keine Erkältung holen würden.

Nachdem Kate in ihrem Hotelzimmer heiß geduscht hatte und sie aus dem Badezimmer kam, sah sie Rick auf dem Bett sitzen. Er tippte soeben auf der Tastatur seines Laptops. „Was machst du da?“, fragte Kate neugierig, während sie sich aufs Bett setzte.
„Ich schreibe eine Szene“, antwortete er und grinste sie an, „Ich denke, Nikki und Rook sollten eine Bootstour machen.“
„Nein, tu das nicht“, bat Kate, „Du kannst nicht unseren schrecklichen Bootsausflug in dein nächstes Buch einbauen.“
„Also gut“, bevor Rick den Laptop zuklappte, klickte er dennoch auf „Speichern“. Dann wandte er sich an Kate und fragte vorsichtig: „Bist du noch böse, weil der Bootsausflug ziemlich schrecklich war?“
„Nein, aber ich hoffe, wir holen uns keine Erkältung. Das würde die Hochzeit ruinieren“, sie lächelte und war erstaunt, dass es zur Abwechslung einmal nicht seine Schuld war. Trotzdem fühlte sie sich darin bestätigt, dass sie besser in New York hätten bleiben sollen und sie sagte es ihm: „Das ist ein schreckliches Land.“
„Es ist ein komisches Land“, verbesserte Rick sie, „1647 wurde Weihnachten in England gesetzlich abgeschafft. Außerdem gibt es ein Gesetz, welches den Bürgern verbietet, Gegenstände ins All zu schießen. Eine interstellare Invasion soll damit vermieden werden… Das ist ganz schön verrückt, wenn du mich fragst…“
„Findest du?“
„Kate Beckett“, Rick klang überrascht, „Und das ausgerechnet aus deinem Munde. Ich dachte, du glaubst nicht an Marsmenschen.“
„Tue ich auch nicht.“
„Wirklich…?“, Rick robbte über das Bett und kam zu Kate. Er schlang die Arme um sie und küsste sie.

Lindsay nieste, als sie in ihrem und Connors Hotelzimmer einen warmen Pullover aus dem Kleiderschrank holte. „Du solltest duschen“, schlug Connor vor.
„Ja, ich weiß“, bestätigte sie, dann suchte sie im Kleiderschrank nach einer trockenen Hose.
„Bist du hungrig? Sollen wir im Hotelrestaurant noch etwas essen gehen?“, fragte er und war erleichtert, dass sie bestätigte. Ansonsten hätte er noch einmal zu einem anderen Restaurant gehen müssen um dort Fish and Chips zu ordern.
Das Hotelrestaurant bestand zum Abendessen nicht auf besonders schicke Kleidung, also beschlossen sie, sich einen netten Abend zu machen. Der Kellner kam und brachte ihnen eine Flasche Sekt. „Für das glückliche Paar“, sagte er zu ihnen, „Das geht aufs Haus.“
„Danke“, Lindsay war erstaunt  und lächelte. Als der Kellner wieder gegangen war, fragte sie Connor, ob er ihm etwas über ihre Verlobung erzählt hatte. „Ich nehme an, er weiß es von Angie“, erklärte er, „Das ist ein relativ kleines Hotel. Entweder finden die Leute es aufregend, dass jemand ihr Hotel für eine Hochzeitsreise gewählt hat, oder dies kommt nicht oft vor.“ Er legte die Stirn in Falten. Dann stießen sie mit ihrem Sekt an.
„Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es eine sehr schöne Hochzeit werden wird.“

Dank des Computers in der Hotellobby hatten sie tatsächlich in Waterloo einen guten Brautladen gefunden. Kate, Lindsay und Sue waren am nächsten Morgen mit der U- Bahn dorthin. Ein kleines Glöckchen klingelte, als sie die Tür zu dem Brautmodengeschäft öffneten. „Hallo?“, rief Lindsay unsicher, denn es war niemand zu sehen, obwohl das „Geöffnet“- Schild in der Tür hing.
„Hier bin ich schon“, flötete eine Frau. Sie kam aus dem hinteren Bereich des Ladens. An ihrem Handgelenk hing ein Nadelkissen und ein Maßband war um ihre Schultern gelegt. Ihr Name war Lilly, das erkannten die drei an dem Namenschild an ihrem Blazer.
„Haben Sie etwas Zeit für uns?“, fragte Sue, „Wir sind auf der Suche nach einem Brautkleid.“
„Sie haben einen amerikanischen Akzent“, stellte die Verkäuferin fest.
„Ja, wir haben geplant, hier in London zu heiraten.“
„Wer von Ihnen ist die Braut?“, wollte Lilly wissen.
„Wir alle suchen ein schickes Kleid für die Hochzeit.“
„Also sind Sie die Brautjungfern?“
„Nein“, antwortete Kate, „Eine von uns wird definitiv heiraten.
Die Verkäuferin legte die Stirn in Falten. „Es wäre aber leichter, wenn Sie mir sagen, wer.“
„Das entscheiden wir spontan…“
„Spontan?“, Lilly verstand nun gar nichts mehr.
Lindsay wollte antworten, doch in diesem Moment öffnete sich die Tür zu dem Laden noch einmal und Connor, Jack und Rick traten ein. „Was macht ihr hier?“, fragte Kate, „Es bringt Unglück, die Braut vor der Hochzeit in ihrem Kleid zu sehen.“
„Das ist kein Problem“, sagte die Verkäuferin zu ihnen, „Wir haben auch eine Herrenabteilung.“ Sie führte Connor, Rick und Jack in die besagte Herrenabteilung. „Lassen Sie mich raten“, begann Lilly unterwegs, „Sie können mir auch nicht sagen, wer von Ihnen der Bräutigam ist.“

„Du siehst wunderschön aus in diesem Kleid“, sagte Lindsay zu Sue, als sie mit einem schulterfreien Hochzeitskleid aus der Umkleidekabine kam.
„Danke, du auch“, erwiderte Sue. Sie fand, dass Lindsay in ihrem Hochzeitskleid der hübsch aussah. Kate hatte die beiden nur für fünf Minuten aus den Augen gelassen um ihnen Sekt und jeweils ein Stück Torte zu holen. Als sie zurückkehrte, stellte sie fest, dass ihre Freundinnen sich damit beschäftigten, Hochzeitskleider anzuprobieren.
„Du solltest auch eines anprobieren“, schlug Lindsay vor.
„Zuerst sollten wir die Torte aus der Schusslinie räumen“, Kate hatte eine Vorahnung, dass sich ein Hochzeitskleid und Himbeertorte nicht vertragen würden. Aber Lindsay bestand darauf, dass Kate auch ein Kleid anprobierte und weil sie keine Diskussion wollte, tat Kate schließlich, wie ihr geheißen. Als sie aus der Umkleidekabine kam, saßen Lindsay und Sue noch immer in ihren Hochzeitskleidern auf der Couch und aßen Himbeertorte und tranken Sekt. Sie hielten dem Atem an, als sie sahen, wie schön Kate in dem trägerlosen Kleid und mit dem langen Schleier aussah.
Lilly, die nun aus dem hinteren Bereich des Shops zurückkam, stellte fest, dass sie sich offenbar bestens amüsierten. Noch immer hatte sie keine Ahnung, wer von ihnen eigentlich die Braut war und auch aus den Männern war kein nützliches Wort herauszukriegen.
„Ich komme mir ziemlich dämlich vor“, gestand Kate.
„Ach, komm schon!“, Lindsay klang bestürzt, „Hast du als kleines Mädchen nie davon geträumt, bei deiner Hochzeit, wie eine Prinzessin auszusehen?“
„Nein“, antwortete Kate und Lindsay und Sue rollten gleichzeitig mit den Augen.
„Hey Lilly, haben Sie…?“, auf der Suche nach der Ladenbesitzerin war Rick in der Braut- Abteilung gelandet und hielt die Luft an, als er seine Freundin in diesem Kleid sah. Ihre Augen weiteten sich geschockt. Er durfte sie nicht so sehen, sonst…!
„Kate, du… Du siehst wunderschön aus…“, murmelte Rick. Er hatte Lilly augenblicklich vergessen und kam stattdessen zu Kate um sie an sich zu ziehen. Sie protestierte, dass es eigentlich nur ein Spaß war, aber er war stärker und zog sie für einen Kuss an sich. Dann flüsterte er etwas in ihr Ohr und ließ sie los, um dann in die Herrenabteilung zurück zu gehen.
Kate beschloss, dass sie nach diesem Schreck ebenfalls ein Glas Sekt benötigte und so setze sie sich zu ihren Freundinnen und leerte ein Glas mit einem Schluck. „Was hat Rick soeben zu dir gesagt?“, wollte Lindsay wissen.
Ein Grinsen huschte über Kates Gesicht. „Er sagte, er bereut es nicht, mich gefragt zu haben, ob ich ihn heiraten möchte.“

Lindsay erschrak, als sie nur im Spiegel sah, wie Sue den Vorhang zu ihrer Umkleidekabine zur Seite riss und eintrat. Sie war eben dabei, sich von Lilly aus dem Hochzeitskleid helfen zu lassen.
„Können wir reden?“, wollte Sue von Lindsay wissen.
„Wäre es sehr schlimm, wenn ich zuerst meine eigenen Sachen anziehe?“, fragte Lindsay zurück. Sie beobachtete, wie Sue geknickt die Umkleidekabine verließ und als Lilly es fünf Minuten später geschafft hatte, sie aus der Korsage zu befreien, welche zu dem Hochzeitskleid gehörte, verließ sie in ihrer eigenen Kleidung die Kabine. „Worum geht es?“, wollte Lindsay besorgt wissen.
„Was machen wir hier?“, fragte Sue.
„Ach komm Sue, das war doch alles nur ein kleiner Spaß.“ Sogar Kate hatte mitgemacht, was nicht alltäglich für sie war.
„Das meine ich nicht“, Sues Gesichtsausdruck war furchtbar ernst, „Ich habe Angst…Ich glaube, dass Jack es bald bereuen wird, mich gefragt zu haben, ob ich seine Frau werden will.“
„Was? Warum?“, Lindsay verstand nicht, worauf sie hinauswollte.
Ihr Gespräch wurde unterbrochen, als Connor zu ihnen kam.
„Lindsay, wie findest du dieses Hemd?“, fragte er. Er trug ein beiges Hemd und einen braunen Anzug.
Lindsay öffnete den Mund um zu antworten, doch Sue kam ihr zu vor: „Es steht dir nicht.“
Connor rollte mit den Augen und betrat die Umkleidekabine, aus der er gekommen war, erneut.
„Was ist damit?“, fragte er und kehrte nun mit einem schwarzen, samtenen Jackett zurück.
„Connor!“, rief Lindsay, „Sue und ich müssen uns unter vier Augen unterhalten... Außerdem siehst du mit diesem Jackett aus, wie Hugh Hefner.“
Connor brummte etwas vor sich hin, als er ging.
„Es tut mir leid“, entschuldigte Lindsay sich für ihren Verlobten und wandte sich erneut an Sue, „Wieso hast du Angst, dass Jack es bereuen wird? Er liebt dich“, sie ließ ihr nicht einmal die Möglichkeit, ihre Zweifel zu erklären, „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der mehr ineinander verliebt ist, als du und Jack.“
„Was ist mit dir und Connor?“
„Ja“, Lindsay zog eine Grimasse, dann lächelte sie, „Abgesehen von uns… Wie kommst du auf diese Idee?“ Sie setzten sich gemeinsam auf die Couch, auf der sie vor Stunden noch die Himbeertorte gegessen hatten. Levy kam zu ihnen und legte tröstend seinen Kopf auf Sues Knie.
„Wir haben vor kurzem eine seiner Ex- Freundinnen getroffen“, erklärte Sue, „Und seitdem werde ich das Gefühl nicht mehr los, dass er…“, Tränen traten in Sues Augen, „…Dass er jemand besseren verdient. Jemanden, der seine Stimme hören kann und der nicht den ganzen Tag einen Signalhund um sich braucht.“ Sie entschuldigte sich bei Levy für diese Bemerkung, schluchzte und Lindsay umarmte sie.
In diesem Moment kam Connor wieder aus der Umkleidekabine, „Kann ich diesen Smoking anziehen?“
„Connor, verschwinde!“, rief Lindsay und schüttelte ungläubig mit dem Kopf. Er zuckte hilflos mit dem Schultern.
„Wie findet ihr das?“, fragte Rick nun. Er riss den Vorhang zur Seite und trat in einem langen, karierten Mantel und passender Sherlock Holmes- Mütze vor sie. Er zog an einer Pfeife.
„Was ist das?“, wollte Sue und Lindsay gleichzeitig wissen. Rick schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben, denn Sue musste lachen, als sie ihn sah. Sie wischte ihre Tränen aus ihrem Gesicht.
Lilly erschien sofort um Rick wieder in den hinteren Bereich des Ladens zu scheuchen: „Ach, er hat das Regal mit den Kostümen für Motto- Hochzeiten entdeckt“, sagte sie, „Man soll es kaum glauben, aber es gibt auch Leute, die eine Sherlock Holmes- Motto Hochzeit veranstalten.“ Rick wollte wissen, ob sie für die Dame vielleicht noch das passende Viktorianische Kleid im Angebot hatte, aber Lilly verneinte. Sie hörten Rick schimpfen, aber Kate erleichtert ausatmen. Rick ging in die Umkleidekabine zurück, während Lindsay sich noch eine Weile um Sue kümmerte. Als sie den Laden verließen, gab es auf Sues Gesicht nicht eine Spur, dass sie geweint hatte.

I know your inside, you're feeling so hollow
And it's a hard pill for you to swallow
But if I fall for you, I'll never recover
If I fall for you, I'll never be the same

I really wanna love somebody
I really wanna dance the night away
I know we're only half way there
But you can take me all the way, you can take me all the way
I really wanna touch somebody
I think about you every single day
I know we're only half way there
But you can take me all the way, you can take me all the way          (“Love somebody” by Maroon 5)

Sie ahnten, dass Lilly erleichtert war, als sie den Laden wieder verließen. Noch mehr aber schien Lilly sich gefreut zu haben, dass alle bei ihr fündig geworden waren.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Lindsay, nachdem sie ihre Tüte im Hotel in ihr Zimmer gestellt hatte. Die Tüte bestand aus Papier. Sue hatte ihr gesagt, dass sie noch nie in einem Laden einkaufen war, der hochwertige Tüten aus Papier an seine Kunden vergab.
„Ich habe eine Idee“, sagte Rick, „Was haltet ihr vom London Dungeon?“
„Vielleicht sollten wir uns etwas aussuchen, was weniger für Touristen gedacht ist und wir deshalb drei Stunden anstehen müssen“, schlug Connor vor. Das entsprach leider der Wahrheit. In London bildeten sich Schlangen vor jeder Touristenattraktion.
„Lasst uns essen gehen.“ Das war Kates Idee und sie fand großen Anklang.
Also trafen sie sich später in einem Restaurant wieder. Sie redeten über die morgen anstehende Hochzeit, über den Tag im Brautladen und über andere Dinge.
Nur eine Person sagte kein Wort und nippte immer wieder besorgt von ihrem Weinglas…

Kate und Lindsay hatten für den nächsten Morgen einen Friseur bestellt und während dieser sich um Kates Haare kümmerte, zog Lindsay ihr Kleid an. Sie verließ das Badezimmer. „Wie findest du es?“, fragte sie und Kates Augen leuchteten. „Das sieht wirklich sehr schön aus… Wo ist Sue? Sie ist ziemlich spät dran…“
Lindsay warf ebenfalls einen Blick auf den Digitalwecker neben dem Bett. „Ja, du hast Recht. Ich gehe nach ihr sehen.“ Sie ging aus dem Raum und klopfte gegenüber bei Sues Zimmer. Soweit sie wusste, war Jack bereits gegangen: Er und Connor hatten sich in Ricks Zimmer eingefunden, damit sie sich dort in Schale werfen konnten. Lindsay und Kate hatten sich in Lindsays Zimmer getroffen, während die Braut für die Vorbereitungen ihr eigenes Zimmer haben sollte.
Besorgt klopfte Lindsay. „Sue?“, fragte sie, „Sue, bist du da?“ Sie presste ihr Ohr gegen die Tür und wunderte sich, warum sie Levi nicht bellen hörte. Als nichts passierte, klopfte sie noch einmal. Diesmal ungeduldiger. „Sue? Sue, mach dir Tür auf. Bitte.“
Wieder passierte nichts. Lindsay machte sich auf den Weg zur Hotelrezeption. Sie fragte die Dame, die dort arbeitete, ob sie eine blonde Frau mit einem Hund das Hotel habe verlassen sehen.
„Sie ist vor einer Stunde gegangen“, antwortete die Rezeptionsdame.
„Was?! Wohin? Hat sie Ihnen das gesagt?“
„Bedaure, nein. Aber sie ist in ein Taxi gestiegen.“
„Welche Firma?“
„London Cabby, glaube ich…“
Lindsay bedankte sich für den Hinweis und lief so schnell sie konnte zu ihrem Zimmer zurück. Dort war der Friseur inzwischen mit Kates Haaren fertig. Unzählige große Lockenwickler steckten auf ihrem Kopf. „Wir sind fertig. Ich mache mit Ihnen weiter“, sagte der Friseur, als er Lindsay sah.
„Das geht jetzt nicht… Kate, wir haben ein Problem: Sue ist verschwunden.“
„Soll das ein Witz sein?“, fragte Kate, „Ich habe mir für ihre Hochzeit gestern extra ein neues Kleid gekauft…“ Und Lillys Brautladen war nicht günstig.
Kate erhob sich von ihrem Stuhl. „Was machen wir jetzt?“
„Die Rezeptionsdame hat gesehen, dass sie mit einem Taxi von London Cabby weggefahren ist. Ich schlage vor, wir rufen dort an und fragen, wohin der Fahrer sie gebracht hat.“
„Gute Idee“, Kate kramte ihr Handy hervor und sie wählte die Nummer der Vermittlung. Von denen ließ sie sich zur Zentrale von London Cabby verbinden. Sie fragten, welcher Fahrer vor etwa einer Stunde eine junge Frau mit Hund am Kensington Hotel abgeholt und wo er sie hingebracht hatte. Die Frau am anderen Ende der Leitung sagte ihnen, dass die Fahrer von der Frühschicht momentan nicht erreichbar waren und man sie spätestens um 16:00 Uhr fragen könnte. „Und wie teilen Sie Ihren Fahrern die einzelnen Aufträge zu, wenn Sie sie nicht erreichen können?“, fragte Kate und in diesem Moment legte die Besitzerin des Taxiunternehmens auf.
„Hier kommen wir also auch nicht weiter.“
„Lass uns Sues Zimmer durchsuchen. Vielleicht finden wir so heraus, ob sie ihren Reisepass mitgenommen hat“, schlug Lindsay vor und sie hoffte ehrlich, dass das nicht der Fall war, denn das bedeutete, dass Sue das Land verlassen wollte.
Sie machte sich auf den Weg zu Sues und Jacks Zimmer. Das Brautkleid hing noch immer vor dem Schrank- eingepackt in einen Kleidersack.
„Sie hat das Kleid nicht einmal angerührt“, stellte Kate fest, „Sie hat kalte Füße bekommen…“
„Sue hat auch keine Nachricht hinterlassen“, Lindsay überprüfe den kleinen Schreibtisch, der in dem feinen Hotelzimmer stand. Das Frühstückstablett, welches der Room  Service gebracht hatte, war unberührt. „Denkst du, Jack wusste davon?“
„Wahrscheinlich nicht“, vermutete Kate, „Hätte er von ihren Zweifeln gewusst, hätte er sie zur Rede gestellt und es wäre anders gekommen.“
Lindsay sah ein, dass ihre Freundin Recht hatte.
„Was wäre anders gekommen?“, wollte plötzlich eine Stimme von ihnen wissen und die beiden drehten sich um. Jack stand in der Tür.
„Was machst du hier?“, fragte Lindsay.
„Das gleiche könnte ich euch auch fragen… Ich war auf dem Weg zu Rezeption. Ich wollte nachfragen, ob die Limousine pünktlich kommt“, er wartete darauf, dass sie ihm jetzt sagen würden, warum sie hier waren. Doch nichts dergleichen geschah. „Und?“, fragte er dann, „Was macht ihr hier?“
„Wir… ähm…“, Lindsay fand keine passende Antwort.
„Wo ist meine zukünftige Frau?”, fragte Jack.
„Das wissen wir nicht“, antwortete Lindsay.
„Was soll das heißen?“
„Wir wissen nicht, wo Sue ist“, erklärte Kate noch einmal und sie beschloss, dass sie ihm die Wahrheit sagen mussten, „Die Rezeptionsdame hat gesehen, dass sie vor einer Stunde das Haus verlassen hat.“
„Verdammt“, er drehte sich um, „Warum tut sie das?“
„Darauf habe ich vielleicht eine Antwort“, gab Lindsay zu, „Sie hat starke Zweifel, ob sie die Richtige für dich ist“, doch dann musste sie sich korrigieren, „Sue glaubt, dass du jemanden verdient hast, der besser als sie ist. Jemanden, der hören kann.“
„Das ist doch gar nicht wahr!“, rief Jack, „Sie ist das beste, was mir im Leben je passiert ist.“
„Wir wissen das“, Kates Stimme war sehr ruhig, „Aber Sue scheint dies nicht zu wissen.“
„Wir sollten sie suchen.“
„Das sehen wir genauso. Wir wissen allerdings nur, mit welcher Taxigesellschaft sie weggefahren ist. Wir haben dort bereits angerufen, aber angeblich könnte man die Fahrer aus der Frühschicht nicht vor 16:00 Uhr fragen.“
Jack schien eine Idee zu haben, denn er kramte nach seinem Handy. „Ich schlage vor, wir bestellen uns ein Taxi.“

Das Taxi von London Cabby stand fünfzehn Minuten später vor der Tür. Der Fahrer war erstaunt, als sich drei Männer in Anzug und zwei Frauen in lila Brautjungfernkleider auf die Rückbänke setzten.
„Wo soll´s denn hingehen?“, fragte der Mann.
„Waren Sie heute schon einmal an diesem Hotel?“
„Nein. Ich hatte einige Leute in Paddington abgeholt und zum Flughafen gebracht. Hat bei dem Verkehr in der Stadt ziemlich lange gedauert.“
Connor und Rick waren inzwischen informiert. Sie fragten sich, ob es etwas gab, was Sue zum Anreiz nahm, ihre Hochzeit zu canceln.  „Nein, wir…. Wir hatten keine Probleme…“, sagte Jack, dann fiel ihm etwas ein. „Oh nein“, er lehnte mit dem Kopf gegen das Kopfpolster des Rücksitzes, „Wir haben neulich Jenny, eine meiner Ex- Freundinnen, getroffen.“
„Wissen Sie jetzt, wohin ich Sie fahren soll?!“, fragte der Taxifahrer ungehalten, „Das Taxameter läuft schon.“ Taxifahren war in London sehr teuer.
„Ich weiß nicht… ähm, bringen Sie uns zur Tower Bridge“, sagte Lindsay.
„Zur Tower Bridge? Warum?“, fragte Rick, während der Fahrer bereits den Gang einlegte und losfuhr. Lindsay hatte keine Ahnung, warum sie zur Tower Bridge fahren sollten. Sie hatte eine Vorahnung.
„Lasst uns nachdenken“, schlug Kate vor, „Wohin könnte Sue gegangen sein?“ Während sie sprachen, hatte das Taxi den Hyde Park und den Green Park mit dem Buckingham Palace längst hinter sich gelassen. Der Fahrer steuerte das Auto auf eine Straße, die an der Themse entlang führte. Dann fuhren sie weiter Richtung Tower Bridge.
„Das ist es“, sagte Rick plötzlich, „Sie ist auf dem Segelboot!“
„Woher…?“, fragte Kate, aber Lindsay unterbrach sie bereits und wandte sich an den Taxifahrer: „Können Sie umdrehen und uns zur Lambeth Bridge bringen?“

Das Segelboot ankerte noch immer in der Nähe der Lambeth Bridge und sie sahen, dass Levi an Deck war und bellte, als sie näher kamen. „Gott sei Dank, sie ist da!“, rief Jack während er an Bord ging. Er suchte nach seiner Verlobten und fand sie unter Deck. „Was machst du nur mit mir?“, fragte er, während er sie erleichtert umarmte. Da Sue ihn nicht hören konnte, verstand sie nicht, was passiert war. Sie machte sich von ihm los. „Warum bist du hier?“, fragte sie.
„Warum bist DU hier? Willst du nicht mehr heiraten?“
„Doch, aber… Du verdienst jemanden, der besser ist, als ich.“
„So jemanden gibt es nicht und das weißt du“, er hielt sie an den Armen fest, „Ich liebe dich, Sue.“
„Ich dich auch, aber…“
„Du denkst an das Treffen mit Jenny neulich, richtig?“
„Ja“, sie nickte, „Und ich kann nicht…“
Während die beiden unter Deck redeten, saßen Rick, Kate, Connor und Lindsay an Deck auf einer Kiste und warteten. Erst jetzt bemerkte Kate, dass sie in all der Eile noch immer ihre Lockenwickler trug. Sie zog einige davon aus ihrem Haar.
„Woher wusstest du, wo sie ist, Sherlock?“, wollte Kate beeindruckt von Rick wissen.
„Weiß nicht“, antwortete er und dann sagte er etwas, was für Richard Castle völlig überraschend war: „Ich glaube, das war Intuition.“
Ein Geräusch an der Tür erregte ihre Aufmerksamkeit und sie drehten sich um. Sue und Jack kamen heraus und beide lächelten. „Habt ihr geredet?“, fragte Rick und Jack nickte.
„Ja, das alles war ein großes Missverständnis“, gestand Sue, „Ich war… ich weiß nicht, wie ich es sagen soll… Ich hatte Angst. Angst, dass Jack mich und das Baby nicht lieben könnte, weil…“
„Das Baby?“, wiederholten Lindsay und Kate ungläubig.
Sue nickte und ihre Freunde gratulierten ihr. „Lasst uns gehen“, schlug Rick vor, als sich die Euphorie gelegt hatte, „Hier auf dem Schiff ist es kalt und ich denke, wir haben noch eine Hochzeit zu erledigen.“
Sue lächelte. Sie machten sich gemeinsam auf den Rückweg zum Hotel, wo sie sich noch einmal für die Feier vorbereiteten.
Es war für Sue, der schönste Tag ihres Lebens. Und sie verdankte diesen nicht nur ihrem Mann, sondern auch ihren engsten Freunden.

Fin
 
 
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