Schwarzer Stahl

KurzgeschichteAllgemein / P16 Slash
Jason Bourne
31.01.2014
31.01.2014
1
3397
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Hallo liebe Leser!
Wer die Bourne-Filme nicht kennt (und auch wer sie nicht recht mag) kann das hier als ganz normale, verkappte Gangsterstory lesen. Kein sinnloses Rumgeballere und keine explodierenden, fliegenden Chevrolets, keine Kinnbärtchen und es wird auch kein Angebot gemacht, was man nicht abschlagen kann (wenn du verstehst), ich schwöre!
Ich wünsche viel Spaß am Lesen für alle die sich her verirrt haben : )



Schwarzer Stahl

Schwarze Lederstiefel. Dreckig, abgenutzt.
Darüber Jeans, nicht minder abgenutzt, aber weniger dreckig. Dunkler Hoodie unter noch dunklerer Lederjacke. Ein starker, sehniger Hals, ein kantiges Gesicht.
Das ist das Erste was er sieht.
David stöhnt und spuckt Wasser als er sich mühsam aus dem Kanal zieht. Er hievt sich an Land und bleibt benommen liegen. Die Steine in seinem Rücken sind kalt und hart, Kies drückt sich gegen seine Wirbel.
Aus seiner Schulter sickert heißes Blut, fast schwarz in dem dreckigen Laternenlicht.
Er sieht auf in den Lauf einer Kanone. Kein Schalldämpfer.
„Ich bin schon tot.“, sagt er und hustet noch ein wenig Wasser aus, „mehr tot geht nicht. Du kannst Feierabend machen.“
Das fast südländische Gesicht starrt ihn noch immer an. Es ist ein undurchdringlicher Blick, aber auch hilflos. Ein wenig ratlos und verlassen.
„Oder du kündigst gleich.“, macht David weiter und rappelt sich vorsichtig auf. Er sieht nicht mehr in den Lauf, aber er weiß, dass er noch da ist, „dein Laden wird hochgenommen. Alles ist aufgeflogen.“
Die Waffe sinkt, wird gesichert und in einem Holster unter der Jacke verstaut.
Irgendwo ertönen Polizeisirenen, auch sie sind hilflos. Jason Bourne ist tot. Erschossen und aus dem zehnten Stock in einen Kanal gestürzt.
„Verschwinden wir.“, sagt der Mann und dreht sich von David weg.

Das Zimmer ist so ohne Aussage, wie das Gesicht der Person die darin wohnt. David ist das egal. Er stochert in der offenen Wunde und sucht mit der Pinzette nach der Kugel. Als er sie findet, wirft er sie in das Waschbecken.
„Dein Name ist nicht wirklich Ramirez, oder?“
Der Mann schüttelt den Kopf und zieht die Vorhänge zu. Schmutziges, altes Licht fällt hinein.
„Emilio.“, sagt er trocken, „ist jetzt auch egal.“
David nickt.
„Sie suchen nach Ihnen, Mr. Bourne.“
„Sie suchen nach Bourne, nicht nach mir. Bourne ist tot. Ich bin David. David Webb.“
„Nun, sie werden Bournes Leiche wohl nicht finden können.“
„Eher nicht.“
David wäscht erst die Kugel, dann die Pinzette und anschließend seine Hände.
Emilio wirft einen Verbandskasten nach ihm, der völlig ungenutzt aussieht.

Emilio hat etwas schrecklich Gefährliches an sich. Es ist nicht sein Gesicht, nicht sein Körper. Es ist die Art wie er Dinge tut. Sogar wie er den Kaffee aufbrüht. David sieht, dass er ein Killer ist. Seine Hände sind Schraubstöcke.
„Wohin gehen Sie?“
„Ich werde Maries Bruder aufsuchen.“
Natürlich kann Emilio nicht wissen, wer Marie ist. Er nickt trotzdem. Er ist intelligent genug um an Davids Stimme zu hören, dass Marie wichtig ist. Und, dass sie tot ist.
„Haben Sie einen Ort wo Sie unterkommen können?“
David hebt den Kopf, „nein. Sie etwa?“
Emilio zuckt mit den Schultern, „vielleicht.“
Eine Minute später: „Eher nicht.“
Er reicht David den Kaffee. Schwarz. Heiß. Mit einem kleinen weißen Schaum vom Eingießen.
David kennt das. Man hat ein Leben für andere, für den Job, für das Programm. Sobald der Job beendet ist, vergeht auch das Leben. Ein neues muss her. Aber der Job ist nicht beendet, nicht für Emilio. Denn sein Opfer sitzt dort auf seiner Couch, mit einer Schusswunde, die von ihm hätte sein sollen und die ihn hätte töten müssen.
Aber eigentlich ist sein Opfer schon längst tot, nur dass er es nicht war. Jason Bourne ist eine kalte Leiche auf dem Grund eines Kanals.
Dieser Mann ist David Webb. Und er hat kein Leben. Noch nicht.


„Zwei Zimmer bitte.“, sagt David.
Emilio schiebt sich neben ihn, „nur eins.“

Emilio lässt den blauen, kalten Rauch seiner Zigarette aus seinem Mund fallen, dann bläst er eine Fontane Richtung Zimmerdecke.
David greift nach seinem Handgelenk, führt sich die Zigarette an den Mund und zieht. Ein sehr tiefer, fester Zug.
Emilio sieht ihm zu, dann lächelt er. Es sieht fast verstohlen aus. David hat keine Ahnung was jemand wie Emilio mit jemand wie ihm vorhat. Es könnte alles sein.  Es könnte einen Plan geben. Vielleicht hat Jason Bourne etwas übersehen.
Aber David will ein freier Mann sein. Er lässt Emilios Handgelenk nicht los.
„Du wirst mich doch nicht ersticken wenn ich jetzt einschlafe oder?“
Emilio blinzelt amüsiert. Es ist Antwort genug.

Emilio verlässt das Bett als David einschläft. Er sieht die nackte, fahle Schulter, die nur halb unter der hellen Decke verschwindet, eine Weile an, dann wendet er sich zum Fenster und schaut hinaus.
Paris sieht auch in der Nacht wach aus. Der schwarze Himmel ändert gar nichts daran. Emilio war noch nie hier gewesen. David scheint sich auszukennen.
Er weiß nicht, was er jetzt tun will. Er hat keinen Anhaltspunkt, keinen Auftrag. Er hat sein altes Leben verlassen und das verlogene Programm. Vielleicht wird er als Mörder gesucht. Als Auftragskiller. Oder er wird als Kollateralschaden links liegen gelassen.
Da draußen gibt es nichts für ihn. Vielleicht ist das was es für ihn gibt in diesem Raum. In diesem Bett. Mit seinen Spuren auf dem Körper.
Er betrachtet David, dann zündet er sich eine weitere Zigarette an. David bedeutet Freiheit. Aber Freiheit bedeutet Haltlosigkeit. Er hat keine Angst, schon lange hat er keine Angst mehr gehabt.
Er sieht sich wieder in dem VW. Das verbogene Lenkrad bohrt sich wie eine stumpfe Harpune in seine Eingeweide. Vor ihm Jason Bourne. Gehetzt (ja, von ihm. Er hat ihn gehetzt). Der Lauf der Waffe richtet sich auf ihn. Er blinzelt träge als Blut in seine Augen fließt und er macht sein Testament. Verzeih Mama, dass ich dich verlassen habe.
Aber Bourne schießt nicht. Er sieht ihn nur an, dann flüchtet er und Emilio sackt in eine Ohnmacht kurz vor dem Tod.

Als David aufwacht ist er ganz kurz wieder Jason. Sein Blick gleitet tödlich zu Emilio auf der Fensterbank, wie ein Visier. Dann wird sein Blick weicher. Er erinnert sich daran wer er ist.
„Du hast nicht geschlafen.“, sagt er.
„Du hast das für uns beide übernommen.“, meint Emilio.
Sie frühstücken auf dem Zimmer, David reinigt die Wunde und verbindet sie neu.
„Triffst du dich jetzt mit dem Bruder deiner Frau?“
Davids Blick entgleitet kurz in die Vergangenheit. Marie, der in den Kopf geschossen wird. Der Pickup, der sie beide von der Brücke in den Fluss wirft. Heißes, schlammiges Wasser. Ein Gefängnis aus Stahl und Plastik. Maries tote Lippen.
„Sie war nicht meine Frau.“
Emilio zuckt mit den Schultern. Für ihn bedeutet diese Vergangenheit nichts.

Maries Bruder ist gefasster geworden. Er sieht David entgegen wie einem alten Bekannten, dem er noch nie vertraut hat. Für ihn ist es klar, dass seine Schwester ein Opfer Jason Bournes wurde.
David hat nur die Adresse für Maries Grab für ihn, mehr nicht.

Emilio nimmt ihn sehr vorsichtig, aber ein bisschen rücksichtslos. So als versuche er abzutauchen und gleichzeitig ihm nicht zu schaden. Er hält ihn an der Hüfte, die andere Hand in seinem Nacken. Er presst Davids Gesicht in die Laken wie bei einer Hinrichtung. David gefällt das nicht wirklich. Und als Emilio kommt dreht er sich um und schaut ihm in die dunklen Augen.
„Vielleicht hätte ich dich doch erschießen sollen.“, sagt er und Emilio grinst. Er beugt sich hinab und erledigt den Rest mit dem Mund.


Während Emilio duscht durchsucht David dessen Handy. Es ist eine Angewohnheit und es ist ihm egal ob Emilio etwas davon merkt.  
Es gab eine Menge Anrufe in Abwesenheit, Mails, SMS.
David hört die Mailbox ab.
„Herrgott, Ramirez! Wo zur Hölle steckst du?! Ruf mich an sobald du das hörst!“
„Bourne ist tot. Wir haben gehört, du hast es vermasselt. Wir müssen reden. Morgen, 18.30. Bei dir. Du bist besser da, Ramirez.“
„Man hat dich mit Bourne gesehen. Witzig, ich dachte der sei tot. Naja, jetzt seid ihr es beide. Falscher Umgang, Ramirez, ganz falscher Umgang.“
„David. Was soll das?“, Emilio rubbelt sich die Haare trocken als er ins Zimmer kommt.
„Du warst nicht nur beim Secret Service angestellt, oder?“, fragt David.
Emilio lächelt. Es wirkt unsicher, aber das ist eine ganz feine Nuance, die jedem anderen entgangen wäre.
„Nicht nur, nein.“
David legt das Handy weg. Vielleicht ist Emilio ihm egal. Ganz tief in ihm, ist Emilio bloß ein weiterer Killer, der im Moment ohne Auftrag dasteht. Weiter oben, ist ihm der Mann nicht egal.
Er greift nach dem Handtuch und wickelt es um Emilios Kopf, reibt darüber, den feuchten Stoff unter seinen Fingern. Emilio hält sich an seiner Hüfte fest.
„Die suchen mich.“, sagt er und versucht arglos zu klingen.
„Uns.“, verbessert David.
„Nein, du bist tot.“
„Jason Bourne ist tot. Aber sie suchen jetzt David Webb und der lebt und ist ein ebenso guter Beweis wie Bourne.“
David hängt Emilio das Handtuch um die nackten Schultern.
„Wie hast du die Maschinenpistole durch den Flughafen bekommen?“, fragt er.


Am nächsten Tag müssen sie Verfolger abschütteln. Emilio tötet drei Menschen, David versucht nicht hinzusehen während er sich hinter ihm weg bückt. Die einzige Waffe, die er hat, ist er selbst. Und er kommt nicht nahe genug an die Verfolger ran. Emilio verhält sich auffallend loyal ihm gegenüber.
David weiß warum, aber er fragt trotzdem nach.
„Du bist mein Job.“, meint Emilio und verstaut seine Waffe in eine unauffällige Umhängetasche, „und mein Fehler. Mit dir bekommen die mich dran.“
„Mafia?“, fragt David völlig ins Blaue. Der Angriff hat zwar nicht die Handschrift der Mafia getragen, aber wer weiß. Neue Zeiten, neue Sitten.
Emilio schüttelt den Kopf, „weniger bedeutungsvoll, aber mit ebenso vielen Leichen im Keller.“
„Drogen?“
„Drogen, Waffen und Frauen.“
„Menschenhandel?“
„Unter anderem, ja.“
David schultert sein Handgepäck. Maries Bruder hat ihnen Zugkarten nach Hamburg besorgt. Von da aus müsst ihr sehen wo ihr bleib, hat er gesagt.
„Warum dann Secret Service?“, will David wissen als sie im Zug sitzen.
„Als Absicherung. Rente und so weiter.“
„Und von welcher Seite kam der Auftrag mich zu töten?“
„Von beiden Seiten.“


In Hamburg regnet es. Sie verlassen den Hauptbahnhof im Norden und nehmen sich ein Taxi.

„Ich bin raus. Warum verfolgen die dich?“, fragt David und nimmt einen Zug von Emilios Zigarette.
„Du bist eine Waffe, okay? Eine geladene Waffe. Nur weil keiner am Abzug ist, heißt das nicht, dass du nicht mehr gefährlich bist.“
„Es kommt mir vor als wärst du am Abzug.“
Emilio sieht ihn kurz an, streicht dann über den Verband.
„Vielleicht.“, sagt er.
David schaltet den Fernseher an. Er ist in den Nachrichten. Einer vom Programm hat ausgepackt. Man sucht noch immer nach Jason Bournes Leiche. Sein Foto ist groß auf dem Bildschirm.
„David Webb, dessen Deckname Jason Bourne war, wurde Opfer eines geheimen Programmes, in dem sowohl die Regierung als auch der CIA verwickelt sind. Das Programm folterte Agenten wie Webb und machte sie zu Killern, die auch amerikanische Bürger töteten. Derzeit wird noch immer Webbs Leiche gesucht. Frank Gilroy vom CIA sagt-“
„Die posaunen deinen Namen raus als wärst du Frischfleisch in einem scheiß verfickten Supermarkt.“
Emilios Stimme ist wie Stacheldraht. Er klingt wütender als er je ausgesehen hat und David legt ihm eine Hand auf die Brust, die mit drahtigem, schwarzem Haar bedeckt ist. Er muss ihn beruhigen und ihn von Dummheiten abhalten. Er kennt den Mann eigentlich nicht. Er weiß nicht wie er arbeitet. Wie gut er ist.
„Emilio.“
Emilio steht auf und geht zum Fenster. David sieht erst jetzt die breite Narbe, die sich von dessen rechten Schulterblatt bis zu seinem linken Oberschenkel zieht.
Er raucht so wie andere Alkohol trinken.
„Beruhig dich. Du wusstest doch, dass sie mich suchen.“
„Ich brauche einen Laptop.“

In einem Internetcafé hakt sich Emilio in den CIA. Er ist als vermisst gemeldet. Irgendwo ist eine kleine Notiz, dass er vielleicht ermordet wurde.
Er schaltet den PC aus.
Wenigstens hat der Geheimdienst keinen Verdacht. Und selbst wenn. Was würde es ändern? Es ist nicht so, dass er irgendwie wichtig ist. Er ist nur irgendein Killer, mit irgendeiner Vergangenheit und irgendwelchen Geheimnissen.

In Berlin wird Emilio in der U-Bahn eine Waffe in den Rücken gedrückt.
„Nächste Station: Moritzplatz.“
Er wirft David einen Blick zu. Die Antwort ist: bleib ruhig. David ist erfahrener als er und er nickt leicht.
„Aussteigen.“, sagt die Stimme hinter ihm.
Er steigt aus und sieht, dass auch jemand hinter David hergeht. Seine Hände sind feucht. Völlig unprofessionell. Aber er weiß ja, was man mit Aussteigern macht.
Sie werden in einen Lieferwagen verfrachtet, der in der Prinzenstraße halb auf dem Radweg steht. Als sich die Türen schließen sehen sie die Männer an.
Einer streichelt Emilio über die Wange, schlägt dann zu.
„Ramirez.“, sagt er freundlich, „ich bin enttäuscht von dir.“
Emilio reagiert gar nicht. Der Wagen stolpert über ein paar Schlaglöcher. Davids Hände sehen aus als wären sie bereit Genicke zu brechen.
Es sind insgesamt drei Männer.
Und es geht sehr schnell. David tritt einem ins Gesicht, Emilio wirft seine mit Plastik gefesselten Hände um den Hals des anderen und zerdrückt seinen Adamsapfel wie Knete. Der Fahrer scheint panisch auf einen Parkplatz zu rasen. Emilio erschießt ihn durch die Trennwand hindurch und den bewusstlosen Mann am Boden.

David hasst es Tote zu sehen. Er hasst das Blut an seinen Fingern, aufgerissene Augen, zertrümmerte Körperteile. Emilio übernimmt es zu fahren und daher übernimmt er es auch den Toten vom Fahrersitz zu drücken. Er wendet, nimmt eine andere Ausfahrt an dem riesigen Kreisverkehr am Moritzplatz. Nach wenigen Minuten fährt er auf eine Auffahrt, durch einen großen rot-grauen Torbogen und parkt dann.
Das Kloster ist wie ausgestorben. Sie lassen den Wagen einfach stehen und suchen den Garten auf. Eine Tafel steht umgeben von Stühlen auf dem zertretenen Gras.
Jemand sieht sie und grüßt.
Sie sind Touristen.

Emilio hat die Handys der Männer und wirft sie auf den Glastisch in ihrem Hotelzimmer.
„Kannst du sowas?“, fragt er.
„Was? Handys orten?“
„Ja.“
„Es ist ein Risiko, dass du sie mitgenommen hast. Es kann sein, dass mehr nachkommen werden.“
Emilio zündet sich eine Zigarette an und führt seine Hand ganz langsam zu Davids Mund.
„Zieh.“, sagt er und David tut es. Dann küsst Emilio ihn und saugt ihm den Rauch aus den Lungen.
„Wir kommen ihnen zuvor.“, sagt er.
David schüttelt den Kopf. Er weiß was Emilio plant und es gefällt ihm nicht. Seine Erfahrung sagt ihm, dass sie es nicht schaffen können. Nie im Leben.
„Wir sollten untertauchen. Getrennt.“
Emilio wendet sich von ihm ab und geht ins Bad, „nein.“, sagt er.
David fährt sich durch das kurze Haar dann greift er nach zwei der Handys.

Zwei Tage später sind sie mit einem Auto auf der Fahrt nach Spanien.
David könnte aus der Sache aussteigen. Aber Emilio würde ihn vielleicht erschießen. Er hat sowas angedeutet. Und David würde Emilio nicht umbringen. Er weiß aber, dass was auch immer der Plan ist, es nicht funktionieren kann. Sie sind nur zwei Leute. Gegen eine ganze Organisation. Und es ist nicht so, dass wenn sie den Boss erschießen alles vorbei ist. Da wartet nämlich schon der Nachfolger, der sich ebenfalls die Finger nach ihnen leckt.
„Was hast du gemacht, dass sie dich tot sehen wollen?“
Emilio grinst. Aber es ist kein echtes Grinsen. Es ist nur ein schmaler Strich.
„Ich weiß nur zufällig jeden Namen von jedem, der in irgendeiner Weise irgendwie wichtig ist. Jetzt brenne ich mit einem CIA-Agenten durch, der noch dazu bekannt dafür ist, erstens brillant zu sein, zweitens wohl gerne Geheimnisse aufzudecken.“
„Haben sie Angst, dass du sie verrätst?“
„Habe ich doch schon.“

„Warum?“, fragt David als sie gerade auf irgendeiner Landstraße irgendwo sind. Es ist unerträglich heiß in dem Wagen. Ihre Kleidung stinkt und klebt an ihnen.
„Warum was?“
„Warum ich?“
Emilios Finger trommeln auf dem Lenkrad, „du bist mein Ticket da raus.“
„Halt an.“
David nimmt ihn auf dem Rücksitz, danach fährt er den Wagen.


Sie finden das Haus. Sie finden das Zimmer. Und die Wachen finden sie schneller als sie es geahnt haben. David wird festgehalten während Emilio frei im Raum steht und offensichtlich jeden kennt und auch den Mann, der jetzt das Zimmer betritt.
„Ramirez!“, sagt dieser und breitet freundlich seine Arme aus, „Bourne auf dem Servierteller! Ein Foto von seiner Leiche hätte mir gereicht.“
Jeder kann schmecken, dass es Lügen in der Luft gibt, die einen im Raum das Leben kosten werden.
Emilio lächelt ihn an, „ich habe ihn hergebracht. Dann kannst du ihn selbst umlegen. Ich dachte, das würde dir gefallen.“
„Und dir meine Gunst zurückgeben?“
Emilio nickt. Es wirkt unterwürfig.
„Ich bin trotzdem enttäuscht, dass du nicht zurückgerufen hast. Und du hast sechs meiner Männer getötet, Ramirez. Das bedeutet erst einmal ein paar Monate Drecksarbeit, das ist dir klar oder?“
Emilio nickt, „danke.“
Der Mann lächelt väterlich und stellt sich dann vor David, der noch immer am Boden gehalten wird.
„Bringt ihn in den Keller.“, befiehlt er.

David schafft es einen zu überwältigen, aber es sind zu viele. Letztendlich landet er im Keller, wo er eingeschlossen wird.
Der Mann von eben kommt und lässt die Tür hinter sich offen wo David ein paar weitere Männer sehen kann. Er liegt mit den Händen auf dem Rücken gefesselt auf dem staubigen Boden.
„Ich habe dein Mädchen gefickt.“, behauptet der Mann mit einem Grinsen, „die kleine Schlampe.“
David schließt die Augen und lässt es an sich abprallen. Er sieht den Tod schon vor sich und er ist bereit.
Der Mann schließt die schwere Tür hinter sich. Es ist halbdunkel. Durch ein faustgroßes Fenster fällt helles Licht und Spaniens Hitze.
Er wird an den Haaren gepackt und auf die Knie gezerrt.
„Was hat er dir erzählt?!“, zischt der Mann, „was hat dir die verdammte Ratte Ramirez erzählt?! Hast du Namen?“
David schweigt.
„So loyal gegenüber einem dreckigen Verräter!“, lacht der Mann und wirft ihn zurück auf den Boden, „sag einfach was du weißt und vielleicht lasse ich dich laufen.“
„Wir wissen beide, dass das nicht geschehen wird.“, sagt David.
Wieder ein Lachen, „cleverer Junge! Du und Ramirez, ihr seid tot. Ich werde eure stinkenden Leichen irgendwo in einen Graben werfen lassen, dass die Ratten euch fressen können.“
Plötzlich geht die Tür auf, jemand tritt hinter den Mann, der sich wie eine Fliege zum Licht dreht. Im nächsten Moment klatscht David Blut und Gehirnmasse ins Gesicht.

Emilio wäscht sich das Blut von den Fingern. Er steht nackt am Waschbecken, sein Kleiderhaufen neben ihm. David sitzt auf dem Toilettendeckel.
„Wie viele waren es?“, will er wissen.
Emilio schließt den Wasserhahn und fährt mit seinen nassen Fingern durch Davids staubiges Haar.
„Noch zu wenige.“, sagt er und massiert Davids Nacken, „aber ein Statement.“
„Oder ein Selbstmordkommando.“
Emilio lacht, „hast du gedacht, du kannst einfach so aussteigen und ein normaler Mensch werden?“
David hebt den Kopf und streicht gedankenverloren mit dem Daumen über einen Teil von Emilios schwarzem Glückspfad.
„Ich hätte dich erschießen sollen als ich die Chance dazu hatte.“, sagt er.
„Du hast jetzt die Chance.“
Emilio nimmt die Waffe vom Badewannenrand, entsichert sie und legt sie David in die Hände. Er führt dessen Hand zu seinem eigenen Kopf und drückt sich den Lauf gegen die Schläfe, „du hast jetzt die Chance, David.“
David drückt ein wenig gegen Emilios Haut, dann nimmt er das Magazin raus und wirft die Waffe auf den Boden.
„Ich mache es dann, wenn du nicht damit rechnest.“, droht er zwischen zwei hungrigen Küssen.
Review schreiben
 
 
'