Kirschroter Sommer/Türkisgrüner Winter - Das Ende

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
28.01.2014
28.01.2014
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Ich liebe die Bücher Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter. Es gibts zwar ein Happy End am Ende des zweiten Buches, aber ich habe mich immer gefragt, was danach passiert ;) Also habe ich einen kleinen OneShot dazu geschrieben, so wie es in meiner Vorstellung weiter geht.
Ich hoffe es gefällt euch. Über eure Meinung zu dieser geschichte würde ich mich sehr freuen :)
Viel Spaß beim Lesen

P.S. Es war ein kleiner Fehler in meiner FF, den ich beheben musste :)

Die Charaktere gehören mir nicht. Sie gehören alle Carina Bartsch, der Autorin der beiden Bücher.



Ich wurde durch eine gleichmäßige Wärme auf meinem linken Arm geweckt. Eine Wärme, die meinen Arm entlang fuhr. Von meiner Schulter hinab zu meinem Handgelenk und den gleichen Weg wieder zurück. Woher kam diese Wärme? Mit meiner freien Hand tastete ich das Bett ab und stieß auf etwas Hartes. Etwas das sich bewegte. Ein Körper. Wer lag neben mir? Ich konnte die Antwort geben, bevor ich überhaupt die Augen öffnete. Dieses Atemgeräusch und diesen Duft würde ich unter tausenden wiedererkennen. „Elyas“, murmelte ich. Elyas? Was machte Elyas Schwarz in meinem Bett? Die Ereignisse der  letzten Nacht strömten auf mich ein. Die E-Mail. Elyas, der plötzlich vor meiner Tür stand. Seine Entschuldigung. Sein Liebesgeständnis. Eva, die den perfekten Zeitpunkt gestört hatte. Lächelnd öffnete ich die Augen und schaute genau in ein türkisgrünes Meer. Elyas‘ Augen verschmolzen mit meinen. „Guten Morgen, mein Engel“, flüsterte Elyas. Ohne den Blickkontakt  zu unterbrechen, näherte er sich mir und hauchte mir einen Kuss auf die Lippen. „Du redest ich Schlaf“, sagte er. „Du hast meinen Namen geflüstert. Immer und immer wieder.“ „Das musst du geträumt haben“, erwiderte ich mit einem Lächeln. Elyas zog mich ein Stück näher an seinen muskulösen Körper. „Ich liebe dich, Emely“, flüsterte er mir ins Ohr. Seine Lippen wanderten langsam von meinem Ohr, meine Wange entlang bis zu meinem Mund. „Ich liebe dich auch“, konnte ich noch flüstern  bevor unsere Lippen miteinander verschmolzen.

Ich weiß nicht wie lange wir so auf meinem Bett lagen, aneinander gekuschelt und küssend. „Wir müssen aufstehen“, flüsterte Elyas und löste sich von mir. Der Termin im Krankenhaus, fiel es mir wieder ein. „Hoffentlich geht es Jessica bald besser“, hörte ich Elyas, während er aufstand. Ich sah ihn an. In seinem Gesicht standen Angst und Schmerz geschrieben. Ich stand schnell auf und schlang meine Arme um seine Taille. „Mach dir keine Gedanken. Es war ein Unfall. Du hättest es nicht verhindern können. Domenic ist ein Arsch, das wissen wir alle, aber bitte hör auf dir Vorwürfe zu machen.“ Ich nahm sein Gesicht in meine Hände und zwang in mir in die Augen zu sehen. „Bitte“, flehte ich ihn an. „Ich werde heute mit dem Psychologen reden und  mit Jessica, falls sie wieder wach ist…“ „Sie wird wieder wach sein“, unterbrach ich ihn. „Wieso bist du da so sicher?“ „Elyas“, sagte ich und strich ihm mit meiner Hand durch die Haare. „Ich muss los. Wir haben schon neun Uhr“, sagte er mit einem Blick auf seine Armbanduhr. „Und ich würde gerne noch kurz zu Hause vorbei bevor ich ins Krankenhaus fahre.“ „Wartest du noch kurz und nimmst mich dann mit? Ich würde gerne zu Alex. Wir müssen reden. Ich hab ihr versprochen alles zu erzählen. Und du kennst ja Alex…“ „Wenn sie etwas wissen will bleibt sie stur, komme was wolle“, beendete er meinen Satz und gab mir einen Kuss. „Ja“, sagte ich lächelnd. „Also wartest du? Ich muss mich noch kurz umziehen.“ Elyas‘ Augen flackerten bei dem Wort ‚umziehen‘. „Lass dir ruhig Zeit, Schatz. Ich schau dir gerne zu“, sagte er mit einem Grinsen im Gesicht. „ELYAS.“ Ich musste lachen. „Schon gut, schon gut. Ich warte im Wagen auf dich.“ Er nahm mich in die Arme und unsere Lippen verschmolzen wieder miteinander. „Beeil dich“, flüsterte er, als er sich von mir löste. Er nahm seine Jacke und warf mir einen lächelnden Blick zu bevor er mein Zimmer verließ. Ich war alleine im Zimmer. Fast, fiel mir mit einem Blick auf Evas Bett auf. Sie lag immer noch dort und schlief. Ich suchte mir rasch einige Klamotten aus dem Schrank und ging ins Bad um mich umzuziehen. Ich sah in den Spiegel. Irgendetwas war anders. Meine Augen leuchteten und mein ganzes Gesicht strahlte ein unglaubliches Glück aus. Ich lächelte mein eigenes Spiegelbild an während ich meine Haare bürstete. Elyas liebt mich. Nur mich. Und ich liebe ihn. Sofort schweiften meine Gedanken wieder zur letzten Nacht. Elyas war so liebevoll und zärtlich gewesen, dass ich fast schon glaubte ich würde immer noch schlafen und alles wäre nur ein Traum. Während ich mich umzog war ich so in meine Gedanken um Elyas und die letzte Nacht vertieft, dass ich gar nicht merkte, dass sich die Badezimmertür öffnete und Eva das Bad betrat. „Verdammt Eva“, schrie ich, als ich in den Spiegel schaute und mir plötzlich zwei Personen entgegen blickten. „Musstest du mich so erschrecken?“ „Sorry Süße.“ Eva hob entschuldigend die Hände. „Ich habe mehrfach an die Tür geklopft, aber da du nicht geöffnet hast, bin ich einfach ins Zimmer gekommen.“ „Oh.“ Ich errötete. Das war jetzt peinlich. „Also…“, versuchte ich zu erklären. „Ja ja, ich weiß. Du und dein Männerbesuch seid glücklich. Du liebst ihn, er liebt dich. Das hätte gestern Abend jeder Blinde gesehen. Aber jetzt wäre es echt toll, wenn du fertig werden würde, denn ich muss dringend aufs Klo.“ Das war typisch Eva. Sie kam immer schnell auf den Punkt und nannte die Tatsachen beim Namen. „Ok ok“, erwiderte ich und verließ das Bad. In unserem Zimmer packte ich Handy, Schlüssel und Portmonee in meine Tasche, um mich auf den Weg zu Elyas zu machen. Als mein Blick auf die Sonnenblume auf meinem Nachttisch fiel, fing ich wieder an zu grinsen. Ich konnte mir schon ausmalen, was zwischen Elyas und mir heute noch alles passieren würde…

„Das waren fast zwanzig Minuten“, sagte Elyas, als ich zu ihm in den Mustang stieg. „Alex hätte länger gebraucht“, antwortete ich mit einem Lächeln. „Das stimmt.“ Elyas lachte. „Da ich so lange warten musste habe ich aber für ein kleines Frühstück gesorgt“, sagte er und reichte mir einen Becher Kaffee und ein belegtes Brötchen. „Du bist ein Schatz.“ „Kannst du das nochmal wiederholen?“, fragte Elyas mit einem Schmunzeln im Gesicht. „Ich liebe dich“, sagte ich und gab ihm einen langen und intensiven Kuss, bevor er den Wagen startete und zu Alex‘ und seiner Wohnung fuhr.
„Was glaubst du wird Alex sagen, wenn wir zusammen in die Wohnung kommen?“, fragte Elyas mich während er seinen Mustang parkte. „Ich werde es ihr erklären“, erwiderte ich und stieg aus dem Auto. Elyas nahm meine Hand, während wir auf das Haus zu gingen.
„Ich wünschte wir hätten wieder Halloween“, sagte ich, als ich die vielen Stufen sah, die vor uns lagen, bis wir die oberste Etage erreichen würden. „Wieso?“ Elyas schien sichtlich irritiert. „Da musste ich nicht laufen. Du hast…“ Weiter kam ich nicht, denn Elyas hatte mich schon gepackt und auf seine Arme gehoben. „Das war ein Scherz, Elyas“, lachte ich. „Darf ich die Frau, die ich liebe nicht auf den Arm nehmen?“ Elyas schaute mich mit seinen meeresgrünen Augen an. „Ich liebe dich auch, aber ich kann wirklich alleine laufe.“ Ich gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Wenn ich jedes Mal einen Kuss bekomme, wenn ich dich trage, lasse ich dich nie mehr selbst laufen, Schatz.“ Elyas grinste. „Blödmann.“ Ich grinste ebenfalls. Je höher wir kamen, desto mehr begann er zu schnaufen. Ich merkte, dass er nicht mehr konnte. Aber Elyas ist ein Mann. Männer würden niemals zugeben, wenn sie etwas nicht können. Und genauso war auch Elyas. Oben angekommen ließ er mich auf den Boden herabgleiten und atmete tief durch, bevor er den Schlüssel in das Schloss steckte und die Wohnungstür öffnete. „SEBASTIAN“, schallte Alex‘ Stimme durch die Wohnung. „Du weißt doch irgendwas. Wo ist Elyas? Er war die ganze Nacht nicht zu Hause. Du bist sein bester Freund. Also?“ „Ich glaube… frag Elyas selbst, wenn er kommt“, stammelte Sebastian. Er konnte einem manchmal wirklich leidtun, aber er hatte sich Alex nun mal als Freundin ausgesucht, also war er es auch irgendwie selber schuld. Elyas und ich sahen uns grinsend an. „Komm“, sagte er. „Auf geht es in die Höhle des Löwen.“ Wir gingen langsam weiter in die Wohnung. Sebastian saß auf dem Sofa. Alex stand mit verschränkten Armen vor ihm. Er konnte einem wirklich leidtun. „Ich will jetzt alles wissen. Sofort.“ Alex fing langsam an wütend zu werden. „Hallo, ihr zwei“, sagte Elyas. Alex und Sebastian drehten sich um. „Elyas! Da bist du ja. Wo warst du? Ich habe mir… EMELY?“ Alex schien mich erst jetzt zu bemerken. Sie starrte ungläubig zwischen ihrem Bruder und mir hin und her. „Was…“, begann sie. „Ich muss mich kurz umziehen und dann schnell ins Krankenhaus. Ich bin schon spät dran“, wurde sie rasch von Elyas unterbrochen, während dieser sich auf den Weg zu seinem Zimmer machte. „MOMENT!“ Alex wollte ihren Bruder aufhalten, doch Elyas war bereits in seinem Zimmer verschwunden. Ich schaute zu Sebastian. Er lächelte mir aufmunternd zu. Er schien genau zu wissen, was mit Elyas und mir war. Natürlich wusste er es. Er ist der Einzige, dem Elyas erzählt hatte, dass er mich liebt und dass er großen Mist gebaut hatte. Er war es, der uns beiden auf die Sprünge geholfen hatte. Wäre Sebastian nicht zu mir gekommen, wäre ich nie auf die E-Mail von Elyas gestoßen. Ich hätte mich nie mit ihm versöhnt und Elyas wäre jetzt wahrscheinlich schon auf dem Weg nach Hamburg. „Danke“, sagte ich an Sebastian gerichtet. „Kein Problem. Ich bin froh, dass…“ Weiter kam er nicht, denn schon funkte Alex dazwischen. „Danke wofür?“, fragte sie. „Was geht hier vor? Wieso wissen alle etwas, dass ich nicht weiß? Wofür bedankt sich Emely bei dir?“ Alex schaute zu ihrem Freund. Doch bevor dieser antworten konnte stand Elyas schon wieder im Wohnzimmer. „Kommst du mit?“, fragte er an Sebastian gerichtet. „Klar.“ So schnell wie Sebastian aufstand war er froh Alex‘ Standpauke zu entkommen. „Sebastian! Wir waren noch nicht fertig. Ich will endlich wissen, was los ist!“ So wie Alex gerade quengelte um endlich Antworten auf alle ihre Fragen zu bekommen, erinnerte sich mich eher an ein kleines Mädchen, dass unbedingt ein Eis wollte, dieses aber nicht bekam. „Bis später.“ Elyas Stimme erklang ganz dicht an meinem Ohr. Er nahm mich in den Arm und seine türkisgrünen Augen nahmen Besitz von meinen. „Und wenn ich wieder da bin, dann…“ Er sprach nicht weiter, stattdessen breitete sich ein anzügliches Grinsen in seinem Gesicht aus, bevor er mich küsste. Alex stand mit großen Augen neben uns und schien nicht mehr zu wissen, was sie sagen soll. Ich würde ihr alles erklären. Sie würde mir auch keine andere Wahl lassen, wenn sie wieder zur Besinnung kommen würde. „Ich liebe dich“, flüsterte Elyas bevor er sich mit Sebastian auf den Weg machte. Ich schaute ihm mit einem Lächeln hinterher, auch als die Tür schon längst ins Schloss gefallen war…

„Erde an Emely!“ Alex schien ihre Stimme wieder gefunden zu haben. Ich drehte mich langsam zu ihr um. „Ja?“, fragte ich unschuldig. „Was war DAS? Du und mein Bruder? Was habe ich verpasst? Was ist passiert?“ Die Fragen sprudelten nur so aus meiner quirligen besten Freundin heraus. „Immer mit der Ruhe. Sollen wir uns nicht erst mal setzen?“ Alex ließ sich aufs Sofa fallen. Ich setzte mich neben sie und schaute sie an. „Elyas und ich… wir… wir sind zusammen“, erklärte ich. „Ja, das habe ich mir schon gedacht, so wie ihr euch gerade angesehen und abgeknutscht habt. Aber wieso? Du hättest mir doch etwas sagen können. Wie ist das passiert?“ Typisch Alex. Sie wollte immer alles sofort wissen. Es war wirklich schwer etwas vor ihr zu verheimlichen. „Das ist eine ziemlich lange Geschichte.“ „Wir haben Zeit. Bis Basti und mein Bruder wiederkommen dauert es noch. Also kannst du mir alles erklären. Alles. Detailliert.“ Ich atmete noch einmal tief durch bevor ich begann meine Geschichte zu erzählen. Ich begann meine Ausführung mit dem Zeitpunkt, an dem ich gemerkt hatte, dass Elyas mehr für mich war als nur der große Bruder meiner besten Freundin. Der Moment, in dem ich merkte, dass mein Herz schneller schlug, wenn er den Raum betrat und, dass meine Knie weich wurden wenn ich ihn sah. Ich erzählte ihr, dass ich mir jedes Mal, bevor ich bei ihr zu Besuch war Gedanken machte, ob auch Elyas da sein würde, und ob er merken würde, dass ich nervös wurde, wenn ich ihn ansah. Als ich zu dem Zeitpunkt kam, als Elyas und ich uns das erste Mal küssten und er mich am nächsten Tag eiskalt abservierte machte Alex große Augen. „Aber wieso hast du mir das nie erzählt? Immerhin war und bin ich deine beste Freundin.“ „Ich war vierzehn. Ich habe mich geschämt. Elyas ist dein Bruder. Du liebst ihn doch auch. Wie hätte ich dir sagen sollen, dass er mir das Herz gebrochen hatte?“ „Aber du hast alles mit dir selbst ausgemacht. Du hättest jemandem zum Reden gebraucht.“ „Wenn ich dir das erzählt hätte, wärst du zu Elyas gelaufen und hättest ihm eine Standpauke gehalten.“ „Na und?“, erwiderte Alex. „Das hätte euch beiden jede Menge Ärger und Schmerz erspart.“ „Wahrscheinlich hast du Recht“, sagte ich leise „Aus heutiger Perspektive würde ich das auch machen, aber damals… Ich hatte einfach Angst. Angst davor, jemandem alles zu erzählen. Angst, dass Elyas mich noch mehr verletzten könnte.“ Alex legte den Arm um meine Schultern. „Ich weiß“, sagte sie. „Aber, wenn du das nächste Mal Probleme mit meinem Bruder oder sonst irgendjemandem hast, redest du mit mir. Versprochen?“ „Ja“, sagte ich, da ich wusste, dass jede andere Antwort Alex nicht gefallen würde. Ich fuhr mit meiner Erzählung fort. Ich erzählte, wie froh ich war, als Elyas die Stadt verließ und wie groß der Schock für mich war, dass Alex ausgerechnet zu ihm gezogen war. Ich hatte mir zu diesem Zeitpunkt zwar eingeredet, dass meine Gefühle für Elyas nicht mehr da waren. Aber der Augenblick, als ich ihn das erste Mal nach all den Jahren wiedersah, zeigte mir, dass ich falsch lag. Ich ließ in meiner Erzählung nichts aus. Erzählte von unserer Begegnung beim Joggen, unserer gemeinsamen Nacht beim Campen und meinen Gefühlen, als ich erfuhr, dass Elyas hinter den E-Mails von „Luca“ steckte. Ich erzählt ihr, wie verraten ich mich fühlte und dass die Demütigung so groß war, dass ich Angst hatte mit irgendjemandem über die ganze Sache zu reden. Ich berichtete ihr von der Begegnung auf dem Flur an Weihnachten und unserer Versöhnung. Dass wir fast miteinander geschlafen hätten und nur durch Eva unterbrochen wurden ließ ich allerdings aus. Alex war zwar meine beste Freundin, aber Elyas war immer noch ihr Bruder. So etwas musste sie nun  wirklich nicht wissen. Alex unterbrach mich kein einziges Mal. Sie hörte geduldig zu, obwohl das für Alex eigentlich wirklich ungewöhnlich war. Normalerweise konnte sie  keine fünf Minuten stillhalten und jetzt hörte sie meiner Erklärung zu, die länger als eine Stunde dauerte. „Ich bin froh, dass ihr beiden glücklich seid“, sagte sie, als ich meine Erzählung abschloss. „Es war wirklich schlimm, dich in den letzten beiden Monaten zu sehen. Ich wünschte nur, du hättest es mir schon früher erzählt.“ „Ich weiß“, erwiderte ich. „Aber jetzt weißt du es ja.“ „Und wenn Elyas, dir nochmal das Herz…“ „Das wird nicht passieren“, unterbrach ich sie. „Aber wenn doch, dann kommst du auf direktem Weg zu mir und dann kann er was erleben. Verwandtschaft hin oder her. Keiner hat das Recht meiner besten Freundin das Herz zu brechen.“ „Ok ok, Alex. Ich komme dann zu dir“, lachte ich. „Aber es wird wirklich nicht passieren. Elyas und ich lieben uns. Es hat sieben Jahre gedauert bis wir endlich wirklich zu einander gefunden haben. Ich liebe ihn genauso sehr, wie er mich liebt. Er wird mir nicht mehr das Herz brechen. Das weiß ich.“ Alex nahm mich in den Arm. „Jetzt bist du nicht nur meine beste Freundin, sondern quasi auch meine Schwägerin. Unsere Kinder werden mal Cousin und Cousinen sein, ist das nicht toll.“ Alex war ganz aufgeregt. „Halt. Ich bin weder mit Elyas verheiratet, noch habe ich Kinder. Übertreib mal nicht gleich, dass halt alles noch viel Zeit“, unterbrach ich ihre Zukunftspläne. „Ja ja, ich weiß. Aber ich freu mich einfach so.“ Sie lachte. „Ich kann es irgendwie immer noch nicht glauben. Meine beste Freundin und mein Bruder…“ „Das könnte ich genauso sagen“, erklang eine Stimme an der Tür. „Mein bester Freund und meine kleine Schwester.“ Elyas und Sebastian betraten gemeinsam das Wohnzimmer. „Hey“, sagten Alex und ich gleichzeitig, als wir die beiden sahen. Elyas kam schnell auf uns zu und setzte sich zu uns auf das Sofa. „Sorry Alex“, sagte er und zog mich aus ihrer Umarmung hervor. „aber Emely ist meine Freundin und der Einzige, an den sie sich kuscheln darf bin ich.“ Alex verdrehte die Augen, während Elyas seinen Arm um mich legte. „Ich habe dich vermisst, mein Engel“, flüsterte er mir ins Ohr. „Ich dich auch“, flüsterte ich und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Oh mein Gott.“ Alex verdrehte die Augen. „Waren wir genauso schlimm, wie die beiden?“, fragte sie Sebastian. „Ja“, riefen Elyas und ich zeitgleich aus und lachten. „Komm Alex, wir lassen die beiden alleine. Sie haben heute wahrscheinlich noch viel vor“, sagte Sebastian und zwinkerte Elyas und mir zu. „Aber…“, begann Alex. „Nein. Wir gehen jetzt.“ Sebastian blieb beharrlich. „Wir wollten doch noch meinen Eltern ein frohes neues Jahr wünschen.“ „Ok ok“, maulte Alex. „Aber wir beide reden auch noch.“ Sie schaute zu Elyas, während sie aufstand und mit Sebastian in den Flur verschwand. „Wir sind alleine.“ Elyas Augen funkelten. „Ja. Und was willst du jetzt machen. Willst du mich in dein Zimmer schleifen und mir nochmal den wunderbaren Ausblick aus dem Fenster über deinem Bett zeigen?“ Elyas schmunzelte. „Also erstens würde ich dich nie schleifen, Schatz, wenn dann trage ich dich auf Händen. Und zweitens habe ich erst noch etwas anderes mit dir vor.“ „Du hast noch etwas vor?“ Ich war erstaunt. Was konnte das sein? Was wollte er mit mir machen? „Lass dich überraschen.“ Elyas lächelte. „Und zieh dir was warmes an.“ Nachdem ich Jacke und Schuhe angezogen hatte, nahm Elyas einen von Alex‘ unzähligen Schals und verband mir die Augen, bevor wir die Wohnung verließen und er mich auf seinen Armen die Treppe runter trug.

„Wo fahren wir hin?“, wollte ich wissen, als Elyas den Wagen startete. Er hatte es sich nicht nehmen lassen mich die kompletten fünf Stockwerke, die er mich zuvor auch schon hochgetragen hatte, nun auch wieder heruntergetragen. Anschließend hat er mich auf dem Beifahrersitz abgesetzt, mich angeschnallt und „Er ist drin.“ gesagt. Oh mein Gott! Ich wurde rot. Sofort waren die Bilder der Halloween-Nacht wieder in meinem Gedächtnis, als ich, betrunken wie ich war, anzügliche Witze machte und ihn damit fast aus der Fassung gebracht hätte. Elyas hatte sich rührend um mich gekümmert, ohne meine Situation schamlos auszunutzen. Er hatte mir schon damals gesagt, dass er mich liebt, als ich in seinen Armen eingeschlafen war. Wenige Tage später erfuhr ich die schockierenden Tatsachen über sein Doppelleben. Dies zu erfahren hatte mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich war völlig am Boden zerstört. Umso glücklicher war ich, dass Elyas und ich nun doch noch zusammengefunden hatten. „Hörst du mir überhaupt zu?“ Elyas Stimme riss mich aus meinen Gedanken. „Ähhh… Natürlich höre ich dir zu.“ „Ja klar.“ Elyas lachte. „Ich habe gesagt, dass wir etwa zwanzig Minuten zu unserem Ziel brauchen, dass ich dir nicht sagen werde, wo wir hinfahren, denn das soll eine Überraschung sein und du sollst auf keinen Fall den Schal von den Augen nehmen.“ „Kannst du mir nicht wenigstens einen kleinen Tipp geben, wo wir hinfahren? Du weißt doch, dass ich neugierig bin und ich will es wissen.“ Oh Mann, jetzt klinge ich schon fast wie Alex. „Wenn ich nicht wüsste, dass du Emely bist, würde ich denken, dass Alex neben mir sitzt“, sagte Elyas. Konnte dieser Mann Gedanken lesen? Ich kicherte. „Was ist so lustig?“ „Ach nichts. Du bist einfach perfekt.“ „Erzähl mir etwas, dass ich noch nicht weiß.“ Ich versuchte mit der Hand nach ihm zu schlagen, da ich allerdings immer noch verbundene Augen hatte war meine, ohnehin schon eingeschränkte, Treffsicherheit quasi gleich null. Ich schlug ins Leere, während Elyas lachte.

„Elyas?“, fragte ich plötzlich. „Ja?“ „Jessica… wie geht es ihr?“ Ohne, dass ich Elyas anschauen musste beziehungsweise konnte, wusste ich, dass er sich anspannte. Er atmete tief durch, bevor er mir von seinem Krankenhausbesuch erzählte. „Ihr geht es besser. Sie war wach und ich habe mich mit ihr unterhalten. Es tut ihr leid, dass sie uns solchen Kummer bereitet hat, aber…“ Elyas Stimme brach ab. „Aber was, Elyas?“, fragte ich vorsichtig. „Aber… sie ist immer noch der Meinung, dass… dass ihr Leben nicht mehr lebenswert ist. Sie bleibt vorerst in psychologischer Betreuung.“ Vorsichtig tastete ich mit meiner linken Hand nach Elyas. Ich legte sie auf seinen Oberarm und strich langsam darüber. „Die Hauptsache ist doch, dass sie wieder wach ist. Sie lebt. Hättest du sie nicht gefunden würde sie das wahrscheinlich nicht. Du hast sie gerettet, Elyas. Sie wird wieder in ihr Leben zurückfinden. In ein Leben mit ihren Freunden.“ „Ich hoffe, dass du recht hast, Emely“, sagte er nur. Die Rest der Fahrt schwiegen wir beide. Jeder in seine eigenen Gedanken vertieft.

Der Wagen stoppte. „Sind wir da?“, fragte ich. „Ja, Schatz. Wir sind am Ziel. Die Augen bleiben aber noch verschlossen.“ Wo waren wir nur? Elyas stieg aus dem Wagen aus, öffnete mir die Tür und half mir hinaus. „Warte kurz!“ Elyas ging zum Kofferraum und holte etwas heraus. Verdammt, ich wollte echt wissen wo wir waren? Ich war einfach zu neugierig um mich überraschen zu lassen. Aber da ich Elyas die Überraschung nicht verderben wollte, traute ich mich auch nicht den Schal heimlich ein Stückchen zu verrücken. Also versuchte ich mit allen Sinnen etwas zu erahnen. Es war kalt und ein bisschen windig, außerdem sehr ruhig, was bedeutete, dass wir uns nicht in der Stadt aufhalten konnten. Also irgendwo außerhalb. Der Boden schien hart und ein bisschen steinig zu sein. Ein Feldweg? Oder ein Waldweg? Wenn ich nur etwas sehen könnte… Eine Hand umfasst meine. „Los geht’s“, sagte Elyas und zog mich vorsichtig los. Ich folgte ihm langsam – seine Hand fest umschlossen. „Pass bloß auf, dass ich nicht falle.“ „Da ich dich kenne kann ich natürlich für nichts garantieren, aber da mir deine Gesundheit sehr wichtig ist, würde ich dich auffangen bevor du fällst. Aber jetzt musst du wirklich vorsichtig sein. Glaubst du, dass du mit verbundenen Augen eine Leiter hochsteigen kannst?“, fragte Elyas vorsichtig. „WAS?“ Hatte der sie noch alle. Ich und eine Leiter waren ja schon für mich und alle Anwesenden gefährlich. Aber wenn ich auch noch die Augen verbunden hatte war der Unfall quasi schon vorprogrammiert. „Keine Angst. Ich bin direkt hinter dir und halte dich, falls du abrutschst.“ „Na toll. Elyas, du kennst mich. Glaubst du ernsthaft, dass ich es schaffe eine Leiter hoch zu klettern mit verbundenen Augen?“ „Ich vertraue dir, Schatz. Du schaffst das. Es sind übrigens 67 Sprossen.“ 67 Sprossen? Das würde ich doch niemals schaffen. Drehte Elyas jetzt vollkommen durch? Was hatte er vor? Wo verdammt nochmal waren wir?

Irgendwie schaffte ich es diese Stufen hoch. Wir hatten gefühlte Stunden gebraucht. Da ich nach jeder Sprosse erst einmal stehen blieb und durchatmen musste. Oben angekommen nahm Elyas mir die Augenbinde ab. Wow. Der Ausblick war überwältigend. Man konnte meilenweit von hier oben gucken. Bäume, viel Rasenfläche, die Spree. Weit entfernt erblickte ich einige Häuserfronten. Wie unglaublich musste dieser Anblick erst sein, wenn wieder Frühling war? Wenn alles blühte und wieder grün wurde. „Gefällt es dir?“, flüsterte mein Freund. „Elyas… das… das ist… unglaublich. Wo sind wir?“ „Das ist mein Lieblingsplatz – der Wasserturm.“ Elyas legte die Arme um mich und zog mich an sich. Ich lege den Kopf an seine Brust. „Ich“, begann er leise. „Ich habe noch nie eine Frau mit hierhin genommen. Dieser Ort ist etwas ganz besonders. Ich wollte ihn nur einer ganz besonderen Frau zeigen – dir.“ Elyas zog mich noch näher an sich, wenn das überhaupt ging. „Ich… ich weiß nicht was ich sagen soll, Elyas. Das Ganze ist unbeschreiblich. Danke.“ „Für dich würde ich alles tun?“ „Alles? Wirklich alles?“ Elyas nickte. „Ok, ich werde bei Bedarf darauf zurück kommen.“ Ob er mir wohl erlauben würde nochmal mit seinem Mustang zu fahren? Ich lachte und küsste ihn sanft. Elyas griff vorsichtig hinter sich und holte einen Rucksack hervor. Das also hatte er eben aus dem Kofferraum geholt. „Ich hab noch mehr Überraschungen“, sagte er und lächelte während er den Rucksack öffnete. Er holte eine Decke heraus, die er auf der kleinen Plattform, auf der wir standen, ausbreitete. Er setzte sich zuerst, so dass ich mich zwischen seine Beine setzen und mit meinem Rücken an seine Brust lehnen konnte. Elyas‘ Hände wanderten erneut in den Rucksack. Als er sie wieder herauszog hatte er eine Thermoskanne und einen MP3-Player in der Hand. Etwas Warmes zu trinken konnte ich jetzt wirklich gut gebrauchen, es war wirklich kalt hier oben. Aber was hatte es mit dem MP3-Player auf sich? Erneut schien Elyas meine Gedanken lesen zu können. „Lass dich überraschen, dass wirst du jetzt sehen“, hauchte er in mein Ohr. Er reichte mir die Thermoskanne und ich nahm einen großen Schluck Kaffee. Währenddessen spürte ich irgendetwas an meinem Ohr. Ich tastete danach. Elyas hatte mir einen Ohrstöpsel in mein rechtes Ohr gesteckt. „Einer für dich und einer für mich“, murmelte er, bevor er die Musik startete. Ich erkannte das Lied sofort. Es war das Klavierstück, das er vor einigen Monaten für mich komponiert hatte. Ich kuschelte mich an in, während er wieder seine Arme um mich lag, lehnte meinen Kopf an seine Schulter und schloss die Augen. „Emely“, sagte er leise. Ich öffnete meine Augen und drehte den Kopf so, dass ich ihn ansehen konnte. „Ich habe immer noch dein Weihnachtsgeschenk. Möchtest du es vielleicht jetzt haben?“ Weihnachten. Zu der Zeit habe ich Elyas noch gehasst. Ich war immer noch verletzt, von dem, was er mir angetan hatte, ohne das er sich dafür entschuldigt hatte, obwohl er das ja eigentlich getan hatte. Ich erinnerte mich an unsere Begegnung auf dem Flur. Als ich Elyas an den Kopf geworfen hatte, dass ich nie ein Geschenk von ihm annehmen würde, und dass er mir egal wäre. Der Ausdruck, der damals in seinen Augen zu sehen war, tat immer noch weh. „Aber ich habe nichts für dich“, flüsterte ich. „Allein die Tatsache, dass du mir verziehen hast und bei mir bist, ist das größte Geschenk, das du mir machen konntest.“ Er reichte mir ein kleines Päckchen. Ich wickelte vorsichtig das Papier ab. Zum Vorschein kam ein kleines Kästchen, dass ich vorsichtig öffnete. Vor mir lag eine wunderschöne silberne Kette. Der Anhänger war ein kleines Herz, auf dessen Rückseite zwei verschlungene E`s eingraviert waren. „Elyas“, hauchte ich. „Die Kette… sie… ist wunderschön. Danke.“ Elyas lächelte und drückte mir einen Kuss auf die Haare. „Ich bin froh, dass sie dir gefällt“, flüsterte er mir ins Ohr. Da ich, aufgrund der Kälte immer noch Jacke und Schal trug, konnte Elyas mir die Kette nicht umlegen. Also packte ich sie vorsichtig wieder ein und steckte das Kästchen in Elyas Rucksack. Ich kuschelte mich wieder an ihn. Keiner von uns beiden sagte etwas. Wir saßen einfach nur da, lauschten der Klaviermusik, die Elyas auf Dauerschleife eingestellt hatte, und genossen den Moment. Ich hätte ewig so dort sitzen können, wenn es nicht langsam immer kälter werden würde. „Ist dir kalt?“, fragte Elyas besorgt. „Ein bisschen schon“, erwiderte ich, obwohl ich wusste, dass wir nun aufbrechen würden, denn Elyas würde nicht zulassen, dass ich hier sitze und friere. „Dann lass uns nach Hause fahren. Wir haben noch viel vor.“ Ein Grinsen breitete sich auf Elyas‘ Gesicht aus. Mir war klar, was heute noch passieren würde. Wir würden heute genau an der Stelle fortfahren, an der wir gestern durch Eva unterbrochen wurden. Die Vorstellung daran bescherte mir ein wohliges Kribbeln in meinem Unterleib und ließ mich rot werden. Elyas sah meine Reaktion und grinste. „Das habe ich doch gar nicht gemeint“, sagte er mit Unschuldsmiene. „Ich dachte nur, dass du vielleicht Hunger hast und wir gemeinsam etwas kochen können. Woran du immer denken musst?“ Ich boxte ihn spielerisch in die Seite. Ich legte meine Arme um seinen Hals und schaute ihm tief in seine türkisgrünen Augen. „Natürlich habe ich Hunger. Auf dich“, sagte ich, bevor ich ihm einen langen Kuss gab.

„Worauf hast du Hunger?“, fragte Elyas, als wir in der Küche seiner Wohnung standen. „Wäre es nicht sinnvoller erst mal zu gucken, was ihr überhaupt essbares da habt?“ Ich schaute ihn an. „Da könntest du recht haben, Schatz.“
Letztendlich entschieden wir uns für Nudeln mit einer von Elyas selbsterfunden Gemüsesoße. „Guten Appetit“, sagte er, als jeder einen Teller und ein Glas Wein vor sich stehen hatte. „Danke. Dir auch.“ Ich begann zu essen. Es schmeckte köstlich. Ich hatte noch nie eine so wundervolle Soße zu Nudeln gegessen. „Kannst du ab sofort immer für mich kochen?“, fragte ich nach dem ersten Bissen. „Demnächst können wir ja wirklich mal zusammen kochen und du setzt dich nicht einfach neben mich und guckst mir zu.“ „Mir hat der Anblick aber gefallen.“ Wir schauten uns beide an und mussten lachen. „Das kann ich mir vorstellen und wenn ich es mir genauer überlege ist es wahrscheinlich sowieso besser, wenn du großen Abstand zu den Messern und heißen Herdplatten nimmst. Ich kenn dich. Du verletzt dich immer irgendwo. Bei dir könnte sogar ein Löffel zur Gefahr werden.“ Ich schaute ihn böse und gab ihm einen leichten Tritt gegen sein Schienbein. Elyas lachte nur noch mehr. „Du bist echt süß, wenn du versuchst böse zu sein.“

Mittlerweile war es spät geworden. Der Ausflug zum Wasserturm, das Kochen und das gemeinsame Essen hatten viel Zeit in Anspruch genommen. Die Teller und die Weinflasche waren leer. Wir saßen nun gemeinsam auf dem Sofa und aßen Baileys-Eis. Mein absolutes Lieblingseis. „Der Tag heute war wunderschön“, sagte ich zu Elyas. „Du bist wunderschön“, erwiderte er, strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schaute mir tief in die Augen. Ich konnte viel in seinem Blick sehen. Liebe, Glück und noch etwas anderes. Leidenschaft und Verlangen. Der Ausdruck in meinen Augen würde in diesem Moment nichts anderes sagen. Er legte seine Lippen auf meine, zog mich an sich und begann mich zu küssen. Unser Kuss war zunächst ganz sanft, doch wir legten beide immer mehr Leidenschaft und Verlangen in diesen Kuss. Der Zeitpunkt war also gekommen. Gleich würde es passieren. Ich löste vorsichtig meine Lippen von seinen, stellte die Packung Baileys-Eis auf dem Wohnzimmertisch ab und schaute in seine türkisgrünen wundervollen Augen. Elyas fasste meine Hände und unsere Finger verschränkten sich ineinander. Ich konnte in seinen Augen sehen, dass er genau das gleiche empfand wie ich und in diesem Moment auch das gleiche wie ich erleben wollte. Wir erhoben uns zeitgleich. Langsam gingen wir in sein Zimmer, ohne den Blickkontakt ein einziges Mal abzubrechen.
Er setzte sich auf mein Bett und zog mich auf seinen Schoß. „Ich liebe dich“, hauchte er mir ins Ohr. Seine Lippen wanderten von meinem Ohr zu meiner Wangen. Er bedeckte mein Gesicht mit vielen kleinen Küssen bevor sich unsere Lippen trafen. Ganz zärtlich nahm er mein Gesicht in seine Hände ohne den Kuss zu unterbrechen. Unsere Münder öffneten sich langsam, so dass auch unsere Zungen zueinander fanden. Ich schlang meine Arme um ihn und ließ meine Hände seinen Rücken hinunter wandern. Am Saum seines T-Shirts angekommen, fuhren meine Hände unter dieses und strichen zart über seinen Rücken, auf dem sich langsam eine Gänsehaut ausbreitete. Ich zog ihm das Shirt über den Kopf und fuhr mit meinen Händen die Konturen seiner Bauchmuskeln nach, während er sich langsam hinlegte, mir mein Oberteil über den Kopf und mich dann zu sich herunter zog.

Ich spürte Elyas‘ Herzschlag an meiner Brust, der sich, genau wie mein eigener langsam wieder beruhigte. „Das war…“, begann Elyas, als er wieder zu Atem gekommen war. „Unglaublich“, beendete ich seinen Satz. Ich kuschelte mich an ihn. Lange Zeit sagte keiner von uns etwas. Wir genossen die Nähe des jeweils anderen und das, was gerade geschehen war. „Weißt du noch“, begann Elyas. „Als ich gesagt habe, dass ich keine Nacht mehr ohne dich verbringen möchte? Keinen Morgen mehr ohne dich aufwachen möchte. Zur Not auch mit Klamotten. Kannst du dich daran erinnern?“ Ich nickte. Natürlich wusste ich was er meinte, dass alles war nach Halloween geschehen, als er mir das erste Mal sagte, dass er mich liebt und bevor die ganze Luca-Geschichte ans Tageslicht kam. „Ich meine das ernst. Ich will wirklich keine Nacht mehr ohne dich sein. Dich hier in meinem Arm zu halten, zu wissen, dass wir morgen gemeinsam aufwachen werden… Das Gefühl ist unbeschreiblich.“ Ich lächelte und er zog mich noch ein Stückchen näher an sich heran, wenn das überhaupt möglich war. „Mir ist es egal, ob mit oder ohne Klamotten, wobei ich die zweite Version äußerst reizvoll finden würde.“ Elyas lachte. „Hauptsache du bist bei mir, Emely.“ „Also gegen die Version ohne Klamotten hätte ich auch nichts einzuwenden“, sagte ich und grinste. Elyas drehte seinen Kopf so, dass wir uns genau in die Augen sahen. „Wer bist du und was hast du mit Emely gemacht?“, fragte er lachend. Er gab mir einen langen, intensiven Kuss, bevor er die Bettdecke eng um uns zog und wir beide in einen tiefen Schlaf fielen.
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