A whole damn second

von Yuniku
GeschichteAllgemein / P16
27.01.2014
27.01.2014
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27.01.2014 795
 
°Kapitel 1°

-Meine liebe Tante "Emma Wirshigton"-


Zitternd und frierend wartete ich in der Kälte, die der Winter so mit sich brachte, der Büttel stand neben mir. Mein braunes, fahles Kleid, die zu kleinen, kaputten Schuhe und meine durchlöcherte Jacke machten es mir nicht einfach still zu stehen. Es waren Sachen aus dem Armenhaus die niemand mehr brauchte. Meine alten Klamotten waren mir weggenommen worden. Ich hätte sie gern behalten, aber schließlich hatte ich eingesehen, dass es keinen Sinn machte die verrußten Kleider zu behalten. Jeder schwarze Fleck darauf erinnerte mich an das einstürzende Gebäude und die aufwirbelnde Asche, die meine Lunge hatte verstopfen wollen.

Ein erleichtertes Ausatmen von Mr. Bumble kündigte die lang ersehnte Kutsche an, die keine hundert Meter entfernt anrollte. Sekunden später hielt sie vor uns an. Eine große braunhaarige Frau stieg aus. Ihr pompöses Kleid war olivgrün und so lang das es die schlammige Straße streifte. Angewidert zog sie den Rock hoch und tappte würdigen Schrittes auf den Büttel zu. Ihr Hut verbarg ihre lange hochgesteckte Haarpracht kaum. Ein seidener schwarzer Schal lag auf ihren Schultern und schon bevor sie die Kutsche verlassen hatte, wehte der Duft ihr teuren Parfüms zu uns herüber.

Bei ihren Anblick kamen mir die Tränen. Es gab mir keine bekannte Person, die meiner Mutter so ähnlich sah, wie sie.
Die Erinnerung wie meine Mutter mir einen Kuss zu Abend gab, blitze in mir auf und der Schmerz schnitt mir wie ein Messer in mein Herz und zog sich hinunter in meinen Bauch.
Ich fiel, ergriffen von dem dunklen Gefühl, in die Knie und drückte meine Hände auf mein Gesicht, wischte das salzige Wasser von meinen Wangen, versuchte den Gedanken zu verbannen. Erst die Worte meiner Tante Emma und einen Stoß von Mr. Bumble's Rohrstock, ließen mich auffahren und ich versuchte vorsichtig aufzustehen, um wieder eine recht normale Haltung einzunehmen.

>>Ach, Mr. Bumble schön sie endlich zu sehen!<<, sie lies die eine Seite ihres Kleides los und griff nach der dicken Hand von Mr. Bumble, um sie darauf kurz zu schütteln und gleich danach ihre Eigene, heimlich hinter ihrem Rücken, an ihrem Kleid abzuwischen. Dabei wäre ihr Spitzenhandschuh fast von der Hand gerutscht.
>>Die Freude ist ganz meinerseits!<< Man sah dem dicken Mr. Bumble an, wie angetan er von meiner Tante war. Dieses glänzen in seinen Augen brachte mich zum Würgen. Ich weiß das ich noch verdammt jung war, aber sowas lässt sich nicht übersehen. Zu meiner Freude blieb dieses begeisterte Glitzern in den Augen meiner Tante Emma aus. In ihren Zügen stand Ekel und Abneigung geschrieben, mindestens soviel wie ich für diesen Mann auch hegte. Und für einen kurzen Moment fühlte ich mich ihr verbunden.

Und dann war der Moment auch schon vorbei. Den genau mit diesem Ausdruck musterte sie mich, als sie zu mir schaute.
>>Ist das das Kind?<< Sie beugte sich zu mir runter und ich wich einen Schritt zurück.
>>Sehr wohl! Sie ist sehr schüchtern, aber ich wette in ihrer Obhut wird sie bald wieder das Sprechen anfangen.<< Der Büttel grinste als wäre alles in Ordnung, aber er und ich wussten das es nicht so war.
Ich hatte nicht länger als dreißig Tage im Armenhaus verbracht. Einen ganzen Monat voller Qual und Leid. Wenn es nicht die anderen Mädchen waren die mich folterten und mich verrückt machten, war es der Hunger.
In diesen dreißig Tagen hatte ich versucht dreißig Mal abzuhauen. Jeden Tag auf's Neue; Erfolglos. Es war so weit gekommen, dass sie mich in einer Abstellkammer eingesperrt hatten, damit die alte Frau, die abends Wache hielt auch Mal ein paar ruhige Stunden blieben.

>>Freilich, Mr. Bumble! Das wird wieder. Ich werde mich um das Kind kümmern, als wäre es mein Eigenes.<< Sie richtet sich wieder auf, den hasserfüllten Blick weiterhin auf mich gerichtet. Ihr allerdings freundlich aufgesetztes Lächeln lies mich schaudern.
Was denkt sich diese Frau wohl? Was hab ich ihr getan, dass sie sich so verhält?
>>Kommen sie schnell mit rein, dort müssen sie uns ein paar Papiere unterschreiben. Wenn das erledigt ist wollen wir sie auch nicht länger aufhalten!<< Er griff mich am Arm uns zog mich den ganzen Weg, bis zum Rathaus.
>>Gewiss Mr. Bumble!<< Stimmte Mrs. Wirshigton zu und folgte dem Büttel. Angekommen wurden auch die bereits von meiner Tante und den restlich verantwortlichen Personen unterschriebenen Papiere, vom Ratsherr unterzeichnet.

Er tauchte die Feder in das vor ihm stehende Tintenfass, ließ die Hand über das Papier streifen, so das es ein kratzendes Geräusch erzeugte. Keine Sekunde später hatte Mr. Bumble die Blätter wieder in der Hand und begleitete uns mit nach draußen.
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