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Das erste und das letzte Mal

GeschichteKrimi / P12 / Gen
Dr. John Watson Inspektor Lestrade Mycroft Holmes OC (Own Character) Sherlock Holmes
26.01.2014
28.11.2019
18
28.745
 
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26.01.2014 1.207
 
Jaaaaa! Endlich in der neuen Kategorie! Und endlich hab ich's wieder geschafft! Viel Spaß!
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„Ah, Watson. Sie sind spät dran. Ich schätze Sie haben mir nichts mitgebracht.“
Aus Holmes' Mund klingt es nicht wie eine Frage. Dennoch sieht er seinen Partner durch die Gitterstäbe schief an und scheint eine Antwort zu erwarten. Dr. Watson legt seinen Kopf ebenfalls etwas schief und hebt eine Augenbrauen.
„Nein, wie sollte ich auch? Sie haben das Versteck unseres Kapitals verlegt.“
In seiner Stimme schwingt nur bedingt ein Vorwurf mit. Schließlich ist Sherlock selbst schuld daran, dass die Kaution nun nicht bezahlt werden kann. Nichts desto Trotz würde der Doktor liebend gerne von der Intention erfahren, die hinter dem Vorgehen seines Partners steckt. Dieser lächelt jedoch nur, ein triumphierendes Lächeln auf den Lippen.
„So ist es.“
Mehr sagt er nicht. Mit hoch erhobenen Brauen und zusammengepressten Lippen, er muss sich um einen angebrachten Tonfall deutlich bemühen, schiebt der Doktor seinen Kopf etwas vor und seine Augen weiten sich.
„Warum bin ich dann hier?“
Mit zusammengebissenen Zähnen bringt er schließlich ein höfliches Lächeln zu Stande.
Der Detektiv spitzt neckend die Lippen.
„Sagen Sie es mir doch. Ich habe Sie nicht gezwungen, hierher zu kommen.“
Dem Doktor fällt fast die Kinnlade nach unten und mit seinem höflichen Lächeln ist es vorbei.
„Das muss ich mir nicht antun!“
Seine Stimme liegt leicht über der angebrachten Lautstärke. Er dreht sich einmal um 180 Grad und macht drei energische Schritte nach vorn. Dann wird er langsamer, als überlegte er, ob es wirklich so klug sei zu gehen und damit dem deutlich beabsichtigten Versuch seines Partners, ihn zu verunsichern, nachzugeben. Dennoch geht er langsam noch einige Schritte weiter, bis er am Tor des Gefängnishofes ankommt und um die Ecke biegt. Außerhalb des Sichtfeldes des Detektivs bleibt er abwartend stehen. Doch niemand ruft ihm nach. Unschlüssig und mit dem Gedanken an einen möglichen Plan seines Partners fasst er sich an den Hut, atmet langsam ein und wieder aus, beobachtet die vorbeihastenden Leute auf der belebten Straße. Ein Sherlock Holmes geht nicht wegen einer Prügelei mit einem Politiker ins Gefängnis, ohne dass er etwas Bestimmtes damit beabsichtigt. Will er damit etwas beweisen? Ist er vor jemandem geflüchtet? Hat er sich im Gefängnis mit jemandem getroffen? Irgendwo unter dem Lärm der Massen hört er jemanden etwas sagen. Etwas, das ihn interessiert. Er dreht sich einmal um sich selbst, um den Sprecher oder zumindest seinen ungefähren Standort auszumachen. Es gelingt ihm nicht. Es ist etwas zu Sherlock und einer Kaution gewesen. Schlagartig dreht der Doktor sich um und schreitet mit großen Schritten zurück in den Hof.
Sein Partner steht noch immer dort, wo er ihn verlassen hat, die Stirn gegen die Gitterstäbe gelehnt. Als Dr. Watson näher kommt, schaut er auf und lächelt erneut.
„Mit wem haben Sie sich hier getroffen?“
Das Lächeln des Inhaftierten wird breiter. Am liebsten würde der Doktor nach dem ganzen Plan fragen, doch da er darüber nicht das Geringste weiß, will er seinem Gegenüber diesen Triumph nicht gönnen, seine ganze Unwissenheit zu offenbaren. Mit dem Treffen ist er sicherer.
„Ich dachte schon sie fragen nie.“
Abwartend blicken sie sich in die Augen.
„Obwohl, ich dachte eher, Sie fragen nach meinem Plan, diesen Wänden hier zu entkommen.“
Hörte er da eine leichte Enttäuschung in Holmes Stimme?
„Nun, ich traf hier den guten Big Joe. Er wurde gestern wegen eines kleinen Ladendiebstahls verhaftet. Sie erinnern sich vielleicht an ihn. Ich habe mir zuvor extra einige Geschichten angeeignet. Er sagte, seine Schwester habe einen reichen Erben geheiratet und werde seine Kaution bezahlen. Sie wohnt allerdings auf dem Land und braucht etwas, um das Geld herzubringen. Dann jedoch wird er uns zu dem Dieb des Medaillons bringen.“
„Ihr Experiment ist also beendet?“
„In der Tat.“
„Und was war es?“
„An der Kleidung? Biolumineszenz. Sie braucht etwa drei bis fünf Tage, wenn man sie richtig nährt. Dieses Leuchtmittel wird von einigen Fischen genutzt, um ihre Beute anzulocken. Im Osten der Stadt gibt es eine alte Fischerei und Verarbeitungshalle dieser Fische, in der sich eine Bande eingenistet hat. Dort werden wir den Dieb wohl finden.“
„Und wie gedenken Sie nun, das Gefängnis zu verlassen? Wollen Sie fliehen?“
„Aber das ist doch nun wirklich eine Nichtigkeit.“
„Eine Nichtigkeit? Sie haben einem einflussreichen Politiker unter anderem die Nase gebrochen. Geschweige denn der anderen, nicht gerade leichten Verletzungen, die ich Ihnen nicht zu unterbreiten gedenke, da Sie sie ohnehin nicht verstehen würden. Sie interessieren sich schließlich nicht für die Anatomie des Menschen.“
„... und dennoch schaffe ich es jedes Mal lebenswichtige Organe meines Gegners zu treffen.“
Mit einem selbstverliebten nach oben Ziehen der Mundwinkel lehnt der Detektiv seine Stirn erneut gegen das Gitter, richtet sich bei der Bemerkung seines Partners jedoch gleich wieder auf.
„Glück.“
„Erfahrung.“
„Zufall.“
„Intuition.“
Der Detektiv erntet einen feindseligen Blick von Seiten seines Partners. Doch das scheint ihn in keinster Weise einzuschüchtern.
„Und außerdem: Zufälle sind etwas für die Natur. Ich glaube nur an Fakten!“
„Und wie also wollen Sie nun das Gefängnis verlassen? Ihre Fakten werden Ihnen wohl nicht dabei helfen können.“
„Sie haben ja keine Ahnung, Doktor. Wie gedenkt denn Ihre Anatomie mir zu helfen?“
„Was wollen Sie damit sagen, ich hätte keine Ahnung?“
Der Detektiv scheint kurz zu überlegen, wie viel er seinem Partner anvertrauen will.
„Nun, Mr. Ascott wird mich hier herausholen. Und das Geld habe ich übrigens absichtlich verlegt, um eben dies zu erzielen.“
„Wie wollen Sie Mr. Ascott dazu bewegen, Sie aus dem Gefängnis zu befreien, wo er selbst Sie doch erst hierher gebracht hat?“
Eine Antwort bleibt aus, denn in eben diesem Moment ertönt hinter Dr. Watson wieder die Stimme, die er vor dem Tor von einer Kaution für Sherlock sprechen hörte. Als er sich umdreht, sieht er einen Wachtmeister und einen stattlich gekleideten Mann mit rot braunem Haar fluchs an ihm vorbei, zur Türe des Gitters hin schreiten. Auch Holmes nähert sich der Türe und ihm wird aufgeschlossen.
„Guten Tag, Mr. Ascott. Wie schön, Sie wiederzusehen.“
Mit einem freundlich Lächeln und einem schnellen Blick zu Watson schüttelt Sherlock die Hand des Politikers. Während der Doktor noch fassungslos zu den Männern hinüberstarrt und es in seinem Kopf drunter und drüber geht, führt Sherlock seinen Wohltäter bereits vorbei an seinem Partner auf das Tor des Gefängnishofes zu. Im Gehen dreht er sich halb zu ihm um, bleibt jedoch nicht stehen.
„Die Fakten haben mir geholfen.“
Dr. Watson muss sich beeilen, um die beiden noch einzuholen, bevor er sie in den Menschenmassen aus den Augen verliert.

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An den guten alten Big Joe erinnert sich vielleicht nicht jeder. Ich werde euch also ein bisschen auf die Sprünge helfen: Das ist der Kerl, mit dem Sherlock und John im ersten Teil im Gefängnis saßen, nachdem das Schiff aus der Werft untergegangen war.
Die Sache mit dem Bioluminzeugs hab ich sorgfältig recherchiert *husthust* und einen Teil dazugedichtet. Tja, dann... Schreibt doch einfach mal ein paar Reviews!

P.S. Nur um möglichen Plagiatsvorwürfen vorzubeugen, möchte ich noch sagen, dass sowohl die Sache mit dem „Zufälle sind etwas für die Natur.“, als auch „und dennoch schaffe ich es jedes Mal lebenswichtige Organe meines Gegners zu treffen.“ nicht hundertprozentig von mir stammen. Ersteres habe ich von einem User von „GuteFrage.net“ und zweiteres von der guten alten pardon jungen CellyBanana.
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