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Das erste und das letzte Mal

GeschichteKrimi / P12 / Gen
Dr. John Watson Inspektor Lestrade Mycroft Holmes OC (Own Character) Sherlock Holmes
26.01.2014
28.11.2019
18
28.745
 
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26.01.2014 2.082
 
Soooooooooo... Ich hab's endlich mal geschafft! Man kennt das ja, Schule und so... keine schöne Sache... Aber was soll ich sagen? Das ist das Leben: Es geht weiter. Also: Aufgepasst!
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„Clarky!“
„Guten Tag, Mr. Ho...“
Verdutzt schaut der Wachtmeister dem breit grinsenden Mann entgegen, der da auf ihn zukommt. Verdutzt ist er deshalb, weil dieser Mann der Begrüßung nach eigentlich Mr. Holmes sein müsste. Doch er sieht so gar nicht aus wie der ihm bekannte Sherlock Holmes, denn er hat einen riesigen Schnauzbart im Gesicht, der so riesig ist, dass er schon fast unecht wirkt. Er geht weit über das Gesicht hinaus und ist an den Enden aufgerollt, sodass er den größten Teil des Gesichts, der nicht vom normalen Haupthaar verdeckt wird, unter sich vergräbt.
„Kann ich Ihnen weiterhelfen, Mister?“
Einfach gute Miene zum bösen, oder vielmehr unklaren, Spiel machend, setzt Wachtmeister Clark sein freundlichstes Lächeln auf und wartet darauf, dass der Fremde ihm seinen Namen nennt. Seinen eigenen kennt der andere ja offensichtlich bereits.
„Ho ho! Aber, Clarky, Sie werden mich doch wohl wiedererkennen?!“
Er lacht, wie der Weihnachtsmann und legt seinen Kopf etwas schief. Dann sieht er sich um und beugt sich etwas zu seinem Gegenüber vor. Dieser wiederum weicht ein Stück zurück.
„Da bin ich nicht ganz sicher, Sir.“
Der Mann mit dem Schnauzbart hält den Wachtmeister nun fest, kommt ihm wiederum ein Stück näher bis der riesige Bart das Gesicht des anderen berührt, sodass der Wachtmeister ein leichtes Kitzeln in seiner Nase verspürt und sich zusammenreißen muss, damit er dem Klienten nicht mitten ins Gesicht niest.  
„Verstehen Sie doch, Clarky, ich kann niemandem trauen. Dies ist bloß eine Tarnung.Glauben Sie mir, es ist von essentieller Wichtigkeit, dass Sie mich nicht verraten.“
„Ist diese Verkleidung nicht etwas auffällig, wenn Sie unentdeckt bleiben wollen?“
„So auffällig, dass es nicht auffällt.“
Wachtmeister Clark geht einen Schritt zurück, runzelt kurz die Stirn und dreht sich dann um.
„Bitte folgen Sie mir, Sir.“
Zufrieden lächelnd nickt der Mann mit dem Bart und folgt dem Wachtmeister.
„Wie lange ist der Mann denn schon hier?“
„Etwa eine Stunde, Sir. Sie brauchten erstaunlich lange hierher. Sicher liegt das an Ihrem...“
Mr. Clark dreht sich im Gehen halb zu seinem Begleiter um und fasst sich mit der Hand an sein Kinn. Bevor der Mann mit dem Schnauzbart etwas erwidern kann, bleibt der Wachtmeister abrupt stehen und öffnet eine Türe.
„Bitte, hier herein.“
Der Bärtige ist schon fast im Raum verschwunden, da wird er noch einmal zurückgehalten.
„Bitte nehmen Sie sich etwas zurück. Der Mann bekleidet ein hohes Amt im Unterhaus und auf mich machte er einen sehr gereizten Eindruck.“
Nachdenklich schaut der Schnauzbart seinem Gegenüber ins Gesicht.
„Geben Sie mir Rückendeckung.“
Dann nickt er kurz, lächelt und zieht die Türe vor der Nase des Wachmeisters zu.

„Das war vor etwa einer Woche. Er sagte nicht viel, sprach nur kurz von irgendeinem Professor...“
Bestimmend hebt der Inspektor die Hand und wendet sich dem soeben Eingetroffenen zu. Mit zusammengekniffenen Augen sieht er ihm entgegen.
„Wir sind gerade in einem Verhör.“
Der Schnauzbärtige lächelt, geht aber ohne ein Wort auf den Mann zu, der dem Inspektor gegenüber sitzt.
„Guten Tag, Sir. Mein Name ist Arnold Perlblum. Ich wäre sehr erfreut auch Ihren Namen erfahren zu dürfen.“
Der Mann sieht mit erhobenem Kinn und herablassendem, aber doch leicht verwirrtem, Blick der ausgestreckten Hand von Mr. Perlblum entgegen. Dabei merkt man ihm deutlich seinen Posten als Politiker an. Es scheint ihm nicht zu gefallen, dass er seinem Gegenüber nur vor den Bauch schauen kann.
„Was bilden Sie sich ein?!“
Mit einem Schlag auf den Tisch erhebt sich der Inspektor. Seine Lippen beben vor Wut. Der Bärtige aber beachtet ihn gar nicht und hält weiter seine Hand in Richtung des Abgeordneten, der krampfhaft mit dem anderen um die Wette zu starren scheint und dem Inspektor somit ebenfalls keine Beachtung schenkt.
„Also bitte, Ihre Hand können Sie mir schon geben. Ich bin Detektiv.“
Mr. Perlblums Stimme klingt bereits leicht gereizt, er schafft es jedoch weiterhin höflich zu bleiben. Der am Tisch verbliebene Politiker wendet seinen Blick endlich vom befremdlichen Antlitz des angeblichen Detektivs ab und wirft dem Inspektor einen verärgerten und vorwurfsvollen Blick zu.  
„Das ist lächerlich! Lassen Sie sich nicht darauf ein Mr. Ascott.“
Urplötzlich erhellt sich die Miene des Bärtigen und es kommt Bewegung in ihn.
„Mr. Ascott, wie schön, Sie kennenzulernen. Ich habe ja so viele Fragen an Sie!“
Daraufhin zieht er seine Hand endlich zurück und setzt sich auf einen dritten, noch freien Stuhl am Tisch. Er streckt seine Beine aus und lehnt sich etwas zurück.
Der Inspektor kann währenddessen nur stocksteif dastehen und sich fragen, ob dieser verdammte Sherlock Holmes womöglich noch einen zweiten Bruder hat, der nun hier aufgekreuzt ist, um sie alle zum Narren zu halten.
„Mr. Pumplebloom! Das hier ist eine polizeiliche Ermittlung und kein Pub, in den Sie einfach so hereinplatzen und Ihre Meinung zum Besten geben können! Ich möchte Sie bitten, diesem Raum nun zu verlassen und sich in der Eingangshalle einen Termin geben zu lassen, an dem Sie gerne wiederkommen und alles mit mir besprechen können. Nur jetzt gerade ist NICHT – DER – RICHTIGE – ZEITPUNKT!“
Obwohl Lestrades Stimme mehr oder weniger höflich geblieben ist, kann er nicht umhin bei den letzten vier Worten die angebrachte Lautstärke etwas zu überschreiten und bei jedem einmal mit der flachen Hand auf den Tisch zu schlagen.
Angesprochener hebt nur scheinbar verwundert die Augenbrauen und legt seinen Kopf schief. Dann richtet er sich auf und legt sein Unterarme auf den Tisch, die Hände gefaltet.
„Inspektor, mich beschleicht das Gefühl, Sie verstehen meine Absichten falsch. Ich bin nicht hier um zu plaudern, ich ermittle. Ich dachte, das hätte ich klar zum Ausdruck gebracht.
Und es heißt Perlblum und nicht Pampelplumm!“
„Pummelplom hin oder her. Sie haben nicht das Recht, sich in diesem Raum aufzuhalten. Ich werde die Wachleute informieren, wenn Sie sich nicht sofort entfernen! Wer hat Sie überhaupt hier hergeführt?“
Der Inspektor ist bereits auf dem Weg zur Türe.
„Aber, aber, Inspektor. Das tut doch nichts zur Sache. Viel mehr würde mich interessieren...“
Und damit wendet sich der Schnauzbärtige dem zweiten Mann am Tisch zu.
„... welche Beziehung Sie zu dem Mordopfer haben.“
Geschmeidig schiebt er den Stuhl ein Stück zurück, beugt sich vor, stützt sein Kinn in seine Hand und diese mit dem Ellbogen auf die Tischplatte, während sein Gegenüber ihn nur weiterhin mit erhobenem Kinn abfällig mustert, jedoch mit leichter Zornesröte auf den Wangen.
„Sie haben es nicht anders gewollt!“
Der Inspektor rauscht aus dem Zimmer und die Tür fällt mit einem lauten Knall hinter ihm ins Schloss.
„Mr. Purple...“
Schon bei der ersten Silbe, die Mr. Ascott von sich gibt, bemerkt man, dass seine Stimme durchaus in der Lage ist, große Säle zu füllen.
„... wissen Sie überhaupt, mit wem Sie es zu tun haben?“
Mr. Perlblum löst sich nicht einen Wimpernschlag aus seiner Haltung und starrt seinen Gegenüber weiterhin nachdenklich an.
„Man sagte mir, Sie hätten eine hohe Position im Unterhaus. Sofort als ich Sie gesehen habe, war mir klar, Sie machen Ihren Job mehr als gut. Wenn mich nicht alles täuscht, kennt man Sie aus der Presse. Über Ihr Privatleben ist allerdings kaum etwas bekannt. Lassen Sie mich also herausfinden, wie Sie zu der Leiche stehen...“
Mr. Ascott hebt sein Kinn, wenn es geht, noch etwas höher und aus seinem Blick spricht der pure Hohn.
„Sie werden jeden Moment verhaftet werden.“
Mr. Perlblum nimmt diese Feststellung wahr, hält sie einer Antwort jedoch nicht für würdig.
„Mr. Ascott...“
Weiter starren sie sich gegenseitig an.
„Sie sind in einer reichen Familie aufgewachsen. Vermutlich auf dem Land. Sie kommen aus der Nähe von Cornwall. Wunderschön dort. Sie sind entweder Einzelkind, oder der ältere Bruder. Ihrer Selbstsicherheit und Unfehlbarkeit nach zu urteilen, hatten Sie in Ihrer Kindheit nie das Verlangen für jemanden verantwortlich zu sein. Sie hatten also eine wilde Kindheit, inklusive viel Ärger mit Ihren Eltern... besonders Ihrer Mutter. Wie ungewöhnlich. Das lag daran, dass... Ihr Vater war nie zu Hause... Nein, er war tot. Eine schwere Kindheit also. Interessant, dass Sie Politiker geworden sind. Leute wie Sie sind für gewöhnlich Geschäftsmänner.“
In der Miene von Mr. Ascott zeigt sich keinerlei Regung der Zustimmung oder Ablehnung.
„Aber richtig, kommen wir zu Ihrer Verbindung mit dem Toten von gestern. Entschuldigen Sie, Sie sind einfach zu leicht zu analysieren. Also... ich nehme an, Sie kannten sich sehr lange, obwohl der Tod des anderen Sie reichlich kalt zu lassen scheint. Sie können sich also sehr gut beherrschen, wovon ich überzeugt bin, da Sie Politiker sind, aber ich denke da ist noch etwas anderes. Sie mochten ihn nicht, verachteten ihn... nein, Sie verneigten sich... gut, ich muss zugeben... aber das ist ja auch nicht wichtig. Warten Sie... jetzt hab ich's! Er war Ihr Bruder!“
Vor lauter Elan springt Mr. Perlblum auf und der Stuhl fällt nach hinten. Auf dem Gesicht von Mr. Ascott zeigt sich immer noch keine nennenswerte Regung, sein Teint hat sich allerdings weiter verdunkelt.
„Natürlich, diese Ähnlichkeit hätte mir gleich auffallen müssen!“
Mr. Perlblum läuft ein paar Mal vor dem Tisch auf und ab, dann hält er inne und setzt sich wieder.
„Entschuldigen Sie, ich habe wohl kurz meine Haltung verloren.“
Schließlich nimmt er seine vorherige Position wieder ein.
„Der Inspektor scheint sich zu verspäten. Wir haben also noch Zeit. Moment... Sie haben etwas zu verbergen... Als Politiker liegt da natürlich die Korruption am nächsten... Tatsächlich. Sie haben sich bestechen lassen. Ich hoffe es ist niemand dadurch zu Schaden gekommen.“
Nun hat Mr. Perlblum ein breites Grinsen im Gesicht. Er hat sein Kinn gehoben und sein Zeigefinger weist auf Mr. Ascott, der ihm schräg gegenüber sitzt und jetzt wirklich rot im Gesicht ist.
„Es reicht!“
Mr. Ascott springt auf und stürzt sich mehr schlecht als recht auf Mr. Perlblum. Allerdings ist die Überraschung klar auf seiner Seite und sie fallen erst einmal beide hinten über. Sich voneinander trennend rappeln sie sich auf und stehen sich schließlich doch, jeder in einer anderen Kampfstellung, gegenüber. Mr. Perlblum nutzt die kleine Pause, in der sie sich einfach nur in die Augen starren, und atmet tief durch, plant.
Politiker, aber auf dem Land aufgewachsen. Wahrscheinlich vorwiegend mit Waffen gekämpft. Keine große Begabung im Faustkampf. Wird möglicherweise nach einer Waffe suchen. Sonst: Wahlloses Eindreschen auf Torso und Kopf. Beste Möglichkeit: Per Kopfnuss aus dem Verkehr ziehen.
Schon stürzt Mr. Ascott auf den Bärtigen zu und will den Kopf attackieren. Dessen Haupt aber schnellt vor und verfehlt die Stirn des Angreifers nur ganz knapp.
Nun gut. So leicht scheint er es mir nicht zu machen. Also härtere Methoden anwenden. Ein Schlag unter die Rippen, sollte für's Erste genügen. Es wird kaum etwas zu Bruch gehen. Möglicherweise noch einen Tritt ans Bein hinterher.
Rasend schnell wirbelt Mr. Ascott herum und bekommt sogleich einen Schlag in die Seite. Als er daraufhin nicht zu Boden stürzt, folgt ein Tritt gegen sein Knie. Er taumelt, bricht jedoch nicht wie von seinem Gegner erwartet zusammen, sondern geht auf diesen los.
Also gut, er will also noch weiter spielen. Wollen wir doch mal sehen, wie lange er durchhält. Erst blocken, dann auf gleicher Seite kontern. Schmerz nutzen für einen kräftigeren Schlag in die Rippen. Schleudernder Hand ausweichen. Kinn attackieren. Ein mittelkräftiger Stoß wird ausreichen.
Mir der linken Hand will Mr. Ascott gerade in die Magengegend seines Gegners schlagen, da wird sie auch schon abgefangen und er bekommt einen harten Schlag in seinen Brustkorb. Ein Stück taumelt er zurück, will jedoch sogleich wieder zuschlagen.
Aber das scheint nun nicht mehr nötig zu sein. Mr. Perlblum hängt mehr, als dass er steht, gehalten von den Armen zweier kräftiger Polizisten in Uniform. Vor ihm steht breitbeinig der schnaubende Inspektor, ein triumphierendes Lächeln auf den Lippen.
Schließlich reißt er mit einem lauten, unangenehm reißenden Geräusch den großen Schnauzbart aus dem Gesicht von Sherlock Holmes.

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Tja, ich bin nicht sicher, ob der Weihnachtsmann zu dieser Zeit schon unbedingt so populär war, aber als ich dieses „Ho ho“ geschrieben hatte, fand ich einfach, dass das an dieser Stelle so unglaublich gut passen würde (natürlich gehört noch ein ordentlicher Schuss Robert Downey Jr. Mit in diese Lache rein!)
Für den Bart hat mich übrigens dieses Bild inspiriert :

http://images.fotocommunity.de/bilder/spezial/photokina-2012/schnauzbart-gerollt-6d7dfa5a-9b04-4bb2-a9f4-bc9efdaf6718.jpg

P.S. Lasst doch auch ein, zwei Reviews da. Würde mich freuen. (Auch an die gerichtet, die noch keinen Review geschrieben haben. Keine Scheu, es gibt immer ein erstes Mal und ich freu mich bestimmt auch! ;-))
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