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Das erste und das letzte Mal

GeschichteKrimi / P12 / Gen
Dr. John Watson Inspektor Lestrade Mycroft Holmes OC (Own Character) Sherlock Holmes
26.01.2014
28.11.2019
18
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26.01.2014 787
 
Da war doch jemand. Einer ihrer Verfolger?
So leise es ging schlich er um die Trümmer herum, die einst das eine prächtige Villa gewesen waren.
Es musste hier irgendwo sein. Coraline hatte es gewusst. Sie hatte zwar gesagt, es wäre nur eine Ahnung, doch was sie in ihrem Brief geschrieben hatte, war eindeutig.
Für sie würde er es finden. Er würde schneller sein, als der Professor. Der würde es als allerletzter bekommen. Nach all dem, was er ihr hatte antun wollen... und nach dem, was er ihr angetan hatte!
Er würde es nicht zu Geld machen. Er würde es in Ehren halten... für Coraline. Er hätte sie geheiratet. Wäre nicht all das dazwischen gekommen, hätten sie es gemeinsam holen können – denn sie wusste, wo es war und wie man herankam – und sie hätten es gemeinsam verkaufen können und sie wären gemeinsam glücklich geworden.
Ein Knacken. Warum hatte er sich dafür entschieden nachts herzukommen? Es war doch niemand da, der ihn hätte beobachten können. Es knackte wieder. Er konnte jetzt nicht weitersuchen. Würde er fündig werden, würde er seinem Verfolger geradewegs in die Hände spielen.
Es knackte noch einmal und diesmal deutlich lauter als zuvor. Diesmal wirbelte er herum und sah einen Vogel, der soeben davonflog. Im Halbdunkel konnte er kaum erkennen, was für ein Vogel es war, aber wenn er sich nicht irrte, hatte er eine Biene im Schnabel. Erstaunlich, denn Bienenfresser waren in dieser Gegend sehr selten.
Es sah so aus, als würde er also doch nicht verfolgt. Sicher konnte er nicht sein. Doch was sicher war, war dass seine Verfolger ihn, wenn nicht heute Nacht, dann zumindest bald finden würden und er dringend aus der Stadt verschwinden musste. Der Professor würde ihn bestrafen wollen.
Es musste hier doch irgendwo sein. Vorsichtig zog er ein paar Ranken zur Seite. Seine blonden Locken fielen ihm ins Gesicht und da sah er es, das Wappen der Northcotes. Es war auf einem Trümmerteil, umrahmt von einem Relief aus Rosen, eben so, wie Coraline es beschrieben hatte.
Er wollte danach greifen, wollte alles abtasten und...
Doch genau in diesem Moment wurde sein Kopf nach hinten gerissen. Er konnte das Gesicht seines Angreifers nicht erkennen. Entgegen seinen Erwartungen ließ dieser ihn aber gleich wieder los und warf ihn nach hinten. Während er taumelte und schließlich hinfiel, stürzte sich der andere auf etwas, das genau dort lag, wo er eben das Wappen entdeckt hatte. Als er sich aufrappelte, sah er ein goldenes Glänzen. Nein, nicht das Medaillon!
Er stolperte hinüber zu dem anderen und stürzte sich auf ihn. Der wehrte sich unter dem Klammergriff und warf sich hin und her. Ihr eher plumpes Gerangel ging mehr und mehr in einen heftigen Faustkampf über und es fiel ihm immer schwerer sich gleichzeitig auf seinen Gegner und das Medaillon zu konzentrieren, das immer noch auf dem Boden lag. Mehr und mehr verlor es aus den Augen, Laub häufte sich darüber. Schließlich hätte er nur noch schwer sagen können, wo genau es sich befand und vermutlich würde er lange suchen müssen, wollte er es nach der Prügelei wiederfinden.
Er wurde immer träger, immer verzweifelter. Bald hatte er große Mühe, die Schläge seines Gegners zu parieren, geschweige denn einen Gegentreffer zu landen. Bald schmerzte nicht nur seine Nase, die wohl gebrochen war, sondern auch sein Magen, sein Auge und fast alles andere an seinem Körper. Schließlich ging er zu Boden. Der andere blieb schnaubend über ihm stehen, ein triumphierendes Lächeln auf den Lippen. Es wurde allmählich hell und nun konnte er das Gesicht des anderen erkennen. Er kannte diesen Mann. Er hatte ihn schon einmal gesehen. In Cornwall.
Da war wieder ein Knacken. Dieses Mal drehte sich der Mann hektisch um. Er hatte wohl jemanden auf sie zukommen sehen, denn nun sprang er noch hektischer, als zuvor auf die Stelle zu, an der das Medaillon liegen musste. Eilig schaufelte er massenweise Laub zur Seite, das dadurch auf den Mann am Boden segelte, er fluchte und sah dann auf sein Opfer. Die Niederlage und die sinnlose Wut standen in seinen Augen. Dann warf er schnell noch etwas mehr Laub auf den anderen und eilte schließlich davon.
Der Zurückgelassene wollte sich aufsetzten, wollte das Medaillon suchen, doch er konnte nicht. Aus den Augenwinkeln sah er wieder ein Funkeln. Da war es, das Medaillon. Er streckte den Arm aus, wollte danach greifen, doch er konnte es nicht erreichen.
Angestrengt tat er seine letzten Atemzüge und als er schließlich seine Augen schloss, waren seine Gedanken bei Coraline.
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Hier noch mal ein kleiner Apell (ich weiß, ich hatte bereits ganz kurz und unauffällig darauf hingewiesen): Über Reviews würde ich mich wirklich sehr freuen und wenn es auch ein noch so kurzer ist. Anregungen nehmen ich übrigens auch immer gerne entgegen...
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