Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Sein Tod

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P16 / MaleSlash
Edward Grimes John Grimes
26.01.2014
26.01.2014
1
1.352
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
26.01.2014 1.352
 
So, erst einmal hallo! :)
Wie ihr wahrscheinlich seht, ich schreibe zurzeit wahnsinnig gerne hin und wieder einen OS! Und ich habe auch noch sehr viele Ideen, die ich zu einem verarbeiten könnte.
Aber möglichweise kommt bald wieder mal eine kleine Kurzgeschichte, nichts langes, aber eben eine Story =:)
So, und nun viel Spaß bei dem OS!
Jedhug <3


______________________________________________

Sein Tod


Im nachhinein hätte ich es irgendwie wissen müssen. Er war schon Monate vorher nicht mehr er selbst. Woche für Woche zerfraß diese Krankheit seinen Körper, er wusste es nicht, ich wusste es nicht...Doch er konnte es ahnen, jedenfalls hatte er mir diese Worte zugeflüstert, bevor er starb. Sein Tod würde ich niemals wirklich verkraften, er war doch alles für mich gewesen! Warum habe ich ihn nicht retten können? Ich hätte ihm mein Herz spenden können, ich war immerhin gesund, sein Zwilling...alles hätte gepasst.
Doch er wollte mein Herz nicht, wollte nur, das ich lebe – für ihn leben kann. In den vielen Stunden in denen ich an seinem Krankenbett gesessen hatte, hoffend, das ein Arzt ins Zimmer stürmen würde, um uns zu sagen, dass sie ein Spenderherz hätten...Doch, der Augenblick kam nicht. John hat es gewusst, er hat gewusst, dass er sterben wird, ich wollte es nicht wahr haben. Weinend und schluchzend saß ich also neben ihn, er hat mir leise, schwache, aber dennoch beruhigende Worte in Ohr gehaucht, die direkt unter meine Haut gingen. Die Tatsache, dass John sterben würde, zerfraß mich jeden Tag mehr.
Ich lebte nicht mehr, ich starb innerlich, wie John.
Aber sein Tod würde echt werden, jeden verdammten Tag hat er von mir verlangt, weiterzumachen, wenn der Moment kommen würde.
Jede verdammte Stunde die ich bei ihm saß, seine eiskalte, blasse Hand in meiner hielt, fühlten sich wie Jahre an. Endlos lange Jahre, wie ein ganzes, gebrochenes Leben.

Warum konnte ich seine Krankheit nicht aufhalten? Wieso habe ich es nicht geschafft? Alles, wofür ich jemals gelebt habe, starb vor meinen bloßen Augen. Ich kann bis heute noch nicht beschreiben, was ich in mir vernommen habe, als der Anruf kam.
Mitten in der dunklen, kalten, einsamen Nacht.
Sie ließen mich nicht bei John bleiben, er sagte mir, ich solle gehen und mich ausruhen. Er wollte nicht, dass ich Probleme mit den Schwestern und Ärzten bekam, doch es wäre mir egal gewesen, das wusste John.
Auf seine Bitte hin bin ich gegangen, aber die Schmerzen an diesem Abend, die Erkenntnis, dass es falsch war zu gehen, verfolgte mich. Aber jeden weiteren Schritt bin ich gegangen, alleine, ohne John an meiner Seite.
Leichte Regentropfen waren gegen das Fenster gefallen, als ich den Anruf verschlafen entgegen nahm. Kaum hatte ich die Worte, die mir zugesprochen wurden, richtig verstanden, schien ein unsichtbares Seil in meiner Brust zu brechen. Mein Zwillingsband, welches mich mit John schon ein Leben lang verbunden hatte.
Er war fort.
Tod.
Er hatte mich alleine gelassen, wie er es Monate vorher immer gesagt hatte und ich wollte es nicht wahr haben...ich konnte es nicht glauben.

John war so viel mehr für mich gewesen, als mein Zwillingsbruder. Er war mein bester Freund, mein Seelenverwandter und obendrein auch noch die Liebe meines Lebens. Vor seinem Tod konnte ich ihm nicht mal einen Abschiedskuss geben...die Krankenschwester, die im Raum stand, wäre sonst wahrscheinlich ausgetickt. Und so ging ich einfach nur, strich einmal über seine blasse Hand und versprach, Morgen wieder zu kommen.
Aber als ich da nächeste Mal vor seinem Krankenbett stand, war er nicht mehr da...Er war tod.
Rasch schüttelte ich diese traurigen Gedanken ab, ließ mich langsam vor den grauen Grabstein sinken und versuchte mich auf dass Hier und Jetzt zu konzentireren. Doch es fiel mir so unendlich schwer...Die Erinnerungen an unsere gemeiname Zeit suchten mich heim, krallten sich in meinen Kopf, wollten niemals mehr loslassen...
"Jawn", ich berührte die Schrift auf seinem Grabstein. "Ich vermisse dich so unendlich sehr..."

Ich schloss meine Augen, die Erinnerungen und Gedanken schossen regelrecht durch meinen Kopf. Wenn ich dieses kalte Gestein berühre, dann könnte ich mir fast vorstellen, Johns eiskalte Haut zu berühren, in den Wochen, wo er im sterben lag. Eine ganz besondere Erinnerung spielte sich in Dauerschleife in meinem Kopf ab, es war eine der schönsten...Der Moment, als John und ich unseren ersten Kuss ausgetauscht haben.

Vorsichtig berührte er meine Wange, sah mir dabei tief in die Augen, ich konnte seinen Blick erkennen, er hatte Angst. Angst, er könnte etwas falschess tun, etwas, was vielleicht nicht richtig ist. Aber wenn John und ich es beide wollen, wenn wir uns beide so unendlich lieben und brauchen...dann kann es doch nur richtig sein, oder? Es interessierte mich nicht, was die anderen Menschen von uns denken würden. Es interessierte mich nur noch, was John dachte, der Junge, mit dem ich alt werden will. Der Junge, dem der Rest meiner Zeit gehört...
Voller Sehnsucht starrte ich verlangend auf seine Lippen, wann würde es endlich passieren?
"Ich hoffe, wir tun dass richtige", als hätte ich es mir denken können, sprach er seine zweifelnden Gedanken aus. Fürsorglich legte ich nun ebenfalls eine Hand auf seine Wange, die andere vergrub ich in seinen Haaren, sofort kam er mir noch ein Stück näher.
In diesem Moment waren wir uns so nah, wie noch niemals. Seinen warmen Atem konnte ich auf meinem Gesicht spüren, er ließ mein Herz schneller schlagen.
"Willst du es?" fragte ich einfach nur, seine Zweifel überspielend. "Willst du mich küssen? Mit mir zusammen sein, dich gegen den Rest der Welt stellen und einfach dass tun, was uns beide unendlich glücklich machen wird?"
"Ich liebe dich, Ed", hauchte John mir entgegen, ganz langsam nahm ich war, wie seine weichen, vollen Lippen sich gegen die meinen drückten. Mit einer unendlichen Sanftheit bewegten sich unsere Lippen einige Minuten gegeneinander, ich könnte sterben vor Glück.
"Ich nehme dass einfach mal als ja", lächelte ich nach dem Kuss, meine Stirn lehnte ich gegen die seine, meine Augen ließ ich geschlossen. "Ich liebe dich auch, Jawn."
"Ich will mein ganzes Leben mit dir an meiner Seite verbringen, Ed'ard...Komme was möge, nichts kann uns trennen."


Nicht mal der Tod kann uns trennen...auch wenn ich John so unendlich sehr vermisse, dass es mein Herz jedesmal aufs Neue in der Mitte brechen lässt.
"Ich  hätte dich nun gerne bei dir, würde gerne deine starken Arme fühlen, die mich immer gehalten haben...ohne dich ist diese Welt für mich so unendlich leer. Ich wäre gerne dort, wo du bist, aber ich lebe...lebe für dich. Ich liebe dich mehr als mein Leben, Jawn. Hätte es eine Möglichkeit gegeben...dass ich deine Krankheit bekommen hätte, ich hätte es sofort getan, ohne mit der Wimper zu zucken."
Ich wusste, dass niemand meine Worte hören würde, sie verklangen in der warmen Sommernacht. Der Nacht, in der John verstorben ist und ich ihn nicht retten konnte, nicht eine Sekunde lang. Ich hoffe er ist nun in einem besseren Ort, wo er keine Schmerzen mehr erleiden muss, wo ihn nichts mehr quält. Ich warf einen kurzen Blick nach oben in den klaren Sternenhimmel, eine sanfte Sommerbrise kam mir entgegen, strich federleicht durch mein blondes, ungestyltes Haar.
"Warte dort oben auf mich", hauchte ich dem Himmel entgegen und es schien fast so, als würde einer der vielen Sterne am Abendhimmel für einen kurzen Moment heller aufblitzen, als die anderen. "Jawn..."
Höchstens zwei Sekunden streckte ich meine Hand nach oben, fast so, als könnte ich meinen Bruder ein letztes Mal berühren, doch nichts geschah.
"Jawn...bitte, vergiss mich nicht...Ich werde kommen, irgendwann bin ich wieder bei dir...Vergiss mich nur nicht, ich werde dich auch niemals vergessen, ich schwöre es dir", nickend legte ich meine Hand auf mein Herz. Noch lange blieb ich bei seinem Grab sitzen, einfach nur meinen Gedanken nachhängend und an die glücklichen Momente denkend, die ich mit John zusammen gehabt habe...
Eines ist sicher, irgendwann werde ich ihn wieder bei mir haben...Der Moment wird kommen...
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast