Things we lost in the fire II

von RadioCity
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Benjamin Asmus Hermann Gruber Holger Ehlers Kai Norge Leonie Stern Saskia Berg
25.01.2014
30.05.2016
20
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Hey, also aufgrund des Wunsches zu einer Fortsetzung meines OS, habe ich es mir durch den Kopf gehen lassen und siehe da: Ich werde es machen. Ich hoffe auf einige
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Saskia wusste nicht genau, wie lange sie schon weinend am Boden gelegen hatte, aber nach einer Weile begann ihr Körper unkontrolliert zu zittern und eine Kältewelle nach der anderen jagte durch ihren Körper. Natürlich war es nicht die Jahreszeit, in der man knapp bekleidet mehr als eine Stunde auf dem kalten Fliesenboden liegen konnte, denn draussen lagen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und eine dicke Schneeschicht lag auf den Bäumen, Straßen und Gehwegen. Es war halt mitte Januar und eine eisige Kaltfront aus Russland hatte Neustadt, aber auch den restlichen Norden Deutschlands zu einem Eisschrank verwandelt. Vorsichtig richtete sich Saskia fröstelnd auf und blickte gebannt auf ihre grosse, weiße Küchenuhr, die an der gegenüberliegenden Wand hing.
"Verdammt, so spät schon?", murmelte sie erschrocken, wischte sich die letzten Tränen aus dem Augenwinkel. Es war genau 6:30 Uhr und in einer halben Stunde wollte Holger vorbeikommen, um sie mit zur Arbeit zunehmen, denn Saskias Dienstwagen stand seit einer Woche in der Werkstatt und da es auf seinem Weg lag, nahm Holger, Kapitän Ehlers, ihr Vorgesetzter und guter Freund, sie gerne mit zur Arbeit. Schnell sprang sie auf und landete prompt mit ihrem linken Fuss in den Glassscherben, die noch verstreut am Boden lagen.
"Scheiße!", fluchte sie, hob ihren Fuss vorsichtig aus den Scherben und besah sich ihn. Ein feines Rinnsal quoll aus der kleinen Wunde hinaus, ein leichtes Pochen kennzeichnete die Wunde.
"Wieso muss mir immer so etwas passieren?", stöhnte Saskia auf und humpelte vorsichtig durch die Küche zu ihrer vollautomatischen Kaffeemaschine mit Zeitschaltuhr. Ein kleiner Knopfdruck und die Maschine begann zu mahlen, zu pfeifen.
"Kurz unter die Dusche und dann ist der Kaffee auch fertig!", grummelte Saskia zu sich und humpelte geradewegs in ihr kleines Bad am Ende des Flur.
Eine kurze Dusche später war Saskia gerade beim Anziehen, als es an der Tür klingelte. Halb in der Hose hüpfte sie zur Tür und öffnete diese.
"Morgen Saskia, bist du fertig oder willst du mich ab jetzt jeden Morgen mit halbangezogener Hose begrüßen?", begrüßte Holger sie lächend, während Saskia noch mit ihrer Hose kämpfte.
"Sehr witzig Holger, geh schon mal in die Küche. Bin gleich soweit!", grummelte Saskia angestrengt und verschwand kurz darauf wieder in ihrem Zimmer. Kopfschüttelnd schloss Holger dir Tür. Manchmal war Saskia schon ein wenig verplant, aber er mochte sie, ihre Art und ihren Humor, den sie aber in den letzten zwei Wochen verloren hatte. Seit Thure tot war, war sie nicht mehr dieselbe. Sie machte zwar ihre Arbeit noch gewissenhaft und ordentlich wie vorher, aber sie lachte seltener, sie kapselte sich ein wenig ab, wollte abends lieber alleine sein, als mit den anderen noch ein Bier bei Kalle zu trinken, aber wer konnte es ihr schon verübeln? Seufzend trat er in die Küche ein und erschrak. Was war denn hier passiert? Auf dem Fliesenboden waren rote Blutflecken zu sehen und viele kleine Glassscherben. Holger wurde übel und sein Magen rebellierte, denn diese Szene kannte er zu gut. Vor knapp zwei Wochen, also direkt nach Thures Tod hatte sich Saskia schon einmal das Leben nehmen wolen mit eben einem Glass und Glassscherben hatte sie sich ihre Hauptschlagader aufschneiden wollen, aber er hatte es im letzten Moment verhindern können und sie hatte versprochen, es nicht noch einmal zu machen. Hatte sie es wieder versucht?
"Saskia? Hattest du mir nicht etwas versprochen?", fragte Holger leise. Verwirrt drehte sie sich um und sah, wie er mit traurigen und vorwurfsvollen Augen sie anblickte, er stand im Türrahmen und sah sehr verletzt aus.
"Wieso? Was soll ich denn gemacht haben?", fragte Saskia nachdenklich und knöpfte sich ihr Hemd zu.
"Du hattest mir versprochen, dass du dir nichts mehr antust!", erwiderte Holger vorwurfsvoll.
"Bitte? Ich habe mir nichts angetan. Seit einer Wochen habe ich noch nicht mal daran gedacht, also was willst du? Wie kommst du auf diese Idee?", antwortete Saskia sauer, denn sie hatte wirklich nicht mehr daran gedacht.
"Na in der Küche ist Blut und Glassscherben, wie beim letzten Mal. Verdammt Saskia ich mache mir Sorgen um dich!", erwiderte Holger besorgt.
"Ach Holger mir ist nur ein Glass heruntergefallen und bin dann mit dem Fuss reingetreten!", meinte Saskia. Holger blickte sie nachdenklich an und zog seine Augenbrauen fragend hoch. Er glaubte ihr nicht so ganz.
"Hier kannste es auch bestaunen!", grummelte Saskia wütend und hob ihren linken Fuss, an dem ein grosses Pflaster prang. Sie hasste es, wenn Holger so wenig Vertrauen in sie hatte. Erstaunt zog Holger seine Augenbrauen noch höher: anscheinend war sie wirklich nur in die Scherben getreten. Warum hatte er ihr nicht geglaubt? Er wollte sie doch einfach beschützen, er hatte Angst um sie, dass sie an dieser ganzen Trauer zerbrach.



"Du hattest wieder einen deiner Alpträume oder?", fragte er sie leise und besah sie von der Seite, aber Saskia hatte ihren Blick starr auf die Straße gerichtet, sie wollte nicht über dieses Thema reden. Sie schwieg beharrlich.
"Saskia? Bitte rede mit mir, ich weiß, dass es nicht leicht ist, aber ich will dir doch nur helfen!", erwiderte Holger beinahe zärtlich, doch Saskia schwieg weiterhin, jedoch stahl sich eine kleine Träne aus ihrem Augenwinkel und rollte die Wange hinunter.
"Sscchhtt, alles wird gut Saskia, alles wird gut!", murmelte er beruhigend und wischte vorsichtig die Träne zärtlich von der Wange, sie ließ diese Berührung zu.
"Ich habe wieder von Thure geträumt, wie er in unser brennendes Haus gestürmt ist und dann habe ich nur das Krachen des verdammten Deckenbalkens gehört. Als ich aufgewacht bin, hatte ich wieder dieses widerlichen Brandgeruch in der Nase. Verdammt Holger, ich vermisse Thure so unendlich. Er fehlt mir bei jeder Sache, die ich tue. Selbst beim Abwaschen abends!", schluchzte Saskia auf einmal los und ihre Tränen suchten sich ungehindert ihren Weg. Holger fuhr langsam auf den Standstreifen und hielt an.
"Hey, er fehlt uns doch allen. Er war so ein fröhlicher, kluger Mann, er musste viel zu früh von uns gehen!", versuchte er sie zu beruhigen und nahm sie in den Arm. Einige Minuten blieben sie so sitzen und er tröstete sie. Langsam hob sie ihren Kopf wieder an und sah in seine mitleidigen Augen.
"Geht's wieder?", flüsterte er zärtlich und wischte mit seinem Handrücken die letzten Tränen weg.
"Ja, geht schon. Vielen Dank!", hauchte sie dankbar und setzte sich wieder aufrecht hin. Holger war ihr in dieser schweren Zeit eine sehr große Stütze, ein guter Freund. Plötzlich vibrierte es in der Mittelkonsole: Holgers Handy.
"Asmus, was will der denn?", knurrte er, nahm aber ab mit einem entschuldigenden Blick zu Saskia, die nur mit den Schultern zuckte.
"Was gibt es Asmus?", grummelte er in sein Handy.
"Ah Kapitän, gut das ich sie erwische. Ist Frau Berg schon bei Ihnen im Wagen?", fragte Ben mit seiner allseits guten Laune.
"Ja ist sie, also was gibt es?", fragte er fordernd.
"Also in der Strandstraße 5 hat es wohl einen Brandanschlag auf ein Haus gegeben. Können Sie da mal hinfahren?", fragte Ben nachhakend.
"Wieso machen das unsere Kollegen von der Landespolizei nicht? Das ist doch deren Gebiet!", grummelte Holger.
"Ist keiner frei im Moment. Sind alle im Einsatz und auch viele Krankheitsfälle, deshalb haben die uns um Hilfe gebeten. Also fahren Sie beide da hin?", gab Ben bereitwillig Auskunft.
"Warten Sie mal!", würgte er Ben ab und wandte sich an Saskia.
"Brandanschlag auf ein Haus. Glaubst du du schaffst das?", fragte er Saskia nachdenklich.
"Sicher doch!", murmelte sie weniger überzeugt, ihr war nicht ganz geheuer. Ihr wurde flau in der Magendgegend und die Übelkeit kroch ihr die Speiseröhre hoch.
"Also gut, Ausmus. Wir fahren hin. Bis nacher!", meldete Holger das Vorhaben und legte auf.
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