Amnesia | Die Wände leben

GeschichteAngst, Horror / P18
23.01.2014
25.02.2014
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23.082
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23.01.2014 2.311
 
Copyrights: Amnesia gehört nicht mir und ich verdiene mit dieser Geschichte auch kein Geld.
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Kapitel 1

Alles hat seinen Anfang, oder?

Ich kauerte auf dem Boden und wippte langsam hin und her. Was mache ich hier und warum ist alles um mich herum weiß? Auf dem Boden wimmelte es von Karkalaken und ich konnte kaum noch richtig sehen. Das hier um mich herum war eine Zelle, das war nur unschwer zu erkennen. Vor der Tür hörte ich Schritte. Sie kamen immer näher. Hier hatte ich nichts. Nichts wo ich mich verstecken konnte oder wohin ich hätte ausweichen können. Wenn es mich hier entdeckte war ich geliefert. Das wusste ich genau. Nun hörte ich ein leichtes kratzen an der Eisentür. Es war zu spät. War ich zu laut oder hatte ich mich nur einfach nicht schnell genug in diesen Raum geflüchtet? Ich konnte es nicht sagen. Das Pochen und Schaben an der Tür wurde lauter und ich wurde allmählich taumelig. Ein lautes Brechen und das Scheppern von Metall riss mich aus meiner Trance. Ich begann schallend zu lachen, jetzt hatte ich sowieso nichts mehr zu verlieren. Alles was ich tun konnte war aufsehen, in die kalten Augen der Bestie zu sehen und einfach nur zu lachen.

*

Schweißgebadet wachte ich auf. Ich war in irgendeinem Raum, doch wusste nicht wo. Ich sah mich um, doch nichts hier kam mir bekannt vor. Langsam stand ich auf. Meine Beine waren noch ein wenig wackelig und ich konnte noch nicht richtig laufen als ich versuchte mich zum Fenstersims zu hangeln. Diese Umgebung, welche ich sah löste etwas in mir aus, doch ich konnte es nicht in Worte fassen. Dichter Nebel hing wie ein Schleier über dem Wald den ich draußen erkennen konnte. Ich wusste, wenn ich dort raus gehen würde, dann würde ich wahrscheinlich nie wieder zurück finden. Irgendetwas in mir schrie nahezu danach dieses Anwesen zu verlassen, doch ich wusste nicht ob ich diesem Gefühl trauen konnte, oder besser gesagt sollte. Schweren Herzens entschied ich mich dafür erst einmal nach der Person zu suchen, welche mich hierher gebracht hatte. Irgendwer musste mich immerhin hierher gebracht haben, es ging gar nicht anders. Von allein hätte ich wahrscheinlich nicht einmal in dieses Anwesen gefunden. Immerhin schien es von Wald umgeben zu sein.

Mit leisen und sanften Schritten begab ich mich auf den Weg zum Schreibtisch, welcher direkt an mein Bett angrenzte. Dort konnte ich einen Zettel oder etwas ähnliches wie einen Brief liegen sehen. Sofort erweckte er meine Neugier und langsam setzte ich mich auf den Stuhl. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken als ich mich zurecht rückte und das Papier in die Hand nahm.
-7. September 1887-
Wenn du das hier ließt bin ich nicht mehr ich selbst, oder würde sogar meinen das ich dann nicht mehr bin.
Pass auf wenn du dich hier so ganz allein herumtreibst. Ich habe diesen Fehler nur ein einziges Mal gemacht und bereue es jeden Tag aufs neue. Bis zu dem heutigenTag wurde ich als kleines Spielzeug missbraucht, aber nun weiß ich wie ich dem entgehen kann. Viel Zeit um alles zu erklären habe ich nicht, deswegen mache ich es kurz. Die Lösung habe ich bereits vor einiger Zeit gefunden, durfte sie nur niemanden sehen lassen, oder zumindest nicht diesem anderen Doktor in die Hände fallen lassen.
Die Lösung, meine Lösung heißt Amnesie. Ich weiß das dies der richtige Weg ist.
-Dr. Christiana Hildberg-

Verwirrt starrte ich das Stück Papier an und steckte es in meine Hosentasche. War das hier etwa einmal das Zimmer einer Ärztin? Und was meinte sie mit Amnesie? Hatte sie den Doktor vergessen lassen, oder was ging hier vor sich? Irritiert Schüttelte ich den Kopf. Das hier musste ein schlechter Scherz sein. Ein Traum im Traum, das musste es sein. Anders konnte ich mir das hier nicht erklären. Jetzt musste ich nur noch zusehen das ich aus diesem Alptraum erwachte und das bevor es zu spät ist. Heißt es nicht das wenn man im Traum stirbt, man auch in der Realität mit dem Leben bezahlt? Um ehrlich zu sein wollte ich es gar nicht erst ausprobieren.

Neben meinem Bett fand ich ein Tagebuch, allerdings stand darin nichts geschrieben. Trotzdes entschloss ich mich es mit zu nehmen, immerhin war der Brief darin sicherer verstaut als er es in meiner Hosentasche war. Kurzerhand legte ich ihn hinein und versuchte meinen Weg fort zu setzen. Schon als ich die Tür öffnete rauschte mir ein kalter Wind durch das Haar. Ich konnte kaum etwas sehen, in der ganzen Halle oder was auch immer das hier war, herrschte die pure Dunkelheit. Wenn ich mich auch an kaum etwas erinnern konnte, aber ich wusste das die Dunkelheit mir nicht gefiel. Vielleicht war dies aber auch nicht das richtige Wort dafür, denn eigentlich sollte ich sagen das ich die Finsternis hasste. Sie ließ mich unwohl fühlen und machte dieses Anwesen noch viel unzugänglicher als es ohnehin bereits war.

Schnell schloss ich die Tür wieder hinter mir und flüchtete mich in das wenige Licht, welches durch 'mein' Fenster drang. Wenn ich dort hinaus gehen wollte brauchte ich eine Lichtquelle, egal woher ich diese auch nehmen sollte. Ich wollte sie doch nur damit ich mich wenigstens ein bisschen sicherer fühlte. Ein wenig hektisch sah ich mich um, hier gab es nur die Schubladen des Schreibtisches und einen Wandschrank in welchen sich eine Fackel oder eine Laterne hätte befinden können, doch ich musste mein Glück versuchen. Mir blieb andererseits auch keine Wahl. Forsch durchwühlte ich die Schränke und stieß schließlich sogar auf eine kleine Handlaterne. Leider jedoch musste ich zugeben das sie nicht mehr sonderlich viel Öl enthielt. Für den Weg bis zum Haupteingang sollte es jedoch noch reichen. Ich wollte einfach nur noch hier raus. Nein, ich musste hier raus. Nach dem was ich gelesen hatte wollte ich nicht hier bleiben und konnte es auch nicht.

Schnell stürmte ich aus dem Zimmer. Hier draußen zog es in allen Ecken und ich hatte dauerhaft das Gefühl beobachtet zu werden. Wahrscheinlich kam dieses Gefühl von den ziemlich unheimlichen wirkenden Renaissance-Gemälden, welche hier überall hingen. Erneut lief es mir kalt den Rücken herrunter. Meine Beine wollten mir bei jedem Schritt den Dienst versagen, doch ich schaffte es mich die große Treppe herrunter in die Eingangshalle zu quälen. Alles um mich herum sah eingebrochen aus, beinahe so als wäre jahrelang niemand hier gewesen. Mein Herz stand für einen Moment still als ich plötzlich hörte wie ein kleiner Stein hinter mir die Treppe herrunterrollte. Kaum traute ich mich den Blick hinter mich zu wenden. Dort war nichts außer einem großen Loch in der Decke, durch welches ein wenig trübes Licht fiel. Der Himmel war bedeckt und die Wolken schienen auf diesen Platz herabfallen zu wollen.

Sanft legte ich meine Hand an den Türknauf und versuchte ihn zu bewegen, doch die Tür rührte sich keinen Millimeter. Abgeschlossen, das war mein Fazit. Sicher drei Mal musste ich mir dieses Wort selbst vor Augen führen bevor ich es überhaupt in meinen Kopf aufnehmen konnte. Ich musste einen anderen Weg hier herraus finden, egal was es mich kosten würde. Hier drin, eingesperrt, würde ich früher oder später nur meinen Verstand verlieren und das wahrscheinlich früher als ich es je erhoffen konnte. Mein Blick richtete sich langsam auf die Tür zwischen den beiden Treppenarmen und mir wurde mulmig zu mute. Die Tür versank beinahe in der tiefen Finsternis. Ich musste Öl finden bevor ich hier weiterkommen konnte.

Gehetzt stieg ich die Treppenstufen wieder hinauf. Am Gang zogen sich Türen entlang, die meisten jedoch waren ebenfalls verschlossen, nur in zweien der Zimmer konnte ich mich umsehen. Sie waren ziemlich similar eingerichtet. Ich schätzte das sie irgendwann als Gästezimmer dienen sollten, nur wie lang dieses 'irgendwann' bereits zurück lag konnte ich nicht sagen. Dafür sah alles hier viel zu unberechenbar aus. Meine Hände begannen augenblicklich zu zittern als ich erneut ein Stück Papier auf dem Regal an der Seite liegen sah. Zaghaft nahm ich es an mich und hockte mich vor die bereits wieder verschlossene Zimmertür um es zu lesen.
-22. Juli 1885-
Hendriks hat mich hierher bestellen lassen. Zumindest wurde es mir so mitgeteilt. Der ganze Fall jedoch erschien mir suspekt. Nie wollte er mir sagen um was es bei diesem Projekt gehen sollte. Für ihn war ich ausschließlich dafür da um im Labor zu stehen und meine Arbeit in der chemischen Sparte zu verrichten.
Das war nicht meine Aufgabe, daran erinnerte ich ihn beinahe täglich, doch er schien mir nicht zuhören zu wollen. Jeden Tag schickte er mich wieder in dieses stinkende Labor. Gott weiß was dieser Hendriks hier angestellt haben musste. Ich wollte das er mich rauslässt, das er mir zeigte für was er mein können brauchte, doch er lehnte dauerhaft ab.
Lange halte ich das nicht mehr aus, ohne Licht, ohne frisches Wasser – nur immer dieses abgestandene Zeug.
-Dr. Christiana Hildberg-

Diese ganze Sache wurde immer undurchsichtiger. Wer war diese Frau und warum lagen die Seiten ihres Tagebuches überall hier herum? Lebte sie noch? Ich sollte besser nicht an soetwas denken, immerhin wusste ich nicht einmal welches Datum wir überhaupt haben. Verdammt, ich beginne mir Sorgen um diese Frau zu machen. Diese Experimente von denen sie schrieb verunsicherten mich immer mehr. War es dieser Handriks, der auch mich hierher gebracht hatte und war dieser Kerl noch hier? Eigentlich wollte ich es nicht wissen, doch es interessierte mich auf eine Art, welche ich nicht beschreiben konnte. Sachte und beinahe lautlos hob ich mich wieder auf die Beine und füllte die Flasche Öl welche ich noch finden konnte in meine Laterne. Zur Hälfte hatte ich sie gefüllt bekommen. Behaupten das ich lange mit diesem Füllstand durchhalten würde, wollte ich absichtlich nicht.

Vorsichtig betätigte ich den Türknauf und stieß die Tür ein kleines Stück auf bevor ich hinaustrat. Zögerlich lugte ich um die Ecke um mich zu vergewissern das ich noch immer allein auf diesem Gang war. Jetzt wusste ich sicher: Hier wollte ich ausnahmsweise wirklich allein sein, wenn dies auch nicht meinem normalen Umgang entsprach. Es war kalt hier drinnen. Ich sah meinen eigenen Atem aus meinem leicht geöffneten Mund entweichen. Diese Kälte trieb mir die Gänsehaut über den ganzen Körper, doch es nützte nichts. Wenn ich einfach nur hier sitzte und in die Leere starrte konnte ich auch nichts ausrichten. Selbst die Flucht durch eines der Fenster schien mir unmöglich. Die Fenster besaßen keine Riegel und selbst wenn, der Sturz hätte mir die Lungen zerrissen.

Einen Schritt vor den anderen zu setzen war leichter gesagt, als es mir in diesem Moment fiel. Momentan fühlte ich mich wie ein Tiger auf seiner Pirsch, nur wusste ich nicht auf was ich jagt machte, abgesehen von dem Ausgang welchen ich einfach finden musste. In der Halle hatte sich etwas verändert, das spürte ich, doch was war es? Es fiel mir einfach nicht auf. War die Decke weiter eingebrochen? Das hätte ich hören müssen! Dies konnte es einfach nicht sein. Vorsichtig setzte ich meinen Fuß auf die dunklen Fliesen der Halle und verweilte für einen Augenblick völlig stumm. Das laute knallen einer Tür irgendwo hier im Anwesen ließ mich zusammenschrecken. Hier musste noch jemand außer mir sein. Immer darauf achtend das ich kaum ein Geräusch von mir gab schaltete ich für einen Moment die Leuchte ab um mein Öl zu sparen und für wen auch immer, der sich hier herumtrieb, nicht aufzufallen. Wer weiß auch schon was geschehen wäre wenn dieser Hendriks mich in die Finger bekommen würde.

Mich im Schatten aufhaltend schlich ich an der Wand entlang. Am Boden stimmte irgendetwas nicht. Ich bekam Kopfschmerzen und ein fiepsen drang durch meine Ohren, doch es kam nicht von außen. Dieses durchdringende Fiepsen war einzig und allein in meinem Kopf und das wusste ich. Vor mir verwischte die Sicht ein wenig und ich wusste nicht mehr was eigentlich mit mir los war. Behutsam bewegte ich mich Schritt für Schritt voran. Der Boden, welcher noch vor ein paar Minuten eben und unberührt war, sah auf einmal demoliert aus. Doch wie sollte das geschehen sein? Ich hatte nichts gehört und abgesehen davon sahen diese Zerstörungsspuren längst nicht mehr menschlich aus. Nie hatte ich an Geister oder jegliche Wesen geglaubt, doch in diesem grauenhaften Alptraum schien all das real zu sein. Nur eine Frage blieb nach wie vor in meinem Kopf. Wieso konnte ich einfach nicht aufwachen?

Meine Leuchte zündete ich erst wieder an als ich vor dieser Holztür stand, an welcher ich ohne Licht nicht einmal den Türknauf gefunden hätte. Um mich herum hätte ich schwören können das ich das Haus atmen hörte, doch je länger ich auf das Licht in meiner Hand sah um so schneller verschwand dieses beunruhigende Atmen. Langsam legte ich meine Hand um den Türknauf und öffnete die schwere Tür. Mit katzenartigen Schritten betrat ich den finsteren Gang welcher vor mir lag. Hier brauchte ich die kleine Lichtquelle wirklich mehr als ich es vermutet hatte. Nur ein paar Schritte wagte ich mich in die Dunkelheit vor als ich ich hörte das hinter mir etwas einstürzte. Panisch rannte ich zurück zu der Holztür und rüttelte ununterbrochen daran, doch sie lies sich nur noch ein ganz kleines Stück öffnen. Durch den Spalt konnte ich erkennen das ein riesiger Haufen Geröll die Tür blockierte. Nun war ich wirklich gefangen, es gab keine Möglichkeit wie ich dort wieder rauskommen könnte. Das einzige was mir noch blieb war die Flucht nach vorne.

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Vielen Dank fürs lesen dieser kleinen Geschichte! Noch steckt die Idee in den Kinderschuhen, doch schon bald wird es genauso heftig wie im Spiel, lasst euch überraschen^^
Inspiriert und ins Amnesia-Fieber gebracht wurde ich übrigens durch die Amnesia Let's Play's von Sarazar, für die die es interessiert.^^
Ich hoffe euch gefällt die kleine Geschichte und Updaten werde ich übrigens monatlich da ich momentan recht viel um die Ohren habe. :3
Viel Spaß beim lesen,
eure PoetessLostHerMuse :3
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