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Eine neue Erbin

GeschichteHumor, Horror / P18
Alucard OC (Own Character)
22.01.2014
02.05.2020
13
40.814
9
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
21.03.2019 2.412
 
5099...
Muhahahahahahaaaa!
Hab ich vielleicht meinen Faden verloren? Bin mir nicht sicher... Schreib mir einfach, wenn etwas gar keinen Sinn ergibt. *schulterzuck* Werd mich dann nochmal drüberstürzen. ^^

Viel Spaß!

_____


Klirrende Kälte hatte sich über London gelegt.
Die Bäume im Garten des Anwesens waren kahl, kälteempfindliche Sträucher und Töpfe gut verpackt, der Himmel meist bedeckt von hell- bis dunkelgrauen Wolkendecken, welche ab und an einen Schwall kleiner Regenschauer oder Schneeflocken entluden, und die Zugvögel hatten sich vor Wochen gen Süden begeben.

Ich saß gemeinsam mit Integra, samt meinen zu bearbeitenden Aktenbergen, in der kuschlig warmen Familien- bzw Hauseigenen Bibliothek, während sie sich mit Kaligrafiefedern und Tinte bewaffnet über diverses Blattwerk beugte.
In fünf Wochen würde das neue Jahr beginnen und Walther hatte ihr nahe gelegt aufgrund meiner Verdienste dem Hause Hellsing und der Krone gegenüber eine Neujahrsfeier zu organisieren.
Dazu musste sie Einladungen an die königliche Familie, sämtliche "Tafel"-Mitglieder und weitere mehr oder weniger wichtige Individuen Großbritanniens verfassen. Eine Aufgabe der sie sich mit grimmiger Entschlossenheit hingab, ohne auf moderne Technologien zurück zu greifen.
Walther hatte dieses Verhalten mit einem väterlichen Lächeln hingenommen und sie mit allen Utensilien und Informationen versorgt, die sie für die Einladungen benötigen würde - Titeln, vollständigen Namen, Familienständen und natürlich Adressen.
Bezüglich der Ausmaße, welche dieses Neujahrsfest annehmen würde, war es äußerst praktisch, dass das Haus eine entsprechende Anzahl an großen Sälen besaß, welche mehr oder weniger nebeneinander lagen.

Das Weihnachtsfest hingegen würde klein und gemütlich von statten gehen.
Wenige Bedienstete blieben über die Feiertage auf dem Anwesen um das Haus zu bewirtschaften, dafür hatten jene die nach Hause fuhren am Neujahrstag ihren Dienst anzutreten - zwecks Party und so.
Die Hallen und Räume waren bereits festlich mit Girlanden, Mistelzweigen und Lametta geschmückt worden und eine in rot und weiß behangene, leuchtende Tanne stand einpaar Meter von mir entfernt. Ihre untersten Zweige verdeckten eine überschaubare Anzahl an Geschenken, die ich dort für den Heilig Abend platziert hatte.
Aus Hygienegründen hatte ich es unterlassen etwas für die Haus-Vampire unter zu legen - immerhin hatten sie (soweit ich es verstand) einen Kühlschrank voller Blutkonserven, welchen sie nach Belieben aufsuchen konnten, und ich keine Ahnung worüber sie sich tatsächlich freuen würden. Abgesehen davon, war ich mir nicht sicher, ob sie an dem Fest teilnehmen würden - naja, weil es eine christliche Festlichkeit war und so.

Amüsiert schüttelte ich den Kopf und blickte zu Integra hinüber, die ihre Brille neben einen Haufen fertiger Einladungen abgelegt hatte und sich gerade den Nasenrücken mit Daumen und Zeigefinger massierte. Ihr Schreibwerkzeug lag sauber aufgelegt neben ihrem Ellenbogen, welchen sie samt Unterarm auf die improvisierte Schreibfläche (ein Frühstückstischchen mit einem Schneidbrett) gestützt hatte.
"Wie wäre es mit einer Tasse Tee?", fragte ich und stand bereits auf um uns beiden einzuschenken - ihren mit zwei Stück Zucker und meinen mit einem Löffel Honig.
Sie grummelte zur Antwort und lehnte sich in die Rückenpolster.
"Hast du noch viele vor dir?", fragte ich neugierig und warf einen weiteren Blick auf die bereits geschriebenen Einladungen.
"...ein paar", murmelte sie zur Antwort und ließ sich für einen Moment in die Polsterung sinken, bevor ihre blauen Iren in meine Richtung wanderten, "Wie geht es mit deiner Arbeit voran?"
"Schleichend", schnaubte ich und hielt ihr eine dampfende Tasse entgegen, "aber ich komme voran. Es ist wirklich interessant zu lesen, wie sich die Angriffe über die Jahrhunderte verbreitet und verändert haben."

Ihre Hand schwebte wenige Zentimeter vor der Untertasse in der Luft und ich sah verständnislos in ihr Gesicht, um ihrem nachdenklichen Blick zu begegnen, "Was meinst du damit?"
"Naja", fing ich an und nahm die Tasse in beide Hände, "Das Gebiet der dokumentierten Angriffe hat sich seit der zweiten Mitte des 15.Jahrhunderts stätig ausgebreitet...", ich nickte hinüber zu meinem eigenen Unterlagen, wo ich zwei Aktenstöße und meinen Collegeblock liegen hatte, "Ich habe eine Karte und Zeitlinien erstellt, falls du-"
Da war sie bereits aufgesprungen und ich hatte meine liebe Not mich nicht mit dem heißen Getränk in den Händen überrennen zu lassen. Zum Glück schwappte nicht viel davon über und was aus der Tasse rann, landete in der Untertasse.
Ich beobachtete sie dabei, wie sie meine Aufzeichnungen ansah und Daten überflog, um sie mit der Karte zu vergleichen.

"Natürlich weiß ich nicht, in wie weit die gesammelten Vorfälle von Abraham van Hellsing der Wahrheit entsprechen", fing ich an um das Rascheln des Papiers zu unterbrechen und erntete einen Seitenblick, der mir deutete weiter zu sprechen, "Er hat wirklich jedes kleinste Gerücht dokumentiert, sobald es angedeutet hat, dass ein Mensch auf ungewöhnliche Weise eine Menge Blut verloren hat..."
"Und die Aufzeichnungen gehen bis ins 15.Jahrhundert zurück?", hinterfragte sie.
Ich nickte zur Bestätigung und gab ein, "Mehr oder weniger", von mir.
Auf ihren Blick hin fuhr ich fort, "Es scheint davor kleinere Legenden zu geben, aber da geht es mehr um Kannibalismus, als um blutsaugende Kreaturen."
Verstehend nickte sie und hielt mir einen Moment später ihre freie Hand entgegen, in welche ich ihre Tasse gleiten ließ.

Gedankenversunken nippte sie daran, während ihre Finger über die Karte strichen und schließlich an einem rot eingezeichneten Punkt hängen blieb.
"Was ist das?"
"Auf diese Stelle scheint sich alles zu konzentrieren", meinte ich nach einem kurzen Blick darauf und holte mir meine eigene Tasse, "Dort haben die Geschichten ihren Anfang genommen. Von dort haben sie sich ausgebreitet. An keinem anderen Ort auf der Welt gab es vor dem 16.Jahrhundert auch nur ansatzweise ähnliche Erzählungen."
"Bist du dir sicher?", hörte ich ihre Stimme und kam nicht umhin eine gewisse Spannung darin zu erkennen.
Schulter zuckend wand ich mich ihr zu, "Ziemlich. Ich habe die Akten schon vor einer Weile nach ihrem Datum sortiert und Abrahams Aufzeichnungen sind die ältesten, die wir haben. Ich habe gerade mit den Berichten aus dem 18.Jahrhundert begonnen. Da sind die Gebiete breiter gefächert. Soweit ich mich erinnere, gibt es noch keine Berichte über vampirische Aktivitäten in Australien und an den Polen."

Um sich von meiner Aussage zu überzeugen, richtete sie einen weiteren Blick auf die Karte, "Aus welchem Jahr stammen dann die Vorfälle, welche du in Sydney markiert hast?"
"Ironischer weise aus den Jahren 1802 bis 1809", meinte ich amüsiert und kramte in meinen Unterlagen um ihr einen Bogen Papier zu reichen, "Ich hab ein bisschen recherchiert und in den Aufzeichnungen von Matthew Flinders Passagen gefunden, in welchen er festhält, wie Crewmitglieder unter mysteriösen Umständen 'erkranken'. Er war ein europäischer Entdecker, der die erste Umsegelung des Kontinents von 1801 bis 1803 geleitet hat."

"Das beschriebene Krankheitsbild hat gewisse Ähnlichkeiten mit denen in Bram Stokers 'Dracula'", ich nahm einen weiteren Schluck von meinem Gebräu und gab ihr dann das aufgeklappte Notizbüchlein, in welchem ich besagte Stelle niedergeschrieben hatte, "Interessanter weise scheinen die Vampire in Australien um einiges diskreter zu sein, als unsere europäischen Freaks."
"Wie kommst du darauf?", hinterfragte die Blonde und ich kam nicht umhin zu bemerken, dass sie jedes kleine Detail meiner Erklärung ehrlich überraschte.
"Ich hab mich mit den Behörden dort in Kontakt gesetzt", begann ich erneut, "Es gibt Legenden und Gruselgeschichten über sie, aber seit 1809 keine einzige Dokumentation eines einzigen Vorfalls und dementsprechend keinerlei Indiz, dass Vampire auf dem gesamten australischen Kontinent existieren, obwohl sie seit 1802 dort sein müssten."
"Was ist 1802 mit den erkrankten Crewmitgliedern der Erkundungstour passiert?"
"Alle drei wurden in Sydney an ein Krankenhaus übergeben. Danach gibt es keine Aufzeichnungen über sie. Das entsprechende Krankenhaus brannte einpaar Tage später ab."
"Wie praktisch", schnaubte Integra und setzte sich zurück an ihren improvisierten Arbeitsplatz, "Ich gehe davon aus, dass die folgenden Übergriffe auf die drei verschollenen Crewmitglieder zurück zu führen sind?"
"Es liegt nahe", stimmte ich zu, "Das jeder einzelne in Siedlungen der Kolonisten stattfand, kann man interpretieren wie man will."
"Also gab es keine Angriffe auf Aborigines?"
Ich leerte meine Tasse, "Zumindest nicht aus der übernatürlichen Richtung... Die Siedler waren davon überzeugt, dass die Einheimischen sie verflucht hatten oder sie zumindest krank machten. Niemand kam auf die Idee, einen Zusammenhang zwischen den zurückgelassenen Crewmitgliedern und den ausbrechenden Unruhen zu suchen. Wer hätte gedacht, dass sogar Vampire rassisitische Arschlöcher sein könnten..."
"Immerhin waren sie Menschen und Menschen haben die Tendenz zu fürchten was sie nicht kennen und das waren in diesem Fall die Einheimischen", entgegnete Integra.

Ich nickte zustimmend, "Sind Alucard und Seras wählerisch was ihr Blut betrifft?"
Unerwartet schnaubte Integra in ihren Tee und erklärte ihre Reaktion, sobald sie mein fragendes Gesicht sah, "Alucard nutzt jede Gelegenheit um sich zu ernähren... Seras hingegen trinkt außergewöhnlich selten."
"Oookay...", vor Überraschung blinzelte ich ein paar Mal und legte den Kopf dann nachdenklich schief, "Ist das nicht gefährlich?"
"Bis zu einem gewissen Grad...", antwortete sie kryptisch und versank in einer Erinnerung.
Ich blieb stumm und stellte mein leeres Gefäß zurück zum restlichen Teeservies.

Während Integra das Studium meiner Aufzeichnungen wieder aufnahm, nutzte ich die Gelegenheit mich etwas zu strecken und mir die Beine in der geräumigen Bibliothek zu vertreten. Die Sonne schien hell durch die weiten Fenster und erwärmte den Raum für eine Weile auf ganz natürliche Weise. Selbstverständlich liefen die Heizungsanlagen während der kalten Monate im ganzen Anwesen, aber wenn der gleißende Himmelskörper durch die Wolkendecke brach, half das ungemein.

"Auf welches Jahr hast du die ersten Geschichten eingegrenzt?", fragte sie irgendwann und ich musste kurz nachdenken.
"Irgendwo in den späten 1470ern?", ratete ich schließlich, "Vielleicht auch in die frühen 1480er. Das war einbisschen schwieriger, da es damals selten irgendwas schriftlich Überliefertes gab, was nicht von Gelehrten verfasst beziehungsweise genau datiert wurden. Wieso? Hab ich etwas übersehen?"
Neugierig geworden kam ich zu ihr und spickte über ihre Schulter auf die chaotische Ordnung, die ich erstellt hatte.
"Nein, das ist es nicht", anwortete sie, "Ich denke, dass du etwas entdeckt hast..."
"Oh?", skeptisch ließ ich meine Augen über die Zeittabelle und die Karte wandern und blieb an dem roten Punkt hängen, den ich aufgrund der gesammelten Aufzeichnungen als Ausgangspunkt erachtete. Es handelte sich dabei um ein kleines Dorf im Süden des heutigen Rumänien innerhalb der ehemaligen walachischen Grenzen.
"Kannst du mir auf die Sprünge helfen?", fragte ich schließlich.
"Der erste Vampir", murmelte sie mehr zu sich selbst, als dass sie meine Frage beantwortete.
Überrascht starrte ich ihr Profil eine Weile an, dann blickte ich auf die rote Markierung.
"Du willst mir sagen, dass ich den Ursprung der Vampire ausgemacht habe?", hinterfragte ich ungläubig und war versucht laut aufzulachen.

"Was weißt du über Vlad Tepes Draculea?"
"Den Dritten?", fragte ich perplex und wunderte mich über den Themenwechsel, "Naja... Sein Vater Vlad II hat ihn und seinen Bruder Radu als Pfand an den türkischen Sultan übergeben. Er ist bekannt für seine Grausamkeit und die von ihm geführten Schlachten gegen das Osmanische Reich. Seine Beinamen waren 'der Pfähler' und 'Sohn des Teufels'. Ich müsste da ein bisschen nachlesen... Ich hab, glaub ich, irgendwo eine Buch über ihn rumliegen. Warum fragst du?"
Integra antwortete nicht sofort, stattdessen sah sie mich lange an, vielleicht wegte sie ihre nächsten Worte ab, vielleicht hatte es keinen bestimmten Grund - was bei ihr sehr unwahrscheinlich war, da sie selten bis nie etwas grundlos tat.

"Wie entstand deiner Meinung nach der erste Vampir?"
Baff blinzelte ich einpaar Mal und rieb mir dann unschlüssig den Nacken. Was hatte sie heute mit diesen ständigen Themenwechseln? Sie war doch sonst nicht so... durcheinander? ...unverständlich? ...konfus? konnte ich diese Begriffe überheupt mit ihrer Person in Verbindung bringen?
"Keine Ahnung...?", gestand ich schließlich unsicher und blickte zwischen ihr und dem roten Punkt hin und her, "Wenn wir wirklich davon ausgehen, dass DAS der Zeitpunkt des ersten Vampirs oder besser gesagt dessen Entstehung war, oder sich zumindest an diesem Ort um ungefähr diese Zeitspanne eingrenzen lässt, muss etwas wirklich außergewöhnliches und nie dagewesenes passiert sein."
Sie lauschte meinen Worten aufmerksam und nickte, sah mich jedoch weiterhin auffordernd an und ich kam nicht umhin zu denken, dass sie mich auf eine Spur lenken wollte. Aber mein Hirn war fast leer.

Einzelne Worte wanderten mir in Dauerschleife durch den Kopf, aber ich konnte mir keinen Reim darauf machen.
Was zur Hölle hatte Vlad Tepes der Dritte mit dem ersten V-...
Warte... Mo-moment! Konnte es sein...?
"Nein...", mit großen Augen starrte ich auf die rote Markierung und wiederholte ihre zusammenhanglosen Fragen nochmal, bevor ich sie angaffte, "Du willst mir verklickern, dass Vlad Tepes Draculea III, Sohn des Drachen Schrägstrich Teufels, der Pfähler, der ERSTE Vampir war?!"
"Ist", erwiderte sie kühl, woraufhin mein Hirn eine Vollbremsung hinlegte, während sie ungerührt zu ihren Schreibutensilien zurückkehrte und so tat, als hätten wir nicht gerade das ungewöhnlichste Gespräch hinter uns, welches ich jemals mit ihr geführt hatte - und das hieß etwas, verdammt noch Mal!
"Was zum Geier meinst du mit 'IST'?!", meine Stimme war so ungewöhnlich hoch, dass ich sie erst nicht als meine anerkannte und mich räusperte, bevor ich sie langsam wiederholte und anfügte, "Du willst mir erzählen, dass der Kerl existiert?! Das er jetzt in diesem Moment irgendwo auf Erden wandelt und weitere Vampire erschafft?!! Moment Mal...! Das würde bedeuten... er wäre jetzt knappe 550 Jahre alt!"
"Erstens, ist es noch etwas zu früh für ihn - er schläft vermutlich; Zweitens, sollte deine Rechung nahe liegen", sagte sie und griff nach ihrer Feder um ihre letzten Einladungen zu schreiben.
"Du weißt wo er ist?", hinterfragte ich ungläubig und war wirklich kurz davor sie zu schütteln, weil sie mir diese Informationen scheibchenweise auftischte und es sie sichtlich amüsierte.
"Natürlich", schnaubte sie, als ob ich das dämlichste Geschöpf auf der Welt war, "Als seine Herrin muss ich das wissen."


_____


Ich muss gestehen, dass ich wirklich ein bisschen recherchiert habe. Wer Lust hat kann gerne nachprüfen, welche Fakten ich da eingebaut habe. Aber alles in allem hab ich auch einiges an den Haaren herbei gezogen. *lach*

See ya!
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