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Eine neue Erbin

GeschichteHumor, Horror / P18 / Gen
Alucard OC (Own Character)
22.01.2014
02.05.2020
13
40.814
9
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.10.2017 2.927
 
Muhahahahahaaa!
Nach den Aufregungen der letzten beiden Kapitel hat Nadja wohl eine kleine Pause verdient, aber die gibt es im Hause Hellsing nicht! Das muss sie lernen.

Viel Spaß!

_____


Der Tag war gekommen!
Heute sollte ich der Queen gegenüber treten um offiziell in die Hellsing-Familie aufgenommen zu werden. Weil es ein besonderer Tag war, war mein Training zum zweiten Mal seit es begonnen hatte ausgefallen.
Ich hatte gemeinsam mit Integra gefrühstückt, mich von Walther in ein Kleid zwängen lassen müssen - dass wie er sagte meine Augen betonte - und saß jetzt in einer Limosine mit Integra an meiner Seite auf dem Weg zum Palast der Königin von England.

"Ich glaub mir wird schlecht...", murmelte ich leise vor mich hin und lockerte den Sicherheitsgurt um meine Taille einwenig, damit das breite Band mir nicht in den Magen drückte.
"Das sind die Nerven", erwiderte die Blonde nonchalant und blätterte weiter in einem Bericht der letzten Nacht, den Walther ihr noch gereicht hatte, bevor sie eingestiegen war.
"Ich weiß, dass das die Nerven sind!", fauchte ich und sah sie vorwurfsvoll an.
Ihre blauen Iren trafen mich unbeeindruckt, "Bist du immer so launisch, wenn etwas von Bedeutung passiert?"
"Ich fühle mich alsob ich zu einer Prüfung antreten müsste...", grummelte ich und strich über den grünen Stoff des Kleidungstücks der magnetisch an meinen Schenkeln zu haften schien, "Meine Finger sind eiskalt und kribbeln wie verrückt, ich schwitze wie ein Schwein unter dem Fummel und mir ist verdammt übel. Wieso durfte ich nicht zumindest etwas anziehen, worin ich mich wohl fühle?"
"Würde das gegen deine Stimmungen helfen?", hinterfragte sie und blickte wieder in ihren Bericht.
Ich verschränkte meine Arme vor der Brust, "Wie gesagt: Ich würde mich wohler fühlen."
"Hm...", machte sie und ich hielt das Gespräch für beendet, als sie nach einem Knopf an der Tür griff, "Fahren Sie uns zur nächstbesten Mode-Boutique."
Eine Stimme über Lautsprecher fragte, "An der nächsten Ecke befindet sich ein Burberry, Lady Hellsing. Sind Sie damit einverstanden, wenn ich dort halten?"
"Fahren Sie hin. Wir brauchen nicht lange", antwortete sie.

Ich starrte meine Großcousine mit offenem Mund an und versuchte heraus zu finden ob sie mich verarschte. War es so einfach aus dem bescheuerten Teil raus zu kommen?
"Mach den Mund zu", sagte sie und rückte ihre Brille zurecht, "Das ist besser als dein Gejammer zu ertragen. Keine Jeanshosen."
Am liebsten hätte ich sie umarmt, aber der Wagen blieb bereits stehen und es war Zeit auszusteigen.
Freudig öffnete ich den Gurt, sprang aus der Tür und hastete zu Integra, die bereits vor der Eingangstür wartete, "Wir haben etwas Zeit, aber übertreib es nicht."
Ich nickte eifrig und folgte ihr in den Laden.

Dann war es lediglich eine Frage von Minuten bis ich mit Hilfe einer Verkäuferin ein Outfit zusammengestellt hatte und hineinschlüpfte um es der Blonden zu präsentieren.
Ich trug eine weiße, lose Bluse mit Stickereien im Schulterbereich und an den Ärmeln und eine schwarze, gerade Stoffhose, die sich sanft an meine Hüften schmiegte, aber sonst nichts von meiner Figur preisgab, weil sie bis zu meinen Knöcheln reichte.
"Ein anderes Oberteil", sagte sie knapp und schickte die Verkäuferin mit genauen Angaben, was sie zurück bringen sollte, los, "und einen Blazer", zu mir wand sie sich mit einem, "Vergiss nicht, wofür wir dich neu einkleiden. Diese Stickereien sind unpassend für unser Treffen mit ihrer königlichen Hoheit. Sie zeigen viel zu viel Haut."
Verstehend nickte ich und ging zurück in die Kabine um mich der Bluse zu entledigen, da wurde mir schon eine dunkelgrüne, elegante Bluse mit einem schwarzen Blazer durch den Vorhang gereicht.
Pflichtbewusst zog ich alles an und trat dann durch den Vorhang.
Integra nickte zustimmend.
Die Verkäuferin hatte noch schwarze Lederschuhe gebracht, die sie 'Wingtip-Brogues' nannte, und damit war mein Outfit komplett. Ich fühlte mich in den Klamotten pudelwohl - bis wir an der Kassa ankamen und ich den Preis sah.
Die Schuhe allein kosteten 525 €!!!
Doch bevor ich mir panisch die überteuerten Klamotten vom Leib reißen konnte, hatte meine Großcousine bereits ihre Kreditkarte gezückt und sie durch den Kartenleser gezogen. Das Kleid und die Schuhe, die ich zuvor getragen hatte, wurden mir in einer Tüte und mit einem Lächeln gereicht.
"Beehren Sie uns bald wieder, Miss Hellsing!", flötete die Dame und wand sich an den nächsten Kunden.
"Ich hatte noch nie so viel Geld am Körper...", gestand ich ihr vor dem Laden und fuhr mit ehrfürchtigen Fingern über den Stoff des Blazers und wackelte mit meinen Zehen in den neuen Schuhen.
"Es lohnt sich hoffentlich", meinte die Blauäugige und stieg in den Wagen ein.
Wie genau sie das meinte, wusste ich nicht, aber ich bewegte mich auf meine Seite der Limo und stieg ebenfalls ein.

Von da dauerte es lediglich eine halbe Stunde bis wir an unserem Ziel ankamen, die ich damit verbracht hatte auf meinen Händen zu sitzen um mich zu beruhigen.

Die Karosserie fuhr durch ein weites Tor in einem Zaun aus Stein und schwarzem Guseisen und beförderte uns über einen Kiesweg an die großen, hölzernen Tore.
Ein wenig wacklig in den Knien stieg ich ein weiteres Mal aus.
Die Ältere bestieg bereits die Treppen, als ich unsicher davor zum Stehen kam.
"Integra?", rief ich nervös meine Hände knetend aus und wartete, dass sie sich am Ende der Stufen zu mir umwandt, was sie auch tat.
Sie massierte sich den Nasenrücken und schnaufte, bevor sie mir ins Gesicht sah, "Was ist jetzt?"
Ich schluckte einen Kloss herunter und stellte einen Fuß auf den ersten Absatz, "Bitte geh nicht ohne mich rein...", was mehr oder weniger heißen sollte, dass sie mich um Himmelswillen, auf keinen Fall und unter garkeinen Umständen alleine lassen sollte, verdammt!
Amüsiert zog sie eine Augenbraue hoch, "Dann komm. Die Queen wartet auf uns."
Sobald ich oben bei ihr ankam, betraten wir das Gebäude gemeinsam und wurden von einem älteren Herrn in Empfang genommen, der sich verbeugte, "Sir Hellsing und Miss Glasser, bitte folgen Sie mir. Sie werden bereits erwartet."
Mich zurecht zupfend folgte ich den beiden auf dem Fuße durch weitläufige Korridore, die mich an das Hellsinganwesen erinnerten.
Hell erleuchtete Gänge mit weißen mit Blattgold verzierten Decken, Wänden und Marmorböden, lange, prachtvolle Teppiche, hervorragende Gemälde und kostbar aussehende Vasen mit ausladenden Blumengestecken. Die Beleuchtung trennte sich in kristallene Kronleuchter und elegante Lichtschalen an den Wänden. Die Türen bestanden aus Holz mit dekorativen Schnitzereien und goldfunkelnden Griffen.
Vor einer der Türen wurden wir stehen gelassen, bis sie nach innen geöffnet wurde und uns ein Herr mit einer kräftigen Stimme angekündigte, kaum das wir im Türrahmen standen, "Sir Integra Fairbrook Wingates Hellsing und Miss Nadja Marian Glasser!"
Die Erwähnung meines vollen Namens brachte mich etwas aus dem Konzept, aber ich folgte artig Integras Schritten und entdeckte sämtliche Herren, die ich beim letzten Meeting des 'Round Table' gesichtet hatte an einem zugegebenermaßen langen, rechteckigen Tisch, an welchem wir geradewegs vorbeischritten.
"Integra, meine Liebe, wie schön dich unter so erfreulichen Umständen zu sehen", lächelte eine ältere Dame von einem Thron eine knappe Etage über uns.
Was hatten die Engländer mit diesen verdammten Treppen?
Zirka zwei Meter vor der ersten Stufe blieb meine Großcousine stehen und senkte sich auf ein Knie, was ich nachahmte um nicht blöd in der Gegend herum zu stehen und vielleicht als respektlos abgestempelt zu werden - außerdem würde ein Knicks in Hosen ziemlich dämlich aussehen.
"Meine Königin", ehrfürchtig senkte die blonde Frau neben mir den Kopf, was ich ihr auch nachmachte.
"So höflich...", hörte ich die Monarchin zufrieden glucksen, "Erhebt euch!"
Wir taten wie geheißen und ich sah neugierig zu der Dame hoch, welche mit einem feinen Lächeln zurückblickte, "Du bist also die junge Dame, von der ich schon so viel gehört habe?"
Überrumpelt über die Frage warf ich einen Seitenblick zu Integra, die jedoch ungerührt neben mir stand, "Ich hoffe, es war Gutes?", fragte ich unsicher die Mundwinkel hochziehend, was dem Hellsing-Oberhaupt ein belustiges Schnauben und der Thronenden ein Kichern entlockte.
"Sagen wir ich wurde über deinen Alltag im Hause Hellsing regelmäßig in Kenntnis gesetzt", meinte sie fröhlich und winkte mich heran, "Komm näher, Kind! Lass dich ansehen."
Verwundert schaute ich umher, ehe ich mich in Bewegung setzte und die Stiegen erklomm.
"Wie ich sehe, teilen du und Integra die Abneigung gegen Kleider", sagte sie mit Humor in der Stimme, was mich ruhiger stimmte.
Mit einem schiefen Grinsen kam ich vor ihr zum Stehen und weil ich mich unwohl fühlte auf sie herab zu sehen, ging ich abermals in die Knie und senkte mein Haupt unterwürfig.

Erst eine Hand an meinem Kinn bewegte mich dazu wieder hoch zu sehen, sie war vom Alter gezeichnet, aber sicher und sanft in ihren Bewegungen.
"Wie gefällt es dir in London?"
"Naja... um ehrlich zu sein, hatte ich bis jetzt nicht wirklich die Gelegenheit mir etwas anzusehen", gestand ich peinlich berührt, "Nachdem ich mit Integra und Walther in London gelandet bin, ging es gleich zum Familienanwesen und es gab so unglaublich viel zu besprechen und Fragen zu stellen und Antworten zu geben, dass ich nicht dazu kam aus dem Fenster zu sehen, bis wir angekommen waren. Meine ersten zwei Monate bei ihr habe ich eigentlich dazu genutzt mich im Haus zurecht zu finden, einzuleben und die Bibliothek durchzustöbern und die beiden Monate darauf hat mein Training mit Walther begonnen."
Von unten erreichte ein mehrstimmiges Gemurmel meine Ohren, aber ich wand mich nicht um, um zu sehen wer da so eifrig diskutierte.
"Und wie verläuft dein Training?", hinterfragte sie und ignorierte die Herrschaften ebenfalls.
Auf meiner Unterlippe kauend überlegte ich wie ich am Besten antworten sollte, "Nun... an die körperlichen Anstrengungen habe ich mich gewöhnt. Wir wollen nächste Woche den Hindernisparkour ausprobieren, um zu sehen ob ich ihn bewältigen kann. Meine Zielsicherheit mit der Schusswaffe lässt leider zu wünschen übrig, aber ich habe vor einpaar Wochen Alucard in den Kopf geschossen. Gut, es war mehr aus Reflex, als-"
"Wirklich?", lachte sie unerwartet auf, brachte mich aus dem Konzept und sagte dann mehr zu sich selbst, "Ich bin sicher, dass ihn das sehr amüsiert hat."
Mit einem kleinen Schauer dachte ich an den Tag zurück und erbebte leicht bei der Erinnerung an das Blut, welches zu ihm zurückgekehrt war, und den zufriedenen Grinser des Vampirs, als er wieder auf seinen langen Beinen gestanden hatte, "Ihr habt ja keine Ahnung, Eure Majestät..."
Sie lächelte und sagte, "Ich denke, dass jetzt ein ausgezeichneter Zeitpunkt für ein Tässchen Tee wäre."
Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, sah sie über meinen Kopf hinweg, den ich drehte um einen Bediensteten zu erhaschen, der sich verbeugte und mir dann eine Hand anbot.
Zurücksehend, interprätierte ich das Nicken der Königin als Erlaubnis mich zu erheben und meine Hand in die dargebotene zu legen. Eine Verbeugung in ihre Richtung machend folgte ich schließlich den Schritten des Mannes zurück nach unten, wo ich einen Sitz zugewiesen bekam, welchen er mir ganz unerwartet zurechtschob.
Mein Platz befand sich am Tischende am nähesten zur Königin und mir gegenüber saß Integra, die so wie einige der Herrschaften am Tisch eine Zigarre rauchte.
Sie schenkte mir ein zufriedenes Nicken.

Danach wurden bereits gefüllte Teetassen, kleine Teller und mehrere dreistöckige Metalltabletts, die mit Sandwiches drapiert waren, über die Länge des Tisches verteilt. Meine Nervösität minimierte sich dank diesem Anblick deutlich.

Es wurde gegessen und getrunken, die Herrschaften unterhielten sich über politische und militärische Themen - immer darauf bedacht einen genauen Report zu liefern.
Die Meinung der Königin würde eingeholt und Diskussionen entbrannten hier und da über mögliche Vorgehensweisen ein Problem betreffend. Da ich selbst keinerlei Einblicke in irgendeines dieser Gesprächsthemen hatte, versuchte ich zu zuhören und mir darüber klar zu werden welche Rollen die Herren am Tisch spielten.
Bei so vielen Menschen war das für mich kein leichtes Unterfangen.
Nicht nur, weil ich unglaublich schlecht mit Namen generell war, sondern auch, weil ihre Ausdrucksweisen sich so sehr von meinen unterschieden, dass es dauerte bis ich den Kern einer Aussage verstand.
Ich war mir nicht sicher, ob ich dieses Wissen je erlangen musste, aber immerhin schadete es nicht bei dieser Gelegenheit damit anzufangen. Immerhin war es das erste Mal, dass ich bei einer solchen Besprechung von Anfang bis Ende dabei war.
Mit Integra waren es zwölf Mitglieder.
Allesamt schienen sie wichtige Positionen innerhalb Englands zu beziehen und aus dementsprechend einflussreichen Familien zu stammen, die wohl schon über Generationen hinweg eine große Rollen in England spielten und der Krone treu ergeben waren. Politisch, militärisch und ökonimisch schienen diese Herren das Geschehen in England hinter der Queen zu steuern.
Mir wurde bewusst, dass ich selbst in meiner Heimat nie wirklich Interesse dafür entwickelt hatte, herauszufinden wer die wirtschhaftlichen Geschehnisse steuerte und lenkte. Politik hatte mich nie sonderlich interessiert und was das Militär so trieb, war mir egal. Grundsätzlich hatte ich immer eine Ignoranz diesem Themen gegenüber an den Tag gelegt, die mir hier zum Verhängnis werden könnte, wenn ich nicht aufpasste.
Sah so aus alsob ich Walther um einen Crash-Kurs in diese Richtung bitten musste.
Nachdenklich nippte ich an meinem Tee und lenkte meinen Blick zu Integra, die ihre Zigarre paffte und ihre blauen Augen zu dem Herren drei Sitze rechts von mir gerichtet hatte. Sie wirkte recht desinteressiert was dessen Bericht betraf, gab sich allerdings nicht die Blösse dies offen zu zeigen, während zwei Herrschaften zu ihrer Linken ab und an unter sich tuschelten.
Obwohl ich seit Beginn der Berichterstattung versuchte einen groben Überblick zu behalten, fiel mir das zunehmend schwerer. Ich griff nach einem weiteren Sandwich und wünschte mir dringend eine Unterbrechung herbei - oder einen Notizblock in den ich schreiben konnte, welche Art von Informationen auf mich einströmten.
"Zumindest das sind beruhigende Nachrichten. Vielen Dank."
Mein Augenmerk zur Queen lenkend beobachtete ich wie sie ihre Finger im Schoss verschränkte.
"Kommen wir nun zu weitaus erfreulicheren Dingen", sagte sie mit einem kleinen Lächeln.
Die Herren am Tisch rückten ihre Sessel hörbar zurecht und ich drehte mich herum, um zu sehen was vor sich ging.
Ein kleiner Kloss bildete sich in meinem Hals als ich sah wie alle Gesichter in meine Richtung wiesen.
"Nadja Marian Glasser", tönte die Stimme der Dame auf dem Thron beinahe feierlich durch den Saal.
Unsicher in ihre Richtung sehend brachte ich ein schwaches, "J-ja, Eure Majestät?", hervor.
"Erhebe dich!"
Mit einem Seitenblick auf Integra erhob ich mich mit weichen Knien, wobei mein Stuhl in der herrschenden Stille ohrenbetäubend am Boden entlang scharrte. Ich verkniff mir einen Laut und drehte meinen Körper in Richtung der Monarchin, meine rechte Hand flach neben meinem Teller mit dem angebissenen Sandwich liegen lassend.
Aus dem Augenwinkel erhaschte ich eine Bewegung, aber das Aufrichten der Königin von England hielt mich davon ab mich danach um zu drehen. Ich beobachtete sie dabei, wie sie mit eleganten Schritten und geradeaus gerichtetem Kopf die Treppen herunter stieg. Das Klappern ihrer Absätze und mein eigener Herzschlag erfüllten den Raum, während hinter mir absolute Stille herrschte. Am Treppenabsatz hielt einer der königlichen Angestellten der Königin eine Hand hin und sie legte ihre graziös darauf.
Die Bewegung aus dem Augenwinkel entpuppte sich als ein weiterer Bediensteter, der ein großes, rotes Samtkissen in beiden Armen trug, was darauf lag konnte ich nur vermuten.
"Komm näher und knie nieder", erklang ihre Stimme aufs Neue und ich erwachte aus meiner Starre.
Meine Fingerkuppen glitten bei meinem ersten Schritt von dem Tischtuch. Mit jedem weiteren entfernte ich mich von der Sicherheit des Tisches und näherte mich der Ungewissheit, die mich am Fuße der Treppe erwarten würde.
Mit einem hörbaren Schlucken schaute ich auf die Herrscherin herab, ehe ich vor ihr in die Knie ging, wie es mir aufgetragen worden war. Ich blickte nach Antworten suchend in das lächelnde Gesicht mit den Fältchen an den Mundwinkeln und den Krähenfüßen in den Augenwinkeln, atmete tief durch und senkte mein Kinn.
"Nadja Marian Glasser", wiederholte sie meinen Namen abermals feierlich, während ich beobachtete wie ihre Schuhspitzen sich von mir wegdrehten und vielleicht drei Sekunden später ihre vorherige Position einnahmen, "Du wurdest heute, an diesem Tag, hierher gerufen um unter der Aufsicht aller Round-Table Mitglieder in den heiligen Bund der Hellsing-Ritterschaft aufgenommen zu werden."
Erstaunt hob ich meinen Kopf und starrte verwundert in die funkelnden Augen der Älteren, die unbeirrt weitersprach, "Vom heutigen Tage an wirst du den Namen Hellsing tragen und deinen Pflichten als Familienmitglied nachgehen."
Nervös versuchte ich den Kloss herunter zu schlucken, der sich in meiner Kehle bildete.
"Du wirst dich den Gefahren, welche auf dich zukommen werden stellen und ihnen wie eine würdige Erbin entgegentreten."
Ich straffte meine Schulter, senkte mein Haupt und schloss meine Augen.
"Schwörst du vor den hier anwesenden Rittern und deiner Königin das Erbe der Hellsing Familie anzunehmen?"
"Ich schwöre!", erwiderte ich kraftvoll.
"Schwörst du die Feinde Englands niederzumetzeln und gottlose Kreaturen zu vernichten, die es wagen auf Erden zu wandeln?"
"Ich schwöre!"
Danach fühlte ich einen leichten Druck zuerst an meiner rechten dann an meiner linken Schulter.
"So sei es denn. Erhebe dich Nadja Marian Hellsing!"

_____


See ya!
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