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Eine neue Erbin

GeschichteHumor, Horror / P18
Alucard OC (Own Character)
22.01.2014
02.05.2020
13
40.814
9
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Dieses Kapitel
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22.01.2014 3.174
 
An dieser Story habe ich gearbeitet lange bevor mein Laptop abgekackt ist. Es ist eine weitere meiner bis jetzt unvollendeten Geschichten, aber ich arbeite daran wann immer mich die Muse küsst.

_____


Es waren zwei Monate vergangen, seit ich bei meiner entfernten Großcousine Integra eingezogen war.
Die immer beschäftigte Blondine sah ich eigentlich nur beim Abendessen. Sie hatte beim ersten Mal gemurmelt, dass das für mich wohl am Sichersten wäre. Überhaupt hatte sie nach meinem Einzug dutzende von Regeln aufgestellt, die sich mehr für ein Kind eigneten als für eine junge Frau von 19 Jahren.

Ich musste sofort nach Sonnenuntergang in mein Zimmer, durfte niemanden hereinbitten und erst bei Sonnenaufgang war es mir erlaubt wieder durch das Haus zu wandern. Sie hatte außerdem betont, dass ich mich auf keinen Fall verletzen durfte. Blaueflecken waren in Ordnung, aber es war mir 'verboten' zu bluten.
Mein erster Gedanke war zu fragen ob sie noch alle beisammen hatte, stattdessen kam ein simples 'Warum?' über meine Lippen.
Nach einer kurze Pause antwortete sie mit 'Im Besitz der Familie Hellsing befindet sich ein scharfer Bluthund, der nachts das Haus und das Anwesen durchstreift. So verhindern wir, dass er deine Fährte aufnimmt und neugierig wird.'

Diese Antwort hatte mich fürs erste Mal befriedigt, auch wenn sie mich verunsicherte, und ich versprach mich an alle aufgestellten Regeln zu halten.

Das Leben bei meiner Großcousine war nicht besonders aufregend.
Da sie ständig arbeitete, wurde mir so manches Mal richtig langweilig, bis Walther mir Tage später die hauseigene Bibliothek zeigte. Meine Augen wurden bestimmt tellergroß.
Der Raum und die Auswahl an Büchern war rießig!
Alleine an den Einbänden erkannte man, dass sich Bücher aus vergangenen Jahrhunderten in den Regalen sammelten.
Vorsichtig hatte ich ein kleineres Exemplar herausgeholt, allerdings war es mir Augenblicke später irgendwie aus den Fingern gerutscht. Nachdem ich es hektisch aufgefangen hatte, huschte mein Blick um Gnade flehend zu dem Butler, der einfach nur auflachte und mir versicherte, dass mein Missgeschick nicht von Bedeutung war. Schuldbewusst hatte ich das Buch dennoch zurückgestellt und mich entschuldigt.
Der Ältere hatte väterlich gelächelt und verabschiedete sich mit den Worten,'Dieser Raum steht Ihnen zur freien Verfügung. Entschuldigen Sie mich nun, die Pflicht ruft.'

Seit diesem Tag saß ich jede freie Minute in dem großen Ohrensessel und laß.
Jedes Mal wenn ich hier saß, fühlte ich mich wirklich wie eine Hellsing. Hier kam ich mir vor wie eine stolze, würdige und belehrte Tochter des Hauses. Doch so schön es auch war, wunderte ich mich immer wieder aufs Neue, warum sonst niemand die Bibliothek aufsuchte.
Diese Frage würde ich beim nächsten Abendessen anklingen lassen, wenn ich dazu kommen sollte. Immerhin wollten sie mich in den nächsten Tagen über mein Verhalten gegenüber der Queen vorbereiten.
Walther hatte schon Vorarbeiten geleistet, indem er mir aus der Sammlung verschiedene Bücher über die Etikette in Großbritanien gab und mir nahelegte diese auch zu lesen.

Nach 3 Wochen hatte ich mir auch den letzten dieser Wälzer einverleibt.
Gerade schloss ich den Buchdeckel, da klopfte es an der edlen Holztür. Verwundert schaute ich auf und musste erst blinzeln, weil ich wegen der dauerhaften Anstrengung meiner Augäpfel anfangs verschwommen sah. Mir die Augen reibend gab ich die Erlaubnis einzutreten und stand auf um das Buch zurück zu stellen.

"Meine Herrin schickt mich um Euch zu ihr zu bringen."
Neugierig sah ich auf und entdeckte wie vermutet einen mir vollkommen Fremden, der sich tief verbeugte. Er trug einen ungewöhnlichen, langen, kaminroten Mantel. Durch seine Haltung konnte ich sein Gesicht allerdings nicht erkennen, da die wilde schwarze Mähne es bis zur Gänze verdeckte.
"Ich komme sofort!", antwortete ich als er sich aufrichtete und eilte zu dem Tischchen, welches beim Ohrensessel stand.
"Ich habe ganz die Zeit vergessen", murmelte ich nach einem Blick auf die Armbanduhr, welche ich von meiner Verwandten bekommen hatte.
Schnell stellte ich die Tasse, die Zuckerdose und das leere Wasserglas zurück auf das Tablett und war im Begriff es anzuheben, als mich die Stimme des Fremden unterbrach, "Walther wird sich darum kümmern. Meine Herrin wird schon ungeduldig. Wir sollten uns auf den Weg machen."
Zustimmend nickte ich und ging an dem Schwarzhharigen vorbei.
Zuvorkommend hielt er mir die Tür auf und schloss sie auch hinter mir. Da ich nicht wirklich wusste, wo Interga mich erwartete, folgte ich dem Mann einfach und versuchte mir Details einzuprägen um später wieder zu den Büchern zurück zu finden.
Allerdings gab es nicht viel an dem man sich hätte orientieren können. Die Gänge glichen sich zu sehr und nirgenst hingen Bilder, nicht einmal ein Spiegel war an einer der Wände auszumachen.
Deshalb trottete ich hinter dem Unbekannten her und nahm mir fest vor Walther um einen Grundriss zu bitten. Das wäre bestimmt kein Problem solange auch meine Großcousine damit einverstanden war. Außerdem würde ich ihn ja nur solange brauchen, bis ich mich zurechtfand.

Da der Mann vor mir stehen blieb, tat ich es ihm gleich. Der Gang in dem wir uns befanden erweckte den Anschein eines vollkommen anderen Gebäudes. Hatten wir das Anwesen verlassen oder uns verlaufen? War ich einer Entführung zum Opfer gefallen? Unruhig trat ich von einem Fuß auf den anderen und wurde zusehens nervöser.
"Tritt ein!", hörte ich Integras Stimme und sah erleichtert auf.
Die Tür hatte ich ganz übersehen. Das würde was werden, wenn die Blonde erfuhr, dass ich dem Mann ohne Widerworte gefolgt war. So gut wie möglich versuchte ich meine Unsicherheit zu überspielen, während ich in den Raum trat und stellte mich vor eine großen, runden Tisch, an welchem abgesehen von der Blonden nur Männer saßen und mich abschätzend musterten.
Die Stimme meiner Verwandten richtete die Aufmerksamkeit aller von mir, wofür ich ihr dankbar war. "Darf ich Ihnen allen Nadja Marian Hellsing vorstellen."
Als mich daraufhin wieder alle fixierten, verbeugte ich mich so galant wie möglich, "Ich freue mich Ihre Bekanntschaft zu machen!"
Da sich sonst niemand bewegte oder auf mich zukam, richtete ich mich auf um allen in die Augen blicken zu können und blieb an Ort und Stelle stehen. Die blonde Frau lächelte zufrieden und bot mir an mich zu setzen. Dankend nahm ich genau ihr gegenüber Platz und wartete.
Der zweite Mann rechts von mir stand auf und richtete seinen Blick kurz auf meine Wenigkeit, danach auf meine Großcousine.
"Warum haben Sie den 'Round Table' einberufen, Sir Hellsing? Doch bestimmt nicht nur um uns eine Verwandte vorzustellen."
"Natürlich nicht. Der Grund dafür ist weitaus wichtiger. Das Treffen mit ihrer Majestät, um die Zugehörigkeit dieser jungen Frau zur Familie Hellsing offiziell zu machen, steht kurz bevor. Deshalb habe ich Integra Wingates Fairbrook Hellsing entschieden meine Cousine in die Familiengeschäfte einzuweihen."
Fassungslose Gesichter richteten sich sofort auf die blonde Frau, als wären ihr innerhalb von Sekunden ein weiterer Kopf und zwei Arme gewachsen.
"Das meint ihr doch nicht ernst, Lady Hellsing?!!", stotterte ein rundlicher Mann mit Schnauzbart links von mir, dessen Augen unruhig zwischen Integra und dem Mann von vorher hin und her zuckten.

Meine Aufmerksamkeit wurde im entscheidenden Moment von einem unangenhemen Gefühl im Nacken abgelenkt.
Unbehaglich ließ ich mein Augenmerk durch den Raum über jeden der Anwesenden gleiten.
Der Mann, welcher mich hergeführt hatte, lehnte mit verschränkten Armen wenige Meter neben der Tür und beobachtete amüsiert die rege Diskussion am Tisch. Langsam wanderten meine Iren über seine Gestalt. Ob er wirklich der Grund für das Kribbeln in meinem Nacken war, wusste ich nicht. Welchen Grund gäbe es auch dafür? Ich war ihm bestimmt so unbekannt wie er mir. Aber mir blieb keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn eine Wort erweckte meine Aufmerksamkeit.
"Entschuldigung?", unsicher klang meine Stimme, dennoch übertönte sie alle Versammelten und ließ sie innehalten, "Verzeih die Unterbrechung, aber habe ich gerade richtig gehört?"
Entweder war ich hier bei soetwas wie der 'versteckten Kamera' oder ich war von Menschen umgeben, die sich einen bestimmten Grusselschocker zu oft reingezogen hatten.
"Das hängt davon ab, was du gehört hast."
Würde ich mich lächerlich machen, wenn ich es laut aussprach?
Forschend sah ich meiner Großcousine in die blauen Augen, die offensichtlich darauf warteten, dass ich etwas aussprach. Ob ich selbst dafür bereit war, wusste ich nicht.
"Vampire", hauchte ich und wiederholte es in Gedanken bis es auch in meinen Verstand sickerte. "Aber soetwas gibt es nicht!", abrupt stand ich auf und heftete meine Pupillen auf die Blonde, während ich den Schwarzhaarigen hinter mir auflachen hörte.
"Der Grund für deine Unwissenheit und die jedes anderen, ist die exzellente Arbeit der Familie Hellsing."
"Und die des Vatikans."
"Vatikan...?", wiederholte ich unsicher.
Den vernichtenden Blick den Interga dem Mann zuwarf, ließ ihn zusammenzucken. Mein Hirn brauchte erst einmal Verarbeitungszeit.

Es war einfach unmöglich, das soetwas existierte. Da musste man mich schon vom Gegenteil überzeugen!
"Ich will einen Beweis!"
"Für soetwas haben wir jetzt keine Zeit. Deine Ausbildung muss beginnen! Außerdem wirst du früh genug vom Gegenteil überzeugt werden. Walther!"
"Sir Hellsing?", wie aus dem Nichts tauchte der Butler hinter Integra auf. "Bitte bring meine Cousine auf ihr Zimmer."
"Sehr wohl."
"Aber Integra, ich-", ein scharfer Blick der Blonden unterbrach meinen Protest.
Der ältere Mann geleitete mich zur Tür, die bereits von dem großen schwarzhaarigen Mann geöffnet worden war. Ohne ein weiteres Wort verließ ich mit Walther den Raum und folgte ihm weiterhin schweigend, meinen Blick auf den Boden gerichtet.

"Es tut mir sehr leid, dass ich Sie nicht persönlich abholen konnte."
Verwundert schaute ich auf, "Nicht der Rede wert, immerhin hat mich-... Wer war dieser Mann eigentlich?"
"Man könnte sagen, dass er im Dienst der Familie Hellsing steht."
"Wie kommt es, dass ich ihn heute Abend zum ersten Mal getroffen habe?"
Nach einer längeren Pause antwortete er: "...Master Alucard arbeitet nachts."
Verwundert horchte ich auf und fixierte seinen Hinterkopf. "Was macht er denn, was nur nachts gemacht werden kann?" Hörte ich mich wirklich wie ein neugieriges Kind an?
Amüsiert erwiderte der andere, "Er geht mit Fräulein Seras auf die Jagd."
Gab es hier etwa eine ganze Horde an Leuten, die ich noch nie während der ganzen zwei Monate gesehen hatte?
"Sie war Polizistin bevor Master Alucard sie aus einer Laune heraus zu uns brachte. Seitdem ist sie ein fester Bestandteil und ein wertvolles Mitglied der Hellsingorganisation und Master Alucards Lehrling... in gewissem Sinne."
"Dann lehrt er sie das Jagen...?"
"Unter anderem, ja."
"Was jagen sie?"
"Ghouls und Vampire."

Den restlichen Weg zu meinem Zimmer verbrachten wir schweigend.
Keine Ahnung was Walther durch den Kopf ging, aber ich beschäftigte mich hauptsächlich mit dem gerade Erfahrenen, das noch keinen rechten Sinn ergeben wollte.
"Ich wünsche eine angenehme Nachtruhe, Miss Marian!"
Perplex sah ich auf und erwiederte den Abendgruß. Es überraschte mich, dass wir schon vor meinem Raum standen. Langsam trat ich in mein Zimmer und sperrte die Tür ab. Erschöpft ließ ich meine Blick durch mein Schlafzimmer wandern und schlurfte zu meinem Bett.
Wie ein Stein fiel ich hinein und verbannte alle Geräusche um mich. Das ich den Anzug noch anhatte interessierte mich am Anfang nicht, auch wenn er reichlich unbequem war.

Nach Minuten entschloss ich mich allerdings doch, obwohl jede Faser meines Körpers sich sträubte, mich meiner förmlichen Klamotten zu entledigen. Nur mehr in Unterhemd, Höschen und Strümpfen warf ich mich wiederum in die Lacken und schloss zufrieden meine Augen.


Genervt öffnete ich meine Lider und schielte mit einem Todesblick zur Tür.
Wer war so dreist jetzt noch meine wohlverdiente Ruhe zu stören! Ein weiteres Mal klopfte es. Ich stützte mich auf die Ellenbogen um den Störenfried hinter der Tür besser angiften zu können, "Verschwinden Sie, es ist bereits dunkel und ich will schlafen!"
"Wirklich schade..."
Überrascht saß ich von einer Sekunde auf die andere kerzengerade auf dem Bett und starrte auf das dunkle Holz der Tür, die ich - nun da ich wusste wer dahinter stand - als sehr störend empfand, weil sie verhinderte, dass ich den anderen betrachten konnte.
"Was wollen Sie?"
Er lachte kurz auf, "Ich suche nur nach etwas Gesellschaft."
Das Grinsen, welches er in diesem Moment auf den Lippen tragen musste, konnte ich mir lebhaft vorstellen.
"Da müssen Sie sich jemand anderen suchen, denn ich will meine Ruhe", sagt ich und war heilfroh, dass er nicht sah, wie rot ich in diesem Moment war.
"Wirklich schade."
Danach entfernten sich seine Schritte und Stille breitete sich aus.

Ich blieb zurück und machte mir darüber Gedanken, ob ich Integra von dem nächtlichen Besucher erzählen sollte. Lange überlegte ich und hängte aus einem Gefühl heraus einen Traumfänger an mein Himmelbett.

°
Mein Körper glühte regelrecht bei jeder Berührung der kalten Hände.
Leuchtend-rote Augen beobachteten meine Bewegungen und das dämmrige Licht einzelner Kerzen zeichnete Schatten auf mich und meinen Besuch. Seine bleiche Haut leuchtete beinahe in deren Schein.
Ein hungriger Mund verteilte flammende Küsse auf meiner vor Begierde bebenden Haut und raubte mir jegliche Selbstbeherrschung. Keuchend wand ich mich unter seinen Liebkosungen.
Seine Hände wanderten meine Seiten entlang, hinterließen eine Gänsehaut bis sie an meinen Knien ankamen. Mit sanfter Gewalt wurden meine Schenkel auseinander gedrückt.
Ich spürte wie der andere sich in Position brachte und seine Spitze meinen Eingang berührte.
Meine Hände wanderten über seinen Brüstkorb, zu den breiten Schultern, bis sie schließlich in seinem Nacken lagen und ihn zu mir herunter zogen.
"Nimm mich", hauchte ich ihm ins Ohr und vergrub meine Nase in seinem rabenschwarzen Haar.
Ein lautes Stöhnen entkam meinen leicht geöffneten Lippen und nahm seinen Namen mit sich in die Dunkelheit.
°

Schweißgebadet und nach Luft schnappend schrack ich auf und musste mich zuerst versichern, dass ich wirklich alleine war.
Mein Wecker klingelte Sekunden später.
Benommen fasste ich mir an die nasse Stirn und strich die daran klebenden Haarsträhnen beiseite. Um Fassung ringend atmete ich mehrmals tief ein und aus, beobachtete dabei den über mir baumelnden Traumfänger.
"Ein Alptraum wäre mir lieber gewesen", murmelte ich vorwurfsvoll, schaltete den Alarm aus und schwang meine Beine aus dem Bett.
Schnell suchte ich mir etwas zum Anziehen und verschwand im anliegenden Bad.

"Nadja, hörst du mir überhaupt zu?", schellte die andere Frau mich.
Erschrocken und schuldbewusst blickte ich zu ihr und druckste unverständlich herum bis ich eine Hand an meiner Schulter spürte.
"Was haben Sie, Miss Marian?", väterlich lächelte der Butler auf mich herab.
Unschlüssig sah ich abwechselnd zu Integra und Walther. Der innere Zwiespalt hatte sich seit gestern Abend nicht gelegt. Noch immer wusste ich nicht, ob ich von dem Besuch dieses Mannes erzählen sollte. Es gab einiges was dafür, aber eben auch vieles was dagegen sprach. Der Traum hatte mich zusätzlich abgelenkt, dachte ich und errötete bei dem Gedanken daran.
Frustriert senkte ich meinen Kopf und blickte trübsinnig auf das einsame Brötchen.
"Es ist nichts...", begann ich, nach einigen stillen Augenblicken schnellt mein Kopf jedoch wieder hoch, "Kann ich einen Plan der Gänge haben bis ich mich richtig zurechtfinde?"
Perplex sah die Blauäugige mich an, "Du bist doch schon seit zwei Monaten hier."
"Ja schon", druckste ich herum, "aber gestern hat mir gezeigt, dass ich ohne Walther vollkommen aufgeschmissen wäre. Wobei ich gestehen muss, dass ich bestimmt längst nicht alle Bereiche des Anwesens nutze. Aber ich will ja keinen Überblick über alle Flure sondern nur-"
"Schon gut. Walther, übernimm das bitte. Gib ihr den Grundriss für alle oberen Etagen."
"Jawohl, Lady Integra", gleich darauf verließ der Butler den Raum.
Erstaunt sah ich meine Cousine an. So einfach war das? Das lief ja besser als ich gedacht hatte.
"Erzähl mir von deinem Traum", ein wissendes Grinsen umspielte Intergas Lippen, als ich sie mit offenem Mund anstarrte.
Wusste sie etwa...? Nein! Unmöglich!...
"Was denn... für ein T-traum?", fragte ich nervös und fummelte unkontrolliert an meinem Hemdsaum herum, ohne der anderen in die Augen zu sehen.
Deutlich spürte ich wie ich rot wurde.
"Du musst mir nichts vormachen. Ich kann mir gut vorstellen, was du geträumt hast", sagte sie, während sie aufstand und auf mich zukam, "Immerhin hast du meinen Diener gestern das erste Mal gesehen. Ich habe bereits herausgefunden, dass jede Person, die von ihm angetan ist von ihm träumt. Mir ist es genauso ergangen. Allerdings war ich damals 13 Jahre alt."
Fassungslos starrte ich Integra entgegen. Mit 13 Jahren? Meine Güte, das muss ziemlich verstörend gewesen sein! Wie alt war dieser Typ eigentlich, wenn er damals eine 13-jährige in seinen Bann ziehen konnte?
Meine Großcousine saß inzwischen neben mir und beobachtete mich aufmerksam. Ich schluckte den Kloss in meinem Hals herunter und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Nervös zupfte ich an meinen Klamotten herum und starrte auf meine Hände.
"I-ich war in einem Raum... auf einem großen Himmelbett. Es waren ein paar Kerzen aufgestellt aber ansonsten war es dunkel und... i-ich war...", bevor ich weitersprach, griff ich nach meinem Wasserglas und leerte es in einem Zug, "M-mir war furchtbar heiß und seine Hände waren überall an meinem Körper."
Mein Kopf war knallrot und ich spürte wie eine Hitzewelle durch meinen Körper strömte. Um mich nicht von den aufkommenden Gefühlen überwältigen zu lassen, schüttelte ich heftig meinen Kopf, "Er hat mich beobachtet und ich...ich wollte ihn ...spüren."
Vorsichtig sah ich auf. Integra erwiderte meinen Blick und nickte.
Abwartend schaute ich sie an.
Kam da jetzt noch etwas? Eine Predigt, eine Zurechtweisung, ein 'Du-solltest-dich-von-ihm-verhalten'?
Nichts dergleichen, stattdessen griff sie nach meiner Tasse Tee und nippte daran. Hieß das jetzt, dass ich einfach frühstücken sollte? Ich beobachtete die Blonde noch eine Weile bevor ich mir eines der Brötchen griff und mir Butter und Marmelade draufstrich.
"Wie heißt er?"
Verwundert richtete meine Großcousine ihre Aufmerksamkeit auf mich, "Wen meinst du?"
"Naja... diesen Mann.", erwiderte ich leise, "Walther hat mir einbisschen was von ihm erzählt, aber ich hab den Namen vergessen. Er hat auch eine Frau oder eher ein Mädchen erwähnt..."
Ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen.
"Du wirst deine Antworten noch früh genug bekommen. Wenn du fertig bist, komm in mein Büro. Ich habe noch Arbeit zu erledigen", mit diesen Worten stand sie auf und verließ den Raum.

Verdattert schaute ich ihr nach.
Dann musste ich wohl oder übel warten. Seufzend widmete ich mich wieder meinem Frühstück und biss ein großes Stück von meinem Marmeladenbrötchen. Kauend goss ich mir frischen Tee ein.
"Miss Marian?", Walthers Stimme ertönte so unerwartet, dass ich mich beinahe verschluckte und etwas von dem heißen Gebräu verschüttete.

_____


Das ist der erste Teil. Den zweiten werde ich in einpaar Wochen hochladen.

See ya!
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