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CABOOSE - Saga Teil 2

von Capsuna
GeschichteDrama, Familie / P12 / Gen
Caboose Dinah Rusty
22.01.2014
19.06.2014
6
9.584
 
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Dieses Kapitel
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22.01.2014 2.170
 
Bevor es losgeht, ein paar kleine Sachen zu der Aussprache der Namen meiner OCs (ich weiß, kommt wahnsinnig früh, tut mir Leid ;) ).
Anaseka (Caboose' und Jarru's Nachname) hat ein scharfes S, also Anassseka, das E ist aber trotzdem betont (wie das erste e in 'reden'), also eigentlich Anassseeka, kapiert? ;)
Und bei Tizano (die E-Lok, die Rusty umgebracht hat), wird das Z spanisch ausgesprochen, also wie oben Tisssano, oder eher Tißano. Ich hoffe, das ist verständlich gewesen :) Und jetzt geht es weiter mit dem zweiten Teil:
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Ich hatte mir mit Dinah, Fedia und Conan mehr oder weniger ein neues Leben aufgebaut, als mich die Nachricht von Jarru's Beerdigung erreichte. Es war in Form eines Briefes – ich öffnete ihn in der Erwartung, dass es irgendeine Rechnung war, weil sie von einer offiziellen Stelle kam und dann stand dieser Name da: Jarru Anaseka. Mir kamen die ganzen Erinnerungen wieder hoch. An meine alte „Familie“ - meine richtige Familie, die ich so nie mehr haben konnte. Ich schluckte. Dinah stand auf einmal hinter mir und legte ihre Hände auf meine Schultern: „Was ist das?“ „Eine Benachrichtigung wegen Jarru's Beerdigung …“ „Jetzt erst?“ „Ja. Es sind viele in dem Unfall gestorben und ihm haben sie wohl den letzten Beerdigungstermin zugeschoben.“ „Oh. Gehst du hin?“ „Ich denke schon. Ich … muss einfach.“ „Soll ich mitkommen?“ Ich nickte. „Wann ist das denn?“ „Heute Nachmittag.“ Ein Königreich für pünktliche Postboten. „Dann fahren wir jetzt besser los.“ Sie kuppelte sich spontan an mich an. Ich seufzte. Das würde ich wohl nie loswerden.

Die Fahrt verlief relativ problemlos, aber kurz, bevor wir da waren, legte ich eine Vollbremsung hin und Dinah flog total überrascht in mich rein. „Was soll das?!“ „Ich kann das nicht.“ „Was kannst du nicht?“ „Ich kann da nicht hinfahren. Ich kann nicht zu seiner Beerdigung. Ich kann Belle nicht nochmal sehen. Das ist wie …“ „Caboose“, sie nahm mich in den Arm, „ich kann verstehen, dass du Angst hast. Aber wenn du nicht hinfährst, wirst du dir das hinterher immer vorwerfen. Jetzt fahr schon.“ Also fuhr ich.

Dass Dinah Recht haben sollte, wurde mir erst später klar, aber auf wie vielen Ebenen sie richtig liegen würde, konnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen. Aber der Reihe nach:
Als wir ankamen, waren wir fast zu spät, aber es waren trotzdem nicht viele außer uns da. Ich hatte nichts anderes erwartet bei dem Leben, das er so lange geführt hatte. Ein alter Personenzug – und mit alt meine ich wirklich alt, nicht so alt wie Belle, viel älter – saß auf einer Bank, weinte steinerweichend und jammerte: „Oh Jarru! Es tut mir alles so Leid! Ich hätte mich viel mehr um dich kümmern sollen! Warum musstest du diese Welt auch schon so früh verlassen? Starlight, warum?? WARUM?!! Warum nimmst du mir mein einziges Kind??! Ach Jarru, bitte vergib mir!“ Ich war mir nicht sicher, ob sie wusste, dass sie einen Enkel hatte, hätter aber gerade dann auch nicht mit ihr sprechen wollen. Verwandtschaft war das Letzte, was ich brauchte. Ich hielt Ausschau nach Belle – nicht, weil ich sie sehen wollte, ganz im Gegenteil, ich wollte wissen, wo sie war, damit sie mich nicht überraschen konnte. Dann überraschte mich allerdings jemand ganz anderes.
„Hey Caboose!“, rief jemand hinter mir und ich wäre vor Schreck fast einen Meter in die Luft gesprungen, weil ich so auf Belle konzentriert gewesen war. Ich drehte mich um und musste mich zurückhalten, um ihm nicht erleichtert um den Hals zu fallen: „Rusty!!“ Er lachte fast: „Sag nicht, du hast mich tatsächlich vermisst!“ „Nein!“, log ich, „ich dachte nur, du wärst tot.“ „Was?!“ „Ja, wegen dem Stromschlag von Tizano.“ „Nein. Ich war eine Weile im Krankenhaus, aber so leicht wirst du mich nicht los“, er grinste. Ich rollte mit den Augen. „Was machst du eigentlich bei Jarru's Beerdigung? Ich dachte, du konntest den nicht ausstehen.“ „Ja“, antwortete er gedehnt, „aber irgendjemand musste Belle ja hier hinfahren und ihr beistehen.“ „Ihr beistehen?“ „Hmm, sie macht sich wahnsinnige Vorwürfe und ich glaube, sie hat ihn lieber gehabt, als sie sich eingesteht.“ „Wo ist sie jetzt?“ „Ich weiß es nicht, aber ich such sie mal besser.“
Rusty fuhr weg. Ich flog Dinah um den Hals: „Er lebt!“ Sie lachte: „Du hast ihn doch vermisst!“ „Gar nicht. Dinah?“ „Ja?“ „Lässt du mich kurz alleine? Ich will nur bei eben bei Jarru vorbeischauen und da will ich …“ „Natürlich. Sag Bescheid, wenn du mich brauchst.“

Ich rollte weiter über den Friedhof, bis ich vor seinem Grab stand – es war noch offen.  Ich wollte zuerst nicht hinsehen, aber es ging nicht anders.
Da lag er, seltsam verrenkt. Er hatte die Augen geschlossen, seine braunen Haare fielen ihm ins Gesicht. Die Arme hatte er verschränkt und … Moment. Jarru hatte keine braunen Haare. Er hatte blonde, genau so wie ich. Ich sah genauer hin. Das war nicht Jarru. Das war ganz und gar nicht Jarru! Wer auch immer hier begraben wurde, mein Vater war das nicht! Ich drehte mich um und fuhr los, um Dinah zu finden oder Rusty oder meinetwegen auch Belle. Oder die heulende Frau auf der Bank. Scheißegal. Hauptsache, irgendjemand erfuhr davon. Hier war eine riesige Verwechslung vorgefallen.
Ich fand sie alle drei gleichzeitig. Dinah unterhielt sich mit Rusty und Belle. „Dinah!“, rief ich, „Rusty! Jarru ist gar nicht tot!“ „Caboose!“, rief Belle fassungslos, aber ich ging nicht darauf ein. „Was ist los?“, fragte Dinah. „Das ist nicht Jarru! Ich war beim Grab! Der Typ hat braune Haare! Jarru ist nicht tot! Kommt!“ Ich nahm Dinah und Rusty an den Handgelenken und zog sie. Oder eher, ich versuchte, sie zu ziehen. Dinah alleine ging inzwischen ganz gut, aber auch noch Rusty war zu viel. Ich ließ die beiden los: „Kommt schon!“

Die drei fuhren mir hinterher. Als wir ankamen, war über ihm schon der Sargdeckel. Es war eine große gelbe Glasplatte, das hieß, man konnte immer noch hineingucken. „Äh, Caboose, es tut mir Leid, dir das sagen zu müssen, aber das ist Jarru“, meinte Rusty. „Nein!“ „Doch“, widersprach Belle, „er hat blonde Haare.“ Sie streichelte meinen Rücken. Ich schaute fassungslos auf den toten Bremswagen vor uns herunter. Sie hatte Recht. Hatte ich mir das alles nur eingebildet? Ich hätte schwören können, dass es nicht Jarru gewesen war, den ich gesehen hatte, als ich das erste Mal geguckt hatte. Aber jetzt sah wieder alles anders aus.
Und beinahe hätte ich an eine optische Täuschung geglaubt. Bis ich Jarru sah. Nicht in seinem Grab, sondern am Tor des Friedhofseingangs lehnend. Ich riss die Augen auf: „Da hinten! Er ist nicht tot!“ Die anderen drei drehten sich in die Richtung um, in die ich zeigte. Dinah seufzte: „Caboose, da steht niemand.“ „Was ist eigentlich los mit dir?“, wollte Rusty wissen. „Da ist nichts“, stimmte nun auch Belle zu. „Von eurem Blickwinkel  aus ist ja auch der Busch davor! Kommt hierher!“ Jarru erkannte die Situation und fuhr weg. Die drei kamen näher zu mir. „Da ist nichts, Caboose.
Ich stöhnte auf.

Während ich überlegte, ob ich nicht doch einfach nur verrückt war, fuhr ich Jarru hinterher, so schnell er konnte. Denn wenn er nicht nur in meiner überforderten Fantasie existierte, war er mir eine Erklärung schuldig. Als ich zum Tor kam, hielt ich nach ihm Ausschau. Irgendwas raschelte im Gebüsch. Ohne zu denken warf ich mich darauf. Eine Auseinandersetzung mit einem heulenden Kind und seiner wütenden Mutter später fuhr ich ziellos durch die Grabfelder und suchte alles ab.
Vergeblich – fast. Denn als ich zurück zum Tor kam, stand er wieder da und sah seiner eigenen Beerdigung zu. „Aha!!“, rief ich und stürzte mich auf ihn. Doch der Waggon, der mich empört abschüttelte, war noch nicht einmal ein Bremswagen. Ich begann, ernsthaft an meiner Wahrnehmung zu zweifeln.

Dinah kam auf mich zu und umarmte mich fest: „Ich weiß ja, dass du gerne aus diesem Alptraum aufwachen würdest. Aber du musst dich mit seinem Tod abfinden. Auch, wenn es schwerfällt.“ „Nein! Er ist nicht tot! Ich hab ihn doch gesehen!“ Sie seufzte und küsste mich auf die Stirn. „Wieso glaubst du mir nicht?! Ich bin doch nicht verrückt!“ „Bist du dir da sicher?“, fragte Rusty und unter Umständen hätte ich den Scherz daran auch verstanden, aber in dem Moment war ich völlig fertig. „Ja, bin ich!“, schrie ich ihn an und rannte weg.
Das konnte einfach nicht wahr sein. Ich war mir wirklich sicher, dass er nicht tot war, finden konnte ich ihn aber auch nicht. Ich landete irgendwo, wo man normaler Weise nicht hinfahren würde, in der Nähe von der Stelle, an der mich Rusty mal abgeholt und uns beide direkt danach fast in den Tod gestürzt hatte. Ich setzte mich auf einen Stein und dachte über alles nach. Wie ich Kontakt zu Rusty halten konnte, ohne Belle sehen zu müssen und vor allem, wo dieser verflixte Bremswagen war. Ich wollte Belle wirklich nicht sehen, sie hatte alles kaputt gemacht. Ich konnte ja verstehen, dass Rusty an ihr hing, aber andererseitswollte ich nicht wieder Kontakt zu beiden herstellen. Eher …

Im nächsten Moment wäre mir fast das Herz stehen geblieben, als mich jemand von hinten an den Schultern packte. Ich schrie auf, zwei Oktaven höher als sonst. Jarru ließ sich neben mich fallen. „Du bist nicht tot, ich wusste es!“, das klang viel wütender, als ich es geplant hatte. „Ja, und es tut mir Leid.“ „Was?“ „Dass ich dich da wie den letzten Idioten stehen gelassen hab. Aber ich kann Belle nicht nochmal gegenüber stehen, es ist besser, wenn sie denkt, ich sei tot.“ „Feigling!“ Er widersprach nicht. Eine Weile Stille. „Wer ist eigentlich der Typ, der jetzt unter deinem Namen begraben wird?“ „Weiß ich nicht, aber er kommt mir gerade recht.“ „Und du klärst die nicht auf?“ „Hatte ich nicht vor.“ „Na dann.“ War ja schließlich nicht mein Problem. Ich stand auf. „Wo willst du hin?“ „Ich … äh … muss los, denn … ich muss Nachhilfe geben. Und zwar, äh, einem … Steinwaggon … im Haare machen.“ Ich fuhr weg. „Du bist ein verdammt schlechter Lügner!“, rief er mir hinterher.

Das war mir im Moment allerdings ziemlich egal. Ich wollte zu Belle, Rusty und Dinah , weil ich es nicht fair fand, dass sie nicht wussten, dass er gar nicht tot war. Atemlos kam ich bei ihnen an.
„Er lebt!“ „Caboose …“ „Nein, nichts Caboose! Er lebt wirklich! Ich hab mich eben mit ihm unterhalten!“ „Warum hast du ihn dann nicht mitgebracht?“ Weil mein Gehirn gerade zu überfordert ist, um logische Schlüsse zu ziehen. „Weil er euch nicht sehen will. Aber ich soll schöne Grüße bestellen und er lebt.“ „Sicher?“ „Ja, Belle! Hier, ruf ihn auf meinem Handy an, dann wird er denken, ich bin's und rangehen! Ich bin mir sicher, los!“ Ich hielt ihr mein Handy hin. Sie nahm es und wählte zögernd die Nummer. Eine Weile piepte es. Dann: „Anaseka.“ Vor Schreck hätte sie fast das Handy fallen gelassen. „Ich hab's dir doch gesagt!“ „Wer ist da?“ „Jarru?!?“ Es piepte nur noch. Jarru hatte aufgelegt. Belle sah aus, als hätte sie einen Geist gesehen. Was irgendwie ja auch stimmte. Und ich blieb dabei: „Ich hab's dir ja gesagt. Ich hab's euch allen gesagt. Er lebt. Ich bin nicht verrückt!“ „Ja, Caboose, du hattest mal wieder Recht“, Rusty rollte mit den Augen, „zufrieden?“ Ich nickte.
„Was … passiert denn jetzt?“, fragte Dinah, „also mit euch … und Jarru …“ Belle sah mich an und nahm meine Hände. Ich zuckte zusammen. „Verzeihst du mir?“ Ich gab keine Reaktion von mir, weil ich überlegen musste und starrte einfach nur den Gehweg an. „Bitte, du fehlst mir so! Ich hab dich immer noch so lieb, Caboose!“ Ich sah sie an und fragte mich, ob sie es wirklich wert war. Einerseits mochte ich sie, andererseits hatte sie uns alle im Stich gelassen. Ihre großen, braunen Augen füllten sich langsam mit Tränen, je länger ich wartete. Sie machte es mir nicht leicht, klar zu denken, aber ich konnte mich noch sehr gut daran erinnern, wie sehr sie mich verletzt hatte. Ich fragte mich, ob sie es wieder tun würde. Eine Träne lief über ihre Wange. Wann sie es wieder tun würde. Und fiel ihr um den Hals. Zum Glück fielen ihre Haare in mein Gesicht, sodass die anderen nicht sehen konnten, wie mir selbst eine Träne über das Gesicht rannte. Sie drückte mich fest an sich. „Aww“, meinte Dinah. Ich ging nicht darauf ein. „Es tut mir so Leid“, flüsterte Belle und ich flüsterte im selben Ton zurück: „Sollte es auch.“ Sie sah mich irritiert an. Rusty begann zu lachen. Ich ließ sie los und zuckte mit den Schultern. „Wo wohnt ihr eigentlich jetzt?“, fragte Rusty. „In Lorak bei meiner Schwester“, antwortete Dinah. „Kommt ihr zurück?“ „Nein. Wieso?“, fragte ich. „Schade“, meinte Belle, „na dann, jetzt, wo die Beerdigung abgeblasen ist, würde ich sagen, bis zum nächsten Mal.“ „Tschüss!“, rief Dinah. „Ihr kommt zurück ohne Lok?“, erkundigte sich Rusty. „Na klar!“, ich machte die Geste nach, die Rusty immer machte, wenn er pfiff. Seine Augen weiteten sich und verdrehten sich dann.
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