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Nur für einen Augenblick

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Deutschland Frankreich Italien Preussen Spanien Süd-Italien
22.01.2014
23.05.2017
41
152.237
12
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Dieses Kapitel
16 Reviews
 
 
22.01.2014 3.384
 
Vorwort

Ciao~
Die Grundidee dieser Geschichte über Spanien und Romano kam spontan, aber sie hat mich nicht mehr losgelassen, sodass ich sie einfach niederschreiben muss.
Ich habe mir felsenfest vorgenommen, diese FF zu beenden, also könnt ihr hoffentlich beruhigt sein. ^^
Zudem gibt es hier noch keine wirklich lange Spamano-Geschichte, weshalb ich mich einfach mal an einer versuche.

Über jede Rezension, beinhalte sie Kritik oder Lob, würde ich mich riesig freuen. Nur durch euch kann ich mich bessern und erhalte Motivation, an dieser FF zu arbeiten. ;)

Also ... viel Spaß nun mit dem ersten Kapitel!


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Als Lovino Vargas von dem lauten Piepton seines Weckers geweckt wurde und verschlafen gähnte, ahnte er noch lange nicht, dass in den nächsten Tagen alles schief laufen würde.
Mit einem wütenden Schlag auf die Ausstelltaste brachte er das Gerät neben sich zum Schweigen und brummte vor sich hin.
Nach einem Räkeln rieb er sich den Schlaf aus den Augen und schielte auf den stillen Wecker, der durch die grobe Behandlung etwas weiter in die Mitte des Pinientisches gerutscht war. 05:00. Sofort war er putzmunter und beim Aufstehen ließ er die rote, flauschige Decke zu Boden gleiten. Schnell hob er diese auf, knüllte sie allerdings nur zusammen, als er sie zurück auf das dunkle Sofa, von dem er sich gerade eben erhoben hatte, legte.
Das kleine Wohnzimmer, in dem er sich befand, wies gemütliche Möbel im altertümlichen Stil auf; dunkle, verzierte Holzstühle sowie eine Kommode mit Einschnitzungen, große Fenster mit Rüschengardinen und ein roter Teppich mit langen Fransen. Das Einzige, was störte, war der iMac auf dem Eckschreibtisch, denn sogar ein Bücherregal zeigte mit alten, verstaubten und teilweise handgebundenen Büchern eine Besonderheit auf.
»Scheiße...«, murmelte Lovino und rieb sich den steifen Rücken. Das Sofa war nicht gerade bequem gewesen, wie er leider feststellen musste.
Er hatte noch nie im Wohnzimmer geschlafen. Normalerweise teilte er sich mit seinem jüngeren Zwillingsbruder, Feliciano, ein Doppelbett in einem Zimmer nebenan.
Doch heute hatte es Lovino nicht riskieren können, seinen Bruder durch das Geräusch des Weckers ebenfalls aus dem Schlaf zu reißen. Er musste unbemerkt bleiben.
Auf Zehenspitzen schlich er ins Bad und schloss leise die Tür zu, bevor er sich noch wusch und Zähne putzte.
Dann griff er zu einem schwarzen Kamm und sorgte dafür, dass seine kastanienbraunen Haare gut lagen. Und das taten sie auch, bis auf eine lockige Haarsträhne, die stur zur Seite abstand. Verbissen schaute Lovino in den Spiegel. Egal, was er tat, die Strähne stand weiter ab. Doch das war eigentlich nichts neues und einige Leute meinten sogar, dass sie einfach zu ihm gehörte.
Neben dem Spiegel hing ein älteres Foto von Feliciano, auf dem dieser übers ganze Gesicht strahlte und die Arme zu den Seiten ausstreckte. Der Tag seiner Jugendweihe.
Feliciano sah Lovino ziemlich ähnlich, auch, wenn seine Haare einen etwas helleren Ton besaßen. Ihre Augen ähnelten sich ebenfalls und selbst Feliciano besaß eine abstehende Haarsträhne, die vielleicht sogar etwas größer war. Das wohl auffälligste Erkennungsmerkmal der Zwillinge.
Lovino wandte seinen Blick ab. Auch, wenn er seinen Bruder sehr gern hatte, trug Neid eine ebenso große Rolle bei. Romulus hatte nur ein Bild von ihm aufgehängt und Lovino vernachlässigt...
Energisch verwarf Lovino den Gedanken, bald würde es ihn sowieso nicht mehr interessieren. Er spritze sich noch einmal mit kühlem Wasser über das Gesicht, um vollkommen munter zu werden und verließ das Badezimmer mit frischen Klamotten. Nun trug er statt nur der gelben Unterhose eine neue Jeans und ein hellbraunes T-Shirt mit schwarzem Aufdruck.
Zurück im Wohnzimmer nahm Lovino kurz entschlossen einen dunkelbraunen Rucksack, überlegte noch einen Moment und packte vorsichtshalber eine Taschentuchpackung dazu.
Als hätte er noch etwas vergessen, griff er zu einem Zettel und einem Stift, bevor er sich noch einmal niederließ. Kurz nachdenkend ließ Lovino den Stift über das Papier gleiten, las ein zweites Mal die Nachricht und unterschrieb noch mit seinem Namen.
Mit schwerem Herzen, doch immer noch bedacht, sich leise wie ein Spion zu bewegen, drückte Lovino die Tür zu dem Zimmer auf, in dem sein kleiner Bruder friedlich schlief.
Im ganzen Raum lagen Bücher oder Zettel verteilt und es machte einen Eindruck, als würde eine eher liederliche Ordnung herrschen. Doch einige Teile des Zimmers waren überraschend so aufgeräumt, dass es sich merkwürdigerweise widersprach.
So als würde der eine aufräumen, was der andere immer wieder liegen ließ.
Feliciano lächelte sogar im Schlaf und sein zartes Gesicht hatte gewisse feminine Züge. Lovino wirkte eher ernst und lächelte sehr selten, dass man sich schon aus ganzem Herzen freuen musste, wenn er es doch einmal tat.
Lovino betrachtete Feliciano,  so wie er alle Viere von sich gestreckt fast das ganze Bett für sich beanspruchte, während die Decke beinahe vollkommen auf der Erde lag.
»So ein Trottel«, stellte Lovino fest, doch aus irgendeinem Grund zuckten seine Mundwinkel beinahe nach oben.
Er atmete einmal ein und aus, bevor er den eben geschriebenen Zettel aufgeschlagen auf die Bettseite legte, auf der eigentlich er schlief. Feliciano musste ihn einfach finden, auch wenn er ein kleiner Schussel war.
Die Buchstaben auf dem Papier wirkten so groß, dass Lovino sie sogar von weiter weg noch lesen konnte.

Feliciano,

ich werde wiederkommen.
Ganz bestimmt.

Lovino


Ein knapper, jedoch umso deutlicherer Brief.
Sogar sein trotteliger Bruder musste verstehen, was damit gemeint war.
Noch einmal schaute Lovino zurück, als er die Haustür hinter sich ins Schloss fallen ließ. Das kleine, eher unscheinbare Reihenhaus vermisste er aber nur solange, wie er an Feliciano dachte. Bei dem Gedanken, Romulus zu verlassen, musste er aber unwillkürlich grinsen. Fies grinsen.
Immer hatte sein Großvater den lieben und niedlichen Feliciano bevorzugt und verhätschelt. Dieser wurde dadurch allerdings weder selbstsüchtig noch verzogen, sondern behielt seine äußerst gutmütige Art und die Fähigkeit, andere Menschen zu bezaubern, bei. Und das, obwohl er jetzt schon 16 war.
Romulus erwähnte häufig den Namen seines „süßen kleinen Enkels Feli“, während er Lovinos Namen meistens nur am Rande fallen ließ.
Ob Lovino es wollte oder nicht: er war neidisch.
Wären seine Eltern nur noch hier, dann...
Mit einem Ruck kehrte Lovino seinen Kopf wieder um und fixierte seine Gedanken allein auf das, was jetzt kommen würde. Schnell zog er einen Schlüssel aus der Hosentasche und machte jenes Fahrradschloss, das auf der anderen Straßenseite an einer Laterne ein mittelgroßes, stink normales Fahrrad, auf. Früher hatte er sich immer ein Mountainbike gewünscht, Geld dafür war jedoch niemals da gewesen.
Lovino erblickte außerdem einen nicht allzu schönen Helm, setzte ihn jedoch nach kurzem Zögern trotzdem auf. Dieser sah ziemlich albern aus, mit seinem Schwarz und den roten Punkten, aber sicher ist sicher.
Zufrieden schwang er sich auf das schwarze Rad, den Rucksack auf dem Rücken.
Nun musste er nach vorn blicken. Bald würde alles besser sein.

Um möglichst schnell an seinem Ziel anzukommen, trat Lovino heftig in die Pedale.
Er fuhr seitlich auf der Straße, obwohl neben dem Gehweg ein schmaler Streifen für Radfahrer eingerichtet war, der jedoch von den vielen Menschen einfach ignoriert und als Weg genutzt wurde. Lovino wollte niemandem über die Füße fahren.
Der Fahrtwind ließ seine Haare gleichmäßig nach hinten wehen und kühlte sein Gesicht vor der Wärme der Luft.
An einer modernen Häuserreihe bog er links ab und fuhr durch eine Straße mit kleinen Läden. Schon in kurzer Zeit würde er die vertraute Gegend hinter sich lassen.
Etwas wie Wehmut breitete sich in ihm aus, wurde bei dem Gedanken an seine hoffentlich glücklicheren Jahre jedoch wieder verdrängt. Er konnte nur nicht glauben, Feliciano einfach zurückgelassen zu haben - aber er würde ja nach ein paar Jahren zurückkehren. Zumindest plante er es ein.
Beim Fahren fiel Lovinos Blick plötzlich auf einen Elektronikhandel. Kurz dachte er an Handys und da fiel es ihm ein. Man konnte doch ganz einfach sein altes Handy orten und ihn somit aufspüren! Oder etwa nicht?!
»Dass ich auch erst jetzt darauf komme, verdammt«, murmelte Lovino und machte kurz entschlossen einen Schlenker zu dem Laden.
Inzwischen war es 07:00. Glück gehabt, denn das Geschäft hatte vor ein paar Minuten geöffnet.
Um nicht zu viel von dem ersparten Geld auszugeben, entschied sich Lovino für eines der billigsten: ein gutes altes Nokiahandy mit Tasten.
Der Verkäufer guckte den Jugendlichen einen Moment verdutzt an, als Lovino ihm mitteilte, welches Gerät er kaufen wollte.
»Entschuldigung junger Mann, aber dürfe ich mir zu fragen erlauben, wie alt Sie sind?«, fragte dieser mit der typischen Stimme eines Marklers.
»Eigentlich nicht«, entgegnete Lovino trocken. »Ich wollte ein Handy kaufen und keine Gespräche an der Kasse führen.«
Der Mann hinter dem Tresen schluckte deutlich und versuchte, sein freundliches Lächeln beizubehalten.
»Hm, ich dachte mir nur, dass Teenager eher Smartphones mit ihren wahnsinnig vielen Vorteilen bevorzugen!«
»Interessiert mich nicht. Ich will das Nokia.«
»-die Technik entwickelt sich immer weiter und es ist schon erstaunlich-«
»Geben sie mir einfach das verdammte Handy und besorgen Sie sich gefälligst einen Partner, wenn Sie so einsam sind, um zu denken, sich mit fremden Jungendlichen an der Kasse unterhalten zu müssen!«
»Oh, ähm, kein Problem...« Plötzlich hatte der Kassierer überhaupt keine Hemmungen mehr, das gewünschte Gerät aus der Vitrine zu angeln.
Nach gefühlten vierzig Minuten verließ Lovino das Geschäft mit einem neu gekauften Handy in der Hosentasche. Er hatte sich sogleich einen Tarif besorgt und Startguthaben gesichert.
Gleich danach suchte der Italiener nach seinem alten Handy im Rucksack, wurde nach längerem Kramen jedoch nicht fündig. Stirnrunzelnd ging er zu seinem Fahrrad und sah noch einmal im Licht in das Innere des Beutels, doch dort war nicht das verlangte Gerät.
Lovino hätte sich am liebsten an die Stirn geschlagen, als ihm einfiel, dass er sein altes Handy noch an die Steckdose gestöpselt hatte, um es aufgeladen mitzunehmen.
Früher oder später hätte er zwar ein Handy gebraucht, doch er hätte sich nicht jetzt damit plagen müssen, hätte er gewusst, sein altes vergessen zu haben und somit keine Angst haben zu müssen, geortet werden zu können.
Er dachte daran, dass Feliciano nun auf dem Weg zur Schule sein müsste. Oder der Abschiedsbrief seines Bruders hatte ihm solch eine Schock verpasst, dass er schluchzend versuchte, ihn anzurufen oder sogar hilflos durch das Haus rannte. Ihm war alles zuzutrauen.
Das stimmte den sonst so kühlen Lovino etwas traurig, doch er tröstete sich damit, nach ein paar Jahren viel Zeit mit Feliciano zu verbringen. Am besten nach dessen guten Schulabschluss, wenn dieser weiter dranblieb.

Glücklicherweise kannte Lovino noch ein paar Nummern auswendig, die er in seine neue Kontaktliste einspeichern konnte. Zuerst Felicianos. Irgendwann würde er ihn anrufen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war.
Dann fiel ihm noch Marcos Nummer ein.
Marco Lunardi. Er würde für Lovino in Zukunft eine große Rolle spielen.
Lovino hatte ihn als seinen Onkel bezeichnet, obwohl sie sich verwandtschaftlich überhaupt nicht nahe standen. Doch für ihn war er längst so etwas geworden.
Erneute Motivation stieg in Lovino auf. In ein paar Tagen würde er sein altes Leben endlich hinter sich lassen können. Wenn er Glück hatte, wäre Romulus sogar froh genug, ihn los zu sein, und würde eine Anzeige unterlassen. Aber... was wäre, wenn nicht...?
Lovino schauderte. Das würde ihm einen Strich durch die Rechnung ziehen. Doch je mehr er überlegte, desto weniger glaubte er daran.
An der nächsten Kreuzung bog er  rechts ab, um dann der Hauptstraße zu folgen.
Als Fahrradfahrer hatte man es gut; während die Autos sich nur langsam hupend durch das Zentrum quälten, bahnte sich Lovino durch die Lücken einen Weg vorwärts.
Schöne, alte und dennoch erhaltene Häuser zogen links und rechts vorbei, doch Lovino interessierte diese Schönheit schon lange nicht mehr.
Erfreut stellte er fest, dass er nur noch ein paar Minuten vor sich hatte, um zum überfüllten Bahnhof zu gelangen.
Lovino stieg von seinem Fahrrad und schob es neben sich her. Nun, im Bahnhof, konnte er sowieso nur noch zu Fuß weiter kommen.
An einem Bäcker kaufte er sich ein belegtes Brötchen für die Fahrt. Selbstverständlich mit vielen Tomaten.
Auf den mit Fliesen besetzten Boden schlängelte sich Lovino durch die Touristen, die zum Ausgang stürmten. Er musste stöhnen. Wie er sie hasste, diese Touristen, mit ihren großen Fotoapparaten und Sonnenbrillen. Um diese Jahreszeit konnte man sie einfach überall antreffen, vor allem wenn ihre Tätigkeit darin bestand, kleine gemütliche Cafés zu verstopfen und mit schlechtem Englisch oder einzelnen italienischen Wörtern, die sie aus ihrem Reiseführer ablasen, Bestellungen durch das Stimmengewirr zu rufen.
Besonders die deutschen Touristen schienen es zu lieben, Italien zu besichtigen.
Kein Wunder, Deutschland ist ja auch kalt und öde, dachte Lovino.
An der großen, blauen Anzeigetafel stoppte er schließlich seinen Gang. Lovinos bernsteinfarben schimmernde Augen überflogen die Anzeigen. Er suchte den ICE nach Siena, einer Stadt südlich von Florenz, der 10:32 abfahren sollte, doch auch beim dritten Lesen wurde er nicht fündig.
Verwirrt zog Lovino sein beinahe überquellendes Portmonee aus dem Gepäck, um ihm die im Internet vorbestellte Fahrkarte zu entnehmen.
Gründlich las er nochmal alles durch und musste feststellen, dass dort eindeutig das stand, was er erwartete, nämlich von Rom nach Siena um 10:32. So weit, so gut. Dann stockte Lovinos Blick an dem Datum des Tickets: 27.03.
Ein mulmiges Gefühl breitete sich in seinem Magen aus und er zwang sich, auf das Datum der Anzeigetafel zu spähen: 26.03.
Lovino konnte sich nicht mehr halten. »Wieso musste das jetzt mir passieren?! Scheiße, Scheiße, SCHEISSE!!«
Einige Passanten guckten entsetzt den Ausbruch des jungen Italieners an, der nun auf den Boden sank und die Hände am Hinterkopf verschränkte, während er Haufenweise Flüche ausspuckte. Die Einzigen, die sich eher verwirrte Blicke über die merkwürdigen, unverständlichen und dazu sehr laut ausgesprochenen Worte zuwarfen, waren die von Lovino verhassten Touristen.
Lovino wusste, dass er jetzt nicht einfach wieder zu Hause aufkreuzen konnte, als wäre nichts geschehen. Feliciano musste den Brief entdeckt haben, das war garantiert. Wenn er jetzt wieder zurückkam, war die Chance auf eine erneute Flucht verspielt.
Was sollte er nur tun? Aufgeben?
Nein. So einfach gab Lovino natürlich nicht auf.
Er schnappte sich sein Fahrrad und bahnte sich einen Weg ans Tageslicht.
Erneut auf der Straße herumkurvend versuchte sich der Brünette daran zu erinnern, wo in dieser großen Stadt sein Freund Kyle wohnte. Was die Orientierung anging, vertraute er ganz auf sich selbst.
Er würde bei Kyle übernachten und sich einfach am nächsten Tag aufmachen, um sein erstes Ziel, Siena, zu erreichen.
Kyle stammte mit seiner Familie aus Australien und weder Feliciano noch Romulus kannten ihn, was wiederum einen Vorteil versprach.
Zufrieden mit sich selbst musste Lovino grinsen. Okay, er hatte es zwar vermasselt, genau auf das Datum zu achten und musste nun einen ganzen Tag auf der faulen Haut liegen, doch das bestärkte nur seinen Willen zur Flucht.
An der richtigen Tür angelangt klingelte Lovino zweimal und blickte sich um. Momentan befand er sich in einem Gebiet mit Einfamilienhäusern, hatte nach dem richtigen Namen gesucht und war schließlich fündig geworden.
Es dauerte nicht lange, da öffnete ihm ein Junge, der etwas größer als er selbst war. Dieser trug das Trikot einer eher unbekannteren Fußballmannschaft und seine zerzausten braunen Haare standen in alle Richtungen ab. Zudem war seine Haut gut gebräunt und seine blassgrünen Augen blicken überrascht nach vorn. Über seinem Nasenrücken klebte ein helles Pflaster.
»Hey Kyle«, sagte Lovino knapp.
»L-Lovino, wir haben uns aber lang nicht mehr gesehen! Wie kommts denn, dass du so plötzlich auftauchst? Ich hätte dich gern früher mal wieder gesehen, aber du hast mir ja nicht einmal deine Handynummer gegeben und-«
»Darf ich reinkommen?«
»Ähm, sicher.«
Kyle trat zur Seite, um seinen alten Freund ins Haus zu lassen.
»Meine Eltern sind zur Zeit nicht da, nur meine kleine Schwester, aber die beschäftigt sich in ihrem Zimmer mit irgendwas.«
Lovino ließ sich einfach, als wäre er hier heimisch, gemütlich auf der Couch im Wohnzimmer nieder und starrte in die Glotze. Eine aus seiner Sicht langweilige Sitcom wurde präsentiert. Die benutzten doch sowieso immer die alten, ausgelutschten Witze.
Kyle setzte sich neben ihn.
»Ach komm schon, Lovino, du kannst mir doch wenigstens verraten, wieso du so plötzlich hier bist!«, fing Kyle noch einmal bettelnd an.
Da musste Lovino einsehen, dass er nicht einfach nur Schweigen konnte. Auch, wenn er Kyle am liebsten ein genervtes „Halt die Klappe!“ an den Kopf geworfen hätte, unterließ er es lieber.
»Kann ich dir vertrauen?«, fragte er stattdessen direkt.
Die Antwort kam prompt. »Aber natürlich! Wir sind doch schließlich Freunde! Also, äh, dachte ich...«
»Gut. Ich habe mich entschlossen, für die nächsten Jahre zu meinem Onkel zu ziehen, um es endlich nicht mehr bei meinem Großvater aushalten zu müssen.«
Kyle machte erstaunlich große Augen. »Und was ist mit deinem Bruder?«
»Feli kommt auch sehr gut ohne mich klar. Und ich hab ja nicht gesagt, dass ich niemals wiederkommen werde. Nach seinem Schulabschluss werde ich sowieso vielleicht mit ihm zusammenziehen.«
»Du hast ja merkwürdige Zukunftspläne. Aber na ja, wo wohnt dein Onkel denn?«
»In Turin.«
»Turin?! Dann musst du ja ewig mit dem Zug fahren und ’ne Menge Geld hinblättern.«
»Egal, ich habe gespart.«
Kyle wusste nicht ganz, was er in diesem Moment von Lovino halten sollte. Noch vor ein paar Monaten haben sie sich regelmäßig gesehen, da sie eine Klasse besucht hatten. Lovino war ein Jahr jünger als er, hatte aber trotzdem schon mit seinem Zwillingsbruder letztes Jahr die 10. Klasse besucht. Feliciano war zu dieser Zeit Schüler der 10a und Lovino der 10b.
Doch dann hatte Lovino die Schule aus unerfindlichen Gründen beendet.
»Und wieso bist du gerade heute bei mir? Wolltest du dich noch verabschieden? Hast du mich etwa vermisst?«
»Als ob, du Idiot.«
»Na, deine Freundlichkeit hast du jedenfalls nicht verloren.«
Eigentlich hatte Lovino zur Zeit überhaupt keine Lust auf ein Gespräch, aber wenn er die Nacht hier bleiben wollte, musste er sich zusammenreißen.
»Erst einmal... darf ich heute bei dir übernachten?«
»Gern, ich klapp dann in meinem Zimmer einfach das Sofa aus.«
»Gut, dann kann ich es dir auch erzählen... Also... ich habe mir ein Zugticket nach Siena besorgt, jedoch nicht auf das Datum geachtet und war blöderweise einen Tag zu früh dran. Mein Zug fährt erst morgen.«
Kyle fing an zu lachen, was Lovino empörte. »Hey, das ist nicht lustig, Dummkopf!«
»Doch, irgendwie schon. Es passt so zu dir!«
»Ach, sei einfach still!«
Als Kyle endlich das Lachen einstellte, hob er eine seiner leicht buschigen Augenbrauen, während er fragte: »Meinst du, das mit deiner Flucht wird überhaupt klappen?«
»Natürlich wird es klappen, sonst-«
»Ich meine, du kannst doch nicht einfach so von dem Mann abhauen, der dein Sorgerecht hat. Du bist noch nicht 18!«
»Pah«, stieß Lovino aus. »Romulus interessiert sich doch gar nicht für mich. Der wird froh sein, wenn ich weg bin.«
»Na, da bin ich mir aber nicht so sicher...«
»Wenn ich es mir bin, reicht es.«
»Lovino, es kann gut sein, dass jemand aufmerksam darauf wird, wenn du weg bist. Wenn das Jugendamt davon Wind kriegt, musst du so oder so wieder zurück.«
»Die könn’ mich mal.«
»Und was ist mit deinem Bruder?«
»Ich habe einen Brief dagelassen. Und ich werde ihn anrufen. Der ist sowieso zu trottelig für 'ne Anzeige.«
Kyle seufzte. Aber gut, er konnte Lovino nicht abhalten. Sollte er doch tun, was er für richtig hielt, auch wenn er es bereuen würde.


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Vielen Dank fürs Durchlesen! *^*

Es tut mir leid, dass ich Opa Rom als schlechten Menschen dargestellt habe. T_T Aber anders geht’s leider nicht.

Warum ich eigentlich den Titel »Nur für einen Augenblick« gewählt habe? Tja, lasst euch überraschen. xD

Romano und Australien haben eigentlich überhaupt nichts miteinander zu tun, aber ich wollte ihn und Wy einfach mal auftreten lassen. Ich mag sie. ^^
Zu den Italien-Brüdern: Mir ist durchaus klar, dass die beiden als Länder eigentlich keine Zwillinge sind, aber für diesen AU hielt ich es für sinnvoller, sie doch als solche darzustellen. Erstens teilen sie sich ein Geburtsdatum und es wäre ein zu großer Zufall, hätten sie diesen als Menschen auch; zweitens (und nun der Hauptgrund) hätte ich Feliciano 2-3 Jahre verjüngen müssen, wären sie keine Zwillinge. Da das überhaupt nicht passend war, ist es eben nicht so.
Ich hoffe, das ist kein Problem für euch. Ich spiele ja auch mit dem Alter der anderen, also... ^^
Bis (hoffentlich) bald! :)
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