Lone Ranger-Eine andere Version

GeschichteAbenteuer / P16
20.01.2014
02.11.2014
17
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So, schön, dass Du zu meiner Geschichte gefunden hast :)
Ich will garnicht lange rumquatschen (das große Nachwort kommt dann später :D ), wünsche Dir viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass Dir meine Lone Ranger-Version gefällt!





Colby, Texas 1869
Die heiße Luft stand wie eine wabernde Wand über der Erde und ließ die Umgebung vor den Augen verschwimmen. Hier gab es nichts, außer Sand und Staub.
Das klirrende Aufprallen der Hämmer und Hacken auf die Schienen zog sich als eintönige Melodie durch die Luft und wurde nur kurz unterbrochen, wenn sich einer der Arbeiter stöhnend aufrichtete, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.
„Ich halte dies für das wichtigste Unterfangen auf Gottes Erde“, rief der Mann und schaute eindringlich in die Menge, die sich vor seinem Rednerpult versammelt hatte.
Rebecca stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte über die Köpfe hinweg etwas zu erkennen.
„Nun kann die Vereinigung unseres großartigen Landes endlich vollzogen werden. Durch die Eisenbahn!“ Stolz deutete der Mann hinüber zu den schmorenden Arbeitern, während die Menschenmenge jubelnd in Applaus ausbrach.
Mit misstrauisch zusammengekniffenen Augen beobachteten zwei indianische Reiter stumm das Geschehen.
„Und den Komanchen möchte ich sagen“, fuhr der Redner fort, „ihr habt nichts zu befürchten. Denn solange Frieden herrscht, werden alle Territoriums-Verträge geachtet.“
Ein kurzes Nicken, dann verschwanden die Krieger so leise, wie sie gekommen waren.
Während die sich die Menschenmasse langsam wieder teilte und in kleinere Grüppchen verlor, zog der Mann eine Uhr aus seiner Tasche und klappte sie auf.
Hätte man die Uhr auch irgendwo im Staub auf dem Boden gefunden, man wüsste trotzdem, dass es seine Uhr sein musste. Das edle Silbermodell, das feine Kettchen, an dem er sie aus der Tasche gezogen hatte; es passte einfach.
Mit zusammengekniffenen Augen starrte er einen Moment auf das Ziffernblatt und hastete dann eilig in die Menge davon.

Kritisch schüttelte Rebecca den Kopf und sah sich nach ihrem Sohn um.
Danny schlängelte sich eilig durch die Menschenmengen und blieb mit leuchtenden Augen vor einem der Läden stehen, die ihr Angebot draußen ausgebreitet hatten.
„Nun Danny? Gefallen dir die Sachen?“ Der Mann.
Mit einem großväterlichen Lächeln hatte er sich zu dem Jungen hinunter gebeugt und schaute ihn freundlich an.
„Hey!“, rief Rebecca, die ihr Kind endlich entdeckt hatte und kam eilig zu ihnen herüber.
„Was machen sie mit meinem Sohn?!“
„Oh, Mrs. Reid! Ich würde ihnen doch nie etwas Böses wollen. Sie haben nur so ein entzückendes Kind.“
Freundlich wandte er sich ihr zu.
„Oh, Mr. Cole, ich…“
Beschämt sah sie auf den Boden. Brüllend auf einen wichtigen Mann der Eisenbahngesellschaft zuzulaufen, schickte sich natürlich ganz besonders.
„Ach Rebecca, wir können uns doch duzen. Und bei dieser Hitze ist es doch kein Wunder, wenn frau da ein bisschen spinnt.“
Mit einem begehrlichen Glänzen in den Augen grinste er sie an. Leicht angeekelt wich sie ein paar Schritte zurück und zog Danny an ihre Seite
„Nun, Mr. Cole, vielleicht haben sie Recht und ich würde sehr gerne noch weiter plaudern, doch wir müssen jetzt los. Es war wirklich nett.“
Rebecca rang sich ein höfliches Lächeln ab und verschwand mit ihrem Kind zwischen den Menschenmassen.
Mr. Cole verfolgte Mutter und Kind mit seinen hellgrauen Augen, bis sie hinter einer Straßenecke verschwunden waren. Dann drehte er sich um und verschwand.



Colby, Umgebung

„Hoh!“, brachte er sein Pferd abrupt zum Stehen, die Männer hinter ihm folgten seinem Beispiel. Die Gruppe von Reitern stand jetzt auf einem kargen Hügel, von welchem man auf ein Tal blicken konnte, das von einer langen Zugstrecke durchzogen war.
„Was is' den jetzt, Bill?“, schnauzte einer der Männer.
Er trug einen verfilzten, grauen Hut und ein Halstuch, dessen Farbe man vor lauter Staub und Dreck nur noch erahnen konnte.
„Fresse!“, bellte der Vordere zurück. Die Augen mit der Hand schützend, ließ er seinen Blick umherschweifen, als würde er auf etwas warten. Da erschien plötzlich dampfend ein Zug und fuhr durch das Tal.
„Ahh! Pünktlich isser ja“, grinste einer der Reiter. "Na los! Butch wartet nicht!"
Dann gaben sie ihren Pferden die Sporen und jagten den Hügel hinab, dem Zug hinterher.



Colby, Bahnhof

Dan lehnte sich an den Türrahmen und stöhnte. Die Hitze drückte wie ein schweres Gewicht auf seine Schultern und ließ seine Gedanken zu einer zähen Masse verlaufen. Er sollte also nun den Irren in Empfang nehmen.
Und die Jungs stellten auch nur dumme Fragen
Dan, wie glaubst du ist das? Dan, was meinst du?
Mit einem genervten Seufzen fuhr er sich durch die Haare.
„Dan?“
„Was?!“, knurrte er zurück.
„Dan, man sagt, Butch will Rache an dir nehmen.“
„Wenn er hier erst mal gehenkt wurde, kann der nichts mehr nehmen.“
„Ja, aber falls er nicht gehenkt wird? Was, wenn nicht? Immerhin hast du ihn zweimal hinter Gitter gebracht. Dan, was machst du dann?“
Er verschränkte die Arme hinterm Kopf und seine Gedanken schweiften kurz zu seinem Bruder. Anwalt, pah!
"Ich bin der beste Texas-Ranger in der ganzen Umgebung! Wovor sollte ich mich schon fürchten?", entgegnete er nach einer kurzen Pause und bohrte sich in sein Gegenüber. In seiner schwang etwas Stolzes, geradezu Tollkühnes mit.
"Stimmt, Dan, weißt du? Hast recht. Dem besten Texas-Ranger macht nichts etwas aus."
"Mhm", murmelte der beste Texas-Ranger nur und schaute starr auf einen Punkt, weit in der Ferne am Horizont.
Natürlich nicht.
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