Fröhliche Weihnacht überall

von Mimi1984
GeschichteAllgemein / P12
Anne Shirley/Blythe
18.01.2014
18.01.2014
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Disclaimer: Die Originalcharaktere gehören Lucy Maud Montgomery (1874-1942).

Ich borge mir die Figuren für die FF nur aus und verdiene kein Geld damit.

A/N: Die Geschichte ist schon etwas älter, sie stammt aus dem Jahr 2006.

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Anne verbrachte eine ruhige Adventszeit in Pattys Haus. Seit zwei Jahren wohnte sie, zusammen mit ihren Studienfreundinnen Priscilla Grant, Philippa Gordon und Stella Maynard dort. Alle jungen Frauen lernten fleißig und bestanden die Prüfungen mit ausgezeichneten Noten. Für einige Zeit gab es nichts zu lernen, da die Weihnachtsferien unmittelbar bevorstanden.

„Ich freue mich schon darauf, meinen Verlobten Jonas Blake wiederzusehen.“, meinte Philippa, allgemein Phil gerufen, als die jungen Frauen eines Abends gemeinsam im Wohnzimmer saßen und es sich gemütlich machten. Das Feuer knisterte im Kamin. Auf dem Tisch stand ein Teller mit Plätzchen. Hungrig griff Stella zu. Daher konnte sie auf Phils Aussage hin nur mit dem Kopf nicken.

„Wenn nur Bolingbroke nicht so weit weg wäre.“, stimmte ihr Anne zu. Sie war dort geboren worden. Davon wussten Phil, Stella und Priscilla jedoch nichts. „Ich kann dich gut verstehen. Schließlich muss es, nach deinen Beschreibungen, ein schöner Ort sein. Ich wäre auch gerne bei meinem Verlobten. Gilbert Blythe. Wir kennen uns bereits aus Avonlea, er studiert am Redmond College Medizin.“

Stella riss die Augen erstaunt auf: „Anne, davon hast du uns ja noch nie etwas erzählt. Kein Wunder, in den letzten Wochen waren wir ja alle derart beschäftigt, dass wir fast zu nichts anderem als dem Lernen gekommen sind. Dazu noch der Haushalt und hier und da eine kleine Party, schwups schon ist die Adventszeit vorüber. Ich möchte gerne mehr über Gilbert Blythe erfahren. Und Pris sicher auch.“

Diese hielt sich im selben Augenblick in der Küche auf, um noch etwas Tee zu kochen. Gut, dass Pattys Haus dünne Wände hatte, so bekam Priscilla von diesem Gespräch doch etwas mit. Vorsichtig stellte sie die Teekanne auf das Tablett und legte die Zuckerschale dazu. Dann begab sie sich zu ihren Freundinnen ins Wohnzimmer zurück. Phil stand auf und blickte aus dem Fenster. Gedankenverloren drehte sie den Verlobungsring an ihrem Finger hin und her. Jonas hatte ihn ihr vor wenigen Wochen zu ihrem 20. Geburtstag mit den besten und herzlichsten Wünschen geschenkt.

Draußen rieselte der Schnee. Nur wenige Leute hielten sich auf der Straße auf. Es herrschte eine Hektik, die Anne nicht behagte. Sie vermisste, auch wenn sie es nach außen hin nicht zugab, das ruhige und beschauliche Leben in Avonlea. Alles ging dort seinen gewohnten Gang wie schon seit vielen Jahren. Technischen Neuerungen z.B. ein Telephon fanden dort keinen Platz.

Anne setzte sich in ihrem Stuhl zurecht. Ihre Hände umklammerten die Teetasse. Dann begann sie zu erzählen: „ Gilbert und ich besuchten viele Jahre die Schule in Avonlea. Wir verstanden uns anfangs nicht besonders gut. Lange Zeit schrieb ich alleine die besten Noten, niemand kam an mich heran. Da tauchte, wie aus heiterem Himmel Gilbert eines Morgens auf. Er hatte eine Prüfung nicht bestanden und musste daher die Klasse wiederholen. Seine Platz fand er direkt hinter mir .....“

Phil antwortete: „Nun das hört sich doch eigentlich nicht schlecht an. Doch was geschah dann? Wie kam es, dass du ihn nicht mochtest? Was hatte er dir getan? Bitte erzähl weiter, ich bin gespannt.“
Anne nahm einen großen Schluck von ihrem Tee und hustete. Er war noch warm, sie konnte ihn erst wenige Minuten später in Ruhe austrinken. Priscilla hatte sich große Mühe damit gegeben, was ihr ein Lob von allen Seiten her einbrachte. Dabei war sie im Haushalt sonst eher wenig begabt. Auch sie bat darum, dass Anne die Geschichte weiter – ja vielleicht sogar – zu Ende schilderte.

„Nun ja, das ist nichts schlimmes. Die Schule von Avonlea besuchen Jungen und Mädchen.“, versuchte sie ein wenig von dem Streit mit Gilbert, der ja schon eine Weile zurücklag abzulenken.“ Wo war ich stehengeblieben? Gilbert schien aus seiner Niederlage eine Lehre gezogen zu haben. Bei der nächsten Prüfung, es war Geometrie wenn ich mich richtig erinnere, las Mr. Philipps die Ergebnisse , wie es damals üblich war, der ganzen Klasse laut vor: „Anne Shirley: 98 Punkte, Gilbert Blythe. 100 Punkte.“

Ich war wie vom Blitz getroffen. Ein fremder Junge, den ich kaum kannte, war in der Schule besser als ich. Er schien es zu merken, dass ich mich ärgerte. Plötzlich stand er vor meinem Platz und meinte:“ He, Karotte, du kannst wohl eine Niederlage nicht verkraften.“
Sein Spott war zuviel für mich. Ich nahm meine Schiefertafel und schlug sie Gilbert auf Kopf. Mr. Philipps hatte alles beobachtet. Zur Strafe musste ich den Nachmittag über in der Schule bleiben und zusätzliche Aufgaben schreiben. Gilbert wurde nicht bestraft und trat pfeifend den Heimweg an.“

Anne schilderte weiter, wie sie Gilbert nach Möglichkeit aus dem Weg ging. Niemand konnte sie von ihrem Hass abbringen, nicht einmal ihre Pflegemutter Marilla Cuthbert oder ihre beste Freundin Diana Barry, die nicht studierte, sondern zu Hause lebte und hauswirtschaftliche Dinge lernte.
„Wie kam es dann zur Versöhnung?“, wollte Phil neugierig und interessiert wissen. Sie fand diese Geschichte viel spannender, als ihre eigene Verlobung, die ja nicht gerade unwichtig für sie war.

„Lass dir Zeit.“, meinte Anne. Sie trank ihren Tee fertig. Dann griff sie noch einmal zu den Plätzchen. In der Ecke stand der Weihnachtsbaum. Er sollte am nächsten Tag geschmückt werden. Stella und Priscilla konnten nicht nach Hause fahren, da sie zu weit weg wohnten. Also blieben sie über Weihnachten in Pattys Haus. Im Laufe der Jahre hatten sie sich daran gewöhnt.

Anne räusperte sich, um damit anzuzeigen, dass sie ihre Geschichte fortsetzte: „Es war damals ebenfalls ein Weihnachtsabend. Der Streit hatte ja unter dem laufenden Schuljahr stattgefunden, dies erwähn’ ich eher am Rande. Nun ja, die Zeit verging, wir wurden älter. Vielleicht auch ein wenig reifer. Eines Tages überredete ich Diana Barry mit mir zum Schlittschuhlaufen zu gehen. Ihre Eltern besitzen einen Weiher. Dieser friert zu, sobald der erste Schnee fällt und die Vögel in den Süden ziehen.“

Stella blieb vor Staunen der Mund offen stehen. In ihrer halb ausgestreckten Hand befand sich ein Plätzchen. Auch Priscilla erkannte verblüfft, wie gut Anne dieses Erlebnis schildern konnte.
„Diana und ich glitten also auf dem Eis dahin.“, ging es weiter. „Wir hatten uns die Schlittschuhe von Mr. Barry – also Dianas Vater – anfertigen lassen. Er tat uns gerne diesen Gefallen.

Die Sonne stand zwar am Himmel, doch es war eiskalt draußen. Ich versuchte, eine Kurve zu drehen. Auf einmal machte es „Kracks“ und ich steckte im Eis fest. Verzweifelt rief ich um Hilfe. Diana konnte mich nicht herausziehen, obwohl sie sich sehr bemühte, ihre Kräfte waren zu schwach. Gemeinsam versuchten wir, mich aus dieser misslichen Lage zu befreien. Wir schrieen so laut wir konnten.

Am Horizont tauchten zwei junge Männer auf. Sie kamen langsam näher und hatten, ich weiß nicht woher, ein Seil dabei. Diana lief ans Ufer zurück, um den Männern Bescheid zu sagen. Erst im Näherkommen erkannte sie, dass es Gilbert Blythe und Charlie Sloane, unsere Schulkameraden waren. Diana berichtete mir davon, doch ich war so schwach, dass ich es nicht zur Kenntnis nahm.

Charlie befestigte das Seil an einem Baumstumpf. Dann nahm Gilbert das freie Ende in die Hand und ging langsam auf mich zu. Behutsam legte er mir das Seilende um die Taille und zog mich heraus. Ich war so durchgefroren, dass ich nur mit den Zähnen klappern und kaum „Danke“ sagen konnte.
„Es tut mir leid, dass ich dich geneckt habe. Wollen wir Freunde sein?“, erkundigte sich Gilbert besorgt
und streckte mir, als wir wieder am Ufer waren, seine Hand entgegen.

Erst wollte ich ihm nicht verzeihen, doch dann sah ich in seine braunen Augen. Vom ersten Blick an war ich davon fasziniert. Gilbert war der Prinz von dem ich oft geträumt hatte. Gerne nahm ich sein Angebot an. Beinahe hätten wir uns geküsst, doch Charlie und Diana wären damit wohl nicht einverstanden gewesen. Zu viert schlenderten wir zur Farm der Barrys. Der Mond strahlte vom Himmel. Gilbert flüsterte mir zu, dass er solche Spaziergänge gerne mochte. Ich war sehr überrascht.

Allmählich fing ich an, Gilbert mit anderen Augen zu sehen. Wir stellten viele Gemeinsamkeiten im Laufe der Wochen und Monate fest, als wir über Gott und die Welt sprachen. Gilbert ist eine verwandte Seele, zu dieser Erkenntnis kam ich nach gründlichem Nachdenken.“

Priscilla griff nach einem Taschentuch. Auch in Stellas Augen schimmerten Tränen. Selbst Phil, die sonst eher nüchtern war und sich selten Gefühlsausbrüche anmerken ließ, blieb von Annes Geschichte nicht unberührt.
„Das ist so romantisch.“, schluchzte sie. „Jonas würde das für mich nie tun, da ich nicht Schlittschuhlaufen kann. Außerdem gibt es in Bolingbroke keinen Weiher.“

Auf diese drollige Bemerkung hin, konnte sich Anne ein Schmunzeln nicht verkneifen. Mit dieser schönen Geschichte war der Weihnachtsabend gerettet. Anne blieb, ihren Freundinnen, zuliebe ebenfalls in Pattys Haus. Gilbert kam zu Besuch und brachte viele Geschenke mit.
„Schön, dich kennen zulernen. Anne hat uns schon viel von dir erzählt.“, waren sich Stella und Priscilla, die weder einen Freund hatten noch verlobt waren, über Gilberts Charakter und Aussehen einig. Gemeinsam feierten Anne und Gilbert Weihnachten und genossen das traute Glück.

ENDE