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Die Sage der Lygeia: "Finstere Mächte"

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Gabrielle Joxer OC (Own Character) Xena
18.01.2014
16.09.2016
8
18.991
 
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05.09.2016 2.195
 
Siebter Gesang




Endlich wieder frische Luft, dachte Xena, als sie zusammen mit Gabrielle, Joxer, Lygeia und den Mädchen Bacchus Höhle verließen.

Der Friedhof sah durch den Nebel zwar immer noch wenig einladend aus, wirkte bei Tageslicht aber weniger unheimlich.

Die Mädchen sahen sich ängstlich um, als fürchteten sie, irgendwelche Ungeheuer könnten plötzlich auf sie zuspringen, und hielten sich nahe bei Xena.  

Dass die Furcht der Mädchen vor Ungeheuern auf diesem Friedhof nicht unbegründet war, behielt die Kriegerprinzessin für sich.

„Wo sind wir hier?“ fragte eines der Mädchen.

„Auf einem Friedhof.“ Antwortete Xena und rückte Lygeias bewusstlosen Körper, den sie auf den Schultern trug, zurecht. Sie hatte die junge Frau noch in der Höhle untersucht und keine ernsten Verletzungen festgestellt. Lygeia hatte einfach nur ordentlich eine abgekriegt.

„Habt keine Furcht, edle Damen.“, erklärte Joxer hochtrabend, „Joxer, der Mächtige, ist bei euch. Kein Leid kann euch geschehen.“

Die Mädchen kicherten hinter vorgehaltener Hand, während Gabrielle nur den Kopf schüttelte.

Joxer hatte in der Höhle wahren Mut bewiesen und einen entscheidenden Teil zum Sieg über Bacchus beigetragen, deshalb war sie bereit ihm seine Heldenallüren nachzusehen.  



Ihnen allen war bedeutend wohler, als sie den Friedhof endlich hinter sich ließen und nach einem kurzen Fußmarsch wieder auf freies Feld kamen.

Sie waren noch nicht weit gegangen, als Lygeia begann sich zu regen.

„Hey, hört mit dem Geschaukel auf, sonst…“

Noch bevor sie ihren Satz zu Ende gesprochen hatte, ertönte ein Würgen, gefolgt von einem lauten Platschen und begleitet von den „Iiiiih“-Rufen der Mädchen.

Xena blieb wie angefroren stehen.

Und sie betete für Lygeia, dass sie nichts von ihrem Erbrochenen abgekriegt hatte.

„Lygeia, geht es dir gut?“ fragte Gabrielle.

Lygeia hob den Kopf und linste zwischen ihren Haaren hindurch. „Ging mir schon besser.“ Antwortete sie gepresst.

Xena ging zu einem weichen Flecken Gras und setzte Lygeia langsam auf den Boden. Vorsichtig strich sie ihr die Haare aus dem Gesicht, um die Stelle zu untersuchen, wo Bacchus zugeschlagen hatte.

Fast die ganze linke Gesichtshälfte schillerte in verschiedenen Farben aus Blau, Lila und Rot. Über dem Auge schwoll eine Beule an.

„Wie viele Finger halte ich hoch?“ fragte Xena und streckte drei Finger ihrer rechten Hand ab.

Lygeia kniff die Augen etwas zusammen und antwortete: „Drei?“

Xena nickte. „Wie fühlst du dich?“

„Ich hab Kopfweh. Mir ist schwindelig. Und mir ist kotzübel.“

„Das kommt durch den Schlag, aber das vergeht wieder.“

Lygeia nickte. „Eins muss man dem Kerl lassen. Er ist zwar langsam wie Sau, aber wenn er dich mal erwischt gehen die Lampen aus.“, Sie wandte sich an Gabrielle, „Alles gut?“ fragte sie.

Gabrielle nickte. „Noch etwas zittrig, aber es geht mir gut.“

„Ich kümmere mich gleich um dich, Gabrielle.“, sagte Xena und wandte sich an die Mädchen, „Gibt es hier in der Nähe einen Bach?“

Eines der Mädchen nickte und deutete nach Westen. „Ja, nicht weit von hier, hinter diesem Waldstück.“

Xena dankte ihr und fragte Lygeia: „Kannst du laufen?“

Die junge Frau zuckte beinahe abwesend die Schultern. „Ich denke schon.“ Sagte sie leise.

Xena winkte zwei der Mädchen zu sich. „Ihr zwei helft ihr auf. Und behaltet sie ein bisschen im Auge, ja? Wenn sie ohnmächtig wird, sagt Bescheid.“

Die beiden Mädchen nickten und halfen Lygeia vorsichtig wieder auf die Füße. Sie schwankte kurz und musste sich an den Schultern der beiden festhalten, doch sie gewann schnell die Kontrolle zurück.

Der Bach lag wirklich ganz in der Nähe. Sie waren noch nicht weit gelaufen, da hörten sie schon Wasser plätschern, und nach einem kurzen Fußweg hatten sie ihn erreicht. Es war tatsächlich ein jämmerliches Bächlein, was dort dahinfloss, aber es genügte. Xena pfiff nach Argo und kurz darauf kam die Stute herangetrottet. Offenbar hatte sie die ganze Zeit außerhalb des Friedhofs auf ihre Herrin gewartet. Die Kriegerprinzessin streichelte Argo kurz über den Hals, löste dann einen Beutel vom Sattel und ging zu Lygeia.

Sie saß zwischen den beiden Mädchen und wirkte kurz davor einzuschlafen. Als sie Xena bemerkte, schüttelte sie den Kopf und zeigte auf Gabrielle. „Kümmere dich erst um sie. Ich komm schon klar.“

Xena zögerte einen Moment, tat dann jedoch was Lygeia gesagt hatte und ging zu Gabrielle.

Die Bardin hatte sich ans Ufer des Bachlaufs gesetzt und spritzte sich mit der hohlen Hand Wasser ins Gesicht. Xena hockte sich neben sie und wollte ihren Hals untersuchen.

„Xena, es geht mir gut.“ Wehrte Gabrielle ab.

Xena schüttelte den Kopf. „Davon will ich mich lieber selbst überzeugen.“

Gabrielle gab mit einem Seufzen nach und ließ zu, dass Xena ihren Hals und ihren Körper untersuchte.

Tatsächlich, konnte die Kriegerprinzessin an einer Stelle des Halses deutlich die Überbleibsel der Bisswunden spüren. Sie waren fast nicht mehr zu sehen und würden sicher bald verheilen.

Xena beendete ihre Untersuchung und streichelte sanft über das Gesicht ihrer Liebsten. „Ist wirklich alles in Ordnung?“ fragte sie besorgt.

Gabrielles Lächeln wirkte irgendwie gezwungen. Sie nahm Xenas Hand und küsste die Innenseite. „Ja.“

Xena entschied es einstweilen dabei zu belassen. Sie würde sich Gabrielle genauer ansehen, wenn sie wieder in Eeris waren. Ein Blick zur Sonne zeigte ihr, dass sie ungefähr zum späten Nachmittag in der Stadt ankommen würden.

Die anderen Mädchen hatten sich inzwischen am Wasser des Baches gestärkt und waren bereit für den Aufbruch.  



Der Horizont war dabei sich von blau zu einem leichten orange zu färben, als sie Eeris erreichten. In dem Moment, als die Stadt in Sicht kam, rannte eines der Mädchen mit einem Freudenschrei los und ließ Xena, Gabrielle, Lygeia und die anderen zurück.  

Lygeia stützte sich auf der Schulter eines Mädchens und hielt sich den Kopf. Sie waren fast den ganzen Tag lang unterwegs gewesen, wenn auch mit mehr Pausen als sonst. Ihr Kopf tat immer noch weh, ihr war immer noch übel und sie hatte Probleme das Gleichgewicht zu halten.

Sie spürte wie Gabrielle ihr einen Arm um die Hüfte legte. „Wir sind gleich da. Dann kannst du dich ausruhen.“

„Ich glaube, wenn ich mich jetzt hinlege, komm ich nicht mehr hoch.“ Sagte Lygeia.

„Na komm. Ich helfe dir.“ Sagte die Bardin und übernahm es Lygeia auf dem restlichen Weg zu stützen.

Als sie die Stadt betraten kam ihnen eine große Menschenmenge entgegen, angeführt von einem Mann, der das vorausgelaufene Mädchen fest an sich drückte. Kaum, dass er Xena  gesehen hatte, ließ er das Mädchen los und stürmte auf die Kriegerprinzessin, Gabrielle, Joxer und Lygeia zu. Und noch bevor Xena etwas tun konnte hatte der Mann sie in seine Arme gezogen.

„Dafür werde ich dir auf ewig dankbar sein. Euch Allen.“ Er ließ Xena los und nahm Gabrielle, Joxer und Lygeia ebenfalls in die Arme.

„Schon gut. Haben wir gern gemacht.“ Antwortete Gabrielle.

Der Mann schüttelte den Kopf und winkte das Mädchen heran. „Ihr habt mir meine Tochter wiedergebracht. Ohne Eure Hilfe wäre sie zu einer dieser blutrünstigen Bestien geworden. Sagt, wie kann ich Euch dafür danken? Nennt Euren Wunsch und er sei Euch gewährt.“

Joxer wollte gerade den Mund aufmachen, als Xena ihm einen Blick zuwarf, der ihm sofort die Kiefer aufeinander presste. Die Kriegerprinzessin deutete auf die Gruppe hinter sich und sagte. „Wir brauchen Unterkünfte für die Mädchen.“

Der Mann winkte einen seiner Leibwächter heran. „Geros, bringe die Mädchen zur Feuerstein-Herberge. Sieh zu, dass ihnen nichts geschieht.“, und an die Mädchen gewandt sagte er, „Macht euch keine Sorgen. Ihr seid hier in Sicherheit. Morgen wird euch ein Trupp meiner besten Männer nach Hause bringen.“

Die Mädchen bedankten sich, und folgten Geras die Straße entlang.

„Mein Name ist Athos.“, sagte der Mann zu Xena, „Ich bin der Stadthalter von Eeris. Bitte nennt mir euren Wunsch. Was es auch sei, es soll euch gehören.“

Xena überlegte einen Moment. „Wir brauchen drei Zimmer, eines für Joxer, eines für Lygeia, und eines für mich und Gabrielle.“, mit einem Schmunzeln in Richtung der Bardin fügte sie hinzu, „Ein Bad und ein gutes Essen wären auch nicht schlecht.“

Athos nickte. „Ihr sollt in der besten Herberge wohnen, die wir haben. Kommt, ich führe euch hin.“

Die drei Frauen und Joxer folgten dem Stadthalter zu einem zweistöckigen Gebäude, das komplett aus hellem, fast weißem Stein gebaut war. Goldene Lettern auf dem Schild über dem Eingang kennzeichneten das Haus als Rahel’s. Athos führte sie durch den Gastraum, einem verschwenderisch eingerichteten Saal, eine Treppe hinauf in den ersten Stock. Vor einer Tür blieb er stehen und öffnete sie.

Die protzige Einrichtung aus dem Gastraum fand sich in den Zimmern wieder. Über den Betten, die sehr gut für vier Personen gereicht hätten, hingen Baldachine aus großem, schwerem Teppich. Die Vorhänge waren mit dicken Kordeln an die Bettpfosten gebunden. Neben dem Bett stand auf jeder Seite eine kleine Kommode mit einer Kerze. Auf einer weiteren Kommode zur rechten standen eine Waschschüssel mit einem Stück Seife, einem Handtuch und einer Karaffe mit Wasser.

Xena sah sich kritisch um. Selbst ein König hätte sich hier wohlgefühlt.

„Ich hoffe es genügt Euch.“ meinte Athos.

„Es ist wundervoll.“ sagte Gabrielle.

Athos nickte, ging mit ihnen nach draußen und zeigte auf die beiden Zimmer nebenan. „Ihr könnt bleiben solange ihr wollt. Möchtet Ihr auf Euren Zimmern essen, oder lieber unten im Gastraum?“

Xena wandte sich an Lygeia, die sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. „Möchtest du noch etwas essen?“

Lygeia schüttelte den Kopf. „Will schlafen.“

„Könnten wir bitte auf unseren Zimmern essen?“ fragte Gabrielle.

„Aber selbstverständlich.“, antwortete der Stadthalter, „Ich sage dem Wirt Bescheid. Er wird die Serviermädchen nach oben schicken.“

Xena nickte und Athos verschwand nach unten.



Lygeia war schon halb eingeschlafen. Sie bekam nur unbewusst mit wie sie auf dem Bett abgesetzt und in die weichen Kissen gedrückt wurde. Ihr war immer noch schlecht, und noch immer hatte sie das Gefühl, als würde die Welt ständig von einer Richtung in die andere kippen. Die Schmerzen in ihrem Kopf hatten auch kaum nachgelassen.

Sie merkte, wie die Matratze nach unten gedrückt wurde, als sich jemand neben sie setzte. Ein scharfer Geruch stieg ihr in die Nase.

Mit einiger Kraftanstrengung gelang es ihr das rechte Auge weit genug zu öffnen, um halbwegs sehen zu können. Undeutlich erkannte sie Xenas Umrisse, die mit einem Stößel in einem Mörser herumrührte.

„Was machst du da.“ Nuschelte Lygeia.

„Das ist eine Salbe gegen deine Schwellung.“ Antwortete Xena. Sie rührte noch ein paar Mal kräftig um, überprüfte das Ergebnis und legte den Stößel auf der Kommode ab. Dann rutschte sie etwas näher zu Lygeias Kopf und tauchte ihre Finger in die zähe Masse. „Es wird ein wenig brennen, aber es hilft.“

Lygeia biss die Zähne zusammen, als Xena die Salbe auftrug. Jede Berührung tat höllisch weh und der Geruch, der von der Salbe ausging, machte ihr das Atmen schwer. Lygeia hielt die Luft an und hoffte, dass Xena fertig war, bevor ihr die Luft ausging.

Ihre Lungen fühlten sich an als würden sie gleich kollabieren, als Xena endlich aufhörte. Verzweifelt schnappte Lygeia nach Luft, saugte Sauerstoff in ihre schmerzenden Lungen, während sich ihr rascher Herzschlag wieder beruhigte.

„Alles in Ordnung.“ Fragte Xena.

Lygeia hustete ein paar Mal, als sie mit der Luft den Geruch der Salbe einatmete. „Es geht.“ Sagte sie.

„Denkst du, du kannst schlafen?“

Lygeia nickte leicht und drehte den Kopf auf die rechte Seite.

Xena deckte Lygeia zu, streichelte ihr einmal kurz über das Haar und verließ das Zimmer.

Im Zimmer nebenan wartete Gabrielle auf sie. Die Bardin saß an einem Tisch und schien auf etwas zu warten.

„Wie geht es Lygeia?“ fragte sie.

„Sie schläft jetzt.“ Antwortete Xena. Sie zog ihren Brustpanzer aus und legte ihn vor dem Bett ab, als es an der Tür klopfte.

„Herein?“

Vier junge Mädchen betraten das Zimmer. Jede von ihnen trug vier Schüsseln, die sie auf dem großen Tisch abstellten. Ein fünftes Mädchen kam mit Tellern, Besteck…und ein paar Kerzen dazu. Auf Xenas fragenden Blick wurde das Mädchen rot und antwortete: „Eure Freundin hat um die Kerzen gebeten.“

Xena sah mit hochgezogener Augenbraue zu Gabrielle, doch die Bardin gab nicht Acht auf sie. Vielmehr war sie damit beschäftigt das Essen zu inspizieren.

Das Mädchen stellte die Kerzen auf und entzündete die Dochte, dann verabschiedete sich die Gruppe und verschwand.

„Komm schon, Xena, setz dich.“ Drängelte Gabrielle.

Xena wusch sich noch die Hände und ließ sich gegenüber der Bardin am Tisch nieder, der förmlich von Schüsseln überquoll. Es waren hauptsächlich Spezialitäten der Region. Xena kannte einige davon.

Gabrielle nahm sich von allem etwas, füllte die Becher mit Wein und begann zu essen. Xena tat sich etwas weniger auf, und sie aß auch langsamer. Vor allem amüsierte sie sich daran Gabrielle beim Essen zuzusehen, wie sie verzückt die Augen schloss und genussvolle Laute ausstieß.

„Es ist köstlich.“ Seufzte Gabrielle.

Die Kriegerprinzessin konnte dem nur zustimmen. Das Essen war fantastisch. Das Fleisch war genau auf den Punkt gebraten. Das Gemüse weich, aber bissfest. Die Soßen waren cremig und schmeckten mit dem knusprigen Brot zusammen einfach himmlisch.

Die Serviermädchen kamen zurück und nahmen die Schüsseln und Teller wieder mit. Eine von ihnen beugte sich zu Gabrielle und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Als Antwort schob die Bardin dem Mädchen eine Münze in die Hand.

„Was hat sie gesagt?“ fragte Xena.

Gabrielle lächelte sie sanft an, kam um den Tisch herum und nahm ihre Hand.

„Komm mit mir.“ Sagte sie leise.
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