Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Sage der Lygeia: "Finstere Mächte"

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Gabrielle Joxer OC (Own Character) Xena
18.01.2014
16.09.2016
8
18.991
 
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.01.2014 1.768
 
Fünfter Gesang




„Gabrielle.“

Den Kopf hin und herwerfend fuhr die Bardin herum und erblickte Xena, die ihre Arme geöffnet hatte. „Gabrielle, es wird alles gut. Ich helfe dir.“ Sagte sie beruhigend und trat einen Schritt näher.

Einen Moment blieb Gabrielle still, dann sprang sie plötzlich mit einem unglaublichen Satz über Xena und Joxer hinweg und verschwand im Schutz einer der vielen Höhlen.

„Wo will sie hin?“ fragte Joxer.

„In die Katakomben.“, antwortete sie. Sie steckte ein paar der Knochen in den langen Lederbeutel und befestigte ihn an ihrem Gürtel. „Lygeia! Hol Orpheus!“

Lygeia löste die Schnüre mit denen Orpheus Puppenkörper an Argos Sattel befestigt war und ließ die Vogelscheuche mit Orpheus Kopf langsam zu Boden gleiten. Dann nahm sie Orpheus Kopf an sich.

„Bring dich in Sicherheit.“ Befahl sie Argo, woraufhin die Stute lostrabte, über die niedrige Mauer sprang und davongaloppierte. Eigentlich hörte die Stute nur auf Xena, doch Argo war ein sehr kluges Pferd und hatte erkannt, dass es besser war sich davon zu machen. Ihre Herrin würde nach ihr rufen, wenn sie gebraucht würde.

„Tut mir Leid, Kumpel, das muss jetzt sein.“ Sagte Lygeia zu Orpheus, und ehe er wusste, wie ihm geschah, wurde er in einen Beutel gepackt.

Xena und Joxer warteten schon am Eingang der Höhle. Xena hatte diesen festentschlossenen Ausdruck im Gesicht, den Lygeia so cool fand – und in den sie heimlich vernarrt war.

Joxer wiederum schien sich nicht entscheiden zu können, ob er jetzt lieber die Beine in die Hand und eine Blamage riskieren, oder mit Xena und Lygeia in diese Höhle gehen und höchstwahrscheinlich in den Tartarus wandern sollte. Er kaute auf seinen Backen, knetete seine Hände und stieg nervös von einem Bein aufs andere.

Um ihn abzulenken, drückte ihm Lygeia den Beutel mit Orpheus Kopf in die Arme und wandte sich an Xena. „Also, gehen wir?“ fragte sie.

Einen Moment beobachtete Xena noch die Finsternis der Höhle, dann nickte sie. „Ja.“



Die Höhle war eng und roch stickig, modrig und nach nassem, altem Gestein. Während sie sich hinter Joxer und Xena durch die Höhle manövrierte, stellte sie fest, dass sie den Geruch irgendwie mochte. Sie konnte nicht sagen warum, aber irgendwie gefiel er ihr.

Der Eingang zu den Katakomben hatte schon nicht besonders breit ausgesehen, aber der eigentliche Gang war noch einmal ein gutes Stück dünner. Lygeia spürte, wie sich die Nässe des feuchten Mooses, das auf dem Gestein wuchs, durch ihr Oberteil fraß und ihre Haut benetzte. Ein paar kalte Tropfen fielen von der Decke in Lygeias Nacken und rannen quälend langsam ihren Rücken hinab.

Was mochte sich in dieser Höhle wohl befinden? Fledermäuse? Spinnen oder andere Kriechtiere? Allein der Gedanke daran schnürte Lygeia den Hals zu.

Die Decke der Höhle lief immer spitzer und niedriger zu, sodass Xena, Joxer und Lygeia gebückt gehen mussten, um sich nicht den Kopf anzustoßen. Ein paar Mal passte Joxer nicht auf und kollidierte mit der Höhlenwand, oder stieß mit Orpheus Kopf gegen Stein.

Der Gang wurde noch einmal enger und weitete sich dann mit einem Schlag soweit aus, dass man ohne Probleme aufrecht stehen konnte. Auch begann sich die Art der Höhle zu verändern. Die vorher raue und unebene Oberfläche wurde glatter und ebenmäßiger. Genau dort, wo der Gang plötzlich wieder wo groß wurde, konnte man erkennen, wo Menschen mit Werkzeug nachgeholfen hatten. In die Wände waren verschieden große Fresken eingemeißelt, die wahrscheinlich Mythen und Legenden aus alten Zeiten darstellen sollten. Tatsächlich meinte Lygeia auf einem der Wandmeißelungen eine Geschichte zu erkennen, die ihr Gabrielle einmal erzählt hatte.

Nach einer Biegung entdeckten sie die Überreste eines Holzgitters, das vermutlich früher als Tor gedient hatte und nun fast völlig von hellgrauen Spinnenweben verschluckt war. Die Öffnung sah aus, als hätte sie jemand mit einem Rammbock zustande gebracht, was allerdings nicht sein konnte. Kein Kriegsgerät der Antike von solcher Kraft hätte durch den engen Höhleneingang gepasst.

Der Rest des Tores lag, teilweise noch erhalten oder zu morschen Spänen zerfallen auf dem Boden.

Lygeia deutete auf die, in die Wände gehauenen Kojen, in denen teilweise wild durcheinandergewürfelte Haufen Knochen herumlagen, die früher einmal Menschen gewesen sein mussten. „Ist das hier ein Grab?“ fragte sie flüsternd.

Xenas Antwort bestand aus einem Nicken.

„Lasst mich hier raus.“ Jammerte Orpheus Stimme, die durch den Sack gedämpft wurde. Seit Joxer ihn das erste Mal mit der Höhlenwand bekannt gemacht hatte, bettelte er darum aus dem Sack gelassen zu werden.

„Pscht. Hörst du das?“, fragte Joxer, „Da sitzt jemand in einer Falle. Es hört sich an als wäre es direkt hinter uns.“

Lygeia drehte sich um und packte Joxer am Kragen. „Joxer, hör mit deinen Monologen auf und hole Orpheus aus dem Sack.“ Etwas grob riss sie Joxer den Sack aus den Armen und holte Orpheus hervor. „Kann ich dir was Gutes tun?“ fragte sie höflich.

„Hört auf Zeit zu verschwenden. Wir sollten längst in Bacchus Höhle sein.“ Sagte Orpheus.

„Wir suchen Gabrielle.“, antwortete Joxer, „Sie hat sich in eine Bacchae verwandelt.“

„Was ich mich bloß frage ist, wie das überhaupt passieren konnte.“, sagte Xena zu Lygeia und Joxer, „Sie war doch die ganze Zeit bei euch.“

Joxer nickte überzeugend.

Lygeia schüttelte den Kopf. „Das ist nicht ganz richtig.“ Gab sie zu.

Xena Augen verengten sich. „Was soll das heißen?“

Einen Moment schien Lygeia zu überlegen, was sie sagen sollte. „Hör zu, Xena. Es war nicht ihre Schuld sondern meine. Ich hab’s versaut.“ Sagte sie.

Die Kriegerprinzessin trat einen bedrohlichen Schritt näher. Sie hatte wieder den Blick in den Augen. Und diesmal war er auf Lygeia gerichtet. „Was ist passiert?“ fragte sie leise.

Lygeia wollte gerade antworten, als sie von Orpheus unterbrochen wurde. „Wir haben keine Zeit dafür. Wir müssen Bacchus noch vor Mitternacht töten. Vergesst das Mädchen.“

Xena schüttelte sofort den Kopf. „Das kann ich nicht. Ich muss ihr helfen.“

Orpheus stieß einen Laut der Verachtung aus. „Ich hätte es wissen müssen. Dir kann man nicht trauen. Wieder einmal kommt deine Selbstsucht vor allem anderen.“

Noch bevor Orpheus weitersprechen konnte, packte ihn Lygeia hart an den Haaren. Orpheus Gesicht verzog sich zu einer schmerzerfüllten Grimasse. „Jetzt hör mal genau zu, du halbe Portion. Ich verspüre gerade ein höchst unangenehmes Jucken in meinem rechten Fuß und bin sehr dazu versucht ihn dir gegen den Schädel zu treten.“

„Ihr versteht nicht.“, keuchte Orpheus, „Bacchus benutzt Gabrielle als Köder, um uns in seine Höhle zu locken. Wenn wir versuchen ihr zu helfen laufen wir ihm geradewegs in die Falle.“

„Für den Fall, dass es dazu kommt, merk dir diese kleine Weisheit: Mit einem Lächeln auf den Lippen, ist der Tod nur halb so schlimm.“ Fauchte Lygeia und drückte Orpheus zurück in Joxers Arme.

„Dann hat Bacchus schon gewonnen.“ Seufzte Orpheus.



Sie gingen weiter und gelangten in einen kleinen durch Säulen gestützten Saal. Auf den Feuerständen lagen auseinandergenommene Skelette herum. Lygeia fiel auf, dass die Formationen der Knochen immer gleich waren. Die Rippen waren kreisförmig angeordnet. Die Beine und Arme stützten jeweils den Kopf, der immer aufrecht stand. Wo die Hände und Füße waren konnte Lygeia nicht erkennen. Aber eines wusste sie.

Wer auch immer die Knochen so angeordnet hatte: Er hatte einen äußerst schrägen Kunstgeschmack.

Xena blieb in der Mitte des Saales stehen und sah sich um. Dann ging sie auf eine Öffnung in der Ecke zu, schräg gegenüber zu der Öffnung, aus der sie gekommen waren.

Hier änderte sich die Umgebung wieder. Der Gang war offenbar hastig in den Stein gehauen worden. Die Stufen waren an manchen Stellen so groß, dass man ohne Probleme zwei Füße voreinander setzen konnte und an anderen Stellen wieder so schmal, dass man gerade so mit den Zehen Platz hatte. Xena musste gebückt laufen, weil die Decke so niedrig war. Ein kurzes Stück ging es nach oben, ehe sie eine weiter größere Höhle erreichten. Zahlreiche Felsen lagen auf den Boden. Stalagtiten hingen von der Decke, passend dazu wuchsen Stalagmiten aus dem Boden. Lygeia war von diesen Tropfsteinen fasziniert und hätte sie sich gerne näher angesehen, allerdings war es in dieser Umgebung ratsamer zusammenzubleiben.

Denn Lygeia hatte dieses merkwürdig kribbelnde Gefühl im Nacken. Sie waren nicht allein.

„Haltet die Augen offen.“, sagte Xena, „Sie ist hier irgendwo.“

„Woher weißt du das so genau?“ flüsterte Joxer.

„Intuition.“ Antwortete Lygeia für Xena.

Einen Moment war es still. Die einzigen Geräusche, die man hören konnte, waren das Tropfen der Steine und das Atmen von Xena, Joxer und Lygeia. Doch da war noch ein anderes Geräusch. Ein Kratzen.

Stille.



„HILFE!“ schrie Joxer

Lygeia und Xena fuhren herum. Gabrielle hing an Joxers Hals und versuchte unter lautem Knurren seinen Kopf zur Seite zu zwingen, während Joxer wie ein Irrer um sich schlug, um Gabrielle loszuwerden.

Xena sprang zu Joxer und versuchte ihre Freundin von ihm herunterzureißen.

Lygeia war weniger zimperlich. Sie nahm Anlauf, holte aus und schlug Gabrielle so stark ins Gesicht wie sie nur konnte. Gabrielle, von dem Schlag betäubt, verlor den Griff und wurde von Xena über den Boden geworfen. Doch nur eine Sekunde später rappelte sie sich wieder auf, bellte einmal wütend und verschwand mit einem Sprung in die Höhlendecke.

Wieder war es still. Joxer hatte in jeder Hand einen Dryadenknochen und sah sich rasch nach allen Seiten um.

Xena lauschte auf irgendwelche verdächtigen Geräusche. Lygeia hatte die Hände auf Hüfthöhe und die Beine in Kampfstellung.

Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts Gabrielle auf und schoss Xena entgegen, die sich nur durch einen flinken Sprung zur Seite retten konnte.

Lygeia fragte sich, ob diese Stille nach einem Bacchaeangriff normal war. Jedenfalls mochte sie diese Stille nicht. Doch am meisten fürchtete sie den Sturm, der danach kam.  

„Gehen wir weiter?“ fragte Lygeia.

Xena nickte und folgte dem Weg, der zwischen den Felsen durch eine zwei Meter hohe rechteckige Öffnung in eine Art Vorhalle führte. Vor ihnen lag ein schmuckvoller, aber nicht zu protziger Torbogen aus dunklem Sandstein. Inzwischen konnte man eine Art rhythmischer Musik hören, die auf Trommeln gespielt wurde. Sie waren nahe dran.

„Joxer, Lygeia, hört zu. Ihr müsst so schnell wie möglich die Lyra finden. Du Joxer musst darauf spielen, während ich mich um Bacchus kümmere.“

„Geht klar.“ Antwortete Joxer.

„Und was tue ich?“ fragte Lygeia. Sie war zwar nicht scharf darauf hier zu sein, aber wenn schon, dann wollte sie wenigstens auch mitfeiern.

„Du musst auf Joxer aufpassen. Wenn ihm etwas passiert sind wir verloren.“ Sagte Xena.

Lygeia salutierte. „Allright.“

„Xena?“ sagte Orpheus.

Xena blieb stehen und sah Orpheus an. „Was ist?“

Der Musiker überlegte einen Moment, dann sagte er leise: „Ich…Ich möchte dich um Entschuldigung bitten. Ich habe nur jemanden gesucht, dem ich die Schuld geben konnte.“

Die Kriegerprinzessin nickte und zog ihr Schwert. Dann traten sie gemeinsam durch den Torbogen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast