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Die Sage der Lygeia: "Finstere Mächte"

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Gabrielle Joxer OC (Own Character) Xena
18.01.2014
16.09.2016
8
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18.01.2014 2.811
 
Zweiter Gesang




Als Lygeia am nächsten Morgen aufwachte lag das ganze Lager in so dichtem Nebel, dass sie alles nur verschwommen sehen konnte.

„Wo kommt denn der Nebel her?“ fragte Lygeia und überlegte, ob Gabrielle möglicherweise gestern feuchtes Holz gefeuert hatte.

Sie konnte die schemenhafte Gestalt von Xena sehen, die sich vom Feuer erhob. „Keine Ahnung.“ Antwortete die Kriegerin.

„Was heißt das ‚Keine Ahnung‘?“ fragte Lygeia unsicher.

„Das heißt, ich weiß nicht woher der Nebel plötzlich kommt.“ Xenas Stimme war deutlich anzuhören, dass sie gereizt war und Lygeia beschloss sie fürs Erste in Ruhe zu lassen.

Es war kälter geworden, also suchte sich Lygeia aus ihrem Rucksack noch den langen Wollmantel heraus, den sie sich auf dem Markt gekauft hatte und legte ihn sich um die Schultern. „Wo ist Gabrielle?“

„Ich bin hier.“ Kam es von der Feuerstelle. Tatsächlich konnte Lygeia die Gestalt der Bardin erkennen, als sie genauer hinsah.

Lygeia stand auf und setzte sich zu den beiden an die Feuerstelle. Jetzt wo sie die beiden wirklich deutlich sehen konnte fühlte sie sich etwas besser.

Gabrielle schöpfte etwas, das wie wiedergekautes Müsli aussah auf einen Teller und reichte ihn Lygeia. Widerstandlos nahm sie den Teller und aß ihr Frühstück.

Eine der ersten Dinge, die Lygeia hier gelernt hatte, war folgendes:

„Überleben ist gleich Scheiße fressen“.

Doch auch wenn er unappetitlich aussah, der Brei schmeckte. Und daran erkennt man eine gute Köchin. Wer in der Lage ist aus wenigen Zutaten etwas optisch wenig ansprechendes, aber geschmacklich Gutes zu bereiten, der kann kochen.

Als Lygeia aufgegessen hatte, bot sie an, die Teller abzuwaschen. Doch Xena winkte ab. „Nein. In diesem Nebel verliert man zu leicht Orientierung. Wir waschen sie ab, wenn der Nebel sich aufgelöst hat.“

Lygeia war klug genug nicht zu widersprechen. Sie konnte sehen, dass der Nebel Xena beunruhigte. Und wenn die Kriegerprinzessin beunruhigt war, dann bedeutete das nur eins.

„Stehen uns Schwierigkeiten ins Haus?“ fragte Lygeia.

„Ich weiß es nicht.“, antwortete Xena, „Aber wir sollten vorsichtig sein.“



Nach dem Essen packten die drei Frauen zusammen und machten sich auf die Weiterreise. Ein Gutes hatte der Nebel. Wegen der beschränkten Sichtverhältnisse mussten sie das Tempo drosseln, damit alle beieinander blieben. Kurz dachte Lygeia daran vorzuschlagen ein Seil an die Handgelenke zu binden, überlegte es sich jedoch anders, als ihr einfiel, dass das Seil im Falle eines Angriffs äußerst hinderlich werden könnte.

Ungefähr eine Meile weiter wurde der Nebel lichter, sodass man nun wieder klar sehen konnte. Nun zog Xena das Tempo wieder an. Lygeia hatte sich in den zwei Monaten daran gewöhnt, dass Xena einen strammen Marsch an den Tag legte. Und inzwischen konnte sie gut mithalten.

Auch wenn man nun besser sehen konnte. Der wenige Nebel machte die Umgebung nicht gerade einladender. Und auch die Bäume veränderten sich. Nicht unbedingt vom Äußeren, aber ihre Aura wurde anders. Dunkler, Finsterer…Unheimlicher. All diese Adjektive sammelten sich in Lygeias Kopf und stellten letztendlich nur fest, dass sie sich hier nicht wohl fühlte.

„Stephen King würde sich hier wohl fühlen.“ Spann sie diesen Gedanken laut weiter.

„Wer ist Stephen King?“ fragte Gabrielle.

„Ein Horrorschriftsteller.“ Antwortete Lygeia.

Jetzt hatte sie Gabrielles Neugier geweckt. Die Bardin versuchte immer wieder so viel wie möglich über Lygeias Welt zu erfahren, doch bei Lygeia biss sie auf Granit. Aufgefordert wollte sie absolut nichts sagen, und so lauerte Gabrielle auf die wenigen Gelegenheiten, in denen Lygeia von sich aus etwas erzählte. Und eine dieser Gelegenheiten war jetzt.

„Was ist Horror? Und was ist ein Schriftsteller?“ fragte sie so wenig neugierig wie möglich, um Lygeia nicht zu erschrecken.

„Horror ist ein anderes Wort für Grusel.“, erklärte Lygeia, „Allerdings ist Horror noch mal ein paar Zacken stärker. Und ein Schriftsteller ist so etwas wie ein Barde.“

„Dann bin ich ein Schriftsteller?“

„Schriftstellerin.“ Verbesserte Lygeia.

Gabrielle dachte über diesen Begriff nach. „Schriftstellerin. Ich glaube, mir gefällt der Ausdruck ‚Bardin‘ besser. Das geht leichter über die Zunge.“, sagte sie, „Erzählst du mir mal eine Horrorgeschichte?“

Lygeia schüttelte lachend den Kopf. „Nein.“

„Warum nicht?“

„Ich bin keine Geschichtenerzählerin.“, antwortete Lygeia, „Außerdem kriege ich Ärger mit Xena, wenn du nachts nicht genug schläfst und am Morgen unausstehlich bist.“

„Warum sollte ich denn nicht genug schlafen?“ fragte Gabrielle.

„Weil eine gute Horrorgeschichte dafür sorgt, dass der Leser nachts im Bett liegt und sich vor Angst in die Hose pisst, weil er ständig darüber nachdenkt, ob jetzt ein Monster unter seiner Matratze steckt oder ein Mörder vor seiner Schlafzimmertür steht.“

„Och bitte.“ Bettelte die Bardin.

„Xena, darf ich Gabrielle eine Horrorstory erzählen?“ fragte Lygeia.

Die Kriegerprinzessin, die das Gespräch mitgehört hatte, gab die zu erwartende Antwort: „Nein.“

Gabrielle stürmte zu Xena und stellte sich vor sie. „Xena, hör auf mich zu bevormunden!“

„Das ist zu deinem eigenen Besten.“ Sagte Xena ruhig.

„Was zu meinem Besten ist entscheide immer noch ich!“ begehrte Gabrielle auf.

Xena wollte gerade antworten, als wie aus dem Nichts Lygeias Hände gegen ihren und Gabrielles Hinterkopf schlug. Einen Moment starrten sich die beiden noch fassungslos an, bevor sie ihre Gesichter gleichzeitig zu Lygeia drehten. Diese schaute die beiden nur mit vorgeschobener Unterlippe an und sagte in kindlich-leiser Stimme: „Kinder mögen es nicht wenn die Eltern sich streiten.“

Xena und Gabrielle brachen in Gelächter aus. Die Kriegerprinzessin gab Lygeia einen spielerischen Klaps auf den Schädel und Gabrielle ihr einen leichten Schlag auf den Arm.



Sie waren schon eine Weile unterwegs, als ihnen ein Wanderer entgegenkam. Zuerst musterte er die drei Frauen mit forschenden Blicken, als sie auf seiner Höhe waren blieb er stehen. „Bitte entschuldigt, wenn ich frage, aber wohin wandert ihr?“

Xena und Lygeia blieben stehen, während Gabrielle etwas weiter zum Waldrand ging.

„Wir wollen nach Eeris.“ Antwortete Xena.

Der Wanderer zuckte zusammen. Sein Gesicht umwölkte sich. „Wart ihr in Atos?“ fragte er.

„Ja.“

„Habt ihr von den verschwundenen Mädchen gehört?“

Xena wurde hellhörig. „Sind noch weitere verschwunden?“

Der Wanderer nickte. „Drei Mädchen aus dem Dorf Feesis. Ich komme gerade von dort.“

„Hat man die Mädchen schon gefunden? Oder Teile von ihnen?“ fragte Lygeia.

„Teile?“

„Na Körperteile, Organe oder sonst was.“

Der Wanderer kratzte sich am Kopf. „Ähm, Nein.“

Lygeia nickte. „Gut, dann leben sie vielleicht noch.“

Der Wanderer rückte seine Tasche zurecht und wandte sich zum Gehen. „Jedenfalls wünsche ich euch eine sichere Reise. Und seit bitte vorsichtig.“

Als der Mann ein paar Schritte weg war, kam Gabrielle zu ihnen. „Was hat er gesagt?“ fragte sie neugierig.

„Drei Mädchen sind aus einem Dorf in der Nähe verschwunden.“ Antwortete Xena.

„Dann sind wir jetzt bei ‚Sechs‘“, sagte Lygeia, „Und wenn man die Mädchen bis jetzt noch nicht gefunden hat, war es nicht Jack the Ripper.“

„Jack wer?“ fragte Gabrielle.

„Jack the Ripper.“

„Wer ist das?“

„Ein Frauenmörder.“ Antwortete Lygeia nüchtern.

„Und was bedeutet ‚the Ripper‘?“ fragte Xena.

Lygeia warf einen finsteren Blick in die Runde, der Gabrielle einen Schauer über den Rücken jagte. Sie hatte bisher nicht gewusst, dass ihre neue Freundin einen solchen Blick besaß.

„ ‚the Ripper‘ ist Englisch und bedeutet ‚der Aufschlitzer‘.“ Sagte sie düster.

In diesem Moment konnte man deutlich das Heulen eines Wolfes hören.

Es klang nahe.

Xena holte tief Luft. „Gehen wir weiter.“

Die drei Frauen gingen auf den Wald zu und waren kurz davor ihn zu betreten als Lygeia stehenblieb. „Der Wald gefällt mir nicht.“

„Das ist der Bacchaewald.“, sagte Gabrielle, „Die Jagdgründe von Bacchus, dem Gott des Weins, und der Bacchae, die ihm folgen.“

„Wieso braucht ein Weingott Jagdgründe?“ fragte Lygeia.

„Es heißt in einer Legende, dass der Wein einst das Lebenselixier der Götter gewesen ist.“, erklärte die Bardin, „Und Bacchus war der Hüter dieses Lebenselixiers. Eines Tages gelang es den Menschen Bacchus den Wein zu stehlen. Dazu haben sie den Wein durch Menschenblut ausgetauscht. Als Bacchus einen Schluck von dem Blut trank wurde er in einen Dämon verwandelt.“

Lygeia wollte gerade etwas sagen, als sie von Xena unterbrochen wurde. „Hört ihr das?“

Gabrielle und Lygeia lauschten angestrengt. Aber konnten absolut nichts hören. Es war völlig still.

Man konnte fast sagen: Totenstill.

„Ich höre gar nichts.“ Sagte Gabrielle.

„Eben.“

„Sollten wir denn was hören?“ fragte Lygeia.

„Eigentlich schon. In der Legende heißt es, dass Bacchus Musik die Bacchae im Zaum hält.“ Sagte die Bardin.

„Und wenn das nicht der Fall ist?“

„Dann ist der Wald ein unsicherer Ort.“ Antwortete Xena.

Lygeia musste schlucken. In ihrem Hinterkopf ging der Alarm los. Sie hatte schon bei dem Wanderer Verdacht geschöpft, aber jetzt wusste sie es mit Gewissheit.

„Girls just wanna have Fun“

“Was hast du gesagt?” fragte Gabrielle.

Lygeia winkte ab. „Nichts. Hab nur laut gedacht.“ Sie wandte sich an Xena. „Meinst du diese Bacchae haben was mit dem Verschwinden der Mädchen zu tun?“

Xena ging langsam in den Wald hinein. „Es gibt einen Weg das rauszufinden.“

„Ich wusste, dass du das sagen würdest.“ Sagte Lygeia und folgte ihr und Gabrielle in den Wald.



An sich war der Wald gar nicht so schlimm. Das durch die Blätter scheinende Sonnenlicht, das lange helle Streifen in die Luft malte, verlieh ihm sogar eine gewisse Schönheit. Allerdings kehrte sich jeder positive Effekt ins Gegenteil, wenn man daran dachte, dass hinter jedem Felsen, hinter jedem Baum und jedem Strauch ein Ungeheuer sitzen konnte, dass einem buchstäblich an den Kragen wollte.

Lygeia hielt sich nahe bei Xena und Gabrielle. Sie hatte das Gefühl beobachtet zu werden. Dieses komische Jucken im Nacken, das man bekommt, wenn einem Jemand über die Schulter sieht. Sie durchkramte ihr Gedächtnis nach der Episode „Girls just Wanna have Fun“. Sie hatte die Xena-Folgen zwar mehrmals gesehen, kannte sie aber nicht auswendig. Sie wusste ungefähr, Was Wann Wo passierte, aber nicht die genauen Handlungen. Und bei dieser Episode waren ihr nur die Begriffe Bacchus, Bacchae, und die Szene im Gedächtnis geblieben, in der Gabrielle Xena zur Bacchae machte.

Wenn Bacchae eine Frau durch einen Biss zur Bacchae machen konnten, war das dann so was wie Geschlechtsverkehr? Wenn Ja, dann hatten Xena und Gabrielle…

Lygeia schüttelte den Kopf, um den Gedanken loszuwerden und schloss wieder zu der Kriegerprinzessin und der Bardin auf.

„Meinst du die Geschichten, die über die Bacchae erzählt werden sind wahr?“

„Was erzählt man sich denn so?“ fragte Lygeia.

Xena nickte Gabrielle zu, damit sie erzählte.

Die Bardin überlegte kurz und begann langsam zu berichten, was sie über die Bacchae wusste. „Nun, ein Biss einer Bacchae kann eine junge unschuldige Frau in eine blutrünstige, seelenlose Bestie verwandeln. Nachdem sie gebissen wurde, wird sie in Bacchus Höhle gelockt um sein Blut zu trinken. Wenn sie das tut, gibt es keine Möglichkeit mehr sie zu retten. Sie wird für immer zur Bacchae.

Es heißt auch, dass die Bacchae viele Gestalten annehmen können. Als Wölfe durchstreifen sie die Wälder, angetrieben von einem unstillbaren Durst nach Blut. Wenn sie ihr Opfer gefunden haben, hetzten sie es zu Tode. Dann zerreißen sie es. Stück, für Stück.“

Eine Gänsehaut kroch über Lygeias Arme. Warum musste sie auch fragen?

„Aber wenn ihr mich fragt“, meinte Gabrielle leichthin, „glaube ich, dass das alles nur übertrieben ist, um kleinen Kindern Angst zu machen.“

„DECKUNG!“ schrie Lygeia und riss Gabrielle beiseite. Eine Sekunde später stürmte ein schreiendes, braunes Etwas, dicht gefolgt von mehreren Wölfen an ihnen vorbei.

Xena riss ihre Peitsche von Argos Sattel und schickte die Stute weg.

„Bleibt hinter mir!“ befahl sie Gabrielle und Lygeia.

„Herzlich gern!“

Die Wölfe bellten sie mit dunklen Stimmen an, stießen tiefe Knurrlaute aus, während sie die drei Frauen umzingelten. Ein anderer Wolf bellte einen jungen Mann an, der sich auf einem Felsen verkrochen hatte.

Mit nach hinten gelegten Ohren und gefletschten Zähnen versuchten sie immer wieder näher heranzuschleichen, wurden aber von Xenas Peitsche zurückgedrängt. Lygeia konnte zwischen dem Bellen und Knurren das großspurige Gehabe des Mannes ausmachen, dass sich mit einem Mal in lautes Hilfeschreien verwandelte.

Xena schlug noch einmal zu und traf einen der Wölfe am Kopf. Das Tier jaulte auf und zog sich mit den anderen Wölfen zurück.

„Ja, verzieht euch!“, rief der Mann lachend, „Und lasst euch nie wieder hier sehen!“

Als die Wölfe endlich weg waren, rollte Xena ihre Peitsche wieder zusammen. Lygeia lehnte sich erleichtert gegen einen Baumstamm. Das war jetzt das zweite Mal, seit sie mit Xena und Gabrielle unterwegs war, dass sie wirklich Angst gehabt hatte.

„Joxer, fehlt dir was?“ fragte Gabrielle.

„Mir? Mir geht es großartig.“

Joxer? Lygeia stieß sich von dem Baumstamm ab und ging zu Xena und Gabrielle, während Joxer von dem Felsen kletterte.

Lygeia betrachtete ihn mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Erstaunen. Fassungslos, weil sie jetzt wirklich vor Joxer stand.

Und Erstaunen, weil sie nicht gewusst hatte, wie dämlich der Kerl in der Realität aussah.

„Kennt ihr denn?“ fragte Lygeia.

„Lygeia, das ist Joxer.“, stellte sie Gabrielle vor, „Joxer, das ist Lygeia.“

„Joxer, der Mächtige“ fügte er wichtig hinzu.

Gabrielle verdrehte die Augen, sagte aber nichts. Sie kannte Joxers Art schon zur Genüge und auch wenn er ein Aufschneider war, so hatte sie ihn doch gern.

„Was führt dich in diesen Wald, Joxer.“ Fragte Xena.

Joxer setzte ein Gesicht auf, das wohl Tiefgründigkeit und Wichtigkeit ausdrücken sollte. Für Lygeia sah es so blöd aus, dass sie sich auf die Zunge beißen musste, um nicht zu lachen.

„Die Rettung der Welt.“ Sagte er langsam und mit tiefer Stimme.

Nicht lachen, Lygeia! Nicht lachen! Auf keinen Fall Lachen!

„Ich hab hier was für dich.“, Joxer nahm den Beutel von seiner Schulter, „Von Orpheus, an Xena.“

Xena hob eine Augenbraue und packte den Beutel. „Orpheus? Und was soll das sein?“

Joxer schien kurz zu überlegen, wie er es sagen sollte. „Es spricht für sich selbst.“

Spricht für sich selbst? Moment mal…

Xena griff in den Beutel und zog den Inhalt heraus.

Orpheus Kopf.

Lygeia drückte ihre Hand auf den Mund, um sich am Schreien zu hindern.

Der Kopf riss die Augen auf und fing kurz darauf selbst an zu schreien.

„Du darfst ihn niemals an den Haaren nehmen.“ wies Joxer Xena zurecht und nahm ihr Orpheus ab.  

Lygeia kam vorsichtig näher, streckte die Hand aus und wedelte dort wo normalerweise Orpheus Körper gewesen wäre. „Fuck.“, sagte sie ungläubig, „Der ist ab. Der Kopf ist echt ab.“

„Ja, mein Kopf ist ab.“ Sagte Orpheus spitz, während sich Joxer mit ihm auf einen Felsen setzte.

Lygeia warf die Hände in die Luft. „Verdammt noch mal. Der Kopf ist ab und der Kerl redet noch.“

Gabrielle legte ihrer Freundin eine Hand auf die Schulter. „Lygeia beruhige dich.“

„Ich soll mich beruhigen?!“, rief Lygeia, „Der Kerl hat einen abgeschlagenen Schädel auf dem Schoß, der auch noch redet und ich soll mich beruhigen?“ Mit einem verächtlichen Seufzen ließ sie sich auf einen Felsen neben Joxer fallen, der gerade dabei war Orpheus Frisur wieder gerade zu rücken.

„Orpheus, Bacchus hat dir das angetan.“ Sagte Xena.

„Ich wusste du würdest seine Handschrift erkennen.“ Antwortete der Kopf.

Lygeia tippte ihn an. „Womit hast du dir denn das verdient?“ fragte sie.

„Ich habe mein Leben der Aufgabe gewidmet Bacchus aufzuhalten.“, erzählte er, „Und lange Zeit hat meine Musik gewirkt. Aber jetzt hat er mich mit einem Fluch belegt. Er hat mir den Körper genommen, aber mir Augen und Ohren gelassen, damit ich all die Übel sehe und höre, die er in die Welt bringt. Solange er auf der Erde lebt, hab ich Höllenqualen zu leiden.“

„Na Mahlzeit.“ Hauchte Lygeia.

„Dann hat Bacchus die Mädchen entführt.“ Rief Gabrielle.

Orpheus bewegte sein Kinn, als wollte er nicken. „Und morgen Nacht macht er sie für immer zu Bacchae.“

Ein Lächeln spielte um Xenas Mund. „Und nun willst du meine Hilfe?“

„Ich habe dich lange Zeit zu tiefst gehasst, Xena.“, sagte Orpheus, „Du bist die Letzte, die ich um etwas bitten würde. Aber nur du kennst Bacchus gut genug.“

„Hast du noch immer deine Lyra?“ fragte die Kriegerprinzessin.

„Sie ist in der Stadt bei meinem Freund Melodus versteckt. Er kann sie spielen, während ich singe.“

„Dann sollten wir uns besser beeilen. Komm jetzt.“

Joxer stand mit Orpheus Kopf unter dem Arm auf, als Orpheus noch einmal sprach. „Nicht so schnell. Hier steht wieder mal das Leben von Unschuldigen auf dem Spiel. Nimm dieses Mal ein bisschen mehr Rücksicht.“

Xena atmete einmal tief durch und sagte so ruhig wie möglich. „Joxer, überleg dir was, wie du ihn vorzeigbar machst. Dann brechen wir auf.“

Joxer nickte und ging mit Orpheus davon.

„Xena, was hat er damit gemeint?“ fragte Gabrielle.

Die Kriegerprinzessin blieb stehen. Eine Weile sagte sie nichts, dann brach es aus ihr heraus. „Vor vielen Jahren habe ich mit meinem Heer gegen Bacchus gekämpft. Kurz bevor die Schlacht zu Ende war, geriet eine unbeteiligte Frau zwischen meine und Bacchus Streitkräfte.“

Sie hielt kurz inne, als wöge sie ihre nächsten Worte ab. „Ich bin mir sicher, dass Bacchus sie getötet hat, aber Orpheus gab immer mir die Schuld.“

Gabrielle kam etwas näher, bis sie vor Xena stand. „Wer war sie?“

Xena schaute zur Seite und mied Gabrielles Blick. „Orpheus Frau.“

Lygeia stand auf. „Xena, da kannst du nichts dafür.“ Sagte sie.

Die Antwort der Kriegerprinzessin war ein verächtliches Schnauben. „Ach nein?“
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