Don't leave me here

von Marvel
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Malcolm Reese
15.01.2014
15.01.2014
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15.01.2014 2.246
 
Wuhuu, meine erste 'Malcolm mittendrin' fanfic. Ich liebe dieses Pairing einfach. Die Idee kam mir ganz spontan, als ich nach übermäßigem Malcolm in the middle Konsum ein Paar alte Stories auf der englischen Fanfic Seite gelesen habe.. ist schon etwas traurig, aber ich hoffe sie gefällt euch!


Malcolm wusste garnicht, wie er in diese Situation geraten ist. Noch vor einigen Monaten hätte er nicht eine Sekunde mit dem Glauben verschwendet, dass so etwas passieren könnte. Doch das tat es. Und es ist noch nicht mal allzu lange her, vielleicht einen Monat oder zwei.
Es war kurz nach seinem 15. Geburtstag..

Es war ein ganz normaler Samstag Nachmittag bei den Wilkersons. Lois war arbeiten, Hal war in der Garage, wahrscheinlich dabei das Auto zu reparieren und die Jungs sahen fern.
Natürlich hatte Reese sich sofort die Fernbedienung unter den Nagel gerissen und somit waren Malcolm und Dewey gezwungen, das zu schauen, was er wollte.
Während Dewey nicht wirklich ein Problem damit hatte, war Malcolm sauer. Jeden Tag das Gleiche! Nie durften sie entscheiden, was sie gucken wollten und jetzt, wo auf irgendeinem anderen Sender ein wirklich guter Film lief, mussten sie sich diesen Schrott anschauen.
"Reese, schalt mal um. Du hast diese Folge bestimmt schon-"
"Nö."
"Reese, gib mir die Fernbedienung!"
"Hol sie dir doch"
Und das war es. Malcolm stürzte sich auf Reese, der mit einem provozierenden Grinsen die Fernbedienung hochhielt. Er kassierte ein paar Schläge, welche er jedoch erwiderte. Und alles wäre normal gewesen, wenn sie nicht irgendwann im Eifer des Gefechts auf dem Boden landeten, Reese auf Malcolm, der nun die Fernbedienung in der Hand hielt. Er setze gerade zu einem neuen Schlag an, welcher Malcolm ganz sicher ein blaues Auge verpassen würde, als er inne hielt. Er wusste nicht genau was ihn stoppte und wie lange er Malcolm ansah, doch da war irgendwas, irgendwas an seinem Bruder, das ihn für einen Moment lang die Luft anhalten ließ.
Und Malcolm ging es genau, wenn nicht sogar schlimmer. Noch vor wenigen Sekunden wollte er sich vor Reese's Faust schützen, als er- waren Reese's Augen schon immer so wunderschön grün? Fast schon wie ein Wald aus wunderschönen, blühenden Bäumen und Sträuchern. Er konnte schon fast spüren, wie er sich in ebendiesem Wald verirrte. Hastig hob und sank sein Brustkorb. Erst jetzt bemerkte er wie nah er und Reese sich wirklich waren; nur wenige Zentimeter trennten ihre Lippen, Reese's Brust lag auf seiner und- Oh Gott! Malcolm war sich nicht sicher ob es einfach nur seine verrückten Teenager Hormone waren oder ob es wirklich Reese war, der diese Reaktion seines Körpers auslöste. Doch als sich etwas in seiner Hose zu regen begann, wurde Malcolm zurück in die Realität geschleudert. Bevor Reese etwas spüren konnte, was er wahrscheinlich sowieso schon getan hat, drückte Malcolm ihn von sich weg und stand auf.
"Seid ihr jetzt endlich fertig mit flirten und kann ich die Fernbedienung haben?"
Dewey's Stimme brachte beide auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie hatten nicht geflirtet. Oder? Egal. Es war eine ganz normale Prügelei. Zwischen zwei Brüdern. Nichts besonderes. Trotzdem, traute Malcolm sich nicht Reese anzusehen, welcher nun ebenfalls aufgestanden war und dessen verwirrter Blick sich in einen eher genervten verwandelt hat, als er sich mit einem simplen "Nein" wieder neben Dewey auf die Couch gesetzt hatte.
Malcolm murmelte etwas von Hausaufgaben, ehe er sich in sein Zimmer zurück zog um sich um sein kleines "Problem" zu kümmern. Er gab nach ungefähr 20 Minuten auf, denn es war einfach nicht richtig an seinen Bruder zu denken, während er das tat. Auch wenn ebendieser Bruder der Auslöser dafür war.

Von da an, gingen sich die beiden aus dem Weg so gut sie konnten.
Natürlich fiel es dem Rest der Familie auf, doch sie schoben es auf einen Streit und dachten, dass die beiden sich schon wieder vertragen würden. Und das taten sie auch.

Während Reese das alles anscheinend schon länger vergessen hatte und seinen Bruder genauso behandelte wie sonst, konnte Malcolm nicht anders als den Vorfall immer und immer wieder in seinem Kopf Revue passieren lassen. Er war sich nicht im Klaren darüber, was genau es war, doch er merkte es; er fühlte sich anders gegenüber seines Bruders. Er fühlte sich irgendwie zu Reese hingezogen. Auch wenn er das niemals zugeben würde, fühlte er ein warmes Gefühl in der Magengegend, jedesmal wenn er und Reese sich nah waren.

In den nächsten Wochen fielen Malcolm so viele Sachen an seinem Bruder auf, die er noch nie zuvor beachtet hatte. Wie perfekt gestylt seine Haare doch waren, diese Muskeln und dann auch noch dieses Lächeln. Reese war wunderschön. Es waren nicht nur Reese's Augen, denen er verfiel. Es war Reese.

So falsch das auch sein mag, doch umso mehr Malcolm seinen Bruder beobachte, umso mehr wollte er ihn. Natürlich, er ließ es sich nicht anmerken, prügelte sich mit ihm, warf ihm Beleidigungen jeglicher Art an den Kopf und ärgerte ihn so oft er nur konnte. Doch sobald er alleine war, dachte er darüber nach, was wäre wenn die beiden keine Brüder wären. Hätten sie denn eine Chance?

Und in dieser warmen Sommernacht, nachdem Malcolm sich, wieder, in der Dusche zu dem Gedanken an seinen triefend nassen Bruder, in dieser engen Badehose, wie er ihn noch vor einigen Stunden im Schwimmbad beobachtet hatte,  befriedigte, wurde ihm bewusst was das war. Es waren schon lange nicht mehr seine Hormone. Sein ganzer Körper kribbelte wenn sie sich berührten, sein Herz machte einen Satz wenn er in diese Augen sah und das flaue Gefühl in seinem Magen, diese Eifersucht, wann immer er Reese mit einem Mädchen sah. Es war offensichtlich. Malcolm hatte sich unsterblich in seinen Bruder verliebt.
Und das war verdammt falsch.


Und hier saß er nun. Auf dem Rand der Badewanne, das Messer in der Hand. Die warme Nachmittagssonne, die durch das kleine Fenster im Badezimmer schien, ließ die Klinge immer wieder leicht aufblitzen. Malcolm blickte immer wieder zur Tür. Niemand könnte ihn stören oder gar hindern. Lois und Hal waren arbeiten und Reese und Dewey im Park. Er war ganz allein. Er dachte noch einmal an die vergangenen Monate zurück. War es überhaupt das richtige? Natürlich war es das! Er hatte sich verdammt nochmal in seinen Bruder verliebt! Seinen Bruder! Verdammt, man konnte, wenn man genau hinsah, bei den beiden sogar Ähnlichkeiten erkennen. Er war ein Freak. Und Reese hatte das nicht verdient. Malcolm könnte es nicht ertragen, ihn zu verlieren, was passieren würde, wenn er es ihm erzählte. Aber für immer geheim halten konnte er es auch nicht. Es war wohl das beste für alle wenn er ging. Niemand müsste mehr leiden. Er fühlte sich so schrecklich, so krank und niemand, wirklich niemand hatte das verdient. Seine Familie hatte schon genug Probleme. Er konnte ihnen das nicht auch noch zumuten.

Mit zitternden Händen, tauschte er das Messer gegen einen Stift aus. Er würde nicht viel schreiben, nur das Wichtigste.

Mom, Dad. Es tut mir leid. Dass ich nie der Sohn war, den ihr euch gewünscht habt. Es tut mir leid, dass ich zu dem geworden bin, was ich bin. Es tut mir leid, dass ich euch so oft enttäuscht habe. Ich liebe euch.

Francis, Dewey. Wann auch immer ich ein schlechter Bruder für euch war, es tut mir leid. Es tut mir auch leid, dass ich einfach so gehe. Francis, du wirst immer mein Held bleiben und Dewey, mach etwas aus deinem Leben. Ich weiß dass du es kannst. Du bist ein toller kleiner Bruder und ich bin stolz auf dich. Ich liebe euch beide.


Seine Brust zog sich zusammen, ein stechender Schmerz durchfuhr seinen Körper als er den Zettel zu Boden sinken ließ und gegen einen neuen eintauschte. Reese's Brief war länger. Er hatte ein Recht darauf, alles zu erfahren.

Und als Malcolm die letzten Zeilen schrieb, konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten. Er faltete den Brief und legte ihn neben sich auf die Badewanne, ehe er sich wieder dem Messer widmete. Er schloss seine Augen für einen Moment, versuchte sich zusammenzureißen und die Tränen zu stoppen, bevor er die scharfe Klinge langsam in sein Handgelenk gleiten ließ.

Der erste Schnitt war nicht besonders tief, tat nicht mehr weh als eine Spritze. Doch das Blut trat schneller aus als Malcolm erwartet hätte.
Der zweite Schnitt brannte. Es fühlte sich an, wie eine Millionen Nadeln, die jemand immer und immer wieder direkt in Malcolm's Haut rammte. Und als immer mehr Blut auf seine Hose und die Fliesen tropfte, wusste Malcolm, dass es zu spät war. Er hatte die richtige Stelle erwischt. Er wäre tot ehe ihn jemand finden würde. Und als das Badezimmer langsam anfing sich zu drehen, seine Sicht immer milchiger wurde, formten seine Lippen nur einen einzigen Satz. "Reese, ich liebe dich" waren Malcolm Wilkerson's letzte Worte, ehe alles um ihn herum dunkel wurde.


Und verflucht sei das Schicksal, natürlich war es Reese, der seinen Bruder so fand. Einen Moment lang blieb er einfach dort stehen und starrte seinen kleinen Bruder an, welcher blutüberströmt in der Badewanne lag. Er wollte schreien, doch Malcolm's Name verließ seine Lippen nur mit einem leisen Flüstern.  
Er trat näher an die Badewanne heran und dann konnte er nicht anders als seinen Bruder an den Schultern zu packen und zu schütteln, was die Klinge zu Boden fallen ließ. Und jetzt schrie er. Er bettelte Malcolm an aufzuwachen, er drohte ihm sogar mit Schlägen wenn er das nicht täte. Doch Reese wusste es war zu spät. Malcolm war weg. Für immer. Und das war alles, alles was es brauchte um die Tränen auszulösen. Er drückte seinen Bruder an sich als er weinte. Sein ganzer Körper zitterte. Er bemerkte nicht einmal die Anwesenheit der anderen Personen, die nun versuchten ihn von Malcolm wegzuziehen. "Nein!" schrie er immer wieder, verpasste dem ein oder anderen mehrfach Schläge ehe er schließlich in den Armen seines Vaters zusammenbrach.

Der Alltag bei den Wilkersons war nicht mehr derselbe. Lois, die sonst so stark war, schloss sich Tagelang im Schlafzimmer ein. Zunächst versuchte Hal es mit Rauchen, ehe er schließlich auch dem Alkohol verfiel. Man könnte fast meinen er wollte sich ins Koma trinken. Dewey sagte überhaupt nichts mehr, ebenso wenig wie Francis und Reese, tja, Reese war noch immer geschockt. Jeden Tag bildete er sich ein seinen jüngeren Bruder zu sehen und jede Nacht hatte er Albträume. Schreckliche Träume. Er wollte nicht wahrhaben, dass Malcolm, der, dem er am nächsten in der Familie stand für immer weg war.

Er traute sich noch nicht einmal den Brief zu lesen, der Malcolm ihn hinterlassen hatte. Er vermied es bis zu dieser einen Nacht, etwa zwei Wochen nachdem er seinen kleinen Bruder gefunden hatte.

Reese,
wenn du das hier liest, dann bin ich wahrscheinlich schon gar nicht mehr da. Es tut mir leid, dass ich einfach so gehe. Ich hätte mit dir reden sollen aber ich wusste, dass ich dich verlieren würde, wenn ich dir sage, was ich fühle. Du weißt es bestimmt schon gar nicht mehr aber vor etwa einen Monat hatten wir einen Streit. Um die Fernbedienung, wobei wir auf dem Boden gelandet sind. Aufeinander.  An diesem Tag hat sich einiges geändert. Auch ich wollte es erst nicht wahrhaben, aber nach einigen Wochen konnte ich meine Gefühle nicht mehr unterdrücken. Ja, Reese, ich habe mich in dich verliebt. Und zwar richtig. So wie keiner seinen Bruder je lieben sollte. Aber es ist passiert und du hast das Recht es zu erfahren. Wahrscheinlich hasst du mich jetzt. Aber ich nehme es dir nicht übel. Ich verstehe es sogar, ich bin krank, ein Freak. Wer verliebt sich denn in seinen eigenen Bruder?
Naja, jetzt weißt du es.
Ich liebe dich wirklich..
              Malcolm


Reese schüttelte ungläubig den Kopf, seine Vision unscharf als er versuchte die Tränen zurück zu halten. Vergeblich. "Oh Malcolm.." flüsterte er in die Stille seines Zimmers. "Du hättest mit mir reden können, ich könnte dich nie hassen.. ich, ich liebe dich auch.."

Malcolm's Beerdigung war wahrscheinlich der schlimmste Tag für Reese. Er verhielt sich ruhig den meisten Teil der Zeremonie über. Doch, als der Pfarrer Malcolm's Namen sagte, brach er vor dem Grab seines Bruders zusammen. Er zitterte, schluchzte und seine Stimme war rau als er sprach, "Es tut mir so so leid..ich liebe dich"
Er sagte das immer und immer wieder, konnte sich kaum noch beruhigen als sein Vater und Francis ihn langsam vom Grab wegzogen. Er war zu schwach um sich zu wehren.

Auf der Trauerfeier die folgte, hatte Reese sich schon zum größten Teil wieder beruhigt. Lois und Hal redeten mit ein paar Verwandten. Man konnte ihnen ansehen wie müde sie waren. Als Reese sich so umsah, wollte er nur noch raus. Er signalisierte seiner Mutter, dass er etwas frische Luft schnappen würde, welche einfach nur nickte.

Der Anruf kam um 7.

Wer hätte denn ahnen können, dass die Brücke im Park sich perfekt dazu eignete, herunter zu springen?
Wer hätte denn ahnen können, dass Reese nichts mehr wollte als seinen Bruder?
Wer hätte denn ahnen können, dass Lois und Hal bei diesem "harmlosen Spaziergang" noch einen Sohn verlieren würden?

Doch Malcolm und Reese war das egal, denn sie waren endlich zusammen. Und glücklich.
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