Brücken in die Zukunft

von claudrick
GeschichteSci-Fi / P12
Curtis Newton / Captain Future Ezella Garnie Joan Landor Otto Vul Kuolun
14.01.2014
18.01.2014
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14.01.2014 749
 
Joan Landor blickte angestrengt auf den kleinen Monitor und versuchte wie immer mehr oder weniger ratlos zu erkennen, was es da zu sehen gab, was einen derart zum Schwärmen bringen konnte.

„Das sieht alles ganz ausgezeichnet aus“, sagte Dr. Julia Myers begeistert, während sie noch das Ultraschallgerät in Joans Unterleib hin und her bewegte. „Das ist wirklich ein Fünf-Sterne-Uterus, Joan“.

Die Agentin verdrehte die Augen. Sie kannte Dr. Myers seit sie im Dienst der Planetenpolizei stand und mochte sie sehr, aber die Ausdrucksweise der Ärztin war doch hin und wieder etwas befremdlich.

„Danke für das Kompliment“, gab Joan ironisch zurück. „Brauchen Sie mich vielleicht als Uterus-Model für eine medizinische Fachzeitschrift, oder so?“

„Ja, wieso nicht? Wir könnten uns das Honorar teilen“, entgegnete Dr. Myers und grinste breit, nur um gleich wieder zur dienstlichen Routine zurück zu kommen. „So... Ich denke, wir haben alles gesehen. Sie können sich dann wieder anziehen, meine Liebe“.

Erleichtert glitt Joan von dem Stuhl herunter, zog sich in der kleinen Kabine wieder an und nahm vor dem Schreibtisch der Ärztin Platz.

„Es ist alles in bester Ordnung, Joan. Auch der Laborbefund ist völlig unauffällig. Haben Sie irgendwelche Fragen?“

„Eigentlich nicht“, antwortete sie und wollte schon Anstalten machen, sich zu bedanken und aufzustehen.

„Ach Joan, ich wollte Ihnen noch ein ehrliches Lob aussprechen“, sagte die Ärztin noch, was die Agentin veranlasste, sitzen zu bleiben. Ach ja? Für meine formvollendeten Eierstöcke vielleicht?, spottete sie in Gedanken.

„Sie haben im Kampf gegen die Verbreitung dieser gefährlichen Droge, des Lebenselixiers, großartige Arbeit geleistet. Wie ich hörte, hat man Ihnen deshalb die Leitung eines S.W.A.T.-Teams der Planetenpolizei gegen Drogenkriminalität angeboten.“

Ezella, die alte Plaudertasche!, ging Joan sofort durch den Kopf. Nur von ihm konnte Dr. Myers, die Ezella Garnie seit ihrer gemeinsamen Ausbildung kannte und auch privat mit ihm befreundet war, diese Information haben, die noch gar nicht offiziell war.

„Gratuliere, das ist eine große Anerkennung“, fuhr Dr. Myers fort. „Sie dürfen sehr stolz auf sich sein!“

„Ja... Das bin ich auch, aber...“, entgegnete Joan und ließ durch ihre zögernde Antwort die Ärztin hellhörig werden.

„Aber?“, bohrte Myers nach.

„Es ist überwiegend ein Schreibtischjob!“, platzte es aus Joan heraus. „Die ganze Theorie, taktische Einsatzplanung, Krisenanalyse und all das. Zudem die Verantwortung für ein ganzes Team! Es ist eines, sich selbst in Gefahr zu begeben, aber andere... Und ich weiß nicht, ob es mir wirklich liegt, nur zu planen und Anweisungen zu geben, statt wirklich dabei zu sein.“ So, jetzt war es ausgesprochen.

„Ich verstehe“, sagte Dr. Myers nach kurzem Schweigen und sah ihre Patientin eindringlich an. „Sagen Sie, Joan...“, fuhr Dr. Myers fort. „Spielen Kinder in Ihrer Lebensplanung eigentlich eine Rolle?“

Joan war zu perplex, um auf diese unerwartete und scheinbar zusammenhanglose Frage zu antworten und starrte die Ärztin nur verständnislos an.

„Scheinbar nicht, wenn ich Ihren Blick richtig deute“, fuhr Dr. Myers fort. „Ich frage das auch nur deshalb, weil jetzt möglicherweise ein guter Zeitpunkt dafür wäre. Sie sind gesund und fit, der „Schreibtischjob“, wie Sie ihn nennen, birgt so gut wie keine Gefahr für Leib und Leben mehr bei einem gesicherten und mehr als angemessenem Einkommen...“

„Ja... Das stimmt“, entgegnete Joan automatisch.

„Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, Joan. Agentin der Planetenpolizei zu sein, verlangt einem alles ab, dessen bin ich mir natürlich bewusst. Aber neben allem beruflichen Engagement sind Agentinnen eben auch noch Frauen.“

Dr. Myers wandte sich Ihrem Computer zu und besah sich Joans Daten. „Wann wurde der Eingriff bei Ihnen vorgenommen?“, fragte sie und spielte damit auf die Entnahme von Einzellen bei gleichzeitiger Sterilisation an, was bei den raumfahrenden Agentinnen vorgenommen wurde, um ihr Erbgut vor einer Schädigung durch die permanente Strahlenbelastung im All zu schützen.

„Wenige Wochen nach dem Ende der Ausbildung“, antwortete Joan. „Ich war gerade einundzwanzig geworden“.

„Wie üblich“, entgegnete die Ärztin. „Nun, vielleicht denken Sie einfach mal darüber nach und besprechen die Sache mit Ihrem Partner. Er muss schließlich auch eine nicht unbedeutende Kleinigkeit zu der künstlichen Befruchtung beitragen.“ Erschrocken sah Joan ihre Ärztin an, was diese jedoch missverstand. „... Und falls Sie keinen festen Partner haben, kann ich bei Interesse in der Klinik gerne den Kontakt für eine anonyme Samenspenden herstellen.“

„Nein!“, rief Joan hastig aus, „Das ist nicht nötig! Vielen Dank, Dr. Myers, ich werde darüber nachdenken.“

Etwas überstürzt stand Joan auf, verabschiedete sich flüchtig und ließ eine kopfschüttelnde Dr. Myers zurück. Immer dasselbe mit den jungen Dingern, dachte sie leicht amüsiert. Der Gedanke an Kinder bringt sie völlig aus der Fassung.
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