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Over the rooftops of the world.

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charlie Dalton Gerard Pitts Steven Meeks Todd Anderson
13.01.2014
08.04.2014
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„Das war klasse!“, meinte Hannah, die sich bei Meeks und Pitts untergehakt hatte. Die beiden hatten angeboten, sie bis zu ihrem Zimmer zu begleiten. Das Treffen hatte damit geendet, dass alle angefangen hatten, zu tanzen oder ekstatisch auf und ab zu wippen. Jazz allein tat solche Dinge normalerweise mit fast allen Menschen. Aber Jazz und Gras zusammen…
„Ich glaube, ich sollte wirklich nichts von dem Zeug rauchen.“, sagte Pitts. Hannah und Meeks lachten.
„Du wirst morgen wundervolle Kopfschmerzen haben.“, erwiderte Meeks.
„Wir werden morgen alle ganz schön durchhängen. Aber zum Glück ist Samstag. Und nächste Woche am Samstag ist die Party bei Ginnys Freund. Kommt ihr?“, wollte Hannah von den beiden wissen. Pitts kniff die Augen zusammen.
„Ich weiß nicht.“, meinte er.
„Ich denke, ich komme mit. Warum kommst du nicht, Pittsie?“, fragte Meeks.
„Ich muss lernen. Du bist ein Genie, Meeks, dir fällt das ganze ja leicht, aber mir nicht…“, antwortete Pitts und schüttelte den Kopf.
„Wir legen auf der Party einfach eine Lernsession ein, okay? Nach was schaust du denn die ganze Zeit?“, entgegnete Hannah.
„Seht ihr hier auch überall diese kleinen Männlein herumlaufen?“, wollte Pitts wissen. Meeks und Hannah brachen in schallendes Gelächter aus.
„Oh, Pitts, ich glaube, du schläfst morgen besser ordentlich aus und bleibst den ganzen Tag im Dunkeln. Du halluzinierst schon.“, antwortete Hannah.
„Vielleicht halluziniert ja auch ihr beide?“, schlug Pitts vor.
„Möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Es ist wahrscheinlicher, dass du halluzinierst, als dass wir beide dieselbe Halluzination haben.“, meinte Meeks daraufhin nur und lächelte.
„Also, Pitts, du kommst definitiv mit. Ginnys Freund wohnt noch bei seinen Eltern und die haben ein eigenes Schwimmbecken im Haus, hat sie gesagt.“, sagte Hannah mit strahlenden Augen.
„Ja, Pittsie, ich wette, dass sogar Spaz kommt.“, stimmte Meeks ihr zu.
„Ja, Spaz ist dabei, ich hab ihn heute Nachmittag gefragt.“, erzählte Hannah. Pitts machte große Augen.
„Dann… dann muss ich also wirklich mitkommen… wenn sogar Spaz dabei ist…“, murmelte er.
„Hast du gesehen, wie er das Gras heute geraucht hat? Ich wette, Spaz ist im Grunde seines Herzens ein Draufgänger.“, meinte Meeks mit einem Hauch von Anerkennung.
„Was habt ihr alle gegen ihn? Spaz ist doch total nett, er hat nur ein paar Allergien zu viel, aber dafür kann er ja nichts.“, wandte Hannah ein.
„Spaz ist halt einfach… Spaz.“, war das einzige, was Meeks dazu einfiel.
„Kennst du diesen einen Typen, den wirklich alle mit Papierkügelchen bewerfen und der sogar unter den Außenseitern ein Außenseiter ist? In jeder Klasse und Gruppe gibt es diesen einen Typen. Spaz war in Welton einfach dieser eine Typ.“, erklärte Pitts.
„Oh… ich glaube, ich weiß, was du meinst.“, sagte Hannah und kicherte.
„Auf welcher Schule warst du früher?“, fragte Meeks.
„St. John bei New Orleans. Gemischte Privatschule.”, antwortete Hannah.
„Gemischt? Hattest du es gut.”, rief Pitts aus.
„Erinnerst du dich an diesen Artikel, den Charlie veröffentlicht hat?“, fragte Meeks lachend. Pitts nickte grinsend.
„Welchen Artikel?“, wollte Hannah wissen. Die drei standen inzwischen vor Hannahs Zimmer und redeten und lachten laut. Keiner von ihnen war müde, ihnen war, als könnten sie die ganze Nacht durchmachen.
„Er hat damals bei unserer Schülerzeitung Korrektur gelesen und hat einen Artikel eingeschmuggelt, in dem er gefordert hat, dass auch Mädchen in Welton aufgenommen werden, damit wir aufhören können…“
Meeks und Pitts sahen sich peinlich berührt an. Als Hannah diesen Blick mitbekam, begann sie schallend zu lachen.
„Jungs, ich weiß, was ihr meint.“, sagte sie und lachte weiter. In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen und Ginny Danburry stand im Türrahmen. Sie sah nicht nur müde aus, sondern auch ziemlich sauer.
„Leute, ich finde es ja toll, dass ihr so viel Spaß habt, aber ich würde echt gerne schlafen, ja? Hannah, komm rein und geh ins Bett und ihr beiden… macht, was auch immer ihr vorhattet.“, grummelte sie. Meeks, Pitts und Hannah sahen sich an.
„Tja, ich schätze, das war’s dann für heute Abend. Macht’s gut, Jungs. Wir sehen uns spätestens am Montag in Physik.“, verabschiedete sich Hannah.
„Ja, bis Montag dann.“
„Bis Montag.“
Damit verschwanden Meeks und Pitts. Hannah glaubte, Pitts noch murmeln zu hören: „Ich werde morgen tot sein. Wehe du gehst mir auf den Keks.“
Hannah lachte leise und kam dann in ihr Zimmer. Ginny lag bäuchlings auf dem Bett und sah aus, als wäre sie halbtot.
„Du weißt schon, dass morgen deine Eltern zu Besuch kommen wollten, oder?“, fragte Ginny, ihre Stimme durch das Kissen ziemlich unverständlich.
„Was sagst du?“, hakte Hannah nach. Ginny hob den Kopf.
„Morgen. Deine Eltern. Kommen zu Besuch. Hierher.“, wiederholte sie in Kurzform. Hannah bekam vor Schreck große Augen. Den Besuch ihrer Eltern hatte sie vollkommen vergessen. Sie öffnete den Mund und machte ihn dann wieder zu.
„Du hast es doch tatsächlich vergessen.“, meinte Ginny mit hörbarer Belustigung. Hannah schluckte nur und nickte.
„Wundervoll. Wie viel hast du getrunken?“, fragte Ginny weiter und schien jetzt auf einmal putzmunter zu sein.
„Nichts.“, antwortete Hannah, bleich vor Schreck. Ginny zog eine Augenbraue hoch. Ihre Mundwinkel zuckten.
„Ich hab geraucht. Ein Tütchen. Also besser gesagt ein Pfeifchen. Mit den Jungs.“, fügte Hannah hinzu, als sie Ginnys fragenden Blick sah. Sie verdrehte die Augen.
„Wessen Stoff war das?“
„Mein eigener.“, murmelte Hannah kleinlaut.
„Oh Mann. Ich hätte ja schon fast gedacht, dass Charlie das Zeug dabeihatte. Das hätte ihm ähnlich gesehen.“, meinte Ginny nur und lehnte sich zurück.
„Scheiße, Ginny, ich muss aufräumen. Wie spät ist es eigentlich?“, fragte Hannah panisch und begann, im Kreis zu laufen.
„Es ist ein Uhr morgens. Viel Spaß beim Aufräumen und wehe, du weckst mich.“, erwiderte Ginny mit einem amüsierten Grinsen.
„Verdammt. Tut mir leid, echt. Einer der Jungs hatte eine Platte von Slim Gaillard dabei und… naja, dann hat eben eins zum anderen geführt. Mist. Hilfst du mir, Ginny? Bitte. Ich nehm‘ dich auch mit zum nächsten Treffen.“, bot Hannah an.
„Hat Dalton gesagt, dass du das sagen sollst?“, fragte Ginny. Hannah schüttelte den Kopf. Sie begann, ihre Bücher vom Boden aufzusammeln und ungeordnet in ihr spärliches Bücherregal zu schlichten, das bald voll war. Die restlichen Bücher musste sie zwangsläufig auf die anderen drauflegen. Ginny schüttelte nur den Kopf und begann, ein paar Tabakreste zusammen zu putzen.
„Irgendwann fallen dir die Dinger noch auf den Kopf, während du schläfst und du wirst grausige Schmerzen leiden. Und du hättest es verdient.“
*
Hannah hatte es am Morgen tatsächlich geschafft, ihre Augenringe mit ein wenig Puder von Ginny abzudecken, worauf sie schon mächtig stolz war. Ihr Kopf fühlte sich an, als wäre er auf die zehnfache Größe angeschwollen. Trotz allem hatte Hannah es geschafft, sich zu einem Lächeln zu zwingen. Ihre Eltern hatten immer noch keinen Verdacht geschöpft. Hannah war ziemlich stolz darauf, ihre Physiksachen gut genug versteckt zu haben.
Jetzt saßen sie gemeinsam in der Mensa und aßen Mittag. Hannah hoffte nur, dass sie die Sache gut überstehen würde. Sie fühlte sich nicht unbedingt, als wäre ihr Magen heute der stärkste. Außerdem tat ihr Kopf weh und das aufdringliche Parfüm ihrer Mutter machte es nicht gerade besser.
„Hast du auch ein paar Freundinnen gefunden?“, fragte ihre Mutter irgendwann mit entzückter Stimme. Hannah schrak aus ihren Gedanken hoch. Diese Frage hatte sie die ganze Zeit über gefürchtet. Natürlich hatte sie sich hin und wieder mit ein paar anderen Mädchen in ihren Kursen unterhalten, aber eigentlich betrachtete sie nur Ginny als ihre Freundin. Von den Jungs erzählte Hannah lieber nichts.
„Klar, ähm… Clairine und ähm… so eine Blonde, ich komme gerade nicht auf ihren Namen…“, stammelte sie und lächelte peinlich berührt. Oh Himmel. Ihre Eltern würden sie so was von durchschauen.
„Ist schon okay. Du gehst nun einmal nicht so schnell auf andere zu. Ginny ist ein nettes Mädchen.“, meinte ihre Mutter und sah nervös zu ihrem Ehemann, als würden sie ihr gerade irgendetwas verkünden wollen. Doch dazu kam es nicht. Noch nicht.
Denn in dem Moment, als ihr Vater den Mund öffnete, um etwas zu sagen, entstand ein kleiner Tumult und eine kleine Truppe Jungs kam auf den Tisch zugerannt, an dem Hannah und ihre Eltern saßen. Diesen Moment hatte Hannah die ganze Zeit über gefürchtet und jetzt war er gekommen: Das war ihr Ende. Das Jüngste Gericht.
„Foster! Hey, Foster! Können wir uns zu dir setzen?“, rief niemand geringeres als Charlie Dalton, gefolgt von Todd, Meeks, Pitts (der wirklich elend aussah) und Spaz.
„Ah, hi. Ich… ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee…“, meinte Hannah, wurde aber von ihrer Mutter unterbrochen.
„Bitte setzen Sie sich doch. Es würde mich freuen, ein paar Freunde von meiner Tochter kennenzulernen.“, sagte sie in ihrem eisigsten und strengsten Tonfall. Hannah kniff die Augen zusammen, als ihre Freunde sich ein wenig zögerlich setzten. Von dem üblichen Gelächter und den kleineren Essensschlachten war nichts mehr zu sehen.
„Willst du uns deine Freunde nicht vorstellen, Hannah?“, fragte ihr Vater. Hannah nickte, zwang sich zu einem gequälten Lächeln.
„Natürlich, tut mir Leid. Das sind Spa… Matthew Coleman, Charlie Dalton, Todd Anderson, Gerard Pitts und Steven Meeks. Jungs, das sind meine Eltern.“, erwiderte sie und schluckte. Die Jungen murmelten ein paar „Freut mich“s und konzentrierten sich auf ihr Essen.
„Woher kennt ihr euch denn alle?“, wollte Hannahs Mutter wissen.
„Oh, ähm… Charlie hier ist in meinem Wirtschaftskurs und die anderen sind seine Freunde. Von seiner alten Schule. Sie waren alle in Welton.“, entgegnete Hannah und lächelte süßlich, auch wenn es ihr immer noch schwer fiel. Verdammte Kopfschmerzen. Die Gesichter ihrer Eltern hellten sich schlagartig auf. Von Welton hielten sie viel.
„Natürlich, Welton. Wir wollten unseren Jüngsten eigentlich auch dort hinschicken, haben uns dann aber doch anders entschieden.“, meinte Hannahs Mutter. Hannah zog die Augenbrauen hoch und grinste den anderen vielsagend zu.
„Tatsächlich, Mrs. Foster?“, fragte Charlie mit einem strahlenden Lächeln. Die anderen sahen ihn erstaunt an. Hannahs Mutter schien entzückt zu sein. Wahrscheinlich würde Hannah Charlie dann dafür danken müssen.
„Ja, wirklich. Wir haben ihn dann aber lieber an dieselbe Schule geschickt wie seine Schwester. Wir dachten, dass er dann vielleicht nicht so über die Stränge schlagen würde.“, erwiderte Hannahs Mutter. Hannah grinste schief.
„Natürlich, absolut verständlich. Das kann ich mir gut vorstellen. Ich kenne Hannah natürlich noch nicht lange, aber sie ist eine sehr vernünftige junge Dame, wenn Sie mich fragen.“, sagte Charlie. Hannah musste sich Mühe geben, nicht in lautes Gelächter auszubrechen. Mit einem Blick in die Runde stellte sie fest, dass sie nicht die einzige war, der es so ging.
„Nun gut, es war nett, Sie alle kennen zu lernen, aber wir würden gern noch etwas Zeit mit unserer Tochter allein verbringen. Wenn Sie und entschuldigen würden, Gentlemen…“, warf ihr Vater ein und räusperte sich. Alle Jungen standen mustergültig auf und Hannah hatte Tränen in den Augen, weil sie ihr Lachen so sehr unterdrücken musste.
„Bis bald mal, Jungs.“, sagte sie und hielt sich schnell die Hand vor den Mund, um nicht in Gelächter auszubrechen. So folgte sie ihren Eltern aus der Mensa.
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