Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Over the rooftops of the world.

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charlie Dalton Gerard Pitts Steven Meeks Todd Anderson
13.01.2014
08.04.2014
14
20.976
 
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
13.01.2014 1.513
 
Es tut mir Leid, dass ich nicht zu allen Gedichten eine deutsche Übersetzung gefunden habe, aber ich selbst stell mich beim Übersetzen von Gedichten einfach nur blöd an, deswegen: Unnskyld.
________________________________________________________________

„Wow, wow, wow.“, meinte Hannah nur, als sie das Wohnzimmer sah, in dem die Jungs es sich bequem gemacht hatten. Meeks und Charlie sahen sich grinsend an. Sie hatten dieses Zimmer (und ein paar andere, wie die Küche und das Bad) auf Vordermann gebracht.
Um einen Kamin herum standen ein paar alte Sessel, die mit alten Wolldecken bedeckt waren. In der Mitte des Kreises stand ein Tisch. Auf dem Parkettboden lag ein Fellteppich und an der Wand standen schier endlose Reihen von Büchern in einem alten Bücherregal. Sogar einen Plattenspieler gab es.
„Sie sind da!“, verkündete Charlie. Ein ziemlich lautes Niesen war zu hören, dann ein Schnauben. Die anderen, die bereits da waren, lehnten sich aus ihren großen Ohrensesseln.
„Spaz?“, fragte Meeks erstaunt, als er das fremde Gesicht in der Runde erkannte.
„Er hat mich überredet, ihn mitzunehmen.“, erklärte Pitts. Spaz lächelte entschuldigend. Hannah strahlte.
„Das ist toll! Ich hätte nicht gedacht, dass du es dir doch noch anders überlegst, Spaz!“, sagte sie fröhlich und suchte sich einen freien Sessel, um sich zu setzen. Pitts und Meeks machten dasselbe.´
„Also gut. Wer leitet das Treffen?“, fragte Charlie und schaute zu Todd.
„Ich weiß nicht, Charlie…“
„Nuwanda.“
„Ich weiß nicht, Nuwanda. Ich…“
„Du machst das jetzt einfach.“
Todd sah ihn für einen Moment entsetzt an, dann seufzte er nur resigniert und griff nach einem Gedichtband, der auf dem Tisch lag.
„H-hiermit eröffne ich den Club der toten Dichter. I-ich werde nun die traditionelle Eröffnungspassage von Henry David Thoreau vorlesen.“, begann Todd unsicher und sah sich dann im Kreis um. Die anderen nickten ihm ermutigend zu.
„Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen. Und um alles fortzuwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestage innezuwerden, dass ich nie gelebt hatte.“
„So, jetzt packt mal alles an Essen aus, was ihr mitgebracht habt. Hier auf den Tisch, Freunde.“, forderte Charlie sie auf. Hannah packte mit einem Grinsen ein paar Schokoriegel und drei Flaschen Wein aus. Außerdem legte sie ihr Marihuana dazu.
„Ist es das, was ich denke?“, fragte Charlie sofort aufgeregt.
„Ich weiß nicht, Dalton, kann ich Gedanken lesen?“, entgegnete Hannah mit einem süffisanten Grinsen. Meeks beobachtete das Gespräch zwischen den beiden und war gespannt, wie Charlie reagieren würde.
„Oh, habt ihr ein Glück, dass ich uns Pfeifen mitgebracht habe!“, rief er aus und begann eifrig die Pfeifen mit dem Marihuana zu stopfen. Hannah lachte, als sie Charlies Eifer sah und schüttelte den Kopf.
„Will irgendjemand lesen, während Charlie die Pfeifen stopft?“, fragte Todd in die Runde. Hannah meldete sich und nahm ihm das Buch aus der Hand.
„Ich mach das. Mal schauen…“
Sie blätterte durch die Seiten und überflog die Seiten kurz. Dann hielt sie bei einer Seite kurz inne und ihr Gesicht hellte sich auf. Sie räusperte sich.

“Wenn schweigend Angesicht in Angesicht,
sich unsre Seelen ragende Gestalten
so nahe stehn, daß, nicht mehr zu verhalten,
ihr Feuerschein aus ihren Flügeln bricht:

was tut uns diese Erde dann noch banges? Kaum;-
sie schütteten uns Sterne des Gesanges
in unsres Schweigens lieben tiefen Raum.

Nein, laß uns besser auf der Erde bleiben,
wo alles Trübe, was die andern treiben,
die Reinen einzeln zueinander hebt.

Da ist gerade Platz zum Stehn und Lieben
für einen Tag, von Dunkelheit umschwebt
und von der Todesstunde rund umschrieben.”


„E.B. Browning.”, sagte Hannah leise, nachdem sie zu Ende gelesen hatte. Die anderen sahen sie anerkennend an. Scheinbar hatte sie die richtige Wahl getroffen. Mit einem Lächeln gab sie das Buch an Spaz weiter. Der blätterte nervös durch die Seiten und begann dann ohne Vorwarnung zu lesen.

“Riches I hold in light esteem,
And Love I laugh to scorn;
And lust of fame was but a dream,
That vanished with the morn:

And if I pray, the only prayer
That moves my lips for me
Is, ‘Leave the heart that now I bear,
And give me liberty!’

Yes, as my swift days near their goal,
‘Tis all that I implore;
In life and death a chainless soul,
With courage to endure.”


„Wow, Spaz. Hätte nicht gedacht, dass du das drauf hast. Von wem war das?“, fragte Charlie und begann, die Pfeifen auszuteilen und mit seinem Feuerzeug die Runde zu machen.
„Das war ‚The Old Stoic‘ von E. Brontë. Was ist das da?”, erwiderte er und deutete auf die Pfeife. Charlie kicherte leise.
„Das da ist Marihuana. Probier es, vielleicht tut’s dir sogar gut.“, meinte er nur. Hannah nickte lächelnd und nahm einen Zug von ihrer Pfeife. Sie schaute sich um und bemerkte, wie Meeks an seinoer Pfeife zog, als hätte er nie etwas anderes getan.
„Whoa, Meeks. Du ziehst das Zeug ganz schön rein.“, sagte sie. Meeks sah von der Pfeife auf und zuckte mit den Schultern.
„Muss man damit vorsichtig machen?“, wollte er wissen.
„Es wäre von Vorteil. Hier, lies zur Abwechslung, sonst bist du in fünf Minuten high.“, antwortete Hannah und reichte ihm das Buch. Meeks blätterte wahllos darin herum, nahm die Pfeife aus dem Mund und begann zu lesen.

“Round the cape of a sudden came the sea,
And the sun looked over the mountain’s rim:
And straight was a path of gold for him,
And the need of a world of men for me.”


„Oh, Meeks!”, rief Charlie lachend. Todd schmunzelte. Er war seltsam ruhig geworden, nachdem er die Eröffnung gelesen hatte. Und Charlie hatte das bemerkt.
„Hier, du bist dran, Todd. Lies oder stirb.“, meinte er und kicherte. Hannah sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
„Es wirkt schon, oder?“
„Ein bisschen.“
Meeks lachte völlig zusammenhanglos und brauchte eine ganze Weile, bis er sich wieder eingekriegt hatte. Inzwischen hatte Todd ein geeignetes Gedicht gefunden.

“Rough wind, that moanest loud
Grief too sad for song;
Wild wind, when sullen cloud
Knells all the night long;
Sad storm whose tears are vain,
Bare woods whose branches stain,
Deep caves and dreary main, -
Wail for the world’s wrong!”


„P.B.Shelley. A Dirge.“, sagte Todd leise und gab das Buch an Pitts weiter. Er schüttelte nur den Kopf und reichte das Buch an Meeks zurück.
„Ich glaub, ich bring das nicht mehr zusammen. Mir ist, als verschwimmt vor meinen Augen alles.“, entschuldigte Pitts sich. Die anderen lachten.
„Pittsie, vielleicht solltest du das nächste Mal wieder normalen Tabak rauchen.“, schlug Charlie vor.
„Von dem ist er doch auch abgedreht, weißt du noch?“, erwiderte Meeks. Charlie lachte, als er sich daran erinnerte.
„Also… ich merk davon gar nichts.“, meldete sich Spaz schüchtern zu Wort. Hannah, Meeks, Charlie und Todd sahen ihn überrascht an.
„Im Ernst? Das Zeug ist ziemlich gut, sogar ich finde, dass es wirkt.“, meinte Hannah und Charlie nickte nur. Spaz zuckte mit den Schultern.
„Also, ich merk nichts. Noch nichts. Vielleicht kommt das noch.“, sagte er. Charlie schüttelte lächelnd den Kopf.
„Wer hätte gedacht, dass Spaz das Zeug zum Marihuana Rauchen hat?“, sinnierte Meeks und starrte an die Decke.
„Meeksie, Meeksie, lies nochmal das Kongo-Gedicht vor!“, forderte Pitts, der in seinem Sessel hing und vor sich hin kicherte.
„Ja! Das war echt klasse.“, stimmte Todd ihm zu, dem die Droge auch nicht allzu sehr zuzusetzen schien. Meeks schnappte sich das Buch und schlug die Seite auf.

“Dicke, schwarze Kerle und die Fässer voll Wein,
Könige des Weinkellers auf unsicheren Füßen,
Wanken, schwanken und hämmern wir auf den Tisch,
Mit dem Besenstiel trommeln wir auf ein leeres Fass,
So laut wir können.
Bumm, bumm, BUMM,
Mit `nem Seidenschirm und `nem Besenstiel,
Bummerle, bummerle, bummerle, BUMM!
DA hatte ich Religion, DA hatte ich `ne Vision
Und keine Verachtung für das wüste Treiben.
DENN ICH SAH DEN KONGO FLIESSEN
DURCH DIE NACHT,
WÄLZEN DURCH DIE BÄUME SEINE REIFE
PRACHT.“


Die anderen wippten im Takt mit und klatschten oder klopften auf die Lehne ihres Sessels. Charlie stand auf und zog den Plattenspieler näher heran.
„Hat jemand zufällig Platten dabei?“, wollte er wissen. Alle schüttelten den Kopf, bis auf Spaz. Er lächelte und sagte leise: „Ja, ich.“
Alle Augen richteten sich auf ihn und Charlie fragte nach: „Was hast du gesagt?“
„Ich hab ein paar Platten dabei. Ich war vorhin noch im Laden gewesen und hab welche gekauft.“, sagte er und lächelte ein wenig stolz. Charlie kam auf ihn zu und umarmte ihn.
„Spaz, wenn ich je gemein zu dir war, dann tut es mir aufrichtig leid. Du bist ein Genie. Nein, Meeks ist das Genie. Du bist das Genie Nummer zwei. Wenn Meeks ausfällt, nimmst du seinen Platz ein.“, verkündete Charlie.
„Du faselst.“, stellte Hannah fest und wandte sich dann an Spaz.
„Was hast du dabei?“
„Ein bisschen Jazz und so… Charlie Parker, Slim Gaillard…“
Hannah stieß einen spitzen Schrei aus, dann hüpfte sie ein paarmal auf der Stelle auf und ab.
„Slim Gaillard! Oh, leg das auf, Spaz, leg das auf!“, rief sie und strahlte.
„Sie ist auch high…“, meinte Meeks nur und deutete auf Hannah.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast