A Girl They Called Shadow

GeschichteDrama, Übernatürlich / P16
Gambit / Remy LeBeau Nightcrawler / Kurt Wagner OC (Own Character) Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Sabretooth / Victor Creed Wolverine
13.01.2014
08.07.2016
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Mir ist aufgefallen, dass sich Fanfiction besser liest, wenn die Kapitel nicht endlos lang sind, deshalb werde ich meine Kapitel möglichst kurz halten und dafür mehr Kapitel erstellen. Aber los geht's, viel Spaß! :)
(Ach ja und Reviews wären echt super! Danke im Voraus!)



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1: Bad Start

Der Regen perlte von meiner Haut ab, als ich langsam, Schritt für Schritt, auf das große, mit Pflanzen umwachsene Tor des riesigen Gebäude zuging, das ich mich mehr an eine Villa, als an eine Schule erinnerte. Obwohl ich wusste, dass mich die meisten Augen nicht wahrnehmen würden, achtete ich darauf, dass keine Menschen auf der Straße zu sehen waren, und dass jeder meiner Schritte bedacht und leise war.
Da war es, das Schild.
Xaviers Schule für besonders begabte Kinder.
Ich warf einen Blick über die Schulter und ließ meine Tarnung fallen. Dann drückte ich den Klingelknopf. Ich kam mir so … normal vor.
Wenig später öffnete sich das Tor und ein älterer Herr im Rollstuhl tauchte direkt vor mir auf. Wortlos bedeutete er mir, ihm zu folgen, und ich erschauderte.
Auf dem Weg in sein Arbeitszimmer, der mir unglaublich lang erschien, versuchte ich mich einfach nicht darüber zu wundern, dass er mir persönlich die Tür geöffnet hatte und vermutlich bereits über alles bescheid wusste. Wie dieser Vollidiot von Helfershelfer von Lensherr mir seine Krallen an den Hals gehalten hatte. Wie ich meinen linken Mittelfinger verloren hatte. Ironisch, wenn man es überdachte, war doch dieser Finger meine Lieblingswaffe gegen ihn gewesen. Trotzdem bezweifelte ich, dass er mir ihn deshalb abgebissen hatte.
Mein Blick wanderte über die hölzernen Vertäfelungen der Wände zum Verband an meiner Hand. Das Blut hatte erneut die Mullbinden durchtränkt und sich am Rand schon wieder getrocknet dunkel abgesetzt. Egal.
Eine Tür öffnete sich links von mir und mein Vorgänger rangierte sein Gefährt hindurch, bevor ich ihm so unauffällig wie möglich folgen konnte. Was mir nicht schwerfiel, Tarnung war meine „Gabe“.
Der Raum war größer, als er von außen erschien. Vor der verglasten Fensterwand stand ein Schreibtisch, auf dem sich Türme von Aktenordnern und Stiften erhoben, doch sie waren ordentlich aufgeräumt. Links daneben stand eine Tafel, grün, wie es sie anscheinend in Schulen gab, und auf sie waren auch mit Kreide irgendwelche physikalischen Formeln geschreiben worden, die ich nicht verstand. Die hohen Regale an den Wände warfen entgegen aller Vermutungen kaum Schatten in den hellen Raum, was das ordentliche Büro sehr viel einladender erscheinen ließ.
Wir waren nicht allein. Vor dem Schreibtisch standen drei weitere Personen, wobei eine eher auf der Kante des Tisches herumlümmelte, während die anderen beiden mit verschränkten Armen gerade dastanden.
Der Mann im Rollstuhl sah nachdenklich zu mir hoch. Ich versuchte alle Emotionen, die mir Erik Lensherr versucht hatte, über ihn einzureden, zu verdrängen, doch so ganz wollte es nicht klappen. Mit der Glatze und der Hakennase, die im Kontrast zu seinen liebenswürdigen Augen stand jedoch erinnerte er mich an meinen Großvater – oder zumindest den Mann, den man mir als meinen Großvater vorgestellt hatte. Weiß Gott, wer der Kerl wirklich war, aber ich mochte ihn.
Professor Xavier kann Gedanken lesen, erinnerte ich mich. Das tat er wahrscheinlich gerade. Ich riss meinen Blick von ihm los und musterte die hinter ihm stehenden Personen. Es war merkwürdig, dass ich zwei von ihnen bereits kannte, obwohl wir uns noch nie persönlich getroffen hatten. Wie klein die Welt doch ist, spöttelte eine ironische Stimme in meinem Kopf, die weit aus mutiger klang, als ich war.
Cyclops trug seine Sonnenbrille, wie immer, doch ich wusste, dass er mich von oben bis unten genau musterte. Unruhig zog ich meine Lederjacke zurück. Der Mann zu Professor Xaviers Rechten grinste. Wolverine trug eine ähnliche Jacke wie ich und aufgrund der Tatsache, dass er ein wenig weiter abseits von Cyclops, dem Professor und dem dunkelhaarigen Teenagermädchen stand, vermutete ich, dass er mit keinem hier an der Schule sonderlich gut klar kam. Unsere Blicke trafen sich, und anstatt des erst erhofften Grinsens erntete ich einen tötenden Blick. Wie gut, dass das bei ihm wirklich nur eine Redewendung war.
Vielleicht war meine Entscheidung ja doch nicht so gut gewesen?
Diese missbilligenden Blicke waren einfach grausam.
„Chameleon?“
Ein Schaudern durchfuhr mich, als ich die genauso freundlich wie auch abwertend klingende Stimme des Professors hörte.
„Ich nenne mich jetzt Shadow.“, erklärte ich so ruhig wie möglich. „Gefällt mir besser.“
„Magneto nannte dich Chameleon.“
Jetzt pass bloß auf deine Worte auf, Gal! „Chameleon ist tot.“, sagte ich knapp. „Und Shadow erstand aus der Asche. Ich bin freiwillig hier, falls es das ist, was Sie wissen wollten. Ich wurde nicht geschickt.“
„Du bist überhaupt nicht gut auf meinen alten Freund zu sprechen.“, kommentierte der Professor leise kichernd, und ich war mir nicht sicher, ob er eine Antwort wollte, oder nicht. „Es gab Vorfälle.“, erwiderte ich sicherheitshalber kurz angebunden. „Ich kämpfe nicht mehr für ihn.“
„Für uns auch nicht.“ Ich drehte den Kopf und starrte Cyclops mit hochgezogener Augenbraue an.
„Ich muss mich euch nicht anschließen. Ich kann auch draußen warten bis -“
„Ruhig, Kinder, ruhig.“ Beschwichtigend hob Xavier die Hände.
„Ausnahmsweise gebe ich dir recht.“, hörte ich Wolverine zu Cyclops gewandt sagen. „Du gehörst hier nicht her.“ Der letzte Teil war an mich gerichtet.
Bevor ich mir einen boshaften Kommentar unterdrücken musste, ging der Professor erneut dazwischen. „Lass gut sein, Logan.“ Aha. Wolverine hieß also mit bürgerlichem Namen Logan. „Es ist besser, wenn ihr drei jetzt geht.“
Hätte Cyclops nicht diese Brille getragen, er hätte für alle sichtbar die Augen verdreht. So jedoch entfuhr ihm nur ein genervter Seufzer. Dennoch verließ er den Raum den anderen beiden voran.
„Wolverine und Cyclops also.“, bemerkte ich, als die drei das Büro verlassen hatten, das Mädchen zu meiner Verwunderung einfach durch die Tür. Wenigstens kannte ich jetzt ihre Mutation. „Wieso waren die hier?“
„Du fühlst dich unwohl, wenn andere Menschen in deiner Nähe sind, nicht wahr?“, hakte der Professor anstatt einer Antwort nach. Ich hasste Gegenfragen.
„Offensichtlich.“
„Weswegen?“
„Weswegen waren die beiden hier? Und das Mädchen?“
„Logan und Scott haben mich über den Vorfall mit Sabretooth informiert und Kitty … Es ist schwierig, sie sich vom Leib zu halten.“ Er lächelte verschmitzt. Mein Gesicht blieb jedoch wie eingefroren. Wo war der Haken an seiner offenen Höflichkeit?
„Und was machen Sie jetzt mit mir? Haben Sie irgendeine Art Mutantengefängnis für Magnetos Anhänger hier an Ihrer Schule?“
„Himmel, nein. Ich würde dich gerne hier behalten, doch nicht gegen deinen Willen. Es steht dir frei zu gehen, doch mir schien, als zögest du in Betracht, die Seiten zu wechseln.“
„Hab ich schon.“, sagte ich schnell. „Mental meine ich. Meine Einstellung ...“
„Gut.“ Er nickte nachdenklich. „Ich werde dir ein Zimmer geben lassen, doch ich werde dich eine Weile beobachten. Du hast sechs Jahre mit Erik Lensherr zusammen gearbeitet, man weiß nie. Bitte nimm mir das nicht krumm.“
Ich schüttelte den Kopf und seufzte innerlich. Trotzdem war unter ständiger Beobachtung zu stehen immer noch besser als das, was Magneto mir hatte antun wollen. „Ich danke Ihnen.“ Und ich tat es wirklich. Mir kam es wirklich vor, als hätte ich mich in den Tagen, die ich auf der Flucht gewesen war, ein wenig geändert. Noch letzte Woche hätte Cyclops – oder Scott, wie ihn der Professor nannte – seine Missbilligung mir gegenüber bitter bereut. Schließlich hatte ich bereits Auseinandersetzungen mit ihm und wusste, dass er seine Brille kaum absetzte, und einem somit selten gefährlich werden konnte. Logan wäre das größere Problem gewesen, aber nicht mal er konnte gegen etwas kämpfen, dass er nicht sah. Jetzt jedoch, hier und heute, konnte ich meine Aggressionen stoppen, als sie ein wenig in mir aufbrodelten, und sie verdrängen. Ein wenig war ich stolz, doch ein wenig kam ich mir vor wie eine stumme Ein-Mann-Selbsthilfegruppe.

Ich konnte seinen Atem im Nacken spüren und den leicht fauligen Geruch, den er absonderte, riechen, noch bevor ich ihn sah. Ich drehte mich um, wobei mir meine Haare leicht ins Gesicht flogen und meine Sicht ein wenig verminderten. Da stand er vor mir, unrasiert mit langen Haaren und den durchweg dunklen Augen, grinste mich an wie ein wildes Tier auf der Suche nach Nahrung.
„Was willst du?“, fragte ich kalt und versucht dabei so gelangweilt zu klingen wie möglich, auch ziemlich überheblich, wenn man es genauer betrachtete.
„Magneto ist bereit.“ Seine Stimme jagte mir jedes Mal Angst ein, vor allem, weil er so selten sprach.
„Ich werde nich kommen.“
„Oh doch, das wirst du.“
„Nein.“ Meine Stimme klang fester und bestimmter, als sie sich in meinem Kopf anhörte.
„Nicht so aufbrausend, Prinzessin.“, schnarrte er und ein Schauer lief mir über den Rücken, als er den und zu einem noch weiteren Lachen aufriss und all seine spitzen Zähne entblößte …

Ich fuhr aus dem Schlaf hoch. Mit einem der vielen Kissen wischte ich mir den Schweiß von der Stirn, während meine andere Hand panisch nach dem Lichtschaler tastete. Verdammt. Wieso verfolgte mich dieser Abend so sehr?
„Du bist in Sicherheit. Du bist hier. Sicher.“, flüsterte ich genau in dem Moment, in dem das Licht anging.
Mein Zimmer erschien mir selbst jetzt mitten in der Nacht und mit zugezogenen Gardinen noch freundlich und einladend. Früher hatte ich solche von Natur aus komfortablen Räume gehasst, da sie die Sichtweise auf Dinge, die hier noch passieren konnten, einfach krümmte. Streich ein Zimmer schwarz und wenn ein Mord passiert ist es nicht so schlimm, da es eh jeder erwartet hat.
Doch dieses Zimmer liebte ich. Ich brauchte die Abwechslung. Und nach der ständigen Panik der letzten Tage war dieses Zimmer einladender als alles andere. Keine dunklen Ecken, hinter denen Magnetos Häscher warten könnten, einfach nur ein rechteckiges Schlafzimmer mit einem riesigen Bett, einem vollen Bücherregal und einem Tisch mit zwei Stühlen. Perfekt.
Ich knipste das Licht wieder aus. Sofort kehrten die schrecklichen Bilder vor meinem inneren Auge zurück.
Sabretooth öffnete das Maul, um hysterisch zu lachen. Mein toter Finger fiel zwischen seinen Zähnen hervor und ich wich ihm angeekelt aus, während ich noch wie in Trance schreiend die stark blutende Lücke an meiner linken Hand betrachtete.
Halt! Stop! Licht an!
Wie ein Mantra begann ich es vor mich hin zu murmeln. „Du bist sicher, keiner ist hier. Du bist sicher, keiner ist hier. Du bist sicher ...“
Niemals hätte ich gedacht, dass mir ausgerechnet Sabertooth eines Tages so viel Angst einjagen würde. Schließlich hatte ich ihn immer für dumm gehalten und berechenbar. Ein leichter Gegner.
Die Lautstärke meines verängstigten Keuchens verwunderte mich selbst. Noch nie hatte ich mich so hastig und laut atmen gehört. Noch immer zitternd schwang ich die Beine aus dem Bett und ließ meine Füße auf dem Boden nieder. Der Teppich fühlte sich unter meinen Füßen angenehm weich an, als ich langsam zum Bücherregal hinüber ging. Mit schräg gelegtem Kopf überflog ich die Buchrücken.
Derjenige, der vor mir in diesem Zimmer gewohnt hatte, war offensichtlich ein Schüler gewesen, leicht daraus zu schließen, dass die Titel der Bücher auf Jugendromane und Fantasygeschichten hinwiesen.
Im untersten Regal fand ich dann jedoch etwas, was mir mehr zusagte, nämlich ein paar alte Klassiker. Tolkien, Dickens, Lewis, Baum … die Liste war endlos.
Ich fuhr mit dem Zeigefinger über die verstaubten Rücken der alten Wälzer. Es fühlte sich so vertraut an. Lensherr hatte einmal gesagt, unterbewusste Déjà-vus wären ein sicheres Zeichen, etwas über die Vergangenheit herauszufinden. Und ich wusste nicht viel über die Zeit vor Magneto. Zu viele Lügen hatte meine angebliche Mutter mir erzählt, mich zu weit von meinem wahren Charakter entfernt. Je stärker ich mich auf die Bücher konzentrierte, desto mehr klang mein Hass auf diese Frau ab. Hatte ich früher vielleicht gerne gelesen? Seit Ewigkeiten hatte ich kein Buch mehr in die Hand genommen.
Mit spitzen Fingern zog ich eine Ausgabe von Oliver Twist aus dem Regal. Es war bekannt, das wusste ich, und düster, doch gelesen hatte ich es noch nicht.
Ich tapste zu meinem Bett zurück, schlug die erste Seite auf und ließ mich von der Geschichte in den Bann ziehen.
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