10 Arten von Plotbunnys

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12.01.2014
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Ein Plotbunny ist eigentlich nur eine Idee, oder genauer gesagt: eine Idee für eine Geschichte, ein Plot eben. Aber weil der Mensch schon immer gerne nach bildlichen Vergleichen gesucht hat, ist diese Form der Idee im englischen Sprachraum als Plotbunny bezeichnet worden. Und irgendwie kann man es sich doch wunderbar vorstellen, wie da ein Kaninchen vor einem sitzt und einen treudoof anguckt, weil es geschrieben werden will.
Aber Achtung! Plotbunny ist nicht gleich Plotbunny! Die bekanntesten Unterrassen habe ich hier mal zusammengefasst, vielleicht findet sich darin ja jemand wieder :)

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10 Arten von Plotbunnys

1. Der Aufwändige

Lebensraum: Hauptsächlich längere und/oder komplexe Werke
Die Hauptaufgabe dieser Plotbunny-Art besteht darin, zu grübeln. Und zu planen. Und zu strukturieren. Und alles noch einmal umzuwerfen und neu aufzubauen. Schreiben kann man immer noch, wenn dieses Plotbunny irgendwann zufrieden ist. Das kann aber unter Umständen eine Weile dauern und selbst dann kann es passieren, dass es im Gehirn immer noch weiter arbeitet.
In jedem Moment, wo gerade ein paar Kapazitäten frei sind, wird sich mit diesem Plotbunny beschäftigt; unter der Dusche, beim Frühstücken, auf dem Weg zur Bushaltestelle…
Der Vorteil ist, dass man am Ende oft merkt, dass die Geschichte wortwörtlich gründlich durchdacht ist.

2. Der Herzensbrecher
Lebensraum: Dramen aller Art, oft in Verbindung mit Character Death oder unerwiderter Liebe
Diese Plotbunny erscheint auf den ersten Blick wunderbar, mal eine Abwechslung zu dem ganzen Kitsch. Doch bei der Umsetzung stellt es den Autor oft vor eine schwierige Aufgabe, denn auch wenn Drama wirklich toll sein kann, manchen tut es einfach in der Seele weh, nicht doch noch ein Happy End aus dem Hut zu zaubern. Das kann zu heftigen Diskussionen zwischen dem Plotbunny und dem Autoren führen, aber ein gesundes, kräftiges Plotbunny dieser Art sollte eine solche Auseinandersetzung für sich entscheiden können.

3. Der Stimmungsmachende
Lebensraum: In der Regel Drama oder Horror
Diesem Plotbunny scheint es oft weniger um die Geschichte an sich zu gehen, sondern darum, den Autor in die richtige Schreiblaune zu versetzen. Es ist mit nadelspitzen Krallen ausgestattet, mit denen es einen kratzt, bis man Gänsehaut bekommt. Zudem kann es Geräusche produzieren, die man einem Plotbunny nicht zutrauen würde. Es setzt alles daran, dass man sich anständig gruselt oder bedrückt fühlt. Denn in einer solchen Situation schreiben sich die Texte, für die das Plotbunny verantwortlich ist, am besten.
Es wird diskutiert, ob das im Lebensraum des Fluffs und der Romanze beheimatete Plotbunny einen gemeinsamen Vorfahren mit diesem Artgenossen haben könnte. Denn auch wenn es keine Krallen, dafür aber rosa, nach Zuckerwatte riechendes Fell hat, ist sein Verhalten in Bezug auf die Stimmung des Autors die gleiche.

4. Der Geduldige
Lebensraum: Alle Genres, alle Längen
Diese Art von Plotbunny gehört zu der genügsamen Sorte. Einmal aufgetaucht, zeigt es sich als sehr anhänglich, jedoch nicht aufdringlich. Es fordert seine Umsetzung nicht, sondern wartet, bis irgendwann seine Zeit gekommen ist. Dabei kann es zwischendurch in Vergessenheit geraten, geht aber in den seltensten Fällen ganz verloren. In diesem Zustand kann es auch mehrere Jahre verharren.
Wenn man dieses Plotbunny umsetzt, das eigentlich relativ schlicht erschien, erkennt man, dass es im Laufe der Zeit an Weisheit zugenommen hat. Man sagt, diese entstehe durch den Austausch mit anderen Plotbunnys.

5. Die Diva
Lebensraum: Überall
Die Diva will deine Aufmerksamkeit. Jetzt! Lass alles stehen und liegen und widme dich nur diesem Plotbunny. Es wird dein ganzes Gehirn übernehmen und alle Synapsen darauf ansetzen, dass du schreibst. Dabei ist es vollkommen egal, ob du mitten in einer Englisch-Klausur, in einem überfüllten Bus oder in der Antarktis bist, wo du gerade eigentlich nicht schreiben kannst. Du musst schreiben, jetzt, sofort und ohne Rücksicht auf Verluste.
Diese Art ist die aufdringlichste und wenn man sich ein solches Exemplar erst einmal eingefangen hat, wird man es nur sehr schwer wieder los. Außer man schreibt. Dann ist die Diva nämlich zufrieden.

6. Der Maskierte
Lebensraum: Geschichten mit handlungsfreudigen Charakteren
Das maskierte Plotbunny verspricht zwar einen Plot, doch den will es nicht ohne weiteres rausrücken. Es wirft einem immer nur kleine Häppchen hin und der Autor muss sich an diesen Informationen entlanghangeln. Wenn sich daraus dann eine Handlung ergibt, schiebt man das oft auf die Charaktere der Geschichte, die „ein Eigenleben entwickeln“.
Was es mit dem maskierten Plotbunny wirklich auf sich hat, sieht man erst, wenn man fertig ist.

7. Plot, what Plot-Bunny
Lebensraum: Überwiegend Oneshots oder Szenen mit wenig Plot
Ein Plotbunny mit Rasse-Verwirrung. Gehört eigentlich eher zu vögeln… äh zu den Vögeln. Es versucht sich dabei an dem Unmöglichen, nämlich darin, einem an sich plotfreien Genre doch noch etwas Handlung einzuflößen. Handlung ist dabei ein stark auslegbarer Begriff, aber das Plotbunny-Geflügel ist mit Feuereifer bei der Sache, alles mit Details auszuschmücken. Der Vorgang des Ausschmückens wird dabei oft als Tagtraum oder Kopfkino bezeichnet.

8. Die Fusion
Lebensraum: Meistens Oneshots oder Geschichten
Die Fusion ist eigentlich keine eigene Gattung, sondern ein Gemeinschaftsprojekt. Es entsteht genau in dem Moment, wo man feststellt, dass zwei (oder mehr) kleinere Plotbunnys – oft so klein, dass es sich bisher noch nicht lohnte, sie umzusetzen – wunderbar zusammenpassen und ein Ganzes ergeben.
Eine solche Fusion erleben häufig Autoren, die viele Plotbunnys horten, die oft zu dem gleichen Themenkomplex oder Fandom passen. Diesen Autoren könnte man aber auch nachsagen, dass sie Plotbunnys nicht artgerecht halten können, weil es viel zu viele sind, um allen irgendwie gerecht zu werden.

9. Der Unmögliche
Lebensraum: Vorwiegend kurze, schwachsinnige Texte
Dieses Plotbunny kann man sich wie ein Exemplar mit unterschiedlich großen Augen, borstigem Fell und schiefen Zähnen vorstellen. Eigentlich will man es gar nicht… aber wenn es schon mal da ist, kann man es ja auch nicht gleich wieder rausschmeißen…
Solche Plotbunnys tauchen vermehrt unter Alkoholeinfluss, mitten in der Nacht oder in Gesprächen mit verrückten Freunden auf. Und dann hat man es am Hals und weiß ganz genau, dass man so etwas Gestörtes eigentlich nicht umsetzen, geschweige denn hochladen kann.
Als wirkungsvolles Mittel hat sich erwiesen, diese unmöglichen Plotbunnys einfach zu ignorieren… oder sie aufzuschreiben und als dunkles Geheimnis in die hinterste Ecke der Festplatte zu verbannen.

10. Der Perfektionist
Lebensraum: Oneshots, Drabbles, Gedichte
Normalerweise stellt einem ein Plotbunny einen Plot bereit – wie der Name ja auch schon vermuten lässt. Diese Art geht aber noch viel weiter. Sie liefert einem praktisch das fertige Werk mit jeder Menge Details, Formulierungen, ja, sogar Satzzeichen. Als Autor muss man eigentlich nur noch den Text runterschreiben.
Diese Gattung ist leider relativ selten, aber wenn man einem solchen Plotbunny mal begegnet, dann ist es eine sehr dankbare Aufgabe, es umzusetzen.

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