Der Schlüssel zu einem neuen Ende

von Bellathea
KurzgeschichteAbenteuer, Drama / P12
Emmy Altava Hershel Layton Jean Descole Luke Triton
11.01.2014
11.01.2014
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Der Schlüssel zu einem neuen Ende
„Ich bin der Schlüssel zu allem“, sagte Aurora tonlos, „ich bin der Schlüssel...“
Das Mädchen schluckte schwer und schloss die Augen. Ein Wind strich durch ihre Haare und Luke wurde plötzlich die Höhe bewusst, in der sie sich befanden. Professor Layton blickte das Mädchen schweigend an.
„Ich kann nicht –“, Aurora brach den Satz ab und öffnete langsam die Augen. Vorsichtig begann sie einen Fuß vor den anderen zu setzen, mit jedem Schritt näherte sie sich dem Rand des Obsidianturms.
„Professor!“, rief Luke aus, schnellte vor und packte Aurora am Ärmel.
Das Mädchen zitterte am ganzen Körper, als sie den Jungen anblickte.
„Wenn... wenn ihr diesen Schlüssel benutzt, wird die Welt, wie ihr sie kennt, aufhören zu existieren!“, schluchzte sie, „was soll ich denn tun?“
„Hilf uns“, antwortete Professor Layton, während er zögernd ebenfalls auf sie zuging, „hilf uns, diese Welt zu schützen.“
Einen Moment erstarrte Aurora in ihrer Bewegung, doch dann warf sie sich an die Brust des Professors und weinte leise.
„Aurora, wir müssen es nicht tun!“, durchbrach Professor Locklair nach langem die Stille.
„Was-?“, begann Luke, aber vollendete seinen Satz nicht, da der Professor sich vor den Augen aller in eine ihnen nur zu vertraute Person verwandelte: Sein Mantel flatterte in den Höhenwinden, während die charakteristische Maske sein Gesicht verbarg.
„Descole, ich hätte es wissen müssen!“, Professor Layton schien weniger erstaunt als Luke und Emmy, „Was meinen Sie damit?“
„Ich verstehe nicht- “, setze Aurora  verwirrt an, doch verstummte abrupt, denn Descole riss sich mit einer galanten Bewegung den Hut samt Maske vom Kopf.
„Jean, du bist es...“, das Mädchen rang sichtlich mit den Worten, „Aber nach all der Zeit, wie ist das möglich...?“
„Was hat das zu bedeuten?“, fragte Emmy, die das Schauspiel bisher stumm verfolgt hatte, „Ihr kennt einander, dann heißt das -“
„Ja, auch ich bin ein Erbe Aslants“, beendete Descole Emmys angefangenen Satz, „Jedoch wurde ich schon viel früher aufgetaut, in der Nähe der Höhle in Snøborg befindet sich ein weiteres, kleineres Versteck, in dem ich mich befand. Allerdings schien mein Eisgefängnis nicht über einen derart komplizierten Verschlüsselungsmechanismus verfügt zu haben wie deiner, Aurora. Denn ungefähr vor 10 Jahren fand ich mich plötzlich in der Hütte eines Einsiedlers wieder, ohne das Wissen, wie ich dort hingelangt war, oder Erinnerungen an mein früheres Leben. Der alte Mann pflegte mich gesund und erklärte mir, dass er mich in einem riesigen Eisblock gefunden hätte,  konserviert für die Ewigkeit, wie es schien. Doch es muss ihm gelungen sein, das Rätsel zu lösen, das mich dort gefangen hielt, falls es denn eins gab, darüber klärte er mich bis zu seinem Tod nicht auf. Nur langsam begann ich mich über die Jahre wieder an Aslant und mein Vermächtnis zu erinnern, es scheint, als hätte der Aufenthalt im Eis nicht nur mein, sondern auch Auroras Gedächtnis lückenhaft werden lassen. Um mehr über Aslant zu erfahren, fing ich an, Veröffentlichungen, Bücher, Zeitschriften, alles, was mit der Erforschung dieser Zivilisation zu tun hatte, zu lesen. Ich bereiste die verschiedensten Orte, vor allem solche, die mit Aslant in Verbindung standen, doch meine Erinnerung wollte einfach nicht vollständig zurückkehren. Aus reinem Zufall fand ich mich an dem Tag, an dem Professor Locklair Aurora im Eis fand, ebenfalls in dem kleinen verschneiten Dorf und plötzlich erinnerte ich mich an alles. Ich war es, der sie hätte finden und befreien müssen, gemeinsam hätten wir die Eier finden und Aslants glorreiche Zeiten wieder aufleben lassen sollen. Ich hatte sie im Stich gelassen, meine einzige Liebe...“
Er öffnete seine Arme und Aurora lief hinein, wieder wurden ihre Augen feucht und Tränen benetzten ihre Wangen, „Ich wusste nicht, dass sie dich auch eingefroren hatten... ich hatte ja keine Ahnung...“
Emmy lächelte das Paar in seiner innigen Umarmung an und knuffte Luke in die Seite, dessen Wangen sich daraufhin röteten.

Zurück in der Bostonius ergriff Descole als erster erneut das Wort, „Wir müssen zurück nach Greymoor, dort, wo alles angefangen hat, müssen wir es auch beenden. Dort befindet sich in der Kuppel Aslants das größte Vermächtnis unserer Zeit.“
Aurora, um die er seinen Arm gelegt hatte, nickte nur stumm.
„Mach dir keine Sorgen, Aurora, dem Professor fällt schon was ein, dann wird alles gut werden!“, versuchte Luke sie aufzumuntern, Emmy bekräftigte seine Aussage, doch Aurora lächelte nur zaghaft und wandte ihren Blick aus dem Fenster.
„Aber wozu brauchten Sie überhaupt meine Hilfe, Descole?“, fragte Professor Layton, der schon einige Zeit über diese Frage zu grübeln schien, „Sie sagten doch selbst, Sie erinnerten sich an ihre Aufgabe und daran, dass Aurora und Sie die Erben der Aslanti waren... Warum also das Ganze?“
„Ich ahnte, dass die Suche nach den Eiern, sowie die noch vor uns liegende Aufgabe viel Wissen und Erfahrung erfordern würde, die ich eventuell allein nicht hätte aufbringen können. Außerdem hatte dieser Professor Locklair ja bereits einen Brief an Sie abgeschickt, wäre Aurora plötzlich verschwunden, so wären Sie mir früher oder später auf die Schliche gekommen, warum also nicht gleich zusammen arbeiten?“, antwortete Descole zähneknirschend, es war ihm unangenehm, Professor Layton eine größere Kombinationsgabe zuschreiben zu müssen, „Es war mir aber alles wert, nur um Aurora jetzt in den Armen halten zu können.“ Er drückte das Mädchen an sich und lächelte.
„Aber warum haben Sie sich nicht früher zu erkennen gegeben?“, fragte Luke dazwischen.
„Ich wollte erst wissen, ob ich Ihnen restlos vertrauen kann. Desweitern denke ich nicht, dass Sie mir ohne weiteres einfach geholfen hätten, nach allem, was wir schon erlebt haben, oder?“, schelmisch grinste Descole Professor Layton an, der widerwillig das Lächeln erwiderte.
„Nun, dass aus Feinden Verbündete werden, ist in der Tat ein spannender Augenblick“, endete Professor Layton das Thema.

Das Ziel war in Sicht, die Bostonius senkte sich im Landeanflug und kam schließlich an dem See Greymoors zum Stehen. Luke und Emmy hielten Ausschau nach Bronev, konnten ihn aber noch nirgends entdecken. So machte die Gruppe sich auf zur Mitte des Sees, um das Geheimnis der Aslanti zu erkunden.
Descole und Aurora, die den Schlüssel fest umklammert hielt, betraten die Kuppel als erstes und sofort war eine andere Aura innerhalb des Gebäudes wahrzunehmen als bei ihrem ersten Besuch. Die Schriftzeichen an den Wänden begannen zu leuchten, als hätte die Präsenz des aus den Eiern gebildeten Schlüssels die Kuppel aus einem langen Schlaf geweckt, immer neue Muster schienen sich zu formen und verschiedene Sätze zu bilden, die es noch zu entschlüsseln galt. Staunend folgten Luke und Emmy dem Pärchen hinein, während Professor Layton sich besorgt umsah.
Der Steinkreis in der Mitte des Gebäudes erschien plötzlich wie zum Leben erweckt, ein blauer Schimmer ging von ihm aus und ließ auf verschiedenen Steinen einzelne Öffnungen sichtbar werden.
„Das ist es?“, fragte Luke ehrfürchtig, er konnte sich an all den leuchtenden Symbolen kaum sattsehen, deutete dann aber nach einer Weile auf den Steinkreis, „Ist das das Erbe Aslants?“
Descole und Aurora schauten einander an und nickten, „Es wird Zeit“, sagte das Mädchen, „Als die Aslanti durch ihre Gier und unermessliche Grausamkeit begannen, sich und ihre Kultur selbst zu zerstören, wurde das hier gebaut, um ihr Fortbestehen auch in fernen Zeiten zu gewähren. Was ihr hier seht, ist die größte Errungenschaft, die die Aslanti in ihrer Zeit hergestellt haben und was den Menschen bis heute verwehrt geblieben ist. Es ist ein Zugriff auf Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen.“
„Das bedeutet –“, setzte Professor Layton an, doch er wurde von einer nur zu bekannten Stimme unterbrochen.
„Richtig, es ist eine Zeitmaschine!“, rief Bronev aus, „Direkt in die Zeit der Aslanti, stellen Sie sich vor, was das bedeutet! Wir könnten uns ihre Technologien zu Nutze machen, die Welt revolutionieren, sie nach unseren Vorstellungen formen! Wir könnten unsterblich werden!“
Bronev stand am Eingang der Kuppel, seine Pistole auf Professor Layton richtend.
„Jede Ära hat ihre Zeit und die der Aslanti ist vorbei“, entgegnete dieser ruhig, „auch wir Menschen der heutigen Zeitrechnung werden unsere eigenen Innovationen hervorbringen und ebenfalls eines Tages vergehen. Das ist der Lauf der Dinge, Bronev!“
„Nicht, wenn ich es verhindern kann!“, Bronev schnellte nach vorn, schnappte sich Aurora, drückte sie an sich und zielte mit dem Lauf seine Pistole noch immer direkt auf Professor Layton. Langsam bewegte er sich rückwärts zum Steinkreis, von dem noch immer ein schwaches Leuten ausging. Hilflos stolperte Aurora in die Richtung, in die Bronev sie zog und tat das einzig richtige, sie ließ den Schlüssel fallen. Descole reagierte am schnellsten und hob ihn vom Boden auf, bevor Bronev begriff, was geschah. Doch der Bösewicht war reagierte schnell und hielt seine Pistole nun an Auroras Schläfe.
„Her mit dem Schlüssel oder das Mädchen ist tot!“, verkündete er eiskalt.
„Nein -“, setzte Luke an, doch Professor Layton hielt ihn zurück. Emmy gleich neben ihm knurrte lautstark.
„Ohne Sie werden Sie den Mechanismus nicht in Gang setzen können“, rief Descole aus.
„Sie lügen! Ich brauche nur das hier, nicht wahr?“, Bronev grinste und entriss Aurora den Stein, den sie um den Kopf getragen hatte, „Und nun her mit dem Schlüssel!“
„Sie bringen uns alle um...“, flüsterte Aurora, Tränen glitzerten in den Augen des Mädchens, „Sie werden kommen... Es tut mir leid...“
Descole stand wie erstarrt mit weit aufgerissenen Augen da und starrte verzweifelt in Richtung des Mädchens und ihrem Kidnapper.
„Halt! Gut, sie bekommen den Schlüssel!“, seufzte Professor Layton und bedeutete Descole mit einem Kopfnicken, dass er den Schlüssel überreichen solle.
„Geht doch! Hör auf ihn, Junge!“, lachte Bronev, während er die Pistole an Auroras Kopf entsicherte.
„Lassen Sie sie gehen, wenn Sie haben, was Sie wollen?“, fragte Descole zögernd, während er Schritt für Schritt auf den Grauhaarigen zuging.
„Aber natürlich...“, kam die zweifelhafte Antwort.
Als Descole vor Bronev stand, geschah alles ganz schnell. Er riss den Arm des Targentis-Anführers nach oben, ein Schuss löste sich, der Aurora jedoch verfehlte und die Decke der Kuppel traf.
„Layton“, rief Descole aus und warf mit seiner freien Hand den Schlüssel in Richtung der Gruppe, die zurückgeblieben war. Der Professor lief nach vorn und fing ihn im Flug auf. Aurora löste sich aus der Umklammerung und rannte ebenfalls so schnell sie konnte in Sicherheit.
Descole und Bronev lieferten sich einen Kampf, der für einen der beiden tödlich ausgehen könnte. Der Aslanti versuchte, den Arm Bronevs mit der Pistole nach oben zu halten und mit seiner eigenen freien Hand, den Bösewicht irgendwie auszuschalten. Dieser jedoch konnte Descoles Griff um sein Handgelenk so weit lösen, dass er es schaffte, die Pistole nachzuladen.
Emmy fasste sich ein Herz und ging vorsichtig auf die beiden zu, um den richtigen Moment abzupassen, dazwischen zu gehen.  Im gleichen Moment jedoch hatte Bronev seinen Arm befreit, zielte auf Descole und drückte ab. Der Aslanti konnte sich gerade noch ducken, doch Emmy stand genau im Schussfeld der Kugel, sie schrie auf und brach zusammen.
Durch die unerwartete Mitspielerin war Bronev kurzzeitig verwirrt, was Descole die Möglichkeit gab, ihn zu entwaffnen. Die Pistole rutschte auf dem Boden über die Steinplatten, fiel vom Rand und verschwand mit einem leisen Platschen in den Tiefen des Wassers.
„Was machen sie nun Bronev?“, fragte Descole außer Atem, der Bronev die Arme auf dem Rücken verschränkt hatte, doch es gab keine Antwort, nur ein Grummeln des Targentis-Oberhauptes.
Da die Gefahr gebannt war, eilten Luke und Professor Layton zu nun zu Emmy, die verletzt am Boden lag. Der Schuss hatte sie an ihrer linken Schulter gestreift und die Wunde blutete stark.
„Das wird schon wieder“, sie lächelte verzerrt unter Schmerzen, „nur das wird wohl vorerst mein letztes Abenteuer mit Ihnen gewesen sein, Professor. Ich vertrage wohl doch nicht so viel, wie ich immer dachte...“
„Es gibt also noch immer Menschen, die für ihren Egoismus und ihre Gier töten würden“, merkte Descole bitter an.
„Doch es gibt auch die, die ihr Leben für andere lassen würden.“, erwiderte Professor Layton sofort, „Es wird immer sowohl die eine, als auch die andere Art von Menschen geben. Wichtig ist, dass man für sich selbst die richtige Entscheidung trifft.“

Aurora sah müde und blass aus, als sie begann zu sprechen, „Verzeiht uns, dass wir solches Unheil über Euch gebracht haben. Ich hoffe, dass ihr ohne uns wieder zur Ruhe kommen werdet...“
„Ohne Euch?“, fragte Luke und sah die beiden traurig an.
„Ja, denn dieses Portal wurde nur für eine einzige Reise gefertigt. Es ist so konstruiert, dass man aus der Zukunft problemlos in die Vergangenheit reisen kann, es jedoch in der Zukunft aktiviert werden muss, damit aus der Vergangenheit in die Zukunft gelangt werden kann. Wir sollten unsere Ahnen in die heutige Welt bringen, damit wir von vorn anfangen können, doch zuvor sollte die heutige Zivilisation mit Hilfe der zahlreichen Waffen der Aslanti vernichtet werden. Nachdem ich jedoch viele Jahre und Aurora wenige Tage in dieser Welt gelebt haben, entscheiden wir uns anders, ich möchte kein einziges Leben zerstören müssen. Wie sagten Sie so schön, Professor? Jeden Ära hat Ihre Zeit und die der Aslanti ist schon lange vorbei...“, erklärte Descole unter ständigem Protest seines Gefangenen Bronev, „Wir kehren in unsere Zeit zurück und verschließen damit gleichzeitig dieses Portal für immer.“
„Und wir werden endlich zusammen sein können“, Aurora lächelte Ihren Liebsten an und ging auf Professor Layton und Luke zu, die noch an Emmys Seite knieten. Das Mädchen schloss alle drei in eine lange Umarmung und flüsterte leise: „Danke für alles!“
„Übernehmen Sie den hier, Layton?“, fragte Descole und deutete mit einem Kopfnicken auf Bronev. Der Professor stand auf und übernahm den Gefangenen mit dem gleichen Griff.
Aurora nahm den Schlüssel an sich und hob ihren Stein auf, der in dem Handgemenge zu Boden gegangen war. Sie und Descole nahmen sich an der Hand und gingen auf das Portal zu.
Der Schlüssel sowie Auroras Stein wurden in die Öffnungen eingelassen und der Steinkreis leuchtete so hell, dass alle ihre Augen schließen mussten.
Das letzte, was Professor Layton sah, war wie die winkende Aurora und Descole, der ein respektvolles Kopfnicken in seine Richtung vollführte, durch das Portal schritten.



Als die Gruppe wieder Festland unter den Füßen hatte, versank die Kuppel der Aslanti für immer im See.
Bronev wurde von der Polizei festgenommen und Professor Layton kehrte mit Luke und Emmy im Schlepptau zurück nach London.
Emmy kündigte an, in nächster Zeit allein auf Reisen gehen zu wollen, versprach aber auch, regelmäßig zu Besuch zu kommen, um „auf dem neusten Stand zu bleiben“.



Und so endet die Geschichte um das Vermächtnis von Aslant und damit auch Professor Laytons wohl größter Fall.
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