Jetzt gibt es nur noch dich und mich.

von Xanokah
GeschichteDrama, Angst / P16 Slash
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
10.01.2014
10.01.2014
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VORWORT



Ein längerer One-Shot, der im zweiten Jahr der Teikou Mittelschule spielt. Aus Kises Bewunderung für Kuroko wird allmählich Besessenheit, die tödliche Ausmaße annimmt.

Der Mittelteil zieht sich ganz schön und ist leider recht ausschweifend, gewinnt aber wieder an Tempo. Die Ereignisse in der Geschichte sind nicht mit dem Canon konsistent.

Pairings: Kise/Kuroko (einseitig), Aomine/Kuroko
Warnungen: Charaktertod, Yandere!Kise, alternatives Ende


______________________________________________________


„Tut mir Leid, Kise-kun“, sagte das Mädchen zögerlich. „Haizaki-kun hat mir schon eine Einladung gemacht.“

„Haizaki?“, wiederholte Kise verwirrt. „Aber sind wir nicht...?“

„Aber Haizaki ist einfach...“, antwortete das Mädchen verlegen und lächelte.

Kise ballte die Fäuste und biss sich auf die Lippe, suchte verzweifelt nach den richtigen Worten. „Was soll das heißen, 'Haizaki ist einfach'?!“, wollte er rufen, seine angestaute Wut herauslassen. Seine Finger wurden bleich, er hätte Haizaki in diesem Moment verprügeln können. Er sah zu Boden, wollte dem Mädchen nicht in die Augen blicken, wollte sie nicht seine Wut spüren lassen.

„Tut mir Leid, Kise-kun“, sagte das Mädchen nochmal und verbeugte sich.

Warum entschuldigst du dich?

„Ich muss gehen“, murmelte das Mädchen und drehte sich um. „Wir sollten uns nicht mehr treffen.“

Warum passiert das?

Das Mädchen verschwand hinter der nächsten Ecke, er konnte das leise Tuscheln seiner Mitschüler vernehmen. Kise griff nach seiner Tasche und ging den langen Gang entlang, war auf dem Weg zur Turnhalle.

„Ich bin wirklich erbärmlich.“



JETZT GIBT ES NUR NOCH DICH UND MICH.




„Eh, ist das nicht Kises Freundin?“

„Bist du dir sicher?“

„Ja, ich habe sie letzte Woche mit ihm zusammen gesehen.“

Eine laute Klingel ertönte und signalisierte das Ende des Unterrichts, nach nur wenigen Augenblicken war der Hof mit jungen Schülern gefüllt. Die Sonne stand hoch am wolkenlosen Himmel und kündigte den Sommer an, ließ viele Schüler aufseufzen, als sie die weißen Jacken der Schuluniform Teikous abnahmen. Nicht unweit des Eingangstores stand einer der Schüler, aschgraue Haare und Ohrringe zeichneten ihn aus. Er lehnte gegen einen der Schatten spendenden Bäume und warf jedem, der zu weit in sein Territorium eindrang, einen drohenden Blick zu.
Doch er verweilte nicht lange an diesem Ort, denn innerhalb weniger Minuten kam ein Mädchen auf ihn zugelaufen, den Rock viel zu knapp und ein breites Lächeln im Gesicht.

„Ah, Haizaki-kun!“, rief das Mädchen völlig außer Atem. „Ich hoffe, du musstest nicht zu lange warten.“

Ein gelassenes Lächeln erschien auf den Lippen des grauhaarigen Schülers, er stieß sich von dem Baum ab und wartete, bis das Mädchen näher kam. Er murmelte eine halbgare Begrüßung und legte einen Arm um die Schulter seiner Begleiterin, dessen Statur um einiges kleiner war als die des ehemaligen Basketballspielers.

„Schon wieder?“

„Seit er das Basketballteam verlassen hat, macht Haizaki das ständig.“

„War er nicht einer der regulären Spieler? Ich frage mich, warum er den Club verlassen hat.“

„Vielleicht haben sie ihn rausgeworfen.“

Verfolgt von den neugierigen Blicken der Mitschüler schlenderten die beiden in Richtung Schultor. Haizaki schenkte den tuschelnden Schülern nur einen selbstsicheren Blick über die Schulter, nahm große Schritte auf den Eingang zu. Seine Begleiterin tat ihr bestes, um ihrem Freund zu folgen, achtete dabei nicht auf das Flüstern um sie herum.
Die beiden passierten das Tor und die Schüler, die ihnen Blicke hinterherwarfen, widmeten sich wieder ihren eigenen Tätigkeiten, das Flüstern verstummte und die erleichterte Atmosphäre des Unterrichtsendes breitete sich wieder aus. Nach nur wenigen Momenten waren Haizaki und das Mädchen bereits aus den Köpfen der Schüler verschwunden, keiner verschwendete mehr einen Gedanken an das ehemalige Mitglied des Basketballteams.
Mit der Zeit leerte sich der Schulhof, Schüler gingen nach Hause, trafen sich mit Freunden oder begaben sich zu den Clubs, mit denen sie den Rest des Tages verbringen würden.
Die Umkleiden der Sporthallen Teikous füllten sich mit Schülern, die sich für das Training der verschiedenen Sportclubs bereit machten.


***


„Kise-kun.“ Eine leise Stimme riss den Angesprochenen aus seinen Gedanken.

„Ah-“

„Kise-kun, würdest du bitte zur Seite treten?“, bat Kuroko in seiner üblichen monotonen Stimmlage und sah zu Kise auf, der gedankenverloren am Eingang zur Sporthalle stand und den Weg hinein versperrte.
Kise starrte ins Leere, doch der Schatten, den das Dach über dem Eingang warf, verdeckte den Großteil seines Gesichts. Kuroko, der noch immer ignoriert wurde, versuchte die Emotion auf dem Gesicht seines Gegenübers auszumachen, doch es gelang ihm nicht.

„Kise-kun...“, begann Kuroko noch einmal und streckte die Hand nach Kise aus. Kurokos Finger bekamen den Ärmel von Kises Shirt zu fassen, zogen leicht daran, doch Kise blieb weiterhin unbeeindruckt von den Bitten des Kleinerens. „Du blockierst den Weg, Kise-kun.“

Einen Augenblick später waren laute Schritte hinter der Eingangstür zu vernehmen, sie kamen mit großer Geschwindigkeit näher. Mit einem lauten Knall schwang die Tür auf und zum Vorschein kam Aomine, der sogleich einen Arm um Kises Schultern legte.

„Yo, Kise“, grinste Aomine, „was starrst du denn solche Löcher in die Luft.“

Kise fuhr zusammen und blickte verwundert zu Aomine auf, schob sogleich den schweren Arm von sich hinunter. „Aominecchi, warum erschreckst du mich so!“, rief Kise aufgebracht und funkelte Aomine zornig an.

„Ah, sorry“, antwortete Aomine scherzhaft und kratzte sich am Kopf. „Dachte nur, ich hätte wen gehört.“

„Aomine-kun“, erhob Kuroko schließlich seine Stimme.

„Tetsu!“, rief Aomine und ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Ich wollte dich gerade suchen gehen.“

„Guten Tag, Aomine-kun“, sagte Kuroko und erwiderte Aomines Lächeln.

„Eeeh, Kurokocchi!!“ Kise zwinkerte ungläubig und starrte auf Kuroko. „Seit wann bist du denn hier?!“

„Schon seit einer Weile“, antwortete Kuroko unbeeindruckt. „Du hast den Weg zur Halle versperrt, Kise-kun.“

„Haha!“, lachte Aomine und schlug Kise auf den Rücken. „Und ich hab mich schon gewundert, wo du steckst, Tetsu! Du hattest doch nichts böses mit ihm vor, Kise?“

„Eh? Was hat das mit mir zu tun?“, heulte Kise vor Schmerz auf und entfernte sich einige Schritte von Aomine, welcher immer noch lachte.

„Heute bist du wieder besonders schwer von Begriff, was?“, spottete Aomine und drehte sich wieder zur Tür. „Komm schon, Tetsu, die anderen warten schon.“

„Kurokocchi“, jammerte Kise und sah Kuroko mit einem bettelnden Blick an. „Sag doch auch mal etwas!“

„Ich bin mir sicher, Kise-kun dachte nur über etwas nach“, lächelte Kuroko und folgte Aomine in die Halle.

„Kurokocchi!!“ Seine Stimmung hellte auf, Kuroko verteidigte ihn selten, wenn er und Aomine wieder einmal aneinander gerieten. Kise folgte Aomine ebenfalls in die Halle, schloss die Tür hinter sich und hörte, wie Kuroko zu seinem letzten Satz noch ein Wort hinzufügte.

„Ausnahmsweise.“

„Was soll das denn heißen, Kurokocchi!“, beschwerte sich Kise und Aomines Lachen schallte durch den langen Gang.


***


„Seid gefälligst leise“, befahl Midorima mit scharfer Stimme, wurde von den Anwesenden jedoch übertönt. Seitdem Kise und Aomine die Umkleide betreten hatten, stieg der Lärmpegel in dieser deutlich an.

„Aominecchi, das ist gemein!“, jammerte Kise auf und hob verzweifelt seine Uniform hoch. „Jetzt sind meine Sachen ganz nass.“

„Sorry“, lächelte Aomine unschuldig, eine leere Wasserflasche in der Hand haltend, „war ein Versehen.“

„Das hast du doch mit Absicht gemacht!“, protestierte Kise mit rotem Kopf. Kise hatte sich nur einmal weggedreht und im nächsten Moment waren seine Klamotten nass gewesen, er war sich sicher gewesen, dass Aomine seine Sportsachen bewusst mit Wasser überschüttet hatte.

„Hab ich nicht!“, gab Aomine zurück und ging einen Schritt auf Kise zu. „Ich hab doch schon gesagt, dass es mir Leid tut, was willst du mehr?!“

„Ich glaube dir nicht! Du lügst!“ Kise machte ebenfalls einen Schritt. „Du lügst nämlich immer, Aominecchi!“

„Was hast du da gesagt?!“, knurrte Aomine und die beiden begannen damit, sich weitere Beleidigungen und Anschuldigungen zuzurufen.

„Hmph...“, stieß Midorima aus, da er wusste, dass all seine Versuche, die beiden zur Ruhe zu bringen, nur scheitern würden.

„He~y, Kurochin“, murmelte Midorima und drehte sich zu Kuroko, der sorgsam seine Schuluniform faltete.

„Was ist, Murasakibara-kun?“ Kuroko hielt inne und sah zu Murasakibara auf.

„Hast du Snacks für mich? Ich habe meinen letzten gerade gegessen...“, seufzte Murasakibara und sah wenig hoffnungsvoll hinab.

„Tut mir Leid, Murasakibara-kun.“ Kuroko schüttelte den Kopf. „Ich habe leider keine Snacks.“

„Ah~“, gähnte Murasakibara und schlug den Schrank zu, in den er seine Schuluniform gestopft hatte. „Ist schon in Ordnung.“

Murasakibara seufzte und sah sich nach den anderen um und Kises schrille Stimme gewann schließlich seine Aufmerksamkeit.

„Dann gib mir gefälligst deine Sachen, Aominecchi!“, verlangte Kise und warf die nasse Kleidung nach Aomine. Der Jersey klatschte Aomine direkt ins Gesicht, welcher daraufhin nur ein bedrohliches Knurren von sich gab.

„Kise, du Bastard...“, murmelte Aomine und ließ die Uniform aus seiner Hand fallen. Seine Hand schnellte nach vorn und er griff an Kises Kragen, drückte ihn unsanft gegen einen der Schränke. Die Anwesenden sahen auf und blickten die beiden an, um sie herum wurde es still.

„Aominecchi...“, keuchte Kise und versuchte, sich aus Aomines Griff zu befreien.

„Hey“, warf Midorima ein und rückte seine Brille zurecht, „geht nach draußen, wenn ihr euch wie Grundschüler benehmen wollt.“

„Das traust du dich nicht“, murmelte Kise und sah Aomine an, welcher die Faust hob.

„Hey, Akashi“, rief Midorima und blickte Akashi an, Unsicherheit lag in seiner Stimme. Akashi räusperte sich, alle Blicke wanderten zu dem Captain des Basketballteams.

„Ihr solltet euch beeilen“, sagte Akashi, ein Lächeln lag auf seinen Lippen. „Oder wollt ihr heute etwa extra Runden laufen?“

„Tch...“ Aomine hielt inne, senkte einige Augenblicke später die geballte Faust und er ließ Kises Hemd los, welcher daraufhin erleichtert zu Boden sank. Aomine kicherte leise und war mit wenigen Schritten bei der Tür angekommen. „Weißt du was, Kise?“, sagte Aomine, als er die Umkleide verließ. „Wieso gehst du nicht nackt, als Model bist du das doch gewohnt.“

Mit einem lauten Knall flog die Tür zu, der Raum war weiterhin in Schweigen eingehüllt. Kise lehnte gegen den Schrank und knirschte mit den Zähnen, die Fäuste geballt. „Aominecchi...“

„Eh~“, bemerkte Murasakibara und brach das bedrückende Schweigen. „Minechin ist in letzter Zeit recht seltsam.“

„Tsk“, machte Midorima, „er ist genauso gewalttätig und vorschnell wie immer.“

„Hm“, seufzte Akashi und bewegte sich ebenfalls zur Tür. „Beeilt euch, wir fangen gleich an.“

Murasakibara und Midorima folgten dem Captain wortlos und schließlich blieben nur Kise und Kuroko in der Umkleide zurück.

„Kise-kun“, begann Kuroko leise, „wir sollten gehen.“

„...“

„Aomine-kun hat es nicht so gemeint.“

„Wieso verteidigst du ihn, Kurokocchi? Du hast doch gesehen, was er getan hat“, murmelte Kise und machte weiterhin keine Anstalten, sich aufzurichten.

„Tut mir Leid, das war nicht meine Absicht“, antwortete Kuroko und streckte die Hand aus. „Akashi-kun wird uns Bestrafen, wenn wir zu spät kommen.“

„Eh?“ Kise starrte auf die ausgestreckte Hand vor sich und auf seinem Gesicht erschien wieder ein Lächeln. Er griff nach Kurokos Hand und richtete sich auf. „Dann gehen wir, Kurokocchi!“

„Du musst dich noch umziehen, Kise-kun“, bemerkte Kuroko monoton. „Und bitte lass meine Hand wieder los.“

„EH?“, fuhr Kise herum, suchte den Raum nach seiner nassen Uniform ab. „Aber meine eigene Sportkleidung kann ich nicht anziehen.“ Kise ließ die Schultern hängen.
Kuroko deutete auf die Bank in der Mitte des Raumes, auf welcher ordentlich zusammengefaltet eine trockenes Shirt lag.

„Woah“, rief Kise aus. „Von wem ist das?“

„Midorima-kun hatte es dort abgelegt“, antwortete Kuroko und trat aus der Umkleide hinaus. „Ich gehe schon in die Halle.“

„Auf Midorimacchi kann man sich verlassen- hey, Kurokocchi, warte auf mich!“

Kise zog sich um und stürmte aus dem Raum hinaus, holte Kuroko in dem Moment ein, in dem dieser die Halle betreten wollte. Er streckte die Hand aus und packte Kuroko an der Schulter.

„Hah, Kurokocchi“, begann Kise völlig außer Atem.

„Was ist, Kise-kun?“

Ein Lächeln bildete sich auf Kises Gesicht und er zwinkerte Kuroko zu. „Sende mir heute viele Pässe zu, ja?“

„In Ordnung, Kise-kun“, antwortete Kuroko und erwiderte das Lächeln matt.

Kise und Kuroko betraten die Halle, das Geräusch von Turnschuhen und aufprallenden Basketbällen war zu hören, die Aufwärmübungen hatten bereits begonnen und dutzende Schüler warfen Körbe und streckten sich.

„Kise-kun, wir sollten Akashi-kun Bescheid geben“, sagte Kuroko und suchte die Halle nach dem Captain ab.

„Eh, Akashicchi weiß doch schon längst, dass wir da sind“, entgegnete Kise und griff sich einen der am Boden rollenden Basketbälle. „Du bist viel zu fürsorglich.“

„Wir sollten ihm trotzdem sagen, dass wir jetzt anwesend sind“, sagte Kuroko, wandte sich von Kise ab und ging geradewegs auf Akashi zu, der mit einem Stift in der Hand die Anwesenheitsliste abhakte.

„Sag auch von mir Bescheid, Kurokocchi!“, rief Kise hinterher und begann, den Ball zu dribbeln. Sofort zog er einige Blicke auf sich, die regulären Spieler Teikous stachen oft besonders heraus und keiner wollte verpassen, wenn einer von ihnen seine Künste zeigte. Ein Sprung und der Ball landete im Korb, Kise landete wieder auf beiden Beinen.
Noch ehe er sich umdrehen konnte, schwang sich schon zum zweiten Mal an diesem Tag ein Arm um seine Schultern, eine lautes Lachen drang an sein Ohr.

„Sollte man sich nicht zuerst aufwärmen, bevor man solche Tricks macht?“, bemerkte Aomine und verlagerte sein Gewicht auf Kise, der versuchte, der Last stand zu halten.

„Ich wärme mich auf, während ich spiele“, entgegnete Kise und befreite sich von Aomine. „Ich fordere dich heraus, Aominecchi!“

„Heh“, stieß Aomine aus und entfernte sich ein paar Schritte von Kise, ging in Position. „Schon wieder? Aber ich bin bereit, erwarte bloß nicht, dass ich es dir leicht mache.“

„Das möchte ich auch hoffen!“ Kise begab sich ebenfalls in Position und die beiden trugen ihr Match aus, die anderen Schüler schauten gebannt zu, obwohl vielen von ihnen der Ausgang bereits klar war.

„Akashi-kun“, sagte Kuroko und gewann somit gleich die Aufmerksamkeit seines Gegenübers. „Kise-kun und ich sind anwesend.“

„Danke, Kuroko“, lächelte Akashi und ging weiterhin die Anwesenheitsliste durch. „Du darfst jetzt zu den anderen gehen.“

„In Ordnung.“ Kuroko wandte sich von Akashi ab, doch er hielt augenblicklich inne, als sich die Stimme des Captains erneut erhob.

„Ah, Kuroko“, begann Akashi bedacht „Ich möchte, dass du heute Kise beobachtest.“

Kuroko drehte sich um und nickte, er wusste, dass selbst wenn er Akashis Anordnung hinterfragen würde, er keine weiteren Informationen bekommen würde. „In Ordnung, Akashi-kun.“

Das Training nahm seinen üblichen Ablauf, die Schüler schwitzen und rannten, Trainingsmatches wurden gespielt und das Aufprallen der Basketbälle erfüllte die Halle. Trotz der Anstrengungen herrschte eine positive Stimmung unter den Mitgliedern des Basketball-Clubs, bis eine nur zu bekannte Szene eben diese trübte.

„Tetsu! Tetsu!!“, rief Aomine besorgt und beugte sich über Kuroko, der schwer atmend am Boden kauerte. „Halte durch, ich bring dir etwas Wasser.“

„Hilf ihm nicht“, wandte Akashi im mahnenden Tonfall ein. „Kuroko wird sich nie an die Trainingseinheiten gewöhnen, wenn du ihm ständig die Hand hältst, Aomine.“

„Aber Tetsu...“, seufzte Aomine besorgt und richtete sich auf.

„Aomine-kun“, keuchte Kuroko und versuchte, ein Lächeln auf seine Lippen zu bringen. „Ist schon gut, mir ist nur etwas schwindelig.“

„Hmph“, kam es von Midorima, der sich ebenfalls dazugestellt hatte. „Kuroko macht uns mehr Ärger als er uns hilft.“

„Eh, muss Kurochin sich schon wieder übergeben?“, fragte Murasakibara neugierig und beugte sich ebenfalls über Kuroko.

„Midorima, Murasakibara, wer hat euch erlaubt, das Training zu unterbrechen“, merkte Akashi an und warf den beiden einen strengen Blick zu. „Das geht auch an dich, Aomine.“

„Aber-“, entgegnete Aomine, suchte nach den passenden Worten.

„Kein aber. Kuroko muss lernen, selbst damit umzugehen“, schnitt Akashi ihn ab. Murasakibara und Midorima entfernten sich wortlos und gingen wieder dem Training nach, Aomine kniete weiterhin neben Kuroko.

„Danke, Aomine-kun“, murmelte Kuroko schwer atmend, Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. „Ich schaffe das schon...“
Als Kuroko seine Worte aussprach und einen weiteren Versuch unternahm, sich aus eigener Kraft wieder aufzurichten, brach er unter der Last zusammen und stürzte erneut zu Boden, der Ohnmacht nahe.

„Hey, Tetsu! Tetsu!!“ Panik zeigte sich auf Aomines Gesicht und er rief Kurokos Namen, schüttelte ihn an der Schulter. Aomines Rufen erreichte auch die Ohren der anderen Schüler und einige neugierige Spieler kamen näher.

„Was schreist du denn so, Aominecchi?“, fragte Kise, der ebenfalls an Aomine und Kuroko herantrat. Seine Augen wurden weit, als er Kuroko erblickte. „Eh, Kurokocchi!! Was ist passiert?!“

„Tetsu ist ohnmächtig geworden!“, antwortete Aomine und sah Akashi an. „Wir müssen ihn in die Krankenstation bringen.“

Akashi seufzte und drehte sich um. „Kise, kümmere dich um Kuroko.“

„Kise?!“

„Ich?!“

„Aomine, du bist essentiell für unser Team beim nächsten Match. Ich möchte, dass du die Zeit zum Trainieren optimal ausnutzt“, erklärte Akashi und deutete den umstehenden Schülern an, sich wieder zu entfernen. „Das Training wird nicht noch einmal unterbrochen.“

Zähneknirschend richtete sich Aomine auf und streifte an Kise vorbei. „Kümmere dich um Tetsu“, murmelte er und klopfte Kise dabei auf die Schulter.

„J-ja...“, sagte Kise zögernd. Das Training des Basketball-Clubs nahm Kuroko sichtlich mit, fast jeden Tag gab es einen kleineren Vorfall mit ihm und Kise kannte den Anblick eines schwächelnden Kuroko schon zu gut, doch als er hinunter blickte, zog sich etwas in ihm zusammen. Kuroko war ohnmächtig geworden und lag reglos auf dem Boden, die aufkommende Sommerhitze machte ihm scheinbar zu schaffen. Kise trat an Kuroko heran und nahm ihn auf den Rücken. „Halte durch, Kurokocchi.“


***


„Ah, Kise-kun...“

Kuroko wachte in einem weichen Bett auf, die weiße Decke im Blick. In seinem Kopf drehte sich noch alles, ihm war furchtbar heiß und seine Gelenke schmerzten. Ein nasser Lappen lag auf seiner Stirn und spendete ihm etwas Kühlung, doch Kuroko bekam das Gefühl, dass selbst das nicht half, die erdrückende Hitze zu lindern. Mit einem Ruck richtete er sich auf, das Schwindelgefühl wurde augenblicklich stärker.

„H-hey, du solltest noch liegen bleiben, Kurokocchi!“

Neben ihm saß Kise, einen besorgen Blick auf dem Gesicht. Kuroko sah sich um, er befand sich im Krankenzimmer der Schule.

„Ich bin ohnmächtig geworden?“, erkundigte sich Kuroko mit schwacher Stimme und ließ sich zurück aufs Bett fallen.

„Ja“, antwortete Kise, ein unsicheres Lächeln lag auf seinen Lippen, „wir haben uns alle Sorgen gemacht.“

„Ist das so?“ Kuroko seufzte und biss sich auf die Lippe. „Tut mir Leid, dass ich euch Sorgen bereitet habe.“

„Dafür musst du dich doch nicht entschuldigen“, lachte Kise. „Aber warum bist du denn ohnmächtig geworden? So schlimm hat es dich noch nie erwischt“, erkundigte er sich mit nun ernster Stimme.

„...“ Kuroko dachte nach, suchte nach einer Antwort. „Es war ein Befehl.“

„Ein Befehl?“, rief Kise geschockt aus. „Wer sollte dir denn Befehlen, ohnmächtig zu werden? Etwa Akashicchi?!“

„Nein, nicht das“, erwiderte Kuroko, noch immer etwas schläfrig, „Akashi-kun hat mir angeordnet, dich zu beobachten.“

„Eh? Mich beobachten?“, fragte Kise ungläubig. „Wieso sollte er dir das auftragen?“

„...“

Zwischen den beiden herrschte einige Sekunden Stille, Kuroko suchte in seinen Gedanken immer noch nach dem Grund für Akashis Anordnung.

„Und deswegen bist du ohnmächtig geworden? Weil du versucht hast, mit mir mitzuhalten?“, schlussfolgerte Kise schließlich und brach die Ruhe.

„... Ja.“

„He~h, ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, Kurokocchi“, murmelte Kise verlegen. „Hast du denn schon etwas über mich herausgefunden?“

„Etwas herausgefunden?“, fragte Kuroko und dachte nach.

„Naja, wenn Akashicchi dir aufgetragen hat mich zu beobachten, dann sollte dir dabei doch etwas aufgefallen sein, oder nicht?“, schlussfolgerte Kise und dachte ebenfalls nach. Auf keinen Fall hatte Akashi Kuroko diese Aufgabe ohne Grund gegeben.
Erneut vergingen einige Momente des Schweigens, weder Kise noch Kuroko fiel etwas ein, was sie aufbringen konnten. Kises Gedanken schweiften ab und sein Blick blieb am Fenster hängen, zarte Sonnenstrahlen schienen durch die blasse Vorhänge, das Geräusch rufender und trainierender Schüler anderer Sportclubs drang in das sonst verlassene Krankenzimmer.

„Ah“, machte Kuroko plötzlich und Kise horchte auf. „Kise-kun, bedrückt dich etwas?“

„W-wie kommst du denn darauf, Kurokocchi?“, entgegnete Kise unsicher.

„Dein Blick wandert ständig ins Leere“, stellte Kuroko fest und sah Kise dabei in die Augen, welcher daraufhin verlegen zur Seite blickte.

„Mein Blick? Was hat das damit zu tun?“

„Du bist unaufmerksam. Deswegen hast du den Ball beim Training des öfteren verloren.“ Kuroko hielt inne und fügte zögernd weitere Worte hinzu. „Und deswegen hast du dich mit Aomine-kun gestritten.“

„Und das alles konntest du an meinen Augen ablesen?“, wiederholte Kise und dachte nach.

„Ja, das ist richtig.“

„Moment“, rief Kise aus. „Heißt das, Aomine hat wirklich nur aus Versehen meine Kleidung nass gemacht? Und ich habe das nicht bemerkt, weil ich unaufmerksam war?“

„Ja, das ist ebenfalls richtig“, bestätigte Kuroko. „Ich möchte wissen, warum du unaufmerksam bist, Kise-kun.“

„W-wie kommst du darauf, dass ich unaufmerksam bin, Kurokocchi?“, wich Kise aus, hoffte dadurch etwas Zeit gewinnen zu können, um sich eine Erklärung einfallen zu lassen.

„Das habe ich doch gerade erklärt“, antwortete Kuroko verdutzt. „Und dadurch, dass du versuchst, meiner Frage auszuweichen, hast du meine Annahme bestätigt, Kise-kun.“

„E-eh, habe ich das?“, lachte Kise unsicher. „Du kennst dich gut mit so etwas aus.“

„Möchtest du mir erzählen, über was du nachdenkst?“, fragte Kuroko und lächelte. „Danach gehen wir wieder zurück zum Training, Akashi-kun und die anderen warten sicher schon auf uns.“

Kise holte tief Luft.

     „Tut mir Leid, Kise-kun.“

„Es ist nichts.“

„...“ Kuroko versuchte Kises Blick zu treffen, doch dieser wich seinen Augen aus, sah bedrückt zu Boden. „In Ordnung, Kise-kun. Das ist gut.“

„H-hey, Kurokocchi, du solltest noch liegen bleiben!“, rief Kise panisch, als Kuroko sich erneut aufrichtete und aus dem Bett steigen wollte. „Du kannst das Training auch auf ein anderes mal verschieben, oder nicht?!“

Kuroko schlüpfte aus dem Bett und stand auf, immer noch etwas wackelig auf den Beinen, der Kühllappen viel dabei zu Boden.

„Aber ich würde gern mit allen anderen Trainieren, Kise-kun“, erklärte Kuroko und tat ein paar unsichere Schritte, stützte sich dabei auf Kise ab. Kuroko, dem diese Berührung sichtlich unangenehm war, ließ sich erneut zurück aufs Bett fallen und seufzte tief.

„Ich sagte doch, dass du dich ausruhen solltest“, merkte Kise an und lächelte.

„Ich schätze, du hast recht“, murmelte Kuroko schmollend. „Ich werde wohl niemals so gut wie Aomine-kun oder du werden, Kise-kun.“

„Hey, das hört sich aber gar nicht nach dir an, Kurokocchi“, stellte Kise verwundert fest. Kuroko blickte ebenso erstaunt drein, schien von seinen eigenen Worten überrascht. Kise lachte laut, als er Kurokos Gesicht erblickte.

„Ja, das hast du recht. Ich darf nicht aufgeben.“ Kuroko ballte die Fäuste, er hasste es, nichts gegen seine Situation unternehmen zu können.

„Wenn es dir wieder besser geht, trainierst du einfach doppelt so viel“, sagte Kise und zwinkerte.

„Danke, Kise-kun“, erwiderte Kuroko mit einem sanften Lächeln.

„Eh? Für was?“, fragte Kise verblüfft.

„Das du mich hergebracht hast“, erklärte Kuroko. „Ohne deine Hilfe könnte ich mich jetzt nicht ausruhen.“

„Ah, ähm, also das...“ Kise errötete und lachte verlegen. „ Aber das ist doch selbstverständlich, Kurokocchi.“

„Hm.“

„A-also ich sollte wirklich zurück zum Training gehen, sonst wird noch Akashicchi böse“, stammelte Kise und erhob sich von dem Stuhl, der neben dem Bett stand.

„Sag den anderen, dass ich bald nachkomme“, bat Kuroko und starrte aus dem Fenster, die Stimmen der anderen Schüler waren draußen noch so laut hören wie zuvor.

„Ja, keine Sorge, ich sage den anderen, dass es dir bald besser geht“, bestätigte Kise mit einem breiten Grinsen und entfernte ich von dem Bett, auf dem Kuroko lag. Seine Schritte hallten in dem großen, weißen Raum wieder, seine Hand griff nach der Schiebetür, die in den Gang führte, und hielt inne. „Ah, da wäre noch etwas, Kurokocchi...“

Kuroko horchte auf, der Ton in Kises Stimme veränderte sich plötzlich, wurde ernst. Kise stand mit dem Gesicht zur Tür, es war für Kuroko unmöglich, die Emotionen abzulesen, die Kise in dem Moment zeigte.

„Was ist, Kise-kun?“, fragte Kuroko zögernd.

„Du würdest mich nie verlassen, oder?“

„...“ Kuroko dachte nach, versuchte die Frage zu begreifen.

„Kurokocchi wird immer für mich da sein, oder?“

Der Ton von Kises Stimme beunruhigte Kuroko, er starrte auf Kises Rücken und versuchte zu verstehen, was in ihm vorging.

„... ja“, antwortete Kuroko schließlich, ein komisches Gefühl breitete sich in ihm aus. „Wenn Kise-kun den Ball benötigt, werde ich ihn zu ihm passen.“

„Danke, Kurokocchi.“

Kise schob die Tür auf und war im nächsten Moment im Gang verschwunden, mit einem Male war es still im Krankenzimmer. Kuroko starrte wieder aus dem Fenster.


***


„Yo, Tetsu!“ Aomine kam aus der Sporthalle, frisch geduscht und die Haare noch nass. „Wieder unter den Lebenden?“

Murasakibara, Midorima und Kise kamen ebenfalls durch die Eingangstür der Halle, die einen mehr, die anderen weniger beeindruckt von Kurokos erscheinen.

„Tetsu-ku~n!“, rief eine weibliche Stimme und Momoi kam hinter Aomine hervor geschnellt. Mit einem Sprung fiel sie um Kurokos Hals, den es fasst von den Beinen riss dabei. „Ich hab gehört, was passiert ist. Ich bin so froh, dass du noch lebst!“

„Kuroko hat sich doch gerade erst erholt, Momocchi!“ Kise lief panisch auf Kuroko zu, der drohte, von Momoi erdrückt zu werden, doch dieser schenkte Momoi kein Interesse, machte allerdings auch keine Anstalten, sich aus ihrem Griff zu befreien. Kurokos Blick richtete sich an Aomine und Enttäuschung zeigte sich auf seinem Gesicht.

„Ich war nicht tot, Aomine-kun“, korrigierte ihn Kuroko. „Das Training ist schon zu Ende?“

„Ja, wir sind die Letzten“, fügte Kise hinzu und befreite Kuroko aus Momois Klammergriff.

„Ah, verstehe...“ murmelte Kuroko.

„Wolltest du etwa noch Trainieren, Tetsu-kun? Nach allem, was passiert ist?“, fragte Momoi entsetzt und sah Kuroko besorgt an.

Kuroko nickte und entgegnete Momoi mit einem Lächeln. „Tut mir Leid, dass du dir Sorgen um mich machen musstest, Momoi-san.“

„Du hast uns aber auch einen ganz schönen Schrecken eingejagt, Tetsu“, lachte Aomine und fuhr mit der Hand durch Kurokos Haare, welcher daraufhin nur die Mundwinkel nach unten zog.

„Bitte lass das, Aomine-kun.“ Kuroko schlug Aomines Hand sanft weg und schritt an ihm vorbei, ging auf die Halle zu.

„Eh, willst du etwa noch weiter Trainieren, Kurokocchi?“, fragte Kise verblüfft.

„Du solltest dich schonen, Tetsu-kun“, pflichtete Momoi bei und stellte sich den Weg blockierend vor Kuroko.

„Satsuki hat recht, wenn du allein bist, kann dich niemand vor dem Tod retten“, merkte Aomine an.

„Eh, Kurochin wird sterben?“, fragte Murasakibara, der offensichtlich nicht zugehört hatte und genüsslich auf einem Schokoriegel kaute.

„Du bist wie immer viel zu verantwortungslos“, schnaubte Midorima und rückte seine Brille zurecht.

„Ich sagte doch schon, ich war nicht...“, murmelte Kuroko und seufzte.

„Hey, wie wär's, wenn wir alle zusammen ein Eis essen gehen?“, platze Kise plötzlich heraus und für einen Moment war es still. Aomine war der Erste, der lauthals zustimmte, Momoi und Murasakibara waren der Idee ebenfalls nicht abgeneigt. Kuroko seufzte.

„Komm schon, Tetsu, trainieren kannst du auch morgen“, sagte Aomine und klopfte Kuroko auf den Rücken.

Kuroko ließ die Schultern hängen, auf seinem Gesicht erschien allerdings ein Lächeln. „In Ordnung.“

„Hmph“, kam es von Midorima, der erklärte, dass er für derlei Beschäftigungen keine Zeit hätte. Nach einer kleinen Diskussion konnte allerdings auch er umgestimmt werden.

„Worauf warten wir noch“, rief Kise energiegeladen. „Gehen wir!“

Zu sechst schritten die Mitglieder des Basketball-Clubs über den nun fast leeren Schulhof, nur noch vereinzelt fanden sich kleine Gruppen von Schülern. Die Sonne hing bereits am Horizont, in ein paar Stunden würde sie völlig verschwunden sein.
Aomine und Kise informierten Kuroko über das verpasste Training und berichteten darüber, dass Akashi sie trotzdem extra Runden laufen ließ. Der Weg zu dem kleinen Geschäft, bei dem sie wie so oft ihr Eis aßen, ging dem gewohnten Ablauf nach.


„Wow, Tetsu-kun hat schon wieder ein kostenloses Eis gewonnen!“, rief Momoi überrascht aus, als sie den Eisstiel in Kurokos Hand erblickte. Das Wort 'Gewinner' war groß auf dem Holz gedruckt.

„Schon wieder? Du hast einfach zu viel Glück Tetsu!“, lachte Aomine und klopfte ihm stolz auf die Schulter. „Dabei ist das ja eher der Job unserer Brillenschlange, nicht wahr?“

B-brillenschlange?!“, schnaubte Midorima wütend und starrte auf den Holzstiel, den er in der Hand hielt. „Und wer hat gesagt, dass ich überhaupt ein weiteres Eis möchte?

„Ahaha, wenn du Kurokocchi ganz nett darum bittest, gibt er dir vielleicht seinen Stiel!“, lachte Kise laut, was Midorimas Stimmung nicht im Geringsten besserte.

„Eh, ich möchte auch ein kostenloses Eis haben~“, murmelte Murasakibara und gähnte.

„Aber Mukkun, du hat doch noch die ganze Packung übrig“, wandte Momoi ein und Murasakibara stieß daraufhin nur ein enttäuschtes Seufzen aus.

„Ich denke“, begann Kuroko und wandte sich an Kise. „das Kise-kun ihn bekommen sollte.“

„Da hab ich nichts dagegen“, stimmte Aomine zu und lächelte breit. „Er hat Tetsu immerhin gerettet.“

„I-ich? Kurokocchis...?“, stammelte Kise und wurde rot.

„Ja, Ki-chan sollte ihn bekommen“, pflichtete Momoi bei.

„Mmh~“, kam es von Murasakibara, der gerade das nächste Eis aus seiner Tüte fischte. Midorima rümpfte die Nase und drehte sich weg, was den anderen ein leises Kichern entlockte.

Kuroko trat näher an Kise heran und streckte die Hand aus. „Bitte, Kise-kun.“

     „Kurokocchi wird immer für mich da sein, oder?“

     „... ja.“

„Gerne, Kurokocchi!“


***


„Kurochin, hast du etwas zu essen für mich?“

„Nein, leider nicht, Murasakibara-kun“, antwortete Kuroko und Murasakibara seufzte, ließ die Schultern noch tiefer hängen als üblich.

„Eh~, das ist schade. Kisechin, hast du einen Snack für mich?“, fragte Musaraskibara weiterhin.

„Tut mir Leid, Murasakicchi, ich habe auch nichts“, entgegnete Kise, konnte jedoch kein Mitleid für den ständig essenden Murasakibara aufbringen.

„Nicht einmal ein Bonbon?“

„Nein, auch kein Bonbon.“ Erneut war ein tiefes Seufzen zu hören und Kise fügte hastig hinzu: „Aber wenn du möchtest, kann ich einen meiner Fans-“

„Nein, schon gut“, unterbrach ihn Murasakibara und nahm als nächstes Midorima ins Auge.

„Du brauchst nicht zu fragen, Murasakibara“, schnaubte Midorima und wandte sich von den anderen ab. Murasakibara zeigte einen enttäuschten Blick auf dem Gesicht und legte den Kopf auf den Tisch.

Murasakibara, Kise, Midorima und Kuroko befanden sich im Clubraum des Basketball-Clubs. Der Raum war nur spärlich ausgestattet, die Regale waren mit Ordnern befüllt und in der Mitte stand ein Tisch mit Platz mehrere Personen.

„Warum sind wir noch einmal hier?“, fragte Murasakibara schließlich und alle Augen richteten sich auf Midorima, der genervt seine Brille zurecht rückte.

„Akashi hat uns hergerufen, weil er uns Startspielern für das nächste Trainingsmatch etwas mitteilen möchte“, antwortete Midorima informiert.

„Und deswegen lässt Akashicchi uns nach dem Training hier her kommen?“, fragte Kise und wippte ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her. Das Training war bereits zu Ende und die vier waren erschöpft und müde gewesen.

„Eh, wenn er nur mit den Startspielern sprechen möchte, warum ist Kurochin dann hier?“ Murasakibaras Blick richtete sich auf Kuroko, Spott war in seiner Stimme zu hören. Kuroko starrte Murasakibara an und öffnete den Mund, doch Kises Stimme übertönte was auch immer er sagen wollte.

„Kurokocchi ist ein wichtiges Mitglied des Teams!“ Kise schlug die Faust leicht auf den Tisch, doch laut genug, um auch Midorima aufblicken zu lassen.

„Eee~h, wenn Akachin das sagt“, entgegnete Murasakibara desinteressiert und Midorima stieß erneut ein missbilligendes Schnauben aus.

„Wird Kise-kun nicht immer gegen mich ausgewechselt?“ Kuroko richtete sich an Kise, ein Lächeln auf dem Gesicht, doch den üblichen ruhigen Ton in der Stimme. „Vielleicht sollte der Coach mir anstatt Kise-kun die Startspielreposition übergeben? Kise-kun hätte doch sicherlich nichts dagegen, oder?“

„EH, was soll das denn heißen, Kurokocchi?!“, rief Kise verblüfft, konnte aber nicht anders, als Kurokos plumper Aussage mit einem Lachen zu entgegnen. „Wenn es Kurokocchi ist, würde ich meine Position ohne nachzudenken aufgeben.“

„Hmph“, mischte sich Midorima ein. „Was für ein unsinniger Gedanke. Ich schätze Kurokos Fähigkeiten ebenso wie alle anderen, allerdings eignet er sich nicht für einen Spieler mit Startposition.“

„Hee~h, ich denke Midorimacchi hat recht“, stimmte Kise zu und insgeheim war er froh, seine Spielposition nicht an Kuroko verlieren zu müssen.

„Ich unterstütze euch aus dem Schatten, wann immer ich gebraucht werde“, fügte Kuroko hinzu.

Weitere Minuten vergingen, die vier Schüler warteten auf den Captain des Teams und setzten ihre lebhafte Unterhaltung unbeeindruckt fort, dank Kise kam es keine Minute zur Stille, sehr zum Unwohlsein Midorimas.

„Wo ist eigentlich Minechin?“, fragte Murasakibara plötzlich in die Runde, als er feststellte, dass die üblichen Streitereien zwischen Kise und Aomine fehlten.

„Aomine-kun ist schon nach Hause gegangen“, antwortete Kuroko mit einem seltsame Lächeln. Seit Kurokos Vorfall vor ein paar Tagen hatte er nicht mehr mit ihm außerhalb der Trainingszeiten gespielt, bestand darauf, dass er sich schont. Warum er dies als Ausrede benutzte, dass abendliche Training ebenfalls ausfallen zu lassen, war Kuroko schleierhaft.

„Aominecchi ist doch immer der letzte, der nach Hause geht“, stellte Kise fest. „Sieht ihm gar nicht ähnlich.“

„Er ist einfach so verantwortungslos wie immer“, warf Midorima ein. „War von einer undisziplinierten Person wie ihm zu erwarten.“

„Das wird Akachin aber gar nicht gefallen~“, sagte Murasakibara und gähnte. „Aber das ist ja nicht unser Problem.“

„Ich werde Aomine-kun über alles informieren“, sagte Kuroko bedacht.

„Wenn es ihn interessieren würde, wäre er doch hergekommen~“, entgegnete Kise dumpf. „Aber Akashicchis Anordnungen zu missachten ist ganz schön gewagt. Ich frage mich, welche Strafe er dafür bekommen wird...“

„Zehn Runden über den gesamten Schulhof.“ Die Tür schwang sanft auf und der Captain, Akashi, kam zum Vorschein. „Fünf Runden für Kise, Schadenfreude ist keine gute Angewohnheit.“

„EH?“, rief Kise empört aus und schmollte. Er wusste, dass mit Akashi in dieser Hinsicht nicht zu diskutieren war. Murasakibara stieß ein leises Kichern aus, unterdrückte dies aber in dem Moment, in dem Akashi ihm einen strengen Blick zeigte.

„Guten Abend, Akashi-kun“, größte Kuroko höflich und Akashi schenkte ihm ein Kopfnicken.

„Was hast du uns mitzuteilen, Akashi?“, fragte Midorima interessiert und wartete darauf, dass Akashi an dem Tisch Platz nahm. Akashi hingegen blieb in der Nähe der Tür stehen, ein sanftes Lächeln auf dem Gesicht, und machte ohne zu zögern seine Ankündigung.

„Unser Motto ist es, zu gewinnen, das sollte euch allen klar sein.“ Akashi wartete einen Augenblick, bevor er fort fuhr. „Persönliche Angelegenheiten dürfen den Sieg des Teams nicht beeinflussen. Ich möchte, dass ihr diese Angelegenheiten so schnellst wie möglich beseitigt, so dass das Team ungehindert zum Sieg voranschreiten kann. Habt ihr verstanden?“

Für einen Moment herrschte Schweigen unter den Teammitgliedern, jede versuchte zu verstehen, welche Angelegenheiten Akashi wohl ansprach. Am Ende entschieden sich Murasakibara, Kuroko, Kise und Midrima dazu, keine weiteren Fragen zu stellen, und gaben ein verständliches Nicken ab.

„Das ist gut.“ Akashi zeigte ein Lächeln. „Dann seid ihr entlassen. Wir sehen uns morgen.“

„Eh, das war's?“, rief Kise enttäuscht und dennoch erleichtert aus.

„Wie ich schon sagte, Kise, ihr seid entlassen“, bestätigte Akashi und sah zu, wie Kise aus dem Raum stürmte. Je länger er sich bei Akashi aufhielt, desto höher war die Chance, eine weitere Strafe aufgebrummt zu bekommen, so viel stand für ihn fest.

„Guten Abend, Akashi-kun“, verabschiedete sich Kuroko und verbeugte sich leicht, schritt ebenfalls aus dem Raum, dachte dabei noch über Akashis Worte nach.
Murasakibara machte sich ebenfalls auf, murmelte etwas über Snacks in sich hinein, und schloss die Tür hinter sich.

Zwischen Midorima und Akashi herrschte schweigen. Midorima starrte auf den Tisch und Akashi wartete geduldig auf das, was Midorima ihm zu sagen hatte. Midorima rückte seine Brille zurecht und sah Akashi schließlich an.

„War das wirklich nötig?“

„Hm“, stieß Akashi belustigt aus. „Das ist alles, was du mich fragen möchtest?“

„...“

„Auch wenn du es in diesem Moment noch nicht verstehst, wirst auch du mit der Zeit begreifen, Midorima“, erklärte Akashi so geheimnisvoll wie immer.

„Hmph“, machte Midorima. „Ich werde während einer Partie Shogi darüber nachdenken.“ Akashi nickte mit dem Kopf und nahm die Herausforderung an. Er setzte sich gegenüber Midorima.


***


Kise wartete am Ende des Ganges, als er leise Schritte langsam näher kommen vernahm, horchte er auf. Er erblickte Kuroko, der in seinen eigenen Gedanken vertieft zu sein schien, und aus dem Fenster starrend den Gang entlang ging.

„Ah, Kurokocchi~!“, rief Kise und stellte sich vor Kuroko. Kuroko fuhr auf und war überrascht, Kise zu erblicken.

„Hast du auf mich gewartet, Kise-kun?“

„Ja, nach was sieht es denn aus?“, bestätigte Kise und trat zur Seite. „Gehen wir zusammen?“

Kuroko nickte und das Lächeln auf Kises Gesicht wurde breiter. Die beiden schritten schweigend aus dem Gebäude und über den Schulhof, eine Stille, die für Kises Verhältnisse ungewohnt war. Als die beiden das Schultor passierten, fühlten sie, wie eine Last von ihnen genommen wurde, es schien, als würde der Zwang, über Akashis Worte nachzudenken, nicht mehr auf ihnen liegen.

„Ob Akashicchi mich und Aominecchi gemeint hat? Mit den persönlichen Angelegenheiten und so“, brach Kise das Schweigen und blickte unsicher zu Kuroko hinab, erhoffte, dass er eine Antwort auf die frage hatte.

„Nein, ich glaube nicht, dass Akashi-kun das gemeint hat“, erklärte Kuroko, blickte allerdings nicht zu dem nun verwunderten Kise hinauf.

„Bist du sicher?“, fragte Kise und dachte an all die Male, an der er und Aomine sich beinahe geprügelt hätten. Und auch an die Male, an denen sie sich geprügelt haben.

„Ja“, bestätigte Kuroko. „Kise-kun ist ein Idiot und immer laut...“

„Das hältst du also von mir? Das tut weh~“

„... aber Aomine-kun schätzt ihn sehr. Auch wenn sie sich ständig streiten, sind Aomine-kun und Kise-kun gute Freunde und Rivalen“, erklärte Kuroko ruhig und lächelte Kise an.

„Kurokocchi hat recht.“ Kise erwiderte das Lächeln und seine Augen funkelten. „Aominecchi ist ein gemeiner Idiot, aber ich kann ihn dafür einfach nicht hassen. Es macht einfach zu viel Spaß gegen ihn zu spielen. Eines Tages werde ich besser sein, als er, der wird sich noch wundern!“

„Wir werden vermutlich nicht lange genug leben, um diesen Tag zu sehen“, entgegnete Kuroko spöttisch.

Du bist so ehrlich und klein und niedlich.

„Wie gemein~“, jammerte Kise, lachte dann allerdings. „Aber dich kann ich auch nicht hassen, Kurokocchi.“

Ich mag dich.

„Mich?“

„Genau“, bestätigte Kise mit einem Grinsen. „Wir sind Freunde. Kurokocchi sieht das doch genauso, oder?“

Ich mag dich wirklich sehr.

„Hm, ich denke schon...“

Kurokocchi~

Schweigen umhüllte die beiden erneut und nach nur wenigen Minuten trennten sich die Wege der beiden, jeder ging seinen eigenen Weg nach Hause.

Die Sonne hing bereits am Horizont, die Straßenlaternen begannen schwach auf zu flackern und auf den Straßen waren noch viele Menschen unterwegs gewesen. In Kurokos Gedanken schwirrten noch die Worte Kises umher, wurden aber von den Worten Akashis überschattet. Vielleicht meinte Akashi-kun ihn und Aomine-kun? Aomine-kun war immerhin nicht bei der Versammlung gewesen und suchte nach Ausreden, das Extratraining der beiden ausfallen zu lassen. Vielleicht sollte er Aomine-kun zur Rede stellen... ja, das sollte er mit Sicherheit tun. Gleich morgen.


***


Am nächsten Tag.

Die Schulglocke ertönte und signalisierte den Pausenbeginn, Schüler strömten aus den Klassenzimmern in die Gänge und steuerten geradewegs auf die Cafeteria zu. Doch Kurokos Ziel war ein anderes gewesen, unbemerkt schlich er durch die Menschenmenge, bewegte sich auf die Treppen zu. Er stieg die Stufen hinauf, bis ins oberste Stockwerk, und öffnete die Tür vor ihm. Nicht viele hatten das Schuldach je betreten, da es gefährlich und für Schüler nicht zugänglich war - dort oben erwischt zu werden, konnte großen Ärger bedeuten.

Das helle Licht der Sonne blendete Kurokos Augen, als er auf das Dach trat. Er wartete einen Moment, bis sich seine Augen an das Licht gewöhnt hatten und suchte das Dach ab. Wie er erwartet hatte, fand er Aomine schlafend in der Sonne badend vor.

„Du bekommst noch einen Hitzeschlag, Aomine-kun“, sagte Kuroko und kam mit leisen Schritten näher.

„Ah, Tetsu“, murmelte Aomine schläfrig ohne die Augen zu öffnen. „Ich vertrage schon ein bisschen mehr Sonne als du.“

„...“ Kuroko setzte sich neben Aomine und starrte in den Himmel, beobachtete die vorbeiziehenden Wolken.

„Tsk“, kam es von Aomine, der von Kurokos leisem Atmen sichtlich gestört war, und er öffnete die Augen. „Woher wusstest du, dass ich hier bin, Tetsu?“

„Du warst nicht in deinem Klassenzimmer, Aomine-kun“, antwortete Kuroko. „Also habe ich bei Momoi-san nach dir gefragt.“

„Ah, ist das so.“

Für einige Momente beobachteten Aomine und Kuroko nur still die Wolken.

„Also was willst du, Tetsu?“, fragte Aomine schließlich, dem die Stille noch mehr auf die Nerven ging, als bei seinem Nickerchen gestört zu werden.

„Aomine-kun war gestern nicht bei der Versammlung.“

„Was für 'ne Versammlung?“

„Akashi-kun hat die Startspieler gestern zu einem Treffen im Clubraum gebeten“, erklärte Kuroko und blickte Aomine an, welcher seinen Augen jedoch auswich.

„Ah“, gähnte Aomine.

„Möchtest du nicht wissen, was er gesagt hat?“

„Mh.“

„...“ Kuroko seufzte. „Du bist auch früh nach Hause gegangen. Ich konnte Abends nicht mit Aomine-kun trainieren.“

„Oh.“

Kuroko ballte die Faust, die lustlosen Antworten Aomines begannen an seinen Nerven zu zerren.
„Was ist los, Aomine-kun?“ Der Ton in Kurokos Stimme veränderte sich plötzlich, die ungewohnte Stimmlage ließ Aomine aufhorchen. Er blickte Kuroko an, welcher ihn aus ungewohnt zielstrebigen Augen an funkelte. Aomine ahnte, dass Kuroko nicht locker lassen würde ehe er seine Antworten bekommen hatte und richtete sich auf.

„Weißt du, Tetsu“, begann Aomine und machte eine lange Pause ehe er weiter sprach. „Seit dem dieser Idiot dem Club beigetreten ist, werde ich immer besser.“

„... du meinst Kise-kun?“

„Es macht keinen Spaß, gegen jemanden zu spielen, der einem nie das Wasser reichen wird“, erklärte Aomine, ein Anflug von Enttäuschung war in seiner Stimme zu hören. „Wenn ich einfach aufhöre, zu trainieren, dann-“

„Sag so etwas nicht, Aomine-kun“, unterbrach Kuroko.

„Hm?“ Aomine drehte sich um, sah Kuroko direkt an. „Du meinst, ich soll einfach immer weiter trainieren, immer stärker werden?“

„Zu denken, dass andere niemals so gut werden wie Aomine-kun und deswegen einfach das Training aufzugeben ist respektlos“, entgegnete Kuroko ruhig. „Nicht nur gegenüber Kise-kun, sondern auch gegenüber allen anderen, die jeden Tag hart arbeiten, um besser zu werden.“

„Tch“, schnaubte Aomine und dachte über Kurokos Worte nach. Es dauerte eine Weile, bis Aomine die passenden Worte gefunden hatte. „Heh, du hast recht, Tetsu. Ich kann nicht zulassen, dass dieser Idiot Kise mich jemals überholt.“

„Ich bin mir sicher, Kise-kun denkt das Selbe“ Kuroko lächelte, doch eben dieses Lächeln verschwand in dem Augenblick, in dem Aomine seine Hand durch Kurokos Haare fuhr. „Bitte lass das, Aomine-kun.“

Aomines Lachen hallte auf dem Dach wider.

Kuroko lächelte, seine Zweifel waren abgelegt.


***


„Aominecchi hat mir schon wieder den Pass gestohlen!“, rief Kise empört. „Das ist gemein.“

„Ist doch völlig egal, wer von uns den Pass bekommt, oder?“, entgegnete Aomine gelassen. „Das einzige, was zählt, ist das der Ball im Korb landet.“

„Aber...“, machte Kise und ließ die Schultern hängen. „Sag doch auch mal was, Kurokocchi!“

Kise und Aomine richteten ihre Blicke auf Kuroko, der unbeteiligt neben den beiden stand.

„Tut mir Leid, Kise-kun.“ Kuroko sah Aomine und Kise abwechselnd an. „Aomine-kuns Position ist oft die bessere für meine Pässe.“

„Ha, da hast du's, Kise“, lachte Aomine. „Tetsu ist eben mein Schatten.“

„Dein Schatten?“, murmelte Kise und ein mulmiges Gefühl tauchte in ihm auf.

„Kise-kun, warum möchtest du so unbedingt Pässe von mir erhalten?“, fragte Kuroko und sah Kise an.

„Naja, weil ich...“, zögerte Kise.

Weil ich dich haben möchte.

„Weil ich gewinnen möchte.“

„Wir gewinnen doch ständig...“, warf Aomine ein.

„Aber ich möchte gewinnen! Mit Kurokocchis Hilfe!“, rief Kise und machte einen Schritt nach vorn.

„Heh...“, schnaubte Aomine und trat ebenfalls einen Schritt nach vorn, wurde jedoch von Kuroko zurück gehalten.

„Aomine-kun, der Sieg unseres Teams könnte gefährdet werden, wenn nicht alle Spieler zufrieden sind, oder?“ Kuroko blickte zu Kise und lächelte. „Deswegen sollten wir versuchen, es allen Spielern recht zu machen.“

Kises Augen begannen zu strahlen. „Kurokocchi!!“

„Eh, wie auch immer...“, murmelte Aomine, gegen Kurokos Argument konnte er nichts einwenden. „Du kannst die Pässe ruhig öfter zu Kise schicken.“

„Yeah!“, rief Kise erfreut aus, was die anderen Spieler für einen Moment aufblicken ließ.

„Gibt es ein Problem?“ Akashi, der bemerkt hatte, dass die drei nicht spielten, kam näher. Ehe Akashi den Mund erneut aufmachten konnte, schnappte sich Aomine einen der Basketbälle und ging zurück zu den anderen Schülern, das letzte, was er wollte, waren Extrarunden um den Schulhof.

Akashi lächelte daraufhin, für diese Frechheit würde er sich etwas besonderes überlegen.

„Akashi-kun...“ begann Kuroko, wurde jedoch von Kises durchdringender Stimme übertönt.

„Kurokocchi und ich werden das Passen trainieren!“

„Ist das so?“, fragte Akashi interessiert und musterte die beiden Spieler vor ihm, sein Blick blieb an Kuroko hängen, er erwartete eine Bestätigung.

„Ja, das ist richtig, Akashi-kun“, sagte Kuroko mit gedämpfter Stimme.

Akashi lächelte und drehte sich um. „Aber vernachlässigt das reguläre Training dadurch nicht.“

„„Ja!““

Kise und Kuroko verbrachen den Rest des Trainings damit, das Passen zu trainieren, erreichten dabei nur marginale Fortschritte. Das Fluchen von Kise und das darauffolgende schallende Gelächter von Aomine erfüllten die Halle, doch verstummten augenblicklich, als Akashi oder der frühere Captain Nijimura ihnen einen strengen Seitenblick zuwarfen.

„Das hat Spaß gemacht“, pfiff Kise erschöpft und streckte sich, als er und Kuroko die Sporthalle verließen. „Wir sollten morgen auch wieder trainieren. Und den Tag danach und den danach...“

„Du hättest nicht auf mich warten müssen, Kise-kun“, sagte Kuroko und starrte auf den Boden.

„Aber ich wollte wieder mit dir zusammen nach Hause gehen, wie letztens“, gab Kise zu und lächelte.

„Wir sehen uns doch jeden Tag beim Training“, murmelte Kuroko. „Es gibt keinen Grund für Kise-kun, mich nach Hause zu begleiten.“

„Eh~ das ist gemein, Kurokocchi“, lachte Kise. „Wenn wir zusammen Eis essen gehen, beschwerst du dich doch auch nicht.“

„...“ Kuroko ließ die Schultern hängen, als er fest stellte, dass er Kise nicht abwimmeln konnte.

Plötzlich hielt Kise inne, packte Kuroko an den Schultern.

„... eh?“, kam es von Kuroko und eher er sich versah, zog Kise ihn zu sich heran, schlang seine Arme um den kleinen Körper seines Gegenübers.

„Kise-kun, was...“, fragte Kuroko verblüfft und wusste nicht, wie er auf diese spontane Umarmung reagieren sollte, stieß Kise behutsam von sich weg. „Du solltest zuerst um Erlaubnis fragen, Kise-ku-“

„Nur für ein kleines bisschen, Kurokocchi“, flüsterte Kise und drückte Kurokos Kopf an seine Schulter, vergrub sein Gesicht in den hellblauen Haaren, ein süßlicher Duft ging von ihnen aus. „Wah~, deine Haare sind so weich und sanft.“

„...“ Kuroko erwiderte die Umarmung nicht, blieb regungslos in Kises Armen hängen. „Kise-kun, bitte lass mich wieder los.“

„Ich werde Kurokocchi nie wieder los lassen.“

„...“

„Erinnerst du dich noch, was du vor ein paar Tagen im Krankenzimmer gesagt hast?“, fragte Kise, seine Umarmung war fest, eine Hand an Kurokos Kopf, die andere lag auf seinem Rücken.

„... nein“, antwortete Kuroko dumpf und versuchte erneut, Kise von sich wegzudrücken, was aber nur den gegenteiligen Effekt hatte. „Nein, tue ich nicht.“

Selbst wenn du lügst, bist du noch niedlich~

„Du hast mir versprochen, mich nie wieder zu verlassen“, antwortete Kise.

„Ah, habe ich das...“ Kuroko seufzte, mit Kise auszukommen schien komplizierter als gedacht.

Kuroko und Kise verweilten noch etliche Minuten zusammen, eine Zeit, die Kuroko wie eine Ewigkeit vorkam. Doch nach seiner Abmachung, es allen Spielern recht zu machen, viel es Kuroko schwer, Kise abzulehnen.
Kuroko seufzte erneut und sein Blick wanderte über den Hof, er hielt den Atem an, als er einen Schatten in einigen Metern Entfernung erblickte, direkt hinter einer der Ecken des Schulgebäudes. Er blinzelte und der Schatten war verschwunden.


„Heh“, stieß Haizaki aus und leckte sich die Lippen. Er beobachtete Kise und Kuroko, hatte sie zufällig zusammen gesehen. Kise hatte sein übliches dümmliches Grinsen im Gesicht, den Mund ununterbrochen offen, seine Stimme klingelte in Haizakis Ohren. Haizaki war genervt, doch seine Mundwinkel verzogen sich zu einem krummen Lächeln. Und er wusste, was er als nächstes tun würde.

„Zeit, Ryoutas kleinem Freund einen netten Besuch abzustatten.“


***


„Teikou, Spielerwechsel.“

Kuroko stand am Rand des Spielfelds, wartete darauf, eingewechselt zu werden. Das Trainingsmatch gegen eine Mittelschule aus der Präfektur verlief sehr einseitig, auch den vierten Quarter konnte das gegnerische Team bisher nicht für sich beanspruchen.
Kise trat vom Feld, kam auf Kuroko zu, der Schweiß tropfte ihm von der Stirn, doch er hatte ein breites Grinsen im Gesicht.

„Überrasche sie, Kurokocchi“, sagte er und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „ Und im nächsten Match stehen wir zusammen auf dem Feld.“

„Ja, Kise-kun.“ Kuroko erwiderte das Lächeln und betrat das Feld.

Kise seufzte erschöpft und ließ sich auf die Bank fallen, griff nach einer Flasche Wasser. Seine Augen blieben an Kuroko hängen, er beobachtete jede seiner Bewegungen, verfolgte die Pässe, die er über das Feld schickte.

„Gut gespielt“, drang plötzlich eine Stimme an sein Ohr und riss ihn aus den Gedanken. Die Stimme gehörte Nijimura, der neben ihm saß, sich aber nicht zu ihm drehte, sondern selbst mehr oder weniger interessiert das Spiel verfolgte.

„Huh“, zögerte Kise und suchte das Feld nach Kuroko ab, er hatte ihn aus den Augen verloren. „... danke, Ex-Captain.“

„Das heißt Nijimura-senpai“, verbesserte er Kise. „Wäre ich noch Captain, würde ich dich dafür jetzt drei Runden laufen lassen.“

„Senpai also.“ Kise hatte noch nie verstanden, warum diese Bezeichnung so wichtig war.

„Werd nicht frech, nur weil du ein Startspieler bist“, kam es von Nijimura, der immer noch auf das Spielfeld fixiert war.

„Bist du etwa traurig, weil nur noch Akashicchi, Aominecchi, Murasakicchi, Midorimacchi, Kurokocchi und ich regelmäßig auf das Spielfeld dürfen?“

„Nenne die anderen bitte nie wieder beim Namen.“ Nijimura verzog das Gesicht. „Meine Position als Captain habe ich freiwillig aufgegeben und solange der Sieg sicher ist, bin ich mit der Situation zufrieden.“

„Aber ist das nicht dein letztes Jahr an der Mittelschule? Bist du wirklich damit zufrieden, nur auf der Bank zu sitzen?“, hakte Kise nach.

„...“, schwieg Nijimura und Kise seufzte, als er keine Antwort bekam.

Kise konnte sich unmöglich vorstellen, das gesamte Spiel über nur auf der Bank zu verbringen. Insgeheim konnte er es schon nicht ausstehen, während des Spiels gegen Kuroko ausgewechselt zu werden, er konnte sich so nicht mit Aomine messen, nicht für Kuroko scheinen. Aber er konnte Kuroko beobachten, ihn spielen sehen, wenn er ihn doch nur im Auge behalten könnte...

„Hey“, unterbrach ihn Nijimura seine Gedanken erneut, als ob er ahnte, dass Kise nicht aufmerksam war. „Sieh dir Aomine an.“

„Warum sollte ich mir Aominecchi ansehen?“, fragte Kise, er hatte nicht das geringste Interesse an ihm, wenn er nicht gerade gegen ihn spielte.

„Achte darauf, wie er Kurokos Pässe abfängt“, bemerkte Nijimura und Kise horchte auf. „Instinktiv steht er zur richtigen Zeit am richtigen Ort, fängt jeden noch so schwierigen Pass ab.“

„He...“, schnaubte Kise und fixierte seine Augen auf dem Spielfeld, wartete bis Kuroko aus dem Schatten sprang und den Ball zu Aomine beförderte. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis dieser Moment eintraf. Blitzschnell wurde die Flugbahn des Balls von scheinbar unsichtbaren Händen geändert, mit Leichtigkeit erwischte Aomine den Ball und im nächsten Augenblick waren zwei weitere Punkte auf der Seite Teikous hinzugekommen.

„Guter Pass, Tetsu!“ „Danke, Aomine-kun.“

„Die beiden sind äußerst kompatibel“, merkte Nijimura an. „Fast wie Licht und Schatten.“

„Licht und Schatten...“, wiederholte Kise, er tat sich schwer die Bedeutung hinter dieser für Nijimura eher ungewöhnlichen Metapher zu verstehen. „Was hat das mit mir zu tun?“, schmollte Kise, er hatte das Gefühl, die Pässe sahen bei ihm nicht viel anders aus.

„Im Training verlierst du sehr oft Kurokos Pass“, erklärte Nijimura ruhig. „Außerdem lässt du dich sehr leicht von Gegnern blocken oder bist zu hektisch, was das Passen zu dir zu einer sehr risikoreichen Angelegenheit machte.“

Kise schwieg.

„Ich würde sagen“, fügte Nijimura hinzu, „wenn du und Aomine gleichzeitig auf dem Spielfeld stehen würden, würde Kuroko den Pass zu Aomine schicken.“

„...“ Diese Worte trafen Kise hart und das unbehagliche Gefühl in ihm kam zurück. Er dachte, er könne sich mit Aomine messen, sich ihm gleichstellen. Doch innerlich wusste Kise, dass ihm etwas fehlte, und er biss sich auf die Lippe.
Nijimura erwartete keine Antwort mehr, denn in diesem Moment signalisierte ein lauter Ton das Ende des Matches. Teikou war Siegreich hervorgegangen, ein Sieg, der von Beginn an fest stand. Kise sah auf, sah, wie Kuroko und Aomine sich anlächelten, ihre Fäuste gegeneinander stießen.

Du hast es versprochen, Kurokocchi.

„Tetsu und ich sind das beste Team, zusammen sind wir unschlagbar!“, rief Aomine und zog Kuroko näher an sich heran, strich ihm über den Kopf.

„Nur dank Aomine-kun kann ich meine Fähigkeit einsetzen.“ Kuroko versuchte, sich aus dem Griff zu befreien, doch war selbst nach der kurzen Spielzeit zu erschöpft gewesen, um sich gegen Aomine wehren zu können. „Bitte lass mich los, Aomine-kun.“

„Ahaha“, lachte Aomine, „du bist wie immer viel zu bescheiden, Tetsu!“

Ich werde nicht zulassen, dass dich jemand wegnimmt.

Kise ballte die Fäuste und erhob sich von der Bank, setzte langsam einen Fuß vor den anderen. Er hatte Aomine im Blick, der noch immer keine Anstalten machte, sich von Kuroko zu entfernen. Er ging auf Aomine zu, der Abstand zwischen den beiden verringerte sich mit jedem Schritt.

„Ah, Ki-chan!“, eine feminine Hand umfasste seinen Arm. „Stimmt irgendetwas nicht?“

Kise fuhr herum und er erblickte Momoi, welche ihm auf das Spielfeld gefolgt war. Augenblicklich veränderte sich sein zorniger Blick zu einem Lächeln, Momoi schien von seiner Wut nichts zu merken.

„A-ah, nein, nein“, lachte Kise unsicher. „Ich wollte Aominecchi und den anderen nur gratulieren.“

„Das ist gut.“ Momoi erwiderte das Lächeln und ließ ihre wieder Hand fallen. Sie war erleichtert, dass die bedrohliche Aura, die Kise umgab, mit einem Augenblick wieder verschwunden war.

„Yo, Kise!“, rief Aomine plötzlich, der die beiden am Spielfeldrand bemerkte. „Hast du Tetsus Pass gesehen? Der war der Wahnsinn!“

„Ja, natürlich“, gab Kise zurück. „Aber keiner kann Kurokocchis Pässe so gut abfangen, wie du, Aominecchi!“

Aomine lachte, Kise jedoch achtete nur auf Kurokos sanftes Lächeln.

Du gehörst mir, Kurokocchi.


***


„Warum folgst du mir, Haizaki-kun?“ Kuroko blieb abrupt stehen drehte sich um. Haizaki zeigte ihm ein breites Grinsen, trat aus dem Schatten und verringerte den Abstand zwischen ihnen auf wenige Meter.

„Lang nicht mehr gesehen, Kuroko“, grüßte Haizaki ihn.

„Guten Abend, Haizaki-kun.“ Kuroko entschied sich dazu, Haizaki zu ignorieren. „Entschuldige mich bitte.“

Das Training war schon seit einiger Zeit zu Ende, Kuroko blieb wie immer länger als alle anderen, und war erschöpft gewesen. Es war bereits dunkel geworden und keine Menschenseele war in der Nähe, keiner konnte Haizakis durchdringendes Lachen hören.

„Hey, hey, hey, ist es nicht ein wenig unhöflich, einfach so aus einer freundlichen Unterhaltung zu fliehen?“, sagte Haizaki und Kuroko hielt inne.

„Es ist wirklich schon spät, Haizaki-kun“, entgegnete Kuroko flach. „Wir sollten morgen reden.“

Haizaki kam näher, die Hände in den Hosentaschen, ein überlegendes Lächeln auf dem Gesicht. Er musterte Kuroko von oben bis unten und lachte erneut.

„Du bist also Ryoutas neuestes Spielzeug“, sagte Haizaki in verhöhnendem Tonfall. „Das er auch in diese Richtung schwingt, kommt wenig überraschend.“

„...“ Kuroko beobachtete Haizaki mit scharfen Augen.

„Dir im Alltag zu folgen ist noch schwieriger als dich auf dem Spielfeld im Blick zu behalten, Kurokocchi.“

Kuroko entschloss sich, auf Entfernung zu bleiben, trat ein paar Schritte zurück. „Was soll das, Haizaki-kun?“

„Was das soll? Seitdem ich Ryouta nicht mehr im Basketball zerstören kann, ist mir einfach so schrecklich langweilig.“ Haizaki trat einen Schritt näher. „Deswegen zerstöre ich jetzt alles andere an ihm.“

Kuroko horchte auf, plötzlich wurde ihm einiges klar. Als das, was er von seinen Mitschülern über Haizaki gehört hatte, waren wohl nicht nur Rückratslose Gerüchte gewesen.

„Dann ist das mit den Mädchen also wahr?“, fragte Kuroko direkt, auch er hatte die Gerüchte gehört und auch Haizaki schien kein Geheimnis daraus zu machen.

„Natürlich, alles ist wahr“, lachte Haizaki. „Es macht einfach zu viel Spaß, anderen etwas vor ihren Augen wegzunehmen.“

Kuroko dachte an Kise, an den Tag, an dem er gedankenverloren vor der Sporthalle verweilte, dachte an die seltsamen Worte, die Kise mit ihm im Krankenzimmer austauschte.

     „Es ist nichts.

Kuroko biss sich auf die Lippe und sah Haizaki direkt in die Augen. Ein Lächeln lag auf den Lippen seines Gegenübers, doch die Augen Haizakis waren voller Abscheu und Boshaftigkeit.

„Und ich dachte, Haizaki-kun wäre ein besserer Mensch“, sagte Kuroko ruhig und ballte die Faust. Er ging nicht mehr Rückwärts, sondern ließ Haizaki langsam näher kommen.

„Hahaha!“ Haizaki Lachen schallte über den Schulhof. Er nahm die Hände aus den Taschen und ließ die Fingerknöchel bedrohlich knacken.

„...“ Kuroko wartete geduldig, doch er spürte, wie Wut in ihm aufkam. „Damals, als du deine Schuhe-“

„Du bist wirklich naiv. Oder sollte ich sagen dumm?“, spottete Haizaki. „Merkst nicht einmal, wie dich all diese selbstsüchtigen Bastarde nur benutzen. Ryouta, Daiki, selbst dein Captain.“

„Halte Aomine-kun da raus“, sagte Kuroko mit klarer Stimme. „Ich werde nicht zulassen, dass irgendjemand schlecht über ihn redet.“

„Oh, so ist das also“, bemerkte Haizaki belustigt, Kuroko blieb weiterhin vor ihm stehen. „Weiß Ryouta von euch beiden? Oder ist das dein kleines Geheimnis?“

Kuroko ließ sich Haizakis Anmerkungen weiterhin gefallen und der Abstand zwischen den beiden wurde immer kleiner, bis Haizaki direkt vor Kuroko stand, spöttisch auf ihn hinab blickte. Kuroko sah zornig zu ihm auf, machte keine Anstalten, wegzulaufen.

„Aber was mich noch viel brennender interessiert, ist...“ Haizaki hob eine Hand und streckte sie aus. „Wie läuft es denn mit deinem Captain so?

Kuroko schwieg weiterhin. Haizaki griff das Hemd seines Gegenübers, ein Anflug von Erstaunen zeigte sich in seinem Gesicht, als er feststellte, wie leicht sich Kuroko vom Boden heben ließ. Kuroko blieb weiterhin reglos, funkelte Haizaki jedoch aus zornigen Augen an.

„Du bist ganz schön mutig“, sagte Haizaki und lächelte boshaft. „Was glaubst du, was jetzt passiert?“

„Ich weiß es nicht“, antwortete Kuroko ruhig. „Aber wenn es einem meiner Freunde hilft, dann soll Haizaki-kun machen, wie es ihm beliebt.“

Freunde? Hahaha, du bist wirklich naiv“, lachte Haizaki laut. „Aber wie ich schon sagte...“

Haizaki hob die Faust.

„Ryoutas Sachen mache ich am liebsten kaputt.“


***


„Tetsu, was zur Hölle?!“, rief Aomine erschrocken aus, als er Kuroko erblickte.

„Aomine-kun, lass mich bitte los. Du tust mir weh.“

Aomine zupfte an den Bandagen, die an mehreren Stellen um Kurokos Körper gewickelt waren, und musterte die unzähligen Pflaster. Er fragte sich, ob das ein schlechter Scherz sei, in solch einem Zustand hatte er Kuroko noch nie gesehen.

„Welcher Bastard hat dir das angetan?!“ Aomine funkelte zornig und ballte die Faust. „Dem Kerl zeig ich's!“

„Es war ein Unfall“, log Kuroko, doch er wusste, dass selbst Aomine ihm dies nicht abnehmen würde.

„Das war nie im Leben ein Unfall.“ Aomine deutete auf das blaue Auge, welches Kurokos Gesicht zierte. „Ich weiß, woher so etwas kommt. Du musst mir nur sagen, wer's war.“

„... Es war-“

„Doch nicht etwa einer aus dem Team?!“ Aomine packte Kuroko bei den Schultern. „Doch nicht etwa Kise? Er war immerhin mit dir allein in der Halle und da hat er dann...! Dieser Bastard!!“

„Nein.“ Kuroko schüttelte den Kopf. „Wie ich schon gesagt habe, es war ein Unfall. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Und... Kise-kun würde so etwas nicht tun“, fügte er zögernd hinzu.

„Warum lügst du mich an?!“ Aomine ließ von Kurokos Schultern ab und ging nervös und etwas in sich hinein murmelnd auf und ab. Die beiden trafen sich auf dem Weg zum Training, standen in einem fast leeren Gang im Schulgebäude.

„Tetsu-ku~n, Dai-chan!“ Momoi kam auf die beiden zu, doch das Lächeln auf ihrem Gesicht verschwand augenblicklich, als sie Kuroko zu Gesicht bekam. „Tetsu-kun, was ist passiert?“, fragte sie entsetzt und musste sich zusammenreißen, ihm nicht wimmernd um den Hals zu fallen.

„Es war ein Unfall.“ Kuroko bestand auf seine Ausrede, wurde jedoch von Aomine Stimme übertönt.

„Tetsu wurde verprügelt!“, schlussfolgerte Aomine selbstsicher und ballte die Fäuste. „Wenn ich diesen Bastard finde...!“

„Tetsu-kun wurde verprügelt?“ Momoi war geschockt und ihr Blick wechselte zwischen einem wütenden Aomine und einem verletzten Kuroko hin und her, blieb schließlich an Kurokos aufgeplatzter Lippe hängen. „Das ist schrecklich. Wer würde Tetsu-kun so etwas antun?“

„Das versuche ich die ganze Zeit schon zu erfahren!“, rief Aomine aufgebracht, Kuroko sah ihn selten derart wütend.

„Danke, dass ihr euch Sorgen macht, Momoi-san und Aomine-kun.“ Kuroko erzwang ein Lächeln, sofern es ihm seine Verletzungen erlaubten, und sah Momoi an, welche seinen Blick jedoch nicht erwidern konnte, sondern immer noch entsetzt drein blickte. Kuroko rückte die Tasche, die an seiner Schulter hing, zurecht und schritt an Aomine und Momoi vorbei. „Wir sollten uns beeilen, wir kommen noch zu spät zum Training, Aomine-kun.“

„Eh, du willst in diesem Zustand trainieren, Tetsu-kun?“, fragte Momoi besorgt und griff nach Kurokos Ärmel. „Wäre es nicht besser, du erholst dich zuerst?“

„Ich bin in Ordnung-“, murmelte Kuroko und verlor das Gleichgewicht, fiel zurück in Momois Arme, die ihn auffing und dabei selbst sanft zu Boden sank. „Ah...“

„Du bist eben nicht in Ordnung, Tetsu!“, stellte Aomine fest und ging ebenfalls in die Hocke, sah Kuroko mit einem prüfenden Blick an. „Sieh dich mal an, kannst ja nicht einmal laufen...“

„Ah... tut mir Leid, Momoi-san.“ Kuroko richtete sich auf, versuchte seine Schmerzen zu verstecken. Momoi und Aomine taten es ihm gleich und standen ebenfalls wieder auf, stellten sich demonstrativ vor Kuroko und verschränkten die Arme.

„Ich werde auf keinen Fall zu lassen, dass Tetsu-kun heute Sport betreibt“, machte Momoi klar und funkelte Kuroko zielstrebig an.

„Und ich werde denjenigen, der dir das angetan hat, dafür bezahlen lassen!“, rief Aomine und ein Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht. „Überlass' das nur uns.“

„... was sollte ich dir überlassen, Aomine-kun?“, fragte Kuroko, der Aomines Gedankengang nicht ganz folgen konnte.

„Hah, Tetsu, du bist einfach viel zu nett“, schmollte Aomine und klopfte Kuroko auf die Schulter, worauf hin dieser leise keuchte. „Auf jeden Fall gehst du jetzt schön nach Hause.“

„Hm“, machte Kuroko nachdenklich. „Aber ich muss Akashi-kun Bescheid geben.“

„Wir haben doch gesagt, dass du alles uns überlassen kannst“, wiederholte Momoi.

„Das ist sehr fürsorglich von dir, Momoi-san, aber ich möchte selbst mit Akashi-kun reden“, entgegnete Kuroko und Momoi ließ die Schultern hängen.

„Hah“, seufzte Aomine. „Davon bist du wohl nicht abzubringen, oder?“

„Ich möchte euch keine Probleme bereiten“, sagte Kuroko und lächelte. „Und ich muss sicher stellen, dass Aomine-kun keinen Blödsinn redet.“

„Was soll das nun wieder heißen?!“, schmollte Aomine, doch gab schließlich nach und trat zur Seite.


***


„Ein Unfall?“, wiederholte Akashi überrascht und sah Kuroko lange an, schließlich zeigte er ein sanftes Lächeln. „Nun gut, du bist entschuldigt.“

„Tut mir Leid, Akashi-kun“, sagte Kuroko und verbeugte sich, so gut er konnte.

„Sieh nur zu, dass du dich bis zum nächsten Spiel erholt hast“, fügte Akashi in strengem Ton hinzu. „Und überlege, wie du seine Freizeit sinnvoller nutzen könntest.“

Ein bedrückendes Schweigen lag im Raum, alle Augen waren nur auf den bemitleidenswerten Kuroko und Akashi gerichtet, der Kurokos Abwesenheit vermerkte und mit einem „Beeilt euch bitte“ den Raum verließ. Als sich die Tür hinter ihm schloss, atmeten alle erleichtert auf.

„Heh“, lachte Aomine. „Ich hätte nicht gedacht, dass Akashi dir das glauben würde!“

„He~ Minechin kann schon wirklich dumm sein“, merkte Murasakibara an und griff sich einen Snack aus seinem Schrank.

„Was hast du da gesagt?!“, rief Aomine aufgebracht.

„Aomine-kun, ihr solltet nicht streiten“, sagte Kuroko und lächelte Aomine an. „Ich möchte nichts verpassen, solange ich weg bin.“

„Was soll das denn heißen?! Hey, Tetsu!!“

„Tsk“, kam es von Midorima, der versuchte, den anderen keine Beachtung zu schenken. Er konnte kaum fassen, dass Akashi es nicht weiter kümmerte, was mit Kuroko passiert war.

„Hey, Kise, du bist so ruhig heute“, merkte Aomine plötzlich an. „Ich vermiss deine nervige Stimme schon.“

Alle Augen richteten sich auf Kise, der gegen seinen Schrank lehnte und auf den Boden starrte, Aomines Frage ignorierte oder nicht zu hören schien.

„Hey, Kise-!“, rief Aomine und streckte die Hand nach ihm aus, wurde jedoch von Kuroko zurückgehalten.

„Kise-kun macht sich bestimmt nur Sorgen um mich“, sagte Kuroko und Kise sah plötzlich auf. „Nicht wahr?“

„J... ja“, antwortete Kise zögernd. „Kurokocchi hat recht.“

„Hmph“, kam es von Aomine, es war ungewöhnlich, Kise so gedankenverloren zu sehen.

„Ich muss mich entschuldigen“, sagte Kuroko schließlich.

„Yo, mach's gut, Tetsu“, sagte Aomine und strich Kuroko über den Kopf.

„Aomine-kun, das tut weh.“

„Hahah!“, lachte Aomine und ließ seine Hand wieder fallen.

Kuroko verabschiedete sich mit einem enttäuschten Blick auf dem Gesicht und trat aus der Umkleide, schloss die Tür hinter sich leise. Stille kehrte wieder ein und die Mitglieder des Basketball-Clubs begannen, sich umzuziehen, Akashi wartete sicher schon.

„Was Kurochin wohl wirklich passiert ist?“, fragte Murasakibara, schien an einer Antwort allerdings nicht sonderlich interessiert zu sein.

„Tch, als ob das nicht völlig klar ist“, schnaubte Midorima und schlug seinen Schrank zu. Aomine und Kise entschieden sich, zu dem Thema keine weiteren Worte zu verlieren und mehrere Minuten vergingen in Stille.

„Kurokocchi!“, kam es plötzlich von Kise und er stieß sich von seinem Schrank ab, einen aufgebrachten Blick auf dem Gesicht.

„Hey, Ki-“

Noch bevor Aomine seinen Satz beenden konnte, stürmte Kise aus der Umkleide, schlug die Tür laut hinter sich zu. Die Anwesenden blickten verwundert drein, Aomine machte Anstalten, ihm hinter her zu laufen, doch Midorima hielt ihn mit strenger Stimme zurück.

„Lass ihn, er wird schon wieder zurück kommen.“

„Aber... Kise ist heute wirklich seltsam...“ murmelte Aomine und ließ sich auf eine der Bänke fallen.

Kise hastete den langen Gang entlang und riss die Tür, die auf den Schulhof führte, auf, stürmte auf das Gelände.

„Kurokocchi-!“

Kise suchte die Umgebung ab, während er über den Schulhof rannte und Kurokos Namen rief. Kuroko war gerade dabei, das Schultor zu passieren, als er Kises Stimme aus einiger Entfernung hörte. Kuroko hielt inne und warf einen Blick über die Schulter, Kise kam mit schnellen Schritten auf ihn zu.

„Kurokocchi...“, flüsterte Kise völlig außer Atem. „Kurokocchi...“

„Kise-kun, was ist los?“, fragte Kuroko unsicher und drehte sich um.

„Kurokocchi...“ Kise sah auf und Kuroko trat instinktiv einen Schritt zurück, als er in Kises Augen sah. Etwas bedrohliches, unheimliches lag in ihnen. „Es war Haizaki, oder?“

Kuroko zögerte für einen Moment. „Ich weiß nicht, wovon du redest, Kise-kun.“

„Es war Haizaki, der dir das angetan hat, oder?“

„...“

„Gestern Abend bist du einfach gegangen und ich habe es nicht bemerkt, dabei wollte ich doch so gerne mit dir nach Hause gehen. Und da hat Haizaki dich dann... nicht wahr? Es war doch so, habe ich recht?“

„... Kise-kun, ich...“

„Ich konnte Kurokocchi nicht beschützen, aber ich werde es wieder gut machen.“ Kise griff an Kurokos Schultern, seine Finger krallten sich am Stoff der Schuluniform fest. „Niemand fasst Kurokocchi ungestraft an.“

Und niemand nimmt ihn mir weg.

„Kise-kun.“ Kuroko griff an Kises Handgelenke und drückte ihn vorsichtig von sich weg. „Bitte hör auf.“

„Eh?“

„Ich will das nicht. Du bist unheimlich“, sagte Kuroko ruhig und sah Kise an, der ihn verwundert anstarrte.

„E-eh?“ Kise sprang zurück, machte ein überraschtes Gesicht. Kuroko beobachtete jede seiner Bewegungen, sah ihn mit strengen Augen an. „Ehehe, das habe ich natürlich nicht so gemeint, Kurokocchi...“

„...“

„Du solltest schnell nach Hause, Kurokocchi. Immerhin sollst du bald wieder fit sein“, sagte Kise mit einem Lächeln. „Ich sollte auch wieder gehen, sonst wird Akashicchi noch böse~“

„... auf Wiedersehen, Kise-kun.“ Kuroko drehte sich um, verschwand hinter dem Schultor, doch die Sache mit Kise beschäftigte ihn noch lange.

„Bis dann, Kurokocchi!“, rief Kise und drehte sich ebenfalls herum, ging über das Schulgelände.

Ich werde niemals zulassen, dass dich jemand wegnimmt. Du gehörst mir.


***


„Haizaki!“

„Ah, hallo, Ryouta-kun~“ Haizaki blieb stehen, drehte sich allerdings nicht um, würdigte Kise nicht einmal mit einem Blick über die Schulter. „Du bist mir gefolgt?“

„Dafür wirst du bezahlen, Haizaki!“, rief Kise aufgebracht und kam mit langsamen Schritten auf Haizaki zu.

„Bezahlen? Hoh, für was?“, fragte Haizaki spöttisch.

„Alles. Alles!“

„Alles? Du musst schon etwas genauer sein“, lachte Haizaki.

„Alles! Einfach alles!“, schrie Kise und ballte die Fäuste. „Vor allem das, was du Kurokocchi angetan hast!“

„Oha~ darum geht es also“, stellte Haizaki fest und leckte sich die Lippen. „Und jetzt bist du hier, um deinen Freund zu rächen?“

„So ist es.“ Kise atemete schwer, sein Brustkorb hob und senkte sich in einem ungleichmäßigen Rhythmus.

„Hah.“ Haizaki drehte sich um, ein unheimliches Lächeln im Gesicht. Er zeigte sich einen Sekundenbruchteil lang überrascht, als er Kise erblickte, der völlig aufgebracht zu Boden starrte.

„Für Kurokocchi...“, flüsterte Kise in sich hinein. Unzählige Gedanken kreisten in seinem Kopf umher, hinderten ihn daran, klare Worte und Sätze zu formen. Er hob seinen Kopf, sah nur Haizaki vor ihm stehen. Kise kam plötzlich in den Sinn, dass er sich gar nicht überlegt hatte, wie er sich an Haizaki rächen würde. Sollte er ihm einfach das antun, was er Kuroko angetan hatte? Schaffte Kise das überhaupt? Er dachte an die Zeit zurück, als er noch kein Startspieler war, als er sich jeden Tag mit Haizaki gemessen hatte. Kein einziges Mal hatte er gegen Haizaki gewonnen, jede Spiel hatte den gleichen Ausgang genommen.

Haizaki und Kise waren allein. War es Zufall, dass sie dort gelandet sind, in einem toten Winkel der Schule, dort wo kein Mitschüler und kein Lehrer jemals vorbei kommen würde? Oder hatte Haizaki ihn absichtlich an diesen Ort gelockt?

Was hatte Haizaki vor? Was habe ich vor?

In Kise kamen Zweifel auf. Würde er gewinnen? Kann ich gewinnen?

Er schüttelte den Kopf, dies war nicht Basketball, diese Angelegenheit hatte nichts mit Basketball zu tun. Nur weil er Haizaki im Basketball unterlegen war, hieß das nicht, dass er in allem unterlegen war. Kise biss sich auf die Lippe und fasste den Entschluss, dass er sich hier und jetzt, an diesem Ort und zu dieser Zeit, an Haizaki rächen würde.

Kurokocchi...! Ich tue das für dich, Kurokocchi! Allein für dich!

Die Nägel seiner Finger gruben sich in seine Handflächen, seine Fingerknöchel schienen weiß durch die Haut seiner Hand durch. Kise blickte Haizaki an, sein Blick schien wie eine Ewigkeit an ihm zu haften.

„Hey, hast du etwa Angst bekommen?“ Haizaki musterte Kise, stieß ein leises Lachen aus, als er bemerkte, dass sein Gegenüber zu zittern schien. Was konnte Kise schon gegen ihn ausrichten, jemand der anderen Kerlen hinter her rannte, hatte auf keinen Fall eine Chance gegen ihn.

„...“

„Bevor wir anfangen, sollten wir einen Preis fest legen“, grinste Haizaki überlegen. „Bist du dabei?“

„... einen Preis?“ Kise wurde aus seinen Gedanken gerissen und starrte Haizaki verwundert an.

„Ja“, antwortete Haizaki gelassen und zuckte mit den Schultern. „Kämpfen wir um deinen Freund. Wenn du gewinnst, lasse ich dich und Kuroko in Ruhe, aber wenn ich gewinne...“

Kise starrte ihn schweigend an. Nur noch ein kleines bisschen, dachte Haizaki, ich provoziere ihn nur noch ein kleines bisschen mehr. Er wusste, dass Kise auf die Abmachung eingehen würde, er konnte es kaum erwarten, sein Verzweifeltes Gesicht zu sehen, wenn er am Boden kniete und um seinen Kurokocchi weinte.

„Heh“, stieß Kise plötzlich aus, sehr zur Verwunderung Haizakis.

Wenn Haizaki Kurokocchi auch nur anfasst...!

„Glaubst du, ich Falle auf so etwas herein? Willst du mich provozieren?“ Kises Stimme zitterte, er versuchte sich zu beruhigen, bluffte, um nicht die Kontrolle über sich zu verlieren.

Niemand... ich bin der einzige, der Kurokocchi anfassen darf!

„Ah~ du hast mich durchschaut“, sagte Haizaki schließlich und bemerkte, dass Kise langsam auf ihn zuging. Er sah in Kise keinen Gegner, sei es im Basketball oder in allem anderen. Komm ruhig noch ein bisschen näher, dachte er. „Nicht, dass es an Kuroko noch viel zu brechen gäbe...“

Ein Augenblick verging, bis Kise die Bedeutung dieser Aussage verstand.
„Du-!“

Haizaki lachte, als er Kise schreien hörte.

„Hat ja ganz schön gedauert, bis du ausrastest“, bemerkte Haizaki und machte sich bereit, Kise abzufangen, welcher auf ihn zu gestürmt kam.

Ich bring dich um! Ich bring dich um!!

„Ich bring dich um, Haizaki!!“

„Du kannst es versuch-“, gab Haizaki zurück, doch seine Stimme verstummte, als er von Kise zu Boden gerissen wurde. „Argh! Ryouta du-“

„Ich bring dich um!“ Kises Stimme zitterte noch immer vor Wut, doch nun war es Haizaki, der ihm einen überraschten Blick zeigte. Kise kniete über Haizaki, packte ihn am Kragen, schrie ihn an. Haizaki griff Kises Handgelenke, war von Kises starkem Griff verwundert, konnte sich nicht gegen ihn wehren.

„Hey, Ryouta, du kannst aufhören, es tut mir Le-“

Kise fiel darauf nicht rein. Er führte eine Hand um Haizakis Hals und Haizakis Stimme verstummte augenblicklich.

Kise hob die Faust.

„Ich werde dich umbringen---für Kurokocchi!!“, sagte er kühl und Haizakis Augen weiteten sich, als er realisierte, dass Kise es ernst meinte, es wirklich tun würde.


***


„Passiert draußen etwas Interessantes, Akashi?“, fragte Midorima den am Fenster verweilenden Akashi. „Du siehst schon seit einer Weile aus dem Fenster.“

Midorima wollte ebenfalls aufstehen, die Neugierde war einfach zu groß, doch Akashi hob seine Hand und hielt ihn zurück. „Nein, draußen passiert nichts Interessantes.“

„... in Ordnung.“ Midorima veränderte die Position von einem der Shogi-Steine auf dem Brett vor sich und rückte bestätigend seine Brille zurecht. „Es ist dein Zug, Akashi.“

Akashi entfernte sich vom Fenster, ein Lächeln auf dem Gesicht, und setzte sich gegenüber Midorima. Es dauerte nur einen kleinen Moment, als Akashi einen Stein hob und ihn auf eine andere Position setzte. „Auch wenn es interessanter war, als das Spiel. Schachmatt.“

„Tsk“, machte Midorima und starrte auf das Brett, fand sich jedoch mit seiner Niederlage ab. „Das nächste Mal gewinne ich.“

„Ich freue mich darauf“, sagte Akashi schließlich und die beiden verfielen in Schweigen, während Midorima weiterhin das Shogi-Spiel analysierte, versuchte, die einzelnen Züge seines Gegners zu verstehen. Es war Akashi, der nach wenigen Minuten schließlich die Stille brach. „Ich möchte deine Meinung über Kise hören.“

„Über Kise?“ Midorima sah auf, Akashi lächelte ihn an und hatte den Kopf auf einem Arm abgestützt.

„Das ist richtig.“ Akashi nickte.

„Hm...“ Midorima dachte nach. Was hielt er von Kise? Er war laut, stritt ständig mit Aomine und redete ständig von Dingen, die niemanden interessierten. Und er hatte einen komischen Akzent. Midorima seufzte.

„Ja?“

„Seine Fähigkeiten können definitiv mit denen der anderen mithalten“, erklärte Midorima und sah Akashi an, der wohl noch mehr hören wollte. „Er wird Aomine niemals schlagen, falls du das von mir hören möchtest. Kise hat Talent, aber ihm fehlt es an Disziplin, um seine Fähigkeiten auszureifen.“

„Mangelt es Aomine nicht ebenfalls an Disziplin?“, fragte Akashi.

„...“ Midorima musste zugeben, dass Akashi recht hatte. Es gab kaum jemanden mit weniger Disziplin im Team.

„Kise ist ein exzellenter Ersatz für Haizaki. Die Rivalität mit Aomine wird seine Fähigkeiten noch zur Geltung bringen“, erklärte Akashi selbstsicher.

„Rivalität...“, murmelte Midorima nachdenklich.

„Sind wir nicht auch Rivalen, Midorima?“

„Wir?“

„Du wünschst ebenfalls, mich eines Tages schlagen zu können, so wie Kise Aomine schlagen möchte, oder etwa nicht?“, fragte Akashi und Midorima dachte an die unzähligen Male, die er Akashi schon zum Shogi herausgefordert hatte.

„Mit dem Unterschied, dass ich dich eines Tages schlagen werde, Akashi“, antwortete Midorima und rückte seine Brille zurecht.

„Wie ich schon sagte, ich freue mich darauf“, sagte Akashi und lächelte. „Allerdings verliere ich nie.“

„Hmph.“

Akashi und Midorima befanden sich im Clubraum des Basketball-Clubs, das Training sollte bald beginnen.
Die Tür schwang sanft auf und der frühere Captain des Basketball-Teams, Nijimura, betrat den Raum. Er hatte wie üblich die Mundwinkel nach unten gezogen, und seufzte, als er die Tür hinter sich schloss.

„Was ist los, Nijimura-san?“, fragte Akashi höflich.

„Der Club bekommt keine Beschwerden mehr, seitdem Haizaki ausgetreten ist“, begann Nijimura und lehnte gegen eines der Fenster, sah zu Akashi und Midorima. „Es war eine gute Entscheidung, ihn gegen Kise zu ersetzen.“

„Ich verstehe“, antwortete Akashi bedacht und erwiderte Nijimuras Blick.

„Und noch etwas“, fügte Nijimura hinzu. „Ich bin eigentlich wegen Kuroko hier.“

„Wegen Kuroko?“, wiederholte Midorima. Kuroko trainierte seit ein paar Tagen nicht mehr, musste sich immer noch von seinen Verletzungen erholen und keiner im Team ließ zu, dass er in diesem Zustand auch nur einen Fuß in die Halle setze. Dies änderte jedoch nichts daran, dass er trotzdem jeden Tag versuchte, sich unbemerkt unter seine Mitschüler zu schummeln, er wurde jedoch früher oder später von Aomine entdeckt.

„Ja“, erklärte Nijimura. „Ich weiß, dass er einen Unfall hatte, aber wir haben nächste Woche ein wichtiges Match gegen eine der stärksten Schulen der Präfektur. Bitte kümmere dich darum, Captain Akashi.“

„In Ordnung“, bestätigte Akashi und nickte. „Kuroko wird spielfähig sein.“

Die drei verweilten für einige Momente wortlos.

„Es war Haizaki, oder?“, fragte Nijimura plötzlich.

„Es gibt keine Zweifel“, antwortete Akashi und schloss bedacht die Augen.

„Haizaki?“, fragte Midorima verwundert, er wusste nicht, worüber die beiden sprachen.

„Kurokos Zustand haben wir wohl Haizaki zu verdanken. Ich kenne ihn, kein anderer könnte Kuroko so zugerichtet haben“, erklärte Nijimura und verschränkte die Arme.

„... ich verstehe“, antwortete Midorima.

„Wie Nijimura-san schon sagte, brauchen wir uns um Haizaki keine Sorgen mehr zu machen“, merkte Akashi lächelnd an, was nun auch Nijimura überrascht zurück ließ.

„Was meinst du damit?“, fragte Nijimura.

„Haizaki wird uns keine Probleme mehr bereiten“, erklärte Akashi in plötzlich strengem Tonfall. Nijimura und Midorima tauschten einen unsicheren Blick aus, beschlossen allerdings, es dabei zu belassen.

Eine Klingel ertönte und läutete damit das Ende der Pause ein.

„Wir sollten gehen“, sagte Akashi und stand auf, griff nach seiner Tasche. Nijimura und Midorima folgten ihm wortlos.


***


„Aominecchi, das ist gemein!“, rief Kise, die Augen rot.

„Jetzt heul' doch nicht gleich“, lachte Aomine. „Sind doch nur ein paar Würmer.“

„Ich hasse Würmer!“, verteidigte sich Kise und kickte seine Sporttasche quer durch die Umkleide. „Wieso hast du sie in meine Tasche getan?!“

„Ahaha!“

Aomine war der einzige, der lachte, er machte Kise wieder einmal das Leben schwer. Er hatte Kise erzählt, dass sich Würmer in seiner Tasche befänden, worauf hin Kise in Panik ausbrach.

„Könnt ihr euch nicht einmal wie normale Menschen verhalten?“, schnaubte Midorima genervt und warf Kise und Aomine einen bösen Blick zu.

„Eh~“, machte Murasakibara und grinste Midorima an. „Aber Midochin verhält sich doch auch nicht wie ein normaler Mensch.“

„!!!“ Midorima zeigte allen Anwesenden die kalte Schulter und versuchte, jedes weitere gesprochene Wort zu ignorieren.

Aomine und Kise verhielten sich wie üblich, ständig am streiten, wenn diese Streitereien auch so schnell vorbei gingen, wie sie gekommen waren. Kise brachte Aomine schließlich dazu, den Inhalt seiner Tasche auszuleeren und auf dem Boden zu verstreuen und erst, als Kise sich zu Einhundertprozent sicher war, dass seine Kleidung nicht von Würmern verseucht wurde, nahm er sie wieder auf und zog sich um, auch wenn sein Gesicht noch immer alle Arten von Abscheu und Ekel zeigte.

„Das werde ich dir heimzahlen, Aominecchi“, sagte Kise schließlich und forderte ihn heraus. „Heute besiege ich dich im 1-on-1, wirst schon sehen!“

„Jaja...“, grinste Aomine und streifte sich sein Shirt über den Kopf. „Dafür bist du exakt eine Gazillion Jahre zu früh.“

„Diese Zahl gibt es gar nicht!“, rief Kise protestierend und Aomine lachte daraufhin laut.

Midorima seufzte hörbar und murmelte etwas in sich hinein. „Idioten...“

„Obwohl Kurochin nicht da ist, ist alles so wie immer~“, stellte Murasakibara fest und reichte Midorima einen Schokoriegel. „Willst du einen?“

„... nach dem Training“, antwortete Midorima und drückte Murasakibaras Hand weg. „Vielleicht.“

„Eh~, aber Midochin soll sich dann nicht wundern, wenn ich ihn schon gegessen habe“, merkte Murasakibara an und legte den Snack zurück in seinen Spind.

Die Mitglieder des Basketball-Clubs verließen die Umkleide.


***


„Hier bist du also, Tetsu“, rief Aomine und schloss die Tür hinter sich. Kuroko befand sich auf dem Schuldach, saß dort auf dem Boden und starrte hinauf in den Himmel. Seit er Aomine dort entdeckt hatte, war er immer wieder dort oben anzutreffen. „Das Training ist ganz schön langweilig ohne dich.“

„Aomine-kun, guten Tag“, grüßte Kuroko und nickte mit dem Kopf. Seine Augen folgten Aomine, er sah zu, wie dieser sich neben ihn setzte. „Akashi-kun erlaubt mir noch nicht, wieder zu trainieren.“

Kuroko drehte seinen Kopf und sah Aomine an. „Ich hoffe, ab morgen werde ich wieder mit Aomine-kun spielen können.“

Aomine sah Kuroko prüfend an, die meisten seiner Verbände und Pflaster waren wieder verschwunden, die Lippe war verheilt, doch sein Auge war noch von einem leichten Blau umgeben.

„Das hoffe ich auch“, sagte Aomine und legte sich hin, schloss die Augen. „Ah, wenn die Pause doch nicht immer so kurz wäre.“

Kuroko lächelte und beobachtete die Wolken vorbeiziehen. „Aomine-kun.“

„Hm?“

„Erinnerst du dich noch, was du damals zu mir gesagt hast? Das du eines Tages mit mir auf dem gleichen Spielfeld stehen möchtest“, fragte Kuroko.

„Ja, natürlich. Was ist damit?“

„Nun“, begann Kuroko und zögerte für einen Moment. „Ich bin froh, mit Aomine-kun auf dem gleichen Feld spielen zu können. Ohne dich hätte ich das nicht erreicht.“

„...“

„Danke, Aomine-kun.“

„Hey, hey, hey, hey“, entgegnete Aomine und richtete sich wieder auf, er und Kuroko sahen sich an. „Das alles hast du allein deiner harten Arbeit zu verdanken.“

„Meiner Arbeit...“

„Yeah, ich hatte damit gar nichts zu tun.“ Aomine lächelte und strich durch Kurokos Haare. „Danke, Tetsu.“

„Für was? Und bitte lass das“, sagte Kuroko und drückte Aomines Hand sanft weg.

„Einfach so.“

„Einfach so?“

„Yep, einfach so.“

Die beiden lächelten sich an und Aomine ließ sich schließlich wieder auf den Rücken fallen. Kuroko entschied sich dafür, Aomine bei seinem Nickerchen nicht weiter zu stören.


***


„Hey, Kurokocchi ist wieder da!“, rief Kise fröhlich, als er Kuroko in seiner Sportkleidung die Halle betreten sah.

„Guten Tag, Kise-kun“, grüßte Kuroko. „Ja, ab heute werde ich wieder trainieren.“

„Kuroko.“ Kuroko drehte sich um und erblickte Akashi, der ihm ebenfalls ein Lächeln schenkte. „Ich bin froh, dass du wieder bei uns bist. Deine verpassten Trainingseinheiten müssen allerdings schnellstmöglich nachgeholt werden“, sagte Akashi streng und deutete auf seinen Notizblock, Kurokos Fehlzeiten waren säuberlich vermerkt.

„Ich verstehe, Akashi-kun“, antwortete Kuroko und nickte. „Ich sollte keine Zeit weitere verschwenden.“

„Heißt das, Kurokocchi kann nicht mit mir trainieren?“, stellte Kise enttäuscht fest und Akashi nickte wortlos.

„Tut mir Leid, Kise-kun“, sagte Kuroko mit einem Lächeln. „Aber das muss noch ein wenig warten.“

„Eh~“, seufzte Kise und gab nach. „Aber da kann ich wohl nichts machen.“

Kuroko lächelte. „Das nächste Mal vielleicht, Kise-kun.“

Kise ließ die Schultern hängen und begab sich ohne weitere Worte zu den anderen zurück. Kuroko suchte die Halle mit seinem Blick ab, versuchte, Aomine zu entdecken, doch konnte ihn nirgends erblicken.

„Akashi-kun, wo ist Aomine-kun?“, fragte er schließlich und drehte seinen Kopf zu Akashi.

„Wer weiß“, antwortete Akashi und zuckte mit den Schultern. „Du solltest dich auf dein eigenes Training, konzentrieren, Kuroko.“

„In Ordnung“, sagte Kuroko leise und griff nach einem Basketball.


***


„Warum folgst du mir, Kise-kun?“, fragte Kuroko und sah in den Spiegel, in ihm konnte er Kise erblicken, der an der Tür zur Toilette lehnte.

„Eh, ich musste einfach nur auf die Toilette.“ Kise stieß sich von der Tür ab. „Ist das etwa verdächtig?“

„Nein“, antwortete Kuroko und drehte das Wasser auf. „Ich bin froh, dass du wieder der alte Kise-kun bist.“

„Der alte Kise?“

„...“ Kuroko hielt inne. „Warum stehst du dort, Kise-kun?“

„Hm?“, fragte Kise, zeigte sich dabei überrascht.

„Wolltest du nicht auf die Toilette gehen?“, entgegnete Kuroko und drehte den Wasserhahn wieder zu, sah Kise durch den Spiegel an.

„Eh, ja... ja, das wollte ich“, antwortete Kise zögernd und bewegte sich aus dem Sichtfeld des Spiegels. Kuroko wandte sich ebenfalls von dem Spiegel ab, ging auf die Tür zu.

Plötzlich griff ein Arm um seine Brust, zog ihn gewaltsam nach hinten. „Ah?“ Kuroko konnte sich nicht wehren, es ging zu schnell und im nächsten Moment wurde er von Kise in einer der Kabinen gezogen. Mit einem leisen Klicken wurde die dünne Tür abgeschlossen.

„Kise-kun?“

Kuroko und Kise standen eng beieinander, Kise sah wortlos auf ihn hinab.

„Kise-kun, was soll das?“, fragte Kuroko und versuchte, ruhig zu bleiben.

„Eeeh~“, machte Kise-kun enttäuscht, lächelte dabei jedoch. „Wir haben uns so lange nicht gesehen und jetzt willst du nicht einmal mit mir allein sein? Kurokocchi bricht mir das Herz~“

„...“ Kuroko schwieg und sah zu Boden. „Das ist unheimlich, Kise-kun. Bitte lass mich gehen.“

„Niemals“, lachte Kise und legte seine Hand auf Kurokos Kopf. „Du bleibst schön bei mir.“

„Aomine-ku-nngh!?“, rief Kuroko mit lauter Stimme, doch eine Hand drückte sich in Kurokos Gesicht. Erschrocken sah Kuroko zu Kise auf, böse Augen funkelten ihn an.

„Denk' nicht einmal daran, jemanden zu rufen.“ Kise lächelte. „Aominecchi kann dich sowieso nicht hören.“

„...“ Kuroko konnte nicht antworten, ihm kam in den Sinn, dass Aomine aus irgendeinem Grund nicht beim Training war und ließ verzweifelt die Schultern hängen.

„Aber ich habe es getan, Kurokocchi“, verkündete Kise freudig. „Ich habe es für dich getan.“

„?“ Kuroko blickte ihn nur mit fragendem Gesicht an.

„Ich habe es Haizaki heimgezahlt“, erklärte er, doch Kurokos fragender Blick veränderte sich nicht. „Er wird sich nie mehr zwischen Kurokocchi und mich stellen.“

„...“ Kuroko verstand nicht, doch Kises Tonfall machte ihm Angst, er begann zu zittern.

„Oh~“, stellte Kise fest. „Kurokocchi zittert vor Freude. Wenn Kurokocchi glücklich ist, bin ich auch glücklich.“

Mit seiner freien Hand hielt Kise Kurokos Arme hinter dessen Rücken und alle Versuche, sich freizukämpfen, waren erfolglos. Kuroko schloss die Augen, Kises leises Kichern drang an sein Ohr.

Plötzlich öffnete sich die Tür zur Toilette, jemand betrat den Raum. Kises Griffe wurden stärker, er schnitt ihm den Atem ab.

„Shhh, Kurokocchi“, flüsterte Kise in Kurokos Ohr und die beiden verharrten regungslos für einen Zeitraum, der Kuroko wie eine Ewigkeit vorkam. Kuroko versuchte erneut, sich aus Kises Griff zu lösen und um Hilfe zu rufen, doch dieser antwortete nur mit zunehmender Stärke.
Kuroko schaffte es jedoch, seinen und einen Spaltbreit zu öffnen und er biss in Kises Hand, welcher daraufhin einen Schmerzensschrei ausstieß und von Kuroko abließ und ihn von sich wegstieß. Kuroko landete unsanft auf dem Toilettensitz.

„Argh!“, jammerte Kise und hielt seine Hand, rotes Blut tropfte von ihr herunter, er starrte Kuroko aus wütenden Augen an.

„Kisechin, bist du das?“, fragte Murasakibara, der auf der anderen Seite der Kabine stand.

„Ahaha“, lachte Kise unsicher. „Es ist nichts, Murasakicchi, es ist nichts.“

War Murasakibara groß genug, um über die Kabine zu schauen? Würde er etwas merken? Unzählige Gedanken rasten durch Kises Kopf und er hoffte nur, dass Kuroko still bleiben würde.

„Oh, okay~“ Es dauerte noch einen Moment, bis Murasakibara die Toilette wieder verließ. Als Kise sicher war, dass die beiden wieder allein waren, atmete er erleichtert auf und lächelte wieder.

„Das war ganz schön gemein, Kurokocchi.“ Er leckte das Blut von der wunden Bissstelle. „Was hätten wir gemacht, wenn Murasakicchi uns gesehen hätte~? Die Leute würden anfangen, über uns zu reden“, scherzte Kise und lächelte.

„Bitte lass mich raus, Kise-kun“, bat Kuroko noch einmal und richtete sich wieder auf, ließ dabei den Kopf hängen. „Ich möchte Kise-kun keinen Ärger machen, deswegen werde ich niemandem etwas erzählen, aber ich möchte jetzt gehen.“

Kurokocchi denkt nur an mich~!

„Nun gut, gehen wir wieder zum Training“,, sagte Kise schließlich zwinkernd und öffnete die Kabine wieder, „sonst wird Akashicchi noch böse.“

Kise und Kuroko traten aus der Kabine hinaus und Kuroko wandte sich augenblicklich zur Tür, griff an den eisernen Knauf. Bevor er die Tür jedoch öffnete, kamen ihm Kises Worte über Haizaki zurück in den Kopf und ein mulmiges Gefühl breitete sich in ihm aus.

„Kise-kun, wo ist Aomine-kun?“, fragte Kuroko ohne Kise anzublicken und seinen Gesichtsausdruck zu studieren.

„Aominecchi? Ist er nicht beim Training?“, antwortete Kise neutral klingend.

„Nein, ist er nicht.“

„Dann habe ich keine Ahnung, wo er stecken könnte~ Vielleicht schwänzt er?“

„... in Ordnung“, sagte Kuroko und verließ die Toilette, Kise trat an das Waschbecken heran und kümmerte sich um seine Verletzung.

„Aominecchi also...“, murmelte Kise leise und lächelte.


***


„Aomine-kun?“

„Hm?“

„Wieso warst du nicht beim Training?“, fragte Kuroko und sah von oben auf Aomine hinab, welcher ausgestreckt auf dem Boden lag. Die beiden befanden sich wie so oft auf dem Dach der Schule, die Sonne neigte sich bereits dem Horizont und die Farbe der Wolken nahm ein dunkles Blau an.

„Keine Lust.“

„...“ Kuroko schwieg für einen Moment. „Ich verstehe.“

„Du warst heute wieder beim Training?“, erkundigte sich Aomine gähnend, eine Antwort schien ihn allerdings nicht wirklich zu interessieren.

„Ja.“

„Mh.“ Aomine blinzelte und richtete sich auf und sah Kuroko prüfend an, Müdigkeit und Erschöpfung lagen in seinen Augen. „Was hast du da im Gesicht?“, bemerkte Aomine schließlich und rieb sich die Augen.

Kuroko drehte sich zur Seite, versteckte seine Hände hinter dem Rücken. „Es ist nichts.“

„Heh, lass mal sehen“, sagte Aomine und packte Kuroko an den Schultern, Kurokos Antwort war mehr als nur verdächtig gewesen. Er prüfte Kurokos Wangen und Handgelenke und seine Augen wurden weit, als er verschiedene Druckstellen an ihnen entdeckte. „Woher stammt das?“

„...“

„Wurdest du etwa wieder verprügelt?!“, rief Aomine besorgt und schüttelte Kuroko, welcher jedoch seinen Blick mied. „Sag mir, wer's war, Tetsu!!“

„Aomine-kun“, begann Kuroko und drückte Aomine sanft von sich weg. „Es ist schon in Ordnung.“

„Gar nichts ist in Ordnung!“, protestierte Aomine und ging ein wenig in die Knie, um auf Augenhöhe mit Kuroko sein zu können. „Ich mache mir Sorgen um dich, Tetsu.“

„Aomine-kun sorgt sich um mich?“

„Das hab ich doch gerade gesagt!“, antwortete Aomine mit klarer Stimme. „Ich kann den Gedanken nicht ausstehen, dass dich jemand hinter meinem Rücken verletzt.“

„...“ Kuroko schwieg und sah weiterhin zu Boden, schien über etwas nachzudenken.

„Tetsu?“

„Aomine-kun.“ Kuroko sah schließlich auf und lächelte sanft. „Möchtest du mit mir zusammen ein Eis essen?“

Aomine war von diesem unangekündigten Themenwechsel überrascht, lächelte jedoch letztendlich. „Alles klar, gehen wir.“


„Kann's kaum glauben, wie lange wir das schon nicht mehr gemacht haben“, pfiff Aomine, als er und Kuroko die von den Straßenlaternen beleuchtete Straße entlang gingen.

„Ja“, stimmte Kuroko zu. „Wir haben alle sehr viel mit dem Training zu tun.“

„Wir sollten wieder öfter zusammen Eis essen gehen, Tetsu. Jeden Tag.“

„Ob Akashi-kun uns früher gehen lässt, wenn wir ihn darum bitten?“

„Mh“, machte Aomine und dachte nach, grinste schließlich. „Ich glaube nicht.“

„Kommst du morgen wieder zum Training, Aomine-kun?“, fragte Kuroko zögernd.

„...“ Aomine blieb stehen, Kuroko hielt daraufhin ebenfalls erstaunt an.

„Aomine-kun?“

„...“ Aomine seufzte und sah Kuroko an. „Das Training langweilt mich einfach.“

„Es langweilt dich?“

„Ja.“ Aomine machte eine Pause. „Nicht nur ich, auch Kise und die anderen werden immer besser. Findest du nicht auch?“

„... ja.“

„Es hat keinen Sinn, da noch zu trainieren. Wir sind mittlerweile die besten. Ich bin der beste.“

„...“ Kuroko wandte den Blick von Aomine ab und begann, wieder einen Fuß vor den andern zu setzen. Aomine folgte ihm zögernd. „Hasst du Basketball jetzt?“

„Natürlich nicht, wie kommst du denn darauf, Tetsu?!“, fragte Aomine, seine Stimme klang dabei jedoch nicht sonderlich selbstsicher.

„Das ist gut“, antwortete Kuroko schließlich. „Aomine-kun und die anderen haben so viele Fortschritte gemacht, seitdem ich dem 1st String beigetreten bin. Es ist schmerzvoll, der einzige zu sein, der nicht mit den anderen mithalten kann.“

„...“

„Aber so lange ich mit Aomine-kun spielen kann, macht mir das nichts aus“, lächelte Kuroko. „Solange ich Aomine-kun unterstützen kann, bin ich glücklich.“

Ein bedrückendes Schweigen trat zwischen den beiden ein, wortlos gingen sie für etliche Minuten nebeneinander her, aßen das Eis, das sie in der Hand hielten.

„Aomine-kun darf niemals aufgeben und ich werde mein Bestes geben, um ihn immer zu unterstützen.“

Aomine seufzte, ihm fehlten die Worte. Schließlich warf er seinen Eisstiel weg und legte eine Hand auf Kurokos Kopf. „Wenn du einen Pass zu mir sendest, werde ich da sein, Tetsu.“

„Hm“, machte Kuroko und starrte lächelnd auf seinen eigenen Eisstiel.

„Hah“, rief Aomine aus. „Schon wieder der 'Gewinner'? Du hast wirklich Glück, Tetsu, das muss man dir lassen.“

„Ja, vielleicht habe ich das.“ Kuroko steckte den Eisstiel in eine seiner Taschen und wartete, bis Aomine seine Hand wieder von Kurokos Kopf nahm. Kuroko griff nach Aomines Hand und drückte sie sanft.

„H-hey, Tetsu“, rief Aomine peinlich berührt, zog seine Hand jedoch nicht weg. „W-was soll das?! Wenn uns jemand sieht, was dann?!“

„Keine Sorge, Aomine-kun“, antwortete Kuroko ruhig. „Ich bin ein Phantom. Keiner wird mich bemerken.“

„Heh“, seufzte Aomine und lächelte schließlich. „Da hast du wohl recht.“

Erneut vergingen einige Minuten der Stille zwischen den beiden.

„Aomine-kun?“

„Hm?“

„Aomine-kun würde mich beschützen, oder?“

„Natürlich“, antwortete Aomine. „Egal was kommt, ich werde dich beschützen, Tetsu.“

„Das ist gut. Danke, Aomine-kun.“

Aomine ließ Kurokos Hand nicht los.


***


„Hey, Aominecchi.“

„Mh?“

„Du bleibst heute länger da?“

„Ja.“

„Warum?“

„Weil ich Tetsu versprochen habe, mit ihm zu Trainieren.“

„...“

Kise und Aomine waren in der Umkleide, machten eine kurze Pause von dem regulären Training. Die anderen Mitglieder des Basketball-Clubs waren bereits gegangen und Aomine und Kise verblieben als einzige in der Umkleide.

„Warum bist du noch hier, Kise?“

„Ich möchte mit Kurokocchi trainieren“, antwortete Kise selbstsicher. „Kurokocchi hat seine verpassten Trainingseinheiten mittlerweile aufgeholt und gesagt, er würde dann mit mir trainieren.“

„Naja, soll mir recht sein“, antwortete Aomine und gähnte, während er sich streckte und auf die Bank fallen ließ.

„Wieso möchte Aominecchi mit Kurokocchi trainieren?“, fragte Kise schließlich.

„Ich weiß nicht“, sagte Aomine zögerlich. „Ich bin einfach nur gerne bei ihm, denke ich.“

„Ah.“

Kise setzte sich ebenfalls auf die Bank und starrte auf den Boden, eine gefüllte Wasserflasche baumelte in seiner Hand.

„Wir haben bald ein wichtiges Match“, merkte Kise an und drehte den Verschluss der Flasche auf.

„Kann sein.“

„Akashicchi und Nijimura-senpai zählen auf uns.“

„Wir gewinnen doch sowieso.“

„Dank Kurokocchi und Aominecchi ist unser Sieg sicher.“

„...“

Aomine gähnte ein weiteres Mal, er war sichtlich erschöpft gewesen. Kise beobachtete Aomines Bewegungen, wartete den passenden Moment ab. Aomine schloss die Augen, Kise wartete noch einen Moment, wartete darauf, dass Aomine eindösen würde. Mit einem Schwung seiner rechten Hand wurde das Wasser aus der Flasche befördert, Aomine fuhr hoch, als er das kalte Nass auf seiner Haut zu spüren bekam.

„Kise, was zum-“

„Das ist die Rache für die Uniform, Aominecchi“, sagte Kise mit einem Lächeln, was Aomine für einen Moment verwirrt zurück ließ. Aomine starrte auf die Uniform, die nun nass auf seiner Haut klebte und er brauchte einige Momente, bis er seine Gedanken geordnet hatte.

„Kise, du...“, knirschte Aomine und ballte die Fäuste.

„Und das...“ Kise riss Aomine von der Bank und die beiden landeten auf dem Boden. „Ist die Rache für Kurokocchi.“

Die beiden schlugen sich Fäuste ins Gesicht und kämpften um die bessere Position auf dem Boden, jedoch ging Kise als Sieger aus dieser Auseinandersetzung heraus und kniete schließlich über Aomine, ein selbstsicheres Lächeln auf dem Gesicht.

„Was soll das überhaupt? Hey, Kise?!“, rief Aomine und versuchte sich, das schmerzende Kinn zu reiben, Kises hielt ihn jedoch zurück.

„Ich bin der einzige, der Kurokocchi anfassen darf“, erklärte Kise ruhig. „Ich und niemand anderes. Er gehört mir.“

„Was redest du da überhaupt?“, fragte Aomine verwirrt und blickte in Kises wilde Augen. „Und was hat Tetsu damit zu tun?!“

„Ich habe dich gesehen, dich und Kurokocchi“, erklärte Kise mit zitternder Stimme.

„Lass mich einfach gehen, was stimmt mit dir eigentlich nicht?!“, rief Aomine panisch und versuchte, sich freizukämpfen, doch Kises schier unglaubliche Stärke und seine eigene Müdigkeit, machten dies unmöglich.

„Ich werde nicht zulassen, dass du ihn noch weiter beschmutzt!“


Mit einem leisen Knarren ging die Tür zur Umkleide auf.

„Kise-kun?“ Im Türrahmen stand Kuroko. Kise saß auf der Bank, eine leere Wasserflasche in der Hand haltend und den Kopf hebend, als er Kurokos Stimme vernahm.

„Kurokocchi, was ist?“, fragte Kise und drehte seinen Kopf zu Kuroko, ein sanftes Lächeln lag auf seinem Gesicht.

„Ich sehe nach, wo ihr bleibt. Es ist schon spät“, sagte Kuroko und suchte den Raum mit seinen Augen ab. „Wo ist Aomine-kun?“

„Aominecchi ist nach Hause gegangen“, antwortete Kise neutral und richtete sich auf. „Hatte wohl noch etwas zu erledigen.“

„... ich verstehe.“

„Komm schon, Kurokocchi, lass uns keine Zeit mehr verschwenden!“ Kise kam auf die Tür zu. „Ich freue mich schon darauf, endlich wieder mit Kurokocchi trainieren zu können.“

„... ja. Gehen wir.“

Die Tür schloss sich leise und kurz darauf war das Aufprallen von Basketbällen in der ganzen Halle zu hören.


***


„Eh? Wo Dai-chan ist?“, wiederholte Momoi überrascht.

„Ja. Ich habe ihn seit gestern nach dem Training nicht mehr gesehen. Er war auch nicht im Unterricht“, erklärte Kuroko und ließ die Schultern hängen. Er hatte bereits auf dem Dach nach gesehen, dort war Aomine ebenfalls nicht aufzufinden.

„Hm, das ist seltsam“, murmelte Momoi und machte ein Nachdenkliches Gesicht. „Und keiner aus dem Team weiß etwas?“

„Nein.“ Kuroko schüttelte den Kopf. „Niemand hat etwas von Aomine-kun gehört.“

„Und er ist nicht auf dem Schuldach?“

„Nein“, antwortete Kuroko zögerlich und Momoi nannte ihm noch ein paar weitere Plätze, die Kuroko jedoch alle mit einem Kopfschütteln verneinte.

Momoi dachte für einen Moment nach, ging innerlich all die Orte durch, an denen sich Aomine aufhielt, wenn er schwänzte. „Ich werde ihn suchen gehen“, sagte sie schließlich und verschränkte die Arme. „Wenn ich ihn gefunden habe, sage ich dir augenblicklich Bescheid, Tetsu-kun.“

„Danke, Momoi-san. Tut mir Leid, dich damit zu belästigen.“

„Ach, was, dir tue ich gerne einen Gefallen“, entgegnete Momoi lächelnd. „Auch wenn es darum geht, diesen Idioten zu suchen.“

Kuroko erwiderte das Lächeln und verbeugte sich leicht. Momoi drehte sich um und wollte gehen, doch Kuroko erhob seine Stimme noch einmal.

„Momoi-san, bitte warte.“

„Was ist, Tetsu-kun?“, fragte Momoi und hielt inne, sah Kuroko an. Kuroko zog daraufhin einen Eisstiel aus der Tasche und hielt ihn vor Momois Gesicht. 'Gewinner' war auf dem Holz eingraviert.

„Eh? Ist der für mich?“, fragte Momoi verwundert und Kuroko nickte. Momoi griff freudig nach dem Eisstiel und strahlte. „Danke, Tetsu-kun!“

„Wir sehen uns später, Momoi-san“, sagte Kuroko und verbeugte sich noch weiteres Mal, die beiden trennten sich.

„Mmh~, wo könnte dieser Idiot nur stecken?“, murmelte Momoi gedankenverloren, als sie über das Schulgelände wanderte. Sie hatte bereits alle Orte abgesucht, an denen Aomine sich üblicherweise verteckte, um ein Nickerchen zu halten, doch ihre Suche war erfolglos verlaufen. „Ob er wirklich einfach nur krank ist? Aber dann würde Akashi-kun doch Bescheid wissen...“ Momoi seufzte. „Vielleicht sollte ich doch einmal auf dem Dach nachsehen?“

Momoi machte sich auf den Weg zurück ins Schulgebäude, starrte dabei immer noch nachdenkend auf den Boden und stieß auf dem Gang mit jemandem zusammen.

„Ah, tut mir Leid- oh, Momocchi!“

„Ki-chan!“, rief Momoi überrascht, als sie Kise zu Gesicht kam. „Bist du auch unterwegs, um Aomine-kun zu suchen?“

„Eh?“, machte Kise überrascht. „Aominecchi?“

„Ja, Tetsu-kun sagt, er sei seit gestern nicht mehr aufgetaucht.“ Momoi zuckte mit den Schultern. „Und ich habe schon überall nachgesehen, aber ich kann ihn nirgends finden.“

„Kurokocchi?“, fragte Kise interessiert. „Hat er noch mehr gesagt?“

„Nein, aber er hat mir diesen Eisstiel gegeben!“, erklärte Momoi lächelnd und hielt demonstrativ den Eisstiel nach oben. „Genau wie damals~!“ Momoi errötete, als sie sich an den Moment zurückerinnerte und steckte verlegen den Eisstiel wieder in ihre Tasche.

„Ah, hat er das...“

„Ich wollte gerade nochmal auf dem Dach nachsehen“, sagte Momoi plötzlich. „Möchtest du mitkommen?“

„Klar, natürlich“, lächelte Kise und die beiden stiegen das große Treppenhaus nach oben, öffneten die Tür zum Schuldach. Eine leichte Brise stieg auf und ließ Momois Haar leicht im Wind flattern, die Sonne schien heiß von oben herab.

„Dai-chan! Dai-cha~n!!“, rief Momoi laut, doch das einzige Antwort, die sie bekam, war ihr eigenes Echo.

„Hm, Aominecchi scheint nicht hier zu sein“, stellte Kise fest, als er seinen Blick über das Dach schweifen ließ. „Dürfen wir Schüler uns überhaupt hier aufhalten?“

„Er ist wohl wirklich nicht hier“, murmelte Momoi enttäuscht und ließ den Kopf hängen.

„Naja, er wird schon wieder auftauchen“, erwiderte Kise und wechselte das Thema. „Bist du oft hier oben, Momocchi?“

„Ich? Nein, bin ich nicht“, antwortete sie und lächelte sanft. „Aber Tetsu-kun und Dai-chan sind hier oft.“

„Mh.“ Kise sah sich weiter um, stieg an den Rand des Daches. „Eine tolle Aussicht hat man von hier oben.“

„Ki-chan, das ist gefährlich!“

„Es ist doch ein Gitter hier, mir kann nichts passieren“, entgegnete Kise und drehte sich um, er hatte ein Lächeln auf dem Gesicht. „Warum kommst du nicht her und siehst es dir an, Momocchi? Von hier oben sehen alle aus, wie Ameisen.“

„...“ Momoi zögerte, doch sie stieg vorsichtig an den Rand des Daches, als Kise lächelnd die Hand ausstreckte. „Ki-chan, das sieht wirklich gefährlich aus, wir sollten wieder gehen.“

„Ach was, ist doch toll hier oben, Momocchi.“

Kise und Momoi verweilten noch eine Weile nebeneinander.


***


„Ah, Kurokocchi---!“, rief Kise laut durch den Gang. Kuroko hielt inne und drehte sich um.

„Kise-kun, was ist?“

„Das Training fängt bald an, wir sollten wirklich zusammen gehen!“

Kuroko schüttelte den Kopf. „Tut mir Leid, Kise-kun, aber ich habe noch etwas zu erledigen. Ich komme später nach.“

„Ooh~“, machte Kise und schmollte. „Na gut, dann sehen wir uns eben später.“ Kise drehte sich um.

„Ah, Kise-kun?“

„Ja?“

„Hast du Momoi-san gesehen?“

„Nein, habe ich nicht. Was ist mit ihr?“, antwortete Kise schulterzuckend.

„Nichts, schon gut“, antwortete Kuroko und drehte sich um. Er bewegte sich durch die Gänge zum Clubraum des Basketball-Clubs und öffnete leise die Tür.

„Entschuldigung“, sagte er und streckte seinen Kopf in den Raum.

„Du kannst reinkommen, Kuroko“, sagte Akashi, der gegenüber von Midorima saß, welcher konzentriert über das Shogi-Brett zwischen den beiden gebeugt war. Ebenfalls am Tisch saß Nijimura, der den Kopf auf einem Arm abgestützt hatte und verschiedene Notizen durchblätterte.

„Ich konnte Aomine-kun nicht finden“, begann Kuroko und klang enttäuscht.

„Ah, das ist nicht gut“, seufzte Akashi und bewegte einen der Steine auf dem Feld. „Die Lehrer haben seine Eltern kontaktiert, ich informiere dich, sobald wir etwas Neues erfahren.“

„Danke, Akashi-kun“, sagte Kuroko und nickte mit dem Kopf.

„Ich bin mir sicher, er schwänzt einfach nur. Zuerst das Training und dann auch noch den Unterricht, so etwas Törichtes“, warf Midorima ein und fasste an den Rahmen seiner Brille.

„Midorima“, begann Akashi und verrückte einen weiteren Stein. „Du solltest dich auf das Spiel konzentrieren, anstatt deine Gedanken an Aomine zu verschwenden. Schachmatt.“

„!?“ Midorima gab sich geschlagen und biss sich auf die Lippe, er fand keine Worte für diese vernichtende Niederlage. „Das nächste Mal-„

Akashi lächelte Midorima zu und sah zu Kuroko hinüber. „Du darfst wieder gehen, Kuroko.“ Kuroko verbeugte sich daraufhin und verließ wortlos den Raum, seine Gedanken immer noch um den Verbleib von Aomine und Momoi hängend.

„Nijimura-san“, sagte Akashi schließlich und Nijimura hob den Kopf und sah von dem neuen Trainingsplan, den er gerade erstellte, auf.

„Captain Akashi?“

„Ich möchte, dass du den Coach auch über Momoi Satsukis Verschwinden informierst“, erklärte Akashi bedacht und begann, die einzelnen Shogi-Steine in eine kleine Schachtel zu räumen.

„Wie du meinst“, seufzte Nijimura und erhob sich.


***


„Haizaki und Aominecchi und Momocchi“, murmelte Kise, der Kuroko dabei beobachtete, wie er über den Schulhof lief und sich zur Sporthalle begab. „Jetzt habe ich dich für mich allein, Kurokocchi.“

Kise sah auf, als er Murasakibara aus dem Schulgebäude schlendern sah.

Oder etwa nicht?

Ja, was war mit Murasakicchi und Midorimacchi und Akashicchi?

Kise dachte angestrengt nach, Murasakibara würde Kuroko sicherlich mit Snacks verführen, so viel stand fest. Und was ist, wenn er sie damals auf der Toilette bemerkt hatte? Murasakibara war ihm ein Dorn im Auge, so viel stand ebenfalls fest. Kise verschwendete keine weitere Sekunde und sprintete auf Murasakibara zu.

„Hey, Murasakicchi~!“

Murasakibara blieb stehen und drehte sich träge um. „Oh, du bist es nur, Kisechin“, sagte er ein wenig enttäuscht.

„Eh?! Wen hast du denn erwartet, Murasakicchi!!“, rief Kise empört.

„Jemand, der mir etwas zu Essen kauft“, gähnte Murasakibara und drehte sich weg.

„Etwas zu essen?“

„Ja“, sagte Murasakibara traurig. „Ich habe kein Geld mehr.“

„Hm“, machte Kise und zeigte ein mitfühlendes Gesicht, „das ist in der Tat ein Problem für dich, Murasakicchi.“

„Eh, wie auch immer.“ Murasakibara wandte sich von Kise ab. „Ich gehe jetzt in die Halle, vielleicht hat Kurochin etwas für mich.“

„Murasakicchi, warte“, rief Kise plötzlich und lächelte. „Wir wär's, wenn ich dir etwas kaufe?“

„Mmmh~?“, stieß Murasakibara aus und zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „Wieso sollte Kisechin etwas für mich kaufen?“

„Wieso nicht?“ Kise zwinkerte Murasakibara zu. „Allerdings nur wenn du mir beim nächsten Match ein paar Körbe überlässt.“

„Ah, darum geht es dir also.“ Murasakibara zuckte mit den Schultern und schlenderte davon.

„Ich bring' dir etwas mit!“, rief Kise ihm hintherher und von Murasakibara war nur ein zustimmendes Murmeln zu hören.

Kise machte sich auf den Weg zurück in die Cafeteria, er musste sich beeilen, ehe Murasakibara Kuroko belästigten konnte. Schnellen Schrittes besorgte er sich den besten Süßkram, den er finden konnte und eilte zurück zur Halle. Nur wenige Minuten waren vergangen und Murasakibara war gerade dabei, sich umzuziehen, machte ein überraschtes Gesicht, als Kise in der Tür stand.

Kise versicherte sich, dass sie allein waren und schloss unbemerkt die Tür hinter ihm ab.

„Ich bin wieder da, Murasakicchi~“, sagte Kise lächelnd und hielt eine kleine Packung voller Schokoriegel vor Murasakibaras Brust. „Ich hoffe, das ist genug.“

„Mh, ich weiß nicht, ob es genug ist“, murmelte Murasakibara und nahm die Schachtel an sich, überprüfte ihren Inhalt. „Danke, Kisechin.“

Kise wartete einen Augenblick und sah, wie Murasakibara einen der Schokoriegel aus der Packung nahm, wandte sich schließlich zu seinem eigenen Spind. Aus dem Augenwinkel konnte er erkennen, dass Murasakibara den Snack zum Mund führte, im Licht der Lampe glitzerten die langen Nadeln aus dem Nähset, welches er sich von einem seiner weiblichen Fans geliehen hatte.


***


Kise sank zu Boden, lehnte mit dem Rücken gegen einen der vielen Spinds. In seinem Kopf drehte sich alles, er hatte das Gefühl, er müsse sich übergeben und hob sich die Hand vor den Mund.

„Kurokocchi!“ Ein Jammern drang aus seiner Kehle, Tränen liefen an seinen Wangen herunter. „Ich habe das nur für dich getan, Kurokocchi!“

Kise kniete auf dem Boden und sammelte mit zitternden Händen die Schokoriegel ein, die aus der Packung gefallen waren. Ein Seitenblick zu der Person neben ihm genügte und er wusste, dass diese sich nicht mehr Bewegen würde.

Die Realisation seiner Taten machte sich in ihm breit, er wimmerte und versuchte, weitere Tränen zurück zu halten.

„Kurokocchi... bitte sieh mich an, Kurokocchi.“

Er tat es für Kuroko, niemand würde sich zwischen die beiden Stellen können, Kuroko sollte ihm allein gehören, seine Augen sollten nur ihn ansehen, sein Wort sollte sich nur an ihn richten. Kise ballte die Fäuste, doch ein leichtes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen.

Endlich, Kurokocchi, endlich bist du-

„Kise-kun?“ Eine Stimme war dumpf auf der anderen Seite der Tür zu hören.

„Kurokocchi?“

„Ist alles in Ordnung, Kise-kun?“

„J-ja“, keuchte Kise, seine Stimme zitterte. Er hörte, wie zarte Hände den Griff der Tür umfassten und seine Augen wurden weit. „Nicht reinkommen, Kurokocchi!“

„Eh?“

„Bitte nicht reinkommen! Es ist alles in Ordnung, ich komme gleich nach!!“

„...“ Der Griff der Tür bewegte sich nicht und eine lange Pause trat ein. „Wie du meinst, Kise-kun.“

Schritte entfernten sich langsam und erst als auch der letzte Schritt verklungen war, atmete Kise auf.

„Kise-kun?“ Kurokos Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

„... ja?“

„Sind Akashi-kun und Midorima-kun bei dir?“

„... nein.“

„... hm.“ Ein leises Seufzen war auf der anderen Seite der Tür zu hören. „Ich gehe jetzt zurück in die Halle, Kise-kun.“

„J-ja, ich komme gleich nach, Kurokocchi.“

Kise starrte auf die Tür.

Es ist noch nicht vorbei.


***


„Midorimacchi, du bist spät, alle anderen sind schon in der Halle~“, spottete Kise, als er einen sichtlich wütenden Midorima die Umkleide betreten sah.

Hat er etwas gehört?

„Tsk, Akashi, das nächste Mal...“, murmelte Midorima in sich hinein und schenkte Kise keine Beachtung.

Er hat doch nichts gehört, oder? Nein, auf keinen Fall hat er etwas gehört.

aber was, wenn doch?

„Hey, Mi-do-ri-ma-cchi!“, rief Kise und versuchte, Midorimas Aufmerksamkeit zu ergattern.

„Das nächste Mal garantiert...“ Midorima war zu sehr in seine Gedanken vertieft, um Kises Stimme zu hören, doch er wurde in dem Augenblick aus seiner Gedankenwelt gerissen, als er seinen Spind öffnete und feststellte, dass etwas fehlte. „Mein Lucky Item-!“

„Midorimacchis Lucky Item?“

„Kise!“, rief Midorima plötzlich und funkelte Kise mit einem Blick an, der töten könnte.

„W-was?“, stammelte Kise erschrocken.

„Mein Lucky Item, hast du es gesehen?“, fragte Midorima panisch und sah sich im Raum um. „Ich muss es im Clubraum vergessen haben.“

„Ich weiß gar nicht, wovon du redest, Midorimacchi...“, antwortete Kise zögernd und sah zu, wie Midorima wieder aus der Umkleide stürmte.

Kise blieb verwirrt in der Umkleide zurück, entschloss sich dann allerdings, Midorima zu folgen. Er verließ die Umkleide ebenfalls und ging durch den dunklen Gang.

„Hey, Midorimacchi!“, rief Kise und der vor ihm hastende Midorima hielt inne.

„Was ist, Kise?“, fragte Midorima genervt und nervös.

„Ich glaube, ich habe dein Lucky Item gefunden~“, sagte er mit spielender Stimme und Midorima kam augenblicklich näher.

„Wo?“

„Im Geräteraum“, bluffte Kise und musste sich ein Grinsen verkneifen.

„Jetzt wo du es sagst“, erinnerte sich Midorima. „Ich war vorhin im-“ Noch ehe Midorima den Satz beendete, war er davon gelaufen, steuerte geradewegs auf den Geräteraum der Sporthalle zu.

„Midorimacchi, warte doch auf mich!“, rief Kise und folgte ihm lautstark. Mit nur wenigen Schritten waren sie im besagten Geräteraum angekommen, Midorima knipste das Licht an und eine Schicht Staub wühlte sich auf, als die beiden den Raum betraten.

„Wo ist es, Kise?“

„D-das, ähm, also...“, stammelte Kise unsicher und versuchte, sich schnellstmöglich eine Ausrede einfallen zu lassen.

„Sag schon!“, verlangte Midorima und klang äußerst aggressiv.

„V-vielleicht war es hinter dem Regal?“ Kise deutete auf ein metallenes Regal, voll gestapelt mit Hanteln und Gewichten verschiedenster Art.

„Bist du dir sicher?“

„Ja, ich bin mir sicher“, sagte Kise selbstsicher und wartete darauf, dass Midorima sich auf das Regal fokussierte.

Näher, noch ein bisschen näher, Kise wartete, bis Midorima nah genug war. Kise packte das Regal und zog es nach vorn, mit einem Klirren hob es sich vom Boden ab und stürzte auf Midorima.

„Hey, Ki-„ Midorimas Schrei wurde von dem Inhalt des Regals erstickt.

„Tut mir Leid, Midorimacchi“, sagte Kise und knipste das Licht wieder aus, schloss die Tür hinter sich. „Ich kann es nicht riskieren, Kurokocchi in deine Nähe zu lassen.“

Kise ging schnellen Schritte des Gang zurück in die Umkleide, streifte sich seine Sportkleidung über. Ein bitteres Lächeln formte sich auf seinem Gesicht, sein nächstes und letztes Ziel stand fest.

Damit Kuroko sein werden kann, musste er Akashi töten.


***


„Akashi-kun...“

„Ich weiß, was du sagen willst, Kuroko“, antwortete Akashi und lächelte Kuroko sanft. „Die anderen bekommen heute ein... spezielles Training.“

„...“

„Du solltest dein Training ebenfalls nicht vernachlässigen“, belehrte Akashi und händigte ihm einen neuen Trainingsplan aus. „Das ist ein neuer Plan, bitte studiere ihn gut.“

„Verstanden“, antwortete Kuroko und nickte, sah sich den Plan genauer an. In ihm stieg schon beim Lesen ein Gefühl der Erschöpfung auf und er ließ seufzend den Kopf hängen.

„Akashicchi~“, rief Kise und sprintete auf Akashi zu. „Akashicchi, ich muss etwas mit dir besprechen.“

„Gern, Kise“, antwortete Akashi und sah zu ihm auf.

„Äh“, zögerte Kise und deutete auf die Tür. „Könnten wir das draußen besprechen? Das ist mir etwas unangenehm.“

Akashi dachte für einen Moment nach und nickte schließlich. „Gut, gehen wir vor die Tür.“

Kuroko sah, wie die beiden die Tür hinter sich schlossen und starrte für eine lange Zeit auf diesen einen Punkt.

„Hey, Kuroko“, rief Nijimura und gab Kuroko einen Klaps auf dem Hinterkopf, riss ihn aus seinen Gedanken. „Nicht einschlafen, du hast nicht umsonst einen neuen Plan bekommen!“

„Ja, verstanden“, murmelte Kuroko und nickte, ging schließlich wieder seinem Training nach.

Die Halle leerte sich nach und nach, immer mehr Schüler beendeten ihr Training und gingen nach Hause.

„Nijimura-san, wo ist Akashi-kun?“

„Hm, was meinst du?“ Nijimura, der ebenfalls die Halle verlassen wollte, drehte sich zu Kuroko um.

„Seit Akashi-kun mit Kise-kun gegangen ist, sind die beiden nicht mehr erschienen“, merkte Kuroko an und sah zu Boden.

„Da würde ich mir mal keine Gedanken drum machen“, wandte Nijimura ihn ab und sprach in strengem Ton weiter. „Konzentriere dich auf dein Training.“

„Ja, verstanden...“

Schließlich war Kuroko allein in der Halle, versuchte, den Ball zu dribbeln und Körbe zu werfen. Das Aufprallen des Balls hallte unzählige Male in der Halle wieder und Kuroko sah schließlich auf die Uhr. Es war schon dunkel geworden und er entschied letztendlich sich dazu, das heutige Training zu beenden.

Klick.

Mit einem lauten Knarren ging die Tür auf.

„Kurokocchi, ich dachte mir, dass du noch hier bist!“, sagte Kise mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.

„Ich wollte gerade gehen, Kise-kun“, antwortete Kuroko zögernd.

„Eh? Jetzt, da wir endlich allein sind?“ Kise schloss die Tür hinter sich und ging auf Kuroko zu.

„...“

„Warum so still, Kurokocchi~?“, lachte Kise und griff nach einem Basketball, warf gekonnt einen Korb. Der Ball schlug wiederholt auf dem Boden auf, bevor er wieder zum Stillstand kam.

„Kise-kun, wo sind die anderen?“

„Das ist jetzt nicht mehr wichtig, Kurokocchi.“

„Wo ist Aomine-kun?“

„Niemand wird uns jetzt stören.“

„Momoi-san, Murasakibara-kun, Midorima-kun, Akashi-kun und... Haizaki-kun.“

„Jetzt gibt es nur noch dich und mich.“

Kuroko wollte Schreien, doch er wusste, dass ihn niemand hören wird, seine Beine wollten sich nicht bewegen. Kise kam langsam auf ihn zu, ein lächelndes Gesicht wie immer.

„Ku・ro・ko・cchi・♡ !“ Kise breitete die Arme aus. „Komm her, Kurokocchi.“

„Kise-kun, hör auf“, sagte Kuroko und versuchte, einen Schritt nach vorn zu setzen.

„Du möchtest nicht herkommen? Dann komme ich eben zu dir.“ Kise ging wieder auf Kuroko zu, in welchem sich Panik ausbreitete.

„Kise-kun, hör auf!!“, schrie Kuroko und rannte an Kise vorbei. Kise reagierte schnell und packte Kurokos Arm, riss ihn zu Boden. „Ah-“

„Kurokocchi, du sollst doch nicht weglaufen“, sagte Kise kühl und kniete neben Kuroko und vergrub sein Gesicht in den Haaren des Kleineren. „Ah, Kurokocchis Haare sind immer noch so weich und sanft.“

„Kise-kun, bitte, ich will das nicht“, murmelte Kuroko, der versuchte, sich aufzurichten, wurde jedoch von zwei starken Armen am Boden gehalten.

„Kurokocchi, endlich sind wir zusammen, Kurokocchi, Kurokocchi...“ Kise drückte Kuroko fest an sich heran.

„Bitte, hilfe...“ Über Kurokos sonst so ausdrucksloses Gesicht liefen Tränen, er kämpfte immer noch damit, sich aus Kises Umarmung zu befreien. Ein letzter, verzweifelter Schrei erklang aus seiner Kehle. „Aomine-kun! AOMINE-KUN!!“

Kurokos Schrei verstummte in dem Moment, in dem Kise ihn mit einem Faustschlag aus der Umarmung entließ.

„Kurokocchi!!“, rief Kise verzweifelt. „Aominecchi gibt es nicht mehr, du sollst nur noch an mich denken!“

„...“ Kuroko rieb sich die Wange und versuchte, sich aufzurichten, doch die Erschöpfung ließ seine Beine einknicken. „Aomine-kun hat versprochen, mich zu beschützen. Er wird kommen und mich ret-“

„Sei still, Kurokocchi! Du gehörst mir allein, niemand wird dich mir je wieder wegnehmen!“, schrie Kise und griff nach Kurokos Genick, flüsterte leise Kurokos Ohr.

„Kurokocchi, Kurokocchi, Kurokocchi...“

„Ao... mine... ku...“ Kuroko wurde die Luft abgeschnitten, Kuroko kratzte die Haut an Kises Hand auf, nach nur wenigen Sekunden fielen seine Arme jedoch regungslos nach unten.

„Ich liebe dich, Kurokocchi.“


ENDE.





EPILOG



„Nijimura-san?“

„Hm?“

„Informiere den Coach bitte auch über Murasakibara.“

„Werde ich machen.“

„Und über Kise und Kuroko. Wir werden Ersatz brauchen.“

„Verstanden.“

„Und über...“

Die Tür schwang auf. Akashi und Nijimura sahen verwundert auf, als jemand den Raum betrat.

„Ah, Midorima, guten Abend“, sagte Akashi und zeigte ein warmes Lächeln.

„Guten Abend, Akashi“, grüßte Midorima und setzte sich zu den anderen beiden an den Tisch.

„Hast du alle deine persönlichen Angelegenheiten geregelt, Midorima?“, fragte Akashi neugierig.

„Tch“, stieß Midorima aus und rückte seine Brille zurecht. „Habe ich nicht. Ich fordere dich heraus, Akashi.“

„Heh“, lachte Akashi und die Shogi-Steine vielen auf den Tisch.

„Wie oft hast du heute schon verloren?“, warf Nijimura genervt ein, er könnte nicht weniger an einem Spiel zwischen den beiden interessiert sein.

Midorima lächelte und öffnete seine linke Faust, ein vierblättriges Kleeblatt kam zum Vorschein.

„Es benötigt schon etwas mehr Glück, um mich zu besiegen.“
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