Das Leben ist bunt

von Cocinelle
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
09.01.2014
09.02.2014
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09.01.2014 1.757
 
Zur gleichen Zeit betraten Thure und der Rest der Crew die Einsatzzentrale. Die Fahrt war ereignislos verlaufen und Thure freute sich schon darauf, Saskia abzuholen und einen gemütlichen Abend mit ihr zu verbringen. Er fragte sich, wie sie wohl auf seine Überraschung reagieren würde. Als er die Tür zum Lageraum öffnen wollte, hielt Pia ihn plötzlich zurück. „Kapitän“, sagte sie, „irgendetwas stimmt da nicht.“ Thure blickte durch die Glasscheibe in den Raum. Zunächst sah er nur Ben auf seinem Stuhl sitzen. Im nächsten Moment registrierte er seine Freundin, die an einen Stuhl gefesselt auf dem Boden lag. Entsetzt musste er mit ansehen, wie sie sich scheinbar vor Schmerzen wand. Dann bemerkte er auch die drei maskierten Männer. „Verdammt, was ist denn da los?“, rief er. „Los, Feddersen, Frau Cornelius, sie geben uns Deckung. Norge, sie gehen mit mir rein.“ Schon hatte er seine Waffe erhoben und öffnete die Tür. Kai folgte ihm. Sie hatten den Überraschungseffekt auf ihrer Seite, das war ihr Vorteil. Bevor die Männer überhaupt wussten, wie ihnen geschah, waren sie auch schon überwältigt und niedergeworfen.

Während Pia und Marten ihnen Handschellen anlegten, eilten Kai und Thure zu Saskia. „Mein Gott, Saskia. Bist du in Ordnung?“, fragte Thure sofort. „Ja, ich denke schon. Ist nur etwas unbequem hier.“ Sie versuchte ein schwaches Lächeln. Thure griff nach einer Schere, durchtrennte ihre Fesseln und half ihr dann vorsichtig sich aufzurichten. Er zog sie fest in seine Arme. „Ich hatte solche Angst“, flüsterte er an dicht an ihrem Ohr. „Bist du sicher, dass mit euch beiden alles ok ist?“ „Ja, bin ich. Es tritt schon wieder eifrig.“ Erleichtert streichelte Thure ihren Bauch und gab ihr einen zärtlichen Kuss. „Ich möchte trotzdem, dass wir nachher beim Arzt vorbeifahren und dich durchchecken lassen. Nur um sicher zu gehen.“
Da meldete Ben, der inzwischen von Pia befreit worden war, sich zu Wort: „Ähm, also wir wollen ja nicht stören, aber ich glaube wir sollten unseren Besuch hier mal in die Zellen bringen.“ Er deutete auf die gefesselten Männer. Widerstrebend löste Thure sich von Saskia und sagte: „Lassen Sie sie gleich in die Vernehmungszimmer bringen. Ich will wissen, was das hier zu bedeuten hatte.“

Nachdem Pia und Marten die drei abgeführt hatten wandte Thure sich an Ben und Saskia: „Also, was genau ist hier passiert?“ Ben schilderte ihm, wie die Männer nach der Akte gesucht hatten, und wie sie ausgerastet waren als sie feststellen mussten, dass sie nicht da waren. „Ok, dann werden wir mal hören was sie dazu zu sagen haben.“ Er wandte sich um, doch Saskia hielt ihn fest. „Lass mich bei der Vernehmung dabei sein.“
„Saskia...“
„Bitte. Ich war dabei, ich weiß am besten was passiert ist.“
„Okay, du hast ja recht.“
Gemeinsam betraten sie das Vernehmungszimmer, in dem der Bärtige schon wartete. Zunächst gab er sich unkooperativ und verstockt, doch nachdem Thure ihm die Konsequenzen seines Handelns aufgezeigt hatte, wurde er etwas zugänglicher. Nach und nach erfuhren sie, dass er gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden war, wo er wegen des Bankraubes gesessen hatte. Nun hatte er die Beute holen wollen, die damals beschlagnahmt worden war und daher aus der Akte erfahren wollen, wo sich diese befand.
„Nun, diese Aktion ist gründlich schiefgegangen, dafür wandern Sie gleich wieder in den Knast und ihre Kumpanen dazu“, stellte Thure abschließend fest, und ließ ihn dann in eine Zelle bringen.

Bevor sie wieder in den Lageraum zurückgingen sagte Saskia zu ihrem Freund: „Schatz, mir kam da vorhin so eine Idee. Was hältst du davon, wenn wir Ben fragen, ob er die Patenschaft für unser Kind übernehmen will? Ich weiß, dass wir ihn jetzt noch nicht so lange kennen, aber ich glaube schon, dass er der Richtige dafür ist. Es sei denn, du hast einen anderen Vorschlag.“ Erstaunt sah Thure sie an. Darüber hatte er sich noch gar keine Gedanken gemacht. Saskia hatte hier keine Verwandtschaft und er selbst stand seinen Geschwistern nicht sonderlich nahe. Warum also nicht jemandem aus dem Team, dem er voll und ganz vertraute? „Nein, ich finde, das ist eine gute Idee“, antwortete er daher und legte den Arm um sie bevor sie gemeinsam zu ihren Kollegen zurückgingen.

Nachdem sie alle auf den neuesten Stand gebracht hatten, verkündete Thure: „Dann können Sie jetzt alle Feierabend machen, das war ja doch ein sehr ereignisreicher Tag. Es wird eben doch nicht langweilig bei der Küstenwache.“
„Halt, bevor ihr euch jetzt alle davon macht, hab ich auch noch was zu sagen“, hakte Saskia ein. „Wie ihr wisst müsst ihr jetzt erst einmal eine Weile ohne mich auskommen.“ Sie grinste ihre Kollegen an. „Aber keine Sorge, ich werde wiederkommen. So schnell werdet ihr mich nicht los, ich fühle mich nämlich tierisch wohl bei euch. Also ich wünsche euch alles Gute für die nächste Zeit und wir werden uns ganz sicher bald wieder sehen.“

Da trat Ben vor und sagte: „Ich denke ich spreche hier im Namen aller wenn ich sage, dass du uns sehr fehlen wirst. Ohne dich ist unser Team nicht richtig vollständig. Aber wir freuen uns natürlich  mit dir und Kapitän Sander. Naja, und damit du uns nicht ganz so sehr vermisst, haben wir hier auch noch etwas für dich.“ Er gab Marten ein Zeichen und dieser holte ein Päckchen aus seiner Schreibtischschublade. Als Saskia es öffnete entpuppte es sich als Strampler ganz im Stil der Küstenwachenuniformen mit niedlichen blauen Bündchen. Sogar die Epauletten fehlten nicht. „Oh ist der süß“, rief sie aus. „Schau mal Thure wie goldig. Danke, das ist total lieb von euch.“ Gerührt umarmte sie ihre Kollegen. Als sie bei Ben angekommen war flüsterte sie ihm ins Ohr: „Warte nachher noch einen Moment, wir müssen noch was besprechen.“ Ben nickte verwirrt.

In diesem Moment betrat auch Herr Gruber den Lageraum. „Nun meine liebe Frau Berg“, begann er, „jetzt ist es also so weit, dass Sie uns verlassen. Nun zumindest vorübergehend. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute und hoffe, Sie kommen bald gesund und munter wieder zu uns zurück.“ Er schüttelte Saskia die Hand und reichte ihr einen riesigen Blumenstrauß. „Als kleines Dankeschön für Ihren bisher geleisteten Dienst“, fügte er hinzu. Dann wandte er sich an Thure: „Und Ihnen, Kapitän Sander wünsche ich natürlich auch alles Gute und viel Freude mit Ihrer kleinen Familie.“ Er klopfte ihm freundlich auf die Schulter.
„Danke“, erwiderte Thure, der schon die ganze Zeit von einem Ohr zum anderen grinste. Ganz offensichtlich freute er sich auch über die Aufmerksamkeit seiner Kollegen.
„Wollt ihr uns nicht langsam mal verraten, was es wird?“, bohrte Pia nach. Saskia sah Thure fragend an. „Tja, eigentlich ist es ja kein Geheimnis, früher oder später würdet ihr es doch mitkriegen“, stellte er fest und ergriff Saskias Hand. „Wir haben selbst erst vor wenigen Wochen erfahren, dass es ein Junge wird.“
„Herzlichen Glückwunsch. Aber egal ob Junge oder Mädchen, Hauptsache es ist gesund“, sagte Marten und die anderen pflichteten ihm bei.

Saskia traten die Tränen in die Augen, als sie daran dachte, wie lieb sie ihr Team gewonnen hatte. Sie hatte so viel mit ihnen erlebt, und es war tatsächlich nie langweilig geworden. Davor fürchtete sie sich am meisten. Dass sie ihre Arbeit so sehr vermissen und es nicht schaffen würde, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Schließlich hatte sie sonst kaum etwas anderes getan als gearbeitet. Am Anfang ihrer Schwangerschaft, als sie mit Thure über ihre Sorgen gesprochen hatte, hatte er gesagt, dass Leben sei wie ein bunter Teller, von allem etwas dabei. Und dass sie keine Angst vor der Zukunft haben solle, es werde sich schon alles einrichten. Zwischenzeitlich gab es natürlich auch immer wieder Phasen in denen ihr das Leben gar nicht bunt, sondern trist und grau vorgekommen war. Und seit sie Thure kannte, waren diese Phasen immer seltener geworden. Und nun war aus ihrer Liebe ein neues Leben entstanden. Sie hoffte, dass sie und Thure es schaffen würden, ihr Kind vor den schlimmsten Schicksalsschlägen zu bewahren.
Der Druck von Thures Hand holte sie wieder zurück in die Gegenwart. Die Mannschaft umarmte Saskia ein letztes Mal, dann machten sich alle auf den Weg in die Umkleidekabine. Auch Gruber verabschiedete sich und schließlich blieben nur noch Thure, Saskia und Ben im Lageraum.

„Du wolltest mich sprechen?“, wandte Ben sich an Saskia. „Ja, also Thure und ich wollten dich fragen, ob du die Patenschaft für unseren Sohn übernehmen willst?“, kam diese sogleich auf den Punkt. Ben war sichtlich überrascht. „Puh, das kommt jetzt echt unerwartet...“
„Du musst dich ja nicht gleich entscheiden, aber wir würden uns sehr freuen, wenn du es machen würdest“, warf Thure ein.
„Nein, ich denke da muss ich nicht lange überlegen. Wenn ihr meint dass ich der Richtige dafür bin, wäre ich sehr geehrt Pate eures Sohnes zu werden.“
„Danke Ben. Ich bin sicher, du machst das großartig“, antwortete Saskia. Dann verschwand auch Ben in der Umkleide.

„Sie fehlen mir jetzt schon“, sagte Saskia wehmütig  und schmiegte sich in Thures Arme. Sie war noch immer total gerührt von der Reaktion ihres Teams. Es tat gut zu wissen, dass sie sie auch vermissen würden. Thure legte die Hände um ihre kaum noch vorhandene Taille und sah ihr in die Augen. „Du wirst bald gar keine Zeit mehr haben sie zu vermissen“, flüsterte er ihr zu. „Ich bin jedenfalls froh, dass du jetzt anfangen kannst dich zu schonen. Und ich freue mich so darauf, wenn wir dann zu dritt sind. Ich glaube unser kleiner Sonnenschein wird viel Farbe in unser Leben bringen.“
„Ja, da hast du ganz sicher recht. Aber manchmal frage ich mich auch, ob unser Leben nicht schon aufregend genug ist. Ich meine, es wird eine ganz schöne Umstellung, wenn auf einmal ein Baby im Haus ist. Und je näher dieser Zeitpunkt rückt, desto unsicherer werde ich, ob wir uns da nicht vielleicht zu viel zugemutet haben.“
Sachte strich Thure ihr über die Wange. „Mach dir keine Gedanke. Du bist ja nicht allein. Zusammen werden wir das schaffen. Und Veränderungen machen das Leben doch auch viel interessanter, findest du nicht?“ Er warf ihr ein aufmunterndes Lächeln zu, das Saskia zögerlich erwiderte. „Jetzt sollten wir uns aber auch erst einmal umziehen, schließlich haben wir ja heute Abend noch etwas vor.“
Mit diesen Worte zog er sie mit sich zur Umkleidekabine. Die anderen waren inzwischen fertig und genossen schon ihren wohlverdienten Feierabend.
„So? Was haben wir denn vor?“, versuchte Saskia ihm sein Geheimnis zu entlocken. Doch Thure war noch nicht bereit, es ihr zu verraten. „Zuerst werden wir beim Arzt vorbeifahren und schauen, ob mit euch beiden alles in Ordnung ist, und danach.... kommt meine Überraschung.“ Dabei grinste er wie ein kleiner Junge.
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